17 Ziele für die Welt

Bei der UN-Generalversammlung am 25. September in New York haben die Vertreterinnen und Vertreter von 193 Staaten weltweit gültige Ziele für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) beschlossen. Die 2030-Agenda soll in den nächsten 15 Jahren erreicht werden und für alle Länder gleichermaßen gelten – auch für Österreich.

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Weiterführende Artikel und Links:

globalgoals.org
Website zur globalen Kampagne:

Transforming our world:
The 2030 Agenda for Sustainable Development
Deklaration, die bei der UN-Generalversammlung am 25. September beschlossen wurde.

Standpunkt: 2030-Agenda Chancen für eine zukunftsfähige Welt.
Positionspapier von VENRO Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher NROs.

Alles für alle – oder die Erfolgsstrategie für eine bessere Welt? Artikel von Friedbert Ottacher auf der ISJE-Website.

Hat der Nachhaltigkeitsgipfel auch nachhaltige Folgen?
Abschlussbericht von Daniel Bacher von der Dreikönigsaktion, der als NGO-Vertreter am UN-Gipfel teilgenommen hat.

Sustainable Development Goals
Auf der Website der Dreikönigsaktion finden Sie neben dem Blog von Daniel Bacher auch die weiterführende Publikation Den Wandel gestalten von CIDSE zum Download

Auf die Plätze, fertig …
Nora Holzmann hat im Südwind-Magazin die SDGs zum Anlass genommen, um bei österreichischen PolitikerInnen nachzufragen, was sie darüber denken und welche Standpunkte sie zu Entwicklungspolitik allgemein vertreten.

The Global Goals For Sustainable Development

How to communicate the sustainable development goals to the public. Überlegungen von Will Tucker im The Guardian.

 Video: The Worls Largest Lesson. Introduced by Malala Yousafzai




Die Nachhaltigen Entwicklungsziele 2016-2030

Alles für alle – oder die Erfolgsstrategie für eine bessere Welt?

Von Friedbert Ottacher

Am 25. September werden PräsidentInnen und PremierministerInnen aus 193 UN-Mitgliedsstaaten in New York die Agenda der Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals SDGs) beschließen. Von österreichischer Seite werden u.a. BP Heinz Fischer, BM Sebastian Kurz, BMin Gabriele Heinisch-Hosek und BM Andrä Rupprechter dabei sein. Die SDGs stellen den Anspruch, eine neue Ära in der globalen Entwicklung einzuläuten. Um den Paradigmenwechsel nachvollziehen zu können, lohnt sich ein Blick zurück.

Die Millenniums Entwicklungsziele (MDGs), deren Ära mit Beschlussfassung der SDGs zu Ende geht, wurden vor 15 Jahren unterzeichnet. Die acht Ziele wurden im stillen Kämmerlein ausgearbeitet und betrafen bis auf eines alleinig die Entwicklungsländer. Die Bilanz heute kann sich durchaus sehen lassen, besonders in den Schwellenländern wurden aufgrund der positiven Wirtschaftsentwicklung die meisten Ziele wie die Halbierung der Armut, höhere Einschulungsraten und bessere Gesundheitsversorgung erreicht. In Afrika südlich der Sahara wurde keines der Ziele ganz realisiert, dennoch gab es deutliche Fortschritte: so gehen heute vier von fünf Kindern in die Volksschule, die Kindersterblichkeit wurde halbiert und die Versorgung von HIV-positiven Menschen mit Medikamenten massiv ausgeweitet.

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Hundertschaften an ExpertInnen der Vereinten Nationen, der Mitgliedsstaaten und Organisationen der Zivilgesellschaft handelten die SDGs aus – und dementsprechend umfassend präsentieren sie sich. Sie gehen auch weit über das hinaus, was generell unter Entwicklungspolitik verstanden wird – denn die 17 Themen und 169 Ziele umfassen alle großen Politikfelder – von klassischen Entwicklungsthemen wie Bekämpfung der Armut und des Hungers genauso wie den Schutz der Ökosysteme, Gleichstellung zwischen Mann und Frau, globale Vollbeschäftigung und nachhaltiges Konsumverhalten. Von einen gigantischen Wunschzettel, der weniger realistische Ziele als vielmehr Träumereien zum Inhalt hat, sprechen die KritikerInnen.

Der Ball bei der Umsetzung der SDGs liegt auch nicht mehr bei den Entwicklungsländern allein, sondern bei allen Schwellen- und Industrieländern gleichermaßen. Jede Regierung ist gefordert, ihren Aktionsplan zur Umsetzung der SDGs im eigenen Land vorzulegen – und dessen Umsetzung zu überprüfen.

Für Österreich bedeutet das, für jedes der 169 Ziele Erfolgsindikatoren zu beschließen – beispielsweise unter Themenfeld 1 „Bekämpfung der Armut“ festzuschreiben, wie viele Menschen jedes Jahr über die Armutsgrenze gehievt werden sollen. Oder wie die Diskriminierung von Frauen in Führungspositionen in Österreich nachhaltig beendet werden kann. Oder wie wir unseren Verpflichtungen auf internationaler Ebene endlich nachkommen wollen.

Die SDGs wollen auf globaler Ebene eine neue Form der Zusammenarbeit etablieren, es soll keine Entwicklungszusammenarbeit mehr geben, sondern nur mehr eine internationale Zusammenarbeit, die alle gleichermaßen in die Pflicht nimmt. Eine offene Frage ist die Finanzierung der SDGs, besonders in den Entwicklungsländern. Hier blieb man vage und hofft auf höheres Steueraufkommen in den Entwicklungsländern selber und die Beteiligung der Privatwirtschaft, die zunehmend als wesentlichste Entwicklungsakteurin wahrgenommen wird.

Ob die unübersichtlichen SDGs eine vergleichbare Wirkmacht wie die vergleichsweise konkreten MDGs entfalten werden, bleibt abzuwarten, viele Fragen sind noch offen. Auf alle Fälle kann das nur gelingen, wenn ihre BefürworterInnen es bald schaffen, die „Geschichte der Entwicklung“ neu und überzeugend zu erzählen. Denn auch 15 Jahre können schnell vergehen.


Friedbert Ottacher arbeitet als Berater, Trainer und Autor zur EZA in Wien. Er verfügt über 15 Jahre Praxis als Programmreferent und betreute Projekte u.a. in Pakistan, Palästina, Albanien, Äthiopien, Südsudan, Simbabwe und Mosambik. Er lehrt an der TU Wien und ist gemeinsam mit Thomas Vogel Autor des vor kurzem erschienen Buches „Entwicklungszusammenarbeit im Umbruch: Bilanz-Kritik-Perspektiven“. In Interviews und Gastkommentaren beschäftigt er sich mit aktuellen Fragen und Trends der internationalen Zusammenarbeit.
www.ottacher.at

Transforming our world:
The 2030 Agenda for Sustainable Development
Deklaration, die voraussichtlich bei der UN-Generalversammlung am 25. September beschlossen wird.

SDGs zwischen Anspruch und Umsetzung
Hilde Wipfel hat das UN-Dokument durchgesehen und auf zwei Seiten kompakt ihre Analyse festgehalten.

Auf die Plätze, fertig …
Nora Holzmann hat im Südwind-Magazin die SDGs zum Anlass genommen, um bei österreichischen PolitikerInnen nachzufragen, was sie darüber denken und welche Standpunkte sie zu Entwicklungspolitik allgemein vertreten.

The Global Goals For Sustainable Development

How to communicate the sustainable development goals to the public. Überlegungen von Will Tucker im The Guardian.

 Video: The Worls Largest Lesson. Introduced by Malala Yousafzai

 

 




Entwicklungskonferenz: Reiche Staaten blockieren Reformen

Enttäuschung über die Ergebnisse der UN-Entwicklungsfinanzierungkonferenz in Addis Abeba: NGOs kritisieren die vage Haltung der reichen Länder, die sich im Abschlussdokument weder zu konkreten noch verbindlichen Finanzierungszusagen für nachhaltige Entwicklung und zur Bekämpfung des Klimawandels durchringen konnten.

Keinen Konsens gab es im Kampf gegen Steuerflucht. Die Länder des Südens konnten sich mit ihrer Forderung nach einer UN-Steuerbehörde und gleichberechtigter Teilhabe nicht durchsetzen. Auch in Bezug auf die die Einlösung der Zusage, 0,7% des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungszusammenarbeit aufzubringen, wurde kein verbindlicher Zeitplan beschlossen.

Link:
Globale Verantwortung: Presseaussendung




UN-Konferenz zur Finanzierung von Entwicklung

Von 13. bis 16. Juli wird in Addis Abeba die dritte internationale Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung abgehalten. Das Gipfeltreffen bildet den Auftakt zu einer Reihe von Großereignissen der Vereinten Nationen: Gemeinsam mit der UN-Generalversammlung im September 2015 in New York und dem Klimagipfel im Dezember in Paris ist sie maßgebend für die künftige Ausrichtung der Entwicklungspolitik.

www.un.org/esa/ffd/ffd3

Dabei haben die in Addis Abeba beschlossenen Maßnahmen zur Finanzierung der neuen Post-2015-Agenda entscheidenden Einfluss auf den Erfolg der beiden daran anschließenden UN-Gipfel. Im September 2015 wollen die Vereinten Nationen in New York die nachhaltigen Entwicklungsziele –die Sustainable Development Goals (SDGs) – als Nachfolge der Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) verabschieden. Auch für den im Dezember angesetzten Klimagipfel in Paris zur Verabschiedung des Kyoto-Nachfolgeabkommens sind die Resultate in Addis Abeba zentral.

Nachhaltige Entwicklung endet nicht an den nationalen Grenzen. Wenn in Addis Abeba über einen neuen globalen Rahmen der Entwicklungsfinanzierung diskutiert wird, sind alle Länder Teil der Lösung wie auch Teil des Problems. Im Besonderen sind aber auch die Industrieländer gefordert sich der globalen Verantwortung zu stellen und ihr Versprechen, 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für EZA auszugeben, endlich einzuhalten. Bisher haben sich nur fünf Staaten bemüht dieses Ziel zu erreichen: Luxemburg, Dänemark, Norwegen, Schweden und Großbritannien.

Links:
UN Conference Financing for Development
Sustainable Development
2015 Time for Global Action