PA: Welternährungsbericht 2026: 645 Millionen Menschen sind von Hunger betroffen

645 Millionen Menschen weltweit leiden an Hunger – das zeigt der Welternährungsbericht, der morgen veröffentlicht wird. Gegenüber dem Vorjahr ist dies zwar ein leichter Rückgang. Von einem Trendwechsel kann jedoch keine Rede sein: Während einige Regionen Fortschritte verzeichnen, verschärft sich die Hungerkrise insbesondere in Afrika. Konflikte, Klimaschocks und drastische Mittelkürzungen drohen die globale Entwicklung erneut umzukehren. 

„645 Millionen Menschen leiden Hunger, obwohl die Welt genug Nahrung für alle produziert. Diese Ungerechtigkeit ist die Folge von Konflikten, Ungleichheit und politischen Fehlentscheidungen. Wir müssen dringend in nachhaltige Ernährungssysteme investieren“, fordert Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.   

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung in Afrika: Mit 309 Millionen Betroffenen lebt dort erstmals die größte Zahl hungernder Menschen weltweit. Jede fünfte Person auf dem Kontinent ist von Hunger betroffen. 

Das sind die Schlüsselzahlen des Welternährungsberichts 2026 

  • Im Jahr 2025 sind schätzungsweise 645 Millionen Menschen beziehungsweise 7,8 Prozent der Weltbevölkerung von Hunger betroffen. 
  • 309 Millionen Menschen in Afrika leiden unter Hunger. Damit ist jede fünfte Person auf dem Kontinent betroffen. 
  • Weltweit leben 2,1 Milliarden Menschen beziehungsweise 25,8 Prozent der Weltbevölkerung in moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit. Das bedeutet, dass sie keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichender Nahrung haben oder zeitweise sogar einen ganzen Tag ohne Essen auskommen müssen. 
  • Frauen bleiben überproportional von Ernährungsunsicherheit betroffen. Zudem leidet inzwischen mehr als jede dritte Frau im Alter von 15 bis 49 Jahren (30,7 Prozent) an Anämie. 
  • Nur 30,8 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis 23 Monaten und 62,7 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren erreichen weltweit das Mindestmaß an Ernährungsvielfalt. 
  • In Afrika erreichen lediglich 43 Prozent der Frauen und 20,5 Prozent der Kinder die Mindestanforderungen an eine vielfältige Ernährung. 

Gesunde Ernährung bleibt für Milliarden Menschen unerschwinglich 

Der Schwerpunkt des diesjährigen Berichts liegt auf den Kosten gesunder Ernährung. Zwar ist der Anteil der Menschen, die sich eine gesunde Ernährung nicht leisten können, von 37,4 Prozent im Jahr 2021 auf 32,7 Prozent gesunken. Dennoch bleibt gesunde Ernährung für rund ein Drittel der Weltbevölkerung unerreichbar. Besonders dramatisch ist die Situation in Afrika: Dort können sich 66,6 Prozent der Menschen keine gesunde Ernährung leisten.  

Die Kosten einer gesunden Ernährung sind ein wichtiger Indikator. Sie dürfen jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Um Hunger zu bekämpfen, müssen die Ungleichheiten und Machtverhältnisse entlang der gesamten Lebensmittelkette sowie die strukturellen Ursachen von Ernährungsunsicherheit angegangen werden. 

Um den Zugang zu vielfältiger Ernährung zu verbessern, fordert Aktion gegen den Hunger einen Umbau der Ernährungssysteme auf Grundlage agrarökologischer Ansätze. Dazu gehört insbesondere die gezielte Umlenkung öffentlicher Subventionen und Forschungsgelder in diese Form der Landwirtschaft. 

Mittelkürzungen senden das falsche Signal 

Während die humanitären Bedarfe weltweit steigen, werden die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe in Deutschland weiter gekürzt. Nach Einschnitten von rund einer Milliarde Euro im Entwicklungsetat und mehr als 50 Prozent bei der humanitären Hilfe im Jahr 2025 stehen 2026 für humanitäre Hilfe nur noch rund eine Milliarde Euro zur Verfügung – gerade einmal 0,2 Prozent des Bundeshaushalts. Auch der Etat des Entwicklungsministeriums sinkt auf zehn Milliarden Euro und erreicht damit den niedrigsten Anteil am Bundeshaushalt seit 15 Jahren.  

Diese Kürzungen stehen in keinem Verhältnis zu den globalen Herausforderungen und den steigenden humanitären Bedarfen. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage sind fast drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) der Meinung, die internationale Gemeinschaft müsse mehr Mittel gegen globalen Hunger und Armut bereitstellen.   

„Kürzungen bei Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit sind keine abstrakten Haushaltsentscheidungen. Sie führen dazu, dass Gesundheitszentren schließen, Hilfslieferungen ausfallen und immer mehr Kinder hungern. Wer hier spart, trifft Entscheidungen mit direkten Folgen für Menschenleben“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust. 

Hinweis an die Redaktionen

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
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PA: Straße von Hormus: Mehr als 23 Millionen zusätzliche Kinder von Armut bedroht

Neue Analyse zeigt: Jahre des Fortschritts könnten zunichtegemacht werden, Millionen von Kindern tiefer in die Armut geraten und die Ungleichheit weiter zunehmen.

Bis zum Ende des Jahres könnten bis zu 23,4 Millionen weitere Kinder in monetäre Armut abrutschen, da die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und die damit verbundenen Störungen der Schifffahrt weiterhin schwerwiegende und möglicherweise unumkehrbare Auswirkungen auf Kinder haben. Dies geht aus einer heute veröffentlichten neuen Analyse von UNICEF hervor.

Der Bericht The Impact of the Middle East War on Children in Monetarily Poor Households („Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf Kinder in einkommensarmen Haushalten“) stützt sich auf Daten aus mehr als 167 Ländern und zeigt auf, wie steigende Lebensmittel- und Energiepreise sowie umfassendere wirtschaftliche Schocks infolge der eskalierenden Feindseligkeiten – einschließlich Unterbrechungen im Zusammenhang mit der Schließung der Straße von Hormus – die Kaufkraft von Haushalten verringern. Kinder in den ärmsten Haushalten sind davon überproportional betroffen.

„Kinder zahlen den Preis für die eskalierenden Konflikte im Nahen Osten, auch Kinder weit über die Region hinaus“, sagte Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. „Je länger dies andauert, desto schwerwiegender werden die Folgen. Die schnell steigenden Lebenshaltungskosten machen Nahrung und Bildung für viele Familien unerschwinglich. Für Kinder, die bereits in Armut leben, verschärfen diese Schocks die Entbehrungen und können Schäden verursachen, die ein Leben lang anhalten.“

Der Bericht untersucht zwei mögliche Szenarien: ein ungünstiges Szenario (adverse poverty) und ein schwerwiegendes Szenario (severe poverty). Das ungünstige Szenario geht von einem moderaten wirtschaftlichen Schock aus, der zusätzlich 18,3 Millionen Kinder in monetäre Armut treiben könnte. Das schwerwiegende Szenario nimmt stärkere und länger anhaltende Störungen von Preisen und wirtschaftlicher Aktivität an und prognostiziert, dass 23,4 Millionen weitere Kinder in monetäre Armut gedrängt werden könnten, falls der Krieg andauert.

Die Analyse zeigt, dass die monetäre Kinderarmut äußerst empfindlich auf makroökonomische Schocks reagiert. Steigende Lebensmittel- und Energiekosten verringern in Verbindung mit begrenztem finanzpolitischem Spielraum in vielen Ländern unmittelbar die Fähigkeit von Familien, ihre Grundbedürfnisse zu decken.

Die größten Anteile des weltweiten Anstiegs der monetären Armut entfallen auf Asien und Afrika, die zusammen rund 80 % des gesamten Anstiegs ausmachen. Beide Kontinente weisen bereits hohe Armutsraten auf und sind besonders anfällig für externe Schocks.

So hatte die Krise im Nahen Osten beispielsweise in Somalia unmittelbare Folgen. Die Treibstoffpreise in Mogadischu haben sich innerhalb weniger Tage nach der Eskalation mehr als verdoppelt. Dadurch stiegen die Kosten für Lebensmittel, Wasser, Transport und humanitäre Hilfe in einem Land, das zugleich mit einer sich verschärfenden Mangelernährungskrise zu kämpfen hat.

In Äthiopien haben Störungen im Zusammenhang mit der Straße von Hormus zu höheren Treibstoffkosten geführt, die sich auf die Preise lebensnotwendiger Güter auswirken. Die Dieselpreise sind um 31 % gestiegen, während die Kosten für Treibstoff im humanitären Einsatz um 50 bis 70 % zunahmen. Dies erschwert die Versorgung schwer erreichbarer Gemeinschaften mit Hilfsgütern.

In Nigeria haben die wirtschaftlichen Schocks die Armut weiter verschärft. Haushalte mit niedrigem Einkommen geben zwischen 60 und 70 % ihres Einkommens für Lebensmittel und Transport aus. Bereits geringfügige Preissteigerungen verringern daher ihre Kaufkraft erheblich.

In Bangladesch setzt der steigende Preis von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Linsen, Speiseöl, Gemüse, Fisch und Geflügel Familien zunehmend unter Druck. Schätzungsweise 1,2 Millionen weitere Menschen könnten dort in Armut geraten.

Der Bericht warnt, dass die Folgen des Krieges Jahre weltweiter Fortschritte zunichtemachen könnten. Ohne rechtzeitige und gezielte politische Maßnahmen werde die Krise Millionen Kinder weiter zurückwerfen, die Armut vertiefen und es Familien erschweren, sich von den Auswirkungen zu erholen. Darüber hinaus schränkt sie den Zugang von Familien zu Nahrung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Schutzdiensten ein, die für die körperliche und kognitive Entwicklung von Kindern unerlässlich sind.

UNICEF ruft nationale Regierungen, Geberländer und internationale Finanzinstitutionen dazu auf, Kinder vor den schwerwiegendsten Auswirkungen der Krise zu schützen. Zu den vorrangigen Maßnahmen gehören:

  • Sicherstellung nationaler und internationaler Finanzmittel für Dienstleistungen und Güter, auf die Kinder angewiesen sind, darunter Gesundheitsversorgung, Ernährung, Bildung und Kinderschutz.
  • Ausbau und langfristige Stärkung sozialer Sicherungssysteme, einschließlich kindgerechter Geldtransferprogramme, sowie die Gewährleistung kontinuierlicher Unterstützung, bevor Subventionen abgeschafft werden.
  • Sicherstellung eines ununterbrochenen Zugangs von Kindern und Familien zu bezahlbaren grundlegenden Dienstleistungen und Gütern, unter anderem durch Mindestausgaben, die an die Inflation angepasst werden.
  • Erweiterung des finanzpolitischen Handlungsspielraums zum Schutz nationaler Investitionen in essenzielle Dienstleistungen, beispielsweise durch die Aussetzung von Schuldendiensten oder Umschuldungsmaßnahmen in Ländern, in denen der Schuldendienst die Ausgaben für Gesundheit, Bildung oder soziale Sicherung übersteigt.
  • Aufbau und Umsetzung kindorientierter Vorsorgesysteme, die eine schnelle und umfassende Unterstützung von Kindern in Krisensituationen ermöglichen, einschließlich internationaler Zusammenarbeit zur Minderung der Auswirkungen aktueller und künftiger Schocks.

„Diese Krise gefährdet das Leben und die Zukunft von Kindern“, sagte Russell. „Wenn die Welt nicht rasch handelt, werden die kombinierten Auswirkungen von Konflikten, wirtschaftlicher Instabilität und steigenden Kosten Millionen Kinder in noch tiefere Armut treiben. Wir könnten erleben, wie hart erkämpfte Entwicklungsfortschritte wieder verloren gehen.“

Hinweise für Redaktionen

Aufgrund des anhaltenden Konflikts und bestehender Datenlücken weist der Bericht darauf hin, dass nur ein Teil der Länder des Nahen Ostens in den globalen Gesamtschätzungen enthalten ist. Zudem werden keine gesonderten Schätzungen für die Region Naher Osten und Nordafrika (MENA) ausgewiesen. Stattdessen werden jene Länder des Nahen Ostens, für die Daten vorliegen, den jeweiligen kontinentalen Gesamtwerten zugerechnet.

Methodischer Hinweis

Der Bericht betrachtet zwei Szenarien – ein ungünstiges („adverse“) und ein schwerwiegendes („severe“) Szenario.

  • Das ungünstige Szenario verfolgt einen konservativen Ansatz und schreibt nur jene Inflationsabweichungen der Krisensituation zu, die über dem Niveau eines hypothetischen Szenarios ohne Krieg liegen.
  • Das schwerwiegende Szenario geht von einer deutlich stärkeren Verschlechterung der makroökonomischen Rahmenbedingungen infolge einer langanhaltenden oder sich verschärfenden Krise aus.

In Übereinstimmung mit der Methodik der Weltbank beziehungsweise der Poverty and Inequality Platform (PIP) wird Armut anhand internationaler Armutsgrenzen bewertet, die den Standards von Ländern mit niedrigem beziehungsweise unterem mittlerem Einkommen entsprechen: 3,00 US-Dollar beziehungsweise 4,20 US-Dollar pro Person und Tag. Soweit Daten verfügbar sind, werden zusätzlich nationale Armutsgrenzen verwendet. Diese kommen jedoch ausschließlich in Ländern zum Einsatz, in denen offizielle nationale Armutsgrenzen oder veröffentlichte nationale Armutsschätzungen vorliegen, aus denen die jeweilige Armutsgrenze abgeleitet werden kann, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sicherzustellen.

Zum Bericht auf der Website von UNICEF International.

Foto- und Videomaterial zur redaktionellen Nutzung.

UNICEF Österreich
Michael Blauensteiner
Telefon: +43 660 38 48 821
E-Mail: blauensteiner@unicef.at
Website: https://unicef.at




PA: Neuer Südwind-Bericht: Gesundheitsrisiken und prekäre Arbeit prägen den Secondhand-Sektor in Uganda

Wien/Kampala, am 2. Juli 2026. Jedes Jahr landen bis zu 100.000 Tonnen Altkleidung aus dem Globalen Norden in Uganda, 40 Prozent davon sind unbrauchbarer Müll – das entspricht 2.000 vollbeladenen LKWs. Zur Bewältigung dieser Altkleider-Flut entstand ein ganzer Arbeitssektor. Schätzungen zufolge arbeiten in Uganda zwischen 700.000 bis zu indirekt 5 Millionen Menschen im informellem Secondhand-Sektor – sei es als Straßenverkäufer:innen, Schneider:innen, Sortierer:innen oder Müllsammler:innen. Ihr Alltag ist geprägt von finanziellem Druck, Gesundheitsrisiken und existenzieller Unsicherheit. Das zeigt ein neuer Bericht der ugandischen Gewerkschafterin und Forscherin Faith Irene Lanyero, im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Südwind. Der Bericht “Die Menschen hinter den Altkleiderbergen. Arbeitsbedingungen in Ugandas Secondhand-Bekleidungssektor” legt einen Fokus auf die menschlichen Schicksale hinter dem Secondhand-Handel und diskutiert Alternativen für einen gerechten Wandel.

„Unter den Bergen an Altkleidern, die nach Uganda kommen, verbirgt sich eine tiefe soziale und ökologische Krise”, sagt Autorin Faith Irene Lanyero. „Hunderttausende Arbeiter:innen schuften oft ohne freien Tag unter gefährlichen Bedingungen, ohne soziale Absicherung, ohne Gewerkschaftsvertretung und meist ohne Chance auf ein existenzsicherndes Einkommen. Die wachsenden Müllberge werden sogar zu einer Bedrohung für angrenzende Siedlungen, wie der Einsturz der Kiteezi-Deponie 2024 mit 35 Todesopfern zeigte.”

„Der globale Secondhand-Markt ist bei weitem kein nachhaltiger Kreislauf. Die Arbeiter:innen in Ugandas Secondhand-Sektor zahlen den Preis für unseren Fast-Fashion-Konsum. Gemäß dem Prinzip ‘Aus den Augen aus dem Sinn’ werden Europas Müllprobleme auf den Globalen Süden abgewälzt, ebenso wie die Verantwortung über den Umgang mit schädlichen Stoffen, Gesundheitsrisiken und prekären Arbeitsbedingungen”, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für Mode-Lieferketten. „Das Fast-Fashion-System hat den Secondhand-Handel zu einer Müllfalle für den Globalen Süden gemacht.”

70 Stunden-Woche, hohe Belastung, keine Absicherung

Obwohl die Secondhand-Branche oft als nachhaltige Lösung dargestellt wird, ist sie von enormen sozialen und ökologischen Problemen geprägt. In Uganda schafft die Branche zwar viele Arbeitsplätze, die Bedingungen dieser Arbeit sind jedoch höchst prekär. Die meisten Arbeiter:innen haben keine Verträge, keine Schutzkleidung, keine soziale Absicherung und keine Gewerkschaftsvertretung. Befragte berichten von 70-Stunden-Wochen, chronischen Schmerzen, Bluthochdruck oder Atemwegsproblemen, verursacht durch schwere Lasten, Hitze und Staub. Das Einkommen reicht oft nicht zum Leben.

Märkte wie Owino in Kampala sind überfüllt, schlecht belüftet und ohne Schutz vor Regen oder Hitze. Überschwemmungen und Brände sind häufige Gefahrenquellen. Vor allem Frauen arbeiten unter besonders prekären Bedingungen: Zugang zu Toiletten, Mutterschutz oder Kinderbetreuung fehlt. Viele Frauen nehmen daher ihre Babys mit in die gefährliche Arbeitsumgebung. Gleichzeitig verrichten sie oft die am schlechtesten bezahlten Jobs, wie das Tragen von Altkleider-Ballen, Bügeln mit Holzkohle, oder das Ausbessern oder Waschen von Kleidung.

Straßenhändlerin Patricia Nyaketcho berichtet: „Ich arbeite von Montag bis Montag, ohne freien Tag, jeweils zehn Stunden, um meine fünfköpfige Familie zu ernähren. Mein Einkommen reicht nicht aus, um unsere Lebenshaltungskosten zu decken. Die große Menge an minderwertiger Second-Hand-Ware verursacht für mich große Verluste.”

Fehlende Kontrollen und mangelhafte Sortierung

Auch Österreich trägt zu diesen Problemen bei. Mit rund 30 Prozent wird zwar überdurchschnittlich viel der aussortierten Altkleidung gesammelt. Aufgrund fehlender Sortierungs-Infrastruktur wird jedoch mehr als die Hälfte exportiert. Das entspricht rund 22.000 Tonnen, die jedes Jahr in einem intransparenten System des Weiterhandels landen, ohne Überprüfung oder Mitsprache von Zielländern wie Uganda.

„Mit unserer alten Kleidung exportieren wir nicht zuletzt massive Umwelt- und Sozialprobleme. Es kann nicht sein, dass wir unsere Müllprobleme auf andere abwälzen, aufgrund von fehlender Infrastruktur, unzureichenden Kontrollen und Mangel an politischem Willen in Österreich”, sagt Südwind-Expertin Lena Gruber. „Die Menschen am Ende der Lieferketten, die unsere Kleidung aussortieren, weiterverarbeiten und entsorgen, haben ein Recht auf Mitsprache und Selbstbestimmung über den für sie so wichtigen Wirtschaftssektor.”

Denn trotz aller Probleme bietet der Secondhand-Sektor in Uganda vielen Menschen eine wichtige Chance: Für viele Familien ist der Handel mit gebrauchter Kleidung die einzige Einkommensquelle. „Secondhand kann Teil einer nachhaltigen Modewirtschaft sein und hochwertige Secondhand-Ware den Bedarf an Neuproduktion reduzieren. Das zeigen einige ugandische Designer:innen, die aus Altkleidern neue Produkte entstehen lassen“, sagt Lena Gruber von Südwind. „Nachhaltig und respektvoll kann das nur gelingen, wenn die Müllflut aus Europa gestoppt und politische Lösungen für das Fast Fashion-Problem umgesetzt werden.“

Forderungen: Vom linearen Müll- zum gerechten Kreislaufsystem

Südwind fordert auf Basis der Studie einen dringenden Kurswechsel: Das Ziel müsse sein, dass nur wiederverwendbare Kleidung exportiert werden darf. Um Müllexporte in Länder des Globalen Südens zu vermeiden, fordert Südwind den Aufbau von ausreichenden Sortierkapazitäten in den Verbraucher-Ländern, strenge Exportkontrollen und Sanktionen bei Falschdeklaration.

Gleichzeitig braucht es Maßnahmen, um die Überproduktion zu bremsen: Dazu zählen eine ökosoziale Steuerung mit Abgaben auf Billigmode zur Finanzierung von nachhaltigen und sozial gerechten Lösungen. In dem Sinne müssen Modemarken basierend auf der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte verantwortlich gemacht werden.

Rückfragen:
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at



PA: Hilfskürzungen könnten globale Risiken verschärfen: Studie verknüpft Entwicklungshilfe mit Rohstoffinteressen der EU und USA

  • Brisanter Zusammenhang: Studie  von Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) verknüpft Entwicklungshilfe mit Rohstoffinteressen der EU und der USA
  • Weltweite Folgewirkungen: Kürzungen der EU- und US-Hilfe könnten humanitäre Bedingungen, die Umwelt und Lieferketten beeinträchtigen.
  • Hilfe scheint Rohstoffinteressen zu folgen: Finanzströme scheinen mit Ländern verbunden zu sein, die strategische Rohstoffe liefern.
  • Anhaltende Zweifel an Unabhängigkeit: Zusammenhänge zwischen Entwicklungshilfe und Rohstoffimporten werfen Fragen zu Vergabekriterien auf.
  • Geopolitische Machtverschiebungen: Veränderungen wie die Auflösung von USAID könnten die globale Entwicklungszusammenarbeit neu gestalten.
  • Einzigartige Studie: Basierend auf OECD- und Handelsdaten vergleicht die Studie über 1,7 Millionen Hilfsprojekte mit Handelsströmen über 200 Länder hinweg und ist damit in ihrem Umfang beispiellos. 

Die globale Entwicklungshilfe erlebt nach den jüngsten milliardenschweren Kürzungen durch die größten Geberländer, insbesondere die Vereinigten Staaten und Mitglieder der Europäischen Union, einen bedeutenden Wandel. Ein kürzlich von der OECD veröffentlichter Bericht zeigt, dass 26 OECD-Länder ihre Entwicklungshilfe im Jahr 2025 gekürzt haben. Die weltweit größte Entwicklungsagentur, USAID, wurde im Juli 2025 aufgelöst. Eine aktuelle Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) untersucht potenzielle Auswirkungen dieser Entwicklungen und hebt mögliche humanitäre, ökologische und geopolitische Folgen hervor, einschließlich neuer Risiken für globale Lieferketten. Die Analyse zeigt systematische Zusammenhänge zwischen offizieller Entwicklungshilfe (Official Development Assistance – ODA) und Handelsbeziehungen. 

Die Studie zeigt, dass ODA – einschließlich Hilfe, die ungebunden, humanitär oder anderweitig nicht mit Handel verbunden ist – offenbar mit geopolitischen Überlegungen und umfassenderen wirtschaftlichen Zielen von Geberländern wie den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union verknüpft ist. Die Studie basiert auf den neuesten verfügbaren OECD- und Handelsdaten und vergleicht Hilfsströme aus mehr als 1,7 Millionen Entwicklungsprojekten mit Handelsströmen zwischen 200 Ländern, was sie in ihrem Umfang beispiellos macht. 

„Zwischen 2011 und 2022 flossen Milliarden an Hilfsgeldern in Länder, die strategische Rohstoffe für die USA und die EU liefern, was auf Bemühungen hinweist, Lieferketten und geopolitischen Einfluss zu sichern. Selbst vermeintlich unabhängige humanitäre Hilfe zeigt starke Verbindungen zu den Handelsinteressen der Geberländer, was darauf hindeutet, dass sie weit stärker geopolitisch und wirtschaftlich motiviert ist als bislang angenommen“, erklärt Studienautor und ASCII-Direktor Peter Klimek. 

EU und USA setzen unterschiedliche Prioritäten bei der Mittelvergabe 

Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede in den Finanzierungsprioritäten der beiden größten Geberregionen – der EU und den USA – zwischen 2020 und 2022. Auf die Vereinigten Staaten entfielen über 80 % der globalen Hilfszusagen in den Bereichen Bevölkerungspolitik und reproduktive Gesundheit. Sie trugen außerdem ungefähr 50 % der weltweiten Finanzierung zur Stärkung von Regierungen und Zivilgesellschaft bei. Darüber hinaus waren mehrere Länder wie Ägypten, Indien und Bangladesch stark von US-Hilfe für den Ausbau ihrer Verkehrsinfrastruktur abhängig. Die Europäische Union konzentrierte sich dagegen stärker auf Bildung und soziale Infrastruktur. Über 60 % der weltweiten Finanzierung in diesen Bereichen wurden von EU-Ländern bereitgestellt, ebenso wie mehr als 50 % der Gesamtfinanzierung für Wasser- und Sanitärversorgung. 

Vermeintlich unabhängige oder humanitäre Entwicklungshilfe scheint Handelsinteressen zu folgen 

Während offizielle Entwicklungshilfe darauf abzielt, unabhängig und ohne ausdrückliche Bedingungen geleistet zu werden, zeigt die Analyse für den Zeitraum 2011–2022 anhaltende statistische Zusammenhänge zwischen humanitärer und umweltbezogener Entwicklungshilfe sowie den Rohstoffhandelsmustern der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. Diese Muster gehen über Programme hinaus, die ausdrücklich als „Aid for Trade“ klassifiziert werden. Besonders starke Zusammenhänge zeigen sich zwischen biodiversitätsbezogener Hilfe und Importen bestimmter Rohstoffe und Agrarprodukte: darunter Kakao und Kakaoprodukte in die Vereinigten Staaten sowie Erze und Asche in die Europäische Union. Diese Produkte werden in der Fachliteratur häufig mit Umweltbelastungen wie Biodiversitätsverlust, Entwaldung und der Degradierung von Ökosystemen in Verbindung gebracht.

Die beobachteten Korrelationen sind vergleichsweise hoch  die Werte lagen im Untersuchungszeitraum durchschnittlich bei 0,89 für Kakaoimporte in die USA sowie bei 0,86 für Erze und Asche in die EU (auf einer Skala von -1 bis 1). Ähnlich starke Zusammenhänge zeigen sich auch zwischen humanitärer Hilfe in Bereichen wie Gesundheit, Infrastruktur oder konfliktbezogener Unterstützung und dem Handel mit Edelsteinen, Metallen und anderen mineralischen Rohstoffen. Diese Ressourcen stammen häufig aus politisch fragilen oder konfliktbetroffenen Regionen, in denen Rohstoffförderung mit erheblichen ökologischen und sozialen Risiken verbunden sein kann.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass höhere Rohstoffimporte der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union systematisch mit höheren Niveaus an Entwicklungshilfe in bestimmten Sektoren der exportierenden Länder verbunden sind. Eine allgemeine positive Beziehung zwischen Handel und Entwicklungshilfe zeigt sich jedoch nicht durchgehend. Die beobachteten Muster stehen mit unterschiedlichen möglichen Interpretationen im Einklang, darunter überlappende geografische Prioritäten, koordinierte politische Strategien oder breitere geopolitische und wirtschaftliche Verflechtungen.

„Humanitäre Hilfe, die formal unparteiisch und unabhängig sein soll, könnte in der Praxis mit Bemühungen verbunden sein, Umwelt-, Gesundheits- und Governance-Herausforderungen zu bewältigen, die mit Rohstoffgewinnung zusammenhängen. Gleichzeitig kann sie mit Bedingungen zusammenfallen, die einen stabilen und vorhersehbaren Zugang zu Rohstoffen für die Vereinigten Staaten und die Europäische Union unterstützen“, erklärt Asjad Naqvi, ASCII-Forscher und Senior Economist am WIFO. 

Zusammenhänge spiegeln bekannte SDG-Konflikte wider 

Die Ergebnisse legen nahe, dass Entwicklungshilfe häufig in Kontexten vergeben wird, in denen unterschiedliche Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsziele miteinander verflochten sind. Dabei können Zielkonflikte zwischen wirtschaftlicher Entwicklung (z. B. SDG 8) oder Ernährungssicherheit (SDG 2) einerseits sowie ökologischer Nachhaltigkeit, Gesundheit und institutioneller Stabilität (z. B. SDGs 15, 3 und 16) andererseits sichtbar werden. Vor diesem Hintergrund könnten Hilfsströme teilweise mit Bemühungen zusammenfallen, ökologische, soziale oder institutionelle Folgen von Rohstoffgewinnung und wirtschaftlicher Aktivität abzufedern, auch wenn die Analyse selbst keine kausalen Zusammenhänge untersucht. 

„Offizielle Entwicklungshilfe (ODA) gilt als wesentliche Finanzierungsquelle zur Förderung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, daher überrascht es nicht, dass die in dieser Studie identifizierten Zusammenhänge etablierte Zielkonflikte widerspiegeln“, sagt Studienautorin und ASCII-Forscherin Rosie Hayward.

Angesichts des Umfangs der beobachteten Zusammenhänge zwischen Handel und ODA könnten Veränderungen der Hilfsniveaus das Risiko bergen, diese Zielkonflikte zu verschärfen.

US-Rückzug aus Entwicklungshilfe und Fokus auf handelsgetriebene Kooperation verändern geopolitische Dynamiken 

Jüngste Veränderungen im Umfang und in der Ausrichtung der Entwicklungshilfe der Vereinigten Staaten sowie Kürzungen durch andere große Geberländer wie Frankreich und Deutschland deuten auf einen grundlegenden Wandel internationaler Kooperationsmodelle hin. Mit der angekündigten US-Initiative „trade over aid“ zeichnet sich zudem eine stärkere Verlagerung hin zu privatwirtschaftlichen Investitionen und handelsorientierten Partnerschaften als Alternative zur klassischen Entwicklungszusammenarbeit ab.

Solche investitions- und handelsgetriebenen Ansätze könnten jedoch mit ähnlichen Zielkonflikten zwischen den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) verbunden sein, wie sie auch in den beobachteten Zusammenhängen zwischen Handel und Entwicklungshilfe sichtbar werden – insbesondere im Hinblick auf Umweltbelastungen, Gesundheitsrisiken und soziale Auswirkungen rohstoffintensiver Wirtschaftsaktivitäten. Ohne geeignete politische und institutionelle Rahmenbedingungen könnten damit weiterhin Risiken für globale Stabilität, Nachhaltigkeit und soziale Entwicklung verbunden bleiben.

Die Autor:innen der Studie betonen daher die Bedeutung eines internationalen, kooperativen und für alle Beteiligten möglichst vorteilhaften Ansatzes zur Bewältigung globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Rohstoffsicherheit und nachhaltiger Entwicklung.

Über die Studie
Die Studie kombiniert zwei globale Datensätze: das Creditor Reporting System (CRS) der OECD, das offizielle, standardisierte und vergleichbare Daten zu Hilfsströmen aus dem Entwicklungshilfeausschuss und teilnehmenden Ländern an den Rest der Welt für mehr als 1,7 Millionen Projekte bereitstellt, einschließlich detaillierter Informationen zu Zweck, politischen Zielsetzungen und Zielsektoren, sowie den CEPII-BACI-Datensatz, der jährliche bilaterale Handelsströme für 200 Länder auf Produktebene enthält. Download.

Über das Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII)Das Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) ist ein unabhängiges, weltweit führendes Lieferketteninstitut für interdisziplinäre, datengetriebene Analysen globaler Produktions- und Logistiknetzwerke – mit dem Ziel, resiliente, nachhaltige und zukunftsfähige Lieferketten zu gestalten. Das Institut wurde als Forschungs-Joint Venture vom Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) gemeinsam mit dem Complexity Science Hub (CSH), dem Logistikum der Fachhochschule Oberösterreich und dem Verein Netzwerk Logistik (VNL) gegründet. www.ascii.ac.at

 
Kontakt:
Wissenschaft: Asjad Naqvi, asjad.naqvi@wifo.ac.at, +43 680 22 45 790
Pressesprecherin: Ines Matzelle, press@ascii.ac.at, +43 664 25 41 320



PA: Straße von Hormus: Folgen der Schließung treffen mangelernährte Kinder in Somalia und Malawi am härtesten

CARE warnt vor den dramatischen Folgen der Schließung der Straße von Hormus, da die Kosten für lebensrettende Hilfe explodieren / „Wenn lebensrettende Behandlung ausbleibt, wird Hunger zum Todesurteil“

 Die Schließung der Straße von Hormus infolge des Konflikts im Nahen Osten hat dramatische Auswirkungen auf die humanitäre Versorgung im östlichen und südlichen Afrika. Besonders betroffen sind Kinder in Somalia und Malawi, warnt die Hilfsorganisation CARE. Innerhalb von nur zwei Monaten haben sich die Transportkosten für lebensrettende therapeutische Spezialnahrung mehr als verdreifacht – von 55 auf 200 US-Dollar pro Karton. Ein Behandlungsprogramm, das ursprünglich 300 schwer mangelernährte Kinder unter fünf Jahren versorgen sollte, erreicht damit nur noch 83 Kinder.

Eine Analyse von IPC (Integrated Food Security Phase Classification) hat ergeben, dass derzeit jede dritte Person in Somalia unter akuter Ernährungsunsicherheit leidet. Fast zwei Millionen Menschen befinden sich bereits in einer schweren Notlage – rund eine halbe Million mehr als ursprünglich prognostiziert. Für 2026 wird erwartet, dass rund 1,9 Millionen Kinder wegen akuter Mangelernährung behandelt werden müssen.

„Jede Verzögerung, jedes leere Lager bedeutet, dass wir ein Kind nicht rechtzeitig erreichen. Wenn lebensrettende Behandlung ausbleibt, wird Hunger zum Todesurteil. Das darf niemals die Realität für ein Kind sein“, sagt Ummy Dubow, CARE-Länderdirektorin in Somalia.

Malawi: Versorgungsengpässe verschärfen Ernährungskrise

In Malawi leiden derzeit mehr als vier Millionen Menschen – fast ein Viertel der Bevölkerung – unter akuter Ernährungsunsicherheit. Mehr als ein Drittel der Harnstoffimporte und knapp ein Viertel aller Düngemittelimporte des Landes sind von Transportwegen durch die Straße von Hormus abhängig. Die Treibstoffpreise sind bereits um rund 35 Prozent gestiegen.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) warnt: Ein Rückgang der Düngemittelverfügbarkeit in Subsahara-Afrika um zehn Prozent könnte die regionalen Lebensmittelpreise um bis zu acht Prozent erhöhen – mit direkten Folgen für die Ernährungssicherheit von Kindern und Familien. Für Mädchen steigt zudem das Risiko von Schulabbrüchen und Frühverheiratung.

Weltweit bis zu 45 Millionen Menschen zusätzlich von Hunger bedroht

Das Welternährungsprogramm (WFP) prognostiziert, dass bis Juni weitere 45 Millionen Menschen weltweit von akuter Hungersnot betroffen sein könnten, wenn der Konflikt im Nahen Osten andauert und der Ölpreis dauerhaft über 100 US-Dollar pro Barrel bleibt.

„Die explodierenden Kosten für Lebensmittel, Treibstoff und Transport werden erhebliche Folgen für internationale Hilfseinsätze haben. Und das nach dem Jahr mit den größten Kürzungen humanitärer Hilfsgelder in der Geschichte. Am härtesten trifft es jene, die bereits jetzt unter Hunger, der Klimakrise und Konflikten leiden – darunter vor allem Frauen und Mädchen. Wenn Nahrung knapp wird, verzichten sie oft als Erste auf Mahlzeiten“, warnt Robyn Savage, CARE-Direktorin für weltweite Nothilfeeinsätze.

CARE fordert sofortiges Handeln

Die Wiederöffnung der Straße von Hormus ist entscheidend, damit humanitäre Hilfe Kinder, Frauen und Familien in Krisengebieten erreichen kann. Selbst bei einer sofortigen Wiedereröffnung werden die Lieferketten noch monatelang gestört bleiben.

CARE fordert die internationale Gemeinschaft auf, humanitären Zugang sicherzustellen und die Finanzierung humanitärer Hilfe deutlich auszuweiten. Dazu gehört insbesondere die Unterstützung lokaler und von Frauen geführter Organisationen, die in Krisengebieten an vorderster Front arbeiten. Robyn Savage ergänzt: „Ein anhaltender, inklusiver und umfassender Waffenstillstand ist der einzige Weg, um die Zivilbevölkerung zu schützen und eine globale Hungerkrise zu verhindern. Humanitäre Hilfe muss sicher, vollständig und ungehindert alle Menschen in akuter Not erreichen können.“

Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at




PA: World Fair Trade Day. Südwind Niederösterreich feiert Fortschritte beim fairen Handel

25 Jahre Faire Wochen in Niederösterreich – Weltläden und Südwind Niederösterreich feiern Jubiläum mit zahlreichen Events in ganz Niederösterreich

Zum diesjährigen World Fair Trade Day am 9. Mai steht in Niederösterreich ein besonderes Jubiläum im Mittelpunkt: Die Fairen Wochen feiern ihr 25-jähriges Bestehen. In Zusammenarbeit mit den Weltläden setzt Südwind Niederösterreich mit zahlreichen Veranstaltungen in ganz Niederösterreich ein starkes Zeichen für fairen Handel, nachhaltigen Konsum und globale Gerechtigkeit. 

„Das 25-jährige Jubiläum der Fairen Wochen zeigt, wie sich der faire Handel von einer engagierten Nischenbewegung hin zu einem wichtigen Bestandteil nachhaltigen Konsums entwickelt hat. Während anfangs vor allem einzelne Produkte, wie etwa Kaffee und Schokolade, im Fokus standen, geht es heute vor allem um Gerechtigkeit entlang globaler Lieferketten und strukturelle Veränderungen im Wirtschaftssystem“, sagt Ingrid Schwarz von Südwind Niederösterreich. „Gemeinsam mit den Weltläden als Fachgeschäfte für den fairen Handel wollen den diesjährigen World Fair Trade Day nutzen, um diese Fortschritte sichtbar zu machen und gleichzeitig auf bestehende Herausforderungen im globalen Handel hinzuweisen.“

Event-Highlights zum World Fair Trade Day

Die Veranstaltungen von Südwind Niederösterreich und den Weltläden laden dazu, fairen Handel hautnah zu erleben – von Produktverkostungen über Workshops bis hin zu Informationskampagnen. 

  • „Weltladentag 2026 – Fair handeln – Vielfalt stärken“, Weltladen Perchtoldsdorf am Samstag, 9. Mai, 10:00 – 13:00 Uhr, Verkostungen, Austausch und Kinderprogramm
  • „Fest der Begegnung“, Weltladen Krems am Samstag, 9. Mai, 10:00 – 13:00 Uhr, Kennenlernen mit Verkostungen
  • Filmabend: „Mit Biss und Tritt zur Vielfalt“, Weltladen Lanzenkirchen, am Samstag, 9. Mai, 19:30 Uhr, Filmvorführung mit anschließendem Gespräch mit Projektkoordinatorin Maria Schindler vom Verein Hirtenkultur.  

Im Rahmen der Fairen Wochen lädt Südwind Niederösterreich noch den ganzen Mai über zu unterschiedlichen Veranstaltungsformaten dazu ein, globale Zusammenhängen näher kennenzulernen und sich mit Gerechtigkeit entlang unserer Lieferketten kritisch auseinanderzusetzen. 

Alle Eventdetails sind zu finden auf: Suedwind.at/Projekt/Faire-Wochen-2026




PA: Verlässlichkeit zahlt sich aus – FAIRTRADE wächst und zeigt globale Wirkung

Der Umsatz mit FAIRTRADE-Produkten in Österreich erreicht 2025 ein neues Rekordniveau. In einem Umfeld aus Klimakrise, steigenden Kosten und Preisschwankungen gewinnt fairer Handel weiter an Bedeutung und erweist sich als stabiler Anker.

  • Umsatz von FAIRTRADE-Produkten wächst 2025 um 12,7 Prozent.
  • Mehr Wirkung für Produzentenorganisationen: 89,3 Millionen US-Dollar an Direkteinnahmen.
  • In Côte d’Ivoire steigt Anteil der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen mit Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle auf 74 Prozent, extreme Armut geht massiv zurück von 58 Prozent auf 17 Prozent.

FAIRTRADE Österreich verzeichnet 2025 ein deutliches Wachstum: Der Gesamtumsatz steigt auf 796 Millionen Euro, ein Plus von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bauernfamilien und Beschäftigte profitieren von den höheren Direkteinnahmen aus FAIRTRADE-Verkäufen in Österreich – diese erreichen mittlerweile 89,3 Millionen US-Dollar.

Mit einem Pro-Kopf-Konsum von 88 Euro zählt Österreich zu den Top-3 FAIRTRADE-Märkten weltweit. „Dieses Wachstum ist kein Zufall. Es zeigt, dass faire Handelsbedingungen für Konsument:innen und Unternehmen zunehmend relevant sind, gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten“, sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich. Vertrauen bleibt ein entscheidender Faktor: 98 % der Österreicher:innen kennen das FAIRTRADE-Siegel, 87 % vertrauen ihm. „Wenn Märkte unsicher werden, zählt Orientierung, und die bieten glaubwürdige Siegel“, so Kirner. Das bestätigt auch die unabhängige Stiftung Warentest in Deutschland mit dem aktuellen Siegel-Check (05/2026).

Wachstum trotz steigender Herausforderungen
Die positive Marktentwicklung ist breit getragen: Zuwächse bei Bananen (+6,9 %), Rosen (+11,3 %) und Kakao (+3,7 %) bestätigen die stabile Nachfrage. Kaffee ist hingegen leicht rückläufig (-6,3 %), vor allem wegen Sortimentsveränderungen und hoher Rohstoffpreise. Für Produzentenorganisationen in den Anbauländern verschärft sich die Lage dennoch insgesamt: Klimabedingte Ernteausfälle, unsichere Weltmarktpreise und steigende Kosten setzen viele Betriebe zunehmend unter Druck. Gleichzeitig wirken aktuelle politische Krisen negativ auf die globalen Lieferketten ein. Der Finanzierungsbedarf steigt, während Unsicherheiten bei Erträgen und Preisen zunehmen. 

Unabhängiger Test bestätigt hohe Aussagekraft
Zusätzliche Bestätigung erhält FAIRTRADE durch einen aktuellen Test der Stiftung Warentest (05/2026): Das FAIRTRADE-Siegel zählt zu den drei Systemen mit der höchsten Aussagekraft. Besonders hervorgehoben werden Mindestpreise, Prämien sowie klare Vorgaben für existenzsichernde Einkommen und Arbeitsbedingungen. Damit wird FAIRTRADE als eines der verlässlichsten Nachhaltigkeitssiegel im Lebensmittelbereich eingeordnet – ein wichtiger Orientierungsfaktor für Konsument:innen.

Messbare Wirkung im Ursprung
Das Wachstum in Österreich zeigt direkte Wirkung in den Anbauregionen. Zusätzliche Einnahmen und Prämien ermöglichen Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Klimaanpassung, und stärken damit die Resilienz von Bauernkooperativen und Farmen mit Beschäftigten im FAIRTRADE-System. Besonders deutlich wird das im Kakaosektor: In Côte d’Ivoire erreichen mittlerweile 74 Prozent der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen ein Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle. 2017 lag dieser Anteil noch bei 23 Prozent. Gleichzeitig ist extreme Armut massiv zurückgegangen – von 58 Prozent auf nur noch 17 Prozent der Haushalte. Diese Entwicklung zeigt auch unter schwierigen globalen Bedingungen: „Die großen globalen Herausforderungen treffen jene am stärksten, die den wenigsten finanziellen Spielraum haben. FAIRTRADE setzt genau hier an und schafft konkrete Verbesserungen“, betont Kirner.

Transparenz schafft Orientierung
Mit neuen EU-Vorgaben und wachsender Nachfrage nach nachhaltigen Produkten steigen die Anforderungen an glaubwürdige Systeme weiter. Klare Kriterien, unabhängige Kontrollen und nachvollziehbare Lieferketten werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen. FAIRTRADE bietet diese Transparenz seit Jahrzehnten. „Unser Ziel bleibt, wirtschaftlichen Erfolg und soziale Verantwortung langfristig zu verbinden“, so Kirner abschließend.

Rückfragehinweis: presse@fairtrade.at




Interviewmöglichkeit: Stimmen des Widerstands aus Bolivien – indigene Frauen kämpfen für Umwelt und Gerechtigkeit

Derzeit sind engagierte Vertreterinnen mehrerer Partnerorganisationen aus Bolivien zu Besuch in Österreich. Sie berichten aus erster Hand über die Auswirkungen von Bergbau, Klimakrise und sozialer Ausgrenzung, sowie über konkrete Lösungsansätze und ihren täglichen Einsatz für Veränderung. 

Indigene Gemeinschaften in Bolivien sind massiv von Umweltzerstörung, Klimakrise und sozialer Ungleichheit betroffen. Besonders Frauen übernehmen eine zentrale Rolle im Einsatz für ihre Rechte, den Schutz ihrer Lebensgrundlagen und mehr Gerechtigkeit.

Interviewmöglichkeiten
Montag, 11. Mai 2026, 10-12 Uhr
Bundesbüro Katholische Jungschar/Dreikönigsaktion, Wilhelminenstraße 91IIf, 1160 Wien
Terminvereinbarung:
Elisabeth Holzner, 0676 88011 1000, elisabeth.holzner@dka.at
Die Gespräche finden auf Spanisch statt, eine Übersetzung ist bei Bedarf gerne möglich.
Interviews sind auf Wunsch auch online oder telefonisch/per Whatsapp möglich.

Hintergrund
Am Río Pilcomayo und in anderen Regionen Boliviens bedrohen Bergbau, großflächige Landwirtschaft und die Klimakrise die Lebensgrundlagen indigener Gemeinschaften. Das Wasser wird verschmutzt, Böden verlieren ihre Fruchtbarkeit, Gesundheitsschäden nehmen zu und traditionelle Lebensweisen geraten unter Druck. Die Ursachen reichen weit über Bolivien hinaus – sie sind eng mit globalen Produktions- und Konsummustern verbunden.

Indigene Aktivist*innen machen auch auf globale Zusammenhänge aufmerksam. Der Abbau von Rohstoffen für Elektronikgeräte oder andere Konsumgüter im Globalen Norden führt häufig zu Umweltzerstörung und sozialen Konflikten im Globalen Süden. 

Mitten in diesen Herausforderungen organisieren sich indigene Frauen. Sie gründen Kollektive, entwickeln nachhaltige Einkommensmöglichkeiten und setzen sich für den Zugang zu sauberem Wasser. Sie kämpfen für ihre Rechte, für kulturelle Anerkennung und für eine lebenswerte Zukunft ihrer Gemeinschaften.

Im April und Mai 2026 sind vier bolivianische Aktivistinnen aus unseren Partnerorganisationen CERDETISALPCEPA und CIPCA in Österreich und berichten im Rahmen der „Begegnung mit Gästen“ von Welthaus Österreich von ihrer Arbeit.
In Vorträgen, Workshops und persönlichen Begegnungen geben sie Einblick in ihr Engagement und zeigen, wie Empowerment, Bildung und gemeinschaftliches Handeln zu wirksamen Antworten auf ökologische und soziale Krisen werden.

Über die Gesprächspartnerinnen
Alicia Cuiza Churqui (CEPA, Centro de Ecología y Pueblos Andinos, Zentrum für Ökologie und andine Völker) ist Anthropologin und Psychologin mit langjähriger Erfahrung in Bildung, Forschung und Gemeinwesenarbeit. Sie arbeitet seit vielen Jahren mit Frauen und indigenen Gemeinschaften zu Themen wie Umweltmanagement, gesunde Ernährung, traditionelle Medizin, Handwerk und Führungskompetenzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung von Frauen, die von Umweltbelastungen betroffen sind, sowie auf der Begleitung nachhaltiger wirtschaftlicher Alternativen.

Erika Rojas (CIPCA, Centro de Investigación y Promoción del Campesinado, Zentrum für Forschung und Förderung von Kleinbauern- und -bäuerinnen) ist Agraringenieurin bei CIPCA Regional Altiplano. Sie arbeitet in den Gemeinden San Andrés de Machaca und Charazani im Departement La Paz an Projekten zur ländlichen Entwicklung mit Schwerpunkt auf Agrarökologie, Umweltpolitik und der Stärkung indigener Gemeinschaften – insbesondere von Frauen und Jugendlichen.

Águeda Colque Ordóñez (ISALP, Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí, Sozialforschung und Rechtsbe­ratung Potosí) ist Koordinatorin des Projekts K’acha Kausakunapaq bei ISALP. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit indigenen Gemeinschaften, insbesondere zu Gendergerechtigkeit, Dialogprozessen, nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährungssouveränität und ist national wie international in Beratungs- und Austauschprogrammen tätig.

Lenny Espinoza (CERDET, Centro de Estudios Regionales para el Desarrollo de Tarija, Zentrum für regionale Studien für die Entwicklung in Tarija) ist Anthropologin mit Schwerpunkt angewandte Anthropologie und Kulturmanagerin und verfügt über langjährige Erfahrung in der Gemeindearbeit mit indigenen Völkern. Derzeit arbeitet sie mit Frauen, Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Weenhayek-Volkes zu Menschenrechten, Zugang zur Justiz und Klimawandel. Ein besonderer Fokus liegt auf der Stärkung von Frauen, der Sicherung von Lebensgrundlagen wie Fischerei und Kunsthandwerk sowie der Förderung weiblicher Führung aus einer interkulturellen Perspektive.




PA: „Just Fashion Manifest“. Südwind präsentiert Vision für eine gerechte Modeindustrie

Breites internationales Bündnis präsentiert Prinzipien für einen nachhaltigen Wandel in der Modeindustrie – 22 österreichische Organisationen unterstützen das Just Fashion Manifest – International mehr als 230 Unterzeichner:innen zum Start.

Die Modeindustrie ist einer der größten Verursacher von Umweltzerstörung, Klimaschäden und sozialer Ungerechtigkeit. Fast Fashion wird häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert und mit schwerwiegenden Folgen für Umwelt und Klima. Südwind hat nun gemeinsam mit der Clean Clothes Kampagne – einem breiten Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gewerkschaften, Arbeitsrechtsexpert:innen aus dem Globalen Norden und Süden – sowie engagierten Einzelpersonen und Aktivist:innen eine Vision für eine gerechte Modeindustrie formuliert: dasJust Fashion Manifest. Es verbindet einmalig die Interessen junger Konsument:innen für nachhaltige Mode mit den Interessen der Arbeiter:innen am anderen Ende der Lieferkette für menschenwürdige Arbeit.

„Es ist längst offensichtlich, dass wir die weitreichenden Probleme der Modeindustrie nicht mit nachhaltigem Konsum alleine lösen können. Für soziale, ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit braucht es politischen Willen und ineinandergreifende Maßnahmen auf allen Ebenen“, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für Textillieferketten. Südwind fordert daher von der österreichischen Bundesregierung einen konkreten Maßnahmenplan, um gegen Ausbeutung, Klima- und Umweltschäden vorzugehen.

Khalid Mahmood, Sprecher der Labour Education Foundation, Pakistan sagt dazu: „Für Arbeiter:innen in Pakistan kann der ökologische Wandel nur dann gerecht sein, wenn er gleichzeitig faire Löhne, Arbeitsschutz, Gesundheits- und Sicherheit am Arbeitsplatz, Vereinigungsfreiheit, sozialen Schutz und die echte Mitbestimmung der Arbeiter:innen bei Entscheidungen garantiert. Das Manifest bietet einen wichtigen Rahmen, um sicherzustellen, dass die Kosten des Wandels nicht den Arbeiter:innen und Communities im Globalen Süden aufgebürdet werden, sondern von jenen getragen werden, die am meisten von der Industrie profitieren.“

Vision für eine gerechte Modeindustrie

Das Just Fashion Manifest beschreibt eine Vision für die Zukunft der Mode mit menschenwürdigen, klimaresilienten Arbeitsplätzen auf einem gesunden Planeten und enthält konkrete Verbesserungsschritte bis 2030. Das Dokument soll gleichermaßen Inspirationsquelle für eine interessierte Öffentlichkeit sowie Aufforderung an Politik und Unternehmen sein. Es definiert Prinzipien, die allen Maßnahmen für die Zukunft der Mode zugrunde liegen müssen. Ein gerechtes Modesystem:

  • …bietet allen Arbeiter:innen in der Wertschöpfungskette faire Arbeitsbedingungen, hohe Lebensqualität und gleiche Rechte.
  • …sichert Gerechtigkeit in all ihren Formen – sozial, wirtschaftlich, geschlechtsspezifisch und klimabedingt – heute und in Zukunft.
  • …verteilt Reichtum um, mit dem Ziel,  existenzsichernde Löhne und universellen sozialen Schutz für alle zu gewährleisten.
  • …stellt sicher, dass die Kosten für Klimaanpassung und -schutz fair geteilt werden.
  • …ermöglicht Arbeiter:innen Mitsprache – ohne Angst vor Repressionen.
  • …trägt zur Regeneration der Natur bei und bleibt innerhalb der planetaren Grenzen.
  • …reduziert übermäßige Produktionsmengen und erhöht gleichzeitig die Arbeitsplatzsicherheit.
  • …macht Unternehmen und ihre Führungskräfte für verursachte Schäden verantwortlich.
  • …fördert neue, faire Methoden für Anbau, Verarbeitung, Herstellung, Transport, Einzelhandel, Wiederverwendung, Recycling und Wertschätzung von Kleidung.

Forderungen an die Bundesregierung: Just Fashion Task Force

In Bezug auf Österreich sieht Südwind ein Kernproblem in der fragmentierten Gesetzeslage, die Schlupflöcher, Intransparenz und fehlende Haftung zur Folge hat. Die österreichische Menschenrechtsorganisation fordert daher von der Bundesregierung eine Just Fashion Task Force. Diese sollte Ministerien, Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen vernetzen, um die Wirksamkeit bestehender Gesetze sicherzustellen, Kontrollen zu stärken, bestehende Lücken zu schließen und Transparenz und öffentlichen Informationszugang sicherzustellen. Zusätzlich müssen EU-Richtlinien, die für die Regulierung von Fast Fashion-Anbietern relevant sind – wie etwa Empowering Consumers for the Green Transition oder der Digital Service Act – in Österreich konsequent umgesetzt werden, ebenso wie die EU-Zwangsarbeitsverordnung.

Die Südwind-Petition für eine gerechte Modeindustrie findet sich online unter:suedwind.at/justfashion




PA: Textil-Containerverbot in Wien. Südwind sieht Schritt in die richtige Richtung und fordert Begleitmaßnahmen

Fast Fashion-Auswirkungen brauchen umfassende Gegenmaßnahmen – Südwind sieht in Direktkooperationen mit Zielländern eine Möglichkeit für einen gerechten Umgang mit Altkleidung

Die Initiative der Stadt Wien, Altkleider stärker zu regulieren, ist aus Sicht von Südwind ein begrüßenswerter erster Schritt. Gleichzeitig braucht es für die Menschenrechtsorganisation zusätzliche politische Maßnahmen, um die Kleidungsflut zu bewältigen und eine nachhaltige, praktikable Wiederverwertung zu ermöglichen. „Die Müllhaufen rund um die Altkleider-Container in Wien sind nur ein kleines Symptom eines viel größeren globalen Problems. Das beginnt nicht erst bei der Entsorgung, sondern schon bei der Überproduktion und dem verschwenderischen Konsum von Kleidung“, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für Textillieferketten. „Angesichts der enormen Probleme für Umwelt und Menschen, die das Fast Fashion-System erzeugt, braucht es einen umfassenden Maßnahmenplan sowie den Blick auf die gesamte Lieferkette unserer Kleidung.“

Weiter Weg für Altkleidung zum Müllberg

Rund 46 Prozent der Altkleider aus Europa werden nach Afrika exportiert, überwiegend zur Wiederverwendung. Dabei sind allerdings rund 40 Prozent der exportierten Kleidung nicht mehr verwendbar. 41 Prozent gehen nach Asien – oft minderwertige Ware, die zu Putzlappen downgecycelt oder weiter exportiert wird, 63 Prozent landen davon wiederum in Afrika. Das zeigen Daten der Europäischen Umweltagentur. Hinzu kommt, dass nur etwa 1 Prozent der Kleidung weltweit tatsächlich von Faser zu Faser recycelt werden kann. Recherchen in Recyclinganlagen, etwa in Pakistan, zeigen zudem alarmierende Arbeitsbedingungen, die jenen in der Textilproduktion ähneln.

Untersuchungen von Südwind und der Clean Clothes Kampagne zeigen, dass die Arbeitsbedingungen im Altkleider-Sektor in vielen Ländern des Globalen Südens prekär, unsicher und unwürdig sind. Gewerkschaften in Uganda berichten, dass große Teile der importierten Kleidung aus Müll bestehen, der wiederum auf riesigen Deponien vor Ort entsorgt wird. Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen im Secondhand-Sektor Ugandas prekär und unsicher.

Kooperation zwischen Wien und Kampala als Begleitmaßnahme

Südwind fordert eine Kooperation auf Augenhöhe mit den Zielländern von Altkleider-Exporten. So könnte eine vertiefte Partnerschaft zwischen Wien und Kampala zum Knowhow-Austausch beitragen und Mitbestimmung im Globalen Süden stärken. Ein solches Projekt könnte Akteur:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einbinden: Sammler:innen, Re-Use-Betriebe, Exporteur:innen, Gewerkschaften sowie Menschenrechts- und Umweltorganisationen in beiden Ländern. Durch Dialogformate, gemeinsame Richtlinien und Austauschprogramme könnte ein fairer Secondhand-Handel aufgebaut werden. Gleichzeitig sollte die Kooperation den Aufbau lokaler, nachhaltiger Textilproduktion sowie sicherer Infrastruktur und Ausbildung fördern.

„Das System der Altkleiderverwertung steht weltweit vor dem Kollaps. Es darf nicht akzeptiert werden, dass nicht mehr benötigte Kleidung aus Europa auf immer größeren Müllbergen in anderen Weltregionen landet oder unter unsicheren Bedingungen recycelt wird“, sagt Südwind-Expertin Lena Gruber. „Ziel muss es sein, sicherzustellen, dass nur jene Kleidung exportiert wird, die vor Ort tatsächlich gebraucht und gewollt ist. Schließlich will niemand, dass aus der gutgemeinten Spende eine Belastung für Mensch und Umwelt wird.“

Europäische Regulierung entscheidend

So wichtig Initiativen auf Gemeindeebene sind, so sehr braucht es für Südwind die konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung zentraler EU-Regulierungen auf Bundesebene. Dazu zählen die Erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility), die EmpCo-Richtlinie gegen Greenwashing und geplante Obsoleszenz sowie Regelungen zur Eindämmung manipulativer Werbung großer Plattformen. Darüber hinaus sind strengere Kontrollen beim Export von Altkleidern, mehr Kapazitäten für hochwertige Sammlung und Wiederverwendung sowie stärkere Anreize für nachhaltige Mode notwendig.

Südwind hat dazu einen umfassenden Maßnahmenplan für faire Mode entwickelt: suedwind.at/justfashion

Rückfragen
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at

www.suedwind.at/presse