PA: Afghanistan: 21,9 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe – Mittelkürzungen treffen Mütter und Kinder am härtesten
Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban verschärft sich die humanitäre Krise. CARE warnt: Ohne langfristige internationale Unterstützung drohen Millionen Menschen, insbesondere Frauen und Mädchen, den Zugang zu lebenswichtiger Hilfe zu verlieren.
Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban steckt Afghanistan weiterhin in einer der größten humanitären Krisen weltweit. 21,9 Millionen Menschen – fast die Hälfte der Bevölkerung – benötigen humanitäre Hilfe. Fast 3,7 Millionen Kinder unter fünf Jahren sowie 1,2 Millionen schwangere und stillende Frauen leiden an akuter Mangelernährung. Gleichzeitig verschärfen Klimaschocks, Naturkatastrophen, wirtschaftliche Not, Binnenvertreibung und die große Zahl afghanischer Rückkehrer:innen aus dem Ausland den Druck auf ohnehin stark belastete Gemeinschaften.
Während der humanitäre Bedarf steigt, geht die internationale Finanzierung zurück, warnt die Hilfsorganisation CARE: Der Hilfsplan der Vereinten Nationen für Afghanistan ist 2026 bislang nur zu rund einem Viertel finanziert. Die Folgen sind bereits spürbar: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mussten seit Jänner rund 150 Gesundheitseinrichtungen ihren Betrieb einstellen. Auch CARE musste in diesem Jahr 30 Kliniken schließen.
„Nothilfe bleibt unverzichtbar, sie allein reicht aber nicht aus“, sagt Mohammad Akmal Shareef, CARE-Länderdirektor in Afghanistan. „Die Menschen brauchen Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung, sichere Lebensgrundlagen und die Chance, sich eine Zukunft aufzubauen. Dafür braucht es langfristige internationale Unterstützung und starke lokale Organisationen – insbesondere für Frauen, Mädchen und junge Menschen.“
Höchste Müttersterblichkeitsrate in Asien
Die Einschränkung afghanischer Frauen und Mädchen bei Bildung, Arbeit, Bewegungsfreiheit, Gesundheitsversorgung und gesellschaftlicher Teilhabe begrenzt ihre Rechte und Zukunftschancen massiv. Mehr als zehn Millionen Frauen und Mädchen benötigen humanitäre Hilfe. Gleichzeitig wird es ohne ausgebildete Ärztinnen, Lehrerinnen, Pflegekräfte und humanitäre Helferinnen zunehmend schwieriger, Frauen und Mädchen zu unterstützen. Gerade für schwangere Frauen kann fehlende medizinische Versorgung lebensbedrohlich sein. Mit 638 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten weist Afghanistan die höchste Müttersterblichkeitsrate in Asien auf.
Langfristige internationale Unterstützung notwendig
CARE fordert die internationale Unterstützung für Afghanistan nicht weiter zurückzufahren, sondern langfristig abzusichern. „Die derzeit vergleichsweise stabile Sicherheitslage bietet die Chance, neben der dringend notwendigen Nothilfe stärker in Gesundheitsversorgung, Bildung, Existenzsicherung und die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften zu investieren“, so Shareef.
So hilft CARE: CARE arbeitet seit 1961 in Afghanistan. Im Jahr 2025 erreichte die Organisation rund 1,2 Millionen Menschen, 67 Prozent davon waren Frauen und Mädchen. Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützt CARE derzeit 32 Gesundheitseinrichtungen in den Provinzen Balkh, Paktya, Khost, Ghazni und Herat. Die Einrichtungen bieten medizinische Grundversorgung, Gesundheitsversorgung für Mütter und Neugeborene, Ernährungsangebote sowie psychische und psychosoziale Unterstützung. Darüber hinaus arbeitet CARE in den Bereichen Ernährungssicherheit, Existenzsicherung und Bildung. Gemeinsam mit afghanischen zivilgesellschaftlichen Organisationen setzt sich CARE dafür ein, dass Frauen und Mädchen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und anderen essenziellen Dienstleistungen erhalten und sich sicher und wirksam an der humanitären Hilfe beteiligen können.
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