Anläßlich des Welttages der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar 2026 startet Petition an die EU-Kommission und fordert verbindliche Investitionen zur Prävention von Kinderarmut.
Anlässlich des Welttags der sozialen Gerechtigkeit startet die Kinderhilfsorganisation CONCORDIA Sozialprojekte heute eine Petition mit dem Titel „Stoppt generationenübergreifende Kinderarmut – jetzt, europaweit“. Die Petition richtet sich an die Europäische Kommission und fordert verbindliche, zweckgebundene Investitionen in die Prävention von Kinderarmut im nächsten EU-Finanzrahmen.
Der Hintergrund ist alarmierend: Fast jedes vierte Kind in Europa wächst in Armut oder sozialer Ausgrenzung auf. Wer in Armut geboren wird, hat ein deutlich höheres Risiko, sein Leben lang in Armut zu bleiben. Mangelnde Bildungschancen, unzureichende Gesundheitsversorgung und soziale Ausgrenzung setzen einen Kreislauf in Gang, der sich über Generationen fortsetzt.
„Kein Kind entscheidet sich für Armut. Sie wird ihnen aufgezwungen – durch mangelnde Chancen und unzureichende politische Priorisierung“, sagt Dr. Bernhard Drumel, Geschäftsführer von CONCORDIA Sozialprojekte. „Wenn wir soziale Gerechtigkeit ernst nehmen, müssen wir jetzt in Prävention investieren – strukturell, verbindlich und europaweit.“
EU-Parlament fordert 20 Milliarden Euro für Kinder – jetzt sind die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten am Zug
Das Europäische Parlament hat ein starkes Signal gesetzt, indem es einen Bericht über die künftige EU-Strategie zur Armutsbekämpfung verabschiedet und einen separaten Finanzrahmen von mindestens 20 Milliarden Euro für die Europäische Kindergarantie im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (2028–2034) gefordert hat. Darüber hinaus hat das Europäische Parlament eine zweckgebundene Mittelzuweisung aus dem Europäischen Sozialfonds+ und anderen ähnlichen Instrumenten gefordert.
Konkret sieht der Standpunkt des Parlaments Folgendes vor:
- Mindestens 25 % der ESF+-Mittel für soziale Eingliederung
- Mindestens 5 % für Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarmut in allen Mitgliedstaaten
- Mindestens 10 % in Ländern, in denen die Kinderarmut über dem EU-Durchschnitt liegt
- Ein Sonderbudget von 20 Milliarden Euro für die Europäische Kindergarantie
Diese Forderungen spiegeln das Ausmaß der Krise wider: Rund jedes vierte Kind in der EU ist davon betroffen.
In ihrer Petition fordert CONCORDIA die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten auf, diesen Standpunkt im kommenden Finanzrahmen verbindlich umzusetzen – und die Prävention in den Mittelpunkt der europäischen Sozialpolitik zu stellen. Darüber hinaus fordert CONCORDIA das Europäische Parlament auf, den Prozess der Verabschiedung und Umsetzung seiner Zustimmung zu überwachen – und die Prävention in den Mittelpunkt der europäischen Sozialpolitik zu stellen.
Prävention statt Reparatur: Drei konkrete Forderungen
Die Petition formuliert drei zentrale Handlungsfelder:
- Verbindliche und zweckgebundene EU-Mittel für Prävention
Prävention darf nicht projektabhängig oder optional sein. Es bedarf mehrjähriger, stabiler Finanzierungsmechanismen und einer klaren Zweckbindung im ESF+ und in anderen Instrumenten wie IPA III für Kandidatenländer.
Priorisierung der Prävention von Kinderarmut und gemeindenahen Diensten im Rahmen von IPA III (Instrument für Heranführungshilfe – EU-Finanzmittel zur Unterstützung von Ländern, die sich auf den EU-Beitritt vorbereiten).
Die Kindergarantie muss mit mindestens 5 % der Mittel pro Mitgliedstaat gesichert werden – mit höheren Anteilen in Ländern mit besonders hohen Kinderarmutsquoten.
- Prävention als strukturelle Säule der Europäischen Kindergarantie
Gemeindenahe Dienste – wie Tageszentren, Familienunterstützung und Sozialarbeit – müssen zu einem integralen Bestandteil nationaler Aktionspläne werden, mit messbaren Zielen und eigenen Haushaltslinien.
Anerkennung bewährter Modelle wie des CONCORDIA-Tageszentrumsmodells, das Bildung, psychosoziale Unterstützung, Familienarbeit und Gemeindeorientierung integriert, als bewährte Praxis, Sicherung der Finanzierung für diese Modelle und Ausweitung auf ganz Europa.
- Investitionen in Sozialarbeiter
Über 13 Millionen Menschen arbeiten in der EU im sozialen Bereich, doch 85 % der Anbieter berichten von Personalmangel. Ohne ausreichend ausgebildete Fachkräfte bleiben finanzielle Verpflichtungen wirkungslos. Eine starke Prävention erfordert starke Strukturen und ausreichend qualifizierte Fachkräfte.
Das CONCORDIA-Wirkungsmodell: Bewährte Prävention in Ost- und Südosteuropa
CONCORDIA Sozialprojekte arbeitet seit über 30 Jahren in Bulgarien, Rumänien, Moldawien, Kosovo und Österreich mit von Armut betroffenen Kindern und Familien.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht das CONCORDIA-Tageszentrumsmodell – ein gemeindebasierter, integrierter Präventionsansatz. Tageszentren bieten pädagogische Unterstützung, psychosoziale Betreuung, Elternberatung und eine enge Zusammenarbeit mit Schulen und Gemeinden. Ziel ist es, Kinder schon in jungen Jahren zu stärken, Familien zu stabilisieren und sozialer Ausgrenzung vorzubeugen.
Generationenübergreifende Armut wird nicht nur durch mangelndes Einkommen verursacht, sondern auch durch strukturelle Hindernisse beim Zugang zu Bildung, Gesundheit und sozialer Teilhabe. Deshalb konzentriert sich CONCORDIA auf frühzeitige, ganzheitliche Unterstützung im Lebensumfeld der Kinder.
„Wir sehen jeden Tag, wie es funktioniert: Kinder kehren in die Schule zurück, Eltern gewinnen Selbstvertrauen, Gemeinden entwickeln Perspektiven“, sagt Drumel. „Diese Modelle sind skalierbar – wenn die EU die richtigen Prioritäten setzt.“
Ein Appell zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit
Der 20. Februar erinnert uns daran, dass soziale Gerechtigkeit kein abstraktes Ideal, sondern eine politische Verpflichtung ist. Kinderrechte sind Menschenrechte. Jedes Kind in Europa hat das Recht auf Bildung, Schutz und ein Leben in Würde. Mit dieser Petition ruft CONCORDIA die Bürgerinnen und Bürger in Österreich dazu auf, ein klares Signal an die Europäische Kommission zu senden:
Generationenübergreifende Kinderarmut kann nicht länger toleriert werden. Europa kann und muss es besser machen.
Die Petition ist jetzt online unter: https://www.concordia.or.at/petition/breaking-the-cycle/
Weitere Informationen zur Arbeit und zum Wirkungsmodell von CONCORDIA können hier im Policy Report heruntergeladen werden: https://www.concordia.or.at/report/day-centre-model/
CONCORDIA Sozialprojekte ist eine 1991 gegründete internationale und unabhängige Hilfsorganisation, die Kinder, Jugendliche und Familien in Not in den Projektländern Rumänien, Bulgarien, Moldawien, Kosovo und Österreich auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben unterstützt und begleitet. Im Mittelpunkt der Programme steht die Stärkung und Wahrung der Kinderrechte. Das übergeordnete Ziel der Arbeit von CONCORDIA ist es, Kinder und Familien dabei zu unterstützen, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen und ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Die Organisation hat Standorte in Österreich (Wien), Deutschland (Stuttgart) und der Schweiz (Zug) und finanziert ihre Arbeit durch Spenden. https://concordia.or.at
Pressekontakt:
Sonja Sagan
PR/Kommunikation DACH
M: +43 6763029859
E-Mail: sonja.sagan@concordia.or.at