PA: Afghanistan: Fünf Jahre Taliban-Herrschaft haben das Land in bittere Armut gestürzt

Diakonie Katastrophenhilfe und ihre Partner weiterhin vor Ort aktiv

Am 15. August 2026 jährt sich die erneute Machtübernahme der Taliban in Afghanistan zum fünften Mal. Seither haben politische und wirtschaftliche Instabilität, Vertreibung und die weitgehende Entrechtung von Frauen und Mädchen die humanitäre Krise im Land weiter verschärft. Rund 21,9 Millionen Menschen – etwa 45 Prozent der Bevölkerung – sind auf humanitäre Hilfe angewiesen (UNOCHA).

    „Das Leben in Afghanistan nach fünf Jahren Taliban-Herrschaft zu beschreiben, heißt, viele Superlative bemühen zu müssen“, betont Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. „Afghanistan gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und befindet sich auch 2026 in einer der größten humanitären Krisen weltweit.“

    Rund 30 Prozent der Menschen sind unterernährt. Grundbedürfnisse wie Nahrung, medizinische Versorgung und Bildung sind für viele nicht gesichert. Gleichzeitig steigen die Preise, während es kaum Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten gibt. Internationale Sanktionen, ein nur eingeschränkt funktionierendes Bankensystem sowie Schwierigkeiten beim Geld- und Warenverkehr verschärfen die wirtschaftliche Not zusätzlich.

    Hinzu kommt, dass zahlreiche Afghaninnen und Afghanen, die in den vergangenen Jahrzehnten in Nachbarländern wie Pakistan Schutz gesucht haben, zur Rückkehr gezwungen sind. Viele von ihnen kommen in ein Land zurück, in dem sie weder über eine Unterkunft noch über eine gesicherte Lebensgrundlage verfügen.

    Außerdem ist Afghanistan regelmäßig von Dürren und Ernteausfällen betroffen. Erdbeben, Erdrutsche und Überschwemmungen zerstören immer wieder Häuser, Infrastruktur und landwirtschaftliche Flächen. Die Folgen solcher Katastrophen treffen eine Bevölkerung, deren Widerstandskraft nach Jahrzehnten von Konflikten und Krisen weitgehend erschöpft ist.

Frauen und Mädchen aus dem öffentlichen Leben verdrängt

    Besonders dramatisch ist die Situation von Frauen und Mädchen. Bereits während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 waren ihre grundlegenden Rechte weitgehend außer Kraft gesetzt. Seit der erneuten Machtübernahme im Jahr 2021 wurden ihre Rechte abermals massiv eingeschränkt.

    Frauen und Mädchen sind weitgehend aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Sie dürfen zahlreiche öffentliche Einrichtungen wie Parks, Fitnessstudios oder Sportvereine nicht besuchen und an vielen öffentlichen Veranstaltungen nicht teilnehmen. Mädchen dürfen nach der sechsten Schulstufe keine weiterführende Schule besuchen. Frauen sind zudem beinahe vollständig aus der Arbeitswelt ausgeschlossen.

    Dennoch versuchen einige, weiterhin ein Einkommen zu erzielen – etwa durch Tätigkeiten von zu Hause aus, über Onlineplattformen, in privaten Haushalten, als Lehrerinnen für jüngere Schülerinnen oder in Teilen des Gesundheitswesens. Gerade bei der medizinischen Versorgung von Frauen sind weibliche Fachkräfte unverzichtbar, da Patientinnen vielfach nicht von Männern behandelt werden dürfen.

Hilfsorganisationen arbeiten unter schwierigen Bedingungen weiter

    Nach der erneuten Machtübernahme der Taliban verließen viele internationale Hilfsorganisationen sowie zahlreiche gut ausgebildete afghanische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Land. Andere setzen ihre Arbeit trotz der schwierigen Bedingungen fort.

    Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet in Afghanistan seit vielen Jahren mit Norwegian Church Aid zusammen. Die Partnerorganisation ist bereits seit den 1990er-Jahren im Land tätig und beschäftigt überwiegend einheimische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In den vergangenen Jahren unterstützte die Diakonie Katastrophenhilfe mithilfe von Spenden Menschen, die von den schweren Erdbeben in Herat und Kunar betroffen waren und besonders bedürftige Familien, die aus Pakistan abgeschoben wurden.

    Aktuell unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Familien dabei, eine berufliche Perspektive aufzubauen. Jeweils 55 Frauen und 55 Männer nehmen getrennt voneinander an bedarfsgerechten Ausbildungskursen teil.

    Die Teilnehmenden erwerben unter anderem Kenntnisse in den Bereichen Handarbeit, Schneiderei, Autoreparatur und Elektrotechnik. Ziel ist es, ihnen die Herstellung und den Verkauf eigener Produkte oder das Anbieten handwerklicher Dienstleistungen zu ermöglichen. Zusätzlich erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer finanzielle Unterstützung, damit sie die notwendigen Werkzeuge und Materialien anschaffen können. So sollen sie langfristig ein eigenes Einkommen erwirtschaften und ihre Familien selbstständig versorgen können.

Aufgrund der starken Kürzungen öffentlicher Fördermittel ist die Fortsetzung dieser Hilfsangebote zunehmend gefährdet. Die Diakonie Katastrophenhilfe und ihre Partner sind daher dringend auf Spenden angewiesen, um die Menschen in Afghanistan auch weiterhin unterstützen zu können.

  Rückfragehinweis:
Diakonie Österreich
Lukas Plank
Telefon: 0664 88 13 13 48
E-Mail: presse@diakonie.at

PA: Begraben unter Altkleidern. Südwind erinnert an Deponie-Einsturz in Uganda

Katastrophe von Kiteezi jährt sich zum zweiten Mal – Menschenrechtsorganisation fordert Maßnahmen gegen Fast Fashion.

Vor zwei Jahren, am 9. August 2024, stürzte ein Teil der Mülldeponie Kiteezi am Stadtrand von Kampala ein und zerstörte mehrere angrenzende Häuser. 35 Menschen kamen ums Leben, über 1.000 haben ihr Zuhause verloren. Zu diesem Anlass gedenkt Südwind den Opfern und fordert von Unternehmen und Abfallwirtschaft mehr Verantwortung für die Entsorgung von Altkleidung.

“Kiteezi muss ein Weckruf sein. Diese Katastrophe wurde durch die europäische Wegwerfgesellschaft mitermöglicht”, sagt Lena Gruber, Südwind-Expertin für Textillieferketten. Jahr für Jahr landen bis zu 100.000 Tonnen Altkleider aus Europa und den USA in Uganda. 40 Prozent davon sind unbrauchbarer Müll, der schließlich auf Deponien wie Kiteezi gekippt wird. Die Folgen sind instabile Halden, auf denen Methan und Giftstoffe freigesetzt werden. “Es liegt auch an uns, Verantwortung für unseren Konsum bis hin zur Entsorgung zu übernehmen. Es kann nicht sein, dass wir unseren Altkleider-Müll in den Globalen Süden exportieren, wo er zur Gefahr für Menschen wird”, so Lena Gruber.

Kiteezi-Katastrophe war absehbar

Die Deponie Kiteezi war längst überlastet. Anwohner:innen in der Nähe der Deponie, die seit Jahrzehnten als größte Mülldeponie von Ugandas Hauptstadt Kampala dient, klagten seit Langem über gefährlichen Abfall, der die Umwelt verschmutzt und eine Bedrohung darstellt. Die Schutzmaßnahmen für die Menschen, die in der Nähe leben oder auf der Deponie arbeiten, sind in der Regel völlig unzureichend. Nach heftigen Regenfällen Anfang August 2024 geriet ein Teil der Deponie ins Rutschen und begrub Menschen und Häuser unter sich.

Forderungen: Vom Müll- zum Kreislaufsystem

Um zu vermeiden, dass gemeinsam mit brauchbarer Altkleidung auch tonnenweise Müll aus Österreich exportiert wird, fordert Südwind den Ausbau von Kapazitäten für die Sortierung von Altkleidung sowie strenge Kontrollen und Sanktionen gegen Falsch-Deklaration und die illegale Ausfuhr von Müll.

Darüber hinaus müsse auch die Überproduktion gebremst werden. Südwind fordert daher einen umfassenden Kurswechsel und konkrete Maßnahmen gegen das Fast Fashion-System. Ein Kernproblem besteht in der fragmentierten Gesetzeslage, die Schlupflöcher, Intransparenz und fehlende Haftung zur Folge hat – auch in Österreich. Südwind fordert daher von der Bundesregierung eine Just Fashion Task Force. Diese sollte Ministerien, Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen vernetzen, um die Wirksamkeit bestehender Gesetze sicherzustellen, Kontrollen zu stärken, bestehende Lücken zu schließen und Transparenz und öffentlichen Informationszugang sicherzustellen. Zusätzlich müssen EU-Richtlinien, die für die Regulierung von Fast Fashion-Anbietern relevant sind – wie etwa Empowering Consumers for the Green Transition oder der Digital Service Act – in Österreich konsequent umgesetzt werden.

Die Südwind-Forderungen für eine gerechte Modeindustrie finden sich online unter: suedwind.at/justfashion

Fotos der Kiteezi-Deponie und des Owino Markt in Kampala finden Sie hier.

Rückfragen & Kontakt

Stefanie Marek
Pressesprecherin Südwind
+43 (0)680 1583016
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www.suedwind.at

PA: CARE warnt vor El Niño: 172 Millionen Frauen und Mädchen droht Hunger

El-Niño bedroht die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen weltweit / Die Ausgangslage ist schlechter als beim bislang stärksten Auftreten von El-Niño in den Jahren 2015/16, warnt die Hilfsorganisation CARE.

Im Pazifik bahnt sich möglicherweise das stärkste El-Niño-Ereignis seit Jahrzehnten an – mit gravierenden Folgen für Millionen Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Die Hilfsorganisation CARE schlägt Alarm: In den am stärksten betroffenen Ländern sind bereits jetzt 172,3 Millionen Frauen und Mädchen von Ernährungsunsicherheit betroffen. El-Niño droht diese ohnehin prekäre Situation massiv zu verschlechtern.

Kritischere Ausgangslage als 2015/16

Das bislang stärkste El-Niño-Ereignis der jüngeren Geschichte traf 2015/16 rund 60 Millionen Menschen. Die aktuelle Ausgangslage ist jedoch viel schlechter: Konflikte, Epidemien und steigende Lebenshaltungskosten haben die Resilienz der betroffenen Menschen seither erheblich geschwächt – mit besonders gravierenden Auswirkungen auf Frauen und Mädchen. Wetterextreme wie Dürren sowie Überschwemmungen und ihre Folgen für die Ernährungssicherheit könnten bis 2027 anhalten.

Erschwerend kommt hinzu: Unterbrechungen der globalen Lieferketten und Mittelkürzungen machen Hilfsleistungen erheblich teurer und schwieriger. Seit der Schließung der Straße von Hormus sind die Behandlungskosten für ein mangelernährtes Kind um durchschnittlich 403 US-Dollar gestiegen. Allein für die bereits fast sieben Millionen betroffenen Kinder wären dadurch zusätzlich rund 2,75 Milliarden US-Dollar erforderlich – noch bevor sich El Niño vollständig bemerkbar macht.

Stimmen aus den Krisenregionen

„Mehrere philippinische Provinzen haben während des letzten El Niño 2024 den Notstand ausgerufen und sich bis heute nicht erholt. Dieser neue El Niño trifft Menschen, die kaum noch Kapazitäten haben, ihn abzufangen. Auf die aktuelle Dürre werden Prognosen zufolge bald starke Taifune folgen. Ländliche Haushalte, die ohnehin durch steigende Reis- und Kraftstoffpreise belastet sind, müssen so zwei Katastrophen in rascher Folge bewältigen“, sagt Reiza Dejito, CARE-Länderdirektorin in den Philippinen.

„In Somalia hat fast jede dritte Person nicht genug zu essen. Der Hunger wird sich weiter ausbreiten. Die verfügbaren Mittel, um vermeidbare Todesfälle zu verhindern, sind völlig unzureichend. El-Niño-bedingte Wetterextreme werden bestehende Ungleichheiten vertiefen, den Zugang zu Nahrung und Bildung erschweren und das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt erhöhen. Wir müssen jetzt handeln“, sagt Ummy Dubow, CARE-Länderdirektorin in Somalia.

CARE fordert frühzeitiges Handeln

CARE fordert ein rasches und koordiniertes globales Vorgehen, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden. Dringend notwendig sind Investitionen in Katastrophenvorsorge und Frühwarnsysteme – insbesondere in den Ländern, die am stärksten von El Niño bedroht sind. „Die Chance, künftigen Hunger zu verringern, hängt davon ab, dass wir handeln, bevor sich eine Krise verschärft – nicht erst, wenn sie bereits ausgebrochen ist“, sagt Marlene Achoki, Expertin für Klimagerechtigkeit bei CARE International.

So hilft CARE: Gemeinsam mit lokalen und frauengeführten Partnerorganisationen stärkt CARE die Krisenvorsorge in den am stärksten gefährdeten Gemeinschaften: durch die Erfassung lokalen Wissens sowie die Entwicklung von Frühwarn- und Frühaktionsplänen, die gezielt auf die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen ausgerichtet sind. Zudem hat CARE bereits den eigenen Early Action Fund aktiviert, der Mittel proaktiv vor dem Eintreffen von Extremwetterereignissen freisetzt – etwa für den Schutz von Ernten und Vieh, Bargeldhilfen sowie den Aufbau klimaresilienter Landwirtschaft.

Für Rückfragen:
Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at

Aviso: taz Talk über die Situation und den Kampf der Frauen in Afghanistan: Der Ruf nach „Brot, Arbeit, Freiheit!“

Fünf Jahre nach der erneuten Machtübernahme der Taliban kämpfen Afghaninnen trotz stärker werdender Repression weiter für ihre Selbstbestimmung. Ein Gespräch mit der deutsch-afghanischen Journalistin Nabila Lalee nach ihren Recherchen vor Ort.

Seit Afghanistans vom Westen gestützte Regierung am 15. August 2021 zusammengebrochen ist und die Taliban wieder die Macht übernommen haben, hat sich im Land ausgerechnet die Zahl lizensierter Unternehmen von Frauen auf mehr als 10.000 vervierfacht. Schätzungen zufolge kommen weitere 120.000 unlizenzierte Unternehmen von Frauen hinzu. Denn die Produktion in kleinen Firmen und Handwerksbetrieben, vielfach in Heimarbeit oder im Verborgenen, bildet für Frauen eine der wenigen verbliebenen Verdienstmöglichkeiten. Die Radikalislamisten schlossen Frauen und Mädchen mit den repressivsten Gesetzen der Welt nicht nur von Bildung ab Klasse 7 aus, sondern drängten sie auch aus vielen Berufen und öffentlichen wie humanitären Tätigkeiten.

Nach dem Sittengesetz dürfen Frauen nur noch in Vollverschleierung auf die Straße, überwacht von der Sittenpolizei. Für Reisen wie auch viele Erledigungen des Alltags ist die Begleitung durch einen männlichen Verwandten vorgeschrieben. Der Überlebenskampf der Frauen wie generell der traumatisierten und kriegsmüden Bevölkerung wird erschwert durch die gegen das Taliban-Regime verhängten Wirtschaftssanktionen.

Zwar ist das Land Afghanistan heute sicherer und wird weniger von Korruption geplagt. Aber die meisten Menschen leben in großer Armut. Massenhafte Abschiebungen von Afghanen aus den Nachbarländern Iran und Pakistan sowie der bewaffnete Konflikt mit dem Nachbarn im Osten verschärfen die Lage zusätzlich. Trotz stärker werdenden Repressalien kämpfen Afghaninnen weiter für ihre Freiräume und Selbstbestimmung. Anfang Juni gab es in Herat eine Welle von Verhaftungen von Frauen, denen die Taliban Verstöße gegen die strengen Kleidervorschriften vorwarfen. Die folgenden Proteste, die dem zentralen Slogan „Brot, Arbeit, Freiheit!“ folgten, wurden gewaltsam aufgelöst. Die Situation zwischen den religiös-politischen Machthabern in Kabul und Kandahar und den afghanischen Frauen gleicht oft einem Katz-und-Maus-Spiel. Erlassen die Taliban neue diskriminierende Gesetze, suchen Afghaninnen nach Möglichkeiten, um die wenigen Freiräume aufrechtzuerhalten, die ihnen noch geblieben sind.

Wie sieht heute der Alltag der afghanischen Frauen aus? Wie ist ihre soziale Lage? Mit welchen Strategien kämpfen sie für ihre Rechte? Wie flächendeckend ist die Unterdrückung und wie homogen agieren die Taliban gegenüber den Frauen? Welche Fehler hat der Westen gegenüber den Afghaninnen gemacht? Wie können sie unterstützt werden?

Ein Gespräch mit:

Nabila Lalee. Die freie deutsch-afghanische Journalistin und taz-Autorin recherchierte im Frühjahr 2026 für zehn Wochen in Afghanistan und war zuvor von 2022 bis 2026 Leiterin des Regionalbüros der dpa in Islamabad.

Sven Hansen moderiert diesen Talk. Er ist Asienredakteur der taz und Kurator der Reihe Han Sens Asientalk.

Mittwoch12August 202619-20 Uhr im Livestream 

Rückfragehinweis: taztalk@taz.de

Dieser taz Talk findet in Kooperation mit Han Sens Asientalk statt.

Regelmäßige Infos: www.fb.com/HanSensAsientalk 

PA: Iran muss Hinrichtungswelle gegen Protestierende sofort stoppen      

Die öffentliche Hinrichtung von zwei Protestierenden am heutigen Dienstag markiert eine weitere Eskalation der staatlichen Repression im Iran. Amnesty International wirft den iranischen Behörden vor, die Todesstrafe systematisch einzusetzen, um die Protestbewegung nach dem landesweiten Aufstand vom Jänner 2026 zu zerschlagen. Mindestens 60 Menschen – darunter drei Personen, die zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Taten noch minderjährig waren – sind akut von der Hinrichtung bedroht.

In der ersten Hälfte des Jahres 2026 haben die iranischen Behörden zunehmend weit gefasste Vorwürfe im Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit – darunter Spionage und Zusammenarbeit mit feindlichen Staaten – herangezogen, um Personen, die im Zusammenhang mit den Protesten vom Jänner 2026 festgenommen worden waren, zu verurteilen und zum Tode zu verurteilen.  

Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres wurden mindestens 26 Protestierende hingerichtet. Die Todesurteile folgten auf grob unfaire Verfahren vor Revolutionsgerichten, die von Foltervorwürfen, erzwungenen „Geständnissen“ und der Verweigerung grundlegender Verfahrensrechte geprägt waren. Weitere 26 Personen wurden wegen anderer politisch motivierter Vorwürfe hingerichtet, während weiterhin Hunderte von Hinrichtungen wegen Drogendelikten und anderer Straftaten vollstreckt wurden. 

Todesstrafe als Instrument der Einschüchterung 

„Die iranischen Behörden entfesseln eine erschütternde Welle von Hinrichtungen und Todesurteilen, um Dissens zu bestrafen und jede Form von Widerstand zu ersticken“, sagt Heba Morayef, Regionaldirektorin für den Nahen Osten und Nordafrika bei Amnesty International. „Die verhaltene Reaktion der internationalen Gemeinschaft ermutigt die Behörden, diese tödliche Repressionskampagne fortzusetzen. Die Zeit der stillschweigenden Hinnahme muss enden.“ 

Amnesty International dokumentiert zahlreiche Fälle, in denen Protestierende wegen vager und überzogener Anklagen wie „Feindschaft gegen Gott“ oder „Verdorbenheit auf Erden“ zum Tode verurteilt wurden. Betroffen sind auch Menschen, denen Sachbeschädigung, Brandstiftung oder die Teilnahme an Straßenblockaden vorgeworfen wird – Taten, die nach internationalem Recht keinesfalls mit der Todesstrafe geahndet werden dürfen. 

Der Anstieg der Verhängung der Todesstrafe geht einher mit einer Flut von offiziellen Erklärungen und Berichten in den staatlichen Medien, in denen die Proteste vom Jänner 2026 systematisch als „amerikanisch-zionistische Terrorverschwörung“ oder als „Staatsstreich“ dargestellt werden. Besonders alarmierend ist die zunehmende Anwendung eines neuen Spionagegesetzes, das im Juni 2026 verabschiedet wurde. Es kriminalisiert unter anderem den Austausch von Informationen mit Medien und die Teilnahme an friedlichen Protesten. 

Drastischer Anstieg neuer Todesurteile 

Seit Beginn der rechtswidrigen Angriffe Israels und der USA auf den Iran am 28. Februar 2026 haben die iranischen Behörden die Verhängung der Todesstrafe gegen Teilnehmer*innen der Massenproteste verstärkt.  

Seit dem Ende des fast dreimonatigen Internet-Blackouts im Mai 2026 hat Amnesty International mindestens 28 neue Todesurteile registriert, doch die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. Angesichts der Tatsache, dass im Zusammenhang mit den Protesten Tausende festgenommen wurden und Angehörige aus Angst vor Repressionen oft davon absehen, Todesurteile öffentlich zu melden, ist davon auszugehen, dass weitaus mehr Demonstrierende von der Todesstrafe bedroht sind.  

Nach Angaben von „Iran Human Rights“, einer außerhalb des Iran ansässigen Menschenrechtsorganisation, wurden allein in einem Gefängnis in der Provinz Isfahan mehr als 70 Personen, die im Zusammenhang mit den Protesten vom Jänner 2026 festgenommen worden waren, zum Tode verurteilt. 

Unter den akut Gefährdeten befinden sich auch Benyamin Naghdi und Peyman Ganji, die nach Informationen von Amnesty International auf Grundlage erzwungener Geständnisse zum Tode verurteilt wurden. Mindestens drei weitere Betroffene waren zum Zeitpunkt der ihnen vorgeworfenen Taten noch Kinder. Die Verhängung der Todesstrafe gegen Minderjährige ist nach internationalem Recht strikt verboten. 

Die internationale Gemeinschaft muss umgehend und koordiniert handeln. Amnesty International fordert die iranischen Behörden auf, alle geplanten Hinrichtungen sofort auszusetzen und ein offizielles Moratorium für die Todesstrafe mit dem Ziel ihrer vollständigen Abschaffung zu verhängen. Die UNO-Mitgliedstaaten sollen die Menschenrechtskrise im Iran zur Priorität erklären, einen unabhängigen Rechenschaftsmechanismus unterstützen und eine Überweisung an den Internationalen Strafgerichtshof vorantreiben.

Rückfragen
Presseteam Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
+43 676 37 13 334
presse@amnesty.at

PA: Welternährungsbericht 2026: 645 Millionen Menschen sind von Hunger betroffen

645 Millionen Menschen weltweit leiden an Hunger – das zeigt der Welternährungsbericht, der morgen veröffentlicht wird. Gegenüber dem Vorjahr ist dies zwar ein leichter Rückgang. Von einem Trendwechsel kann jedoch keine Rede sein: Während einige Regionen Fortschritte verzeichnen, verschärft sich die Hungerkrise insbesondere in Afrika. Konflikte, Klimaschocks und drastische Mittelkürzungen drohen die globale Entwicklung erneut umzukehren. 

„645 Millionen Menschen leiden Hunger, obwohl die Welt genug Nahrung für alle produziert. Diese Ungerechtigkeit ist die Folge von Konflikten, Ungleichheit und politischen Fehlentscheidungen. Wir müssen dringend in nachhaltige Ernährungssysteme investieren“, fordert Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.   

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung in Afrika: Mit 309 Millionen Betroffenen lebt dort erstmals die größte Zahl hungernder Menschen weltweit. Jede fünfte Person auf dem Kontinent ist von Hunger betroffen. 

Das sind die Schlüsselzahlen des Welternährungsberichts 2026 

  • Im Jahr 2025 sind schätzungsweise 645 Millionen Menschen beziehungsweise 7,8 Prozent der Weltbevölkerung von Hunger betroffen. 
  • 309 Millionen Menschen in Afrika leiden unter Hunger. Damit ist jede fünfte Person auf dem Kontinent betroffen. 
  • Weltweit leben 2,1 Milliarden Menschen beziehungsweise 25,8 Prozent der Weltbevölkerung in moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit. Das bedeutet, dass sie keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichender Nahrung haben oder zeitweise sogar einen ganzen Tag ohne Essen auskommen müssen. 
  • Frauen bleiben überproportional von Ernährungsunsicherheit betroffen. Zudem leidet inzwischen mehr als jede dritte Frau im Alter von 15 bis 49 Jahren (30,7 Prozent) an Anämie. 
  • Nur 30,8 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis 23 Monaten und 62,7 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren erreichen weltweit das Mindestmaß an Ernährungsvielfalt. 
  • In Afrika erreichen lediglich 43 Prozent der Frauen und 20,5 Prozent der Kinder die Mindestanforderungen an eine vielfältige Ernährung. 

Gesunde Ernährung bleibt für Milliarden Menschen unerschwinglich 

Der Schwerpunkt des diesjährigen Berichts liegt auf den Kosten gesunder Ernährung. Zwar ist der Anteil der Menschen, die sich eine gesunde Ernährung nicht leisten können, von 37,4 Prozent im Jahr 2021 auf 32,7 Prozent gesunken. Dennoch bleibt gesunde Ernährung für rund ein Drittel der Weltbevölkerung unerreichbar. Besonders dramatisch ist die Situation in Afrika: Dort können sich 66,6 Prozent der Menschen keine gesunde Ernährung leisten.  

Die Kosten einer gesunden Ernährung sind ein wichtiger Indikator. Sie dürfen jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Um Hunger zu bekämpfen, müssen die Ungleichheiten und Machtverhältnisse entlang der gesamten Lebensmittelkette sowie die strukturellen Ursachen von Ernährungsunsicherheit angegangen werden. 

Um den Zugang zu vielfältiger Ernährung zu verbessern, fordert Aktion gegen den Hunger einen Umbau der Ernährungssysteme auf Grundlage agrarökologischer Ansätze. Dazu gehört insbesondere die gezielte Umlenkung öffentlicher Subventionen und Forschungsgelder in diese Form der Landwirtschaft. 

Mittelkürzungen senden das falsche Signal 

Während die humanitären Bedarfe weltweit steigen, werden die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe in Deutschland weiter gekürzt. Nach Einschnitten von rund einer Milliarde Euro im Entwicklungsetat und mehr als 50 Prozent bei der humanitären Hilfe im Jahr 2025 stehen 2026 für humanitäre Hilfe nur noch rund eine Milliarde Euro zur Verfügung – gerade einmal 0,2 Prozent des Bundeshaushalts. Auch der Etat des Entwicklungsministeriums sinkt auf zehn Milliarden Euro und erreicht damit den niedrigsten Anteil am Bundeshaushalt seit 15 Jahren.  

Diese Kürzungen stehen in keinem Verhältnis zu den globalen Herausforderungen und den steigenden humanitären Bedarfen. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage sind fast drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) der Meinung, die internationale Gemeinschaft müsse mehr Mittel gegen globalen Hunger und Armut bereitstellen.   

„Kürzungen bei Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit sind keine abstrakten Haushaltsentscheidungen. Sie führen dazu, dass Gesundheitszentren schließen, Hilfslieferungen ausfallen und immer mehr Kinder hungern. Wer hier spart, trifft Entscheidungen mit direkten Folgen für Menschenleben“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust. 

Hinweis an die Redaktionen

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

PA: Super El Niño 2026: Frühzeitiges Handeln rettet Leben

Aktuelle Analysen deuten darauf hin, dass El Niño im Jahr 2026 eine außergewöhnlich hohe Intensität erreichen wird. Für Aktion gegen den Hunger ist dies ein deutliches Warnsignal: In besonders vulnerablen Regionen drohen Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle mit schwerwiegenden Folgen für Millionen Menschen. Da die Risiken bereits heute absehbar sind, müssen Vorsorge und Vorbereitung jetzt verstärkt werden. 

„Wir wissen, dass El Niño kommt. Auch wo die Risiken am größten sind und welche Auswirkungen zu erwarten sind, ist klar. In Ländern, die bereits von humanitären Krisen betroffen sind, verstärken solche Klimaschocks bestehende Verwundbarkeiten. Zu warten, bis die Krise eintritt, setzt Menschenleben aufs Spiel und verursacht zusätzlich erhebliche wirtschaftliche Schäden“, betont Rowan Cody, stellvertretende Direktorin für Notfallvorsorge und Nothilfe bei Aktion gegen den Hunger. 

„Angesichts der zunehmenden Häufigkeit und Intensität klimabedingter Extremereignisse geht es nicht mehr darum, ob gehandelt werden muss, sondern dass früh gehandelt wird. Nur so verhindert man, dass El Niño zu einer humanitären Katastrophe wird”, ergänzt Cody.  

Absehbare Folgen in besonders gefährdeten Ländern 

Frühere El-Niño-Ereignisse haben Niederschlagsmuster verändert, extreme Wetterereignisse verstärkt und die Lebensgrundlagen vulnerabler Bevölkerungsgruppen geschwächt. In mehreren Einsatzländern von Aktion gegen den Hunger sind die Risiken besonders hoch:  

  • Madagaskar: Im Süden verschärft ein Niederschlagsdefizit von mehr als 300 mm innerhalb von 90 Tagen die Risiken von Dürre, Ernteausfällen und Ernährungsunsicherheit. Gleichzeitig steigt an der Ostküste das Risiko von Zyklonen und Starkregenereignissen. 
  • Kamerun: In den Regionen Adamaoua und Hoher Norden werden schwere Dürren erwartet. Dies könnte Ernten, Einkommen, den Zugang zu Wasser und die Ernährungslage beeinträchtigen. Auch der Kakaoanbau könnte betroffen sein. 
  • Jemen: Extreme Hitze und ein erhöhtes Risiko plötzlicher Überschwemmungen könnten Infrastruktur, Wasserversorgung und Gesundheitssysteme zusätzlich belasten. 
  • Irak: Die bereits bestehende Wasserkrise könnte sich verschärfen. Hinzu kommen weitere Schäden an landwirtschaftlichen Flächen und eine Zunahme von Sandstürmen. 

Frühzeitige Maßnahmen zum Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen 

Aktion gegen den Hunger verstärkt vorausschauende Maßnahmen in der Notfallvorsorge. Dazu gehören Notfallpläne, Frühwarnsysteme, die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden sowie die Stärkung lokaler Reaktionskapazitäten. 

In Regionen, die von Zyklonen oder Überschwemmungen bedroht sind, stockt Aktion gegen den Hunger Wasser-, Hygiene- und Sanitärkits sowie Hilfsgüterpakete mit wichtigen Alltagsgegenständen auf. So können der Zugang zu sauberem Wasser gesichert, Gesundheitsrisiken reduziert und die Bedürfnisse von Menschen gedeckt werden. 

In von Dürre und extremer Hitze bedrohten Regionen gehören die vorsorgliche Bereitstellung therapeutischer Nahrung zur Behandlung schwerer akuter Mangelernährung, eine verstärkte Ernährungsüberwachung sowie die Unterstützung von Gemeinden beim Erhalt ihrer Lebensgrundlagen zu den zentralen Vorsorgemaßnahmen. 

Solche frühzeitigen Maßnahmen können die humanitären Folgen vorhersehbarer Klimaschocks deutlich begrenzen. Doch obwohl bekannt ist, wo und wie sich die Auswirkungen eines Super El Niño voraussichtlich bemerkbar machen werden, fehlt es häufig an ausreichenden Mitteln für rechtzeitige Vorsorgemaßnahmen. Derzeit fließt humanitäre Finanzierung weiterhin überwiegend in die Reaktion nach Katastrophen statt in deren Prävention und Vorbereitung. 

„Es ist notwendig, flexible und verlässliche Finanzierungen für die Antizipation und Vorbereitung auf Klimakrisen zu stärken und gleichzeitig die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel aufrechtzuerhalten“, betont Rowan Cody. 

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche. Interviewpartner*innen und Expert*innen stehen u.a. zu folgenden Themen zur Verfügung: Notfallvorsorge und vorausschauende Maßnahmen, Auswirkungen in den Einsatzgebieten sowie Fragen zur Finanzierung. 

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

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Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
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PA: Straße von Hormus: Mehr als 23 Millionen zusätzliche Kinder von Armut bedroht

Neue Analyse zeigt: Jahre des Fortschritts könnten zunichtegemacht werden, Millionen von Kindern tiefer in die Armut geraten und die Ungleichheit weiter zunehmen.

Bis zum Ende des Jahres könnten bis zu 23,4 Millionen weitere Kinder in monetäre Armut abrutschen, da die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und die damit verbundenen Störungen der Schifffahrt weiterhin schwerwiegende und möglicherweise unumkehrbare Auswirkungen auf Kinder haben. Dies geht aus einer heute veröffentlichten neuen Analyse von UNICEF hervor.

Der Bericht The Impact of the Middle East War on Children in Monetarily Poor Households („Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf Kinder in einkommensarmen Haushalten“) stützt sich auf Daten aus mehr als 167 Ländern und zeigt auf, wie steigende Lebensmittel- und Energiepreise sowie umfassendere wirtschaftliche Schocks infolge der eskalierenden Feindseligkeiten – einschließlich Unterbrechungen im Zusammenhang mit der Schließung der Straße von Hormus – die Kaufkraft von Haushalten verringern. Kinder in den ärmsten Haushalten sind davon überproportional betroffen.

„Kinder zahlen den Preis für die eskalierenden Konflikte im Nahen Osten, auch Kinder weit über die Region hinaus“, sagte Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. „Je länger dies andauert, desto schwerwiegender werden die Folgen. Die schnell steigenden Lebenshaltungskosten machen Nahrung und Bildung für viele Familien unerschwinglich. Für Kinder, die bereits in Armut leben, verschärfen diese Schocks die Entbehrungen und können Schäden verursachen, die ein Leben lang anhalten.“

Der Bericht untersucht zwei mögliche Szenarien: ein ungünstiges Szenario (adverse poverty) und ein schwerwiegendes Szenario (severe poverty). Das ungünstige Szenario geht von einem moderaten wirtschaftlichen Schock aus, der zusätzlich 18,3 Millionen Kinder in monetäre Armut treiben könnte. Das schwerwiegende Szenario nimmt stärkere und länger anhaltende Störungen von Preisen und wirtschaftlicher Aktivität an und prognostiziert, dass 23,4 Millionen weitere Kinder in monetäre Armut gedrängt werden könnten, falls der Krieg andauert.

Die Analyse zeigt, dass die monetäre Kinderarmut äußerst empfindlich auf makroökonomische Schocks reagiert. Steigende Lebensmittel- und Energiekosten verringern in Verbindung mit begrenztem finanzpolitischem Spielraum in vielen Ländern unmittelbar die Fähigkeit von Familien, ihre Grundbedürfnisse zu decken.

Die größten Anteile des weltweiten Anstiegs der monetären Armut entfallen auf Asien und Afrika, die zusammen rund 80 % des gesamten Anstiegs ausmachen. Beide Kontinente weisen bereits hohe Armutsraten auf und sind besonders anfällig für externe Schocks.

So hatte die Krise im Nahen Osten beispielsweise in Somalia unmittelbare Folgen. Die Treibstoffpreise in Mogadischu haben sich innerhalb weniger Tage nach der Eskalation mehr als verdoppelt. Dadurch stiegen die Kosten für Lebensmittel, Wasser, Transport und humanitäre Hilfe in einem Land, das zugleich mit einer sich verschärfenden Mangelernährungskrise zu kämpfen hat.

In Äthiopien haben Störungen im Zusammenhang mit der Straße von Hormus zu höheren Treibstoffkosten geführt, die sich auf die Preise lebensnotwendiger Güter auswirken. Die Dieselpreise sind um 31 % gestiegen, während die Kosten für Treibstoff im humanitären Einsatz um 50 bis 70 % zunahmen. Dies erschwert die Versorgung schwer erreichbarer Gemeinschaften mit Hilfsgütern.

In Nigeria haben die wirtschaftlichen Schocks die Armut weiter verschärft. Haushalte mit niedrigem Einkommen geben zwischen 60 und 70 % ihres Einkommens für Lebensmittel und Transport aus. Bereits geringfügige Preissteigerungen verringern daher ihre Kaufkraft erheblich.

In Bangladesch setzt der steigende Preis von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Linsen, Speiseöl, Gemüse, Fisch und Geflügel Familien zunehmend unter Druck. Schätzungsweise 1,2 Millionen weitere Menschen könnten dort in Armut geraten.

Der Bericht warnt, dass die Folgen des Krieges Jahre weltweiter Fortschritte zunichtemachen könnten. Ohne rechtzeitige und gezielte politische Maßnahmen werde die Krise Millionen Kinder weiter zurückwerfen, die Armut vertiefen und es Familien erschweren, sich von den Auswirkungen zu erholen. Darüber hinaus schränkt sie den Zugang von Familien zu Nahrung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Schutzdiensten ein, die für die körperliche und kognitive Entwicklung von Kindern unerlässlich sind.

UNICEF ruft nationale Regierungen, Geberländer und internationale Finanzinstitutionen dazu auf, Kinder vor den schwerwiegendsten Auswirkungen der Krise zu schützen. Zu den vorrangigen Maßnahmen gehören:

  • Sicherstellung nationaler und internationaler Finanzmittel für Dienstleistungen und Güter, auf die Kinder angewiesen sind, darunter Gesundheitsversorgung, Ernährung, Bildung und Kinderschutz.
  • Ausbau und langfristige Stärkung sozialer Sicherungssysteme, einschließlich kindgerechter Geldtransferprogramme, sowie die Gewährleistung kontinuierlicher Unterstützung, bevor Subventionen abgeschafft werden.
  • Sicherstellung eines ununterbrochenen Zugangs von Kindern und Familien zu bezahlbaren grundlegenden Dienstleistungen und Gütern, unter anderem durch Mindestausgaben, die an die Inflation angepasst werden.
  • Erweiterung des finanzpolitischen Handlungsspielraums zum Schutz nationaler Investitionen in essenzielle Dienstleistungen, beispielsweise durch die Aussetzung von Schuldendiensten oder Umschuldungsmaßnahmen in Ländern, in denen der Schuldendienst die Ausgaben für Gesundheit, Bildung oder soziale Sicherung übersteigt.
  • Aufbau und Umsetzung kindorientierter Vorsorgesysteme, die eine schnelle und umfassende Unterstützung von Kindern in Krisensituationen ermöglichen, einschließlich internationaler Zusammenarbeit zur Minderung der Auswirkungen aktueller und künftiger Schocks.

„Diese Krise gefährdet das Leben und die Zukunft von Kindern“, sagte Russell. „Wenn die Welt nicht rasch handelt, werden die kombinierten Auswirkungen von Konflikten, wirtschaftlicher Instabilität und steigenden Kosten Millionen Kinder in noch tiefere Armut treiben. Wir könnten erleben, wie hart erkämpfte Entwicklungsfortschritte wieder verloren gehen.“

Hinweise für Redaktionen

Aufgrund des anhaltenden Konflikts und bestehender Datenlücken weist der Bericht darauf hin, dass nur ein Teil der Länder des Nahen Ostens in den globalen Gesamtschätzungen enthalten ist. Zudem werden keine gesonderten Schätzungen für die Region Naher Osten und Nordafrika (MENA) ausgewiesen. Stattdessen werden jene Länder des Nahen Ostens, für die Daten vorliegen, den jeweiligen kontinentalen Gesamtwerten zugerechnet.

Methodischer Hinweis

Der Bericht betrachtet zwei Szenarien – ein ungünstiges („adverse“) und ein schwerwiegendes („severe“) Szenario.

  • Das ungünstige Szenario verfolgt einen konservativen Ansatz und schreibt nur jene Inflationsabweichungen der Krisensituation zu, die über dem Niveau eines hypothetischen Szenarios ohne Krieg liegen.
  • Das schwerwiegende Szenario geht von einer deutlich stärkeren Verschlechterung der makroökonomischen Rahmenbedingungen infolge einer langanhaltenden oder sich verschärfenden Krise aus.

In Übereinstimmung mit der Methodik der Weltbank beziehungsweise der Poverty and Inequality Platform (PIP) wird Armut anhand internationaler Armutsgrenzen bewertet, die den Standards von Ländern mit niedrigem beziehungsweise unterem mittlerem Einkommen entsprechen: 3,00 US-Dollar beziehungsweise 4,20 US-Dollar pro Person und Tag. Soweit Daten verfügbar sind, werden zusätzlich nationale Armutsgrenzen verwendet. Diese kommen jedoch ausschließlich in Ländern zum Einsatz, in denen offizielle nationale Armutsgrenzen oder veröffentlichte nationale Armutsschätzungen vorliegen, aus denen die jeweilige Armutsgrenze abgeleitet werden kann, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sicherzustellen.

Zum Bericht auf der Website von UNICEF International.

Foto- und Videomaterial zur redaktionellen Nutzung.

UNICEF Österreich
Michael Blauensteiner
Telefon: +43 660 38 48 821
E-Mail: blauensteiner@unicef.at
Website: https://unicef.at

PA: World Vision: Nächste Phase der Katastrophenhilfe in Venezuela beginnt

Schutz, Bildung und psychosoziale Hilfe rücken in den Mittelpunkt

Drei Wochen nach dem Erdbeben in Venezuela beginnt dort die nächste Phase der Wiederaufbauarbeiten, erklärt die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision. Viele ausländische Rettungskräfte hätten das Land verlassen, da nicht mehr mit Überlebenden unter den Trümmern zu rechnen sei. Jetzt sei es besonders wichtig, Unterkünfte bereitzustellen, Kinder zu betreuen und die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln sicherzustellen.

Die aktuell starken Regenfälle haben die Lebensbedingungen der in Zelten und provisorischen Siedlungen lebenden Familien erheblich verschlechtert und setzen sie zusätzlichen Gesundheits- und Sicherheitsrisiken aus. Umso wichtiger ist die Versorgung mit Hilfsgütern.

Seit Beginn der Nothilfe hat World Vision bereits rund 50.000 Menschen in den besonders betroffenen Regionen La Guaira, Caracas und Miranda mit Unterstützung erreicht. Dazu gehören Lebensmittelpakete, Hygienesets sowie in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm 1.000 Lebensmittelpakete und weitere 6.000 Mahlzeiten.

Kinderschutzzentren schaffen Sicherheit und Stabilität World Vision hat zudem drei Kinderschutzzentren aufgebaut. In diesen Zentren können jeweils bis zu 100 Kinder und Jugendliche spielen und lernen. Zudem werden sie von Fachkräften psychosozial betreut.
Janine Lietmeyer, Vorständin bei World Vision: „Kinder brauchen nach einer Katastrophe weit mehr als Nahrung und ein Dach über dem Kopf. Sie brauchen Sicherheit, stabile Bezugspersonen und Orte, an denen sie wieder Kind sein dürfen. Genau dafür schaffen wir geschützte Räume. Je schneller Kinder wieder verlässliche Strukturen erleben, desto besser können sie belastende Erfahrungen verarbeiten.”

World Vision ist zudem Teil der landesweiten Bildungsinitiative in Venezuela. Landesdirektor Peter Gape betont, dass gerade für Kinder, die Angehörige, Freunde und Schulkameraden verloren haben, der Besuch von Schulen wichtig ist. Peter Gape: „World Vision wird sich auch dafür einsetzen, dass die Kinder, die noch nicht wieder bereit sind, eine Schule zu besuchen, besonders gefördert werden. Denn Bildung ist einer der Schlüssel zur seelischen Gesundung.“ 

Hilfe wird weiter ausgebaut

World Vision plant, die Zahl der Kinderschutzzentren in Venezuela von drei auf insgesamt sechs zu erhöhen. Auch die Hilfen für die etwa 16.000 Menschen in Notunterkünften werden noch ausgebaut, unter anderem durch die Verteilung von Werkzeugen und Trinkwasserreinigern.

World Vision ist seit 2019 mit kontinuierlichen Hilfsmaßnahmen in Venezuela aktiv. Die Organisation konzentriert sich auf Ernährungssicherung, Kinderschutz und Gesundheit. Dank der langjährigen Präsenz im Land kann World Vision bei akuten Krisen – wie jetzt nach den schweren Erdbeben – unmittelbar auf bestehende Teams und Strukturen im Land zurückgreifen. So hat das von World Vision geführte Netzwerk „Esperanza Sin Fronteras“, bestehend aus mehr als 2.000 Freiwilligen aus Glaubensgemeinschaften, maßgeblich dazu beigetragen, die Hilfsmaßnahmen rasch auszuweiten und die am stärksten gefährdeten Gemeinden zu erreichen.

Bildmaterial bei der Pressestelle in Friedrichsdorf. Auch Interviewanfragen nehmen wir gern entgegen.

Ihr Kontakt zur Pressestelle:
Tel.: 06172-763-151, -153, -156
Mail-Adresse: presse@wveu.org  
https://www.worldvision.de/presse 

PA: El Salvador: Masseninhaftierungen könnten Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen

Vier Jahre seit Beginn des „Ausnahmezustands“ wurden in El Salvador mehr als 90.000 Menschen inhaftiert, mindestens 470 starben in staatlichem Gewahrsam. Ein neuer Amnesty-Bericht dokumentiert willkürliche Massenverhaftungen, Folter und Verschwindenlassen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen könnten.

Was als vorübergehende Maßnahme gegen Bandengewalt begann, hat sich zu einem dauerhaften System entwickelt, das willkürliche Massenverhaftungen und schwere Menschenrechtsverletzungen fördert und rechtfertigt. Diese Verletzungen könnten Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Zu diesem Schluss kommt Amnesty International im neuen Bericht Sicherheit ohne Rechte: Die Auswirkungen willkürlicher Massenverhaftungen und der Verweigerung fairer Verfahren auf die mögliche Begehung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit in El Salvador.

Vier Jahre nach Einführung des „Ausnahmezustands“ in El Salvador wurden mehr als 90.000 Menschen inhaftiert, mindestens 470 starben in staatlichem Gewahrsam. Tausende Familien suchen weiter nach Antworten über Verbleib, Gesundheitszustand oder rechtlichen Status ihrer Angehörigen. Der Bericht dokumentiert, wie aus dem Ausnahmezustand schrittweise eine dauerhafte Sicherheitspolitik wurde, die auf der anhaltenden Aussetzung von Rechten und der systematischen Schwächung des Rechtsstaats beruht.

„Sicherheit kann nicht auf Willkür, Folter, Verschwindenlassen und der Aushebelung fairer Verfahren aufgebaut werden“, sagt Ana Piquer, Amerika-Direktorin von Amnesty International.

„Der Staat ist verpflichtet, die Bevölkerung vor krimineller Gewalt zu schützen und Straftaten von Banden zu untersuchen und zu ahnden. Diese Verpflichtung berechtigt ihn aber nicht dazu, schwere Menschenrechtsverletzungen zu begehen.“

Der Bericht basiert auf sechs Recherchereisen zwischen Mai 2022 und Jänner 2025, 109 Interviews mit Betroffenen, Angehörigen, Rechtsanwält*innen, Pflichtverteidiger*innen sowie aktiven und ehemaligen Mitgliedern der Nationalen Zivilpolizei (PNC). Darüber hinaus analysierte Amnesty Anklageschriften, Gerichtsentscheidungen, Gesetzesänderungen sowie mehr als 80 Einzelfälle. Die dokumentierten Muster von willkürlichen Massenfestnahmen, Folter, Verschwindenlassen und Todesfällen in staatlichem Gewahrsam könnten nach Artikel 7 des Römischen Statuts Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen.

Festnahmequoten und fabrizierte Akten

Aktive und ehemalige Angehörige der Nationalen Zivilpolizei (PNC) beschreiben ein System aus Festnahmequoten, mündlichen Anweisungen ohne schriftliche Grundlage und institutionellem Druck, Akten so anzulegen, dass willkürliche Festnahmen den Anschein von Rechtmäßigkeit erhalten. Dokumentiert ist zudem der Einsatz veralteter Datenbanken sowie ein Profiling nach territorialen und sozioökonomischen Kriterien.

„In vielen Fällen überprüft niemand, ob die Festnahmen rechtmäßig sind oder nicht. Wir bringen die Leute einfach herein, die Generalstaatsanwaltschaft bekommt die Akte, und das war es. Kein Richter sieht in diesem Moment irgendetwas […]. Bis sie vor Gericht gebracht werden, sind fünfzehn Tage vergangen, und die Richter lesen einfach die Liste und bestätigen alles. Niemand fragt, ob es Schläge gab oder ob ein Haftbefehl vorlag“, berichtet ein Mitglied der PNC gegenüber Amnesty International.

Gerichte kontrollieren nicht mehr, sie bestätigen

Verfahrensreformen, die mit internationalen Menschenrechtsstandards unvereinbar sind, haben das salvadorianische Straf- und Justizsystem grundlegend verändert. In zahlreichen dokumentierten Fällen üben die Gerichte keine wirksame Kontrolle über Polizei und Staatsanwaltschaft mehr aus. Stattdessen bestätigen sie willkürliche Festnahmen und halten Freiheitsentziehungen selbst dann aufrecht, wenn überprüfbare Beweise oder ausreichende Einzelfallprüfungen fehlen.

„In vielen Fällen spielt es keine Rolle mehr, ob Beweise vorliegen oder nicht. Es reicht, dass die Polizei sagt, jemand ‚sieht aus wie ein Bandenmitglied‘, damit das System diese Person verfolgt“, sagt ein von Amnesty International befragter Strafverteidiger. „Wir sehen Fälle, in denen Verhaltensweisen nicht individualisiert und konkrete Tatsachen nicht beschrieben werden und die Inhaftierung praktisch automatisch erfolgt.“

Auch Argumente der Verteidigung zur sozialen Verankerung der Beschuldigten, etwa Beschäftigung, familiäre Bindungen, Studium oder fester Wohnsitz, werden häufig ohne ausreichende Einzelfallprüfung verworfen. Die Untersuchungshaft ist damit von einer Ausnahme zu einer nahezu automatischen Maßnahme geworden.

Folter, Verschwindenlassen und Diskriminierung

Die meisten der dokumentierten Betroffenen stammen aus historisch verarmten und stigmatisierten Gemeinden, von denen viele zuvor selbst unter Bandengewalt gelitten haben. Wohnort, äußeres Erscheinungsbild, sozioökonomischer Status oder ungeprüfte anonyme Anschuldigungen dienen häufig dazu, Festnahmen zu rechtfertigen und Anklagen aufrechtzuerhalten.

Der Bericht dokumentiert Todesfälle in Haft sowie Muster von Folter und anderer Misshandlung, darunter Schläge, langanhaltende Isolationshaft, die systematische Verweigerung medizinischer Versorgung und Haftbedingungen, die mit der Menschenwürde unvereinbar sind. Belegt sind zudem Muster des Verschwindenlassens. Behörden hielten den Verbleib von Inhaftierten tage- oder wochenlang geheim und verweigerten Angehörigen jede Auskunft. In anderen Fällen blieben Menschen in Haft, obwohl rechtskräftige Entscheidungen ihre Freilassung anordneten. Angehörige suchten in Gefängnissen, Leichenschauhäusern und Gerichten, ohne offizielle Auskunft zu erhalten. Die Betroffenen befanden sich zeitweise außerhalb des Schutzes des Gesetzes.

Diese Verstöße sind laut Bericht keine Einzelfälle. Sie wurden begünstigt durch einen tiefgreifenden institutionellen Umbau seit 2021, darunter die Absetzung der Richter*innen der Verfassungskammer und des Generalstaatsanwalts, Gesetzesreformen zulasten fairer Verfahren und die zunehmende Militarisierung der öffentlichen Sicherheit.

Forderungen

Die Regierung präsentiert den Ausnahmezustand als erfolgreiche Sicherheitspolitik. Die Folgen davon tragen laut Amnesty International vor allem Menschen ohne rechtskräftige Verurteilung, die ohne Haftbefehl, ohne individuelle Ermittlungen und vielfach ohne überprüfbare Beweise inhaftiert wurden.

Amnesty International fordert die Regierung El Salvadors auf, den Ausnahmezustand zu beenden, willkürlich Inhaftierte freizulassen und die Todesfälle in Haft unabhängig zu untersuchen. Internationale Menschenrechtsmechanismen brauchen uneingeschränkten Zugang zu Haftanstalten und zu den betreffenden Gerichtsverfahren.

Rückfragehinweis:
Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
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