Recherchematerial: SDG 4 – Hochwertige Bildung
Fragestellungen, Institutionen, Expert:innen, Veranstaltungen und Publikationen zum Thema.
„Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern.” Nelson Mandela
Status Quo – SDG 4
Das Bildung wichtig ist, findet auch in der internationalen Staatengemeinschaft breite Anerkennung. Die UN hat das Thema auf Platz vier der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) bis 20230 gereiht. Doch die Zeit läuft und aufgrund der historischen Kürzungswelle in der Entwicklungszusammenarbeit drohen 2026 auch dem Bildungssektor schwere Rückschläge.
Kriege wie im Sudan oder Gaza zerstören die Chancen einer ganzen Generation. Laut der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) gehen weltweit noch immer 273 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule.
Um das globale Bildungsziel SDG 4 und allen Kindern Zugang zu Bildung zu ermöglichen, müsste alle zwei Sekunden ein Kind eingeschult werden.
Am 24. September wird der Global Education Monitoring Report (GEM), also der Weltbildungsbericht in Wien veröffentlicht, der jährlich von einem unabhängigen Expert:innenteam der UNESCO erstellt wird. Zentrale Themen des Berichts sind Zugang zu Bildung und der Bildungsgerechtigkeit.
Zeitgleich zur Präsentation findet in Kooperation der österreichischen UNESCO-Kommission und der Universität Wien eine internationale Konferenz zu Ungleichheit im Bildungswesen statt. Die aktuellen Prognosen sind ernüchternd: Weltweit wird voraussichtlich keines der Teilziele von SDG 4 bis 2030 vollständig erreicht werden. Zwar wird die Stagnation oder sogar der Rückschritte der vergangenen Jahre häufig auf die COVID-19-Pandemie zurückgeführt, doch erklärt diese Antwort die Entwicklung nur teilweise.
Bildungsungleichheiten innerhalb von Staaten und zwischen Ländern – insbesondere zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden – bestehen trotz erheblicher Fortschritte weiterhin fort. Diese Ungleichheiten beeinflussen die Lebens- und Zukunftschancen von Menschen und erschweren gesellschaftliche Entwicklung und sozialen Zusammenhalt. Die Konferenz will eine vertiefte Debatte fördern und unterschiedliche Perspektiven auf das vielschichtige Thema eröffnen. Denn jede Bildungsgeschichte zählt.
Bildungsagenda 2030
Ziel 4 fordert „inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle“.
Die Unterziele reichen von kostenloser Grund- und Sekundarschulbildung (4.1) über gleichberechtigten Zugang zu beruflicher und tertiärer Bildung (4.3) bis zu Bildung für nachhaltige Entwicklung und Weltbürgerschaft (4.7). Details zu allen Unterzielen:
SDG Watch Austria: SDG 4 – Hochwertige Bildung
Bildung ist mehr als Schule. SDG 4 umfasst sämtliche Bildungsbereiche:
- Elementarpädagogik
- Schulbildung
- Berufsbildung
- Hochschulen
- Erwachsenenbildung
- lebenslanges Lernen
- politische Bildung
- Menschenrechtsbildung
- Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Damit wird Bildung nicht nur als Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt verstanden, sondern als Grundlage für demokratische Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben.
Zum vollständigen Resolutionstext der Generalversammlung 2015 zu SDGs auf Deutsch.
Bildung ist zugleich Voraussetzung für den Erfolg fast aller anderen SDGs. Die aktuelle Bildungskrise lässt sich daher gut entlang mehrerer SDGs journalistisch aufschlüsseln:
- SDG 5 (Geschlechtergleichstellung): Wo wird Mädchen und jungen Frauen der Zugang zu Bildung verwehrt – und mit welchen Folgen für Gesundheit, Einkommen und Gesellschaft?
- SDG 10 (Weniger Ungleichheiten): Wer hat Zugang zu guter Bildung – wer wird aufgrund von Armut, Behinderung, Herkunft oder Fluchterfahrung ausgeschlossen? Welche Rolle spielt die soziale Herkunft heute noch für Bildungserfolg?
- SDG 16 (Frieden, starke Institutionen): Wie funktioniert – oder scheitert – Bildung in Kriegs- und Krisengebieten wie dem Sudan? Wie kann Schule auf eine Gesellschaft reagieren, die von Desinformation, Verschwörungserzählungen und Polarisierung geprägt ist?
- SDG 17 (Partnerschaften/Finanzierung): Wer finanziert globale Bildung, und was bedeuten die aktuellen Kürzungen der Entwicklungshilfe für Schulen im Globalen Süden?
Ideen für mögliche Geschichten
1. Wer zahlt für Bildung?
Die reichsten Länder kürzen ihre Entwicklungshilfe so stark wie nie zuvor – und Bildung gehört zu den am stärksten betroffenen Sektoren. Was bedeutet das für Schulen, Lehrkräfte und Schüler:innen im Globalen Süden – und wie positioniert sich Österreich?
Themen: Entwicklungsfinanzierung, Bildungsbudgets, geopolitische Interessen hinter Bildungsförderung
Interviewpartner:innen: ÖFSE (Margarita Langthaler), Institut für Bildungswissenschaft (Arbeitsbereich Bildung und Ungleichheit)
2. Schule im Krieg
Der Zugang zu Bildung im Südsudan ist stark eingeschränkt. Millionen Kinder gehen wegen des Krieges nicht zur Schule. Wie versuchen Hilfsorganisationen, trotzdem Bildung zu ermöglichen – und was bedeutet der Verlust ganzer Schuljahre für eine Generation?
Themen: Bildung in Konfliktgebieten, Angriffe auf Schulen, sichere Lernorte
Interviewpartner:innen: UNICEF Österreich, Caritas Österreich
3. Bildung als Exportgut?
Mit der Global-Gateway-Initiative investiert die EU Milliarden in Bildungsprojekte weltweit. Welche Chancen und Herausforderungen bietet die Global-Gateway-Initiative? Welche Potenziale aber auch Herausforderungen eröffnet die Initiative für Bildung, Wissenschaft und Entwicklung? Welche Rolle spielen geopolitische wirtschaftliche Interessenlage?
Themen: EU-Entwicklungspolitik, Hochschulkooperationen, Instrumentalisierung von Bildung, Konkurrenz zu Chinas Bildungsengagement, berufliche Bildung und Wissensaustausch
Interviewpartner:innen: Margarita Langthaler (ÖFSE), Gerhard Volz (OeAD), Wirtschafts- und Bildungsforscher:innen
Zum Nachhören: „Welt im Ohr“ Episode: Global Gateway. Chancen und Risiken der EU-Initiative. (April 2026)
4. Bildungsungleichheit vor der eigenen Haustür
Nicht nur im Globalen Süden ist der Zugang zu Bildung ungleich verteilt: Auch in Österreich hängt Bildungserfolg stark von sozialer Herkunft und Migrationsgeschichte ab. Wie lässt sich SDG 4 auf die österreichische Bildungspolitik anwenden?
Themen: Chancenungleichheit, Kinder mit Migrationshintergrund, Global Citizenship Education im Unterricht
Interviewpartner:innen: SDG Watch Austria (Themeninitiative Bildung), KommEnt, Baobab – Globales Lernen, Südwind, Institut für Migrationspädagogik
Institutionen
Austrian Center for Peace
Die Friedensburg Schlaining ist Standort des 1982 gegründeten Austrian Center for Peace (ACP) und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als internationales Kompetenzzentrum für Friedens-Forschung, -Bildung und -Praxis etabliert. In Kooperation mit der PH Burgenland bietet das ACP das neue Masterstudium „Friedens- und Life-Skills-Pädagogik“ an, das im Februar 2025 begonnen hat.
Bildung2030 Baobab, Südwind und das Welthaus Graz betreiben gemeinsam mit weiteren Partnerorganisationen die Plattform Bildung2030, die österreichweit Materialien, Fortbildungen und Hintergrundinformationen zu Globalem Lernen und Global Citizenship Education bündelt (SDG 4.7).
Dachverband Globale Verantwortung
Der Dachverband vertritt national und international die Interessen von 38 österreichischen Nichtregierungsorganisationen, die in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, entwicklungspolitische Inlandsarbeit, Humanitäre Hilfe sowie nachhaltige globale wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung tätig sind.
Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE)
Die ÖFSE ist eine österreichische Forschungs- und Informationseinrichtung zu Fragen des Globalen Südens, der Entwicklungszusammenarbeit und der Entwicklungspolitik. Sie forscht zu Bildungsstrategien in der Entwicklungszusammenarbeit und betreibt gemeinsam mit Baobab und Frauen*solidarität die C3-Bibliothek für Entwicklungspolitik in Wien.
Institut für Migrationspädagogik
Das Institut bietet spezialisierte Fortbildungen für Erwachsene an. Die Programme sind darauf ausgerichtet, das Verständnis für die Mechanismen von Rassismus und Diskriminierung zu fördern.
Südwind Verein für Entwicklungspolitik und globale Gerechtigkeit
Die Südwind-Bildungsarbeit stärkt Kompetenzen für kritische und mündige Weltbürger:innen. Die Nichtregierungsorganisation orientiert sich am Konzept des Globalen Lernens (oder Global Citizenship Education – GCE) und erstellt Bildungsmaterialien- und angebote.
UNICEF Österreich – Pressestelle
UNICEF ist Ansprechpartner für Interviews und aktuelle Daten zur Bildungskrise im Sudan, zu Mädchenbildung in Afghanistan und zu globaler Bildungsfinanzierung.
Expert:innen
Claudia Brunner
Brunner ist Sozialwissenschaftlerin. Sie lehrt und forscht am Zentrum für Friedensforschung und Friedensbildung, Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, an der Universität Klagenfurt zu Zusammenhängen von Wissen(schaft) und Gewalt(freiheit).
Margarita Langthaler Langthaler ist Senior Researcher an der ÖFSE mit den Forschungsschwerpunkten Bildungsstrategien in der Entwicklungszusammenarbeit, berufliche Bildung/Skills Development, globale Bildungspolitik und Bildung im Kontext der SDGs.
Maria Lettner
Lettner ist die zuständige Kontaktperson der Themeninitiative Bildung der Plattform SDG Watch Austria, wo sich NPOs vernetzen, die das SDG 4 im Fokus haben.
Heidi Grobbauer Grobauer ist Politikwissenschafterin und Geschäftsführerin von KommEnt, der Gesellschaft für Kommunikation, Entwicklung und dialogische Bildung in Salzburg. Sie war Vorsitzende der Strategiegruppe Globales Lernen und ihre Schwerpunkte sind: Politische Bildung, Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Susanne Paschke
Paschke koordiniert die Strategiegruppe Globales Lernen und ist Ansprechpartnerin bei Südwind für Global-Citizenship-Education-Angebote, Workshops und Fortbildungen zu SDG.
4. Termine
Von 19. bis 21. August bietet die BNE-Sommerakademie 2026 in Oberösterreich Pädagog:innen aus dem schulischen und außerschulischen Bildungsbereich ein Workshopangebot mit Ideen und Werkzeugen für die nachhaltige Bildungsarbeit.
Von 01. bis 03. September findet in Graz die FUTURE EDUCATION Conference statt. Die interdisziplinäre Konferenz bietet einen Rahmen für die Präsentation und Diskussion aktueller wissenschaftlicher Arbeiten zu den Themen Bildung, Lernen, Entwicklung und Unterricht. Der Fokus der Konferenz liegt dabei auf interdisziplinären Arbeiten, die dazu beitragen, die Bildung der Zukunft so zu gestalten, dass Lernende aktuelle und künftige Herausforderungen gut meistern können.
Am 10. September veranstaltet das Forum Umweltbildung eine Online-Veranstaltung mit dem Titel: „Methodenakademie: SDGs in Action“.
Am 25. September findet im Anschluss an die Veröffentlichung des Global Education Monitoring Report (GEM) der UNESCO Kommission eine Konferenz zu Inequality in Education der Universität Wien in der Sensengasse 3 statt.
Am 26. September wird der Tag der Sprachen gefeiert. Er wurde 2001 von der EU ins Leben gerufen, um die sprachliche Vielfalt und das Sprachenlernen in jedem Alter zu fördern. Das Erlernen einer Sprache ist ein Schritt zu Offenheit und Respekt gegenüber anderen Kulturen.
Spezialtipp
Die Global Education Week 2026 – die europaweite Aktionswoche zu Globalem Lernen steht 2026 von 16. bis 22. November unter dem Motto „My Voice, Our Action, A Common Future“ und rückt Bildung als Motor für eine stärkere Demokratie in den Mittelpunkt. In Österreich koordiniert Südwind die Woche mit Workshops, Fortbildungen und Unterrichtsmaterialien für Schulen, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung.
Publikationen
Wie viel Kapitalismuskritik braucht die politische Bildung?
Der Blogbeitrag Wie viel Kapitalismuskritik braucht die politische Bildung? von Ulrich Brand, Lara Kierot und Dirk Lange beschreibt drei Bereich in der Politischen Bildung, die in den nächsten Jahren mehr Bedeutung erlangen könnten und zwar sind das die transformative, disruptive und asymmetrische Politische Bildung.
Demokratie bilden!
Das Buch Demokratie bilden! von Dirk Lange und Tobias Doppelbauer sieht Demokratie als nicht als abstrakte Theorie, sondern als Lebensform für die jede:r etwas tun kann.
The Global Education Monitoring Report (GEM) 2026
Am 24. September wird der Global Education Monitoring Report (GEM), also der Weltbildungsbericht in der österreichischen UNESCO-Kommission, am Georg-Coch-Platz 2 veröffentlicht.