Internationale Gedenk- und Aktionstage Herbst 2026

·         24. September: Weltschifffahrtstag. Der Tag wurde von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) ins Leben gerufen und wird seit dem 17. März 1978 jedes Jahr am letzten Donnerstag im September begangen.  Er soll auf die Seeschifffahrt als Leistungsträger im Rahmen der Weltwirtschaft, Schiffssicherheit und die Sicherheit des Seeverkehrs hinweisen.

·         27. September: Internationaler Tag der Flüsse. An diesem Tag stehen die Wasserstraßen dieser Welt im Mittelpunkt. Gegründet wurde der internationale Tag der Flüsse im Jahr 2005, um die Werte von Flüssen hervorzuheben und die Förderung der Verwaltung von Flüssen auf der ganzen Welt zu verbessern.

·         29. September: Internationaler Tag der Aufmerksamkeit für Lebensmittelverluste und -verschwendung. Der Aktionstag wurde von den Vereinten Nationen im Jahr 2020 erstmals veranstaltet und findet jährlich im Vorfeld des Welternährungstags bzw. Welthungertags (16. Oktober) statt. Während die Zahl der von Hunger betroffenen Menschen jährlich ansteigt, werden anderswo täglich Tonnen essbarer Lebensmittel verschwendet.

·        2. Oktober: Lange Tag der Flucht. Der Tag wurde 2012 ins Leben gerufen und ist eine österreichweite Initiative zu den Themen Flucht, Menschenrechte und Zusammenleben unter der Schirmherrschaft des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR. Internationale Budgetkürzungen, die viele UN-Organisationen – darunter auch UNHCR – betreffen, haben auch in Österreich spürbare Auswirkungen auf viele Veranstaltungsformate, die an diesem Tag in der Vergangenheit stattgefunden haben. Gleichzeitig sind zahlreiche Organisationen hierzulande von finanziellen Einschnitten betroffen. Der Lange Tag der Flucht findet deshalb heuer in reduzierter Form statt. 
Übersicht über Veranstaltungen

·        5. Oktober: Welttag des Wohn- und Siedlungswesens (Habitat-Tag). Das UN-Programm Habitat rief den Tag 1985 ins Leben, um auf das grundlegende Recht auf eine sichere Unterkunft und bezahlbaren Wohnraum aufmerksam zu machen. Weltweit leben Milliarden Menschen in unzureichenden Wohnverhältnissen.
Veranstaltungshinweis: Wohnen für alle – Globale Perspektiven auf ein Menschenrecht. Die diesjährige Entwicklungspolitische Fachtagung der Stadt Wien am 17. November 2026 widmet sich mit hochkarätigen internationalen Gästen unterschiedlichen Perspektiven auf Wohnen als Menschenrecht.

·         10. Oktober: Welttag gegen die Todesstrafe
Der Tag wird jedes Jahr am 10. Oktober begangen und fungiert in Europa zugleich als der Europäische Tag gegen die Todesstrafe. Ins Leben gerufen wurde er 2003 von der Weltkoalition gegen die Todesstrafe und Amnesty International mit dem Ziel einer weltweiten, vollständigen Abschaffung der Todesstrafe und die Aufklärung über Menschenrechtsverletzungen durch Hinrichtungen.

·         16. Oktober: Welternährungstag  bzw. Welthungertag, ausgerufen von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen 1945.

·         17. Oktober: Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut. 1987 von Joseph Wresinski initiiert, 1992 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen proklamiert

·         24. Oktober: Welttag der Vereinten Nationen und der Information über Entwicklungsfragen. An diesem Tag ist 1945 die Charta der Vereinten Nationen in Kraft getreten. Der Welttag der Information über Entwicklungsfragen findet seit 1972 auf Beschluss der UN mit dem Ziel statt, die weltweite Aufmerksamkeit auf die Entwicklungsprobleme zu lenken sowie auf die Notwendigkeit der Stärkung internationaler Zusammenarbeit, um diese globalen Ungerechtigkeiten zu lösen.

·         2. November: Internationaler Tag gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalist:innen, 2013 von den Vereinten Nationen im Andenken an zwei in 2013 in Mali getötete Journalist:innen initiiert.

·         15. November: Writers in Prison Day, initiiert 1980 durch das 1960 gegründete „Writers in Prison“-Kommittee der Schriftstellervereinigung P.E.N., in dem über 150 Schriftstellerorganisationen aus mehr als 100 Nationen vereinigt sind. An diesem Tag wird an verfolgte, inhaftierte und ermordete Schriftsteller*innen sowie Journalist*innen erinnert.

·         16. November: Internationaler Tag für Toleranz. Am 16. November 1995 unterzeichneten 185 Mitgliedsstaaten der UNESCO die Erklärung der Prinzipien zur Toleranz. Seitdem erinnert die UNESCO jährlich an jene Regeln, die ein menschenwürdiges Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen und Religionen ermöglichen.

·         29. November: Buy Nothing Day. Der Buy Nothing Day (deutsch: Kauf-Nix-Tag) ist ein konsumkritischer Aktionstag am letzten Freitag im November. Er wird mittlerweile in 80 Ländern – auch in Österreich – organisiert. Er ist die Antwort auf den Black Friday, der in den USA traditionell die Kaufsaison für Weihnachten einleitet.

·         2. Dezember: Internationaler Tag zur Abschaffung der Sklaverei, von den Vereinten Nationen zur Abschaffung der Sklaverei initiiert in Erinnerung an die 1949 verabschiedete Konvention zur Bekämpfung des Menschenhandels und der Ausbeutung von Personen. Weltweit leben immer noch mehr als 20 Millionen Menschen in Sklaverei oder sklavenähnlichen Verhältnissen.

·         5. Dezember: Internationaler Tag des Ehrenamtes zur Anerkennung und Förderung ehrenamtlichen Engagements. Der Tag wurde 1985 von den Vereinten Nationen (UN) beschlossen.

·         10. Dezember: Tag der Menschenrechte. Seit 1948 wird an diesem Tag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gedacht und von Menschenrechtsorganisationen genutzt, um auf Verletzungen dieser Rechte hinzuweisen.

·         18. Dezember: Internationaler Tag der Migrant:innen. 2000 hat die UNO diesen Tag ausgerufen, 1990 wurde die Internationale Konvention zum Schutz der Rechte aller Migrant:innen und ihrer Familienangehörigen von der UN-Vollversammlung angenommen.




Recherchematerial „Bis hier und wie weiter?“: SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Fragestellungen, Institutionen, Expert:innen, Veranstaltungen und Publikationen zum Thema

Ist-Stand

Die Entwicklungsfinanzierung ist in Transformation. Der aktuelle UN-Bericht zur Lage der SDGs konstatiert den Rückzug staatlicher Entwicklungszusammenarbeit. Die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (ODA) sank 2025 um rekordverdächtige 23,1 Prozent auf das Niveau von 2015. Doch wie ist die Lage in Österreich?

Im Sommer stellte Lukas Schlögel, Forscher an der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE), nach der Budgetpräsentation des Finanzminister Markus Marterbauer fest, dass Österreichs Entwicklungszusammenarbeit (EZA) vorerst mit einem „blauen Auge“ davongekommen sei. Die Ausgaben für EZA bleiben 2027 auf dem Niveau von 2026, welches bereits gekürzt wurde und sich nun auf 149 Millionen Euro beläuft. Zumindest vorläufig gibt es keine weiteren Einschnitte. Von Aufatmen kann aber nicht die Rede sein. Sieht man die Zahlen im Rahmen der internationalen Verpflichtung, die 1970 in der UNO Generalversammlung beschlossenen wurde und das Ziel mit 0,7% des Bruttonationaleinkommens (BNE) für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit festlegte, sieht es düster aus. Denn 56 Jahre später gibt Österreich noch immer nur 0,33% (2025) seines BNE für Entwicklungszusammenarbeit aus. Und das obwohl auch im aktuellen Regierungsprogramm davon die Rede ist die Quote auf 0,7 % zu heben.

Was hat das österreichische Doppelbudget mit den Sustainable Development Goals (SDGs) zu tun? Das Nachhaltigkeitsziel 17 nimmt unter den 17 Zielen eine besondere Stellung ein. Es geht nicht um einen einzelnen Politikbereich wie Bildung, Gesundheit oder Klimaschutz, sondern um die Voraussetzungen dafür, dass die gesamte Agenda 2030 umgesetzt werden kann. Der Titel von SDG 17 lautet nicht umsonst: Partnerschaften zur Erreichung der Ziele. Die UN fasst unter diesem Ziel die Stärkung der Mittel zur Umsetzung und die Erneuerung der globalen Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung zusammen.

Warum ist SDG 17 relevant?

Die Umsetzung der SDGs hängt wesentlich davon ab,

  • wer Entwicklungsmaßnahmen finanziert,
  • wie internationale Finanzströme verteilt werden,
  • wer Zugang zu Technologie, Kapital und Wissen hat,
  • wie Handels- und Wirtschaftsbeziehungen gestaltet werden,
  • wie viel Einfluss Länder des Globalen Südens auf internationale Entscheidungen haben und
  • ob Staaten, internationale Organisationen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft tatsächlich gleichberechtigt zusammenarbeiten.

Damit ist SDG 17 ein Ziel über Macht, Ressourcen und globale politische Entscheidungsstrukturen. Die Agenda 2030 macht deutlich, dass ein Perspektivenwechsel erforderlich ist: von Hilfe zu Zusammenarbeit, von Paternalismus zu Partnerschaft.

Den Kommentar von Lukas Schlögel finden Sie hier: https://www.oefse.at/publikationen/aktueller-kommentar/aktueller-kommentar-juni-2026/

Worum geht es in SDG 17?

Entwicklungsfinanzierung

SDG 17.1 bis 17.5 beschäftigen sich unter anderem mit der Mobilisierung von Ressourcen für Entwicklung, öffentlicher Entwicklungszusammenarbeit, privaten Finanzmitteln und Schuldentragfähigkeit. Besonders relevant ist das international vereinbarte Ziel, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (ODA) bereitzustellen.

Schulden

2025 schlug das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) bereits Alarm: 56 Länder müssten mehr als zehn Prozent ihrer Staatseinnahmen für Zinszahlungen ausgeben – doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Für 17 Länder sind es sogar über zwanzig Prozent. Der Leiter des UNDP, zu diesem Zeitpunkt noch der Deutsche Achim Steiner, befürchtete schon, dass die Schuldenkrise die Entwicklungsfortschritte des vergangenen Jahrzehnts gefährden könnte. Die UNDP rief die internationale Staatengemeinschaft daher zu raschem Handeln auf.

Eine hohe Schuldenlast zwingt viele Länder mit niedrigem Einkommen dazu, drastische Kürzungen bei wichtigen Sozialausgaben (Gesundheit, Bildung) und Infrastruktur vorzunehmen. Reiche Gläubigernationen und private Kreditgeber (z.B.  Banken und Rohstoffhändler) sind nicht bereit, Schulden angemessen zu stunden oder zu erlassen. Sinkende EZA-Gelder, hohe Schulden und ungleicher Zugang zu Investitionen und Technologie gefährden Fortschritte und Entwicklung. SDG 17.4 zielt darauf die Schuldentragfähigkeit zu verbessern und langfristige Lösungen für Finanzierung, Entschuldung und Umschuldung fördern.

Die Presseaussendung der UNDP finden Sie hier: https://www.undp.org/press-releases/ballooning-debt-service-payments-poorest-countries-reach-alarming-levels-undp-warns

Wie weiter? Für Gedanken und mögliche Ideen wie es weitergehen könnte, sorgen die unten gesammelten Veranstaltungshinweise. Etwa der Online-Termin „Another World is Possible: Striving for Equality“ mit Thomas Picketty oder das Vienna Humanities Festival 2026 mit dem diesjährigen Titel: “Agency/Tu Was”, wo Schriftsteller:innen, Philosoph:innen und Professor:innen ihre Analysen zur Lage der Welt teilen.

Fragen für die Recherche

Geld

  • Wer finanziert die Umsetzung der SDGs?
  • Wie groß ist die weltweite Finanzierungslücke?
  • Wie verändert sich die Entwicklungszusammenarbeit angesichts knapper öffentlicher Budgets?

Macht

  • Wer entscheidet über die Prioritäten der Entwicklungszusammenarbeit?
  • Wie viel Mitsprache haben Partnerländer?
  • Sind internationale Finanzinstitutionen demokratisch genug? Braucht es Reformen?

Partnerschaft

  • Was bedeutet Globale Partnerschaft konkret? Gibt es Partnerschaft auf Augenhöhe?
  • Wie werden lokale Organisationen in Projekten beteiligt?

Schulden

  • Welche Länder sind besonders stark verschuldet?
  • Wie viel Geld fließt aus armen Ländern für Schuldendienst ab?
  • Welche Möglichkeiten gibt es für Schuldenerlässe? Wie werden Entschuldung und Umschuldung gefördert?
  • Wie beeinflussen Schulden die Finanzierung von Klimaschutz, Gesundheit und Bildung?

Institutionen in Österreich

Austrian Development Agency (ADA)
Die Austrian Development Agency (ADA) ist die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Die ADA setzt jährlich rund 650 Projekte und Programme mit einem Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro um, um die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern zu verbessern. Das Budget der ADA stellt das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) zur Verfügung.

Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA)
Das Ministerium befasst sich mit Entwicklungspolitik, internationaler Zusammenarbeit und multilateralen Beziehungen.

Oesterreichische Entwicklungsbank (OeEB)
Die OeEB handelt im Auftrag der Bundesregierung. Sie finanziert Investitionen privater Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern und ist somit eine Schnittstelle zwischen Entwicklungsfinanzierung und Privatsektor.

Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE)
Die führende österreichische Forschungs-, Beratungs- und Informationseinrichtung liefert Daten und Analysen zur internationalen Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit.

AG Globale Verantwortung
Der Dachverband vertritt national und international die Interessen von 38 österreichischen Nichtregierungsorganisationen, die in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, entwicklungspolitische Inlandsarbeit, Humanitäre Hilfe sowie nachhaltige globale wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung tätig sind.

Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation
Das VIDC ist eine der ältesten entwicklungspolitischen Organisation in Österreich und will eine kritische Öffentlichkeit auf soziale, politische, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklungen aufmerksam machen.

Expert:innen

Lukas Schlögel ist Sozialwissenschaftler mit den Schwerpunkten Entwicklungspolitik, Entwicklungsfinanzierung sowie Technologischer Wandel und Entwicklung.

Asjad Naqvi ist Ökonom und arbeitet seit Juni 2022 in der Forschungsgruppe „Klima-, Umwelt- und Ressourcenökonomie“ des WIFO. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Klimawandel, ökonomisches Wachstum und Ungleichheit.

Andrea Barschdorf-Hager ist Geschäftsführerin CARE Österreich und hat 30 Jahren Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe.

Lukas Wank ist Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung, welche als Dachverband national und international die Interessen von 39 österreichischen NGOs vertritt.

Peter Klimek ist ein österreichischer Physiker und Komplexitätsforscher. Für das Supply Chain Intelligence Institute Austria hat er zusammen Asjad Naqvi eine Publikation veröffentlich, die anhand von Daten analysiert wie die die Kürzungen der Gelder durch die USA und die Europäische Union drohen die Verflechtungen zwischen Entwicklungshilfe, Handel sowie humanitären und ökologischen Krisen zu verschärfen.  

Josef Mühlbauer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Empowerment for Peace und verbindet Forschung mit gesellschaftlichem Engagement. Auf seinem YouTube-Kanal beleuchtet er gesellschaftspolitische Herausforderungen.

Die spanische Philosophin Máriam Martínez Bascuñán erörtert beim Vienna Humanities Festival die Erosion des gemeinsamen Raums und stellt die Frage: was geschieht mit der politischen Handlungsfähigkeit, wenn die gemeinsame Welt demontiert wird?

Werner Raza ist Leiter der ÖFSE. Der Ökonom ist Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen und fungierte als Mitglied in Beratungsgremien in den Bereichen Außenhandelsförderung, Entwicklungsfinanzierung und -politik.

Michael Obrovsky ist Kommunikationswissenschafter und wissenschaftlicher Mitarbeiter der ÖFSE. Schwerpunkte seiner Arbeit sind vor allem Themen der österreichischen und internationalen Entwicklungspolitik und Entwicklungsfinanzierung.

Johannes Jäger ist Fachbereichsleiter für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft & Gesellschaft des BFI Wien. Er ist im Bereich Politische Ökonomie und globale Entwicklung tätig.

Publikationen und Datenquellen

Bericht: The Sustainable Development Goals Report 2026

Der Bericht zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung 2026 ist der einzige offizielle Bericht der Vereinten Nationen, der die weltweiten Fortschritte bei der Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung überwacht und liefert aktuelle Daten zur Umsetzung der 17 Ziele. Im Vorwort schreibt der UN-Generalsekretär António Guterres: Der Bericht zeigt […], dass die Fortschritte angesichts erheblicher Gegenwinde – vom Einbruch der Entwicklungshilfe über die wachsende Schuldenlast in Entwicklungsländern, zunehmende Konflikte und das nachlassende weltweite Wirtschaftswachstum bis hin zum Klimachaos und anderen Schocks – weiterhin ungleichmäßig und unzureichend sind.“ Link zum Bericht

Infopage: OECD-Daten zu EZA-Geldern

Die OECD hat in einer Infopage vorläufige ODA-Daten für das Jahr 2025 zusammengetragen und schreibt von einem historischen Rückgang der Gelder. Die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit der Mitglieder und assoziierten Partner belief sich im Jahr 2025 auf 174,3 Milliarden US-Dollar; dies entspricht einem Rückgang von 23,1 % gegenüber 2024. Link

Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII)

Die USA und die EU gehören zu den bedeutenden Gebern von Entwicklungshilfe. Gleichzeitig wächst der politische Druck, diese Hilfszahlungen künftig zu reduzieren. Die Studie von Rosie Hayward, Peter Klimek and Asjad Naqvi untersucht wie ODA und internationaler Handel miteinander verbunden sind, indem Zusammenhänge zwischen importierten Gütern und Arten von ODA analysiert werden. Dabei wurden auch humanitäre Hilfe und Hilfsleistungen berücksichtigt, die üblicherweise nicht mit Handel in Verbindung gebracht werden.
Link zur Studie

Veranstaltungen

23. September: „Another World is Possible“-Onlineveranstaltung mit dem französischen Wirtschaftswissenschafter Thomas Piketty.
Link: https://blogs.brighton.ac.uk/cappe/2026/08/03/cappe-symposium-another-world-is-possible-striving-for-equality-with-thomas-piketty-wednesday-23rd-september-2026/

23. bis 27. September: Das Vienna Humanities Festival 2026 möchte Raum schaffen für die Wiedererlangung unserer Handlungsfähigkeit und hat dafür ein Programm mit namhaften Personen zusammengestellt. Link: https://www.humanitiesfestival.at/

12. Oktober: Hybride Konferenz „After Pax Americana – Pluriverse or Multipolar World Order?“ an der Universität Graz organisiert von Josef Mühlbauer und Ksenia Radchenkova in Zusammenarbeit mit der Lebanese American University, der I.F.A.N. University im Senegal, dem Centre for Critical Peace Studies sowie der Comsats University in Pakistan.
Link: https://global-governance.uni-graz.at/en/research/projects/after-pax-americana/

20. Oktober: Die Historikerin Andrea Komlosy analysiert in ihrem neuen Buch „Globalisierung im Übergang“ das Ende der globalen ökonomischen Einheit. Im Anschluss an die Buchpräsentation folgt eine Podiumsdiskussion.
Link: https://www.pfz.at/aktivitaeten/buchpraesentation-und-podiumsdiskussion-globalisierung-im-uebergang-zerfall-oder-erneuerung-des-weltsystems/




PA: Tag der Demokratie: Südwind sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Demokratiebildung

Menschenrechtsorganisation sieht Rückschritte in der Bildungspolitik und fordert mehr Unterstützung bei der Vermittlung von Demokratiekompetenzen

15. September 2026. Anlässlich des Internationalen Tags der Demokratie fordert Südwind von der Bundesregierung mehr Unterstützung für demokratiefördernde Initiativen sowie bessere Rahmenbedingungen für Demokratiebildung und Globales Lernen. „Die Fähigkeit, demokratische Strukturen zu verstehen, um sich verantwortungsvoll am politischen und gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, ist für junge Menschen heute unverzichtbar“, sagt Südwind-Geschäftsführer Konrad Rehling. „Angesichts zunehmender Desinformations-Kampagnen und gezielter gesellschaftlicher Spaltung braucht es dringend mehr Unterstützung der Bundesregierung zur Absicherung unserer Demokratie.“

Die aktuelle Tendenz gehe leider in die falsche Richtung, kritisiert Südwind Rückschritte in der Bildungspolitik: „Zivilgesellschaftliche Arbeit wird oft in Frage gestellt, Förderungen werden gekürzt und wichtige Schwerpunkte wie Globales Lernen werden aus dem AHS-Lehrplan gestrichen. Es braucht hier dringend eine Trendwende!“, fordert Konrad Rehling.

Demokratie verstehen, mitgestalten und bewahren

„Demokratie lebt davon, dass alle Stimmen gehört werden. Südwind gibt jungen Menschen die nötigen Werkzeuge an die Hand, um sich aktiv in politische Prozesse einzubringen. Über unsere Bildungs- und Jugendprojekte machen wir das Funktionieren politischer Institutionen verständlich und bringen junge Menschen in den direkten Austausch mit Entscheidungsträger:innen – von der Gemeinde bis zum EU-Parlament“, so Südwind-Geschäftsführer Rehling.

Die Bildungsarbeit von Südwind setzt auf das bewährte Konzept des Globalen Lernens (Global Citizenship Education): Junge Menschen werden dazu ermutigt, sich kritisch mit globalen Zusammenhängen auseinander zu setzen und lernen Möglichkeiten kennen, um ihre Anliegen vorzubringen. Statt Frontalunterricht setzt Südwind auf partizipative, kreative und erfahrungsorientierte Methoden – etwa Planspiele, Simulationen und Workshop-Formate. Die Bildungsarbeiter:innen von Südwind vermitteln Vorträge von Expert:innen, ermöglichen internationalen Austausch, erklären die Funktionsweisen der Gesetzgebung und bringen junge Menschen mit Entscheidungsträger:innen in Österreich und auf EU-Ebene zusammen.

Projekte für politische Teilhabe und gesellschaftliches Engagement

Projekte wie Y-Turnout EU fördern die politische Teilhabe von Jugendlichen und zeigen auf, wie sie europäische Politik konkret mitgestalten können. Global Districts stärkt das Engagement von sozial benachteiligten jungen Erwachsenen, Jugendlichen aus dem ländlichen Raum und vor allem jenes von Mädchen und jungen Frauen. Darüber hinaus vermittelt Südwind bei österreichweiten Workshops Knowhow zu globalen Zusammenhängen, Medienkompetenz und soziales Lernen. Diese Angebote tragen dazu bei, Extremismus vorzubeugen und demokratische Kompetenzen zu stärken.

Rückfragen
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at
Website: https://www.suedwind.at/presse




PA: ADA-Jahrestagung zeigt: Internationale Zusammenarbeit bleibt strategisch unverzichtbar 

Heute findet die Jahrestagung der Austrian Development Agency (ADA) in der Wiener Urania statt. Das Thema: Entwicklungszusammenarbeit im Wandel. GIZ-Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel, ICMPD-Generaldirektorin Susanne Raab und MED-EL-Geschäftsführerin Ingeborg Hochmair gewähren Einblicke in Partnerschaften mit der ADA. Ihre gemeinsame Botschaft: Internationale Zusammenarbeit ist kein Zusatz, sondern Voraussetzung für Stabilität, Sicherheit und nachhaltige Entwicklung.

Wien, 10. September 2026 – Heute Donnerstag findet die Jahrestagung der Austrian Development Agency (ADA) statt. Rund 120 Gäste – in erster Linie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ADA sowie der Sektion für Internationale Partnerschaften und Humanitäre Hilfe im österreichischen Außenministerium – beschäftigen sich in der Wiener Urania mit dem übergreifenden Thema von Entwicklungszusammenarbeit im Wandel und den sich daraus ergebenden Implikationen für Agenturen wie die ADA.

Appell für internationale Zusammenarbeit
Aber auch gewichtige Kooperationspartner wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, das International Centre for Migration Policy Development (ICMPD) und das Tiroler Familienunternehmen MED-EL, einer der weltweit führenden Hersteller und Entwickler von Hörimplantaten, leisten aktiv einen Beitrag zum Programm der Veranstaltung. Ihre Arbeitsbereiche sind genauso wie jene der ADA mit den sich aktuell rapide verändernden geopolitischen Rahmenbedingungen konfrontiert.

Der gemeinsame Appell von GIZ-Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel, ICMPD-Generaldirektorin Susanne Raab sowie MED-EL-Geschäftsführerin Ingeborg Hochmair lautet daher klar: Globale Herausforderungen lassen sich nicht im Alleingang lösen. Es braucht verlässliche internationale Partnerschaften und Entwicklungsagenturen, die Sicherheit stärken, Perspektiven schaffen und nachhaltige Entwicklung konkret wirksam machen.

Brünner: „Interessen Österreichs in Einklang mit jenen unserer Partner bringen“
„Die Welt verändert sich, und das gefühlt so rasant wie noch nie. Für das Feld von Entwicklungszusammenarbeit und ganz konkret unsere Arbeit als Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe bedeutet das, dass auch wir uns verändern müssen, wenn wir relevant bleiben und Österreichs Außenpolitik weiterhin wirkungsvoll mitgestalten wollen. Unsere Gäste aus den Bereichen europäische Kooperation, Migration und Wirtschaft verdeutlichen, wie starke Partnerschaften dazu beitragen können, die Interessen Österreichs und jene unserer Partnerländer in Einklang zu bringen“, betont ADA-Geschäftsführer Bernd Brünner.

Schäfer-Gümbel: „Partnerschaften sind strategisches Kapital“
Das bestätigt auch GIZ-Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel in seiner Keynote: „Internationale Zusammenarbeit ist wichtiger denn je. Sie sorgt dafür, dass Konflikte entschärft werden, bevor sie eskalieren. Sie schafft Perspektiven, bevor Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Sie hilft dabei, dass Lieferketten funktionieren, Märkte und verlässliche Partnerschaften entstehen. Wir machen weit mehr als Wohltätigkeit, wir arbeiten an einer tragfähigen Zukunft. Frieden braucht Entwicklung. Im ,Team Europe‘ arbeiten ADA und GIZ seit Jahren vertrauensvoll zusammen – zuletzt in Serbien und in Moldau. Solche Partnerschaften sind unser strategisches Kapital.“

Raab: „Bereiche stärker zusammendenken und Kooperation gezielt weiterentwickeln“
„Migration, Entwicklung und internationale Zusammenarbeit sind eng miteinander verbunden. Um nachhaltige Perspektiven zu schaffen, müssen wir diese Bereiche stärker zusammendenken und unsere Kooperation gezielt weiterentwickeln. Im Mittelpunkt steht dabei ein klares Ziel: den Menschen in unseren Partnerländern bessere Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben in Sicherheit und Würde zu ermöglichen. Die diesjährige ADA-Jahrestagung ist zweifellos ein wichtiger Baustein, um Partnerschaften zu stärken und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen“, betont ICMPD-Generaldirektorin Susanne Raab.

Hochmair: „Innovation wird zu nachhaltiger Entwicklung“
MED-EL-Geschäftsführerin Ingeborg Hochmair ergänzt: „Gutes Hören öffnet Türen zu Bildung, Arbeit und Teilhabe – überall auf der Welt. Seit 2018 bauen wir gemeinsam mit der Austrian Development Agency in Afrika und Asien Strukturen auf, die bleiben: ausgebildete Fachkräfte, Hörscreenings für Neugeborene und lokale Versorgung, wo es sie bisher kaum gab. Diese Partnerschaft zeigt, wie viel entsteht, wenn öffentliche Hand und Unternehmen ihre Stärken bündeln – Innovation wird so zu nachhaltiger Entwicklung, gerade in unsicheren Zeiten.“ MED-EL und die ADA arbeiten seit 2018 zusammen, um die Verbesserung von Gesundheitssystemen im Bereich Hörgesundheit voranzutreiben – zuletzt in 14 Ländern Afrikas südlich der Sahara sowie Südasiens.

ADA-Bilanz 2025: Gemeinsam mit Partnern 446 Vorhaben möglich gemacht
Die Ergebnisse der ADA sprechen für sich: Mit dem vom Außenministerium zur Verfügung gestellten Kernbudget, Mitteln aus dem Auslandskatastrophenfonds der österreichischen Bundesregierung sowie zusätzlich akquirierten Drittmitteln machte Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe im vergangenen Jahr gemeinsam mit ihren Partnern 446 Projekte möglich – und konnte dadurch viel bewegen: In der Ukraine und ihren Nachbarländern etwa erhielten 120.000 Menschen lebensrettende Nothilfe und psychosoziale Unterstützung sowie Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Über 2,8 Millionen Menschen erhielten Zugang zu Trinkwasser, während Nahrungsmittelhilfe aus Österreich mehr als 850.000 Menschen erreichte, 13 Naturschutzgebiete gestärkt und fast 50 Kooperationen mit österreichischen und europäischen Unternehmen umgesetzt wurden.

Austrian Development Agency
Die Austrian Development Agency (ADA) ist Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. Die ADA arbeitet mit internationalen Organisationen, öffentlichen Stellen, der Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen und Unternehmen in Afrika, Asien, Südost- und Osteuropa zusammen. Gemeinsam mit den Menschen in Österreichs Partnerländern schafft die ADA bessere Lebensbedingungen in deren Heimat – etwa durch Aus- und Weiterbildung, die Förderung von Kleinunternehmen oder innovative Lösungen für Wasserversorgung und Landwirtschaft. Armut mindern, Frieden fördern und Umwelt schützen stehen im Zentrum ihrer Arbeit. Für ein gutes Leben und eine sichere Zukunft für alle.

Rückfragehinweis:
Austrian Development Agency (ADA),
Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe
Mag.a Katharina Schreiber
Tel.: +43 1 903 99-2410
Mobil: +43 676 839 03 410
katharina.schreiber@ada.gv.at
www.entwicklung.at




PA: Internationaler Tag der Indigenen Frauen

Erstmalig wird am 5. September 2026 der „Internationale Tag der Indigenen Frauen“ begangen. Im vergangenen November verabschiedete die UN-Vollversammlung den Beschluss, den 185 Millionen Indigenen Frauen weltweit die Würdigung zukommen zulassen, die ihnen gebührt, so die European Alliance for the Self-determination of Indigenous PeopleS.

Indigene Frauen sind nicht nur die Hüterinnen der Kultur und Traditionen ihrer Völker, sondern aktiv in deren politische Entscheidungen eingebunden. Als die Indigenen Völker Amerikas erstmals 1977, also vor fast fünfzig Jahren, ihre Delegationen zu den Vereinten Nationen nach Genf entsandten, waren die Indigenen Frauen selbstverständlich als Repräsentantinnen vertreten, doch wurden sie von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Dabei waren sie es auch, die in Jahrzehnte langer Arbeit dazu beitrugen, dass die Vereinten Nationen 2007 die Deklaration der Rechte der Indigenen Völker verabschiedeten, die inzwischen viele Länder in ihre Rechtssysteme integrierten, selbst Kanada, dessen „Indianergesetzgebung“ Indigene Frauen explizit diskriminiert(e).

Als die USA, die dieses Jahr das 250. Jahr ihrer Unabhängigkeit feierten, sich von der Verfassung der Haudenosaunee (Irokesen) inspirieren ließen, blendeten sie einen wesentlichen Aspekt ihrer politischer Entscheidungsverfahren aus – die gleichberechtigte Teilhabe der Frauen, welche in der matrilinearen Tradition entscheidende Befugnisse haben. Nur die wenigsten wissen hierzulande, dass es weibliche Chiefs gibt, Frauen über Besitz verfügen – nicht Besitz sind – und sich bis heute entschlossen den Auswirkungen von Kolonialismus, Rassismus und Diskriminierung entgegenstellen.

Pocahontas oder Karl Mays fiktive „Nscho-tschi sind nur Klischeebilder, welche dem westlichen Patriarchat entspringen, um die Indigenen Frauen auf eine untergeordnete Rolle festzuschreiben, haben jedoch nichts mit der indigenen Realität gemein. Als Deb Haaland 2021 ihr Amt als erste indigene Innenministerin antrat, mag das für die „westliche Welt“ überraschend gewesen sein – für die Indigenen Völker ist es selbstverständlich, dass Indigene Frauen Führungspositionen innehaben. Sie sind es auch, die den Widerstand gegen die Entrechtung der Indigenen Völker und die Zerstörung indigenen Landes, vorantreiben. Frauen wie Freda Huson (Chief der Wet’suwet’en First Nation), Mary und Carrie Dann (Western Shoshone Elders) oder Sheila Watt-Cloutier (Inuk Politikerin und Aktivistin) sind nur einige der Indigenen Frauen, die für ihren Einsatz für indigene Rechte und den Schutz der Umwelt mit dem Right Livelihood Award, dem Alternativen Nobelpreis, ausgezeichnet wurden. Indigene Frauen tragen auf allen Ebenen der Gesellschaft zur Sichtbarkeit und zum Erbe indigener Kulturen bei – in Akademien, Wissenschaft, Bildung, Kultur und Sport bis zu Musik und Film.

Vor allem verfügen sie über Resilienz, Verantwortungsbewusstsein und die Stärke kollektiver Gemeinschaften. Nicht nur auf nationaler und internationaler Ebene, sondern auch auf ganz lokaler Ebene bilden Indigene Frauen das Rückgrat ihrer Gemeinschaften.
Die European Alliance for the Self-Determination of Indigenous PeopleS, ein Zusammenschluss von sieben Menschenrechtsorganisationen, setzt sich für die Anerkennung und den Schutz Indigener Frauen ein, die bis heute von patriarchalen Strukturen, Diskriminierung und Gewalt bis hin zu Femiziden bedroht sind. Der Internationale Tag der Indigenen Frauen sollte der Anlass sein, ihre rechtmäßige Position zu würdigen.

Rückfragen:
Monika Seiller
European Alliance for the Self-Determination of Indigenous PeopleS
Kontakt: post@aktionsgruppe.de
oder +49-173-9265932




PA: Amnesty International: „Return Hubs“ in Ruanda und Uganda drohen zu „schwarzen Löchern“ für Menschenrechte zu werden

Fünf EU-Staaten, darunter Österreich, beraten am 4. September über Rückführungszentren in Drittstaaten – Amnesty fordert Stopp der Pläne.

Am Freitag treffen die zuständigen Minister*innen Österreichs, Dänemarks, Deutschlands, Griechenlands und der Niederlande in Kopenhagen zusammen, um den Stand der Verhandlungen über sogenannte „Return Hubs“ außerhalb der EU zu beraten. Betroffene könnten dabei in Drittstaaten wie Ruanda und Uganda gebracht werden, zu denen sie keinerlei Verbindung haben. Amnesty International warnt vor schwerwiegenden menschenrechtlichen Risiken und fordert die beteiligten Regierungen auf, die Pläne zu stoppen.

„Eine humane und geordnete Migrations- und Asylpolitik kann nicht darin bestehen, Menschen möglichst weit außer Sichtweite zu bringen. Die Auslagerung von Abschiebungen und Inhaftierungen in Drittstaaten ist menschenrechtlich brandgefährlich. Österreich darf sich seiner Verantwortung nicht entziehen und muss Maßnahmen ablehnen, die vor allem auf Abschreckung und Repression ausgerichtet sind“, sagte Aimée Stuflesser, Expertin für Asyl und Migration bei Amnesty International Österreich.

Auch auf europäischer Ebene warnt Amnesty vor den möglichen Folgen.

„Schon aufgrund ihrer Konzeption bergen ‚Return Hubs‘ das Risiko schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen. Dazu gehören willkürliche Inhaftierungen, Folter und Misshandlungen sowie rechtswidrige Weiterabschiebungen. Es besteht die reale Gefahr, dass diese Einrichtungen in der Praxis zu schwarzen Löchern für Menschenrechte werden, in die Inhaftierungen und Abschiebungen ausgelagert werden. Jede verantwortungsbewusste Regierung sollte diese Pläne kategorisch ablehnen“, sagte Eve Geddie, Leiterin des Büros für Europäische Institutionen bei Amnesty International.

„Rückführungszentren“ nicht ohne Menschenrechtsverletzungen umsetzbar 

Die Verhandlungen zwischen den genannten fünf EU-Mitgliedstaaten mit Uganda und Ruanda sollen bereits weit fortgeschritten sein, trotz der gut dokumentierten Menschenrechtsverletzungen in beiden Ländern. Es gibt zudem Berichte über ein geplantes Zentrum in Uganda, das 2027 seinen Betrieb aufnehmen könnte und Platz für bis zu 10.000 Menschen bieten würde.

Amnesty International hat wiederholt davor gewarnt, dass „Rückführungszentren“ nicht ohne Menschenrechtsverletzungen umgesetzt werden können. Dies zeigen alle bisherigen Versuche, Migrationsaufgaben auszulagern.

Die konkreten Ausgestaltungen der geplanten Zentren sind zwar noch nicht öffentlich bekannt. Grundsätzlich besteht jedoch die Gefahr, dass solche Einrichtungen in der Praxis zu Abschiebungs- und Haftanstalten werden. Betroffenen könnten willkürliche oder unverhältnismäßige Freiheitsentziehungen, Folter oder andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung drohen. Auch der Zugang zu einem fairen Verfahren und wirksamen Rechtsbehelfen könnte eingeschränkt werden.

Bedenkliche Menschenrechtslage in Ruanda und Uganda

Besonders alarmierend ist, dass sich die Gespräche offenbar auf zwei Staaten mit einer äußerst problematischen Menschenrechtsbilanz konzentrieren.Die EU hat im Juni 2026 eine Einigung über die neue Rückführungsverordnung erzielt, die noch formell verabschiedet werden muss. Diese soll die Einrichtung von Return Hubs in Drittstaaten ermöglichen. Vorgesehen ist, dass entsprechende Vereinbarungen nur mit Ländern geschlossen werden dürfen, in denen „internationale Menschenrechtsstandards und -grundsätze […] eingehalten werden“.

In Uganda dokumentiert Amnesty International seit Langem Menschenrechtsverletzungen, darunter Repressionen, rechtswidrige Inhaftierungen und Abschiebungen, sowie ein extremes Anti-LGBTQIA+-Gesetz, das einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen unter Strafe stellt und für den Tatbestand der sogenannten „schweren Homosexualität“ die Todesstrafe vorsieht.

Die ruandische Regierung und das Militär kontrollieren und unterstützen intensiv die bewaffnete Gruppe M23 in der Demokratischen Republik Kongo, die schwere Menschenrechtsverletzungen begangen hat, die möglicherweise Kriegsverbrechen darstellen.

Der britische Supreme Court stellte 2023 fest, dass Ruanda für das Vereinigte Königreich kein sicheres Drittland für die Abschiebung von Asylsuchenden sei, angesichts der dortigen Praxis von Unterdrückung, Einschränkungen der Medien- und politischen Freiheiten, außergerichtlicher Tötungen, willkürlicher Inhaftierungen, Misshandlungen und Folter.

Im September 2025 forderte das Europäische Parlament die Europäische Kommission auf, die Unterstützung – einschließlich finanzieller Hilfe – für ruandische staatliche Stellen zu überprüfen, die an willkürlichen Inhaftierungen, Folter oder unfairen Gerichtsverfahren beteiligt sind.

Verantwortung darf nicht ausgelagert werden

Amnesty International kritisiert zudem grundsätzlich den Ansatz, europäische Asyl- und Migrationspolitik zunehmend über Abkommen mit Staaten außerhalb der EU auszulagern.

„Diese Verhandlungen und der als ‚Migrationsdiplomatie‘ bezeichnete Ansatz der EU sind nur durch das globale Machtgefälle möglich. Sie sind ein dreister Versuch, sich der eigenen Verantwortung zu entziehen und sie auf Länder des Globalen Südens abzuwälzen. Die Staaten des Globalen Südens tun bislang weitaus mehr als Europa, um Geflüchtete aufzunehmen und das mit weniger Ressourcen“, sagt Geddie.

„Aus dem Abkommen zwischen Italien und Albanien und den früheren Versuchen mancher Regierungen, ihre Migrationspolitik ins Ausland zu verlagern, wissen wir bereits, dass ‚Rückführungszentren‘ rassifizierte Menschen unverhältnismäßig stark benachteiligen. Nach den beschämenden ‚Schickt sie zurück!‘-Rufen, die im Juni im Europäischen Parlament zu hören waren, tanzen Regierungen aller politischen Lager nun nach derselben rassistischen Melodie – bereit, eine Agenda zur Ausweitung der Abschiebungen um jeden Preis voranzutreiben. Amnesty International wird weiterhin die negativen Auswirkungen und Rechtsverstöße dieser Maßnahmen benennen und sich ihnen widersetzen.“

Rückfragen
Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
presse@amnesty.at




PA: Brasilien: Gewaltbericht zur Situation indigener Völker alarmiert

Gewalt, Landkonflikte und die Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen bedrohen indigene Gemeinschaften in Brasilien. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht von CIMI, langjährige brasilianische Partnerorganisation der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar. 

258 Indigene wurden allein im Jahr 2025 ermordet. Die Landrechte vieler indigener Gemeinschaften bleiben ungesichert. Besonders dramatisch ist die Situation von Kindern: 1.024 indigene Kinder bis vier Jahre starben 2025.

Eine Kurzfassung des Berichts ist auch auf Deutsch verfügbar.

Gewalt und Angriffe auf indigene Landrechte

Zahlreiche indigene Territorien warten noch immer auf ihre vollständige staatliche Anerkennung und Abgrenzung. Bei fast zwei Dritteln (897) der 1.443 bestehenden oder beanspruchten indigenen Territorien steht die vollständige staatliche Regulierung aus. In 582 Fällen, also bei rund 40 Prozent aller Territorien, wurde das Verfahren zur offiziellen Abgrenzung und Anerkennung noch nicht einmal begonnen. 

Gleichzeitig dringen Goldsucher*innen, Holzfäller*innen und andere Akteur*innen in indigene Gebiete ein und beuten natürliche Ressourcen aus. Selbst aus bereits anerkannten Territorien können Eindringlinge oft nicht dauerhaft ferngehalten werden. CIMI kritisiert deshalb den mangelnden dauerhaften Schutz indigener Gebiete. 

Gewalt gegen Menschen

Angriffe und Gewalttaten gegen Indigene haben im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. 258 Indigene wurden 2025 ermordet, deutlich mehr als im Jahr davor. Die Gewalt gegen Indigene ist eng mit den Konflikten um ihre Landrechte verbunden. Insgesamt dokumentiert CIMI 474 Fälle von Gewalt gegen Personen. Dazu zählen neben Morden unter anderem Mordversuche, Körperverletzungen, sexuelle Gewalt, Drohungen und rassistische Übergriffe.

Kinder sind besonders betroffen

Die Situation von Kindern ist besonders dramatisch. 1.024 indigene Säuglinge und Kleinkinder bis vier Jahre starben im Jahr 2025.Zu den Ursachen zählen unter anderem Atemwegs- und Darmerkrankungen sowie Mangelernährung. Mehr als die Hälfte dieser Todesfälle wäre laut CIMI vermeidbar gewesen.

Gewalt durch Untätigkeit staatlicher Stellen

Der Bericht beschreibt zudem Lücken bei Gesundheitsversorgung, Bildung und staatlicher Unterstützung. In vielen indigenen Gebieten fehlt es an sauberem Trinkwasser, medizinischer Versorgung oder ausreichender schulischer Infrastruktur. Auch die Verschmutzung von Flüssen durch Pestizide oder Quecksilber aus illegalem Goldabbau gefährdet die Gesundheit ganzer Gemeinschaften. Mangelnde Ressourcen auf Verwaltungs- und Behördenebene sind eine Form der Gewalt durch Untätigkeit staatlicher Stellen. 215 Suizide Indigener sind im vergangenen Jahr dokumentiert, besonders häufig betroffen waren Jugendliche und jungen Erwachsene. 

Landrechte sind Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben

Für indigene Gemeinschaften sind gesicherte Landrechte eine zentrale Voraussetzung, um ihre Lebensweise, ihre Kultur und ihre natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. CIMI begleitet indigene Völker deshalb bei ihrem Einsatz für die Anerkennung und den Schutz ihrer Territorien.

Die Organisation unterstützt indigene Gemeinschaften dabei, ihre Rechte zu kennen und selbst einzufordern, sich zu organisieren und miteinander zu vernetzen. Mitarbeiter*innen begleiten etwa bei Behördenwegen und öffentlichen Aktionen. Darüber hinaus unterstützt CIMI zweisprachige Bildungsangebote, die indigene Sprachen und Kulturen stärken.

Die Dreikönigsaktion unterstützt CIMI seit vielen Jahren. Der aktuelle Bericht zeigt, wie notwendig diese Arbeit weiterhin ist. Trotz einzelner Fortschritte sind indigene Gemeinschaften noch immer Gewalt, Vertreibung und wirtschaftlichem Druck ausgesetzt. Ihr Einsatz für ihre Rechte und den Schutz ihrer Territorien braucht deshalb weiterhin solidarische Unterstützung.

Bericht und weitere Infos 

Die vierseitige deutsche Kurzfassung „Gewalt gegen die Indigenen Völker Brasiliens – Daten von 2025“ gibt einen kompakten Überblick über die aktuelle Situation: Download der deutschen Kurzfassung

Gesamter Bericht (portugiesisch): https://cimi.org.br/2026/08/relatorioviolencia2025/

Informationen zu CIMI:
https://www.dka.at/sternsingen/projekte2021-1

Rückfragen
Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar
Elisabeth Holzner
Telefon: 0676 88011 1000
E-Mail: elisabeth.holzner@dka.at




Aviso: Online-PK, 3.9.: Wetterextreme und Hunger: El Niño und die humanitären Folgen für Millionen Menschen

Im Pazifik bahnt sich möglicherweise das stärkste El Niño-Ereignis seit Jahrzehnten an. In den kommenden Monaten droht es Dürren, Überschwemmungen und andere Wetterextreme verschärfen – mit schweren Folgen für die Ernährungssicherheit und den humanitären Bedarf von Millionen Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten.

CARE-Analysen zeigen: Besonders gefährdet sind Regionen, in denen Klimaschocks auf Hunger, Konflikte, Vertreibung und gekürzte humanitäre Hilfe treffen. Frauen und Mädchen sind davon häufig besonders betroffen. Die anstehenden Wochen und Monate sind deshalb ein entscheidendes Zeitfenster, um vorzusorgen und die humanitären Auswirkungen so gut wie möglich einzudämmen.

CARE lädt zu einem internationalen Online-Pressegespräch mit Expertinnen und Experten ein. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen: Wo drohen die größten humanitären Auswirkungen? Warum werden die Folgen von El Niño oft erst Monate später sichtbar? Wie wirken sich Dürren und Überschwemmungen auf Ernten, Einkommen, Lebensmittelpreise und Ernährung aus? Was kann jetzt noch getan werden, um die Folgen zu verhindern oder abzumildern?

Sprecher:innen:

  • Ummy Dubow, Länderdirektorin, CARE Somalia
  • Ayham Taha, Experte für Ernährungssicherheit und Lebensgrundlagen, CARE USA
  • Thuy-Binh Nguyen, Expertin für Klimagerechtigkeit und -anpassung, CARE International
  • Ann Vaughan, Vizepräsidentin für Klimaresilienz und nachhaltige Entwicklung, CARE USA

Wann: Donnerstag, 3. September 2026, 16:00–17:30 Uhr CET
Wo: Zoom, https://careorg.zoom.us/j/98555891314?pwd=ihu5LI98dYCCsjSBsVyrB9YZ0XbkRD.1&from=addon#success

Das Gespräch findet auf Englisch statt. Wir bitten um Anmeldung unter stephanie.weber@care.at.




PA: Österreichs Countdown für UN-Sicherheitsrat: NGOs drängen auf Rechenschaftspflicht bei Verstößen gegen Humanitäres Völkerrecht

Österreichs Countdown für UN-Sicherheitsrat: NGOs drängen auf Rechenschaftspflicht bei Verstößen gegen Humanitäres VölkerrechtTrägerorganisationen des Humanitarian Congress Vienna legen bei Pressekonferenz am Welttag der Humanitären Hilfe vier Empfehlungen für Österreichs Sicherheitsratssitz vor

Anlässlich des Welttags der Humanitären Hilfe und wenige Monate vor Start der österreichischen Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat warnten AG Globale Verantwortung, Ärzte ohne Grenzen, Caritas Österreich und Österreichisches Rotes Kreuz heute bei einer Pressekonferenz in Wien vor den schwerwiegenden Kaskadeneffekten der weltweiten Klima- und Umweltkrise, bewaffneter Konflikte und politischer Spannungen. Zusätzlich würden immer häufigere Verstöße gegen das Humanitäre Völkerrecht die Lage notleidender Menschen dramatisch verschärfen. Die Trägerorganisationen des Humanitarian Congress Vienna forderten daher von Österreich ein entschiedenes Engagement für das Humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte im Sicherheitsrat ein und legten vier humanitäre Empfehlungen vor.
 
Zu Beginn der Pressekonferenz veranschaulichten zwei internationale Expert*innen den Verlauf der schwerwiegenden Kaskadeneffekte. „Keine Krise bleibt heute mehr lokal. Dürren und Kriege lösen weltweit Kettenreaktionen aus, die über Märkte und Logistiknetze bis nach Österreich reichen können. Wer erst im Ernstfall reagiert, zahlt den höchsten Preis. Investitionen in Krisenfrüherkennung und echte Resilienz sind die einzige wirksame Absicherung für unsere Zukunft“, gab Peter Klimek, Komplexitätsforscher und Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), zu bedenken.
 
Laut Vereinten Nationen sind derzeit rund 256 Millionen Menschen auf Humanitäre Hilfe angewiesen, etwa in Afghanistan, Sudan, Demokratische Republik Kongo, Jemen, Myanmar, Syrien, Gaza, Libanon, und in der Ukraine. Infolge der Kürzungen zahlreicher Regierungen reichen die Gelder allerdings nur noch aus, um etwas mehr als die Hälfte dieser Menschen zu unterstützen.
 
Das Hauptaugenmerk müsse daher auf jenen liegen, deren Lebensgrundlagen unmittelbar durch diese Kaskadeneffekte bedroht sind, stellte Joyce Msuya, ehemalige stellvertretende UN-Generalsekretärin für humanitäre Angelegenheiten und ehemalige Nothilfekoordinatorin (OCHA), klar. „Hinter jeder sich überschlagenden Krise stehen Zivilist*innen, die nichts getan haben, um das zu verdienen. Österreichs Sitz im Sicherheitsrat ist in erster Linie eine Chance, die Menschen zu schützen – und nicht erst hinterher aufzuräumen.“
 
Hunger als Waffe: Konfliktparteien zur Rechenschaft ziehen
Besonders tragisch sei es um die Ernährungssicherheit der Zivilbevölkerung bestellt, fuhr Sabine Wartha, stellvertretende Leitung der Internationalen Programme der Caritas Österreich, fort. Denn Konfliktparteien würden das Recht auf Nahrung immer öfter verletzten. „Hunger ist keine unvermeidbare Folge von Krieg – Hunger wird gemacht. So wirkt die Zerstörung von landwirtschaftlichen Flächen und der Wasserversorgung noch lange, nachdem der letzte Schuss gefallen ist. Minen, explosive Kampfmittelrückstände und verseuchte Böden können Menschen über Jahre und Jahrzehnte ihrer Lebensgrundlage berauben. Trotz völkerrechtlichem Verbot wird Hunger als Waffe gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt und Humanitäre Hilfe verhindert. Wer diese Kriegsverbrechen begeht, darf nicht darauf vertrauen können, dass das folgenlos bleibt. Österreich muss im Sicherheitsrat für eine Rechenschaftspflicht und für einen wirksamen Schutz der Zivilbevölkerung und Humanitären Helfer*innen eintreten“, appellierte Wartha.
 
Nach Angaben der Vereinten Nationen litten zuletzt 645 Millionen Menschen weltweit an Hunger. Nun droht das El-Niño-Wetterphänomen, das laut Wissenschaft das stärkste aller Zeiten werden könnte, diese Situation weiter zu verschärfen.
 
Rechtsverbindliches Abkommen soll menschliche Kontrolle über KI im Krieg garantieren
Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, brachte die Empfehlung, den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Konflikten international zu regeln, vor. „Die Verantwortung, das Humanitäre Völkerrecht einzuhalten und Zivilpersonen zu schützen, kann niemals an eine Maschine delegiert werden. Deshalb fordern wir: Die uneingeschränkte Einhaltung des Humanitären Völkerrechts – auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Ein rechtsverbindliches internationales Abkommen, das menschliche Entscheidung, menschliche Kontrolle und menschliche Verantwortlichkeit beim Einsatz von KI im Krieg garantiert. Ein wirksames Verbot des Einsatzes vollautonomer Waffensysteme gegen Menschen sowie strenge rechtliche Grenzen für alle anderen autonomen Waffensysteme.“
 
Angriffe auf medizinische Einrichtungen dürfen nicht normalisiert werden
Seit zehn Jahren unterstreicht die UN-Resolution 2286 die Verantwortung der UN-Mitgliedsstaaten, medizinisches und humanitäres Personal sowie deren Transportmittel, Ausrüstung und weitere Infrastruktur besser zu schützen. Doch allein im Jahr 2025 zählte die Weltgesundheitsorganisation weltweit über 1.400 Angriffe auf medizinische Einrichtungen. Fast 2.000 Menschen wurden dabei getötet, die Zahl der Todesfälle hat sich gegenüber 2024 mehr als verdoppelt. Zwei Drittel der Angriffe werden von staatlichen Akteur*innen verübt.
 
„Wir dürfen nicht zulassen, dass dies das neue Normal wird. Kranke und Verletzte müssen medizinische Hilfe in Anspruch nehmen können, ohne Angst um ihr Leben haben zu müssen. Menschen, die Hilfe leisten, dürfen nicht in Gefahr geraten, selbst Ziele von Angriffen zu werden“, betonte Roland Suttner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich, und appellierte: „Österreich kann und muss seinen Sitz im UN-Sicherheitsrat dafür nutzen, dass alle Konfliktparteien auf der Welt sich wieder an die getroffenen Vereinbarungen halten und dass die internationale Gemeinschaft bei Verstößen gegen das Humanitäre Völkerrecht konsequent vorgeht. Wir dürfen nicht zusehen, wie universelle Prinzipien der Menschlichkeit langsam erodieren und müssen konkrete Taten setzen. Worte reichen längst nicht mehr.“
 
Bestehende Committments bündeln und als Stärke nutzen
Mit seiner Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat habe sich Österreich – wie in internationalen und nationalen Beschlüssen und Resolutionen zuvor – zu seiner globalen Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und Stabilität bekannt, hielt Lukas Wank abschließend fest. Der Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung verwies etwa auf die UN-Agenda Frauen, Frieden und Sicherheit und einschlägige UN-Klimabeschlüsse. „Zudem ist die Bundesregierung auf nationaler Ebene gefragt, die Strategie der Humanitären Hilfe Österreichs entsprechend zu finanzieren und konsequent umzusetzen. Diese legt besonderes Augenmerk auf die Rechte und Bedarfe besonders verletzlicher Menschen und die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft. Wenn Österreich seine Committments klug bündelt, stärkt das das Humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte. Es stärkt aber auch Österreichs internationale Rolle und seine Resilienz; die Fähigkeit unseres Landes, gut durch Krisen zu kommen“, resümierte Wank.

Links
Humanitäre Empfehlungen
Fotos der Pressekonferenz

Rückfragehinweis
Hannah Hauptmann
AG Globale Verantwortung
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
presse@globaleverantwortung.at
01/522 44 22 – 15




Aviso – Pressekonferenz am Welttag der Humanitären Hilfe: NGOs legen Empfehlungen für Österreichs UN-Sicherheitsratssitz vor

Int. Expert*innen beleuchten am 19. August verheerende Kaskadeneffekte aktueller Krisen – österreichische Hilfsorganisationen regen humanitäres Engagement im Sicherheitsrat an.

Österreich hat für seine zweijährige Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat unter anderem den Schutz von Zivilpersonen und die Einhaltung des Humanitären Völkerrechts zu Schwerpunkten erklärt, zwei der derzeit größten humanitären Herausforderungen.

Bei einer Pressekonferenz anlässlich des Welttags der Humanitären Hilfe am 19. August werden internationale Expert*innen die verheerenden Kaskadeneffekte weltweiter Krisen und Konflikte aus wissenschaftlicher und multilateraler Perspektive beleuchten.

Anschließend legen die Trägerorganisationen des Humanitarian Congress Vienna – AG Globale Verantwortung, Ärzte ohne Grenzen, Caritas Österreich und Österreichisches Rotes Kreuz – konkrete Empfehlungen vor, wie Österreich seine Schwerpunkte im Sicherheitsrat für mehr humanitäres Engagement und die Durchsetzung des Humanitären Völkerrechts nutzen kann.

Sprecher*innen
Joyce Msuya, ehem. beigeordnete UN-Generalsekretärin für humanitäre Angelegenheiten und stellv. Nothilfekoordinatorin (OCHA), online zugeschalten, auf Englisch
Peter Klimek, Komplexitätsforscher am Complexity Science Hub und Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria 
Sabine Wartha, stellv. Leitung Internationale Programme der Caritas Österreich 
Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes
Roland Suttner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich
Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung

Details zur Pressekonferenz
19. August 2026, 09:30 Uhr
Presseclub Concordia, Bankgasse 8, 1010 Wien

Bitte melden Sie sich per E-Mail an presse@globaleverantwortung.at an.

Die anwesenden Sprecher*innen stehen anschließend für Interviews zur Verfügung.

Hintergrund
Bewaffnete Konflikte und geopolitische Spannungen, Extremwetterereignisse, Störungen globaler Lieferketten, Preissteigerungen und politische Instabilität verstärken sich gegenseitig. Sie erzeugen weitreichende Kaskadeneffekte und zusätzliche humanitäre Bedarfe.
So beeinträchtigt die jüngste Eskalation rund um den Iran und die Straße von Hormus die zivile Schifffahrt und weltweite Energie- und Lieferketten und wirkt sich in weiterer Folge auf Lebensmittel- und Düngemittelpreise, die Versorgungssicherheit und humanitäre Logistik aus.
Das sich verstärkende El-Niño-Wetterphänomen erhöht in vielen Regionen das Risiko von Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfällen.
Gleichzeitig häufen sich Verstöße gegen das Humanitäre Völkerrecht: Konfliktparteien setzen Aushungern als Kriegsmethode ein, greifen Gesundheitspersonal und medizinische Einrichtungen an und behindern den Zugang notleidender Menschen zu Humanitärer Hilfe. Sie zerstören Nahrungsmittelvorräte, Wasserinfrastruktur und landwirtschaftliche Lebensgrundlagen.
Neue Technologien wie autonome und KI-gestützte Waffensysteme werfen zusätzliche Fragen nach menschlicher Kontrolle und Verantwortlichkeit in Kriegen auf. Diese und weitere humanitäre Herausforderungen werden die Expert*innen bei der Pressekonferenz besprechen.

Rückfragehinweis
Hannah Hauptmann
AG Globale Verantwortung
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
presse@globaleverantwortung.at
01/522 44 22 – 15