Anlässlich der aktuellen Lage in der Region Rojava lädt Diskurs. Das Wissenschaftsnetz nächste Woche Dienstag, den 3. Februar 2026, zum Mediengespräch mit den Expert:Innen Isabel Käser und Thomas Schmidinger.
Seit dem 18. Januar 2026 tobt im Nordosten Syriens ein Krieg zwischen Einheiten des syrischen Übergangsregime unter Ahmed al-Sharaa, und den kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), die hier seit 2012 eine de-facto-Autonomie aufgebaut hatten.
Auch wenn nach dem Verlust der arabischsprachigen Gebiete der Demokratischen Administration Nord- und Ostsyrien (DAANES) ein Waffenstillstand folgte, so finden weiterhin Angriffe auf die verbliebenen kurdischen Gebiete statt. Da davon nun die kurdischen und christlich-aramäischen Siedlungsgebiete betroffen sind, fürchten viele Kurd:innen und Christ:innen drohende Massaker und Vertreibungen.
Diese Angst hat nicht nur mit der politischen Herkunft von Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa und seiner HTS zu tun, sondern auch mit jüngsten Kriegsverbrechen der Angreifer, dem Entkommen von IS-Angehörigen aus den Gefängnissen, mit dem kurzfristigen Hissen der IS-Fahne am Ortseingang von Al-Karamah östlich von Raqqa und mit der Verkündung von Versen aus der Anfal-Sure auf Anordnung des Religionsminister Mohammad Abu al-Khair Shukri vom 18. Jänner. Nach dieser Sure waren in den 1980er-Jahren eine Reihe von Militärkampagnen des irakischen Baath-Regimes von Saddam Hussein benannt worden, bei denen insgesamt über 180.000 Kurd:innen ermordet worden waren.
Auf dem Spiel stehen damit nicht nur das politische Projekt der DAANES und damit eine Autonomie für die syrischen Kurd:innen, sondern auch die Existenz der kurdischen und christlichen Minderheit im Nordosten Syriens. Die Angriffe und Verstümmelungen von Frauen zeigt auf, wie geschlechterspezifisch diese Angriffe sind; spielen doch im Projekt Rojava und DAANES die Befreiung und Gleichstellung von Frauen eine zentrale Rolle.
Eine gewaltsame Zerschlagung der Autonomie und eine Vertreibung der Bevölkerung hätte allerdings möglicherweise auch eine darüber hinausgehende Auswirkung auf ganz Syrien. Insbesondere die durch die Massaker im Frühjahr und Sommer bereits verunsicherten religiösen Minderheiten der Drusen und Alawiten blicken dieser Tage auch in den Nordosten Syriens und beteiligen sich an Demonstrationen von Kurd:innen gegen die Angriffe in Europa. Des weiteren führen die Angriffe auf DAANES bereits jetzt zu Unruhen in den Grenzgebieten in der Türkei und im Nordirak, beides Kurdische Gebiete, in denen die transregionale Solidarität zwischen Kurd:innen sichtbar wird. Dieser neue Konflikt und seine Folgen könnten sich auch negativ auf den Friedensprozess zwischen der türkischen Regierung und der PKK, und auf die Stabilität des Iraks auswirken.
Isabel Käser und Thomas Schmidinger werden über die Hintergründe und Entwicklungen aus Sicht der Politikwissenschaft, Sozialanthropologie und Genderforschung sprechen.
Wann: 03. Februar 2026, 10.00 Uhr
Wo: online via Zoom
Zur Anmeldung
Inputs:
Isabel Käser (Universität Bern): „Die Kurdische Frauenbewegung in Rojava: Geschlecht, Krieg und Widerstand“
Thomas Schmidinger (Universität Wien): „Aktuelle politische, militärische und humanitäre Entwicklung in Rojava“
Moderation: Stefanie Wöhl (Diskurs. Das Wissenschaftsnetz)
Für Rückfragen
Cosima Danzl
danzl@diskurs-wissenschaftsnetz.at
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