PA: Iran: Vier Dissidenten innerhalb von 24 Stunden im Geheimen hingerichtet – sieben weitere Personen akut gefährdet
Innerhalb von weniger als 24 Stunden haben die iranischen Behörden vier Männer im Geheimen hingerichtet. Mindestens sieben weitere Protestierende und Dissidenten befinden sich in akuter Gefahr, ebenfalls hingerichtet zu werden. Amnesty International fordert einen sofortigen Stopp aller geplanten Exekutionen.
Es ist ungeheuerlich, dass die Behörden der Islamischen Republik Iran die Todesstrafe weiterhin als Waffe einsetzen, um abweichende Stimmen auszulöschen und die Bevölkerung weiter einzuschüchtern, während diese ohnehin unter dem Schock des Konflikts und der Trauer angesichts der anhaltenden Luftangriffe Israels und der USA leidet“, erklärte Diana Eltahawy, stellvertretende Regionaldirektorin von Amnesty International für den Nahen Osten und Nordafrika.
„Die iranischen Behörden müssen alle Pläne zur Hinrichtung der Dissidenten Vahid Bani Amerian und Abolhassan Montazer sowie der Protestierenden Mohammad Amin Biglari, Ali Fahim, Abolfazl Salehi Siavashani, Amirhossein Hatami und Shahin Vahedparast Kolo, die im Ghezel-Hesar-Gefängnis in der Provinz Alborz inhaftiert sind, sofort stoppen.“
Vier Männer ohne Vorwarnung hingerichtet
Am 30. März 2026 wurden Akbar (Shahrokh) Daneshvarkar und Mohammad Taghavi Sangdehi im Geheimen hingerichtet, am 31. März folgten die Hinrichtungen von Babak Alipour und Pouya Ghobadi.
Weder die Männer selbst noch ihre Familien oder ihre Anwält*innen wurden vorab über die bevorstehenden Hinrichtungen informiert. Ihnen wurde die Möglichkeit zur Verabschiedung verweigert. Bislang wurden den Familien die sterblichen Überreste von mindestens drei der Hingerichteten nicht übergeben.
Alle vier wurden nach einem Verfahren vor einem Revolutionsgericht in Teheran im Oktober 2024 wegen „bewaffneten Aufstands gegen den Staat“ (baghi) zum Tode verurteilt, aufgrund angeblicher Verbindungen zur verbotenen Oppositionsgruppe Volksmodjahedin (PMOI). Die Männer wiesen alle Vorwürfe wiederholt zurück.
Sieben weitere Männer in unmittelbarer Gefahr
Zwei weitere Männer– Vahid Bani Amerian und Abolhassan Montazer – wurden in demselben Verfahren nach einem schwer rechtswidrigen, auf Folter basierenden Prozess verurteilt. Sie wurden am 30. März ebenfalls an einen unbekannten Ort verlegt. Seitdem verweigern die Behörden ihren Familien und Anwält*innen jede Auskunft über ihren Verbleib.
Am Morgen des 1. April wurden zudem fünf junge Protestierende – Mohammad Amin Biglari, Ali Fahim, Abolfazl Salehi Siavashani, Amirhossein Hatami und Shahin Vahedparast Kolo – aus dem Ghezel-Hesar-Gefängnis in der Provinz Alborz an einen unbekannten Ort verlegt. Sie wurden im Rahmen eines gesonderten Verfahrens im Zusammenhang mit den Protesten vom Jänner 2026 wegen „Feindschaft gegenüber Gott“ (moharebeh) zum Tode verurteilt.
Folter und rechtswidrige Verfahren
Alle elf Männer gaben an, in Haft gefoltert und misshandelt worden zu sein, unter anderem durch Schläge, Auspeitschungen, langanhaltende Einzelhaft und Todesdrohungen mit vorgehaltener Waffe. Die Verurteilungen stützten sich auf erzwungene „Geständnisse“ unter Folter. Die grob rechtswidrigen Verfahren dauerten jeweils nur wenige Stunden.
Amnesty International fordert sofortiges Handeln
„Die Todesstrafe verletzt das Recht auf Leben und ist die schlimmste Form grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Bestrafung. Todesurteile, die nach schwerwiegenden Verletzungen des Rechts auf ein faires Verfahren vollstreckt werden, sind willkürliche Hinrichtungen. Alle Staaten sind dringend aufgefordert, die iranischen Behörden aufzufordern, alle Hinrichtungen sofort zu stoppen und ein Moratorium für alle Hinrichtungen zu verhängen, mit dem Ziel, die Todesstrafe abzuschaffen“, sagte Diana Eltahawy.
Die jüngsten Hinrichtungen reihen sich in eine seit dem Aufstand der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ 2022 andauernde Hinrichtungswelle ein, die sich nach dem zwölftägigen Krieg im Jahr 2025 weiter beschleunigt hat und ein Ausmaß erreicht, das seit über vier Jahrzehnten nicht mehr verzeichnet wurde.
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