PA: Straße von Hormus: Mehr als 23 Millionen zusätzliche Kinder von Armut bedroht

Neue Analyse zeigt: Jahre des Fortschritts könnten zunichtegemacht werden, Millionen von Kindern tiefer in die Armut geraten und die Ungleichheit weiter zunehmen.

Bis zum Ende des Jahres könnten bis zu 23,4 Millionen weitere Kinder in monetäre Armut abrutschen, da die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und die damit verbundenen Störungen der Schifffahrt weiterhin schwerwiegende und möglicherweise unumkehrbare Auswirkungen auf Kinder haben. Dies geht aus einer heute veröffentlichten neuen Analyse von UNICEF hervor.

Der Bericht The Impact of the Middle East War on Children in Monetarily Poor Households („Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf Kinder in einkommensarmen Haushalten“) stützt sich auf Daten aus mehr als 167 Ländern und zeigt auf, wie steigende Lebensmittel- und Energiepreise sowie umfassendere wirtschaftliche Schocks infolge der eskalierenden Feindseligkeiten – einschließlich Unterbrechungen im Zusammenhang mit der Schließung der Straße von Hormus – die Kaufkraft von Haushalten verringern. Kinder in den ärmsten Haushalten sind davon überproportional betroffen.

„Kinder zahlen den Preis für die eskalierenden Konflikte im Nahen Osten, auch Kinder weit über die Region hinaus“, sagte Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. „Je länger dies andauert, desto schwerwiegender werden die Folgen. Die schnell steigenden Lebenshaltungskosten machen Nahrung und Bildung für viele Familien unerschwinglich. Für Kinder, die bereits in Armut leben, verschärfen diese Schocks die Entbehrungen und können Schäden verursachen, die ein Leben lang anhalten.“

Der Bericht untersucht zwei mögliche Szenarien: ein ungünstiges Szenario (adverse poverty) und ein schwerwiegendes Szenario (severe poverty). Das ungünstige Szenario geht von einem moderaten wirtschaftlichen Schock aus, der zusätzlich 18,3 Millionen Kinder in monetäre Armut treiben könnte. Das schwerwiegende Szenario nimmt stärkere und länger anhaltende Störungen von Preisen und wirtschaftlicher Aktivität an und prognostiziert, dass 23,4 Millionen weitere Kinder in monetäre Armut gedrängt werden könnten, falls der Krieg andauert.

Die Analyse zeigt, dass die monetäre Kinderarmut äußerst empfindlich auf makroökonomische Schocks reagiert. Steigende Lebensmittel- und Energiekosten verringern in Verbindung mit begrenztem finanzpolitischem Spielraum in vielen Ländern unmittelbar die Fähigkeit von Familien, ihre Grundbedürfnisse zu decken.

Die größten Anteile des weltweiten Anstiegs der monetären Armut entfallen auf Asien und Afrika, die zusammen rund 80 % des gesamten Anstiegs ausmachen. Beide Kontinente weisen bereits hohe Armutsraten auf und sind besonders anfällig für externe Schocks.

So hatte die Krise im Nahen Osten beispielsweise in Somalia unmittelbare Folgen. Die Treibstoffpreise in Mogadischu haben sich innerhalb weniger Tage nach der Eskalation mehr als verdoppelt. Dadurch stiegen die Kosten für Lebensmittel, Wasser, Transport und humanitäre Hilfe in einem Land, das zugleich mit einer sich verschärfenden Mangelernährungskrise zu kämpfen hat.

In Äthiopien haben Störungen im Zusammenhang mit der Straße von Hormus zu höheren Treibstoffkosten geführt, die sich auf die Preise lebensnotwendiger Güter auswirken. Die Dieselpreise sind um 31 % gestiegen, während die Kosten für Treibstoff im humanitären Einsatz um 50 bis 70 % zunahmen. Dies erschwert die Versorgung schwer erreichbarer Gemeinschaften mit Hilfsgütern.

In Nigeria haben die wirtschaftlichen Schocks die Armut weiter verschärft. Haushalte mit niedrigem Einkommen geben zwischen 60 und 70 % ihres Einkommens für Lebensmittel und Transport aus. Bereits geringfügige Preissteigerungen verringern daher ihre Kaufkraft erheblich.

In Bangladesch setzt der steigende Preis von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Linsen, Speiseöl, Gemüse, Fisch und Geflügel Familien zunehmend unter Druck. Schätzungsweise 1,2 Millionen weitere Menschen könnten dort in Armut geraten.

Der Bericht warnt, dass die Folgen des Krieges Jahre weltweiter Fortschritte zunichtemachen könnten. Ohne rechtzeitige und gezielte politische Maßnahmen werde die Krise Millionen Kinder weiter zurückwerfen, die Armut vertiefen und es Familien erschweren, sich von den Auswirkungen zu erholen. Darüber hinaus schränkt sie den Zugang von Familien zu Nahrung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Schutzdiensten ein, die für die körperliche und kognitive Entwicklung von Kindern unerlässlich sind.

UNICEF ruft nationale Regierungen, Geberländer und internationale Finanzinstitutionen dazu auf, Kinder vor den schwerwiegendsten Auswirkungen der Krise zu schützen. Zu den vorrangigen Maßnahmen gehören:

  • Sicherstellung nationaler und internationaler Finanzmittel für Dienstleistungen und Güter, auf die Kinder angewiesen sind, darunter Gesundheitsversorgung, Ernährung, Bildung und Kinderschutz.
  • Ausbau und langfristige Stärkung sozialer Sicherungssysteme, einschließlich kindgerechter Geldtransferprogramme, sowie die Gewährleistung kontinuierlicher Unterstützung, bevor Subventionen abgeschafft werden.
  • Sicherstellung eines ununterbrochenen Zugangs von Kindern und Familien zu bezahlbaren grundlegenden Dienstleistungen und Gütern, unter anderem durch Mindestausgaben, die an die Inflation angepasst werden.
  • Erweiterung des finanzpolitischen Handlungsspielraums zum Schutz nationaler Investitionen in essenzielle Dienstleistungen, beispielsweise durch die Aussetzung von Schuldendiensten oder Umschuldungsmaßnahmen in Ländern, in denen der Schuldendienst die Ausgaben für Gesundheit, Bildung oder soziale Sicherung übersteigt.
  • Aufbau und Umsetzung kindorientierter Vorsorgesysteme, die eine schnelle und umfassende Unterstützung von Kindern in Krisensituationen ermöglichen, einschließlich internationaler Zusammenarbeit zur Minderung der Auswirkungen aktueller und künftiger Schocks.

„Diese Krise gefährdet das Leben und die Zukunft von Kindern“, sagte Russell. „Wenn die Welt nicht rasch handelt, werden die kombinierten Auswirkungen von Konflikten, wirtschaftlicher Instabilität und steigenden Kosten Millionen Kinder in noch tiefere Armut treiben. Wir könnten erleben, wie hart erkämpfte Entwicklungsfortschritte wieder verloren gehen.“

Hinweise für Redaktionen

Aufgrund des anhaltenden Konflikts und bestehender Datenlücken weist der Bericht darauf hin, dass nur ein Teil der Länder des Nahen Ostens in den globalen Gesamtschätzungen enthalten ist. Zudem werden keine gesonderten Schätzungen für die Region Naher Osten und Nordafrika (MENA) ausgewiesen. Stattdessen werden jene Länder des Nahen Ostens, für die Daten vorliegen, den jeweiligen kontinentalen Gesamtwerten zugerechnet.

Methodischer Hinweis

Der Bericht betrachtet zwei Szenarien – ein ungünstiges („adverse“) und ein schwerwiegendes („severe“) Szenario.

  • Das ungünstige Szenario verfolgt einen konservativen Ansatz und schreibt nur jene Inflationsabweichungen der Krisensituation zu, die über dem Niveau eines hypothetischen Szenarios ohne Krieg liegen.
  • Das schwerwiegende Szenario geht von einer deutlich stärkeren Verschlechterung der makroökonomischen Rahmenbedingungen infolge einer langanhaltenden oder sich verschärfenden Krise aus.

In Übereinstimmung mit der Methodik der Weltbank beziehungsweise der Poverty and Inequality Platform (PIP) wird Armut anhand internationaler Armutsgrenzen bewertet, die den Standards von Ländern mit niedrigem beziehungsweise unterem mittlerem Einkommen entsprechen: 3,00 US-Dollar beziehungsweise 4,20 US-Dollar pro Person und Tag. Soweit Daten verfügbar sind, werden zusätzlich nationale Armutsgrenzen verwendet. Diese kommen jedoch ausschließlich in Ländern zum Einsatz, in denen offizielle nationale Armutsgrenzen oder veröffentlichte nationale Armutsschätzungen vorliegen, aus denen die jeweilige Armutsgrenze abgeleitet werden kann, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sicherzustellen.

Zum Bericht auf der Website von UNICEF International.

Foto- und Videomaterial zur redaktionellen Nutzung.

UNICEF Österreich
Michael Blauensteiner
Telefon: +43 660 38 48 821
E-Mail: blauensteiner@unicef.at
Website: https://unicef.at




Recherchematerial: SDG 4 – Hochwertige Bildung

Fragestellungen, Institutionen, Expert:innen, Veranstaltungen und Publikationen zum Thema.

„Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern.” Nelson Mandela

Status Quo – SDG 4
Das Bildung wichtig ist, findet auch in der internationalen Staatengemeinschaft breite Anerkennung. Die UN hat das Thema auf Platz vier der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) bis 20230 gereiht. Doch die Zeit läuft und aufgrund der historischen Kürzungswelle in der Entwicklungszusammenarbeit drohen 2026 auch dem Bildungssektor schwere Rückschläge.
Kriege wie im Sudan oder Gaza zerstören die Chancen einer ganzen Generation. Laut der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) gehen weltweit noch immer 273 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule.
Um das globale Bildungsziel SDG 4 und allen Kindern Zugang zu Bildung zu ermöglichen, müsste alle zwei Sekunden ein Kind eingeschult werden.

Am 24. September wird der Global Education Monitoring Report (GEM), also der Weltbildungsbericht in Wien veröffentlicht, der jährlich von einem unabhängigen Expert:innenteam der UNESCO erstellt wird. Zentrale Themen des Berichts sind Zugang zu Bildung und der Bildungsgerechtigkeit.

Zeitgleich zur Präsentation findet in Kooperation der österreichischen UNESCO-Kommission und der Universität Wien eine internationale Konferenz zu Ungleichheit im Bildungswesen statt. Die aktuellen Prognosen sind ernüchternd: Weltweit wird voraussichtlich keines der Teilziele von SDG 4 bis 2030 vollständig erreicht werden. Zwar wird die Stagnation oder sogar der Rückschritte der vergangenen Jahre häufig auf die COVID-19-Pandemie zurückgeführt, doch erklärt diese Antwort die Entwicklung nur teilweise.

Bildungsungleichheiten innerhalb von Staaten und zwischen Ländern – insbesondere zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden – bestehen trotz erheblicher Fortschritte weiterhin fort. Diese Ungleichheiten beeinflussen die Lebens- und Zukunftschancen von Menschen und erschweren gesellschaftliche Entwicklung und sozialen Zusammenhalt. Die Konferenz will eine vertiefte Debatte fördern und unterschiedliche Perspektiven auf das vielschichtige Thema eröffnen. Denn jede Bildungsgeschichte zählt.

Bildungsagenda 2030
Ziel 4 fordert „inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle“.
Die Unterziele reichen von kostenloser Grund- und Sekundarschulbildung (4.1) über gleichberechtigten Zugang zu beruflicher und tertiärer Bildung (4.3) bis zu Bildung für nachhaltige Entwicklung und Weltbürgerschaft (4.7). Details zu allen Unterzielen:

SDG Watch Austria: SDG 4 – Hochwertige Bildung

Bildung ist mehr als Schule. SDG 4 umfasst sämtliche Bildungsbereiche:

  • Elementarpädagogik
  • Schulbildung
  • Berufsbildung
  • Hochschulen
  • Erwachsenenbildung
  • lebenslanges Lernen
  • politische Bildung
  • Menschenrechtsbildung
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Damit wird Bildung nicht nur als Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt verstanden, sondern als Grundlage für demokratische Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben.
Zum vollständigen Resolutionstext der Generalversammlung 2015 zu SDGs auf Deutsch.

Bildung ist zugleich Voraussetzung für den Erfolg fast aller anderen SDGs. Die aktuelle Bildungskrise lässt sich daher gut entlang mehrerer SDGs journalistisch aufschlüsseln:

  • SDG 5 (Geschlechtergleichstellung): Wo wird Mädchen und jungen Frauen der Zugang zu Bildung verwehrt – und mit welchen Folgen für Gesundheit, Einkommen und Gesellschaft?
  • SDG 10 (Weniger Ungleichheiten): Wer hat Zugang zu guter Bildung – wer wird aufgrund von Armut, Behinderung, Herkunft oder Fluchterfahrung ausgeschlossen? Welche Rolle spielt die soziale Herkunft heute noch für Bildungserfolg?
  • SDG 16 (Frieden, starke Institutionen): Wie funktioniert – oder scheitert – Bildung in Kriegs- und Krisengebieten wie dem Sudan? Wie kann Schule auf eine Gesellschaft reagieren, die von Desinformation, Verschwörungserzählungen und Polarisierung geprägt ist?
  • SDG 17 (Partnerschaften/Finanzierung): Wer finanziert globale Bildung, und was bedeuten die aktuellen Kürzungen der Entwicklungshilfe für Schulen im Globalen Süden?

Ideen für mögliche Geschichten

1.  Wer zahlt für Bildung?
Die reichsten Länder kürzen ihre Entwicklungshilfe so stark wie nie zuvor – und Bildung gehört zu den am stärksten betroffenen Sektoren. Was bedeutet das für Schulen, Lehrkräfte und Schüler:innen im Globalen Süden – und wie positioniert sich Österreich?
Themen: Entwicklungsfinanzierung, Bildungsbudgets, geopolitische Interessen hinter Bildungsförderung
Interviewpartner:innen: ÖFSE (Margarita Langthaler), Institut für Bildungswissenschaft (Arbeitsbereich Bildung und Ungleichheit)

2.  Schule im Krieg
Der Zugang zu Bildung im Südsudan ist stark eingeschränkt. Millionen Kinder gehen wegen des Krieges nicht zur Schule. Wie versuchen Hilfsorganisationen, trotzdem Bildung zu ermöglichen – und was bedeutet der Verlust ganzer Schuljahre für eine Generation?
Themen: Bildung in Konfliktgebieten, Angriffe auf Schulen, sichere Lernorte
Interviewpartner:innen: UNICEF Österreich, Caritas Österreich

3.  Bildung als Exportgut?
Mit der Global-Gateway-Initiative investiert die EU Milliarden in Bildungsprojekte weltweit. Welche Chancen und Herausforderungen bietet die Global-Gateway-Initiative? Welche Potenziale aber auch Herausforderungen eröffnet die Initiative für Bildung, Wissenschaft und Entwicklung? Welche Rolle spielen geopolitische wirtschaftliche Interessenlage?
Themen: EU-Entwicklungspolitik, Hochschulkooperationen, Instrumentalisierung von Bildung, Konkurrenz zu Chinas Bildungsengagement, berufliche Bildung und Wissensaustausch
Interviewpartner:innen: Margarita Langthaler (ÖFSE), Gerhard Volz (OeAD), Wirtschafts- und Bildungsforscher:innen
Zum Nachhören: „Welt im Ohr“ Episode: Global Gateway. Chancen und Risiken der EU-Initiative. (April 2026)

4.  Bildungsungleichheit vor der eigenen Haustür
Nicht nur im Globalen Süden ist der Zugang zu Bildung ungleich verteilt: Auch in Österreich hängt Bildungserfolg stark von sozialer Herkunft und Migrationsgeschichte ab. Wie lässt sich SDG 4 auf die österreichische Bildungspolitik anwenden?
Themen: Chancenungleichheit, Kinder mit Migrationshintergrund, Global Citizenship Education im Unterricht
Interviewpartner:innen: SDG Watch Austria (Themeninitiative Bildung), KommEnt, Baobab – Globales Lernen, Südwind, Institut für Migrationspädagogik

Institutionen
Austrian Center for Peace
Die Friedensburg Schlaining ist Standort des 1982 gegründeten Austrian Center for Peace (ACP) und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als internationales Kompetenzzentrum für Friedens-Forschung, -Bildung und -Praxis etabliert. In Kooperation mit der PH Burgenland bietet das ACP das neue Masterstudium „Friedens- und Life-Skills-Pädagogik“ an, das im Februar 2025 begonnen hat. 

Bildung2030                                                                                                                         Baobab, Südwind und das Welthaus Graz betreiben gemeinsam mit weiteren Partnerorganisationen die Plattform Bildung2030, die österreichweit Materialien, Fortbildungen und Hintergrundinformationen zu Globalem Lernen und Global Citizenship Education bündelt (SDG 4.7).        

Dachverband Globale Verantwortung
Der Dachverband vertritt national und international die Interessen von 38 österreichischen Nichtregierungsorganisationen, die in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, entwicklungspolitische Inlandsarbeit, Humanitäre Hilfe sowie nachhaltige globale wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung tätig sind.

Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE)
Die ÖFSE ist eine österreichische Forschungs- und Informationseinrichtung zu Fragen des Globalen Südens, der Entwicklungszusammenarbeit und der Entwicklungspolitik. Sie forscht zu Bildungsstrategien in der Entwicklungszusammenarbeit und betreibt gemeinsam mit Baobab und Frauen*solidarität die C3-Bibliothek für Entwicklungspolitik in Wien.

Institut für Migrationspädagogik                                                                                         
Das Institut bietet spezialisierte Fortbildungen für Erwachsene an. Die Programme sind darauf ausgerichtet, das Verständnis für die Mechanismen von Rassismus und Diskriminierung zu fördern.

Südwind Verein für Entwicklungspolitik und globale Gerechtigkeit                                 
Die Südwind-Bildungsarbeit stärkt Kompetenzen für kritische und mündige Weltbürger:innen. Die Nichtregierungsorganisation orientiert sich am Konzept des Globalen Lernens (oder Global Citizenship Education – GCE) und erstellt Bildungsmaterialien- und angebote.

UNICEF Österreich – Pressestelle
UNICEF ist Ansprechpartner für Interviews und aktuelle Daten zur Bildungskrise im Sudan, zu Mädchenbildung in Afghanistan und zu globaler Bildungsfinanzierung.                                        

Expert:innen                                                                                                                  
Claudia Brunner
Brunner ist Sozialwissenschaftlerin. Sie lehrt und forscht am Zentrum für Friedensforschung und Friedensbildung, Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, an der Universität Klagenfurt zu Zusammenhängen von Wissen(schaft) und Gewalt(freiheit).

Margarita Langthaler                                                                                                         Langthaler ist Senior Researcher an der ÖFSE mit den Forschungsschwerpunkten Bildungsstrategien in der Entwicklungszusammenarbeit, berufliche Bildung/Skills Development, globale Bildungspolitik und Bildung im Kontext der SDGs.

Maria Lettner   
Lettner ist die zuständige Kontaktperson der Themeninitiative Bildung der Plattform SDG Watch Austria, wo sich NPOs vernetzen, die das SDG 4 im Fokus haben.

Heidi Grobbauer                                                                                                            Grobauer ist Politikwissenschafterin und Geschäftsführerin von KommEnt, der Gesellschaft für Kommunikation, Entwicklung und dialogische Bildung in Salzburg. Sie war Vorsitzende der Strategiegruppe Globales Lernen und ihre Schwerpunkte sind: Politische Bildung, Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Susanne Paschke   
Paschke koordiniert die Strategiegruppe Globales Lernen und ist Ansprechpartnerin bei Südwind für Global-Citizenship-Education-Angebote, Workshops und Fortbildungen zu SDG.

4. Termine
Von 19. bis 21. August bietet die BNE-Sommerakademie 2026 in Oberösterreich Pädagog:innen aus dem schulischen und außerschulischen Bildungsbereich ein Workshopangebot mit Ideen und Werkzeugen für die nachhaltige Bildungsarbeit.

Von 01. bis 03. September findet in Graz die FUTURE EDUCATION Conference statt. Die interdisziplinäre Konferenz bietet einen Rahmen für die Präsentation und Diskussion aktueller wissenschaftlicher Arbeiten zu den Themen Bildung, Lernen, Entwicklung und Unterricht. Der Fokus der Konferenz liegt dabei auf interdisziplinären Arbeiten, die dazu beitragen, die Bildung der Zukunft so zu gestalten, dass Lernende aktuelle und künftige Herausforderungen gut meistern können.

Am 10. September veranstaltet das Forum Umweltbildung eine Online-Veranstaltung mit dem Titel: „Methodenakademie: SDGs in Action“.

Am 25. September findet im Anschluss an die Veröffentlichung des Global Education Monitoring Report (GEM) der UNESCO Kommission eine Konferenz zu Inequality in Education der Universität Wien in der Sensengasse 3 statt. 

Am 26. September wird der Tag der Sprachen gefeiert. Er wurde 2001 von der EU ins Leben gerufen, um die sprachliche Vielfalt und das Sprachenlernen in jedem Alter zu fördern. Das Erlernen einer Sprache ist ein Schritt zu Offenheit und Respekt gegenüber anderen Kulturen.

Spezialtipp
Die Global Education Week 2026 – die europaweite Aktionswoche zu Globalem Lernen steht 2026 von 16. bis 22. November unter dem Motto „My Voice, Our Action, A Common Future“ und rückt Bildung als Motor für eine stärkere Demokratie in den Mittelpunkt. In Österreich koordiniert Südwind die Woche mit Workshops, Fortbildungen und Unterrichtsmaterialien für Schulen, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung.

Publikationen
Wie viel Kapitalismuskritik braucht die politische Bildung? 
Der Blogbeitrag Wie viel Kapitalismuskritik braucht die politische Bildung? von Ulrich Brand, Lara Kierot und Dirk Lange beschreibt drei Bereich in der Politischen Bildung, die in den nächsten Jahren mehr Bedeutung erlangen könnten und zwar sind das die transformative, disruptive und asymmetrische Politische Bildung.

Demokratie bilden!    
Das Buch Demokratie bilden! von Dirk Lange und Tobias Doppelbauer sieht Demokratie als nicht als abstrakte Theorie, sondern als Lebensform für die jede:r etwas tun kann.

The Global Education Monitoring Report (GEM) 2026                                                              
Am 24. September wird der Global Education Monitoring Report (GEM), also der Weltbildungsbericht in der österreichischen UNESCO-Kommission, am Georg-Coch-Platz 2 veröffentlicht.




PA: Austrian Development Agency veröffentlicht Geschäftsbericht 2025

Millionen Menschen profitierten im vergangenen Jahr von 446 Projekten, die Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe in den Bereichen Wasser, Ernährungssicherheit sowie Geschlechtergleichstellung in Ländern des Globalen Südens förderte. Allein in der Ukraine erreichte sie 120.000 Menschen. Auch Umwelt- und Klimaschutz trieb die Austrian Development Agency gemeinsam mit ihren Partnern voran.

Die Austrian Development Agency (ADA) hat ihren Geschäftsbericht für das Jahr 2025 veröffentlicht. Der Bericht bietet einen umfassenden Rückblick auf ein Jahr, in dem internationale Zusammenarbeit angesichts wachsender globaler Herausforderungen weiter an Bedeutung gewonnen hat – und gleichzeitig in Österreich und darüber hinaus mit einer überaus angespannten budgetären Situation konfrontiert war. Der Bericht erscheint erstmals als interaktives Online-Format als integraler Bestandteil der neu gelaunchten ADA-Website.  
 
Aufzeigen, welche Wirkung Österreichs Beitrag schafft 
„Mit unserem digitalen Geschäftsbericht und der überarbeiteten Website schaffen wir einen zeitgemäßen Zugang zu unserer Arbeit und zeigen noch transparenter, wofür wir öffentliche Mittel einsetzen. Gerade in Zeiten wachsender globaler und auch budgetärer Herausforderungen ist für uns wichtiger denn je, nachvollziehbar zu machen, welche Wirkung unser Beitrag für bessere Lebensbedingungen weltweit erzielt – für unsere Partnerländer, aber auch für Österreich“, sagt ADA-Geschäftsführer Bernd Brünner. 
 
So erreichte Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen im vergangenen Jahr etwa 120.000 Menschen in der Ukraine und ihren Nachbarländern mit dringend benötigter humanitärer Hilfe, während über 2,8 Millionen Menschen Zugang zu Trinkwasser erhielten, mehr als 3 Millionen Frauen und Männer von Maßnahmen für Geschlechtergleichstellung profitierten, über 850.000 Menschen mit Nahrungsmittelhilfe versorgt wurden und 13 Naturschutzgebiete unterstützt werden konnten. 
 
Starke Resultate trotz angespannter Budgetlage
Trotz einer angespannten Budgetlage, die auch die ADA vor enorme Herausforderungen stellte und zu Einsparungen zwang, setzte sie gemeinsam mit ihren Partnern im vergangenen Jahr insgesamt 446 Projekte um. Dafür sorgte das vom Außenministerium bereitgestellte Kernbudget von 121,325 Millionen Euro sowie zusätzliche Mittel aus dem Auslandskatastrophenfonds und Drittmittel internationaler Partner.  
 
Erstmals rein digitale Veröffentlichung
Der ADA-Geschäftsbericht ist erstmals als rein digitale Anwendung konzipiert. Nutzerinnen und Nutzer können sich neben Texten und Kennzahlen auch durch Videos oder Audioformate klicken. Der Online-Bericht ist Teil der neu gestalteten ADA-Website, die als digitaler Kommunikations- und Servicehub ebenfalls einen Relaunch durchlief. Eine klarere Struktur sowie neue Funktionen – darunter eine erweiterte Projektsuche und ein Förderportal als zentrale Anlaufstelle für Förderpartner – machen Informationen leichter auffindbar und damit die Darstellung eingesetzter Mittel noch transparenter. 
 
Der ADA-Geschäftsbericht 2025 ist ab sofort online abrufbar unter: www.entwicklung.at/geschaeftsbericht2025.

Austrian Development Agency
Die Austrian Development Agency (ADA) ist Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. Die ADA arbeitet mit internationalen Organisationen, öffentlichen Stellen, der Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen und Unternehmen in Afrika, Asien, Südost- und Osteuropa zusammen. Gemeinsam mit den Menschen in Österreichs Partnerländern schafft die ADA bessere Lebensbedingungen in deren Heimat – etwa durch Aus- und Weiterbildung, die Förderung von Kleinunternehmen oder innovative Lösungen für Wasserversorgung und Landwirtschaft. Armut mindern, Frieden fördern und Umwelt schützen stehen im Zentrum ihrer Arbeit. Für ein gutes Leben und eine sichere Zukunft für alle.
 
Rückfragehinweis:
Austrian Development Agency (ADA),
Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe
Mag.a Katharina Schreiber
Tel.: +43 1 903 99-2410
Mobil: +43 676 839 03 410
katharina.schreiber@ada.gv.at
www.entwicklung.at




Kommentar: EZA-Budget: Das Glas ist halb leer

Die gute Nachricht: Die massiven Kürzungen bei Österreichs Entwicklungszusammenarbeit sind vorerst gestoppt. Die schlechte Nachricht: Österreich bleibt immer weiter hinter seinen internationalen Zusagen zurück.

Von Lukas Schlögl (ÖFSE), Juni 2026
Am 10. Juni präsentierte Finanzminister Markus Marterbauer das aktuelle Doppelbudget der Bundesregierung für die Jahre 2027/28. Viele Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) haben dieses mit Spannung erwartet. Immerhin hatte das letzte Doppelbudget (2025/26) die öffentlichen Ausgaben für bilaterale EZA dramatisch gekürzt. Der bisherige Finanzplan des Bundes sah zudem vor, die Ausgaben des Außenministeriums in den kommenden Jahren weiter zu senken.

Das neue Budget bringt Entwarnung: Der Worst Case ist nicht eingetreten. Die Ausgaben für das Außenministerium für EZA bleiben 2027 auf dem bereits gekürzten Niveau von 2026, d.h. auf 149 Millionen Euro. Für die bilaterale EZA bedeutet das: Zumindest vorläufig gibt es keine weiteren Einschnitte. 2028 ist dann ein leichter Anstieg vorgesehen. Die Beiträge des Finanzministeriums an internationale Organisationen bleiben ebenfalls konstant, auf dem Niveau von 2025, wobei die Mittel 2026 gekürzt wurden. Zudem plant die Bundesregierung hier laut Finanzrahmen ab 2028 weitere Kürzungen.
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PA und Interviewmöglichkeit: Weltflüchtlingstag: Fehlende Hilfsgelder für Flüchtlingskrisen lassen Millionen Menschen ohne Nahrung, Wasser und Schutz zurück

CARE warnt: Flüchtlingshilfe in Krisenländern wie Sudan, Südsudan, Tschad, Niger, Äthiopien und der Zentralafrikanischen Republik nur bis zu 15 Prozent finanziert / CARE appelliert an die internationale Gemeinschaft, Mittel aufzustocken und Ursachen für Flucht stärker zu bekämpfen.

Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni warnt CARE Österreich vor einer folgenschweren Unterfinanzierung der internationalen Flüchtlingshilfe. Laut Daten der Vereinten Nationen wurden seit Jahresbeginn für die Unterstützung von Geflüchteten in Krisenländern wie Sudan, Südsudan, Tschad, Niger, Äthiopien und der Zentralafrikanischen Republik nur bis zu rund 15 Prozent der benötigten Mittel bereitgestellt (Stand: 16. Juni 2026). Millionen Menschen drohen dadurch gravierende Einschränkungen beim Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung und Schutz.

Ähnlich prekär ist die Finanzierung der regionalen Hilfspläne, die die Unterstützung von Geflüchteten über Ländergrenzen hinweg sicherstellen sollen. Für Menschen, die vor dem Krieg im Sudan in Nachbarländer geflohen sind, stehen derzeit nur rund 13 Prozent der benötigten Mittel zur Verfügung. Der regionale Hilfsplan für Geflüchtete aus Venezuela ist sogar nur zu etwa 10 Prozent finanziert.

„Flucht ist keine Wahl – für Millionen Menschen ist sie die letzte Möglichkeit zu überleben. Während Konflikte, Hunger und die Klimakrise immer mehr Menschen zur Flucht zwingen, geht die Hilfe für sie zurück. Diese Entwicklung ist alarmierend“, mahnt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Wenn die Finanzierung für Geflüchtete ausbleibt, bedeutet das weniger Nahrung, weniger medizinische Versorgung und weniger Schutz, insbesondere für Frauen und Kinder. Die internationale Gemeinschaft darf Menschen auf der Flucht nicht im Stich lassen. Humanitäre Hilfe muss ausreichend finanziert werden, unabhängig davon, woher Menschen kommen oder wohin sie fliehen. Gleichzeitig müssen die Ursachen von Flucht stärker bekämpft werden, etwa durch Konfliktprävention und Investitionen in Klimagerechtigkeit und Ernährungssicherheit.“

Vertreibungskrise Sudan: Ein Drittel der Bevölkerung auf der Flucht

Der seit 2023 andauernde Krieg im Sudan hat die derzeit größte Vertreibungskrise weltweit ausgelöst. Rund 11,5 Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes oder über die Grenzen hinweg vertrieben. Mehr als 4,5 Millionen Menschen sind in Nachbarländer wie den Tschad, Südsudan, Ägypten oder Libyen geflohen. Viele leben dort in überfüllten Aufnahmezentren, Flüchtlingscamps oder informellen Unterkünften, ohne ausreichende Versorgung mit Nahrung, Wasser und Medikamenten. Frauen und Kinder sind auf der Flucht einem hohen Risiko von Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt.

Welche Folgen die Finanzierungslücken vor Ort haben, schildert Sarah Easter, Nothilfereporterin von CARE Österreich. Sie war im März an der südsudanesischen Grenze zum Sudan: „Täglich fliehen Zehntausende Menschen über Sudans Grenzen. Ich habe überfüllte Transitzentren gesehen, Familien, die im Freien schlafen, Kinder, die wegen Hunger und Erschöpfung kaum noch gehen können, und Mütter, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder versorgen sollen. Gleichzeitig müssen Hilfsorganisationen Programme kürzen und schwierige Entscheidungen treffen, weil die Finanzierung fehlt. Die Folgen: geschlossene Gesundheitsstationen, fehlende Mahlzeiten, Geburten im Freien ohne medizinisches Personal. Humanitäre Hilfe rettet Leben. Dies ist nur möglich, wenn die internationale Gemeinschaft diese Hilfe auch finanziert.“

So hilft CARE: Mit Programmen in über 120 Ländern erreichte CARE im Jahr 2025 mehr als 58 Millionen Menschen – über die Hälfte davon Frauen und Mädchen. Im Sudan und den Nachbarregionen leistet CARE lebensrettende Soforthilfe mit Nahrung, Trinkwasser, Notunterkünften und medizinischer Versorgung. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen leistet CARE psychosoziale Unterstützung, sichert Lebensgrundlagen und stärkt die Resilienz der Gemeinschaften.

Quellen: UN OCHA Financial Tracking Service (Stand 16. Juni 2026) und UNHCR Refugee Funding Tracker (Stand 16. Juni 2026)

Interviewmöglichkeit:
Sarah Easter, Nothilfereporterin CARE Österreich, war kürzlich in der Grenzregion Südsudan/Sudan, um sich ein Bild von der Lage sudanesischer Geflüchteter zu machen. 
Sie steht für Interviews auf Deutsch und Englisch zur Verfügung. Bei Interesse, bitte melden:

Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at




Veranstaltungshinweis: FairStyria-Tag des Landes Steiermark am 24. Juni 2026

„Glokale“ Zusammenarbeit – die Steiermark als starker Partner zur SDG-Umsetzung

Was auf internationaler Ebene im Großen mit „Global Gateway“ – einem EU-Instrument für globale Infrastrukturpartnerschaften – geschaffen wurde, besteht auf „glokaler“ Ebene bereits seit langem.

Die Steiermark setzt seit Beginn des Engagements für Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 1981 auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Akteurinnen und Akteuren in Ländern des globalen Südens und solchen in der Steiermark, die durch ihre Kompetenz und Expertise auf Ebene der lokalen Zusammenarbeit über Kontinente hinweg wesentliche Beiträge zur Umsetzung der SDGs leisten.

Am diesjährigen FairStyria-Tag am 24. Juni 2026 werden rund 30 steirische Organisationen und Vereine im Grazer Joanneumsviertel über ihre Erfahrungen und Erfolge der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zur Verringerung der Armut und zur Schaffung positiver Lebensperspektiven für Menschen in Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas informieren. Die präsentierten Projekte tragen unmittelbar zur Umsetzung von SDG 2 (Hunger beseitigen), SDG 3 (Gesundheit), SDG 4 (Bildung) und SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit) bei.

Für Schulklassen werden interaktive Führungen sowie SDG-Escape Rooms und ein Theaterstück der VS Eisteich angeboten.  Anmeldung erforderlich!

=> Das Programm zum FairStyria-Tag  hier zum Download.

=> Das Programmheft zum FairStyria-Tag  hier zum Download

Kontakt und Information
Land Steiermark, A9 Kultur, Europa, Sport
Referat Europa und Internationales/FairStyria – Entwicklungszusammenarbeit
Maria Elßer | Rebecca Loder-Neuhold 
Tel. 0316/877-5518 oder 3877
E-Mail: fairstyria@stmk.gv.at




PA: 20 Jahre nach dem Massaker von Muttur: Tötung von 17 humanitären Helfern bleibt ungesühnt – Aktion gegen den Hunger fordert neue Untersuchung

Rund 20 Jahre nach der Ermordung von 17 Mitarbeitenden von Aktion gegen den Hunger im sri-lankischen Muttur fordert die internationale Hilfsorganisation eine neue Untersuchung.

Am 4. August 2006 wurden die humanitären Helferinnen und Helfer in ihrem Büro getötet. Sie waren durch T-Shirts und Westen deutlich als humanitäre Helfer gekennzeichnet. Obwohl zahlreiche Hinweise auf eine mutmaßliche Verantwortung der sri-lankischen Sicherheitskräfte hindeuten, bleibt eine juristische Aufarbeitung aus. Bis heute ist das Verbrechen ungesühnt. 

„Auch 20 Jahre nach dem Tod unserer 17 Kolleginnen und Kollegen kämpfen wir weiter für Gerechtigkeit. Sie wurden getötet, während sie Menschen in Not unterstützten – viele von ihnen standen noch am Anfang ihres beruflichen Lebens. Für ihre Familien ist dieser Verlust bis heute nicht überwunden. Auch für uns als Mitarbeitende von Aktion gegen den Hunger bleibt die Erinnerung lebendig und der Schmerz spürbar. Dass die Verantwortlichen bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, ist inakzeptabel. Humanitäre Helferinnen und Helfer dürfen niemals Ziel von Gewalt werden“, fordert Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.

In einem offiziellen Brief fordert Aktion gegen den Hunger die Regierung von Sri Lanka auf, die jahrzehntelange Straflosigkeit zu beenden und eine neue Untersuchung einzuleiten. Diese müsse internationalen Standards entsprechen, insbesondere in Bezug auf Transparenz und den Schutz von Zeuginnen und Zeugen. Zugleich appelliert die Organisation an die internationale Gemeinschaft, dieses Anliegen zu unterstützen und alles daranzusetzen, die Wahrheit über dieses Verbrechen aufzuklären. Auch Bundesaußenminister Johann Wadephul haben wir aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die Verantwortlichen für die Angriffe zur Rechenschaft gezogen werden.

Familien warten seit 20 Jahren auf Gerechtigkeit

Das Massaker von Muttur gehört zu den tödlichsten Angriffen auf humanitäre Helfer weltweit. Aktion gegen den Hunger sowie mehrere internationale Institutionen – darunter das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte, die Sri Lanka Monitoring Mission und weitere Nichtregierungsorganisationen – kommen seit Jahren übereinstimmend zu dem Schluss, dass der Angriff höchstwahrscheinlich von sri-lankischen Sicherheitskräften verübt wurde und dass es zahlreiche Versuche gab, die Tat zu vertuschen.

Seit zwei Jahrzehnten leben die Angehörigen der Opfer mit dem Verlust, dem Schmerz und der fehlenden Gerechtigkeit. „Selbst nach 20 Jahren ist der Schmerz über das Geschehene noch immer in meinem Herzen. Ich vermisse meinen Bruder. Die Verantwortlichen sollten endlich bestraft werden“, berichtet ein Familienmitglied. „Dieser Verlust wird mich mein Leben lang begleiten.“

Zunehmende Angriffe auf humanitäre Helfer

Das humanitäre Völkerrecht schützt Helferinnen und Helfer ausdrücklich vor Angriffen, dennoch nimmt die Gewalt gegen sie weltweit zu. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden mehr als 1.000 humanitäre Helferinnen und Helfer getötet. In Krisenzeiten stehen sie an vorderster Front, leisten lebenswichtige Hilfe und retten Menschenleben. Ihr Schutz ist unverzichtbar, um die Versorgung notleidender Menschen sicherzustellen.

„Die ausbleibende Aufarbeitung dieses Verbrechens in Muttur sendet seit Jahren ein fatales Signal: dass Angriffe auf humanitäre Helferinnen und Helfer ungestraft bleiben. Gleichzeitig erleben wir einen alarmierenden Anstieg solcher Gewalt. Es ist dringend notwendig, dass die sri-lankischen Behörden Verantwortung übernehmen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und endlich Gerechtigkeit herzustellen“, so Friedrich-Rust.

Weitere Informationen zum Massaker von Muttur: www.aktiongegendenhunger.de/hunger/ursachen/konflikte/massaker-muttur

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de




PA: Jugend Eine Welt zum „Internationalen Tag gegen Kinderarbeit“: Kinderarbeit stoppen, Zukunft ermöglichen!

138 Mio. Kinder müssen weltweit arbeiten. Heiserer: „Unser Wohlstand in Österreich darf nicht auf der Ausbeutung von Kindern beruhen.“

„Kinderarbeit ist ein weltweites Problem. Während Kinder im Globalen Süden schuften müssen, profitieren wir in Österreich von ihrer Ausbeutung durch den Kauf billiger Produkte. Denn Kinderarbeit findet vor allem dort statt, wo viele unserer alltäglichen Produkte ihren Ursprung haben. Also wo Rohstoffe abgebaut oder weiterverarbeitet werden“ , betont Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt , anlässlich des „Internationalen Tag gegen Kinderarbeit“ am 12. Juni. Als Bündnispartner der Initiative „Kinderarbeit stoppen“ appelliert Jugend Eine Welt daher: Helfen Sie mit, Kinderarbeit zu stoppen und ermöglichen Sie den Kindern eine Zukunft!

    In der Armutsspirale gefangen „Ich habe Buben und Mädchen gesehen, die stundenlang Steine zerschlagen, Staub einatmen und ihre Kräfte verlieren. Oder Kinder, die kilometerlange Märsche zurücklegen müssen, um Wasser zu holen“ , gibt Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Heiserer Einblicke in seine letzten Projektreisen nach Sierra Leone und Äthiopien. „Fast alle haben denselben Traum: In die Schule gehen zu können und zu lernen, damit sie der Armutsspirale, in der sie gefangen sind, entkommen können. Genau dafür setzen wir uns bei Jugend Eine Welt ein. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern vor Ort holen wir Kinder aus gefährlicher Arbeit, geben ihnen Schutz und unterstützen sie auf ihrem Bildungsweg. Etwa durch die Finanzierung von Schul- und Berufsausbildungsprojekten.“

    138 Mio. Kinder von Kinderarbeit betroffen Rund 138 Millionen Mädchen und Buben im Alter zwischen 5 und 17 Jahren sind laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO von Kinderarbeit betroffen. Davon arbeiten an die 54 Millionen in besonders gefährlichen Bereichen. 57 Prozent der betroffenen Kinder sind unter 12 Jahre alt. „Kinderarbeit ist Symptom und zugleich Ursache eines Teufelskreises: Viele Kinder, die in Armut leben, müssen arbeiten und können daher nicht in die Schule gehen bzw. brechen sie frühzeitig ab. Andere schaffen nur einen Grundschulabschluss. Eine gute und zukunftsträchtige Berufsausbildung bleibt für sie meist nur ein verträumtes Gedankenspiel“ , erzählt Heiserer. Entsprechend schlecht sind die Chancen von Kinderarbeiterinnen und Kinderarbeitern auf eine existenzsichernde Beschäftigung, wenn sie einmal erwachsen sind. „Um ihre Familie ernähren zu können, sind sie später oftmals selbst auf die Mitarbeit der eigenen Kinder angewiesen – so schließt sich der Teufelskreis“ , so der Jugend Eine Welt-Geschäftsführer.

    Kinderarbeit auch in Österreich präsent Die Arten der Kinderarbeit weltweit sind vielfältig. Vor allem Buben schuften in Minen, Steinbrüchen oder Fabriken. Meist geht es um Produkte, die rund um den Globus gehandelt werden, etwa um Kakao, Kaffee, Baumwolle, Naturstein, Gold, Zuckerrohr, Textilien und viele mehr. Mädchen werden hingegen meist versteckt und rund um die Uhr als schlecht bezahlte Hilfen im Haushalt ausgebeutet. Darüber hinaus haben sie keinen Schutz vor tätlichen Übergriffen.

    Alle vier Jahre veröffentlicht „The Bureau of International Labor Affairs (ILAB)“ eine Liste mit Produkten, bei denen die Annahme besteht, dass sie auch mit Kinderhänden hergestellt werden. Zuletzt beinhaltete die „List of goods“ 204 verdächtige Produkte aus 82 Ländern, wie zum Beispiel Schokolade, Gold, Kaffee, Zucker, Tee, Baumwolle, Tabak, aber auch Kleidung sowie elektronische Teile und Materialien, die in Smartphones eingebaut sind. „Länder wie Nigeria, Elfenbeinküste, Indien, Pakistan, Venezuela oder Ecuador sind für uns in Österreich so weit weg und nicht greifbar. Dennoch sind die dort arbeitenden Kinder uns näher als wir denken. Und fast sicher haben viele Österreicherinnen und Österreicher unbewusst schon Produkte in den heimischen Regalen gekauft, bei denen Kinderarbeit im Spiel war.“

    Unser Wohlstand darf nicht auf der Ausbeutung von Kindern beruhen Aus diesem Grund appelliert Heiserer erneut, beim Kauf auf etablierte, unabhängige Labels wie das Fairtrade-Siegel zu achten. „Unser Wohlstand in Österreich darf nicht auf der Ausbeutung von Kindern im Globalen Süden beruhen. Aktionstage wie der ‚Internationale Tag gegen Kinderarbeit‘ sollen darauf hinweisen, dass Kinderarbeit – wie sie Anfang des 20. Jahrhundert auch in Österreich in Form der Schwabenkinder stattgefunden hat – in armen Ländern noch heute präsent ist. Daher bin ich auch der Überzeugung, dass Entwicklungszusammenarbeit bei uns in Österreich beginnt. Wir müssen unser Verhalten ändern: weniger ausbeuten, weniger zerstören, weniger wegnehmen. Der Soziologe Jean Ziegler sagte einmal: Wir müssen den Menschen in Afrika nicht mehr spenden, es reicht, wenn wir ihnen weniger stehlen. Ich denke, diese Aussage fasst das Thema sehr gut zusammen“ , so Heiserer. „Unser Ziel muss das ‚gute Leben für alle‘ sein. Nicht ein auf reinster Ausbeutung basierendes Leben für wenige und dafür im Überfluss.“

    Über die Initiative „Kinderarbeit stoppen“ Gemeinsam mit Partnerorganisationen im Globalen Süden setzt sich die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt seit Jahren – als Mitglied der Initiative „Kinderarbeit stoppen“, der auch die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, FAIRTRADE Österreich, solidar Austria und Kindernothilfe Österreich angehören – dafür ein, Kinder aus ausbeuterischer Arbeit zu befreien, den Schulbesuch zu ermöglichen und die Rechte von Kindern zu stärken. Weiterführende Informationen zur Kampagne „Kinderarbeit stoppen“ finden Sie unter www.kinderarbeitstoppen.at .

    Detaillierte Informationen zum Thema Kinderarbeit sowie die aktuelle „List of goods“ finden Sie unter www.jugendeinewelt.at/kinderarbeit .

    Jugend Eine Welt-Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000 | Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden | Spenden sind steuerlich absetzbar!

Rückfragehinweis:
Jugend Eine Welt | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Thomas Zach, MA
Telefon: +4366488632574
E-Mail: thomas.zach@jugendeinewelt.at
Website: https://www.jugendeinewelt.at



Aktion: WM-Start: Rote Karte gegen Kinderarbeit

Weltweit müssen noch immer 138 Millionen Kinder arbeiten, obwohl sich die internationale Staatengemeinschaft vorgenommen hatte, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden. Zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit am 12. Juni setzt die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar als Teil der Initiative „Kinderarbeit stoppen“ mit der Aktion „Rote Karte gegen Kinderarbeit“ ein wichtiges Zeichen für die Rechte von Kindern und fordert die Bundesregierung auf, der internationalen Allianz 8.7 gegen Kinderarbeit beizutreten.

138 Millionen Kinder schuften unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen – etwa auf Plantagen, in Fabriken, Minen oder privaten Haushalten. Statt die Schule zu besuchen, werden sie ihrer Chancen auf Bildung und ein selbstbestimmtes Leben beraubt. Dabei hatte sich die internationale Staatengemeinschaft mit dem Nachhaltigkeitsziel SDG 8.7 vorgenommen, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden. Dieses Ziel wurde klar verfehlt. Kinderarbeit zählt weiterhin zu den größten Verletzungen von Kinderrechten weltweit.

Die Initiative „Kinderarbeit stoppen“ fordert daher von der österreichischen Bundesregierung, als konkreten Schritt der Allianz 8.7 beizutreten. In diesem internationalen Zusammenschluss arbeiten Staaten gemeinsam an konkreten Maßnahmen gegen Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel. Deutschland, die Niederlande und Frankreich übernehmen bereits als sogenannte „Pathfinder Countries“ eine Vorreiterrolle.

Kinder zeigen der Kinderarbeit die Rote Karte

Kinder, Jugendliche und Erwachsene setzen selbst ein starkes Zeichen. Sie zeigen die Rote Karte gegen Kinderarbeit, machen ein Foto und teilen es in den sozialen Medien. „Kinderarbeit ist ein Foul an den Rechten von Kindern. Deshalb zeigen wir ihr die Rote Karte. Jedes Kind hat das Recht auf Bildung, Freizeit und Schutz vor Ausbeutung. Österreich soll Verantwortung übernehmen und der Allianz 8.7 beitreten“, sagt Sigrid Kickingereder, Geschäftsführerin der Katholischen Jungschar und ihrer Dreikönigsaktion.

Kinderstimmen gegen Kinderarbeit

Besonders eindrucksvoll kommen Kinder selbst zu Wort. Für die Videoserie „Kinderstimmen gegen Kinderarbeit“ wurden rund 50 Kinder und Jugendliche aus Österreich, Kenia, Kolumbien, Nicaragua, Indien, den Philippinen und Südafrika gefragt, was sie von Kinderarbeit halten. Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Kinder selbst – und zugleich erstaunlich einig. Sie wollen lernen, spielen, Freund*innen treffen und ihre Zukunft gestalten, statt arbeiten zu müssen.

„Wenn ich eine Superkraft hätte, dann wäre es die Kraft der Verbindung, denn gemeinsam können wir sagen: Kinderarbeit stoppen“, sagt die 16-jährige Leyda Lisseth (Nicaragua). Lalita (Indien) fordert: „Sagt ‚Nein‘ zu Kinderarbeit. Jedes Kind hat das Recht, frei zu sein, zur Schule zu gehen und eine glückliche Kindheit zu genießen.“ Und Joseph (Kenia) bringt die Botschaft vieler Kinder auf den Punkt: „Lasst die Kinder Kinder sein!“

Gemeinsam gegen Kinderarbeit aktiv werden

Zudem können Bürger*innen mit einer österreichweiten E-Mailaktion Bundeskanzler Christian Stocker, Sozialministerin Korinna Schumann und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger direkt zum Handeln auffordern und den Beitritt Österreichs zur Allianz 8.7 unterstützen.

Fotos zur Aktion /Rote Karte gegen Kinderarbeit“: https://www.flickr.com/photos/kjsoe/albums/72177720334002360/

Infos zu „Rote Karte gegen Kinderarbeit“: www.kinderarbeitstoppen.at/rote-karte-gegen-kinderarbeit

Link zur Mailaktion: https://www.kinderarbeitstoppen.at/gerechtigkeit-fordern

Videoserie: Kinderstimmen gegen Kinderarbeit: www.kinderarbeitstoppen.at/kinderstimmen-gegen-kinderarbeit

Die Initiative „Kinderarbeit stoppen“ ist ein Bündnis aus der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, Jugend Eine Welt, FAIRTRADE Österreich, Kindernothilfe Österreich und solidar Austria. Gemeinsam mit Partnerorganisationen im Globalen Süden setzt sich das Bündnis dafür ein, Kinder aus ausbeuterischer Arbeit zu befreien, den Schulbesuch zu ermöglichen und die Rechte von Kindern zu stärken.

Kontakt:
Dreikönigsaktion
Telefon: +43 676 88011 1073
E-Mail: georg.bauer@dka.at




PA: Hilfskürzungen könnten globale Risiken verschärfen: Studie verknüpft Entwicklungshilfe mit Rohstoffinteressen der EU und USA

  • Brisanter Zusammenhang: Studie  von Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) verknüpft Entwicklungshilfe mit Rohstoffinteressen der EU und der USA
  • Weltweite Folgewirkungen: Kürzungen der EU- und US-Hilfe könnten humanitäre Bedingungen, die Umwelt und Lieferketten beeinträchtigen.
  • Hilfe scheint Rohstoffinteressen zu folgen: Finanzströme scheinen mit Ländern verbunden zu sein, die strategische Rohstoffe liefern.
  • Anhaltende Zweifel an Unabhängigkeit: Zusammenhänge zwischen Entwicklungshilfe und Rohstoffimporten werfen Fragen zu Vergabekriterien auf.
  • Geopolitische Machtverschiebungen: Veränderungen wie die Auflösung von USAID könnten die globale Entwicklungszusammenarbeit neu gestalten.
  • Einzigartige Studie: Basierend auf OECD- und Handelsdaten vergleicht die Studie über 1,7 Millionen Hilfsprojekte mit Handelsströmen über 200 Länder hinweg und ist damit in ihrem Umfang beispiellos. 

Die globale Entwicklungshilfe erlebt nach den jüngsten milliardenschweren Kürzungen durch die größten Geberländer, insbesondere die Vereinigten Staaten und Mitglieder der Europäischen Union, einen bedeutenden Wandel. Ein kürzlich von der OECD veröffentlichter Bericht zeigt, dass 26 OECD-Länder ihre Entwicklungshilfe im Jahr 2025 gekürzt haben. Die weltweit größte Entwicklungsagentur, USAID, wurde im Juli 2025 aufgelöst. Eine aktuelle Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) untersucht potenzielle Auswirkungen dieser Entwicklungen und hebt mögliche humanitäre, ökologische und geopolitische Folgen hervor, einschließlich neuer Risiken für globale Lieferketten. Die Analyse zeigt systematische Zusammenhänge zwischen offizieller Entwicklungshilfe (Official Development Assistance – ODA) und Handelsbeziehungen. 

Die Studie zeigt, dass ODA – einschließlich Hilfe, die ungebunden, humanitär oder anderweitig nicht mit Handel verbunden ist – offenbar mit geopolitischen Überlegungen und umfassenderen wirtschaftlichen Zielen von Geberländern wie den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union verknüpft ist. Die Studie basiert auf den neuesten verfügbaren OECD- und Handelsdaten und vergleicht Hilfsströme aus mehr als 1,7 Millionen Entwicklungsprojekten mit Handelsströmen zwischen 200 Ländern, was sie in ihrem Umfang beispiellos macht. 

„Zwischen 2011 und 2022 flossen Milliarden an Hilfsgeldern in Länder, die strategische Rohstoffe für die USA und die EU liefern, was auf Bemühungen hinweist, Lieferketten und geopolitischen Einfluss zu sichern. Selbst vermeintlich unabhängige humanitäre Hilfe zeigt starke Verbindungen zu den Handelsinteressen der Geberländer, was darauf hindeutet, dass sie weit stärker geopolitisch und wirtschaftlich motiviert ist als bislang angenommen“, erklärt Studienautor und ASCII-Direktor Peter Klimek. 

EU und USA setzen unterschiedliche Prioritäten bei der Mittelvergabe 

Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede in den Finanzierungsprioritäten der beiden größten Geberregionen – der EU und den USA – zwischen 2020 und 2022. Auf die Vereinigten Staaten entfielen über 80 % der globalen Hilfszusagen in den Bereichen Bevölkerungspolitik und reproduktive Gesundheit. Sie trugen außerdem ungefähr 50 % der weltweiten Finanzierung zur Stärkung von Regierungen und Zivilgesellschaft bei. Darüber hinaus waren mehrere Länder wie Ägypten, Indien und Bangladesch stark von US-Hilfe für den Ausbau ihrer Verkehrsinfrastruktur abhängig. Die Europäische Union konzentrierte sich dagegen stärker auf Bildung und soziale Infrastruktur. Über 60 % der weltweiten Finanzierung in diesen Bereichen wurden von EU-Ländern bereitgestellt, ebenso wie mehr als 50 % der Gesamtfinanzierung für Wasser- und Sanitärversorgung. 

Vermeintlich unabhängige oder humanitäre Entwicklungshilfe scheint Handelsinteressen zu folgen 

Während offizielle Entwicklungshilfe darauf abzielt, unabhängig und ohne ausdrückliche Bedingungen geleistet zu werden, zeigt die Analyse für den Zeitraum 2011–2022 anhaltende statistische Zusammenhänge zwischen humanitärer und umweltbezogener Entwicklungshilfe sowie den Rohstoffhandelsmustern der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. Diese Muster gehen über Programme hinaus, die ausdrücklich als „Aid for Trade“ klassifiziert werden. Besonders starke Zusammenhänge zeigen sich zwischen biodiversitätsbezogener Hilfe und Importen bestimmter Rohstoffe und Agrarprodukte: darunter Kakao und Kakaoprodukte in die Vereinigten Staaten sowie Erze und Asche in die Europäische Union. Diese Produkte werden in der Fachliteratur häufig mit Umweltbelastungen wie Biodiversitätsverlust, Entwaldung und der Degradierung von Ökosystemen in Verbindung gebracht.

Die beobachteten Korrelationen sind vergleichsweise hoch  die Werte lagen im Untersuchungszeitraum durchschnittlich bei 0,89 für Kakaoimporte in die USA sowie bei 0,86 für Erze und Asche in die EU (auf einer Skala von -1 bis 1). Ähnlich starke Zusammenhänge zeigen sich auch zwischen humanitärer Hilfe in Bereichen wie Gesundheit, Infrastruktur oder konfliktbezogener Unterstützung und dem Handel mit Edelsteinen, Metallen und anderen mineralischen Rohstoffen. Diese Ressourcen stammen häufig aus politisch fragilen oder konfliktbetroffenen Regionen, in denen Rohstoffförderung mit erheblichen ökologischen und sozialen Risiken verbunden sein kann.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass höhere Rohstoffimporte der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union systematisch mit höheren Niveaus an Entwicklungshilfe in bestimmten Sektoren der exportierenden Länder verbunden sind. Eine allgemeine positive Beziehung zwischen Handel und Entwicklungshilfe zeigt sich jedoch nicht durchgehend. Die beobachteten Muster stehen mit unterschiedlichen möglichen Interpretationen im Einklang, darunter überlappende geografische Prioritäten, koordinierte politische Strategien oder breitere geopolitische und wirtschaftliche Verflechtungen.

„Humanitäre Hilfe, die formal unparteiisch und unabhängig sein soll, könnte in der Praxis mit Bemühungen verbunden sein, Umwelt-, Gesundheits- und Governance-Herausforderungen zu bewältigen, die mit Rohstoffgewinnung zusammenhängen. Gleichzeitig kann sie mit Bedingungen zusammenfallen, die einen stabilen und vorhersehbaren Zugang zu Rohstoffen für die Vereinigten Staaten und die Europäische Union unterstützen“, erklärt Asjad Naqvi, ASCII-Forscher und Senior Economist am WIFO. 

Zusammenhänge spiegeln bekannte SDG-Konflikte wider 

Die Ergebnisse legen nahe, dass Entwicklungshilfe häufig in Kontexten vergeben wird, in denen unterschiedliche Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsziele miteinander verflochten sind. Dabei können Zielkonflikte zwischen wirtschaftlicher Entwicklung (z. B. SDG 8) oder Ernährungssicherheit (SDG 2) einerseits sowie ökologischer Nachhaltigkeit, Gesundheit und institutioneller Stabilität (z. B. SDGs 15, 3 und 16) andererseits sichtbar werden. Vor diesem Hintergrund könnten Hilfsströme teilweise mit Bemühungen zusammenfallen, ökologische, soziale oder institutionelle Folgen von Rohstoffgewinnung und wirtschaftlicher Aktivität abzufedern, auch wenn die Analyse selbst keine kausalen Zusammenhänge untersucht. 

„Offizielle Entwicklungshilfe (ODA) gilt als wesentliche Finanzierungsquelle zur Förderung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, daher überrascht es nicht, dass die in dieser Studie identifizierten Zusammenhänge etablierte Zielkonflikte widerspiegeln“, sagt Studienautorin und ASCII-Forscherin Rosie Hayward.

Angesichts des Umfangs der beobachteten Zusammenhänge zwischen Handel und ODA könnten Veränderungen der Hilfsniveaus das Risiko bergen, diese Zielkonflikte zu verschärfen.

US-Rückzug aus Entwicklungshilfe und Fokus auf handelsgetriebene Kooperation verändern geopolitische Dynamiken 

Jüngste Veränderungen im Umfang und in der Ausrichtung der Entwicklungshilfe der Vereinigten Staaten sowie Kürzungen durch andere große Geberländer wie Frankreich und Deutschland deuten auf einen grundlegenden Wandel internationaler Kooperationsmodelle hin. Mit der angekündigten US-Initiative „trade over aid“ zeichnet sich zudem eine stärkere Verlagerung hin zu privatwirtschaftlichen Investitionen und handelsorientierten Partnerschaften als Alternative zur klassischen Entwicklungszusammenarbeit ab.

Solche investitions- und handelsgetriebenen Ansätze könnten jedoch mit ähnlichen Zielkonflikten zwischen den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) verbunden sein, wie sie auch in den beobachteten Zusammenhängen zwischen Handel und Entwicklungshilfe sichtbar werden – insbesondere im Hinblick auf Umweltbelastungen, Gesundheitsrisiken und soziale Auswirkungen rohstoffintensiver Wirtschaftsaktivitäten. Ohne geeignete politische und institutionelle Rahmenbedingungen könnten damit weiterhin Risiken für globale Stabilität, Nachhaltigkeit und soziale Entwicklung verbunden bleiben.

Die Autor:innen der Studie betonen daher die Bedeutung eines internationalen, kooperativen und für alle Beteiligten möglichst vorteilhaften Ansatzes zur Bewältigung globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Rohstoffsicherheit und nachhaltiger Entwicklung.

Über die Studie
Die Studie kombiniert zwei globale Datensätze: das Creditor Reporting System (CRS) der OECD, das offizielle, standardisierte und vergleichbare Daten zu Hilfsströmen aus dem Entwicklungshilfeausschuss und teilnehmenden Ländern an den Rest der Welt für mehr als 1,7 Millionen Projekte bereitstellt, einschließlich detaillierter Informationen zu Zweck, politischen Zielsetzungen und Zielsektoren, sowie den CEPII-BACI-Datensatz, der jährliche bilaterale Handelsströme für 200 Länder auf Produktebene enthält. Download.

Über das Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII)Das Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) ist ein unabhängiges, weltweit führendes Lieferketteninstitut für interdisziplinäre, datengetriebene Analysen globaler Produktions- und Logistiknetzwerke – mit dem Ziel, resiliente, nachhaltige und zukunftsfähige Lieferketten zu gestalten. Das Institut wurde als Forschungs-Joint Venture vom Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) gemeinsam mit dem Complexity Science Hub (CSH), dem Logistikum der Fachhochschule Oberösterreich und dem Verein Netzwerk Logistik (VNL) gegründet. www.ascii.ac.at

 
Kontakt:
Wissenschaft: Asjad Naqvi, asjad.naqvi@wifo.ac.at, +43 680 22 45 790
Pressesprecherin: Ines Matzelle, press@ascii.ac.at, +43 664 25 41 320