Recherche-Hinweise: Nachhaltiger Tourismus und Entwicklung

Die UN haben im November 2015 das Jahr 2017 zum „International Year of Sustainable Tourism for Development“ erklärt. Ein gut konzipierter und gesteuerter Tourismus könne einen erheblichen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten, menschenwürdige Arbeitsplätze schaffen und Handelschancen erzeugen, so die Begründung der Entscheidung.
Seit Anfang des Jahres gibt es besonders umfassende, gut aufbereitete Publikationen und Informationen zum Thema, das nicht nur in der Sommer- und Urlaubszeit von Bedeutung ist. Im Folgenden haben wir Recherche-Links zusammengestellt.

27. September: Welttourismustag (UNWTO)
http://www.un.org/en/events/tourismday/
http://wtd.unwto.org/

Naturfreunde: Was ist Nachhaltiger Tourismus? http://www.nfi.at/index.php?option=com_content&task=view&id=366&Itemid=145&lang=de

TourCERT-Projekt: TourCert, die gemeinnützige Gesellschaft für Zertifizierung im Tourismus, vergibt das TourCert-Siegel für CSR in Tourismusunternehmen.  http://www.tourcert.org/experte-fuer-corporate-social-responsibility.html

Der Informationsdienst TourismWatch liefert vierteljährlich Berichte und Hintergründe über den Ferntourismus, sowie Tipps für verantwortungsvolles Reisen und weist auf Tagungen und neue Literatur zum Thema hin.
tourism-watch.de

ADA: Die Austrian Development Agency unterstützt nachhaltigen Tourismus. http://www.entwicklung.at/ada/aktuelles/detail/artikel/fair-reisen/

Weitere Infos zu Tourismus und den SDGs liefert das Online-Kompendium „Tourism in the Agenda 2030“ von neun internationalen NGOs sowie das Paper „Tourismus und die SDGs“ des Wirtschafts- und Wissenschaftsministeriums (BMWFW).
transforming-tourism.org
www.bmwfw.gv.at

Info zu Reisebüros und deren Umgang mit nachhaltigen Tourismus/Menschenrechte menschenrechte-im-tourismus.net

Die World Tourism Organization, UNWTO, Weltorganisation für Tourismus, ist eine 1975 gegründete Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Schwerpunkt ist der Tourismus in Entwicklungsländern, unter Berücksichtigung der 2015 verabschiedeten  „Sustainable Development Goals“ (SDGs), die ebenfalls auf einen „nachhaltigen Tourismus“ Bezug nehmen. (http://www.e-unwto.org/doi/pdf/10.18111/9789284417254)
Auf der Webseite finden sich unter anderem der  Global Code of Ethics for Tourism und zahlreiche  Statistiken zum weltweiten Tourismus.
http://www2.unwto.org

Südwind-Magazin: Titel-Story zum Hoffnungsträger Tourismus im Globalen Süden, Co2-Kompensationen und der Forderung nach einer Tourismuswende
http://www.suedwind-magazin.at/globaler-sueden-in-warteposition und folgende Seiten

Das SympathieMagazin, Nummer 1/2017, mit dem Titel »Menschenrechte verstehen« wurde begleitet vom Studienkreis für Tourismus und Entwicklung, der sich als interdisziplinäres Fachgremium zu Fragen der Bedeutung, der Anforderungen und der Wirkungen von Menschenrechten im Bereich des Tourismus versteht. Es geht u.a. um die Tatsache , dass touristischen Infrastrukturprojekten, zunehmend wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte zum Opfer fallen. Darüber hinaus gibt das Magazin Hilfestellungen, um etwa bei interkulturellen Begegnungen als Reisender oder in Fachdiskursen argumentations – und handlungsfähig zu sein. Bestellinfos und Inhaltsbeschreibung unter: https://www.sympathiemagazin.de/tl_files/sympathiemagazine/content/downloads/pressemeldungen/PM_01_SM_Menschenrechte.pdf

Naturfreunde: Agenda2030 . Die Naturfreunde Internationale fordert in einer gemeinsamen Deklaration mit Partnerorganisationen aus aller Welt eine grundlegende Richtungsänderung im Tourismus.
http://www.nfi.at//index.php?option=com_content&task=view&id=754&Itemid=34

Kommentar von Christina Hlalde von Weltweitwandern:
http://blog.hlade.com/2017/01/02/2017-ist-das-un-jahr-fuer-nachhaltigen-tourismus-fuer-entwicklung-meine-gedanken-dazu/

Tipps zu Nachhaltigem Tourismus in Wien: http://www.shades-tours.com/en/2017/03/09/alternative_vienna_mustdo/




Filmtage: Hunger.Macht.Profite.8

Die Filmtage Hunger.Macht.Prote.8 zeigen im März und April 2017 an 28 Spieltagen an 20 Spielorten in Österreich Filme über unser Agrar- und Ernährungssystem mit dem Ziel, Ernährungssouveränität sowie Ursachen von Hunger und das Menschenrecht auf Nahrung aus verschiedenen Blick-winkeln zu beleuchten:

»Wachsen oder weichen!« – weltweit werden (klein)bäuerliche Betriebe verdrängt, um eine neoliberale Agrarpolitik im Sinne von Agro-Business durchzusetzen. Nicht zuletzt deshalb sind Bäuerinnen und Bauern weltweit besonders von Armut und Hunger betroffen. Aus der weltweit stetig wachsenden Mangelernährung versuchen Konzerne Pro t zu schlagen und für ihre Nahrungsmittel neue Märkte im Globalen Süden zu erschließen.
Die immer weiter fortschreitende Konzentration der natürlichen Ressourcen – wie Land, Wasser oder Saatgut – in den Händen einiger weniger Pro teure »organisiert« den Hunger neu. Das globale Ernährungssystem ist aus den Fugen geraten und be ndet sich in einer tiefgreifenden Krise.

Viele der Filme zeigen auch Ansätze für ein Wirtschaften für ein gutes Leben für alle und kritisieren damit die herrschenden Verhältnisse. In den Filmgesprächen werden regionale Alternativen zu dem krisenbehafteten System vorgestellt und gemeinsam wird über Widerstand und Handlungsoptio-nen diskutiert.

Alle Filme machen deutlich, dass eine Veränderung der Machtverhältnisse die Grundvoraussetzung für ein demokratisches Agrar- und Lebensmittelsystem ist, in dem das Menschenrecht auf Nahrung und Ernährungssouveränität verwirklichbar werden.

Hunger. Macht.Pro te.8 bestehend aus FIAN Österreich, normale.at, AgrarAttac und ÖBV-Via Campesina Austria.

Info zu den Spielorten und Tagen: http://www.hungermachtprofite.at/

 




Interviewmöglichkeiten bei „Gutes Leben“-Kongress

Pressegespräche mit spannenden Gästen aus Kanada, Brasilien, Europa und Österreich am Donnerstag und Freitag möglich.

Anlässlich des Kongresses „Gutes Leben für Alle – Utopien für eine bessere Welt“ informieren und diskutieren ExpertInnen aus unterschiedlichen Weltregionen über zeitgemäße Utopien einer Welt, in der das freie Zusammenleben friedlich und solidarisch organisiert wird.

Weitere Informationen und Programm: www.guteslebenfueralle.org

INTERVIEWMÖGLICHKEITEN

Am 9. und 10. Februar 2017 stehen nach Vereinbarung folgende Gäste für Einzelinterviews zur Verfügung:

– Hartmut Rosa (Universität Jena)
– Jean Marc Fontan (Université du Québec à Montréal)
– Ingrid Kurz-Scherf (Universität Marburg)
– Ivonne Yanez (Ecuador – Acción Ecologíca)
– Lila Caballero (ActionAid UK)
– Mikel Lezamiz (Mondragon Kooperative)
– Lili Fuhr (Heinrich-Böll-Stiftung)
– Michael Narberhaus (Gründer des Smart CSOs Labs)
– Mladen Domazet (Forschungsdirektor am Institut für Politische Ökologie in Zagreb)
– Sarah Schilliger (Universität Osnabrück)
– Elisabeth Grimberg (Forscherin am Instituto Polis in São Paulo)
– Gilberto Ohta de Oliveira (Brasilien – Gründungsmitglied von Cooperagua)

Kurzbiographien der ExpertInnen:

Bei Interesse bitte Anfrage an:

Fabian Unterberger
Kongress „Gutes Leben für alle“
E-Mail: fabian.unterberger@wu.ac.at




Podiumsdiskussion zu SDG’s

Unter dem Motto „Change! Alles muss anders werden. Die SDGs verändern die Welt“ diskutieren am 19. Mai (18.30 Uhr) in Wien ExpertInnen zur Umsetzung der SDGs, der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen.

logoweissIm September 2015 wurden von den UNO-Mitgliedstaaten die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) beschlossen. Die 17 Ziele sind ambitioniert – u.a. sollen Hunger und absolute Armut bis 2030 Geschichte sein. Das Neue an ihnen ist, dass sie für alle Staaten der Welt gelten und soziale, ökologische und ökonomische Aspekte verbinden.

Damit die Ziele umgesetzt werden können, muss es auf vielen Ebenen zu einem Umdenken kommen. Wird dieser Paradigmenwechsel gelingen? Wie müssen sich Politik und Wirtschaft ändern, damit die Ziele eine Chance auf Umsetzung haben? Wie muss eine entsprechende europäische Wirtschafts-, Entwicklungs- und Außenpolitik aussehen, die zur Umsetzung beiträgt? Wie werden die Ziele für nachhaltige Entwicklung diese Politiken ändern?

Darüber diskutieren am 19. Mai (18.30 Uhr):

Dr. Hannes Swoboda
Europapolitik-Experte und ehem. EU-Abgeordneter

Dr.in Andrea Barschdorf-Hager
Geschäftsführerin CARE Österreich

Univ.-Prof. MMag. Dr. Gottfried Haber
Prof. für Wirtschaftspolitik an der Donau-Universität Krems, Mitglied des Entwicklungspolitischen Beirats

Moderation: Dr. Werner Raza (Leiter der ÖFSE)

„Reitersaal“ der Österreichischen Kontrollbank, Strauchgasse 3, 1010 Wien.

Um Anmeldung wird gebeten: Auf Facebook oder per E-Mail an roland.bauer@globaleverantwortung.at

Eine Veranstaltung der AG Globale Verantwortung, in Kooperation mit der Österreichischen Entwicklungsbank. Die Veranstaltung wird durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit gefördert.

 




17 Ziele für die Welt

Bei der UN-Generalversammlung am 25. September in New York haben die Vertreterinnen und Vertreter von 193 Staaten weltweit gültige Ziele für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) beschlossen. Die 2030-Agenda soll in den nächsten 15 Jahren erreicht werden und für alle Länder gleichermaßen gelten – auch für Österreich.

global-goals-logo-2

 

Weiterführende Artikel und Links:

globalgoals.org
Website zur globalen Kampagne:

Transforming our world:
The 2030 Agenda for Sustainable Development
Deklaration, die bei der UN-Generalversammlung am 25. September beschlossen wurde.

Standpunkt: 2030-Agenda Chancen für eine zukunftsfähige Welt.
Positionspapier von VENRO Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher NROs.

Alles für alle – oder die Erfolgsstrategie für eine bessere Welt? Artikel von Friedbert Ottacher auf der ISJE-Website.

Hat der Nachhaltigkeitsgipfel auch nachhaltige Folgen?
Abschlussbericht von Daniel Bacher von der Dreikönigsaktion, der als NGO-Vertreter am UN-Gipfel teilgenommen hat.

Sustainable Development Goals
Auf der Website der Dreikönigsaktion finden Sie neben dem Blog von Daniel Bacher auch die weiterführende Publikation Den Wandel gestalten von CIDSE zum Download

Auf die Plätze, fertig …
Nora Holzmann hat im Südwind-Magazin die SDGs zum Anlass genommen, um bei österreichischen PolitikerInnen nachzufragen, was sie darüber denken und welche Standpunkte sie zu Entwicklungspolitik allgemein vertreten.

The Global Goals For Sustainable Development

How to communicate the sustainable development goals to the public. Überlegungen von Will Tucker im The Guardian.

 Video: The Worls Largest Lesson. Introduced by Malala Yousafzai




NGO-Austauschtreffen

Am 22. September lädt die ISJE zum NGO- Austauschtreffen. Diesmal wird es um die Medienarbeit & Aktivitäten rund um die SDGs gehen.

Es freut uns besonders, dass wir Friedbert Ottacher – Berater, Trainer und Autor zur Entwicklungszusammenarbeit in Wien – für einen Input gewinnen konnten. Darüber hinaus wird es viel Raum und Zeit geben um über geplante Aktivitäten, mögliche Kooperationen und Strategien für verstärkte Medienaufmerksamkeit und für mehr Interesse der breiten Öfffentlichkeit nachzudenken und zu diskutieren.

Tagesordnung zum NGO-Austauschtreffen

Dienstag, 22. September 2015
Sitzungszimmer des Südwinds
Laudongasse 40, 1080 Wien

15 Uhr

1.    Begrüßung und Vorstellung

2.    Input von Friedbert Ottacher: Die Ära der Nachhaltigen Entwicklungsziele 2016-2030: Wie die SDGs unser Entwicklungsverständnis verändern werden – und wie wir das Interesse der österreichischen Medien dafür gewinnen können.

3.    Diskussionsrunde: Was wird durch die SDGs möglich sein, wo liegen die Grenzen? Wie können wir RedakteurInnen für die 17 Ziele begeistern und wie die breite Öffentlichkeit mit den neuen drei Buchstaben vertraut machen?

4.    Updates & Austausch zu Aktivitäten rund um die SDGs: Was ist seitens der NGOs geplant? Gibt es Schnittmengen bei geplanten Aktivitäten, bei denen man zusammenarbeiten könnte? Gibt es Fragen der NGOs, die jemand in der Runde beantworten kann?

5.    Ausblick – Medienarbeit & SDGs: Wie können wir weitermachen?

Etwa 17 Uhr: Ende

Anmeldungen bitte per E-Mail an christine.tragler@isje.at.




Die Nachhaltigen Entwicklungsziele 2016-2030

Alles für alle – oder die Erfolgsstrategie für eine bessere Welt?

Von Friedbert Ottacher

Am 25. September werden PräsidentInnen und PremierministerInnen aus 193 UN-Mitgliedsstaaten in New York die Agenda der Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals SDGs) beschließen. Von österreichischer Seite werden u.a. BP Heinz Fischer, BM Sebastian Kurz, BMin Gabriele Heinisch-Hosek und BM Andrä Rupprechter dabei sein. Die SDGs stellen den Anspruch, eine neue Ära in der globalen Entwicklung einzuläuten. Um den Paradigmenwechsel nachvollziehen zu können, lohnt sich ein Blick zurück.

Die Millenniums Entwicklungsziele (MDGs), deren Ära mit Beschlussfassung der SDGs zu Ende geht, wurden vor 15 Jahren unterzeichnet. Die acht Ziele wurden im stillen Kämmerlein ausgearbeitet und betrafen bis auf eines alleinig die Entwicklungsländer. Die Bilanz heute kann sich durchaus sehen lassen, besonders in den Schwellenländern wurden aufgrund der positiven Wirtschaftsentwicklung die meisten Ziele wie die Halbierung der Armut, höhere Einschulungsraten und bessere Gesundheitsversorgung erreicht. In Afrika südlich der Sahara wurde keines der Ziele ganz realisiert, dennoch gab es deutliche Fortschritte: so gehen heute vier von fünf Kindern in die Volksschule, die Kindersterblichkeit wurde halbiert und die Versorgung von HIV-positiven Menschen mit Medikamenten massiv ausgeweitet.

sdgs

Hundertschaften an ExpertInnen der Vereinten Nationen, der Mitgliedsstaaten und Organisationen der Zivilgesellschaft handelten die SDGs aus – und dementsprechend umfassend präsentieren sie sich. Sie gehen auch weit über das hinaus, was generell unter Entwicklungspolitik verstanden wird – denn die 17 Themen und 169 Ziele umfassen alle großen Politikfelder – von klassischen Entwicklungsthemen wie Bekämpfung der Armut und des Hungers genauso wie den Schutz der Ökosysteme, Gleichstellung zwischen Mann und Frau, globale Vollbeschäftigung und nachhaltiges Konsumverhalten. Von einen gigantischen Wunschzettel, der weniger realistische Ziele als vielmehr Träumereien zum Inhalt hat, sprechen die KritikerInnen.

Der Ball bei der Umsetzung der SDGs liegt auch nicht mehr bei den Entwicklungsländern allein, sondern bei allen Schwellen- und Industrieländern gleichermaßen. Jede Regierung ist gefordert, ihren Aktionsplan zur Umsetzung der SDGs im eigenen Land vorzulegen – und dessen Umsetzung zu überprüfen.

Für Österreich bedeutet das, für jedes der 169 Ziele Erfolgsindikatoren zu beschließen – beispielsweise unter Themenfeld 1 „Bekämpfung der Armut“ festzuschreiben, wie viele Menschen jedes Jahr über die Armutsgrenze gehievt werden sollen. Oder wie die Diskriminierung von Frauen in Führungspositionen in Österreich nachhaltig beendet werden kann. Oder wie wir unseren Verpflichtungen auf internationaler Ebene endlich nachkommen wollen.

Die SDGs wollen auf globaler Ebene eine neue Form der Zusammenarbeit etablieren, es soll keine Entwicklungszusammenarbeit mehr geben, sondern nur mehr eine internationale Zusammenarbeit, die alle gleichermaßen in die Pflicht nimmt. Eine offene Frage ist die Finanzierung der SDGs, besonders in den Entwicklungsländern. Hier blieb man vage und hofft auf höheres Steueraufkommen in den Entwicklungsländern selber und die Beteiligung der Privatwirtschaft, die zunehmend als wesentlichste Entwicklungsakteurin wahrgenommen wird.

Ob die unübersichtlichen SDGs eine vergleichbare Wirkmacht wie die vergleichsweise konkreten MDGs entfalten werden, bleibt abzuwarten, viele Fragen sind noch offen. Auf alle Fälle kann das nur gelingen, wenn ihre BefürworterInnen es bald schaffen, die „Geschichte der Entwicklung“ neu und überzeugend zu erzählen. Denn auch 15 Jahre können schnell vergehen.


Friedbert Ottacher arbeitet als Berater, Trainer und Autor zur EZA in Wien. Er verfügt über 15 Jahre Praxis als Programmreferent und betreute Projekte u.a. in Pakistan, Palästina, Albanien, Äthiopien, Südsudan, Simbabwe und Mosambik. Er lehrt an der TU Wien und ist gemeinsam mit Thomas Vogel Autor des vor kurzem erschienen Buches „Entwicklungszusammenarbeit im Umbruch: Bilanz-Kritik-Perspektiven“. In Interviews und Gastkommentaren beschäftigt er sich mit aktuellen Fragen und Trends der internationalen Zusammenarbeit.
www.ottacher.at

Transforming our world:
The 2030 Agenda for Sustainable Development
Deklaration, die voraussichtlich bei der UN-Generalversammlung am 25. September beschlossen wird.

SDGs zwischen Anspruch und Umsetzung
Hilde Wipfel hat das UN-Dokument durchgesehen und auf zwei Seiten kompakt ihre Analyse festgehalten.

Auf die Plätze, fertig …
Nora Holzmann hat im Südwind-Magazin die SDGs zum Anlass genommen, um bei österreichischen PolitikerInnen nachzufragen, was sie darüber denken und welche Standpunkte sie zu Entwicklungspolitik allgemein vertreten.

The Global Goals For Sustainable Development

How to communicate the sustainable development goals to the public. Überlegungen von Will Tucker im The Guardian.

 Video: The Worls Largest Lesson. Introduced by Malala Yousafzai

 

 




UN-Konferenz zur Finanzierung von Entwicklung

Von 13. bis 16. Juli wird in Addis Abeba die dritte internationale Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung abgehalten. Das Gipfeltreffen bildet den Auftakt zu einer Reihe von Großereignissen der Vereinten Nationen: Gemeinsam mit der UN-Generalversammlung im September 2015 in New York und dem Klimagipfel im Dezember in Paris ist sie maßgebend für die künftige Ausrichtung der Entwicklungspolitik.

www.un.org/esa/ffd/ffd3

Dabei haben die in Addis Abeba beschlossenen Maßnahmen zur Finanzierung der neuen Post-2015-Agenda entscheidenden Einfluss auf den Erfolg der beiden daran anschließenden UN-Gipfel. Im September 2015 wollen die Vereinten Nationen in New York die nachhaltigen Entwicklungsziele –die Sustainable Development Goals (SDGs) – als Nachfolge der Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) verabschieden. Auch für den im Dezember angesetzten Klimagipfel in Paris zur Verabschiedung des Kyoto-Nachfolgeabkommens sind die Resultate in Addis Abeba zentral.

Nachhaltige Entwicklung endet nicht an den nationalen Grenzen. Wenn in Addis Abeba über einen neuen globalen Rahmen der Entwicklungsfinanzierung diskutiert wird, sind alle Länder Teil der Lösung wie auch Teil des Problems. Im Besonderen sind aber auch die Industrieländer gefordert sich der globalen Verantwortung zu stellen und ihr Versprechen, 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für EZA auszugeben, endlich einzuhalten. Bisher haben sich nur fünf Staaten bemüht dieses Ziel zu erreichen: Luxemburg, Dänemark, Norwegen, Schweden und Großbritannien.

Links:
UN Conference Financing for Development
Sustainable Development
2015 Time for Global Action




Erste Infos zum EYD2015

2015 wird das  Europäische Jahr der Entwicklung. Die ISJE stellt essentielle erste Informationen zusammen.

(Wien, 22.12.2014). Unsere Welt.Unsere Würde. Unsere Zukunft. Dieses Motto wird man 2015, dem Europäischen Jahr der Entwicklung, oft hören. EYD_emblem_3lines-DEWie bei EYD_motto_DEvergleichbaren Initiativen wird das Jahr (das auf Englisch European Year of Development heißt und EYD abgekürzt wird) im Web 2.0 begleitet werden. #EYD2015 ist der Hashtag, dem zu folgen ist, @EYD2015 das dazu gehörende Profil, hier geht’s zum Facebook-Auftritt:

Nationale Ansprechpartner in Österreich sind auf der einen Seite das BMEIA als nationaler Koordinator bzw. die ADA, die Austria Development Agency, als verantwortliche Organisation für das
Aktionsprogramm in Österreich. Auch die AG Globale Verantwortung ist ein wichtiger Ansprechpartner.

Die Informationsstelle Journalismus & Entwicklungspolitik wird als Schnittstelle zwischen Medien und NGOs agieren und Infos zum EYD2015 liefern und ist ebenfalls für Anfragen da.

 Was wird konkret zu erwarten sein?

  • Jede Menge Veranstaltungen zu Themen rund um Entwicklungszusammenarbeit (EZA), inklusive internationaler Gäste. Auf europäischer Ebene startet das Jahr mit einem Eröffnungsevent am 9.1. in Lettland. In Österreich folgt am 26.1. der Auftakt. Danach passiert viel – von Tagungen und Kongresses über Veröffentlichungen neuer Studien bis hin zu Austauschprojekten mit dem globalen Süden.
  • Spannende Geschichten & interessante Menschen aus dem Alltag der Arbeit in der EZA – und zwar je nach speziellen Themenmonaten:
  • Januar – Europa in der Welt
     Februar – Bildung
     März – Frauen & Mädchen
     April – Gesundheit
     Mai – Frieden & Sicherheit
     Juni – Nachhaltiges Wachstum, Arbeitsplätze & Unternehmen
     Juli – Kinder & Jugendliche
     August – Humanitäre Hilfe
     September – Demografie & Migration
     Oktober – Ernährungssicherheit
     November – Nachhaltige Entwicklung
     Dezember – Menschenrechte
  • Neuausrichtungen: 2015 ist ein entscheidendes Jahr. Nicht nur als EYD. 2015 enden die Millenium-Entwicklungsziele. Wie wird es weiter gehen? Das Jahr soll Antworten bringen. (sol)

Weiterführende Infos und Hintergründe zum EYD2015 sowie zur europäischen Ebene:

Concord

Capacity4Dev

 

 




Endspurt für Weltentwicklungsziele

Im Jahr 2000 unterzeichneten 189 Staaten auf dem UN-Millenniumsgipfel die Millenniumserklärung. Die im Anschluss formulierten Ziele, die Millennium Development Goals (MDGs), sollten bis 2015 erreicht sein. Eine Bilanz.

 Von Christina Bell

(Wien, 22.12.2014). 8 Ziele, 21 Unterziele, 60 Indikatoren. Mit den Millennium Development Goals (MDGs – siehe z.B. hier) sagte die internationale Gemeinschaft unter anderem Armut, Kinder- und Müttersterblichkeit sowie tödlichen Krankheiten wie AIDS und Tuberkulose den Kampf an. Die mdgs_deZielsetzungen, die durchaus umstritten waren, wurden zu internationalen Leitlinien der Entwicklungszusammenarbeit, an denen sich Entwicklungsprojekte in Kenia genauso orientierten wie Gesundheitsreformen in Brasilien oder Fraueninitiativen in Indien.

Die Bilanz, soviel steht fest, wird durchwachsen ausfallen: Als größte Errungenschaft gilt die Erreichung des ersten Ziels, die Halbierung des Anteils der in Armut lebenden Menschen. Das gelang bereits 2010. Hierfür zeichnet allerdings weniger die Entwicklungszusammenarbeit als vor allem das rasante Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern China und Indien verantwortlich, wie der Entwicklungszusammenarbeits-Praktiker Friedbert Ottacher unlängst in einem Artikel im Südwind-Magazin festhielt.

(Teil-)Erfolge konnten auch beim Thema Bildung, konkret bei den Einschulungsraten, sowie bei Kinder- und Müttersterblichkeit erzielt werden.

Wenig erreicht wurde hingegen im Bereich ökologische Nachhaltigkeit (MDG7): Weder eine deutliche Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes, noch ein Stopp des Artensterbens gelang der internationalen Gemeinschaft in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten.

Insgesamt ist die Hoffnung, die man mit den Zielen verband, über die Jahre zunehmend einer Skepsis gewichen. Vor allem die Zusagen der reichen Länder enttäuschten. Dabei nahm sowieso nur eines von acht Milleniumszielen direkt die Industrieländer in die Pflicht: MDG 8, der Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft. Dieses war zudem so vage gehalten, dass es sich de facto nicht überprüfen lässt.

Messbar sind hingegen die finanziellen Beiträge zur Umsetzung der MDGs. Die Hilfszahlungen der Industrieländer erreichten 2013 zwar einen Höchststand, wie auch Johannes Trimmel in einem Interview erklärt. Die Zahlungen verfehlen aber die seit Jahrzehnten immer wieder in Aussicht gestellten 0,7 Prozent des BIP bei weitem. Zudem ist die Unterstützung für die ärmsten Entwicklungsländer rückläufig.

Zu den Stärken der MDGs zählten ihre Mobilisierungskraft und recht gute Kommunizierbarkeit, wie Jens Martens in einem Bericht zu globalen Nachhaltgkeitszielen argumentiert: Die MDGs lenkten mit einfacher Sprache die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Armutsbekämpfung. Dass der Publicity keine echten Lösungsansätze folgten, kritisiert unter anderem die nigerianische Wissenschaftlerin und Bloggerin Chika Ezeanya.

Vieles soll nun anders werden. Die Vorbereitungen der Nachfolge-Agenda laufen auf Hochtouren. Fest steht bereits eine Zusammenführung mit den parallel in Planung befindlichen Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) deren Schaffung bei der Rio+20-Konferenz 2012 festgelegt worden war. Seit Juli gibt es den Draft – er überzeugte nicht alle.
Beschlossen werden die Ziele, die wie ihre Vorgänger, die MDGs nicht rechtlich bindend sein werden, nach einer weiteren Überarbeitungsphase im September 2015.


Christina Bell ist Redakteurin beim Südwind-Magazin. Die Journalistin, die ein Master-Degree in Human Rights besitzt, zeichnete für einen Schwerpunkt zu den MDGs verantwortlich (siehe Südwind-Magazin 11/2014)

Globale Nachhaltigkeitsziele für die Post-2015-Entwicklungsagenda von Jens Martens

Abschied von der Führungsrolle von Andreas Novy

Blog von Chika Ezeanya, geboren in Nigeria, Wissenschaftlerin, Autorin und Bloggerin: www.chikaforafrica.com

Die Post-2015-Agenda. Reform oder Transformation?, Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung

Der jüngste MDG-Bericht der Vereinten Nationen