PA: OECD-Bericht über Entwicklungshilfeleistungen 2025: Österreichs Rückzug aus internationalem Engagement stoppen

Österreichische Quote auf 0,33% des Bruttonationaleinkommens gesunken. NGO-Dachverband warnt: „Bei Entwicklungshilfeleistungen zu sparen, wird zurückschlagen wie ein Bumerang“

„Derzeit erleben wir eine regelrechte Krisenspirale, wegen der rund 250 Millionen Menschen Humanitäre Hilfe benötigen und bis zu 720 Millionen an Hunger leiden. Dennoch ziehen sich immer mehr wohlhabende Länder aus der internationalen Entwicklung, Humanitären Hilfe, entwicklungspolitischen Inlandsarbeit und Friedensförderung zurück. Der OECD-Ausschuss für Entwicklungshilfe (DAC) warnt heute, dass 26 seiner 34 Mitgliedsstaaten ihre öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen (Official Development Assistance, ODA) im Jahr 2025 kürzten und die ODA das stärkste Minus ihrer Geschichte verzeichnet. Die sogenannte ODA-Quote aller DAC-Mitglieder sank voraussichtlich auf durchschnittlich 0,26% des Bruttonationaleinkommens (BNE), die der europäischen Mitglieder auf 0,40%. Dieser Rückschritt auf das ODA-Niveau von 2015 raubt Menschen, deren Alltag von Ungleichheiten und Not geprägt ist, die Zukunftschancen„, bedauert Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung.

Auch öst. Regierung ist Rückzug aus internationalem Engagement angetreten

Die endgültigen Entwicklungshilfeleistungen seiner Mitgliedsstaaten präsentiert der DAC im Dezember. Die DAC-Mitglieder bekennen sich zum international vereinbarten Ziel, jährlich 0,7% des BNE bereitzustellen. Dennoch hat Österreich dieses Ziel noch nie erreicht. Wank fährt fort: „Mit dem Doppelbudget für 2025 und 2026 ist auch die österreichische Bundesregierung den Rückzug aus dem internationalen Engagement angetreten. Im Jahr 2025 schwand Österreichs ODA-Quote zum dritten Mal infolge auf klägliche 0,33% des BNE.“

Regierung schwächt außenpolitische Instrumente – Warnung vor Bumerang-Effekt

Ausgerechnet in den Budgets der Austrian Development Agency und des Auslandskatastrophenfonds (AKF) habe die Regierung überproportional gespart, kritisiert Wank. „Diese bilateralen Instrumente sind die Grundlage für eine wirkkräftige Außenpolitik, die Vertrauen und Partnerschaften aufbaut. Das gelingt besonders in Kooperation mit erfahrenen und gut vernetzten österreichischen NGOs und ihren lokalen Partner*innen. Sind diese Instrumente schwach, verliert Österreich an internationaler Handlungsfähigkeit und signalisiert, keine Verantwortung übernehmen zu wollen“. In Anbetracht der angestrebten UN-Sicherheitsrat-Kandidatur, insbesondere aber der zugespitzten Weltlage, nennt Wank die Kürzungen einen strategischen Fehler. „Bei den Entwicklungshilfeleistungen zu sparen, wird auf Österreich zurückschlagen wie ein Bumerang. Die Teuerung und steigende Gesundheitsrisiken könnten hierzulande bald nicht mehr die drängendsten Auswirkungen weltweiter Konflikte, Ungleichheiten und der Erderhitzung sein.“

Appell: Budget zumindest auf 2024er-Niveau heben

Abschließend appelliert Wank: „Österreich braucht jetzt starke außenpolitische Instrumente, um eine friedlichere, gerechtere und stabilere Welt mitgestalten zu können. Daher appellieren wir an die Regierung, den Bumerang zu stoppen, stattdessen eine echte Trendwende einzuläuten und im kommenden Doppelbudget die Gelder für die Austrian Development Agency, für den AKF wie auch für internationale Klimaprojekte zumindest auf das Niveau von 2024 zu heben.“

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Die AG Globale Verantwortung ist der Dachverband von 39 österreichischen NGOs für internationale Entwicklung, Humanitäre Hilfe und entwicklungspolitische Inlandsarbeit. Unsere Mitgliedsorganisationen führen jährlich 1.000 Projekte in über 120 Ländern der Welt durch und tragen zu einem menschenwürdigen Leben für alle auf einem gesunden Planeten bei.

Rückfragen & Kontakt

AG Globale Verantwortung
Hannah Hauptmann, MA
Telefon: +43 1/522 44 22–15
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Website: https://www.globaleverantwortung.at

Aviso: Pressetermin 14.04.2026: Hilfe kürzen? Kommt zurück wie ein Bumerang

Pressetermin mit Foto-Option am 14. April am Wr. Heldenplatz: NGOs appellieren an Regierung, das nächste Budget für Entwicklung und Humanitäre Hilfe zumindest auf dem Niveau von 2024 abzusichern

Inmitten einer weltweiten Krisenspirale verliert Österreich an Handlungsfähigkeit, denn ausgerechnet beim internationalen Engagement hatte die Bundesregierung im Doppelbudget für 2025 und 2026 den Sparstift angesetzt. Bis Ende 2026 wird das Budget für internationale Entwicklung, Humanitäre Hilfe, entwicklungspolitische Inlandsarbeit und Friedensförderung um rund ein Drittel gesunken sein.

Bei einem Pressetermin mit Foto-Option am Wiener Heldenplatz werden der entwicklungspolitische und humanitäre Dachverband AG Globale Verantwortung und Mitgliedsorganisationen – darunter CARE Österreich, Caritas Österreich, Diakonie Österreich, Österreichisches Rotes Kreuz – davor warnen, dass ein kaputtgespartes internationales Engagement

  • viele Regionen weiter destabilisiert,
  • die Krisenspirale zusätzlich befeuert und
  • Millionen Menschen die Zukunftschancen raubt.

Kurzsichtige Sparmaßnahmen werden auf Österreich zurückschlagen wie ein Bumerang.

Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung, wird vor Pressevertreter*innen sprechen und an die Bundesregierung appellieren, den Bumerang zu stoppen. Im Zuge des Budgets für 2027 und 2028 kann die Regierung noch eine echte Trendwende einläuten, um eine friedlichere, gerechtere und stabilere Welt mitzugestalten. Dafür ist es notwendig, die Kürzungen zurückzunehmen und das Budget für Entwicklung und Humanitäre Hilfe zumindest auf dem Niveau von 2024 abzusichern.

Details Pressetermin

  • 14. April 2026, 09:30 Uhr
  • Treffpunkt vor dem Erzherzog-Karl-Denkmal am Heldenplatz, 1010 Wien

Lukas Wank und Geschäftsführer*innen von Mitgliedsorganisationen stehen anschließend für Interviews zur Verfügung.

Rückfragen:
Hannah Hauptmann (sie/ihr)
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

hannah.hauptmann@globaleverantwortung.at
presse@globaleverantwortung.at
Tel.: +43 1/522 44 22 – 15

Internationale Gedenk- und Aktionstage

22. April: Tag der Erde
Er findet in über 175 Ländern statt. Die Idee hinter dem auch als Earth Day bezeichneten Aktionstag ist, für einen ökologischen bzw. umweltbewussten Lebensstil zu werben.

3. Mai: Internationaler Tag der Pressefreiheit.
Mit diesem Tag wird seit 1994 jährlich auf Verletzungen der Pressefreiheit sowie auf die grundlegende Bedeutung freier Berichterstattung für die Existenz von Demokratien aufmerksam gemacht.

8. Mai: Internationaler Weltrotkreuz- und Rothalbmondtag
Inoffizieller internationaler Gedenk- und Feiertag, anlässlich des Geburtstags von Henry Dunant, dem Begründer der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung.

15. Mai: Internationaler Tag der Familie
Ein offizieller Gedenktag der Vereinten Nationen.

16. Mai: Internationaler Tag des Lichts
Die UNESCO hebt an diesem Tag die Bedeutung des Lichts hervor, unter anderem in Wissenschaft, Kultur, Kunst, Bildung, Medizin, Kommunikation und Energienutzung.

17. Mai: Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT)
Die Initiative zu diesem Tag ging von Louis-George Tin aus, der heute der französischen Sektion der International Lesbian and Gay Association vorsteht. Das Datum wurde zur Erinnerung an den 17. Mai 1990 gewählt, damals strich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel.

21. Mai: Internationaler Welttag der kulturellen Entwicklung
Auch „Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung“, ausgerufen von der UNESCO.

25. Mai: Afrikatag
Der Afrikatag ist ein jährlicher Erinnerungstag an die Gründung der Organisation für Afrikanische Einheit am 25. Mai 1963. Sie gilt als Vorgängerorganisation der 2001 gegründeten Afrikanischen Union. An diesem Tag wurde in Addis Abeba (Äthiopien) die Charta von 30 afrikanischen Staaten unterzeichnet. In vielen Ländern Afrikas ist der 25. Mai seitdem ein gesetzlicher Feiertag.

1. Juni: Internationaler Kindertag
Der auch Weltkindertag oder Internationaler Tag des Kindes genannte Tag wird in über 145 Staaten der Welt begangen, um auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder und speziell auf die Kinderrechte aufmerksam zu machen. Es gibt aber kein einheitliches Datum. In über 40 Staaten, wie in China, in vielen mittel- und osteuropäischen Ländern sowie Nachfolgestaaten der Sowjetunion wird am 1. Juni der Internationale Kindertag begangen. In Deutschland und Österreich wird am 20. September der Weltkindertag ausgerichtet, aber auch der 1. Juni als Internationaler Kindertag gefeiert. Die Vereinten Nationen begehen den Weltkindertag am 20. November als Internationalen Tag der Kinderrechte, dem Jahrestag, an dem die UN-Vollversammlung die Kinderrechtskonvention von 1989 verabschiedete; auch diesem Datum haben sich viele Staaten angeschlossen.

1. Juni: Weltbauerntag, Welterntetag und Weltmilchtag
Ausgerufen von UNESCO, UNO und FAO.

5. Juni: Internationaler Weltumwelttag
Ausgerufen 1972 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen.

8. Juni: Internationaler Welttag der Ozeane 
Dieser Aktionstag hat seinen Ursprung im Erdgipfel am 8. Juni 1992 in Rio de Janeiro. Seit 2009 er als Welttag der Ozeane von den Vereinten Nationen begangen. Ziel des Tages ist es, weltweit Aufmerksamkeit für aktuelle Herausforderungen im Zusammenhang mit den Ozeanen zu erlangen.

Geplante Wahlen in Ländern des Globalen Südens

Dschibuti: 10. April: Präsidentschaftswahl
Benin: 12. April: Präsidentschaftswahl
Peru: 12. April: Präsidentschaftswahl und Parlamentswahl
Kap Verde: 17. Mai: Parlamentswahl
Guinea: 14. Mai: Parlamentswahl
Kolumbien: 31. Mai: Präsidentschaftswahl
Äthiopien: 1. Juni: Parlamentswahl
Algerien: geplant für 2. Juli: Parlamentswahl
São Tomé und Príncipe: 19. Juli: Präsidentschaftswahl
Haiti: 30. August: 1. Wahlgang der Präsidentschafts- und Parlamentswahl
Marokko: 23. September: Parlamentswahl
Brasilien: 4. Oktober: Parlamentswahl

PA: Iran: Vier Dissidenten innerhalb von 24 Stunden im Geheimen hingerichtet – sieben weitere Personen akut gefährdet

Innerhalb von weniger als 24 Stunden haben die iranischen Behörden vier Männer im Geheimen hingerichtet. Mindestens sieben weitere Protestierende und Dissidenten befinden sich in akuter Gefahr, ebenfalls hingerichtet zu werden. Amnesty International fordert einen sofortigen Stopp aller geplanten Exekutionen.

Es ist ungeheuerlich, dass die Behörden der Islamischen Republik Iran die Todesstrafe weiterhin als Waffe einsetzen, um abweichende Stimmen auszulöschen und die Bevölkerung weiter einzuschüchtern, während diese ohnehin unter dem Schock des Konflikts und der Trauer angesichts der anhaltenden Luftangriffe Israels und der USA leidet“, erklärte Diana Eltahawy, stellvertretende Regionaldirektorin von Amnesty International für den Nahen Osten und Nordafrika.

„Die iranischen Behörden müssen alle Pläne zur Hinrichtung der Dissidenten Vahid Bani Amerian und Abolhassan Montazer sowie der Protestierenden Mohammad Amin Biglari, Ali Fahim, Abolfazl Salehi Siavashani, Amirhossein Hatami und Shahin Vahedparast Kolo, die im Ghezel-Hesar-Gefängnis in der Provinz Alborz inhaftiert sind, sofort stoppen.“

Vier Männer ohne Vorwarnung hingerichtet

Am 30. März 2026 wurden Akbar (Shahrokh) Daneshvarkar und Mohammad Taghavi Sangdehi im Geheimen hingerichtet, am 31. März folgten die Hinrichtungen von Babak Alipour und Pouya Ghobadi.
Weder die Männer selbst noch ihre Familien oder ihre Anwält*innen wurden vorab über die bevorstehenden Hinrichtungen informiert. Ihnen wurde die Möglichkeit zur Verabschiedung verweigert. Bislang wurden den Familien die sterblichen Überreste von mindestens drei der Hingerichteten nicht übergeben.

Alle vier wurden nach einem Verfahren vor einem Revolutionsgericht in Teheran im Oktober 2024 wegen „bewaffneten Aufstands gegen den Staat“ (baghi) zum Tode verurteilt, aufgrund angeblicher Verbindungen zur verbotenen Oppositionsgruppe Volksmodjahedin (PMOI). Die Männer wiesen alle Vorwürfe wiederholt zurück.

Sieben weitere Männer in unmittelbarer Gefahr

Zwei weitere Männer– Vahid Bani Amerian und Abolhassan Montazer – wurden in demselben Verfahren nach einem schwer rechtswidrigen, auf Folter basierenden Prozess verurteilt. Sie wurden am 30. März ebenfalls an einen unbekannten Ort verlegt. Seitdem verweigern die Behörden ihren Familien und Anwält*innen jede Auskunft über ihren Verbleib.

Am Morgen des 1. April wurden zudem fünf junge Protestierende – Mohammad Amin Biglari, Ali Fahim, Abolfazl Salehi Siavashani, Amirhossein Hatami und Shahin Vahedparast Kolo – aus dem Ghezel-Hesar-Gefängnis in der Provinz Alborz an einen unbekannten Ort verlegt. Sie wurden im Rahmen eines gesonderten Verfahrens im Zusammenhang mit den Protesten vom Jänner 2026 wegen „Feindschaft gegenüber Gott“ (moharebeh) zum Tode verurteilt.

Folter und rechtswidrige Verfahren
Alle elf Männer gaben an, in Haft gefoltert und misshandelt worden zu sein, unter anderem durch Schläge, Auspeitschungen, langanhaltende Einzelhaft und Todesdrohungen mit vorgehaltener Waffe. Die Verurteilungen stützten sich auf erzwungene „Geständnisse“ unter Folter. Die grob rechtswidrigen Verfahren dauerten jeweils nur wenige Stunden.

Amnesty International fordert sofortiges Handeln
„Die Todesstrafe verletzt das Recht auf Leben und ist die schlimmste Form grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Bestrafung. Todesurteile, die nach schwerwiegenden Verletzungen des Rechts auf ein faires Verfahren vollstreckt werden, sind willkürliche Hinrichtungen. Alle Staaten sind dringend aufgefordert, die iranischen Behörden aufzufordern, alle Hinrichtungen sofort zu stoppen und ein Moratorium für alle Hinrichtungen zu verhängen, mit dem Ziel, die Todesstrafe abzuschaffen“, sagte Diana Eltahawy.

Die jüngsten Hinrichtungen reihen sich in eine seit dem Aufstand der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ 2022 andauernde Hinrichtungswelle ein, die sich nach dem zwölftägigen Krieg im Jahr 2025 weiter beschleunigt hat und ein Ausmaß erreicht, das seit über vier Jahrzehnten nicht mehr verzeichnet wurde.

Rückfragen:
Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
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PA: Israel: Neu verabschiedetes Gesetz zur Todesstrafe muss aufgehoben werden

Die israelischen Behörden müssen die gestern verabschiedeten Gesetzesänderungen, mit denen der Einsatz der Todesstrafe ausgeweitet wird, dringend rückgängig machen, erklärte Amnesty International.

„Gestern hat das israelische Parlament, die Knesset, in einer öffentlichen Zurschaustellung von Grausamkeit, Diskriminierung und völliger Missachtung der Menschenrechte das erste von einer Reihe von Gesetzen verabschiedet, die den Einsatz der Todesstrafe erleichtern. Die als ‚Todesstrafe für Terroristen‘ bekannte Änderung des israelischen Strafrechts erweitert den Anwendungsbereich und erleichtert die Anwendung der Todesstrafe. Das passiert zu einer Zeit, in der weltweit ein Trend zur Abschaffung der Todesstrafe zu beobachten ist. Zudem hebt die Knesset grundlegende Schutzvorkehrungen auf, die willkürliche Tötungen verhindern und das Recht auf ein faires Verfahren sichern sollen, und stärkt das israelische Apartheid-System, das durch zahlreiche diskriminierende Gesetze gegen Palästinenser*innen aufrechterhalten wird“, sagt Erika Guevara-Rosas, Direktorin für Recherche, Advocacy, Politik und Kampagnen bei Amnesty International.

„Es spricht Bände, dass dieses Gesetz in demselben Monat verabschiedet wurde, in dem der israelische Militärgeneralstaatsanwalt alle Anklagen gegen israelische Soldaten fallen ließ, denen sexuelle Übergriffe auf einen palästinensischen Häftling vorgeworfen wurden – eine Entscheidung, die vom Premierminister und mehreren Minister*innen gefeiert wurde. Premierminister Benjamin Netanjahu, der vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht wird, gehörte zu denen, die für das Gesetz gestimmt haben. Seit Jahren beobachten wir ein alarmierendes Muster von offensichtlich außergerichtlichen Hinrichtungen und anderen rechtswidrigen Tötungen von Palästinenser*innen – bei nahezu vollständiger Straffreiheit für die Täter. Dieses neue Gesetz ist der Höhepunkt einer solchen Politik“, so Guevara-Rosas. 

Österreich muss Haltung beziehen

Mehrere Staaten, darunter Frankreich, Deutschland und Italien, haben die Einführung der Todesstrafe in Israel bereits öffentlich kritisiert. Der Generalsekretär des Europarats, Alain Berset, sprach von einem „erheblichen zivilisatorischen Rückschritt“. Eine klare Stellungnahme aus Österreich steht bisher aus.

„Während Israel die Todesstrafe für Palästinenser*innen einführt, schweigt die österreichische Bundesregierung. Gleichzeitig kandidiert Österreich für den UN-Sicherheitsrat und will sich dort für Frieden und Menschenrechte einsetzen. Wer einen Sitz am Tisch der Weltgemeinschaft beansprucht, muss jedoch auch bereit sein, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Wir fordern die Bundesregierung auf, dieses Gesetz öffentlich zu verurteilen und sich für seine Aufhebung einzusetzen,” so Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich. 

Militärgerichte mit 99% Verurteilungsquote

Das neue Gesetz schafft ausdrücklich zwei rechtliche Rahmenbedingungen für die Anwendung der Todesstrafe: im besetzten Westjordanland sowie in Israel und dem illegal annektierten Ostjerusalem. Militärgerichte im besetzten Westjordanland werden ermächtigt die Todesstrafe gegen Palästinenser*innen verhängen, die wegen vorsätzlicher Tötungen im Rahmen von Handlungen verurteilt werden, die nach Israels diskriminierendem Anti-Terror-Gesetz als terroristische Handlungen definiert sind. Nur unter besonderen Umständen, die das Gesetz nicht näher spezifiziert, dürfen Gerichte stattdessen eine lebenslange Freiheitsstrafe – und ausschließlich eine lebenslange Freiheitsstrafe – verhängen. Der Verteidigungsminister ist befugt zu entscheiden, ob Angeklagte aus dem Westjordanland vor Militär- oder Zivilgerichte gestellt werden. Die zum Tode Verurteilten haben keinen Anspruch auf Begnadigung, was dieses Gesetz zu einem der extremsten Todesstrafengesetze der Welt macht.

„Die Militärgerichte weisen bei palästinensischen Angeklagten eine Verurteilungsquote von über 99 % auf und missachten die Grundsätze eines ordnungsgemäßen Verfahrens systematisch. Indem Israel Militärgerichte ermächtigt, praktisch obligatorische Todesurteile zu verhängen und die Hinrichtung innerhalb von nur 90 Tagen nach dem rechtskräftigen Urteil anzuordnen, räumt es sich freie Hand bei der Hinrichtung von Palästinenser*innen ein und hebt gleichzeitig die grundlegendsten Garantien für ein faires Verfahren auf“, sagt Erika Guevara-Rosas. 

Ideologische Klausel zielt auf Palästinenser*innen

Nach dem zweiten, in Israel und im illegal annektierten Ostjerusalem geltenden Rahmen wird die Befugnis der Zivilgerichte, die Todesstrafe zu verhängen, auf jede Person ausgeweitet, die wegen vorsätzlicher Tötung „mit dem Ziel, die Existenz des Staates Israel zu negieren“, verurteilt wurde. Diese ideologische Voraussetzung bei der Absicht macht deutlich, dass das Gesetz darauf ausgelegt ist, Palästinenser*innen ins Visier zu nehmen.

„Jede nach diesem Gesetz verhängte Todesstrafe stellt eine Verletzung des Rechts auf Leben dar. Wenn sie gegen Palästinenser*innen aus den besetzten Gebieten verhängt wird, kann sie darüber hinaus Kriegsverbrechen gleichkommen. Die internationale Gemeinschaft muss maximalen Druck auf die israelischen Behörden ausüben, damit dieses Gesetz unverzüglich aufgehoben, die Todesstrafe vollständig abgeschafft und alle Gesetze und Praktiken beseitigt werden, die zum System der Apartheid gegen Palästinenser*innen beitragen”, betont Guevara-Rosas.

Hintergrund

Neben der Änderung bezüglich der Todesstrafe hat der Ausschuss für Verfassung, Recht und Justiz der Knesset am 24. März den Gesetzentwurf zum „Tribunalsgesetz“ („Strafverfolgung von Beteiligten an den Ereignissen des Massakers vom 7. Oktober“) zur zweiten und dritten Lesung weitergeleitet. Dieser sieht die Einrichtung eines Ad-hoc-Tribunals vor, das faktisch als Militärgericht fungiert, um Personen zu verurteilen, denen die Beteiligung an den Angriffen vom 7. Oktober vorgeworfen wird. Der Gesetzentwurf ermächtigt das Tribunal, gegen Verurteilte die Todesstrafe zu verhängen, und erlaubt ihm, erheblich von den üblichen Verfahrens- und Beweisregeln abzuweichen, wenn dies „zur Wahrheitsfindung und zur Durchsetzung der Gerechtigkeit als notwendig erachtet wird“.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe bedingungslos und unter allen Umständen ab. Artikel 6 Absatz 1 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR), dem Israel beigetreten ist, schützt vor willkürlicher Tötung, die ebenso wie Folter und andere Formen der Misshandlung und Bestrafung nach dem Völkergewohnheitsrecht, den internationalen Menschenrechtsnormen und dem humanitären Völkerrecht absolut verboten ist.

Im israelischen Kontext, wo das Justizsystem, insbesondere die Militärjustiz, für seine inhärente Diskriminierung von Palästinenser*innen bekannt ist und wo Verurteilungen routinemäßig auf Beweisen beruhen, die durch Folter und andere Misshandlungen erzwungen wurden, würde die Anwendung der Todesstrafe nach solchen Gesetzen eine Verletzung des Rechts auf Leben und des Verbots von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe darstellen.

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Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
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PA: WM 2026: Amnesty International fordert Fußballturnier ohne Angst und Repression

Amnesty International warnt, dass Millionen Fußballfans bei der FIFA-Weltmeisterschaft der Männer 2026 in Kanada, Mexiko und den USA erheblichen Menschenrechtsrisiken ausgesetzt sein werden. Besonders in den USA, wo drei Viertel der Spiele stattfinden, gefährden eine gewaltvolle und diskriminierende Einwanderungspolitik sowie Einschränkungen der Meinungsfreiheit und des Rechts auf friedlichen Protest das von der FIFA versprochene „sichere, einladende und integrative“ Turnier. 

Der neue Amnesty-Bericht „Humanity Must Win: Defending rights, tackling repression at the 2026 FIFA World Cup“ zeigt umfassend, welche Risiken für Fans, Spieler, Journalist*innen und marginalisierte Gruppen bestehen. 

 „Die WM 2026 droht, mehr Repression als Fußball zu liefern. Wer protestiert oder Kritik äußert, muss bei der Weltmeisterschaft mit Unterdrückung rechnen. Setzen sich die Razzien der US-Einwanderungsbehörde ICE, die massenhaften Festnahmen und die Einreiseverbote fort, wird dieses Turnier zum Symbol staatlicher Einschüchterung. FIFA und Gastgeberstaaten müssen jetzt verbindliche Schutzmechanismen vorlegen, die allen Beteiligten eine WM ohne Angst und Ausgrenzung ermöglichen“, sagte Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich

„Die FIFA wird mit der WM der Männer 2026 Rekorderlöse erzielen. Die Fans, marginalisierten Gruppen, Spieler*, Journalist*innen und Arbeitskräfte dürfen dafür nicht den Preis zahlen. Es sind diese Menschen – nicht Regierungen, Sponsoren oder die FIFA –, denen der Fußball gehört, und ihre Rechte müssen im Mittelpunkt der WM stehen“, so Steve Cockburn, Leiter des Bereichs für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit von Amnesty International.  

Gut 10 Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft der Männer muss die FIFA dringend Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass das schöne Spiel nicht in Gefahr gerät, einen unschönen Ausgang zu nehmen. Denn sie hat sich zu einem Turnier verpflichtet, bei dem sich jede*r sicher und einbezogen fühlt und die eigenen Rechte frei ausüben kann.  

Menschenrechtlicher Notstand in den USA
Unter der Trump-Regierung verschärft sich ein menschenrechtlicher Notstand: massenhafte, willkürliche Festnahmen, ein Klima der Angst durch den Einsatz maskierter, bewaffneter ICE- sowie Zoll- und Grenzschutzbeamt*innen. Allein 2025 wurden über 500.000 Menschen abgeschoben – vielfach ohne ordnungsgemäßes Verfahren und unter Verletzung menschenrechtlicher Grundsätze. 

Für migrantische Communities in den USA, Fans aus aller Welt sowie die Spieler* stellt die diskriminierende Einwanderungspolitik der USA eine akute Bedrohung dar. Auch WM-Gastgeberstädte sind von den Einschränkungen der Rechte durch die US-Regierung betroffen.  

Präsident Trump hat im Juni 2025 als Reaktion auf Proteste gegen Razzien von Migrant*innen etwa 4.000 Soldat*innen der kalifornischen Nationalgarde unter Bundesbefehl gestellt und nach Los Angeles entsandt. Die Austragungsorte Dallas, Houston und Miami haben problematische Vereinbarungen unterzeichnet, wonach lokale Strafverfolgungsbehörden mit der US-Einwanderungsbehörde ICE zusammenarbeiten sollen, was Racial Profiling und die gezielte Verfolgung von Einwander*innen verstärkt. 

Risiken in Mexiko und Kanada 
Im Gastgeberland Mexiko wurden als Reaktion auf die hohe Gewalt 100.000 Sicherheitskräfte, darunter auch das Militär, mobilisiert, was die Risiken für Demonstrierende erhöht. Dazu gehören auch Aktivist*innen, die zum Eröffnungsspiel im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt eine friedliche Demonstration planen, um Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für das Verschwinden ihrer Angehörigen zu fordern.  

In Kanada gibt es Befürchtungen, dass Obdachlose vertrieben und weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Am 15. März schlossen die Behörden in Toronto eine Winter-Wärmestation, die Obdachlosen Schutz bot, da die Räumlichkeiten von der FIFA vorab gebucht worden waren. 

Migration, Visarestriktionen und Überwachung erschweren Teilnahme am Turnier
Fans und migrantische Communities sind vielfältigen Gefahren ausgesetzt:

  • US-Behörden gehen gezielt gegen Menschen aus lateinamerikanischen, schwarzen, asiatischen und anderen nicht-weißen Bevölkerungsgruppen vor. 
  • Neue Einreiseverbote treffen Fans aus Côte d’Ivoire, Haiti, Iran und Senegal. 
  • Besucher*innen könnten zu Überprüfungen ihrer Social-Media-Konten gezwungen werden.

Bisher haben nur vier von 16 WM-Städten Menschenrechtspläne veröffentlicht. Keiner davon enthält Schutzmaßnahmen gegen Menschenrechtsverletzungen durch Einwanderungsbehörden. 

Einschränkungen von Protest und Meinungsfreiheit 
Weltmeisterschaften stehen oft im Mittelpunkt von Protesten und es besteht die Gefahr, dass Demonstrationen unterdrückt werden. In allen drei Gastgeberländern wurden Demonstrationen zuletzt eingeschränkt: 

  • In den USA wurden insbesondere ausländische Studierende wegen Protesten gegen den Gaza-Krieg ins Visier genommen; es kam zu Tötungen durch Bundesbeamt*innen während Protesten gegen Einwanderungsmaßnahmen. 
  • In Kanada wurden friedliche Gaza-Proteste und Protestcamps polizeilich aufgelöst. 
  • In Mexiko protestierten Einwohner*innen gegen Infrastrukturprojekte, steigende Lebenshaltungskosten, Wasserknappheit und Gentrifizierung im Kontext der WM. Die militarisierte Sicherheitslage birgt weitere Risiken.

Mitglieder von LGBTQIA+ Organisationen äußern zudem erhebliche Sicherheitsbedenken, bei der WM sichtbar teilzunehmen. 

Hintergrund
Amnesty ist Teil der Sport & Rights Alliance, einem Netzwerk aus Fans, Sportler*innen, Communities und Menschenrechtsorganisationen, welches die FIFA auffordert, wirksame Schutzmaßnahmen gemeinsam mit allen Gastgeberländern umzusetzen.

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Recherchematerial zu Fußball, Menschenrechte & SDGs – Im Fokus: WM 2026

Gute Sportberichterstattung ist auch Wirtschafts-, Politik- und Gesellschaftsjournalismus. Fußball kann ein Einstiegstor in globale Politik sein. Die Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko bietet einen hochaktuellen Nachrichtenanlass und markiert einen Wendepunkt: Nicht mehr nur autoritäre Staaten stehen im Fokus der Kritik – sondern auch westliche Demokratien. Hier einige kritische Punkte in Kürze:

•          Menschenrechtsorganisationen bezweifeln, dass die USA aktuell ein geeigneter Gastgeber sind

•          Diskussionen über Einreisebeschränkungen für Fans und Teams stehen im Raum

•          Boykottforderungen aus Politik und Zivilgesellschaft nehmen zu

•          Debatten über Sicherheit, digitale Überwachung und politische Einflussnahme prägen die Vorbereitung

Die WM 2026 ist kein nebensächliches Sportevent, sondern ein Testfall für die Glaubwürdigkeit von Menschenrechtsstandards auf globaler Bühne. Minky Worden, die für den Bereich „Global Initiatives“ zuständige Leiterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, äußerte im Interview mit Deutschlandfunk ihre Bedenken wegen der Austragung der anstehenden Fußball-WM in den USA. Und verwies unter anderem auf das Einreiseverbot in die USA für Menschen aus Haiti. Der Karibik-Staat nimmt erstmals seit 52 Jahren wieder an einer WM-Endrunde teil. Doch laut US-Regierung dürfen nur die Spieler und Funktionäre für den Zeitraum des Turniers einreisen. Weiters kündigte die Trump-Regierung eine Überprüfung von Social-Media-Daten der letzten fünf Jahre von Fans aus allen Ländern bei der Einreise in die USA zur Fußball-WM 2026 an.

Weiterführende Info:

Deutschlandfunk: Menschenrechte und Einreiseverbote – Human Rights Watch: „FIFA muss prüfen, ob es noch möglich ist, die Fußball-WM in den USA auszutragen“

SDGs und Sport

Auf den ersten Blick hat vor allem SDG 3 (Sustainable Development Goals), das Ziel für Gesundheit und Wohlergehen, einen klaren Bezug zu Sport. Worum geht es? Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern. Die Unterpunkte hier im Überblick:

https://sdgwatch.at/de/ueber-sdgs/3-gesundheit-und-wohlergehen

Sport ist jedoch auch ein großer Wirtschaftsfaktor und hat viele gesellschaftspolitische Aspekte. Die SDGs können eine Linse für komplexe Sportberichterstattung bieten. So lässt sich die WM 2026 beispielsweise entlang der SDGs analysieren:

  • SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit): Unter welchen Bedingungen wird die WM veranstaltet?
  • SDG 10 (Weniger Ungleichheiten): Wer kann teilnehmen – wer wird ausgeschlossen?
  • SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz): Wie nachhaltig ist ein Turnier über drei Länder hinweg?
  • SDG 16 (Starke Institutionen): Wie transparent und rechenschaftspflichtig ist die FIFA?

Ideen für mögliche Geschichten

  • Wer darf zur WM 2026?

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird in drei Ländern ausgetragen – mit unterschiedlichen Einreise- und Sicherheitssystemen. Doch ist die WM tatsächlich ein global zugängliches Event?

Themen: Visa, Grenzen und globale Ungleichheit,

Interviewpartner:innen: Human Rights Watch, Migrationsforscher:innen, betroffene Fans

  • Die unsichtbaren Arbeiter:innen der WM

Nach der FIFA WM 2022 in Katar steht die Frage im Raum: Hat sich bei Arbeitsrechten im Sport etwas verbessert? Die Frage ist nicht wer gewinnt die WM, sondern unter welchen Umständen findet sie statt.

Themen: Arbeitsmigration, Arbeitskräfte ohne soziale Absicherung, Rolle von Subunternehmen und Outsourcing

Interviewpartner:innen: Gewerkschaften (z. B. Bau, Service), Amnesty International, Arbeitsrechtsexpert:innen, lokale NGOs in Austragungsstädten

  • Klima & Nachhaltigkeit

SDG 13 im Reality-Check: Kann eine WM über drei Länder hinweg klimaneutral sein?

Themen: Flugverkehr zwischen Spielorten, Infrastruktur & Energieverbrauch, Greenwashing durch Kompensationsmodelle, CO₂-Bilanz

Interviewpartner:innen: Klimaforscher:innen, NGOs (z. B. Umweltorganisationen)

  • Rassismus, Homophobie & Diskriminierung im Fußball

Diskriminierung ist im Fußball weiterhin präsent – auch in Europa und Nordamerika. Sind es Strukturen oder Einzelfälle?

Themen: Rassistische Vorfälle im Stadion, mangelnde Diversität in Führungspositionen

Interviewpartner:innen: Aktivist:innen, betroffene Spieler:innen, NGOs und Fairplay Initiativen

  • Sportswashing im Westen?

Sportswashing, also die Nutzung von Sportveranstaltungen oder Sponsoring durch Staaten oder Konzerne, um das eigene Image aufzupolieren und von Menschenrechtsverletzungen und Korruption abzulenken, wird meist autoritären Staaten zugeschrieben. 2026 stellt sich die Frage: Nutzen auch Demokratien den Sport zur Imagepflege?

Themen: politische Inszenierung der Gastgeberländer, Umgang mit Kritik (Menschenrechte, Polizei, Migration)

Interviewpartner:innen: Medienethiker:innen, Politikwissenschaftler:innen, NGOs wie Human Rights Watch

Weiterführende Infos

Sportswashing

In Sachen Sportswashing wurden in den vergangenen Jahren auch NGOs aktiv: Etwa Human Rights Watch https://www.hrw.org/video-photos/audio/2025/02/10/sportswashing-explained

Oder auch Amnesty: https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-journal/deutschland-sportswashing-fc-bayern-ruanda-katar-vereinigte-arabische-emirate

Rassismus und Sport

Rassistisch motivierte Zwischenfälle sind sowohl im Leistungs- als auch Breitensport zu beobachten. Niklas Schulteis hat im Rahmen eines Forschungspraktikums zu Rassismus und Fußball an der Erasmus School of History, Culture and Communication einen Beitrag über Fußball und Rassismus in Europa für die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung verfasst: https://www.bpb.de/themen/migration-integration/kurzdossiers/549451/hat-der-europaeische-fussball-ein-rassismus-problem/

Ein Infosheet zu Rassismus im Sport gibt es von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, hier: https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/1203-Infosheet-racism-in-sport_DE.pdf

Initiativen und Vereine

Fairplay Initiative

Fairplay am Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) ist die Initiative für Vielfalt und Antidiskriminierung im Sport. Gegründet wurde die Initiative 1997 im Rahmen des Europäischen Jahres gegen Rassismus. Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Antidiskriminierung und Diversität, soziale Inklusion, Menschenrechte und Entwicklung und Prävention von Extremismus. Das Projekt fairplay prevention – Anlaufstelle gegen menschenfeindliche Ideologien wurde aufgrund von Sparmaßnahmen mit Jänner 2026 eingestellt. Link: www.fairplay.or.at

Ombudsstelle Fußball für alle

Die Ombudsstelle dient als direkte Anlaufstelle für LGBTIQ-Personen im Fußball. Hier geht es vor allem um Diskriminierung im Bereich Homophobie. Die Stelle ist aber auch mit anderen Organisationen und NGOs vernetzt um auch eine psychologische Weiterleitung oder Weiterbetreuung zu gewährleisten. Die Anlaufstelle ist unabhängig und eigen­ständig, jedoch mit einer Legitimation von ÖFB und Bundesliga ausgestattet, um bei Problemen bei Vereinen oder Verbänden ­vorstellig zu werden. Link: https://www.fussballfueralle.at/

ballesterer

Der ballesterer ist das kritische Fußballmagazin Österreichs: Die ballesterer-Autor:innen zeichnet eine kritische Sichtweise auf das aktuelle Fußballgeschehen aus. Sowohl die zunehmende Kommerzialisierung wie auch das Zurückdrängen von Fans und Fankultur aus den Stadien werden laufend thematisiert.

Kicken ohne Grenzen

Das mehrfach preisgekrönte Projekt „Kicken ohne Grenzen“ bietet mit Fußballteams sichere Räume für Jugendliche mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung. Die Förderung von Mädchen ist ein Fokus der Initiative. Link: www.kicken-ohne-grenzen.at

Play Together Now

Der Verein wurde 2015, mit der Ankunft von vielen Geflüchteten in Wien, von engagierten Personen gegründet. Seitdem ist der Verein zu 100% von Ehrenamtlichen getragen, die ihre freie Zeit, jungen Menschen in Wien widmen. Link: www.playtogethernow.at

Dachverband Globale Verantwortung

Der Dachverband Globale Verantwortung – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe vertritt in Österreich und darüber hinaus 39 Nichtregierungsorganisationen, die in der Entwicklungszusammenarbeit, entwicklungspolitischen Inlandsarbeit, humanitären Hilfe sowie für eine nachhaltige globale wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung tätig sind. Auf einer Projektlandkarte hat der Dachverband Projekte mit Sportfokus zusammengetragen, wie die Fußballschule für Kinder und Jugendliche in Mexiko-Stadt oder die Base Brazil Football Schools.

SDG Watch Austria

SDG Watch Austria ist ein Zusammenschluss von mehr als 230 zivilgesellschaftlichen und gemeinnützigen Organisationen. Sie setzen sich gemeinsam für eine ambitionierte Umsetzung der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) in Österreich ein: https://sdgwatch.at

Austrian Development Agency

Armut mindern, Frieden fördern und Umwelt schützen stehen im Zentrum der Arbeit der Austrian Development Agency (ADA), der Agentur der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Die ADA wickelt jedes Jahr mehrere hundert Projekte ab. Das Budget der ADA stellt das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten zur Verfügung. Immer wieder finanzierte die ADA auch Projekte rund um Sportgroßereignisse. Sport und Fußball bieten als Medium zur Bewusstseinsbildung für Menschenrechte und Entwicklung großes Potenzial. Übersicht über die Projekte der ADA: Laufende Projekte – Austrian Development Agency

Kontakte

Nicole Selmer

Die Journalistin ist stellvertretende Chefredakteurin des Magazins ballesterer. Sie recherchierte mehrfach zum Thema Sportswashing. 2004 veröffentlichte sie ein Buch über weibliche Fans („Watching the Boys Play, Frauen als Fußballfans“), begann so das journalistische Schreiben über Fußball und Gesellschaftspolitik und stieß zum ballesterer.

Dietrich Schulze-Marmeling

Dietrich Schulze-Marmeling ist Journalist und Buchautor. Seine Themen sind neben Fußballs auch politische Themen. 2025 erschien von ihm und Bernd-M. Beyer das Buch“ Politik im Spiel: Die andere Geschichte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft“. Für den Ballesterer hat er den Politikwissenschaftler Andrei Steven Markovits zur WM 2026 interviewt.

Ronny Blaschke

Journalist und Buchautor. Blaschke beschäftigt sich mit politischen Themen im Sport, u. a. für Deutschlandfunk, SZ und Deutsche Welle. Die Recherchen für seine Bücher lässt er in politische Bildung einfließen, in Vorträge, Moderationen und Konferenzen. 2025 erschien sein Buch „Football and Racism: How Colonialism Shaped the Modern Game“.

Jürgen Mittag

Jürgen Mittag besetzte die damals erste originär sportpolitikbezogene Professur in Deutschland an der Deutschen Sporthochschule Köln. Er gilt als Kenner internationaler Sportorganisationen. Für die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung hat er das Heft „Sport und Politik“ für die Reihe: „Informationen zur politischen Bildung“ gestaltet.

Martin Krauss

Auch Krauss ist Sportjournalist und Autor zum Thema. Er hat das Buch geschrieben: „Dabei sein wäre alles. Wie Athletinnen und Athleten bis heute gegen Ausgrenzung kämpfen. Eine neue Geschichte des Sports“, das im C. Bertelsmann Verlag 2024 erschienen ist.

Nikola Staritz

Staritz ist Teil des Fairplay-Teams im VIDC und dort zuständig für den Bereich Antidiskriminierung. Zusätzlich ist sie auch Fußballtrainerin. Sie bietet sich als Gesprächspartnerin zu verschiedenen Themen rund um Sport, Diskriminierung, aber auch Empowerment an.

Spezialtipp

Die Ausstellung „PIRATI CICLISTI ANTIFASCISTI!“ über sportliche Gegenbewegungen in Wien wird am 29. April um 18:00 Uhr eröffnet. Versammelt sind Initiativen, Vereine und Künstler:innen, die sich für Vielfalt, Inklusion sowie eine feministische und antifaschistische Praxis im Sport einsetzen. Die Ausstellung zeigt, dass Sport auch ein politischer Raum sein kann. Begleitet wird die Ausstellung von einem Event- und Vermittlungsprogramm.

Ausstellungsdauer: 30. April – 27. Mai 2026

Ort: Soho Studios, Liebknechtgasse 32, 1160 Wien

Website: https://piratecultures.at/de/exhibition

PA: NGO-Dachverband begrüßt frühzeitige Bereitstellung von Geldern aus dem Auslandskatastrophenfonds

Die Ausschüttung von 7 Millionen Euro aus dem AKF im ersten Quartal ermöglicht mehr Vorausschau und Planbarkeit in der Humanitären Hilfe. Ein weiterer Aspekt steht allerdings noch aus: die substanzielle Erhöhung der Gelder.

Der Ministerrat hat gestern beschlossen, 7 Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds (AKF) für Humanitäre Hilfe im Libanon, in Syrien, Jordanien, Afghanistan und Nachbarländern, Äthiopien, Mosambik und Uganda bereitzustellen. Denn der seit knapp einem Monat wütende Krieg im Iran und im Libanon reiht sich in eine beispiellose Anzahl gleichzeitiger Konflikte und Krisen ein, die immer länger andauern. Das seit Jahren unterfinanzierte internationale Hilfssystem kann immer weniger Schritt halten: Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass nur etwas über die Hälfte der 250 Millionen Menschen, die derzeit auf Humanitäre Hilfe angewiesen sind, diese auch erhalten werden.

Wir begrüßen, dass die österreichische Bundesregierung dem Appell humanitärer Hilfsorganisationen, die Gelder aus dem AKF bereits im ersten Quartal auszuschütten, in diesem Jahr nachkommt. So ermöglicht sie mehr Vorausschau und Planbarkeit in der Humanitären Hilfe; Aspekte, die für das Überleben und das Wohlergehen von Menschen vor und während Konflikten, Dürren oder Überschwemmungen einen wesentlichen Unterschied machen können. Ein weiterer Aspekt steht allerdings noch aus: die substanzielle Erhöhung der Gelder in diesem und in den folgenden Jahren. Der auf 35 Millionen Euro gekürzte AKF reicht bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen Bedarfen notleidender Menschen gerecht zu werden.

Appell: Wirkkraft ausbauen und die österreichische Humanitäre Hilfe substanziell erhöhen
In dieser zugespitzten Weltlage beschneiden die Kürzungen in der Humanitären Hilfe und in der internationalen Entwicklung auch zunehmend die Handlungsfähigkeit der Regierung. Österreichs Stärke liegt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit, Vertrauen und Dialogbereitschaft, für die es sowohl in Partnerländern und Krisengebieten als auch in Österreich ein erfahrenes Gegenüber braucht, das verlässlich an der Seite der Menschen steht: die Zivilgesellschaft. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen und aufbauend auf ihrer langjährigen Expertise in langanhaltenden und multiplen Krisen wissen österreichische Hilfsorganisationen, wie sie insbesondere Frauen, Kindern, Menschen mit Behinderungen sowie älteren und erkrankten Menschen Zukunftschancen ermöglichen können. Daher appellieren wir an die Regierung, ihre internationale Wirkkraft infolge des Ministerratsbeschlusses auszubauen und die österreichische Humanitäre Hilfe substanziell zu erhöhen.

Lukas Wank
Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung

Rückfragen:
Hannah Hauptmann (sie/ihr)
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

hannah.hauptmann@globaleverantwortung.at
presse@globaleverantwortung.at
Tel.: +43 1/522 44 22 – 15