PA: Hunger als Kriegswaffe: Bericht zeigt, wie Millionen Menschen im Sudan systematisch ausgehungert werden 

In Teilen des Landes wurde eine Hungersnot bestätigt / Ernährungsversorgung wird systematisch zerstört: Bäuerinnen und Bauern werden getötet, Felder zerstört, Märkte durch Angriffe lahmgelegt / CARE fordert ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und den Schutz der Zivilbevölkerung.

CARE-Krisenreporterin Sarah Easter war kürzlich im Südsudan, um sich ein Bild von der Lage sudanesischer Geflüchteter zu machen. Bei Interesse an einem Gespräch bitte melden, Kontakt siehe unten. 

Seit drei Jahren verwüstet ein Krieg den Sudan und hat eine beispiellose humanitäre Krise ausgelöst. Knapp ein Drittel der Bevölkerung ist vertrieben, mehr als 28 Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – über zehn Millionen davon leiden unter schwerem Hunger. In Teilen des Landes wurde bereits eine Hungersnot bestätigt, weitere Gebiete sind gefährdet. Der Bericht What it Takes to Eat. Conflict and Sudan’s Fragile Food System” der Hilfsorganisationen CARE, Action Against Hunger, International Rescue Committee, Mercy Corps und Norwegian Refugee Council dokumentiert, wie die Ernährungsversorgung im Sudan systematisch zerstört wird. 

Wenn die Suche nach Essen zur Lebensgefahr wird 

In besonders stark vom Konflikt betroffenen Regionen wie Nord-Darfur und Südkordofan überleben Millionen Menschen von einer Mahlzeit pro Tag oder weniger. Anhaltende Angriffe, Vertreibung und zusammengebrochene Märkte zwingen Familien dazu, Mahlzeiten ganz auszulassen, Portionen zu verkleinern oder Blätter und Tierfutter zu essen. Immer mehr Gemeinschaftsküchen, bislang eine lebensrettende Versorgungsstruktur, müssen schließen, weil Finanzierung und Lebensmittelvorräte fehlen. 

Die Lage wird durch schwerwiegende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht verschärft, darunter der gezielte Einsatz von Hunger als Kriegswaffe sowie Angriffe auf Zivilpersonen und zivile Infrastruktur. Unerbittliche Gewalt, Vertreibung und Belagerungstaktiken haben das Ernährungssystem des Sudan systematisch zerschlagen: Bäuerinnen und Bauern wurden getötet, Felder zerstört, Märkte durch Angriffe, Schließungen und Ausbeutung lahmgelegt. 

Frauen und Mädchen besonders betroffen 

Weiblich geführte Familien sind dreimal häufiger von Hunger betroffen als männlich geführte – weniger als zwei Prozent von ihnen haben ausreichend zu essen. Zusätzlich sind Frauen und Mädchen einem erhöhten Risiko sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt, was ihren Zugang zu Nahrung und Grundversorgung weiter einschränkt. 

Humanitäre Hilfe dramatisch unterfinanziert 

Trotz des enormen Bedarfs bleibt die humanitäre Hilfe massiv unterfinanziert: 2025 erhielt die Ernährungshilfe der Vereinten Nationen für den Sudan weniger als die Hälfte der erforderlichen Mittel. Für die gesamte humanitäre Hilfe waren Ende 2025 nur 40 Prozent des Bedarfs gedeckt. 

CARE und die am Bericht beteiligten Organisationen fordern alle Konfliktparteien auf, unverzüglich die Kampfhandlungen einzustellen, das humanitäre Völkerrecht zu wahren, die Zivilbevölkerung zu schützen und humanitären Zugang zu garantieren. Ebenso dringend notwendig sind der Schutz des sudanesischen Ernährungssystems, die sichere Bewegung von Menschen und Gütern sowie die Unterstützung lokaler Märkte und der Nahrungsmittelproduktion. Ohne sofortige und nachhaltige internationale Intervention wird sich die Ernährungskrise im Sudan weiter verschärfen und Menschenleben kosten. 

Hintergrund: Der Bericht basiert auf der Analyse humanitärer Daten sowie Einzelinterviews und Fokusgruppendiskussionen mit vertriebenen Bäuerinnen und Bauern, Händlerinnen und Händlern, Gemeindemitgliedern und humanitären Akteuren in Nord-Darfur, Südkordofan, White Nile und Gedaref. 

Mag. Katharina Katzer
Communications Coordinator
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-44
Fax: +43 (1) 715 0 715-12
E-mail: katharina.katzer@care.at
Internet: www.care.at