PA: Österreichische Liga für Menschenrechte feiert 100-jähriges Bestehen
16. 03.2026. In einem Festakt an der Universität Wien wird heute der Gründung der Österreichischen Liga für Menschenrechte gedacht. Seit einem Jahrhundert setzen sich ihre Mitglieder für die Durchsetzung und Einhaltung von universellen Menschenrechten ein. Diese sind wichtig, weil sie jeden Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion, Behinderung oder Meinung, schützen. Sie sichern grundlegende Freiheiten und ein Leben in Würde, etwa Schutz vor Gewalt, Willkür und Diskriminierung. Außerdem bilden Menschenrechte eine gemeinsame Grundlage dafür, wie Staaten mit Menschen fair und gerecht umgehen sollen.
„Sie [die Liga] will das öffentliche Gewissen gegen alle Verletzungen der Menschen- und Bürgerrechte schärfen, für die Weiterbildung der Gesetzgebung, besonders des Ehe- und Strafrechtes in diesem Sinne eintreten, die demokratische Kontrolle von Justiz, Verwaltung und Unterricht sichern, sowie für die Völkerverständigung und Friedenserziehung wirken.“
1926, Gründungsidee der Österreichischen Liga für Menschenrechte
Wien, 16. März 2026 – Vor genau 100 Jahren, am 16. März 1926, wurde in Wien die Österreichische Liga für Menschenrechte gegründet – nach dem Vorbild der bereits seit 1898 in Frankreich bestehenden Ligue des droits de l’homme. Damals wie heute steht die Liga für die Einhaltung universeller Menschenrechte und den Schutz der Würde jedes Einzelnen. Bei ihrer Gründung ging es um Forderungen wie die Abschaffung der Todesstrafe, den Einsatz für die Rechte von Frauen, den Kampf gegen Diskriminierung jeder Art sowie den Schutz von geflüchteten Personen. René Cassin, Mitglied der französischen Liga, war einer der zentralen Mitwirkenden an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die 1948 von der internationalen Staatengemeinschaft beschlossen wurde. Heute stehen die Menschenrechte in Österreich im Verfassungsrang, Gesetze müssen in ihrem Sinne beschlossen und umgesetzt werden.
Barbara Helige, Präsidentin der Liga für Menschenrechte: „Wir sind stolz auf 100 Jahre unermüdlichen Einsatz für die Menschenrechte in Österreich. Wie wichtig das ist, zeigt sich an den tiefgreifenden positiven Entwicklungen seither, beispielsweise bei den Rechten von Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderung. Wir setzen uns dafür ein, dies nicht nur zu bewahren, sondern auch weiterzuentwickeln. Als unverbesserliche Optimistin bin ich überzeugt, dass das möglich ist und die Achtung und Wahrung der Menschenrechte trotz mancher Rückschläge unumkehrbar ist. Gerade wegen der derzeit weltweit autoritären Tendenzen ist unser Engagement aktueller denn je.“
Juristische Expertise seit 100 Jahren
Die Arbeit der Liga legt den Fokus auf die Achtung der Menschenrechte in Staat und Gesellschaft. Das erreicht sie durch Vermittlung von juristischer Expertise, oft in Zusammenarbeit mit Ministerien oder Behörden. In Veranstaltungen, Vorträgen, im Liga-Magazin sowie im jährlich erscheinenden Menschenrechtsbefund wird auf Missstände hingewiesen und die Einhaltung der Grundrechte eingefordert. Helige: „Wir kritisieren, was notwendig ist. Zu unseren Prinzipien gehören absolute Unabhängigkeit von politischen Parteien, Regierung und jeder konfessionellen Vereinigung. Wir richten uns ausschließlich nach dem Anspruch, die Würde jedes Einzelnen zu wahren.“
Für gleichgeschlechtliche Liebe und das Recht auf Abtreibung
Nur wenige Jahre, bevor die Liga gegründet wurde, erlangten Frauen in Österreich endlich das Wahlrecht (1919). Die Gleichstellung von Frau und Mann umfasste jedoch noch lange nicht alle Lebensbereiche. Schon bald machte sich der Verein für eine Reform der Gesetze „über die Abtreibung der Leibesfrucht“ und für eine Eherechtsreform stark. Auch in einem anderen gesellschaftlich tabuisierten Bereich setzte sich die Liga für progressive Forderungen ein: „In der sogenannten Ekstein Petition forderten zahlreiche Mitglieder – ebenso prominente Persönlichkeiten wie Sigmund Freud oder Arthur Schnitzler – explizit die Abschaffung eines Strafbestandes, der einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen als Unzucht wider die Natur unter Strafe stellte. Tatsächlich sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis diese Forderungen erfüllt wurden“, berichtet Christopher Treiblmayr, der seit Jahren die Geschichte der österreichischen und europäischen Ligen erforscht.
Kampf gegen Diskriminierung und UPR-Projekt
Der Einsatz gegen Diskriminierung jeder Art prägte die Liga von Anfang an, dazu zählt auch der Kampf gegen den bereits vor dem „Anschluss“ virulenten Antisemitismus. Um einer Auflösung durch die Nationalsozialisten zuvorzukommen, löste sich die Liga 1938 selbst auf. Viele Mitglieder, vor allem jüdische, mussten fliehen, wurden verfolgt oder ermordet. Die Wiedergründung im Jahr 1946 wurde von den Alliierten dezidiert als demokratische und antifaschistische Initiative begrüßt. In der Zweiten Republik setzte sich die Liga in besonderem Maß für die Rechte der slowenischen und kroatischen Volksgruppen ein, deren im Staatsvertrag von 1955 zugesicherte Rechte vielfach nicht vollständig umgesetzt wurden. Schon vor 1938 hatte sich die Liga intensiv für Staatenlose eingesetzt, nach dem Zweiten Weltkrieg rückten Flucht- und Migrationsbewegungen erneut in den Mittelpunkt. Der Schutz der Rechte von geflüchteten Menschen ist bis heute ein zentrales Anliegen der Liga. Ein weiterer Schwerpunkt war und ist das UPR-Projekt (1), für das die Liga die Menschenrechtssituation entlang der vom UN-Menschenrechtsrat entwickelten Empfehlungen und deren Umsetzung durch die Bundesregierung beobachtet. Sie koordiniert dabei über 350 österreichische NGOs.
(1) Die Österreichische Liga für Menschenrechte koordiniert im Rahmen des Universal Periodic Review (UPR)-Prozesses einen großen Teil der österreichischen Zivilgesellschaft. Mehr dazu: https://liga.or.at/universal-periodic-review-upr/
Österreichische Liga für Menschenrechte:
Die Österreichische Liga für Menschenrechte setzt sich seit 1926 für die Umsetzung und Einhaltung der Menschenrechte ein. Sie greift aktuelle Themen auf und arbeitet in Veranstaltungen, Projekten und durch Öffentlichkeitsarbeit mit den unterschiedlichsten Zielgruppen zu menschenrechtlich relevanten Themen. Die Liga ist das österreichische Mitglied der Fédération internationale pour les droits humains (FIDH) und international sowie national mit anderen NGOs sehr gut vernetzt.
Österreichische Liga für Menschenrechte:
Die Österreichische Liga für Menschenrechte setzt sich seit 1926 für die Umsetzung und Einhaltung der Menschenrechte ein. Sie greift aktuelle Themen auf und arbeitet in Veranstaltungen, Projekten und durch Öffentlichkeitsarbeit mit den unterschiedlichsten Zielgruppen zu menschenrechtlich relevanten Themen. Die Liga ist das österreichische Mitglied der Fédération internationale pour les droits humains (FIDH) und international sowie national mit anderen NGOs sehr gut vernetzt.
Weitere Infos:
www.liga.or.at
https://liga.or.at/geschichte-der-oesterreichischen-liga-fuer-menschenrechte/
https://liga.or.at/forschungen-zu-den-menschenrechtsligen/
Rückfragen:
Barbara Helige
Österreichische Liga für Menschenrechte
E-Mail: b.helige@gmx.at
Vera Krischke
Österreichische Liga für Menschenrechte
Tel.: 0676 360 94 63
E-Mail: admin@liga.or.at