Buchpräsentation und Talk mit Ishraga Mustafa Hamid: Die Donau kennt mich. Vom Sudan nach Wien. Mein Weg des Ungehorsams.

Vom Sudan nach Wien: Was bedeutet es, die eigene Heimat zu verlassen und sich dennoch nie zu verlieren? In „Die Donau kennt mich“ erzählt Ishraga Mustafa Hamid von ihrem Weg des Ungehorsams – von Entwurzelung und Widerstand, von Migration, Rassismus und der Frage, wie Identität gegen fremde Zuschreibungen behauptet wird.

Im Talk mit Michael Fanizadeh (VIDC) spricht sie auch über die aktuelle Lage im Sudan und verbindet ihre persönliche Geschichte mit der politischen Gegenwart ihres Heimatlandes. Eine poetisch-politische Abendveranstaltung über Standhaftigkeit, Erinnerung und die Kraft, dem eigenen Weg zu folgen.
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Donnerstag, 5. November, 19.00 – 21:00 Uhr
Hauptbücherei am Gürtel
Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien

Eine Kooperation mit Stadt Wien-Büchereien, dem Verein Mendy für Friedenskultur und Diversitätsmanagement und der Fachbuchhandlung AFRIEUROTEXT.

Sprache: Deutsch, Eintritt frei!

Anmeldung unter: Büchereien Wien




PA: Marokko: Whistleblower enthüllt Überwachungsnetzwerk gegen Journalist*innen und Aktivist*innen

Ein neuer Amnesty International-Bericht („We start with the verdict„) zeigt, dass die marokkanischen Behörden digitale und analoge Überwachung gezielt kombinieren, um Journalist*innen, Aktivist*innen und andere Kritiker*innen auszuspähen, einzuschüchtern und zu verfolgen – unter Verletzung ihres Rechts auf Privatsphäre sowie der Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit.

„Marokko hat techno-autoritäre Praktiken vollständig übernommen und eine breite Palette von Überwachungstechnologien erworben, um ein repressives System aufzubauen und zu ermöglichen, das speziell darauf ausgelegt ist, Menschenrechtsaktivist*innen sowie Journalist*innen Angst einzujagen, ihre Stimmen zum Schweigen zu bringen und ihre Arbeit innerhalb und außerhalb Marokkos zu behindern“, sagt Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International.  

Obwohl Marokko den Einsatz von Spyware stets bestritten hat, belegen Whistleblower-Aussagen, durchgesickerte Daten und Unternehmensmaterial das Gegenteil. Die Überwachungstools stammen von Firmen aus Israel, der EU und den USA – darunter der NSO Group, dem inzwischen aufgelösten italienischen Spyware-Unternehmen Hacking Team (jetzt Memento Labs) sowie dem britisch-deutschen Firmennetzwerk Gamma Group und FinFisher. Betroffene wurden mit verschiedenen Methoden angegriffen: Geräteinfektionen, 1-Klick- und Zero-Click-Angriffen sowie Network-Injection über das Netz von Maroc Telecom.

„Dieses repressive Ökosystem macht es für Menschen in Marokko schwierig und gefährlich, ihre Rechte auf Meinungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit und friedliche Versammlungsfreiheit auszuüben. Die marokkanischen Behörden müssen die rechtswidrige Überwachung von Menschenrechtsverteidiger*innen sowie von Journalist*innen unverzüglich beenden“, sagt Agnès Callamard weiter.

Der Bericht von Amnesty International benennt die Direction Générale de la Surveillance du Territoire (Inlandsgeheimdienst – DGST) als die für den Einsatz der Pegasus-Spyware in Marokko verantwortliche Stelle sowie die zwischen 2017 und 2021 ausgiebig dokumentierten Missbräuche von Pegasus gegen Aktivist*innen sowie Journalist*innen, trotz früherer Dementis der marokkanischen Behörden.

Ein Whistleblower im Zentrum des marokkanischen Überwachungssystems  
Ein ehemaliger Mitarbeiter des DGST, der unter dem Pseudonym Safir auftritt, gab Amnesty International in mehreren Interviews über Jahre hinweg Einblicke in die internen Abläufe. Amnesty konnte zentrale Aussagen anhand unabhängiger Quellen, technischer Beweise und Interviews mit Menschenrechtsverteidiger*innen bestätigen.

Safir beschrieb, wie Zielpersonen heimlich in Haft, Büros, Autos, Cafés und sogar Schlafzimmern gefilmt und abgehört wurden, wie Handyläden dazu gebracht wurden, bereits infizierte Telefone von DGST-Agenten zu verkaufen, und wie Nachbar*innen als Informant*innen rekrutiert wurden. Diese Taktiken betreffen nicht nur die gezielt angegriffenen Aktivist*innen, sondern erstrecken sich auch auf deren Familien, Freundeskreise und berufliche Netzwerke.  

„Die von ihnen eingesetzten Instrumente sind vielfältig, aber das Ziel ist klar: Personen, die sich in Marokko für die Menschenrechte einsetzen, zu erpressen, zu diskreditieren, in Verruf zu bringen und gegebenenfalls ungerechtfertigt inhaftieren zu lassen“, so Rebecca White, Forscherin im Security Lab von Amnesty International. „Letztendlich gibt es für Menschenrechtsverteidiger*innen in Marokko praktisch keinen Ort, an dem sie sich verstecken können, und keine Möglichkeit, dem allumfassenden Überwachungsnetz des Staates zu entkommen, das sogar über die Grenzen Marokkos hinausreicht.“

Safir zufolge wurden auch routinemäßig Personen überwacht, die über Marokkos Flughäfen reisten sowie ganze Internetcafés mit Spyware infiziert. Mithilfe von ferngesteuerter Spyware (RCS) konnten zudem Anrufe verfolgt werden, Nachrichten gelesen, auf Fotos zugegriffen und Audioaufnahmen gemacht werden. Neben der Telefonüberwachung brachten die Behörden heimlich Mikrofone und andere Aufnahmegeräte in privaten Räumen an, um Gespräche aufzuzeichnen.  

Konkrete Fälle  
Der Journalist Omar Radi etwa, der wegen seiner Berichterstattung über Korruption und Menschenrechtsverletzungen jahrelang Schikanen ausgesetzt war und später inhaftiert wurde, wurde über winzige Mikrofone in seinen Wohnungslampen abgehört. Er sagt: „Sobald ich in der Öffentlichkeit spreche, sobald ich einen Facebook-Beitrag schreibe, sobald ich etwas auf Instagram poste, nehmen sie jede meiner Bewegungen unter die Lupe, sie beleidigen mich. Sie sind keine Medien – sie sind Instrumente des Terrors.“ Der Verdacht, dass private und häusliche Räume ausspioniert werden, hat schwerwiegende psychologische Auswirkungen auf Menschenrechtsverteidiger*innen.    

Im Jahr 2021 wurde der langjährige Menschenrechtsaktivist Fouad Abdelmoumni heimlich mit seiner Verlobten gefilmt, das Video wurde über WhatsApp verbreitet: „Als ich die Videos von mir und meiner Partnerin im Bett sah, waren der Ort und der Aufnahmewinkel deutlich erkennbar. Es muss das Klimagerät gewesen sein. Ich ging nachsehen, fand aber nichts, also schloss ich daraus, dass sie es leicht installieren und wieder entfernen konnten. Die Qualität von Bild und Ton war trotz der Dunkelheit sehr gut, daher muss die Ausrüstung sehr ausgefeilt gewesen sein“, sagte er. Safir bestätigte die Aussage von Abdelmoumni und bezeichnete sie als „Lehrbuchbeispiel“ für eine Überwachungs- und Säuberungsaktion der DGST, die darauf ausgelegt war, keine Spuren zu hinterlassen.  

Einsatz von Pegasus seit 2017
Die DGST setzt Pegasus (NSO Group) laut Bericht seit September 2017 ein – bei Marokko intern unter dem Codenamen „Morgen“ geführt. Amnesty konnte 103 Telefonnummern potenzieller Ziele identifizieren, darunter 34 Menschenrechtsverteidiger*innen, 22 Journalist*innen, fünf Anwält*innen und vier Wissenschaftler*innen sowie 25 Politiker*innen/Amtsträger*innen und fünf Diplomat*innen oder Vertreter internationaler Organisationen. Zu den verbleibenden acht gehörten Geschäftsleute, religiöse Persönlichkeiten und andere Personen, deren Identität oder Einordnung unklar war.

„Diese Aufzeichnungen zeigen, dass die Telefonnummern prominenter Menschenrechtsverteidiger*innen und Journalist*innen zu den ersten gehörten, die in das Pegasus-System eingegeben wurden, was darauf hindeutet, dass dies der vorrangige Zweck war, für den die DGST das äußerst invasive Spionagesoftwaresystem erworben hatte“, sagt Donncha Ó Cearbhaill, Leiter des Security Lab von Amnesty International.

„Zusammengenommen liefern diese Erkenntnisse starke Beweise dafür, dass Marokko für eine umfangreiche grenzüberschreitende Pegasus-Überwachungskampagne gegen kritische Journalist*innen, Aktivist*innen, Anwält*innen und Politiker*innen verantwortlich war“, so Donncha Ó Cearbhaill weiter.

Vier Wochen vor der Veröffentlichung ihres Berichts wandte sich Amnesty International schriftlich an die marokkanischen Behörden, erhielt jedoch keine Antwort.

Forderungen
Marokkos Überwachungspraktiken und viele der dabei eingesetzten Instrumente verstoßen gegen internationale Menschenrechtsnormen und -standards. Marokko muss die Überwachung von Menschenrechtsverteidiger*innen und Journalist*innen, die ihre Menschenrechte rechtmäßig ausüben, unverzüglich einstellen. Die marokkanischen Justizbehörden müssen eine unabhängige und wirksame Untersuchung aller gemeldeten Fälle rechtswidriger Überwachung durch die DGST gewährleisten.

Staaten müssen zudem den Export von Spionagesoftware, digitalen forensischen Werkzeugen und anderen Technologien, die in die Privatsphäre eingreifen, nach Marokko einstellen, bis ein System von Menschenrechtsgarantien eingerichtet ist, das Menschenrechtsverletzungen in der Praxis verhindern kann.

Hintergrund
Die Recherche wurde im Rahmen einer von „Forbidden Stories“ koordinierten Zusammenarbeit mit 14 Medienorganisationen durchgeführt und baut auf der Arbeit des marokkanischen Investigativjournalisten Hicham Mansouri auf – der selbst Opfer des marokkanischen Überwachungsapparats ist und mittlerweile im Exil in Frankreich lebt.  

Im Jahr 2015 wurde er unter dem Vorwurf des „Ehebruchs“ und der „sexuellen Ausbeutung“ inhaftiert, nachdem ein Prozess gegen ihn stattgefunden hatte, der nicht den internationalen Standards entsprach. Er berichtete Amnesty International, wie Überwachung zu Selbstzensur führt.

Rückfragen
Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
presse@amnesty.at




PA: Fünf Jahre Taliban-Herrschaft: Amnesty International fordert Ende aller Abschiebungen nach Afghanistan

Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban ist die Menschenrechtslage in Afghanistan katastrophal. Systematische Entrechtung, insbesondere von Frauen und Mädchen, und eine der größten humanitären Krisen weltweit prägen die Situation. Ungeachtet dessen positioniert sich Österreich in der EU weiterhin als treibende Kraft für Abschiebungen nach Afghanistan. Amnesty International fordert die Bundesregierung auf, alle Abschiebungen sofort zu beenden und die Menschenrechtslage wieder in den Mittelpunkt ihrer Afghanistan-Politik zu stellen.

„Afghanistan ist nicht sicherer geworden. Die Taliban sind nicht moderater geworden. Die Menschenrechtsverletzungen sind nicht weniger geworden. Was sich verändert hat, ist Österreichs Haltung dazu. Die Bundesregierung nimmt heute Abschiebungen nach Afghanistan in Kauf, obwohl ihr genau bekannt ist, welche Gefahren den Menschen dort drohen“, sagt Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich.

„Österreich schiebt Menschen in ein Land ab, das selbst eine der größten humanitären Krisen der Welt bewältigen muss und in dem Frauen und Mädchen systematisch aus Bildung, Beruf und Öffentlichkeit verdrängt werden. Wir fordern die Bundesregierung auf, Abschiebungen nach Afghanistan sofort zu beenden und sich stattdessen für den Schutz der Menschenrechte und eine Verbesserung der humanitären Lage in Afghanistan einzusetzen.“

Fünf Jahre systematischer Entrechtung

Amnesty International dokumentiert unter den Taliban-de-facto-Behörden willkürliche Festnahmen, Folter, Verschwindenlassen und außergerichtliche Hinrichtungen. Betroffen sind vor allem ehemalige Staatsbedienstete, Journalist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen und Angehörige der früheren Sicherheitskräfte. Ethnische und religiöse Minderheiten, darunter Hazara und Schiit*innen, sind zusätzlich Diskriminierung, Vertreibung und Gewalt ausgesetzt.

Die Unterdrückung von Frauen und Mädchen wird laufend ausgeweitet. Afghanistan ist heute der einzige Staat weltweit, in dem Mädchen ab der 7. Schulstufe – und damit ab einem Alter von etwa zwölf Jahren – vom Unterricht ausgeschlossen sind. Frauen sind aus den meisten Berufen verdrängt und dürfen längere Strecken nur in Begleitung eines männlichen Verwandten zurücklegen. Das 2024 erlassene Gesetz zur „Förderung der Tugend und Verhütung des Lasters“ schreibt vor, wie Frauen sich kleiden, wohin sie gehen und wann sie sprechen dürfen.

Im Mai 2026 trat ein Gesetz in Kraft, das Kinderehen rechtlich verankert und Mädchen den Ausweg aus Zwangsehen nahezu unmöglich macht. Nach dem im Jänner 2026 in Kraft getretenen Strafgesetzbuch ist häusliche Gewalt erst strafbar, wenn sie sichtbare Wunden oder Knochenbrüche hinterlässt. Die Höchststrafe beträgt fünfzehn Tage Haft.

Der Internationale Strafgerichtshof erließ im Juli 2025 Haftbefehle gegen Taliban-Führer Hibatullah Akhundzada und den Obersten Richter Abdul Hakim Haqqani wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter geschlechtsspezifische Verfolgung.

Parallel dazu zählt Afghanistan zu den größten humanitären Krisen weltweit. Nach Angaben des Welternährungsprogramms sind 14 Millionen Menschen von akutem Hunger betroffen, das ist jede dritte Person im Land. Fast 22 Millionen Menschen sind in Afghanistan auf humanitäre Hilfe angewiesen. Seit Ende 2023 wurden knapp sechs Millionen Afghan*innen aus den Nachbarstaaten Iran und Pakistan zwangsweise ausgewiesen oder kehrten unter Druck zurück.

Österreich treibt Abschiebungen voran

Trotz dieser Lage intensivieren die EU und ihre Mitgliedstaaten die Zusammenarbeit mit den Taliban, um Abschiebungen zu erleichtern. Im Juni 2026 empfingen die Europäische Kommission und 15 Mitgliedstaaten erstmals offiziell eine Taliban-Delegation in Brüssel. Amnesty International hatte EU-Innenkommissar Magnus Brunner und die Innenminister*innen der Mitgliedstaaten zuvor eindringlich davor gewarnt, migrationspolitische Interessen über den Schutz von Menschenleben zu stellen.

Österreich gehört bei den völkerrechtswidrigen Abschiebungen nach Afghanistan zu den treibenden Kräften. Bereits im September 2025 und erneut Anfang 2026 fanden Gespräche zwischen dem Innenministerium und Taliban-Vertretern über Rückführungen statt. Im Oktober 2025 schob Österreich erstmals seit der Machtübernahme der Taliban wieder einen Menschen nach Afghanistan ab, weitere Abschiebungen folgten.

Im April 2026 schloss die österreichische Bundesregierung zudem ein Mobilitätsabkommen mit Usbekistan. Damit könnte Usbekistan künftig als Transitland für Rückführungen nach Afghanistan genutzt werden. Usbekistan hat die Genfer Flüchtlingskonvention nicht ratifiziert und verfügt über kein eigenes Asylsystem. Polen schob schon im April 2026 drei Afghanen über Usbekistan nach Kabul ab, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Abschiebung zuvor untersagt hatte.

Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention verbietet ausnahmslos, Menschen in Staaten abzuschieben, in denen ihnen Folter oder unmenschliche Behandlung droht. Dieses Verbot ist absolut und gilt unabhängig von Vorstrafen oder behaupteten Sicherheitsrisiken.

„Menschen in ein Land abzuschieben, in dem ihnen Verfolgung, Folter und im schlimmsten Fall der Tod drohen, ist mit Menschenrechten nicht vereinbar. Wer Afghanistan heute als sicheres Zielland für Abschiebungen darstellt, ignoriert fünf Jahre dokumentierter Menschenrechtsverletzungen. Die Bundesregierung gewinnt damit vielleicht innenpolitische Schlagzeilen. Für die Betroffenen hingegen steht ihr Leben auf dem Spiel“, so Hashemi.

Presseteam 
Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
+43 676 37 13 334
presse@amnesty.at




PA: Jugend Eine Welt vergisst nicht auf die notleidenden Menschen in Tigray

Lage in Krisenregion im Norden Äthiopiens durch mögliches Aufflammen des Bürgerkriegs zusätzlich verschärft | Heiserer: „Keiner in Österreich kann sich Leid in Tigray vorstellen.“

Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni macht die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt auf die weiterhin dramatische Lage in der nordäthiopischen Region Tigray aufmerksam. Dreieinhalb Jahre nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs leben noch immer Hunderttausende Binnenvertriebene in Flüchtlingslagern und Notunterkünften. Die angespannte Sicherheitslage verschärft die Situation zusätzlich. Aus Sorge vor einem Wiederaufflammen der Kämpfe hat die äthiopische Zentralregierung zuletzt die Schulen für vier Monate geschlossen. „Wir erleben in Tigray eine Krise, die international kaum noch Aufmerksamkeit erhält, obwohl die Not vieler Menschen immer größer wird. Deshalb verbinden wir seit Jahren akute Nothilfe mit langfristigen Maßnahmen, die den Menschen wieder Hoffnung und Zukunftsperspektiven geben sollen“ , erklärt Wolfgang Wedan, Globaler Nothilfekoordinator von Jugend Eine Welt.

    Erschütternde Eindrücke Gemeinsam mit Philippa Belcredi, Leiterin der Programmabteilung von Jugend Eine Welt , besuchte Wedan vor wenigen Wochen Projektstandorte und Flüchtlingslager in Tigray. Die Eindrücke seien erschütternd gewesen. „Rund 90 Prozent der öffentlichen Schulen, die wir besucht haben, sind nach wie vor von Binnenvertriebenen belegt. Man weiß schlicht nicht, wo die Menschen sonst untergebracht werden sollen. Gleichzeitig fehlen dadurch Lernorte für Kinder und Jugendliche, die ohnehin schon Jahre ihrer Schulbildung verloren haben“ , berichtet Wedan.

    Katastrophale Verhältnisse in Flüchtlingscamps Besonders prekär sind die Bedingungen in den Flüchtlingscamps. In der Stadt Adwa leben 40.000 Menschen auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik, die während des Krieges geplündert wurde. „Jede Familie verfügt dort nur über wenige Quadratmeter, die durch aufgehängte Decken oder Planen voneinander getrennt sind. Der Anblick ist bedrückend“ , schildert Belcredi. Hinzu kommen massive Versorgungsprobleme. „Es gibt viel zu wenig Nahrung. Erste Todesfälle aufgrund von Unterernährung wurden in den letzten Wochen gemeldet. Dazu kommt die extreme Wasserknappheit. Wasser muss mit einem Tankwagen zum Camp gebracht werden. Aufgrund des Treibstoffmangels in der Region – wenn überhaupt vorhanden, dann kostet ein Liter auf dem lokalen Markt mittlerweile EUR 4,50 – steht die Wasserversorgung praktisch still. Das betrifft nicht nur Trinkwasser, sondern auch das Wasser zum Kochen und Duschen. Demensprechend katastrophal sind die hygienischen Zustände. Die vorhandenen acht (!) Toiletten für 40.000 Geflüchtete funktionieren meist nicht. Für die Duschen gibt es kein Wasser. Mangels Alternativen versuchen sich die verzweifelten Menschen im Camp mit Asche zu reinigen“ , berichtet Belcredi. Fehlende Abfallentsorgung und mangelnde Beleuchtung führen zudem dazu, dass nachts immer wieder Hyänen in die Lager eindringen. In der Vergangenheit wurden dabei sogar Kinder angegriffen.

    Belasteter Bildungsalltag Neben den Folgen von Krieg und Vertreibung belastet vor allem der Mangel an Lernmaterialien den Bildungsalltag der Mädchen und Buben. Schulbücher, Hefte und Stifte sind vielerorts kaum vorhanden, da Familien ihr knappes Geld für Wasser und Lebensmittel benötigen. „Für viele Kinder sind ein Bleistift oder ein Schulheft keine Selbstverständlichkeit. Oft wird Wissen mündlich vermittelt, weil Bücher fehlen. Die Kinder können sich nichts aufschreiben und müssen darauf hoffen, sich alles zu merken“ , so Wedan.

    Bitte helfen Sie! Gemeinsam mit den Salesianern Don Boscos, langjährige Projektpartner in der Region, unterstützt Jugend Eine Welt deshalb neben der Nothilfe auch Bildungs- und Ausbildungsprogramme. In sogenannten „Child Friendly Spaces“ finden Kinder Schutz, psychosoziale Betreuung und die Möglichkeit zu lernen und zu spielen. Wenn ausreichend Lebensmittel vorhanden sind, erhalten sie dort auch Mahlzeiten, wie zum Beispiel frisch gebackenes Brot, um den Hunger zu stillen. „Die Situation bleibt äußerst herausfordernd und wird durch das mögliche Aufflammen des Bürgerkriegs noch verschärft. Die Menschen in Tigray brauchen nicht nur Hilfe zum Überleben, sondern auch Chancen für die Zukunft. Beides gehört untrennbar zusammen“ , appelliert Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt . „Bitte vergessen Sie nicht auf die notleidenden Menschen und helfen Sie mir Ihrer Spende. Keiner von uns hier in Österreich kann sich nur im Geringsten vorstellen, was für ein Leid in Tigray seit Jahren passiert.“

Rückfragehinweis:
Jugend Eine Welt | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Thomas Zach, MA
Telefon: +4366488632574
E-Mail: thomas.zach@jugendeinewelt.at
Website: https://www.jugendeinewelt.at




PA und Interviewmöglichkeit: Weltflüchtlingstag: Fehlende Hilfsgelder für Flüchtlingskrisen lassen Millionen Menschen ohne Nahrung, Wasser und Schutz zurück

CARE warnt: Flüchtlingshilfe in Krisenländern wie Sudan, Südsudan, Tschad, Niger, Äthiopien und der Zentralafrikanischen Republik nur bis zu 15 Prozent finanziert / CARE appelliert an die internationale Gemeinschaft, Mittel aufzustocken und Ursachen für Flucht stärker zu bekämpfen.

Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni warnt CARE Österreich vor einer folgenschweren Unterfinanzierung der internationalen Flüchtlingshilfe. Laut Daten der Vereinten Nationen wurden seit Jahresbeginn für die Unterstützung von Geflüchteten in Krisenländern wie Sudan, Südsudan, Tschad, Niger, Äthiopien und der Zentralafrikanischen Republik nur bis zu rund 15 Prozent der benötigten Mittel bereitgestellt (Stand: 16. Juni 2026). Millionen Menschen drohen dadurch gravierende Einschränkungen beim Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung und Schutz.

Ähnlich prekär ist die Finanzierung der regionalen Hilfspläne, die die Unterstützung von Geflüchteten über Ländergrenzen hinweg sicherstellen sollen. Für Menschen, die vor dem Krieg im Sudan in Nachbarländer geflohen sind, stehen derzeit nur rund 13 Prozent der benötigten Mittel zur Verfügung. Der regionale Hilfsplan für Geflüchtete aus Venezuela ist sogar nur zu etwa 10 Prozent finanziert.

„Flucht ist keine Wahl – für Millionen Menschen ist sie die letzte Möglichkeit zu überleben. Während Konflikte, Hunger und die Klimakrise immer mehr Menschen zur Flucht zwingen, geht die Hilfe für sie zurück. Diese Entwicklung ist alarmierend“, mahnt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Wenn die Finanzierung für Geflüchtete ausbleibt, bedeutet das weniger Nahrung, weniger medizinische Versorgung und weniger Schutz, insbesondere für Frauen und Kinder. Die internationale Gemeinschaft darf Menschen auf der Flucht nicht im Stich lassen. Humanitäre Hilfe muss ausreichend finanziert werden, unabhängig davon, woher Menschen kommen oder wohin sie fliehen. Gleichzeitig müssen die Ursachen von Flucht stärker bekämpft werden, etwa durch Konfliktprävention und Investitionen in Klimagerechtigkeit und Ernährungssicherheit.“

Vertreibungskrise Sudan: Ein Drittel der Bevölkerung auf der Flucht

Der seit 2023 andauernde Krieg im Sudan hat die derzeit größte Vertreibungskrise weltweit ausgelöst. Rund 11,5 Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes oder über die Grenzen hinweg vertrieben. Mehr als 4,5 Millionen Menschen sind in Nachbarländer wie den Tschad, Südsudan, Ägypten oder Libyen geflohen. Viele leben dort in überfüllten Aufnahmezentren, Flüchtlingscamps oder informellen Unterkünften, ohne ausreichende Versorgung mit Nahrung, Wasser und Medikamenten. Frauen und Kinder sind auf der Flucht einem hohen Risiko von Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt.

Welche Folgen die Finanzierungslücken vor Ort haben, schildert Sarah Easter, Nothilfereporterin von CARE Österreich. Sie war im März an der südsudanesischen Grenze zum Sudan: „Täglich fliehen Zehntausende Menschen über Sudans Grenzen. Ich habe überfüllte Transitzentren gesehen, Familien, die im Freien schlafen, Kinder, die wegen Hunger und Erschöpfung kaum noch gehen können, und Mütter, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder versorgen sollen. Gleichzeitig müssen Hilfsorganisationen Programme kürzen und schwierige Entscheidungen treffen, weil die Finanzierung fehlt. Die Folgen: geschlossene Gesundheitsstationen, fehlende Mahlzeiten, Geburten im Freien ohne medizinisches Personal. Humanitäre Hilfe rettet Leben. Dies ist nur möglich, wenn die internationale Gemeinschaft diese Hilfe auch finanziert.“

So hilft CARE: Mit Programmen in über 120 Ländern erreichte CARE im Jahr 2025 mehr als 58 Millionen Menschen – über die Hälfte davon Frauen und Mädchen. Im Sudan und den Nachbarregionen leistet CARE lebensrettende Soforthilfe mit Nahrung, Trinkwasser, Notunterkünften und medizinischer Versorgung. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen leistet CARE psychosoziale Unterstützung, sichert Lebensgrundlagen und stärkt die Resilienz der Gemeinschaften.

Quellen: UN OCHA Financial Tracking Service (Stand 16. Juni 2026) und UNHCR Refugee Funding Tracker (Stand 16. Juni 2026)

Interviewmöglichkeit:
Sarah Easter, Nothilfereporterin CARE Österreich, war kürzlich in der Grenzregion Südsudan/Sudan, um sich ein Bild von der Lage sudanesischer Geflüchteter zu machen. 
Sie steht für Interviews auf Deutsch und Englisch zur Verfügung. Bei Interesse, bitte melden:

Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at




PA: Hunger als Kriegswaffe: Bericht zeigt, wie Millionen Menschen im Sudan systematisch ausgehungert werden 

In Teilen des Landes wurde eine Hungersnot bestätigt / Ernährungsversorgung wird systematisch zerstört: Bäuerinnen und Bauern werden getötet, Felder zerstört, Märkte durch Angriffe lahmgelegt / CARE fordert ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und den Schutz der Zivilbevölkerung.

CARE-Krisenreporterin Sarah Easter war kürzlich im Südsudan, um sich ein Bild von der Lage sudanesischer Geflüchteter zu machen. Bei Interesse an einem Gespräch bitte melden, Kontakt siehe unten. 

Seit drei Jahren verwüstet ein Krieg den Sudan und hat eine beispiellose humanitäre Krise ausgelöst. Knapp ein Drittel der Bevölkerung ist vertrieben, mehr als 28 Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – über zehn Millionen davon leiden unter schwerem Hunger. In Teilen des Landes wurde bereits eine Hungersnot bestätigt, weitere Gebiete sind gefährdet. Der Bericht “What it Takes to Eat. Conflict and Sudan’s Fragile Food System” der Hilfsorganisationen CARE, Action Against Hunger, International Rescue Committee, Mercy Corps und Norwegian Refugee Council dokumentiert, wie die Ernährungsversorgung im Sudan systematisch zerstört wird. 

Wenn die Suche nach Essen zur Lebensgefahr wird 

In besonders stark vom Konflikt betroffenen Regionen wie Nord-Darfur und Südkordofan überleben Millionen Menschen von einer Mahlzeit pro Tag oder weniger. Anhaltende Angriffe, Vertreibung und zusammengebrochene Märkte zwingen Familien dazu, Mahlzeiten ganz auszulassen, Portionen zu verkleinern oder Blätter und Tierfutter zu essen. Immer mehr Gemeinschaftsküchen, bislang eine lebensrettende Versorgungsstruktur, müssen schließen, weil Finanzierung und Lebensmittelvorräte fehlen. 

Die Lage wird durch schwerwiegende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht verschärft, darunter der gezielte Einsatz von Hunger als Kriegswaffe sowie Angriffe auf Zivilpersonen und zivile Infrastruktur. Unerbittliche Gewalt, Vertreibung und Belagerungstaktiken haben das Ernährungssystem des Sudan systematisch zerschlagen: Bäuerinnen und Bauern wurden getötet, Felder zerstört, Märkte durch Angriffe, Schließungen und Ausbeutung lahmgelegt. 

Frauen und Mädchen besonders betroffen 

Weiblich geführte Familien sind dreimal häufiger von Hunger betroffen als männlich geführte – weniger als zwei Prozent von ihnen haben ausreichend zu essen. Zusätzlich sind Frauen und Mädchen einem erhöhten Risiko sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt, was ihren Zugang zu Nahrung und Grundversorgung weiter einschränkt. 

Humanitäre Hilfe dramatisch unterfinanziert 

Trotz des enormen Bedarfs bleibt die humanitäre Hilfe massiv unterfinanziert: 2025 erhielt die Ernährungshilfe der Vereinten Nationen für den Sudan weniger als die Hälfte der erforderlichen Mittel. Für die gesamte humanitäre Hilfe waren Ende 2025 nur 40 Prozent des Bedarfs gedeckt. 

CARE und die am Bericht beteiligten Organisationen fordern alle Konfliktparteien auf, unverzüglich die Kampfhandlungen einzustellen, das humanitäre Völkerrecht zu wahren, die Zivilbevölkerung zu schützen und humanitären Zugang zu garantieren. Ebenso dringend notwendig sind der Schutz des sudanesischen Ernährungssystems, die sichere Bewegung von Menschen und Gütern sowie die Unterstützung lokaler Märkte und der Nahrungsmittelproduktion. Ohne sofortige und nachhaltige internationale Intervention wird sich die Ernährungskrise im Sudan weiter verschärfen und Menschenleben kosten. 

Hintergrund: Der Bericht basiert auf der Analyse humanitärer Daten sowie Einzelinterviews und Fokusgruppendiskussionen mit vertriebenen Bäuerinnen und Bauern, Händlerinnen und Händlern, Gemeindemitgliedern und humanitären Akteuren in Nord-Darfur, Südkordofan, White Nile und Gedaref. 

Mag. Katharina Katzer
Communications Coordinator
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-44
Fax: +43 (1) 715 0 715-12
E-mail: katharina.katzer@care.at
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PA: Eskalation im Iran und Libanon

AG Globale Verantwortung appelliert an Regierung, Humanitäre Hilfe deutlich aufzustocken. Internationales Hilfssystem hält mit Krisen nicht Schritt: NGO-Dachverband fordert Aufstockung des Auslandskatastrophenfonds für Menschen in Not und umfassende Erhöhungen im nächsten Budget.

„Die Geschwindigkeit, das Ausmaß und die Gleichzeitigkeit der Eskalation im Iran und im Libanon sind in der jüngeren Vergangenheit der Region beispiellos. Ihre Bewohner*innen leben seit vielen Jahren in Unsicherheit und Gewalt. Die Frage nach dem Warum scheint zunehmend in den Hintergrund zu treten“, warnt Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung. In der Region droht ein Flächenbrand, die humanitäre Lage verschärft sich dramatisch. Millionen Menschen erleben Gewalt, ihre Versorgung ist durch die zerstörte Infrastruktur erschwert. Zuletzt berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk von über 3,2 Millionen Vertriebenen im Iran und von knapp einer Million Vertriebenen im Libanon. Unter ihnen sind auch zahlreiche Geflüchtete aus Afghanistan, Syrien und aus den palästinensischen Gebieten, die nun erneut um ihr Überleben und das ihrer Familien kämpfen müssen.

Wank verweist auf das seit Jahren strukturell unterfinanzierte internationale Hilfssystem, das mit den weltweiten Krisenherden immer weniger Schritt halten könne und an seine Grenzen stoße. „Es häufen sich die Fälle, in denen humanitäre Hilfsorganisationen nicht mehr imstande sind, Menschen rechtzeitig zu erreichen, zu versorgen und zu schützen. In dieser zugespitzten Weltlage braucht es Staaten, die sich zu internationalen Regeln bekennen und für die der Schutz von Zivilist*innen unverhandelbar ist.“

Österreichs internationale Stärken gefragt, aber Kapazitäten, um auf zugespitzte Weltlage zu reagieren, reichen nicht mehr aus

Der Geschäftsführer des humanitären und entwicklungspolitischen Dachverbands in Österreich schildert, dass ein Land wie Österreich hierbei eine wichtige Rolle einnehmen könne: „Unsere Stärke liegt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit, Vertrauen und Dialogbereitschaft. Dazu gehört auch, in Krisenzeiten verlässlich an der Seite von benachteiligten und gefährdeten Menschen zu stehen. Mit dem Auslandskatastrophenfonds und den erfahrenen österreichischen Hilfsorganisationen kann unser Land diese Menschen wirksam unterstützen. Jedoch: Die derzeit vorgesehenen Mittel reichen bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen humanitären Bedarfen gerecht zu werden. Wir appellieren daher an Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Finanzminister Markus Marterbauer, den Auslandskatastrophenfonds rasch deutlich zu erhöhen.“

Abschließend betont Wank: „Das derzeitige Weltgeschehen ist ein schriller Weckruf! Wenn die Bundesregierung an einer friedlicheren, gerechten und stabileren Welt mitwirken und auch die Sicherheit und das Wohlergehen der österreichischen Bevölkerung gewährleisten will, dann muss sie die Humanitäre Hilfe und die langfristig wirkende internationale Entwicklung in ihrem nächsten Budget substanziell stärken.“

Rückfragen:
Hannah Hauptmann
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
hannah.hauptmann@globaleverantwortung.at
presse@globaleverantwortung.at
Tel.: +43 1/522 44 22 – 15




PA: Krieg im Nahen Osten: 1,6 Millionen schwangere Frauen in Not

Eskalierende Gewalt, Vertreibung und der Zusammenbruch medizinischer Versorgung: CARE warnt vor massiven Gesundheitsrisiken für 161 Millionen Frauen und Mädchen in der Konfliktregion – schwangere Frauen sind gezwungen, teils unter unmenschlichen Bedingungen zu gebären.

Der humanitäre Bedarf im Nahen Osten wächst täglich. In der gesamten Region leben mehr als 161 Millionen Frauen und Mädchen, die nun der Gefahr von Gewalt, Ausbeutung, Missbrauch und Menschenhandel ausgesetzt sind, warnt die Hilfsorganisation CARE. Laut den Vereinten Nationen befinden sich allein im Irak, Libanon, in Jordanien, in den palästinensischen Autonomiegebieten und Syrien – den Ländern, in denen CARE tätig ist – mehr als 1,6 Millionen schwangere Frauen in unmittelbarer Gefahr. „Vertriebene Frauen bringen in Schulen, Autos und überfüllten Notunterkünften Kinder zur Welt – ohne Privatsphäre, ohne sauberes Wasser und ohne medizinische Betreuung. Diese Bedingungen gefährden nicht nur Leben, sie nehmen den Frauen auch ihre Würde“, sagt CARE-Helferin Nour Beydoun.

Libanon: Geburten unter unmenschlichen Bedingungen

Mehr als 69.900 Frauen sind im Libanon schwanger, während Vertreibung und Bombardierungen zunehmen. Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist schwer eingeschränkt: Straßen sind unsicher, Transporte unterbrochen und Gesundheitseinrichtungen leiden unter Treibstoff- und Medikamentenmangel.

„Ich habe eine Frau gesehen, die gerade per Kaiserschnitt entbunden hatte und mit ihrem vier Tage alten Baby auf dem Bürgersteig lag. Sie sagte uns, dass sie noch immer Schmerzen hat und ihre Operationswunden nicht richtig versorgen kann. Eine Mutter zu sehen, die versucht, ihr Neugeborenes zu schützen, während sie auf der Straße lebt, ist herzzerreißend“, berichtet Nour Kassab, Nothelferin bei CARE Libanon.

Michael Adams, CARE-Länderdirektor im Libanon, ergänzt: „Die Bombardierungen finden täglich, stündlich, statt. Jede Explosion verstärkt die Angst und Erschöpfung der Menschen. Der Bedarf an psychosozialer Unterstützung, Nahrungsmitteln, Wasser und Unterkünften ist hoch.“ CARE und lokale Partnerorganisationen weiten derzeit ihre Nothilfe aus und unterstützen Familien mit Wasser, Mahlzeiten, Hygieneartikeln und Schutzmaßnahmen in Notunterkünften.

Krise betrifft gesamte Region

In vielen der am stärksten betroffenen Ländern hat die Bevölkerung jahrelange Konflikte, Gewalt und Wirtschaftskrisen durchlebt. Nun kommen erneut Vertreibung und humanitäre Not hinzu. Zehntausende Menschen haben zuletzt die Grenze von Libanon nach Syrien überquert. In den palästinensischen Autonomiegebieten ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Treibstoff und Medikamenten weiterhin drastisch eingeschränkt. In Jordanien wurden durch Raketentrümmer Zivilpersonen verletzt und Häuser beschädigt. Im Irak beeinträchtigen Drohnen- und Raketenangriffe die Infrastruktur. Behörden und humanitäre Organisationen in der Türkei und weiteren Ländern bereiten sich auf die Ankunft von Geflüchteten vor.

CARE fordert, dass alle diplomatischen Mittel eingesetzt werden: Für eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, einen Waffenstillstand und eine Konfliktlösung unter Beteiligung von Frauen. Niemand darf daran gehindert werden, Schutz zu suchen – auch nicht über Grenzen hinweg. Zivilpersonen, zivile Infrastruktur sowie humanitäre Helferinnen und Helfer müssen geschützt werden. Ein vollständiger und ungehinderter humanitärer Zugang muss gewährleistet sein.

Hintergrund für Redaktionen: Die Schätzungen basieren auf Bevölkerungsdaten der United Nations World Population Prospects. CARE hat die Zahl der schwangeren Frauen in den betroffenen Ländern anhand standardisierter demografischer Schätzwerte zu Schwangerschaftsraten berechnet.

Rückfragen
Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich

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PA: Afghanistan: Rückkehr von Geflüchteten aus dem Iran verschärfen humanitäre Lage für Kinder

Dies ist eine Zusammenfassung dessen, was der UNICEF-Vertreter in Afghanistan, Dr. Tajudeen Oyewale, bei der heutigen Pressekonferenz im Palais des Nations in Genf gesagt hat.

Islam Qala/Genf/Wien – „Die Auswirkungen der eskalierenden Konflikte im Nahen Osten schaffen unmittelbare Risiken für Kinder über Grenzen hinweg. Derzeit kommen in Afghanistan Familien über den Grenzübergang Islam Qala und andere Übergänge aus dem Iran an. Viele von ihnen sind nach einer unerwarteten Reise erschöpft und verunsichert und wissen nicht, was sie erwartet, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren. Für UNICEF steht eine zentrale Frage im Mittelpunkt: was dies für Kinder bedeutet.

Wir sehen bereits jetzt zu viele Mütter, die mit ihren Kindern in den Aufnahmezentren ankommen – erschöpft, überfordert und dringend auf sofortige Unterstützung angewiesen. Wenn die Ankünfte wie erwartet zunehmen, werden auch die Risiken für Kinder steigen.

Das Muster ist nicht neu, und die Ursache ist oft dieselbe: Gewalt und Angst. Allein im Jahr 2025 kehrten fast drei Millionen Afghaninnen und Afghanen aus Nachbarländern nach Afghanistan zurück, vor allem aus dem Iran und aus Pakistan, und rund 60 Prozent davon waren Familien mit Kindern.

Heute habe ich direkt mit Menschen gesprochen, die über die Grenze gekommen sind. Sie berichteten von nahezu unmöglichen Reisen, geprägt von Unsicherheit darüber, was vor ihnen liegt. Viele benötigen dringend medizinische Hilfe und wirken sichtlich orientierungslos, während sie nach grundlegenden Informationen darüber suchen, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll.

Ich kann das nicht genug betonen: Kinder benötigen besondere Aufmerksamkeit, insbesondere jene, die ohne Begleitung sind. Ihr Wohl muss oberste Priorität haben, und es muss angemessene Unterstützung bereitgestellt werden – einschließlich Maßnahmen zur Suche nach Angehörigen und zur Familienzusammenführung, wo dies erforderlich ist. Andernfalls sind sie ernsthaften Schutzrisiken ausgesetzt, darunter Entführung und Gewalt.

Auf dem Höhepunkt der Rückkehrbewegungen im vergangenen Jahr unterstützte UNICEF mehr als 8.000 unbegleitete und von ihren Familien getrennte Kinder aus dem Iran und aus Pakistan.

Gemeinsam mit UNHCR und humanitären Partnern arbeiten wir daran sicherzustellen, dass grundlegende Dienstleistungen für Kinder und Familien aufrechterhalten werden können und bei Bedarf rasch ausgeweitet werden. Dazu gehören Vorbereitungen für Ernährungsuntersuchungen, sicheres Wasser, Impfungen, medizinische Grundversorgung sowie Kinderschutzdienste an Grenzübergängen, in Aufnahmezentren und in den Rückkehrgebieten.

Doch die Herausforderung endet nicht an der Grenze. Familien, die über Islam Qala zurückkehren, ziehen weiter in Gemeinden, in denen grundlegende Dienstleistungen bereits stark belastet sind. Jede deutliche Zunahme der Rückkehrbewegungen würde zusätzlichen Druck auf Gesundheits-, Ernährungs-, Wasser- und Kinderschutzdienste ausüben, auf die Kinder und Familien angewiesen sind.

Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem Afghanistan bereits mit mehreren, sich überlagernden Krisen konfrontiert ist, 11 Millionen Kinder benötigen humanitäre Unterstützung. Für Familien, die mit sehr begrenzten Mitteln zurückkehren, können Vertreibung und Unsicherheit das Risiko von Mangelernährung und Krankheiten rasch erhöhen, insbesondere für kleine Kinder sowie für schwangere und stillende Frauen.

Gleichzeitig führt die geopolitische Lage zu erheblichen Störungen der Lieferketten. Das bedeutet, dass die Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen durch Verzögerungen beeinträchtigt wird, zum Beispiel erhalten mangelernährte Kinder lebensrettende therapeutische Nahrung nicht rechtzeitig.

Parallel dazu verschärft die Situation entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze den bereits bestehenden humanitären Druck. In den betroffenen Provinzen sind fast 164.000 Menschen innerhalb des Landes vertrieben, darunter 30.000 Überlebende der Erdbeben des vergangenen Jahres, die nun zum zweiten Mal vertrieben wurden. Störungen in den Grenzregionen belasten ohnehin fragile Systeme zusätzlich und erschweren das operative Umfeld zu einem Zeitpunkt steigender Bedürfnisse.

Frühzeitiges Handeln wird entscheidend sein, um sicherzustellen, dass Kinder und Familien – sollte die Zahl der Rückkehrenden steigen, rechtzeitig Unterstützung und grundlegende Dienstleistungen erhalten können.

Der Humanitäre Reaktionsplan für Afghanistan ist unterfinanziert (der HRP ist derzeit nur zu 10 % finanziert und der HAC zu 42 %). Für die unmittelbare Reaktion rufen wir alle Partner – den privaten Sektor, Geber und Freundinnen und Freunde der Kinder – dazu auf, uns beim dringenden Lufttransport kritischer Hilfsgüter für Ernährung, Gesundheit sowie Wasser-, Sanitär- und Hygienebedarf für Kinder und ihre Familien zu unterstützen.

Unsere Botschaft ist einfach: Kinder müssen in jeder Phase geschützt und unterstützt werden – besonders dann, wenn sie uns am dringendsten brauchen. Gemeinsam mit unseren Partnern steht UNICEF bereit, Kinder und Familien zu unterstützen und die Hilfe bei Bedarf auszuweiten. Vielen Dank.“

Weitere Informationen zur Lage der Kinder in den vom Konflikt betroffenen Länder finden Sie immer unter https://unicef.at

Rückfragen:
UNICEF Österreich
Michael Blauensteiner
Telefon: +43 660 38 48 821
E-Mail: blauensteiner@unicef.at
Website: https://unicef.at




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