PA: Brasilien: Gewaltbericht zur Situation indigener Völker alarmiert

Gewalt, Landkonflikte und die Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen bedrohen indigene Gemeinschaften in Brasilien. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht von CIMI, langjährige brasilianische Partnerorganisation der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar. 

258 Indigene wurden allein im Jahr 2025 ermordet. Die Landrechte vieler indigener Gemeinschaften bleiben ungesichert. Besonders dramatisch ist die Situation von Kindern: 1.024 indigene Kinder bis vier Jahre starben 2025.

Eine Kurzfassung des Berichts ist auch auf Deutsch verfügbar.

Gewalt und Angriffe auf indigene Landrechte

Zahlreiche indigene Territorien warten noch immer auf ihre vollständige staatliche Anerkennung und Abgrenzung. Bei fast zwei Dritteln (897) der 1.443 bestehenden oder beanspruchten indigenen Territorien steht die vollständige staatliche Regulierung aus. In 582 Fällen, also bei rund 40 Prozent aller Territorien, wurde das Verfahren zur offiziellen Abgrenzung und Anerkennung noch nicht einmal begonnen. 

Gleichzeitig dringen Goldsucher*innen, Holzfäller*innen und andere Akteur*innen in indigene Gebiete ein und beuten natürliche Ressourcen aus. Selbst aus bereits anerkannten Territorien können Eindringlinge oft nicht dauerhaft ferngehalten werden. CIMI kritisiert deshalb den mangelnden dauerhaften Schutz indigener Gebiete. 

Gewalt gegen Menschen

Angriffe und Gewalttaten gegen Indigene haben im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. 258 Indigene wurden 2025 ermordet, deutlich mehr als im Jahr davor. Die Gewalt gegen Indigene ist eng mit den Konflikten um ihre Landrechte verbunden. Insgesamt dokumentiert CIMI 474 Fälle von Gewalt gegen Personen. Dazu zählen neben Morden unter anderem Mordversuche, Körperverletzungen, sexuelle Gewalt, Drohungen und rassistische Übergriffe.

Kinder sind besonders betroffen

Die Situation von Kindern ist besonders dramatisch. 1.024 indigene Säuglinge und Kleinkinder bis vier Jahre starben im Jahr 2025.Zu den Ursachen zählen unter anderem Atemwegs- und Darmerkrankungen sowie Mangelernährung. Mehr als die Hälfte dieser Todesfälle wäre laut CIMI vermeidbar gewesen.

Gewalt durch Untätigkeit staatlicher Stellen

Der Bericht beschreibt zudem Lücken bei Gesundheitsversorgung, Bildung und staatlicher Unterstützung. In vielen indigenen Gebieten fehlt es an sauberem Trinkwasser, medizinischer Versorgung oder ausreichender schulischer Infrastruktur. Auch die Verschmutzung von Flüssen durch Pestizide oder Quecksilber aus illegalem Goldabbau gefährdet die Gesundheit ganzer Gemeinschaften. Mangelnde Ressourcen auf Verwaltungs- und Behördenebene sind eine Form der Gewalt durch Untätigkeit staatlicher Stellen. 215 Suizide Indigener sind im vergangenen Jahr dokumentiert, besonders häufig betroffen waren Jugendliche und jungen Erwachsene. 

Landrechte sind Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben

Für indigene Gemeinschaften sind gesicherte Landrechte eine zentrale Voraussetzung, um ihre Lebensweise, ihre Kultur und ihre natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. CIMI begleitet indigene Völker deshalb bei ihrem Einsatz für die Anerkennung und den Schutz ihrer Territorien.

Die Organisation unterstützt indigene Gemeinschaften dabei, ihre Rechte zu kennen und selbst einzufordern, sich zu organisieren und miteinander zu vernetzen. Mitarbeiter*innen begleiten etwa bei Behördenwegen und öffentlichen Aktionen. Darüber hinaus unterstützt CIMI zweisprachige Bildungsangebote, die indigene Sprachen und Kulturen stärken.

Die Dreikönigsaktion unterstützt CIMI seit vielen Jahren. Der aktuelle Bericht zeigt, wie notwendig diese Arbeit weiterhin ist. Trotz einzelner Fortschritte sind indigene Gemeinschaften noch immer Gewalt, Vertreibung und wirtschaftlichem Druck ausgesetzt. Ihr Einsatz für ihre Rechte und den Schutz ihrer Territorien braucht deshalb weiterhin solidarische Unterstützung.

Bericht und weitere Infos 

Die vierseitige deutsche Kurzfassung „Gewalt gegen die Indigenen Völker Brasiliens – Daten von 2025“ gibt einen kompakten Überblick über die aktuelle Situation: Download der deutschen Kurzfassung

Gesamter Bericht (portugiesisch)https://cimi.org.br/2026/08/relatorioviolencia2025/

Informationen zu CIMI:
https://www.dka.at/sternsingen/projekte2021-1

Rückfragen
Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar
Elisabeth Holzner
Telefon: 0676 88011 1000
E-Mail: elisabeth.holzner@dka.at