PA und Interviewmöglichkeiten: Welternährungsbericht 2025: 673 Millionen Menschen sind vom Hunger betroffen 

673 Millionen Menschen weltweit haben im vergangenen Jahr laut dem neuen Welternährungsbericht an Hunger leiden müssen. Das sind 8,2 Prozent der Weltbevölkerung – ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Doch während sich die Lage in einigen Ländern bessert, verschärft sich der Hunger vor allem in Afrika und in Konfliktgebieten wie dem Gazastreifen, wo sich eine Massenhungersnot ausbreitet. Die drastischen Kürzungen der internationalen Hilfe durch USAID, der Bundesregierung und vieler anderer Staaten lassen befürchten, dass die Zahl der hungernden Menschen 2025/2026 deutlich ansteigen werden.  

„Der Welternährungsbericht offenbart eine eklatante Ungerechtigkeit. Während einige Länder in Asien deutliche Fortschritte gemacht haben, versinken andere Länder vor allem in Afrika und im Nahen und Mittleren Osten immer tiefer in Hungerkrisen. Wir können nicht von Fortschritten sprechen, während Millionen von Menschen zurückgelassen werden. Hunger ist nicht unvermeidlich, sondern eine direkte Folge politischer Entscheidungen. Wir haben die Mittel, den Hunger zu beenden. Es ist eine Frage des politischen Willens und der Solidarität“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.   

Das sind die Schlüsselzahlen des Welternährungsberichts 2025:

  • Im Jahr 2024 litten 673 Millionen Menschen (8,2 % der Weltbevölkerung) an Hunger. 
  • Jeder fünfte Mensch in Afrika (306,5 Millionen) ist unterernährt. Fast die Hälfte aller hungernden Menschen weltweit lebt in Afrika. Prognosen zufolge wird dieser Anteil bis 2030 auf 60 Prozent steigen. 
  • Insgesamt 2,3 Milliarden Menschen, das sind 28 Prozent der Weltbevölkerung, waren von moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen. Das bedeutet, dass sie entweder keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichender Nahrung hatten oder so wenig zu essen hatten, dass sie einen ganzen Tag lang nichts aßen. 
  • Frauen und Kinder sind überproportional von Ernährungsunsicherheit betroffen: Nur 48 Prozent der Frauen und 25 Prozent der Kinder in Afrika erreichen eine minimale Ernährungsvielfalt.
  • 150,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden unter Wachstumsstörungen. 

Weltweit ist das Ausmaß des Hungers nach wie vor deutlich höher als vor der Covid-19-Pandemie und liegt weit über dem Niveau von 2015, als die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) verabschiedet wurden. Im Jahr 2024 litten 96 Millionen Menschen mehr an Hunger als zu diesem Stichtag. Das SDG-Ziel 2, den Hunger auf der Welt zu beenden, scheint nicht mehr erreichbar zu sein, wenn nicht deutlich umgesteuert wird.  

Die Auswirkungen der Inflation auf die Ernährungsunsicherheit 

Der Bericht macht zudem deutlich, dass die Lebensmittelpreise seit 2020 weltweit schneller steigen als die allgemeine Inflation. Diese Entwicklung erschwert insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen den Zugang zu gesunder Ernährung.  Grund dafür sind laut Bericht die Covid-19-Pandemie und der Krieg in der Ukraine.  

„Der Welternährungsbericht vernachlässigt die Auswirkungen der Klimakrise auf die Inflation und berücksichtigt auch nicht, dass die Spekulation mit Nahrungsmitteln eine wesentliche Rolle bei der Preissteigerungen spielt. Lebensmittel sind keine Ware wie jede andere: Nahrung ist ein grundlegendes Menschenrecht. Es ist unerlässlich, den internationalen Lebensmittelmarkt zu regulieren, um das Recht auf Nahrung und Ernährung für alle Menschen zu verwirklichen“, so Friedrich-Rust.  

Aktuelle massive Budgetkürzungen spiegeln sich noch nicht im Bericht wider  

Die Daten des Welternährungsberichts reichen nur bis 2024 und sagen nichts über die drohende humanitäre Krise aus. Denn während der humanitären Bedarfe im Jahr 2025 steigen, bricht die Finanzierung der internationalen Hilfe zusammen. Mit dem offiziellen Ende der US-Entwicklungsagentur USAID verliert die internationale Gemeinschaft den wichtigsten Geber im Bereich der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Aber auch andere wichtige Geberländer wie Deutschland, Frankreich, Belgien, Großbritannien, Schweden und die Niederlande kürzen ihre Budgets für internationale Hilfe drastisch.  

In Deutschland sieht der Haushaltsentwurf Kürzungen beim Bundesentwicklungsministerium (BMZ) von 8 Prozent vor, das Ministerium verliert damit das dritte Jahr in Folge rund eine Milliarde Euro. Für die im Auswärtigen Amt angesiedelte Humanitäre Hilfe sind Kürzungen um 53 Prozent vorgesehen. Das international zugesagte Ziel, mindestens 0,7 % des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe bereitzustellen, wird damit deutlich verfehlt. 

„Die internationale Hilfe steht an einem Wendepunkt. Zunehmende Konflikte, Klima- und Hungerkrisen verschärfen die globale Lage und lassen die humanitären Bedarfe steigen. Gleichzeitig sinken die verfügbaren Mittel massiv, und die Instrumente zur Koordinierung der internationalen humanitären Hilfe werden geschwächt. Die kurzfristigen Einsparungen führen zu einer langfristigen Verschärfung von Krisensituationen. Wenn die Welt aus den Fugen gerät, wird es auch für uns auf Dauer weniger Sicherheit, Frieden und Wohlstand geben“, so Jan Sebastian Friedrich-Rust. 

Hinweis an die Redaktionen

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

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PA: Syrien: Entführung von alawitischen Frauen und Mädchen – Gründliche Untersuchung gefordert

Seit Februar 2025 sind bei Amnesty International Berichte über die Entführung von mindestens 36 alawitischen Frauen und Mädchen eingegangen. Die Betroffenen sind zwischen drei und 40 Jahre alt, über die Täter ist nichts bekannt.

Die syrische Regierung muss ihre Bemühungen zur Verhinderung geschlechtsspezifischer Gewalt dringend verstärken. Amnesty International ist alarmiert über die zahlreichen Fälle von entführten und verschleppten alawitischen Frauen und Mädchen und fordert, dass diese sofort gründlich und unparteiisch untersucht und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. 

Von den 36 gemeldeten Fällen untersuchte Amnesty International acht genauer. Dabei handelt es sich um fünf alawitische Frauen und drei Mädchen unter 18 Jahren, die am helllichten Tag verschleppt worden waren. In jedem der untersuchten Fälle bis auf einen haben es Polizei und Sicherheitsbehörden versäumt, das Schicksal und den Verbleib der Betroffenen wirksam zu untersuchen. Am 22. Juli gab der von

Präsident al-Sharaa zur Untersuchung von Tötungen an der syrischen Küste eingerichtete Untersuchungsausschuss an, ihm seien keine Entführungen von Frauen und Mädchen gemeldet worden. 

„Die Behörden in Syrien haben wiederholt versprochen, ein Syrien für alle Syrer*innen aufzubauen. 

Aber sie unternehmen nichts, um Entführungen und Verschleppungen von Frauen und Mädchen zu stoppen, körperliche Misshandlungen, Zwangsheirat und wahrscheinlich Menschenhandel zu verhindern, Vorwürfe wirksam zu untersuchen und die Verantwortlichen strafrechtlich zu verfolgen. 

Die alawitische Gemeinschaft, die bereits von früheren Massakern gezeichnet ist, ist durch diese Entführungswelle tief erschüttert. Frauen und Mädchen haben Angst, das Haus zu verlassen oder allein spazieren zu gehen“, sagte Agnès Callamard, Internationale Generalsekretärin von Amnesty International.  

In jedem der acht von Amnesty International genauer untersuchten Fälle hatten die Angehörigen der Betroffenen der Polizei oder den Sicherheitsbehörden die Entführungen gemeldet. In vier Fällen wurden neue Beweise, die von den Familien vorgelegt worden waren, zurückgewiesen oder nicht anerkannt. 

Die Familien erhielten keine Informationen über den Stand der Ermittlungen. 
In zwei Fällen machten Polizei und Sicherheitskräfte die Familie der Frau oder des Mädchens für die Entführung verantwortlich. 
In einem Fall schickte der Entführer den Angehörigen ein Bild ihrer verschwundenen Verwandten. 

Auf ihrem Körper waren Spuren von Schlägen zu sehen. In zwei Fällen verlangte der Entführer oder ein Mittelsmann von den Familien ein Lösegeld in Höhe von 10.000 bis 14.000 US-Dollar. 
Nur eine der beiden Familien war in der Lage zu bezahlen – trotzdem wurde die Frau nicht freigelassen. 
In mindestens drei Fällen wurde die entführte Person, darunter auch eine Minderjährige, wahrscheinlich von ihrem Entführer zur Heirat gezwungen.  

Viele der von Amnesty International zur aktuellen Situation Befragten berichteten, dass vor allem Frauen und Mädchen – insbesondere aus der alawitischen Gemeinschaft, aber auch andere – die in den betroffenen Gouvernements leben, Angst haben und äußerst vorsichtig sind, wenn sie ihre Häuser verlassen, um zur Schule, zur Universität oder zur Arbeit zu gehen. 

„Wir fordern die syrischen Behörden auf, schnell und transparent zu handeln, um vermisste Frauen und Mädchen ausfindig zu machen und die Täter vor Gericht zu stellen. Außerdem müssen sie den betroffenen Familien umgehend gesicherte Informationen sowie gender-sensible Unterstützung zukommen lassen“, sagte Agnès Callamard.

Amnesty International befragte enge Angehörige von acht Frauen und Mädchen, die zwischen Februar 2025 und Juni 2025 entführt worden waren. In vier Fällen wurden die Familien von den Entführern über syrische oder ausländische Telefonnummern, u. a. aus dem Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder der Türkei, kontaktiert. Die Entführer forderten Lösegeld oder bedrohten die Angehörigen, sollten sie nach den Betroffenen suchen. Nur zwei der acht entführten Personen konnten bisher zu ihren Familien zurückkehren. Amnesty International ist nicht bekannt, dass es Festnahmen, Anklagen oder Verfahren gegen die Verantwortlichen der acht Entführungen gegeben hat.  

Amnesty International erhielt außerdem von zwei Aktivist*innen, zwei Journalist*innen sowie von der unabhängigen Menschenrechtsorganisation Syrian Feminist Lobby Berichte über 28 weitere Entführungen. In diesen Fällen wurden 14 Mädchen und Frauen wieder freigelassen. 

Das Schicksal und der Verbleib der weiteren Personen sind unbekannt. Außerdem untersuchte Amnesty International Videomaterial, das die Angehörigen ins Internet gestellt hatten, um die Behörden zum Eingreifen zu bewegen und die Öffentlichkeit um Hilfe zu bitten. Auch Forderungen oder Drohungen von Entführern an die Angehörigen wurden gesichtet. 

Am 27. Juni erklärte die UN-Untersuchungskommission für Syrien, dass sie die Entführung von mindestens sechs alawitischen Frauen durch „nicht identifizierte Personen“ dokumentiert habe und „glaubwürdige Berichte über weitere Entführungen eingegangen sind“. Die Kommission fügte hinzu, dass die Behörden „in manchen dieser Fälle“ Ermittlungen eingeleitet hätten.  

Bereits im Mai hatte Amnesty International bei einem Treffen mit dem Innenminister in Damaskus die Entführungen und Verschleppungen von alawitischen Frauen und Mädchen angesprochen. Der Minister erklärte, er habe die zuständigen Behörden angewiesen, die Angelegenheit zu untersuchen. Am 13. Juli schrieb Amnesty International an den Minister, um vorläufige Untersuchungsergebnisse zu teilen und Informationen über die behördlichen Maßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen zu erbitten. Außerdem fragte die Menschenrechtsorganisation nach dem Stand der Ermittlungen und nach den bisher unternommenen Schritten, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Eine Antwort steht noch aus. 

Geschlechtsspezifische Gewalt  

Während manche Familien nach wie vor nicht wissen, was mit ihren verschleppten Verwandten geschehen ist, haben in zwei Fällen die entführten Frauen Kontakt mit ihrer Familie aufgenommen und die Scheidung von ihren Männern gefordert. Diese Frauen gaben an, ihren Entführer entweder geheiratet zu haben oder bald zu heiraten. Sie deuteten an, dass es sich dabei um Zwangsverheiratung handelte bzw. sie gezwungen worden seien, um eine Scheidung zu bitten. 

In einem anderen Fall wurde ein minderjähriges Mädchen entführt, um Lösegeld zu erpressen. 
Die Familie wurde später von der Polizei darüber informiert, dass das Mädchen verheiratet worden sei. Amnesty International hat den Fall unabhängig überprüft und bestätigt, dass die Heirat ohne die Zustimmung der Eltern und wahrscheinlich auch ohne richterliche Genehmigung stattgefunden hat, was nach syrischem Recht illegal ist.  

Zwangsverheiratung verstößt gegen die Menschenrechte von Frauen und Mädchen und setzt sie dem Risiko weiterer Misshandlung aus. Zum Beispiel drohen ihnen dadurch weitere Formen sexualisierter Gewalt und körperlicher Misshandlung. Die beschriebene Entführung und Verschleppung von Frauen und Mädchen kann außerdem möglicherweise dem völkerrechtlich verbotenen Menschenhandel gleichkommen, wenn die Betroffenen beispielsweise zum Zweck der Ausbeutung verschleppt und festgehalten wurden. 

Die Behörden müssen alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um diese Menschenrechtsverstöße zu verhindern und die Täter zu bestrafen, und sie müssen den Opfern und Überlebenden umfassende Unterstützung zukommen lassen. Darüber hinaus ist das Recht auf Freiheit und Sicherheit einer Person durch das Völkerrecht geschützt. Staaten haben die Pflicht, dieses Recht zu gewährleisten, u. a. indem sie dafür sorgen, dass es nicht durch Dritte verletzt werden kann.  

Keine wirksame behördliche Untersuchung  

In allen acht von Amnesty untersuchten Fällen zeigten die Familien das Verschwinden ihrer Angehörigen offiziell bei den Behörden an – entweder bei der örtlichen Polizei oder den nationalen Polizeibehörden. Sie meldeten dies entweder in der Gegend, in der die Entführung stattfand, oder an ihrem Wohnort. In sieben von acht Fällen hielten die Behörden die Familien jedoch nicht über den Fortgang der Ermittlungen auf dem Laufenden.  

Ein Familienmitglied einer Frau, die im Februar 2025 entführt wurde, setzte sich beispielsweise mehrfach mit den Sicherheitskräften in Verbindung und teilte ihnen sogar die Telefonnummer des mutmaßlichen Entführers mit, nachdem dieser die Familie kontaktiert hatte. Dennoch hatte die Familie im Juli 2025 immer noch keinerlei Informationen oder Neuigkeiten von den Behörden erhalten.  

Familienmitglieder, die Lösegeldforderungen erhalten hatten, darunter auch die Angehörigen einer Minderjährigen, berichteten Amnesty International, dass die Polizei über jeden Anruf, jede Nummer und jeden Austausch im Zusammenhang mit Lösegeldforderungen informiert worden war. Sie gaben der Polizei sogar die Namen von Personen, an die die Zahlungen überwiesen werden sollten, doch die Strafverfolgungsbehörden scheinen diesen Spuren nicht nachgegangen zu sein. 

„Die Behörden haben eine rechtliche und moralische Verantwortung, geschlechtsspezifische Gewalt zu verhindern und zu bestrafen. Alle Frauen in Syrien haben das Recht, ihr Leben frei von Angst vor Missbrauch, Diskriminierung und Verfolgung zu verbringen. Es müssen umgehend gründliche Untersuchungen erfolgen, die von unabhängigen Ermittler*innen mit uneingeschränktem Zugang zu den erforderlichen Ressourcen geleitet werden. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden und die Betroffenen sollten Wiedergutmachung erhalten. Alles andere ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte“, sagte Agnès Callamard.

Rückfragen:
Presseteam Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
+43-676 37 13 334
presse@amnesty.at




Kinder ohne Kindheit

2025 hätte ein besonderes Jahr werden sollen. Bereits 2015 einigte sich die internationale Staatengemeinschaft im Rahmen der Agenda 2030 (SDGs) auf ein ambitioniertes Ziel: im SDG 8 Unterziel 7 wurde festgelegt, jede Form von Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 vollständig zu beenden. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Laut einem aktuellen Bericht von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und UNICEF vom Juni 2025 sind weltweit 138 Millionen Kinder und Jugendliche von Kinderarbeit betroffen.

Ob der Welttag gegen Kinderarbeit am 12. Juni, der Internationale Tag der Kinder am 20. September oder der Tag der Kinderrechte, am 20. November – all diese Kindertage haben ein gemeinsames Anliegen: Sie sollen auf die Bedürfnisse und Rechte von Kindern aufmerksam machen! In Österreich wird insbesondere im September der Weltkindertag gefeiert – ein Anlass, um den Blick auf die aktuelle Situation von Kindern weltweit und in Österreich zu richten.

In dieser Rechercheliste stellt die ISJE Infos zu Institutionen, Expert:innen, Terminen und Publikationen zum Thema Kinderrechte und Kinderarbeit zusammen.

Kinderrechte Weltweit

Die Kinderrechte sind international durch die 54 Artikel der UN-Kinderrechtskonvention (KRK) von 1989 geregelt – ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen, das von fast allen Ländern der Welt ratifiziert wurde. Trotz der breiten Anerkennung von Kinderrechten und SDGs klafft eine große Lücke zwischen Anspruch und Realität. Hier ein Überblick über die wichtigsten Rechte.

Recht auf Schutz vor Gewalt

Viele Kinder sind weiterhin Gewalt, Ausbeutung, Missbrauch und Vernachlässigung ausgesetzt. Besonders alarmierend ist die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten. Von Oktober 2023 bis Mai 2025 wurden laut Berichten mehr als 50.000 Kinder im Gazastreifen getötet. Hier das Statement von Edouard Beigbeder, UNICEF-Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika. 

Gewalt betrifft nicht nur Kinder in Kriegsgebieten. Laut UNICEF werden 1,6 Milliarden Kinder (zwei von drei) zu Hause regelmäßig gewalttätig bestraft; mehr als zwei Drittel sind sowohl körperlicher Bestrafung als auch psychischer Aggression ausgesetzt. Hier zum Factsheet.

Recht auf Bildung

Rund 250 Millionen Kinder und Jugendliche gehen laut UNICEF weltweit nicht zur Schule. Dies betrifft besonders Kinder in Krisenregionen und ländlichen Gebieten. Nach wie vor ist die Landwirtschaft der größte Arbeitgeber von Kindern weltweit, wie UNICEF und die ILO im aktuellen Bericht zu Kinderarbeit feststellten. Laut diesem sind 68 Prozent aller 5- bis 11-Jährigen Kinderarbeiter:innen in diesem Sektor beschäftigt. Hier zum Bericht

Recht auf Gesundheit

Fortschritte wurden gemacht – etwa bei der Senkung der Kindersterblichkeit. Aber: Viele Kinder haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, ausreichend Nahrung oder medizinischer Versorgung. Hunger bleibt ein zentrales Problem – auch infolge von Konflikten und Klimawandel. Das WHO Child Health and Well Being Dashboard zielt darauf ab, den Fortschritt anhand mehrerer Kernindikatoren zu erfassen und enthält Daten aus 196 Ländern. Hier zum Dashboard

Recht auf Beteiligung

In vielen Ländern haben Kinder noch immer kaum eine Stimme in politischen oder gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen, die sie betreffen. Beteiligung ist eines der am wenigsten umgesetzten Rechten.

Themen und Fragestellungen

  • Was bedeuten die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten für Kinder und ihre Rechte?
  • Welche Auswirkungen haben globale Mittelkürzungen auf Kinder und ihr Recht auf Bildung oder ihr Recht auf Gesundheit?
  • In welchen Produkten steckt Kinderarbeit (z.B.: Kakao, Kaffee, Tee, Baumwolle, Leder, Elektronik)?
  • Wie können Gesetze für unternehmerische Sorgfaltspflichten Kinder vor Ausbeutung schützen?
  • Wie kann der Zugang zu Bildung und Gesundheit insbesondere in ländlichen und krisengeschüttelten Gebieten verbessert werden?

Kinderrechte in Österreich

Obwohl die UN-Kinderrechtskonvention (KRK) der meistratifizierte Menschenrechtsvertrag weltweit ist, gelten Kinderrechte nach wie vor als wenig beachtetes Rechtsgebiet. Auch in Österreich, wo die KRK 1992 in Kraft trat, laufen die Kinderrechte Gefahr, verletzt zu werden, wie aktuell Artikel 9 der KRK, der sicherstellt, dass ein Kind nicht gegen den Willen seiner Eltern von diesen getrennt wird. Denn mit 1. Juli trat die Notverordnung zum Stopp der Familienzusammenführungen in Kraft.

Unter Berufung auf den Art. 72 AEUV argumentiert die Bundesregierung, dass es in Österreich eine gesamtstaatliche Gefährdung der öffentlichen Ordnung und inneren Sicherheit gebe. Namhafte Organisationen haben die Verordnung samt Begründung begutachtet und Stellungnahmen eingebracht, diese wurden vom Bundesministerium für Inneres jedoch nicht veröffentlicht. Weshalb sich die Organisationen entschieden haben diese im Juni selbst zu veröffentlichen. Laut Caritas Österreich kann keinesfalls von einem Notstand gesprochen werden. “Hier wird nicht auf eine Notstandsituation reagiert – hier wird das Menschenrecht auf Familienleben massiv untergraben,” sagt auch Aimée Stuflesser, Expertin für Asyl und Migration bei Amnesty International Österreich.

Hier die Stellungnahmen: 

Institutionen und Organisationen

Die Dreikönigsaktion (DKA) ist das Hilfswerk der Katholischen Jungschar in Österreich. Sie setzt sich für die Rechte von Kindern und Jugendlichen, und ein Leben in Würde für alle Menschen weltweit ein. Aktuell läuft die Initiative und Social-Media-Challenge #tanzengegenkinderarbeit! von DKA, Jugend eine Welt, Fairtrade Österreich, Kindernothilfe Österreich, Butterfly Rebels und solidar Austria. 

ECPAT ist eine internationale Organisation, die sich für die Beendigung der sexuellen Ausbeutung von Kindern einsetzt. Die Abkürzung steht für „End Child Prostitution, Pornography and Trafficking of Children for Sexual Purposes“.

Jugend Eine Welt – Don Bosco Entwicklungszusammenarbeit ist eine österreichische Hilfsorganisation, die sich seit 1997 weltweit für die Verbesserung der Lebensperspektiven von Kindern und Jugendlichen in Asien, Afrika, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Osteuropa einsetzt. 

MOLACNNATS ist ein Zusammenschluss nationaler Organisationen von arbeitenden Kindern und Jugendlichen in sieben Ländern in Lateinamerika und der Karibik, die daran arbeiten ihre Rechte als Kinderarbeiter:innen durchzusetzen.

Das Netzwerk Kinderrechte Österreich ist ein unabhängiges Netzwerk von 55 Organisationen und Institutionen zur Förderung der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Österreich. Es setzt sich dabei für die Rechte aller Kinder und Jugendlichen ohne jede Diskriminierung ein.

ProNats ist ein deutscher Verein, der sich für die Rechte von arbeitenden Kindern weltweit einsetzt. Gemeinsam mit Kindergewerkschaften im Globalen Süden setzt sich der Verein dafür ein, dass Kinderrechte gestärkt werden, anstatt nur Verbote zu fordern, welche die Lebensrealität arbeitender Kinder außer Acht lässt.

UNICEF ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Die Organisation setzt sich weltweit für die Rechte und das Wohlergehen von Kindern ein.

Der Verein Welt der Kinder engagiert sich für eine kindgerechte Gesellschaft. Vorrangig soll die Teilhabe junger Menschen an der Gestaltung von Gesellschaft gestärkt und der Schutz vor Gewalt erhöht werden. 

Expert:innen                                                                                                                  

Sabine Andresen ist Professorin für Familienforschung und Sozialpädagogik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Kindheit und Familie, internationale Child Well-Being Forschung, sowie Kinder- und Familienarmutsforschung. 

Franz Jedlicka setzt sich als Friedensforscher für eine gewaltfreie Kindererziehung ein. Um die gewaltfreie Erziehung zu verbreiten und die Körperstrafe in der Kindererziehung zu bekämpfen, hat Franz Jedlicka die WHITE HAND Kampagne ins Leben gerufen.

Benjamin Pütter ist international anerkannter Kinderarbeits-Experte. Er ist zweiter Vorsitzender von India Child Care und Partner von Childhood in Freedom. Für sein Buch „Kleine Hände – großer Profit“ hat Pütter undercover in Indien Kinderarbeit dokumentiert –in Steinbrüchen, Teppich-Fabriken und Hinterzimmern.

Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez ist Expertin beim Zentrum polis – Politik Lernen in der Schule in Wien. Als Juristin und Journalistin hat sie langjährige Erfahrung in Politischer Bildung und Menschenrechtsbildung und hat sich auf Kinderrechte spezialisiert.

Kailash Satyarthi ist Kinderrechtsaktivist in Indien, der sich seit den 1980er Jahren für die Rechte von Kindern einsetzt. Er wurde 2014 gemeinsam mit Malala Yousafzai mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Seine Organisation „Kailash Satyarthi Children’s Foundation“ widmet sich Kinderarbeit, Kinderhandel und sexuellem Kindesmissbrauch.

Helmut Sax ist Rechtswissenschaftler am Ludwig Boltzmann Institut in Wien. An der Universität Wien hält er Seminare über Kinderrechte in Theorie und Praxis, um diese stärker im juristischen Diskurs zu verankern. 

Termine

20. September: Internationaler Kindertag

09. Oktober: Forum – Kinder- und Jugendpartizipation von Welt der Kinder in Innsbruck 

20. November:  Internationaler Tag der Kinderrechte

13. bis 15. November: Zukunftsdialoge Globales Lernen 2025

21. bis 23. November: Entwicklungstagung an der Universität Innsbruck zum Thema Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen. Mit Workshops wie: Die Rechte zukünftiger Generationen von FIAN Österreich.

Publikationen                                                                                                




PA: Der israelische Angriff auf Evin-Gefängnis in Teheran muss als Kriegsverbrechen untersucht werden

Die absichtlichen Luftangriffe des israelischen Militärs auf das Evin-Gefängnis in Teheran am 23. Juni 2025 stellen eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts dar und müssen als Kriegsverbrechen strafrechtlich untersucht werden, erklärte Amnesty International heute nach einer eingehenden Untersuchung.

Verifiziertes Videomaterial, Satellitenbilder und Interviews mit Augenzeug*innen, Familienangehörigen von Gefangenen und Menschenrechtsverteidiger*innen zeigen, dass das israelische Militär mehrere Luftangriffe auf das Evin-Gefängnis geflogen hat, bei denen zahlreiche Zivilist*innen getötet und verletzt wurden und die an mindestens sechs Stellen des Gefängniskomplexes umfangreiche Schäden und Zerstörungen verursacht haben.

Man geht davon aus, dass im Evin-Gefängnis zum Zeitpunkt des Anschlags etwa 1.500 bis 2.000 Gefangene inhaftiert waren, darunter willkürlich inhaftierte Menschenrechtsaktivist*innen, Demonstrant*innen, politische Dissident*innen, Angehörige verfolgter religiöser Minderheiten sowie Doppelstaatsangehörige und ausländische Staatsangehörige, die häufig als diplomatisches Druckmittel eingesetzt werden. Zu jener Zeit hielten sich außerdem Hunderte von Zivilist*innen in dem Gefängniskomplex auf. Der Angriff fand während der Besuchszeiten des Gefängnisses statt. Nach Angaben der iranischen Behörden wurden mindestens 80 Zivilist*innen – 79 Männer und Frauen sowie ein fünfjähriger Junge – getötet.

Gefängnis gilt als ziviles Objekt – kein rechtmäßiges militärisches Ziel

Nach dem humanitären Völkerrecht gilt ein Gefängnis als ziviles Objekt und es gibt in diesem Fall keine glaubwürdigen Beweise dafür, dass das Evin-Gefängnis ein rechtmäßiges militärisches Ziel war. „Die wissentliche und vorsätzliche Durchführung solcher Angriffe stellt ein Kriegsverbrechen dar“, sagt Erika Guevara Rosas, Leitende Direktorin für Forschung, Advocacy, Politik und Kampagnen.

Das israelische Militär schien in einer Erklärung den Angriff damit zu rechtfertigen, dass dort „Feinde des Regimes“ festgehalten und gefoltert würden und in dem Gefängnis „Geheimdienstoperationen gegen den Staat Israel einschließlich Gegenspionage“ durchgeführt würden. Das Verhör von Gefangenen, die der Spionage für Israel beschuldigt werden, oder die Anwesenheit von Geheimdienstmitarbeiter*innen auf dem Gelände des Gefängnisses machen die Strafvollzugseinrichtung selbst jedoch nicht zu einem legitimen militärischen Ziel im Sinne des humanitären Völkerrechts.

„Die israelischen Streitkräfte hätten wissen müssen, dass Luftangriffe auf das Evin-Gefängnis zu erheblichen Schäden an der Zivilbevölkerung führen können. Die Strafverfolgungsbehörden in aller Welt müssen sicherstellen, dass alle für diesen tödlichen Angriff Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden, auch durch Anwendung des Grundsatzes der universellen Gerichtsbarkeit („Weltrechtsprinzip“). Die iranischen Behörden müssen außerdem dem Internationalen Strafgerichtshof die Zuständigkeit für alle Verbrechen nach dem Römischen Statut übertragen, die auf ihrem Hoheitsgebiet begangen oder von dort aus verübt wurden“, so Erika Guevara Rosas.

Weitere Informationen, Berichte von Augenzeug*innen sowie Fotos mit detaillierten Analysen finden Sie auf www.amnesty.at

 Hintergrund & Methodik

Das Evidence Lab von Amnesty International analysierte Satellitenbilder von vor und nach den Angriffen und verifizierte 22 Videos und 59 Fotos, die umfangreiche Schäden und Zerstörungen in sechs Bereichen im Süden, im Zentrum und im Norden des Evin-Gefängniskomplexes zeigen.

Darüber hinaus überprüfte Amnesty International Erklärungen israelischer und iranischer Behörden und befragte 23 Personen innerhalb und außerhalb Irans, darunter sieben Angehörige von Gefangenen, einen Anwohner, der Zeuge des Angriffs war, zwei Quellen mit Informationen über zwei getötete Opfer, zwei Journalist*innen und 11 ehemalige Gefangene, darunter Dissidenten und Menschenrechtsaktivist*innen, die Informationen von Gefangenen, Familienangehörigen von Gefangenen, Gefängnismitarbeitern und Rettungsdiensten erhielten, die vor Ort waren. Die Organisation erhielt außerdem von einer Quelle die Aufzeichnungen von vier Telefongesprächen zwischen vier Gefangenen und ihren Familien wenige Stunden nach dem Angriff.

Amnesty International richtete am 3. Juli Fragen zu dem Angriff an den israelischen Verteidigungsminister. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag noch keine Antwort vor.

Rückfragen
Presseteam Amnesty International Österreich
Eleonore Rudnay
+43-664 400 10 56
presse@amnesty.at




PA: Neue Studie: Mehrheit der Österreicher:innen will faire Mode!

Umfrage zeigt breite Zustimmung für faire Arbeitsbedingungen und Menschenrechte – Südwind fordert strengere Gesetze für Unternehmen

Eine neue repräsentative Studie zeigt: Die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung wünscht sich starke Veränderungen in der Modeindustrie mit klaren Regeln für Unternehmen, fairen Löhnen und Transparenz entlang der Lieferkette.

Im Auftrag von Südwind und der Clean Clothes Kampagne (CCK) wurden Konsumverhalten und Einstellungen zum Thema gerechter Wandel in der Modeindustrie untersucht. Die Ergebnisse sind eindeutig: Mehr als zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) sind bereit, für fair produzierte Kleidung mehr zu bezahlen. 87Prozent sind dafür, dass nachhaltige Modemarken existenzsichernde Löhne zahlen und Arbeitsrechte achten sollen.

„Die Menschen in Österreich wollen faire Löhne, Transparenz und Umweltstandards in der Modeindustrie – aber mit bewusstem Konsum allein lassen sich systemische Ungerechtigkeiten nicht lösen. Damit soziale Verantwortung zum Standard wird, müssen Politik und Wirtschaft klare Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Gertrude Klaffenböck, Südwind-Sprecherin für Mode-Lieferketten.

Breite Unterstützung für Menschenrechte

Die Studie zeigt einen starken Rückhalt für faire Produktionsbedingungen: 80 Prozent der Befragten in Österreich lehnen es ab, dass Marken ihre Produktion in Billiglohnländer verlagern, ohne auf Menschenrechte zu achten. 86 Prozent lehnen es ab, dass Modemarken ihre Marktmacht nutzen, um Lieferant:innen und Näher:innen zu unfairen Verträgen zu zwingen.

Auch die Bereitschaft, mehr für nachhaltige Kleidung zu zahlen, ist hoch: 66 Prozent sind bereit, für umweltfreundliche Kleidung mehr auszugeben. Besonders deutlich: 81 Prozent unterstützen faire Preise an Zulieferer, auch wenn dadurch die Kleidung teurer wird.

Nachhaltiger Konsum braucht rechtlichen Rahmen

Um dem Wunsch nach Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit in der Modeindustrie nachzukommen, fordert Südwind die Umsetzung des EU-Lieferkettengesetzes, mit strenger nationaler Kontrolle. „Unternehmen müssen gesetzlich verpflichtet werden, entlang ihrer gesamten Lieferkette für faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und Umweltstandards zu sorgen. Modemarken müssen offenlegen, wo und unter welchen Bedingungen ihre Produkte hergestellt werden. Nur so kann der Wandel hin zu einer gerechten Modeindustrie gelingen“, so Gertrude Klaffenböck.

Über die Umfrage:

Das Marktforschungsinstitut iVOX hat im Auftrag der Clean Clothes Kampagne eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Ziel war es, Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen rund um das Konzept des gerechten Wandels („Just Transition“) in der Modeindustrie zu erfassen. Die Umfrage wurde in sechs Ländern (Österreich, Belgien, Kroatien, Finnland, Italien und die Niederlande) online durchgeführt. Die Stichprobe bestand aus 6.000 Teilnehmer:innen (jeweils 1.000 pro Land), repräsentativ nach Geschlecht, Alter, Bildungsabschluss und Sprache. Der Befragungszeitraum war zwischen 9. Dezember und 20. Dezember 2024.

Download Studienergebnisse: Faire Mode“ (PDF – 2 Seiten)

Rückfragehinweis:
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleitung Südwind
Tel.: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at




Stellungnahme: USAID-Aus und die schleichende Abwicklung des globalen Zusammenhalts

Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe – äußert sich in einer Stellungnahme zum endgültigen Aus der US-Entwicklungsbehörde USAID, den fehlenden globalen Zusammenhalt und die zunehmenden Angriffe auf die Zivilgesellschaft.

Wenn Leben nichts mehr zählen. Die schleichende Abwicklung des globalen Zusammenhalts

Gestern stellte USAID endgültig seine Arbeit ein. Nur wenige Stunden zuvor erschien ein Artikel in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift The Lancet über die Leben, welche NGOs durch Unterstützung der US-Entwicklungsbehörde in einer 21-jährigen Studienperiode retten konnten. In Ländern niedrigen und mittleren Einkommens ging die Sterblichkeit um 15% zurück, die von unter fünfjährigen Kindern sogar um ein Drittel. In absoluten Zahlen sind das 91 Millionen Menschen, davon 30 Millionen Babys und Kleinkinder, die nicht sterben mussten. USAID ermöglichte unter anderem den Aufbau wichtiger Strukturen für die Gesundheitsversorgung und bekämpfte erfolgreich HIV/AIDS, Tuberkulose, Malaria und weitere tödliche Krankheiten. Doch besiegelte US-Außenminister Marco Rubio die Zerschlagung dieser Erfolgsgeschichte mit den zynischen Worten, dass USAID seit Ende des Kalten Kriegs doch kaum etwas vorzuweisen habe. Der Artikel warnt, dass ohne die Unterstützung der Behörde 14 Millionen Menschen bis 2030 sterben könnten. Ihren Tod nimmt die US-Regierung in einer Zeit in Kauf, in der sich die Vereinten Nationen zu einer „Triage des menschlichen Überlebens“ gezwungen sehen. Doch sind die humanitären Ausgaben der UN-Mitgliedsstaaten so gering, dass die UNOCHA aktuell nicht einmal einem Drittel der rund 310 Millionen notleidenden Menschen auf der Welt Humanitäre Hilfe zusichern kann. Dafür würde ein Prozent der Gelder reichen, welche die Länder im letzten Jahr für Verteidigung ausgaben.

EU ignoriert, dass eine soziale, ökologische und ökonomische Reform längst überfällig ist

Der fehlende Zusammenhalt mit benachteiligten und gefährdeten Menschen und die schrumpfende internationale Zusammenarbeit sind auch eine Bankrotterklärung für die EU. Zahlreiche EU-Länder wie Österreich haben ebenfalls die Mittel für internationale Entwicklung, Humanitäre Hilfe und entwicklungspolitische Inlandsarbeit gekürzt. Dabei sind wohlhabende Länder überproportional für die Ursachen globaler Krisen und Konflikte verantwortlich, etwa für Ressourcenknappheit, Erderhitzung und die Zerstörung von Lebensräumen. Regierungen, EU-Kommission und Fraktionen im EU-Parlament scheinen in Anbetracht des vielgepriesenen, gewinnverheißenden Wettbewerbsvorteils zu ignorieren, dass eine grundlegende soziale, ökologische und ökonomische Reform längst überfällig ist. Diese ist für viele Menschen – weltweit genauso wie in Europa – vielleicht die einzige Chance auf eine lebenswerte und sichere Zukunft. Dennoch höhlt die EU derzeit den dafür wesentlichen Green Deal aus und hat Entwicklungsgelder zugunsten der wirtschaftsorientierten Global Gateway Strategy umgeschichtet.

Angriffe auf Zivilgesellschaft, die Stütze für Sozial-, Gesundheits- und Bildungssysteme ist

Die Zivilgesellschaft blickt heute nach Brüssel, wo die EU-Kommission sich zum bestehenden Klimaziel bis 2040 äußert. Sie befürchtet, dass dieses etwa durch die Option, Emissionshandelszertifikate im EU-Ausland zu kaufen, aufgeweicht werden könnte. Rechte EU-Parlamentarier*innen und ihre Parteien haben dafür bereits den Boden geschaffen: Sie kampagnisieren gegen NGOs, die wichtige Akteur*innen im europäischen und internationalen Klimaschutz sind und dafür auch EU-finanzierte Projekte durchführen. Eine Arbeitsgruppe soll nun untersuchen, wie NGOs EU-Gelder verwenden. Hinweise auf Missbrauch oder Rechtsverstöße gibt es keine. Immerhin müssen NGOs ihre Bilanz öffentlich machen und EU-finanzierte Projekte unterliegen besonders strengen Transparenz- und Kontrollvorgaben. Von dieser Farce sind Organisationen und Vereine aus allen Bereichen betroffen – auch jene die Katastrophenhilfe leisten, Krankentransporte machen oder Kindern Nachhilfe geben und Instrumente lernen. Als Dachverband von 38 österreichischen NGOs der internationalen Entwicklung, Humanitären Hilfe und entwicklungspolitischen Inlandsarbeit stellen wir uns gegen diese politisch motivierten Angriffe. Die Zivilgesellschaft ist in Europa und weltweit eine nicht wegzudenkende Stütze für Sozial-, Gesundheits- und Bildungssysteme. Sie mahnt die Politik zur Verantwortung gegenüber den vielen ein, insbesondere im Zusammenhang mit zunehmenden Ungleichheiten, Menschenrechtsverletzungen, Erderhitzung und Umweltzerstörung.




PA: NGO-Appell: Verhungern oder Kugelhagel – Das ist kein humanitäres Vorgehen 

Amnesty International Österreich fordert gemeinsam mit mehr als hundert internationalen NGOs, dass Israels Blockade von Hilfsgütern sowie der tödliche Verteilmechanismus der sogenannten „Gaza Humanitarian Foundation“ sofort beendet werden muss. Die Rückkehr zum UN-geleiteten Koordinierungsmechanismus von Hilfsmitteln ist dringend erforderlich. 

Bei dem Versuch an Lebensmittel zu gelangen, sind in nicht einmal vier Wochen mehr als 500 Palästinenser*innen getötet und fast 4.000 verletzt worden, berichtet das UN-Nothilfebüro (OCHA). Damit waren die Wochen nach dem Start des israelischen Verteilungsprogramms von Hilfsgütern einige der tödlichsten und gewalttätigsten seit Oktober 2023.  

Israelische Streitkräfte und bewaffnete Gruppen – von denen einige Berichten zufolge Unterstützung von israelischen Behörden erhalten –eröffnen routinemäßig das Feuer auf verzweifelte Zivilist*innen, die alles riskieren müssen, nur um zu überleben.  

Palästinenser*innen vor unmöglicher Wahl: verhungern oder riskieren, erschossen zu werden

Die humanitäre Lage in Gaza hat sich in den letzten 20 Monaten schneller als je zuvor verschlechtert. Israel blockiert seit Mitte März Hilfslieferungen nach Gaza. Die 400 Verteilungsstellen für Hilfsgüter, die während des vorübergehenden Waffenstillstands im Gazastreifen in Betrieb waren, sind durch nur vier vom israelischen Militär kontrollierte Verteilungsstellen ersetzt worden. Dadurch wurden zwei Millionen Menschen in überfüllte, militarisierte Zonen gezwungen, in denen sie beim Versuch, an Lebensmittel zu gelangen, täglich mit Schüssen konfrontiert sind und ihnen lebensrettende Güter verweigert werden.  

Palästinenser*innen stehen vor einer unmöglichen Wahl: Entweder sie müssen verhungern oder sie riskieren bei der verzweifelten Suche nach Lebensmitteln, erschossen zu werden.  

Ausgehungerte und geschwächte Zivilist*innen werden durch das Verteilungsprogramm der israelischen Regierung gezwungen, stundenlang durch gefährliche Gebiete und aktive Konfliktzonen zu marschieren, um die eingezäunten, militarisierten Verteilungszentren zu erreichen, die nur einen Eingang haben. Dort sind Tausende Menschen inmitten von Chaos gezwungen, um die begrenzten Lebensmittelvorräte zu kämpfen. Es kommt immer wieder zu Massakern unter offenkundiger Missachtung des humanitären Völkerrechts. Bei mehr als der Hälfte der Angriffe auf Zivilist*innen kamen Kinder zu Schaden. Da das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist, verbluten viele der Angeschossenen alleine und ohne lebensrettende medizinische Versorgung.  

Viele Familien berichten uns, dass sie angesichts des Hungers inzwischen zu schwach sind, um um Lebensmittelrationen zu kämpfen. Diejenigen, denen es gelingt, an Lebensmittel zu gelangen, kehren oft mit nur wenigen Grundnahrungsmitteln zurück, die ohne sauberes Wasser oder Brennstoffe zum Kochen kaum zubereitet werden können. Der Treibstoff ist fast aufgebraucht, sodass lebenswichtige Einrichtungen wie Krankenwägen und Krankenhäuser zum Erliegen gekommen sind. Familien suchen Schutz unter Plastikplanen und betreiben behelfsmäßige Küchen inmitten der Trümmer – ohne sauberes Wasser, sanitäre Einrichtungen oder Strom.  

Dies ist kein humanitäres Vorgehen. Mehr als zwei Millionen Menschen auf engstem Raum zu konzentrieren, ist keine Maßnahme, die Leben rettet. Seit 20 Monaten sind mehr als zwei Millionen Menschen unerbittlichem Bombardement, wiederholten Zwangsvertreibungen und systematischer Entmenschlichung ausgesetzt – und das alles vor den Augen der internationalen Gemeinschaft.  

Diese Normalisierung von Leid darf nicht hingenommen werden. Die internationale Gemeinschaft muss ihre humanitären Verpflichtungen einhalten, darunter das Verbot von Zwangsvertreibungen, von wahllosen Angriffen und der Behinderung humanitärer Hilfe. Die Staaten müssen sicherstellen, dass diese schweren Verstöße gegen das Völkerrecht geahndet werden.

Wir, die unterzeichnenden Organisationen, rufen erneut alle Staaten dazu auf:

  • konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Belagerung zu beenden und einen sicheren Zugang zu humanitärer Hilfe zu gewährleisten.  
  • keine militarisierten Hilfsprogramme zu finanzieren, die gegen das Völkerrecht verstoßen und die humanitären Grundsätze nicht einhalten.
  • die Wiederherstellung eines einheitlichen, von den Vereinten Nationen geleiteten Koordinierungsmechanismus, zu unterstützen. Dieser muss sich auf das humanitäre Völkerrecht stützen und das UNRWA und die palästinensische Zivilgesellschaft einbeziehen.

Wir bekräftigen unsere Forderung nach einem sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand, der Freilassung aller Geiseln und willkürlich festgehaltenen Gefangenen, nach uneingeschränktem humanitärem Zugang und einem Ende der allgegenwärtigen Straflosigkeit, die diese Gräueltaten ermöglicht und den Palästinenser*innen ihre grundlegende Würde verwehrt. 

Für Rückfragen:
Presseteam Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
+43-676 371 333 4
presse@amnesty.at




PA: Lena Gerdes ist neue Attac-Geschäftsführerin

Mit 1. Juli 2025 übernimmt Lena Gerdes die Geschäftsführung des globalisierungskritischen Netzwerks Attac Österreich. Die 34-jährige Sozioökonomin wird künftig den Attac-Vorstand und die gesamte Organisation bei ihrer Arbeit unterstützen.

Gerdes studierte Socio-ecological Economics and Policy (SEEP) an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) sowie Liberal Arts and Sciences mit den Schwerpunkten Governance und Internationale Beziehungen in Freiburg. Von 2018 bis 2024 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der WU tätig und schloss in dieser Zeit ihren PhD in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ab. Sie forschte insbesondere zur Frage, wie ökonomische Modelle sozio-ökologische Probleme des globalen Handels und globaler Warenketten abbilden können. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit lag auf wirtschaftlichen Alternativen zum Kapitalismus, etwa auf Modellen, die Gemeingüter und menschliche Bedürfnisse ins Zentrum stellen.

Seit 2019 engagiert sich Gerdes ehrenamtlich bei Attac. 2021 wurde sie in den Attac-Vorstand gewählt, dem sie bis Mai 2025 angehörte. Gerdes ist Mutter einer einjährigen Tochter.

Aufbrechen von alten kapitalistischen Glaubenssätzen

„Die vielen verzahnten Krisen der Gegenwart zeigen deutlich: Die alten Rezepte wirken nicht mehr. Wir müssen alte kapitalistische Glaubenssätze hinterfragen, Alternativen zum neoliberalen Handelssystem entwickeln und Wirtschaft und Gesellschaft demokratisieren. Attac wird dazu weiterhin Alternativen entwickeln und sich mit kritischem Blick und mutigen Ideen für eine gerechte und nachhaltige Welt für alle einsetzen. Attac verbindet dabei Theorie, konkrete Visionen, Aktivismus und Gemeinschaft – und das macht Attac so besonders. Ich freue mich sehr, in dieser neuen verantwortungsvollen Rolle einen Beitrag dazu leisten zu dürfen“, erklärt Gerdes.

Verkörpert die Identität von Attac

„Lena Gerdes ist seit vielen Jahren ein wichtiges Mitglied unserer Organisation. Wir sind froh, dass mit ihr eine Geschäftsführerin übernimmt, die ökonomische Expertise mit gesellschaftlichem Engagement und einem guten Gespür für unsere Bewegung verbindet – und damit die Identität von Attac glaubwürdig lebt und verkörpert“, sagt Attac-Vorstandsmitglied Herbert Kotschnig.

Attac bedankt sich ausdrücklich bei Gerdes‘ Vorgänger Answer Lang, der viele neue Impulse bei Attac setzen konnte und in das Kabinett von Vizekanzler Andreas Babler gewechselt ist.

Weiterführendes:
Attac – aus Wut wird Widerstand, aus Träumen Bewegung, Rede von Lena Gerdes am 21. Juni 2025 zum Abschluss von 25 Jahre Attac. Das Festival. im WUK Wien.

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Rückfragen
David Walch
Pressesprecher Attac Österreich
presse@attac.at
0650 544 00 10




PA: FfD4-Konferenz: Österreich setzt auf privat finanzierte Entwicklungspolitik und verschleiert eigene Verantwortung

Österreich und andere EU-Länder sprechen sich bei der vierten internationalen Konferenz für Entwicklungsfinanzierung (Financing for Development, FfD4) in Sevilla für eine private, renditeorientierte Finanzierung für Entwicklungspolitik aus. Diese kann allenfalls ein Bestandteil, aber nicht das Ziel der österreichischen Entwicklungsfinanzierung sein.

Denn wie die gemeinsame Deklaration von zivilgesellschaftlichen Organisationen festhält, hat der Private Finance First-Ansatz seit seiner Einführung 2015 die Verschuldung und Ungleichheiten in Ländern des Globalen Südens sogar weiter angeheizt, deren demokratische Rechenschaftspflicht und regulatorische Rolle untergraben und stattdessen eine Vereinnahmung der weltweiten nachhaltigen Entwicklung durch Konzerne begünstigt. Die ohnehin knappen öffentlichen Mittel fließen dann dafür genutzt, um private Investoren anzuziehen.

Dieser Ansatz verschleiert, dass wohlhabende Länder wie Österreich in der aktuell verschärften globalen Lage eine besondere Verantwortung tragen, um weltweit zu Stabilität, Frieden und Gerechtigkeit beizutragen. Zumal Private kaum in Krisengebiete und das schiere Überleben von Menschen investieren. Will Österreich ein engagierter und vertrauenswürdiger Partner für Länder des Globalen Südens sein, ist es gefragt, Zukunftschancen für benachteiligte und gefährdete Menschen zu ermöglichen. Dazu gehört, endlich die internationale Verpflichtung der OECD-Mitgliedsstaaten einzuhalten, jährlich 0,7% des Bruttonationaleinkommens für öffentliche Entwicklungshilfeleistungen bereitzustellen.

Die AG Globale Verantwortung fordert daher ein klares Bekenntnis zur öffentlichen Entwicklungsfinanzierung und zu Schuldenerlässen für Länder, die aufgrund der globalen Krisen in eine ruinöse Schuldenspirale geschlittert sind. Laut Abschlussdokument Compromiso de Sevilla, das bereits zwei Wochen vor der FfD4-Konferenz beschlossen wurde, sprechen sich die verhandelnden Länder für den bereits laufenden UN-Prozess für eine Steuerrahmenkonvention aus. Wir appellieren, dass Österreich dies bei der nächsten Verhandlungsrunde der UN-Konvention von 4. bis 15. August bekräftigt.

Obwohl Außenministerin Beate Meinl-Reisinger zugesagt hatte, persönlich bei der FfD4-Konferenz teilzunehmen, wird sie nun Nikolaus Marschik, Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten, vertreten. Die Konferenz startete heute nach einer zehnjährigen Pause. Trotz des skandalösen Zugangsverbots für die Zivilgesellschaft zu hochrangigen Veranstaltungen bei der Konferenz werden ihre Vertreter*innen die Chance nutzen und sich für eine gerechte, inklusive und kohärente internationale Wirtschafts- und Finanzarchitektur stark machen. Denn diese ist keine Sache von Wohltätigkeit, sondern von Gerechtigkeit.

Karin Kuranda
Fachreferentin für Entwicklungspolitik der AG Globale Verantwortung

Link: Hintergrundinformationen für Journalist*innen 

Rückfragehinweis:
Hannah Hauptmann
Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Globale Verantwortung – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe
Apollogasse 4/9, 1070 Wien
Tel: 01/522 44 22-15
Mobil: +43 699/17 20 42 07
www.globaleverantwortung.at




PA: Österreich kämpft gegen globalen Hunger

Ernährungsunsicherheit ist nach wie vor ein dringendes globales Problem. Laut den Vereinten Nationen litten 2023 etwa 733 Millionen Menschen Hunger. Bewaffnete Konflikte, der Klimawandel und Wirtschaftskrisen verschärfen die Situation. Die aktuelle Ausgabe der WELTNACHRICHTEN, des Magazins der Austrian Development Agency, befasst sich mit den Ursachen des Problems und berichtet über österreichische Lösungen, die langfristig Linderung verschaffen.

733 Millionen Menschen – in etwa 9 Prozent der Weltbevölkerung – galten im Jahr 2023 als unterernährt. In Afrika leidet gar die Hälfte der Bevölkerung unter mäßiger oder schwerer Ernährungsunsicherheit. Entwicklungszusammenarbeit leistet nicht nur erste Hilfe bei Hungersnöten, sondern entwickelt auch nachhaltige Lösungen dagegen. Die aktuelle Ausgabe der WELTNACHRICHTEN, des Magazins der Austrian Development Agency (ADA), berichtet über erfolgreiche Vorhaben mit österreichischem Engagement.
 
Lebensmittel als Luxusgut
„Häufig hungern Menschen nicht, weil Lebensmittel fehlen, sondern weil sie sich diese nicht leisten können“, schreibt Máximo Torero, Chefökonom der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), in seinem Beitrag für die WELTNACHRICHTEN. So produziere die Landwirtschaft weltweit zwar genug Lebensmittel, um alle Menschen auf der Welt zu ernähren. Dennoch landen nicht überall nahrhafte Mahlzeiten auf den Tellern. Die Lösung liegt für Torero in gestärkten Agrar- und Ernährungssystemen, verbessertem Sozialschutz und der Unterstützung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern – alles Maßnahmen, für die sich auch Österreichs Entwicklungszusammenarbeit stark macht.
 
Entwicklungszusammenarbeit: Globale Verantwortung übernehmen – Österreichs Interessen wahren
„Die Welt steht vor einem komplexen Geflecht an Herausforderungen: Anhaltende und neue Konflikte, politische Instabilität, wirtschaftliche Ungleichgewichte und der Klimawandel bedrohen weltweit Frieden, Entwicklung und Sicherheit. Gleichzeitig schwindet das Vertrauen in die internationale Zusammenarbeit – ein fataler Mix an Krisen, der entschlossenes Handeln erfordert. Die Entwicklungszusammenarbeit leistet hier einen zentralen Beitrag: Sie verbessert langfristig die Lebensbedingungen von Menschen, stärkt stabile Strukturen und schafft Perspektiven. Österreich übernimmt dabei Verantwortung. Wir bringen unsere Expertise, Innovationskraft und Erfahrung gezielt ein, um globale Partnerschaften zu stärken und nachhaltige Entwicklung zu fördern. Das liegt auch in unserem ureigenen Interesse: Als stark exportorientiertes Land mit enger internationaler Verflechtung profitiert Österreich direkt von Stabilität, wirtschaftlicher Entwicklung und resilienten Gesellschaften weltweit“, betont ADA-Geschäftsführer Bernd Brünner, der die Leitung der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit Anfang Juni übernommen hat.
 
Österreichisches Know-how zeigt Wirkung
Österreichs Engagement für bessere Lebensbedingungen weltweit zeigt Wirkung, wie die WELTNACHRICHTEN-Reportage aus Georgien deutlich macht: Sie geht einem Projekt auf die Spur, das von der Austrian Development Agency in dem Land im Südkaukasus unterstützt wird und traditionelle Lebensmittelproduktion, nachhaltige Tierhaltung und respektvollen Umgang mit der Natur verbindet. All das ermöglicht ein besseres Leben und Zukunftsperspektiven für die Menschen in entlegenen Bergdörfern. Auch Kooperationen mit der Wirtschaft können dazu beitragen, Herausforderungen in Entwicklungsfragen erfolgreich anzugehen – so etwa in Brasilien, wo die ADA gemeinsam mit der oberösterreichischen Firma Calvatis die Milchqualität verbessert.
 
Verena Altenberger: „Einfluss nicht in Quadratmetern denken“
Die Pongauer Schauspielerin Verena Altenberger ist davon überzeugt, dass Österreich großes Potenzial bei der Bekämpfung des globalen Hungers hat. Im Interview mit den WELTNACHRICHTEN erzählt sie von ihrer Reise nach Uganda als Botschafterin für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen, das Österreich seit Jahren finanziell unterstützt. „Wir dürfen unseren Einfluss nicht in Quadratmetern denken, sondern in den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen“, sagt Altenberger.

Ernährung im sicherheitspolitischen Visier der EU
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine betrachtet die Europäische Union Ernährungssicherheit nicht mehr nur aus der Perspektive der humanitären Hilfe, sondern auch als außen- und sicherheitspolitische Angelegenheit. Trotz eines sicherheitspolitischen Verständnisses von Nahrungsversorgung sollte sie eine nachhaltige Agrarproduktion im Blick behalten, appelliert Agrarökonomin Bettina Rudloff in ihrem Kommentar für die WELTNACHRICHTEN.
 
Außerdem in dieser Ausgabe zu lesen:
–        Kofi Annan Award for Innovation in Africa: Österreich fördert innovative Lösungen gegen Hunger
–        Klimawandel: Die Landwirtschaft als Opfer und Schlüssel zur Lösung
–        Acht Tage im Senegal: Ein Filmtagebuch berichtet von den Dreharbeiten über ein Caritas-Projekt, das mit Unterstützung der ADA die Ernährungssicherheit in Burkina Faso, Mali und Senegal stärkt

Die WELTNACHRICHTEN berichten vierteljährlich über entwicklungspolitische Themen. Herausgeberin ist die Austrian Development Agency. Alle Beiträge, Reportagen, Interviews und Geschichten sind auch online nachzulesen. Die WELTNACHRICHTEN sind kostenlos. Bestellungen unter presse@ada.gv.at.

Austrian Development Agency
Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 unterstützt die Austrian Development Agency (ADA) Länder in Afrika, Asien, Südost- und Osteuropa bei ihrer nachhaltigen Entwicklung. Seitdem hat die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gemeinsam mit ihren Partnern viel erreicht – die Lebensumstände von Millionen von Menschen haben sich substanziell verbessert. Aktuell veranlassen die Klimakrise, Kriege und Konflikte jedoch immer mehr Menschen zur Flucht und verschärfen Armut und Hunger. Die Vision der ADA von einem guten Leben für alle bleibt trotz allem unverändert. Wirksame Entwicklungszusammenarbeit ist heute wichtiger denn je. Zusammen mit öffentlichen Einrichtungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Universitäten und Unternehmen ermöglicht die ADA bessere Lebensbedingungen und Perspektiven vor Ort .

Rückfragehinweis:
Austrian Development Agency (ADA),
die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit
Mag. Katharina Schreiber
Tel.: +43 (0)1 903 99-2410
katharina.schreiber@ada.gv.at
www.entwicklung.at