PA: Nachruf: Attac trauert um Susan George (1934 – 2026)
Sie prägte das Attac-Netzwerk und die gesamte globalisierungskritische Bewegung.
„Studiert die Reichen und Mächtigen, nicht die Armen und Machtlosen. Die Armen wissen bereits, was in ihrem Leben falsch läuft, und wenn man ihnen wirklich helfen will, sollte man ihnen helfen, die Kräfte zu verstehen, die sie dort halten, wo sie sind.„
Attac Österreich trauert um Susan George, die am 14. Februar 2026 im 92. Lebensjahr verstorben ist. Wir verlieren mit ihr eine wichtige und scharfsinnige Stimme für soziale Gerechtigkeit und Demokratie.
Susan George war 1998 Gründungsmitglied von Attac Frankreich, von 1999 bis 2006 Vize-Präsidentin und ab 2007 Ehrenpräsidentin. Sie prägte nicht nur das internationale Attac-Netzwerk, sondern die gesamte globalisierungskritische Bewegung. Susan inspirierte mit ihrem politischen Engagement und ihrer Rolle als öffentliche Intellektuelle auch die Gründer*innen von Attac Österreich. Im November 2000 sprach sie bei unserer Gründungsveranstaltung auf dem Podium im Wiener Semper-Depot. 2010 hielt sie die Festrede anlässlich unseres 10-jährigen Bestehens.
Politisiert durch ihre Opposition gegen den Vietnamkrieg und die Aufnahme amerikanischer Kriegsdienstverweigerer in Frankreich, blieb sie der Vision internationaler Solidarität stets treu. Nachdem sie 1974 mit einem Bericht für die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beauftragt worden war, veröffentlichte sie 1976 ihr erstes international erfolgreiches Buch: Comment meurt l’autre moitié du monde (Wie die andern sterben. Die wahren Ursachen des Welthungers). Es folgten zahlreiche weitere. Sie veröffentlichte regelmäßig Artikel in internationalen Medien wie Le Monde diplomatique, openDemocracy, El País, New Internationalist und The Nation.
Susan George setzte sich in den folgenden Jahren immer stärker gegen die Macht multinationaler Konzerne, gegen den Kolonialismus der „Verschuldung” der Länder des Globalen Südens ein und kritisierte dabei die Rolle internationaler Institutionen wie IWF und Weltbank. Sie wurde Präsidentin und später Ehrenpräsidentin des progressiven Thinktanks Transnational Institute, TNI in Amsterdam und ab 1989 Vorstandsmitglied von Greenpeace International und Greenpeace Frankreich. Sie beteiligte sich später auch an der Gründung von Extinction Rebellion in Frankreich.
Mit der wachsenden Kritik am Neoliberalismus und seinen Dogmen „freier“ Märkte, des „Freihandels“ und der Deregulierung der Finanzmärkte prägte Susan Ende der 1990er Jahre auch die zunehmenden Proteste der globalisierungskritischen Bewegung. Sie beteiligte sich an der Blockade der WTO-Ministerkonferenz 1999 in Seattle und an den Attac-Kampagnen gegen neoliberale Handels- und Investitionsabkommen (wie das GATS-Abkommen) oder gegen Steuersümpfe. Ab 2001 nahm sie eine wichtige Rolle bei den in Porto Alegre ins Leben gerufenen Weltsozialforen ein.
So wie Attac Frankreich erinnern wir uns an ihre Entschlossenheit, ihre Hilfsbereitschaft, ihre Eleganz und ihren Humor. In den dunklen Zeiten, in denen wir leben, bestärkt uns ihre Botschaft:
“Natürlich kann ich manchmal Entmutigung empfinden. Aber ich glaube nicht, dass ich meine Zeit verschwendet habe. Ich glaube, dass die Auswirkungen einer Handlung und erst recht die Summe vieler Handlungen jederzeit eintreten können, oft dann, wenn man es am wenigsten erwartet.“ (Je chemine avec Susan George, Seuil, 2020)
Rückfragen:
David Walch
Pressesprecher Attac Österreich
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