PA: Eskalation im Iran und Libanon

AG Globale Verantwortung appelliert an Regierung, Humanitäre Hilfe deutlich aufzustocken. Internationales Hilfssystem hält mit Krisen nicht Schritt: NGO-Dachverband fordert Aufstockung des Auslandskatastrophenfonds für Menschen in Not und umfassende Erhöhungen im nächsten Budget.

„Die Geschwindigkeit, das Ausmaß und die Gleichzeitigkeit der Eskalation im Iran und im Libanon sind in der jüngeren Vergangenheit der Region beispiellos. Ihre Bewohner*innen leben seit vielen Jahren in Unsicherheit und Gewalt. Die Frage nach dem Warum scheint zunehmend in den Hintergrund zu treten“, warnt Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung. In der Region droht ein Flächenbrand, die humanitäre Lage verschärft sich dramatisch. Millionen Menschen erleben Gewalt, ihre Versorgung ist durch die zerstörte Infrastruktur erschwert. Zuletzt berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk von über 3,2 Millionen Vertriebenen im Iran und von knapp einer Million Vertriebenen im Libanon. Unter ihnen sind auch zahlreiche Geflüchtete aus Afghanistan, Syrien und aus den palästinensischen Gebieten, die nun erneut um ihr Überleben und das ihrer Familien kämpfen müssen.

Wank verweist auf das seit Jahren strukturell unterfinanzierte internationale Hilfssystem, das mit den weltweiten Krisenherden immer weniger Schritt halten könne und an seine Grenzen stoße. „Es häufen sich die Fälle, in denen humanitäre Hilfsorganisationen nicht mehr imstande sind, Menschen rechtzeitig zu erreichen, zu versorgen und zu schützen. In dieser zugespitzten Weltlage braucht es Staaten, die sich zu internationalen Regeln bekennen und für die der Schutz von Zivilist*innen unverhandelbar ist.“

Österreichs internationale Stärken gefragt, aber Kapazitäten, um auf zugespitzte Weltlage zu reagieren, reichen nicht mehr aus

Der Geschäftsführer des humanitären und entwicklungspolitischen Dachverbands in Österreich schildert, dass ein Land wie Österreich hierbei eine wichtige Rolle einnehmen könne: „Unsere Stärke liegt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit, Vertrauen und Dialogbereitschaft. Dazu gehört auch, in Krisenzeiten verlässlich an der Seite von benachteiligten und gefährdeten Menschen zu stehen. Mit dem Auslandskatastrophenfonds und den erfahrenen österreichischen Hilfsorganisationen kann unser Land diese Menschen wirksam unterstützen. Jedoch: Die derzeit vorgesehenen Mittel reichen bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen humanitären Bedarfen gerecht zu werden. Wir appellieren daher an Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Finanzminister Markus Marterbauer, den Auslandskatastrophenfonds rasch deutlich zu erhöhen.“

Abschließend betont Wank: „Das derzeitige Weltgeschehen ist ein schriller Weckruf! Wenn die Bundesregierung an einer friedlicheren, gerechten und stabileren Welt mitwirken und auch die Sicherheit und das Wohlergehen der österreichischen Bevölkerung gewährleisten will, dann muss sie die Humanitäre Hilfe und die langfristig wirkende internationale Entwicklung in ihrem nächsten Budget substanziell stärken.“

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Hannah Hauptmann
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PA: Schwere Dürre in Kenia: 3,3 Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger

Die akute Ernährungsunsicherheit im Norden Kenias ist um mehr als 50 Prozent gestiegen / Geflüchtete sind besonders betroffen, während die Nahrungsmittelhilfe stark gekürzt wurde.

In Kenia sind laut einer aktuellen IPC-Analyse (Integrated Food Security Phase Classification) 3,3 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – das ist ein Anstieg um 52 Prozent innerhalb eines Jahres. Rund 400.000 Menschen sind in einer Notlage: Sie benötigen dringend lebensrettende Hilfe. Aufgrund einer schweren Dürre im Norden des Landes gab es zuletzt kaum Niederschlag. Familien, deren Einkommen und Überleben von ihren Herden abhängen, müssen zusehen, wie ihr Vieh verendet und Wasserlöcher austrocknen. Die Bevölkerung in den Bezirken Mandera, Marsabit und Turkana ist akut vom Verhungern bedroht – jedes dritte Kind in der Region ist betroffen. Wird die Hilfe nicht schnell ausgeweitet, steigt das Sterberisiko durch Hunger und Krankheiten, warnt die Hilfsorganisation CARE.

Dadaab: Historisch niedriges Hilfsniveau

Die Situation in Dadaab, einem der größten Flüchtlingscamps der Welt mit über 400.000 Menschen, ist besorgniserregend. Eine CARE-Erhebung vom Dezember 2025 zeigt: 54 Prozent der Geflüchteten leiden unter schwerem Hunger, 86 Prozent müssen die Anzahl täglicher Mahlzeiten reduzieren. Die Dürre trifft Menschen, die durch Hilfskürzungen im letzten Jahr bereits massiv geschwächt sind. Die Nahrungsmittelhilfe wurde um 68 Prozent gekürzt, die tägliche Wasserzuteilung halbierte sich auf 10 Liter pro Person. Die humanitäre Hilfe liegt auf dem niedrigsten Niveau in Dadaabs 35-jähriger Geschichte.

Finanzierungslücken verschärfen die Hungerkrise

Die Hungerkrise in Kenia geschieht vor dem Hintergrund sinkender Finanzierung für humanitäre Hilfe. Hilfsorganisationen in der gesamten Region waren gezwungen, Nahrungsmittelhilfe, Ernährungsprogramme und medizinische Notversorgung zu kürzen – und damit genau jenen Schutzschirm abzubauen, der eine Eskalation von Hungerkrisen verhindern soll. Aktuell sind mehr als 1,7 Millionen in Kenia auf humanitäre Hilfe angewiesen, bis Mitte 2026 wird diese Zahl voraussichtlich auf über 2,1 Millionen steigen.

CARE warnt, dass jede Verzögerung von Hilfsmaßnahmen und die Kürzungen sowohl menschliches Leid als auch die Kosten der Hilfe erhöhen. „Darauf zu warten, dass die Hungersituation katastrophale Ausmaße annimmt, bevor gehandelt wird, ist unvorstellbar“, sagt Getrude Misango, CARE-Länderdirektorin in Kenia.

So hilft CARE in Kenia: CARE ist seit Jahrzehnten in der Region aktiv und hat gemeinsam mit lokalen Behörden und Partnern bereits mit der Nothilfe begonnen – noch bevor die Dürre ihren Höhepunkt erreicht. CARE setzt Bohrlöcher, Leitungen und solarbetriebene Wassersysteme instand. Kinder unter fünf Jahren sowie schwangere und stillende Frauen werden auf Mangelernährung untersucht und gezielt versorgt. Frauen und Mädchen werden durch sichere Räume und Schutzmaßnahmen vor Ausbeutung und Gewalt geschützt.

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PA: Krieg im Nahen Osten: 1,6 Millionen schwangere Frauen in Not

Eskalierende Gewalt, Vertreibung und der Zusammenbruch medizinischer Versorgung: CARE warnt vor massiven Gesundheitsrisiken für 161 Millionen Frauen und Mädchen in der Konfliktregion – schwangere Frauen sind gezwungen, teils unter unmenschlichen Bedingungen zu gebären.

Der humanitäre Bedarf im Nahen Osten wächst täglich. In der gesamten Region leben mehr als 161 Millionen Frauen und Mädchen, die nun der Gefahr von Gewalt, Ausbeutung, Missbrauch und Menschenhandel ausgesetzt sind, warnt die Hilfsorganisation CARE. Laut den Vereinten Nationen befinden sich allein im Irak, Libanon, in Jordanien, in den palästinensischen Autonomiegebieten und Syrien – den Ländern, in denen CARE tätig ist – mehr als 1,6 Millionen schwangere Frauen in unmittelbarer Gefahr. „Vertriebene Frauen bringen in Schulen, Autos und überfüllten Notunterkünften Kinder zur Welt – ohne Privatsphäre, ohne sauberes Wasser und ohne medizinische Betreuung. Diese Bedingungen gefährden nicht nur Leben, sie nehmen den Frauen auch ihre Würde“, sagt CARE-Helferin Nour Beydoun.

Libanon: Geburten unter unmenschlichen Bedingungen

Mehr als 69.900 Frauen sind im Libanon schwanger, während Vertreibung und Bombardierungen zunehmen. Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist schwer eingeschränkt: Straßen sind unsicher, Transporte unterbrochen und Gesundheitseinrichtungen leiden unter Treibstoff- und Medikamentenmangel.

„Ich habe eine Frau gesehen, die gerade per Kaiserschnitt entbunden hatte und mit ihrem vier Tage alten Baby auf dem Bürgersteig lag. Sie sagte uns, dass sie noch immer Schmerzen hat und ihre Operationswunden nicht richtig versorgen kann. Eine Mutter zu sehen, die versucht, ihr Neugeborenes zu schützen, während sie auf der Straße lebt, ist herzzerreißend“, berichtet Nour Kassab, Nothelferin bei CARE Libanon.

Michael Adams, CARE-Länderdirektor im Libanon, ergänzt: „Die Bombardierungen finden täglich, stündlich, statt. Jede Explosion verstärkt die Angst und Erschöpfung der Menschen. Der Bedarf an psychosozialer Unterstützung, Nahrungsmitteln, Wasser und Unterkünften ist hoch.“ CARE und lokale Partnerorganisationen weiten derzeit ihre Nothilfe aus und unterstützen Familien mit Wasser, Mahlzeiten, Hygieneartikeln und Schutzmaßnahmen in Notunterkünften.

Krise betrifft gesamte Region

In vielen der am stärksten betroffenen Ländern hat die Bevölkerung jahrelange Konflikte, Gewalt und Wirtschaftskrisen durchlebt. Nun kommen erneut Vertreibung und humanitäre Not hinzu. Zehntausende Menschen haben zuletzt die Grenze von Libanon nach Syrien überquert. In den palästinensischen Autonomiegebieten ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Treibstoff und Medikamenten weiterhin drastisch eingeschränkt. In Jordanien wurden durch Raketentrümmer Zivilpersonen verletzt und Häuser beschädigt. Im Irak beeinträchtigen Drohnen- und Raketenangriffe die Infrastruktur. Behörden und humanitäre Organisationen in der Türkei und weiteren Ländern bereiten sich auf die Ankunft von Geflüchteten vor.

CARE fordert, dass alle diplomatischen Mittel eingesetzt werden: Für eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, einen Waffenstillstand und eine Konfliktlösung unter Beteiligung von Frauen. Niemand darf daran gehindert werden, Schutz zu suchen – auch nicht über Grenzen hinweg. Zivilpersonen, zivile Infrastruktur sowie humanitäre Helferinnen und Helfer müssen geschützt werden. Ein vollständiger und ungehinderter humanitärer Zugang muss gewährleistet sein.

Hintergrund für Redaktionen: Die Schätzungen basieren auf Bevölkerungsdaten der United Nations World Population Prospects. CARE hat die Zahl der schwangeren Frauen in den betroffenen Ländern anhand standardisierter demografischer Schätzwerte zu Schwangerschaftsraten berechnet.

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PA: Einsatz für Menschenrechte der Palästinenser*innen unerwünscht – Amnesty stellt Verletzung der Meinungsäußerungs- und Versammlungsfreiheit in Österreich fest 

Österreich hat während des anhaltenden Genozids in Gaza die Meinungsäußerungs- und Versammlungsfreiheit verletzt. Betroffen waren vor allem Menschen, die sich in den letzten zwei Jahren für die Menschenrechte der Palästinenser*innen einsetzten und den Genozid anprangerten. Die Folgen waren Selbstzensur, vorauseilender Gehorsam und immer weniger Raum für Solidarität mit Palästinenser*innen. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht von Amnesty International Österreich.

  • Regierung und Behörden gingen hart gegen Solidarität mit Palästinenser*innen vor
  • Einsatz für Menschenrechte der Palästinenser*innen wurde pauschal mit Antisemitismusvorwurf begegnet, daraus folgte Abschreckung („Chilling effect”) und Selbstzensur
  • Instrumentalisierung der Arbeitsdefinition von Antisemitismus (IHRA WDA) muss beendet und Bekämpfung von Rassismus menschenrechtskonform gestaltet werden

Der Bericht mit dem Titel „‚Die Meinungsfreiheit ist hochgradig selektiv ‛: Wie Österreich Solidarität mit Palästinenser*innen beschränkt” umfasst 19 Interviews mit Aktivist*innen, Journalist*innen, NGO-Vertreter*innen und Wissenschaftler*innen. Er stellt fest, dass viele dieser Personen und zivilgesellschaftlichen Organisationen Gefahr liefen, als „antisemitisch“ gebrandmarkt zu werden, wenn sie Israels Verstöße gegen das Völkerrecht kritisierten. Diese weitreichenden Vorwürfe des Antisemitismus führten zu einem „Chilling effect”. Dies geschah vor dem Hintergrund des vorherrschenden antimuslimischen Rassismus in Österreich. 


„Der sogenannte ‚Chilling effect‛ meint eine abschreckende Wirkung. Menschen schränken ihre Menschenrechte von sich aus ein – aus Sorge vor Anfeindungen, Stigmatisierung, behördlichen Verfahren oder Antisemitismusvorwürfen. Sie trauen sich nicht mehr, ihre Solidarität mit Palästinenser*innen oder ihre Kritik an der israelischen Regierung auszudrücken. Mit Blick auf sich verstärkende autoritäre Tendenzen ist das gefährlich“, sagt Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich.   


„Österreich wie auch andere Länder Europas laufen Gefahr, Antisemitismus zu instrumentalisieren und zu politisieren. Die Gleichsetzung von Kritik am israelischen Staat mit Antisemitismus führt zu Verletzungen der Meinungsäußerungsfreiheit und einer Einschränkung des Handlungsspielraums für eine kritische Zivilgesellschaft. Diese Gleichsetzung untergräbt die Bekämpfung von Antisemitismus, anstatt diese Bemühungen zu fördern“, so Shoura Hashemi weiter.

Unterdrückung von Protesten 

Der Amnesty-Bericht dokumentiert schwerwiegende Einschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung und friedliche Versammlung. Die österreichischen Behörden haben beispielsweise das Recht auf friedliche Versammlung im Zusammenhang mit dem weit verbreiteten Slogan „From the river to the sea, Palestine will be free” unrechtmäßig eingeschränkt. Der Slogan kann nachweislich je nach Redner*in unterschiedliche Bedeutungen haben, etwa einen Staat mit gleichen Rechten für alle meinen. In Österreich wird jedoch seitens der Bundesregierung und der Behörden die Ansicht vertreten, dass der Slogan unweigerlich die Auslöschung Israels meine.


So haben Polizeibehörden mindestens sieben Versammlungen in Wien mit der Begründung verboten, dass der Slogan wahrscheinlich verwendet werden würde. Darüber hinaus ist die Parole auch Gegenstand eines Erlasses des Justizministeriums, der verfügt, dass das Äußern des Slogans in der Öffentlichkeit geeignet sei, den Anfangsverdacht für die Straftat „Gutheißung terroristischer Straftaten” darzustellen. Das bedeutet, dass jede*r, die*der ihn verwendet, strafrechtlich verfolgt werden könnte. 


Gemäß internationaler Menschenrechtsverpflichtungen müssen alle Einschränkungen der freien Meinungsäußerung und der friedlichen Versammlung in einem öffentlich zugänglichen Gesetz festgelegt und hinreichend klar und präzise formuliert werden. Verbote von Meinungsäußerungen erfordern außerdem den Nachweis, dass sie eine Aufstachelung zu Diskriminierung, Feindseligkeit oder Gewalt gegen eine Zielgruppe darstellen. 


Als weiteres Beispiel führt der Bericht die Bewegung „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) an. Seit mehreren Jahren gibt es eine Reihe von rechtlich unverbindlichen Beschlüssen des österreichischen Nationalrats, sowie der Gemeinderäte der Stadt Wien und der Stadt Graz gegen die BDS-Bewegung. Einige davon verurteilen die Bewegung als antisemitisch. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) stellte jedoch fest, dass ein Aufruf zum Boykott unter das Recht auf freie Meinungsäußerung fällt.


Obwohl diese Entschließungsanträge nicht rechtsverbindlich sind, werden sie von allen politischen Parteien im Parlament unterstützt und weitgehend als Leitlinie angewendet. Durch die Einstufung der BDS-Bewegung als antisemitisch haben die Entschließungsanträge das Recht auf freie Meinungsäußerung beeinträchtigt. Aktivist*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen gaben gegenüber Amnesty International an, dass sie Gerichtsverfahren, Verleumdungskampagnen oder den Verlust staatlicher Fördermittel befürchteten, wenn sie Unterstützung für die BDS-Bewegung zum Ausdruck brachten.  

Immer weniger Raum für Solidarität mit Palästinenser*innen 

Der Amnesty-Bericht macht den schwindenden Raum für Solidarität mit Palästinenser*innen deutlich. Neben der Sorge bei zivilgesellschaftlichen Organisationen Fördermittel zu verlieren, gab es auch im akademischen Bereich Einschränkungen. An der Universität Wien wurden mehrere Lehrveranstaltungen unter anderem wegen angeblicher „einseitiger Darstellungen“ und „Antisemitismus“ sowie aufgrund von Verbindungen zur BDS-Bewegung eingeschränkt. Eine Professorin, die sich um eine Stelle an der Universität Wien beworben hatte, wurde nach eigenen Angaben aufgefordert, sich öffentlich von der BDS-Bewegung zu distanzieren.

Amnesty kritisiert vorherrschenden Rassismus in Österreich  

Als Ursache für die Einschränkung der Meinungsäußerungs- und Versammlungsfreiheit in Österreich führt Amnesty International auch den in Österreich vorherrschenden antimuslimischen Rassismus an. Seit Oktober 2023 berichten zivilgesellschaftliche Organisationen, dass rassistische Vorfälle im ganzen Land zugenommen haben, darunter auch Fälle von antimuslimischem Rassismus und Antisemitismus. 


Österreichische Politiker*innen charakterisieren Antisemitismus häufig als ein überwiegend „importiertes“ Phänomen. Diese falsche Darstellung verschleiert einerseits Österreichs eigenen tief verwurzelten Antisemitismus und seine Rolle im Holocaust. Andererseits stigmatisieren sie dadurch muslimische und/oder arabische Menschen in Österreich, indem sie sich auf negative Stereotype stützen und ausschließende Narrative schüren. Durch die übermäßige Betonung von „importiertem“ Antisemitismus tragen österreichische Politiker*innen zudem zu einer Verengung des Antisemitismus-Diskurses bei. Sie verhindern damit, dass seine schädlichen Folgen für jüdische Gemeinschaften in Österreich und Europa wirksam angegangen werden.


Trotz Empfehlungen internationaler Expert*innen hat Österreich keinen ganzheitlichen nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Rassismus, einschließlich antimuslimischem Rassismus verabschiedet.

Instrumentalisierung der IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus

Neben vorherrschendem Rassismus in Österreich birgt die politische Implementierung der Arbeitsdefinition von Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA WDA) die Gefahr, die Meinungsäußerungsfreiheit einzuschränken. Obwohl die Definition in Österreich nicht rechtsverbindlich ist, hat sie einen erheblichen Einfluss auf Politik und Praxis. Die Nationale Strategie gegen Antisemitismus (NAS 2.0) basiert beispielsweise auf der IHRA WDA.


Zahlreiche Wissenschaftler*innen, UN-Expert*innen und zivilgesellschaftliche Gruppen, darunter Amnesty International, kritisieren, dass die IHRA WDA nicht mit internationalen Menschenrechtsverpflichtungen vereinbar ist. Ihre Anwendung führt etwa dazu, dass legitime Kritik an Israel mit Antisemitismus gleichgesetzt wird. Zudem besteht die Gefahr, dass dadurch auch die Politik und die Bemühungen Österreichs zur Bekämpfung von Antisemitismus im Land eingeschränkt werden, da die Definition übermäßig vage und breit formuliert ist und den Begriff des Antisemitismus verwässert. 


Sieben der von Amnesty International befragten Personen, darunter jüdische Aktivist*innen, nannten ausdrücklich die Verwendung der IHRA WDA durch Österreich als einen der Gründe für die Einschränkung von Solidaritätsbekundungen mit Palästinenser*innen.  


„Der Kampf gegen Antisemitismus muss im Einklang mit internationalen Menschenrechtsstandards stehen. Nur so kann es ein gemeinsames Verständnis des Problems, seiner Ursachen sowie wirksame Maßnahmen zu seiner Beseitigung geben. Ansonsten laufen wir Gefahr, die Diskriminierung einer Gruppe durch die Diskriminierung einer anderen Gruppe zu ersetzen – und das schürt nur weiter Hass, anstatt Antisemitismus zu verringern”, so Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich. 


„Wir fordern, dass die österreichische Regierung einen nationalen Aktionsplan gegen Rassismus verabschiedet und die Verwendung der IHRA WDA beendet. Der Erlass, der den Slogan ‚From the river to the sea‛ regelt, muss aufgehoben werden. Zudem müssen die österreichischen Behörden das Recht auf BDS als legitime Form der politischen Meinungsäußerung achten und schützen. Einschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung müssen ausnahmslos im Einklang mit den internationalen Menschenrechten stehen“, resümiert Shoura Hashemi.

Methodologie 

Der vorliegende Bericht von Amnesty International beruht auf einer qualitativen Recherche und fokussiert auf den Zeitraum von Oktober 2023 bis Oktober 2025. Diese umfasst eine tiefgehende Analyse von rechtlichen Dokumenten, wie zum Beispiel öffentlich zugängliche Urteile des Verwaltungsgerichts Wien, sowie semi-strukturierte Interviews mit 19 Aktivist*innen, Journalist*innen, NGO-Vertreter*innen und Wissenschaftler*innen.

Rückfragen:
Presseteam Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
+43 676 37 13 334
presse@amnesty.at

PA: ‌30 Jahre FAIRTRADE-Kakao: Wie fairer Handel Einkommen stärkt und Märkte stabilisiert

62.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao wurden in Österreich seit dem Start vor 30 Jahren konsumiert, der Marktanteil liegt mittlerweile bei über 14 Prozent. Gerade in Zeiten stark schwankender Kakaopreise zeigt sich wie wichtig Stabilität für Kakaobäuer:innen ist.

1,2 Milliarden Tafeln FAIRTRADE-Schokolade wurden in Österreich in den vergangenen 30 Jahren konsumiert. Insgesamt entspricht das rund 62.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao. Heute werden knapp 12.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao pro Jahr verarbeitet. Damit isst jede:r Österreicher:in durchschnittlich bereits rund 25 Tafeln FAIRTRADE-Schokolade jährlich.

Auch im Handel gewinnt FAIRTRADE-Schokolade weiter an Bedeutung: Der Marktanteil von FAIRTRADE-zertifizierten Tafelschokoladen liegt mittlerweile bei über 14 Prozent (Quelle: Nielsen IQ). Vor wenigen Jahren lag er noch bei rund zehn Prozent. Damit hat sich FAIRTRADE-Kakao von einer Nischeninitiative zu einem festen Bestandteil des österreichischen Schokolademarkts entwickelt.

Wirkung im Ursprung: Einkommen steigen messbar
Dass faire Handelsbedingungen in der Kakaoindustrie konkrete Verbesserungen im Ursprung bewirken können, zeigt eine aktuelle Einkommensstudie aus Côte d’Ivoire. Demnach erzielen 74 Prozent der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen mittlerweile ein Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle. Gleichzeitig ist der Anteil der Haushalte in extremer Armut deutlich gesunken – von 36 Prozent im Jahr 2020 auf 17 Prozent. FAIRTRADE trägt dazu mit stabilen Mindestpreisen, einer zusätzlichen FAIRTRADE-Prämie für Gemeinschaftsprojekte sowie Schulungen und Programmen zur Einkommenssteigerung bei.

Preisschwankungen am Kakaomarkt
Der Kakaomarkt ist derzeit von starken Preisschwankungen geprägt. Nach historischen Höchstständen sind die Weltmarktpreise zuletzt wieder deutlich gefallen. Für viele Kakao-Kooperativen und ihre Mitgliederfamilien bedeutet das mittelfristig wieder sinkende Einnahmen, während gleichzeitig Klimawandel, Schädlinge und steigende Produktionskosten die Landwirtschaft erschweren.

„Es ist heute wichtiger als je zuvor, beim Einkauf bewusst zu FAIRTRADE-Schokolade zu greifen. Gerade in Zeiten sinkender Rohstoffpreise brauchen Kakao-Bauernfamilien verlässliche Einkommen, um ihre Farmen zu sichern, zu investieren und sich gegen immer häufiger werdende Wetterextreme zu wappnen – und damit langfristig auch unsere Versorgung mit Kakao zu sichern.“ sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich.

Genau hier setzt FAIRTRADE an: Der vertraglich fixierte Mindestpreis und die zusätzliche FAIRTRADE-Prämie schaffen ein Sicherheitsnetz nach unten, das Produzentenorganisationen auch in Zeiten fallender Weltmarktpreise Stabilität bietet. 

Rückfragehinweis: presse@fairtrade.at

Hintergrund:

FAIRTRADE ist weltweit das führende Zertifizierungssystem, bei dem die Produzentinnen und Produzenten von einem Mindestpreis und einer Prämie, deren Höhe genau festgelegt ist, profitieren.

Der FAIRTRADE-Mindestpreis ist als Sicherheitsnetz zu verstehen und soll die durchschnittlichen Produktionskosten für eine nachhaltige Produktion decken. Liegt der jeweilige (Welt)Marktpreis darüber, muss der höhere Marktpreis bezahlt werden. Die Produzentenorganisationen vereinbaren auch jederzeit einen höheren Preis mit den Abnehmern.

Zusätzlich zum Verkaufspreis erhalten Produzentenorganisationen die FAIRTRADE-Prämie. Die Bauernfamilien bzw. Beschäftigten auf Plantagen entscheiden in einem demokratischen Prozess, in welche sozialen, ökologischen oder ökonomischen Projekte investiert wird.

PA: Österreichische Liga für Menschenrechte feiert 100-jähriges Bestehen

16. 03.2026. In einem Festakt an der Universität Wien wird heute der Gründung der Österreichischen Liga für Menschenrechte gedacht. Seit einem Jahrhundert setzen sich ihre Mitglieder für die Durchsetzung und Einhaltung von universellen Menschenrechten ein. Diese sind wichtig, weil sie jeden Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion, Behinderung oder Meinung, schützen. Sie sichern grundlegende Freiheiten und ein Leben in Würde, etwa Schutz vor Gewalt, Willkür und Diskriminierung. Außerdem bilden Menschenrechte eine gemeinsame Grundlage dafür, wie Staaten mit Menschen fair und gerecht umgehen sollen.

„Sie [die Liga] will das öffentliche Gewissen gegen alle Verletzungen der Menschen- und Bürgerrechte schärfen, für die Weiterbildung der Gesetzgebung, besonders des Ehe- und Strafrechtes in diesem Sinne eintreten, die demokratische Kontrolle von Justiz, Verwaltung und Unterricht sichern, sowie für die Völkerverständigung und Friedenserziehung wirken.“

1926, Gründungsidee der Österreichischen Liga für Menschenrechte

Wien, 16. März 2026 – Vor genau 100 Jahren, am 16. März 1926, wurde in Wien die Österreichische Liga für Menschenrechte gegründet – nach dem Vorbild der bereits seit 1898 in Frankreich bestehenden Ligue des droits de l’homme. Damals wie heute steht die Liga für die Einhaltung universeller Menschenrechte und den Schutz der Würde jedes Einzelnen. Bei ihrer Gründung ging es um Forderungen wie die Abschaffung der Todesstrafe, den Einsatz für die Rechte von Frauen, den Kampf gegen Diskriminierung jeder Art sowie den Schutz von geflüchteten Personen. René Cassin, Mitglied der französischen Liga, war einer der zentralen Mitwirkenden an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die 1948 von der internationalen Staatengemeinschaft beschlossen wurde. Heute stehen die Menschenrechte in Österreich im Verfassungsrang, Gesetze müssen in ihrem Sinne beschlossen und umgesetzt werden. 

Barbara Helige, Präsidentin der Liga für Menschenrechte: „Wir sind stolz auf 100 Jahre unermüdlichen Einsatz für die Menschenrechte in Österreich. Wie wichtig das ist, zeigt sich an den tiefgreifenden positiven Entwicklungen seither, beispielsweise bei den Rechten von Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderung. Wir setzen uns dafür ein, dies nicht nur zu bewahren, sondern auch weiterzuentwickeln. Als unverbesserliche Optimistin bin ich überzeugt, dass das möglich ist und die Achtung und Wahrung der Menschenrechte trotz mancher Rückschläge unumkehrbar ist. Gerade wegen der derzeit weltweit autoritären Tendenzen ist unser Engagement aktueller denn je.“

Juristische Expertise seit 100 Jahren

Die Arbeit der Liga legt den Fokus auf die Achtung der Menschenrechte in Staat und Gesellschaft. Das erreicht sie durch Vermittlung von juristischer Expertise, oft in Zusammenarbeit mit Ministerien oder Behörden. In Veranstaltungen, Vorträgen, im Liga-Magazin sowie im jährlich erscheinenden Menschenrechtsbefund wird auf Missstände hingewiesen und die Einhaltung der Grundrechte eingefordert. Helige: „Wir kritisieren, was notwendig ist. Zu unseren Prinzipien gehören absolute Unabhängigkeit von politischen Parteien, Regierung und jeder konfessionellen Vereinigung. Wir richten uns ausschließlich nach dem Anspruch, die Würde jedes Einzelnen zu wahren.“

Für gleichgeschlechtliche Liebe und das Recht auf Abtreibung

Nur wenige Jahre, bevor die Liga gegründet wurde, erlangten Frauen in Österreich endlich das Wahlrecht (1919). Die Gleichstellung von Frau und Mann umfasste jedoch noch lange nicht alle Lebensbereiche. Schon bald machte sich der Verein für eine Reform der Gesetze „über die Abtreibung der Leibesfrucht“ und für eine Eherechtsreform stark. Auch in einem anderen gesellschaftlich tabuisierten Bereich setzte sich die Liga für progressive Forderungen ein: „In der sogenannten Ekstein Petition forderten zahlreiche Mitglieder – ebenso prominente Persönlichkeiten wie Sigmund Freud oder Arthur Schnitzler – explizit die Abschaffung eines Strafbestandes, der einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen als Unzucht wider die Natur unter Strafe stellte. Tatsächlich sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis diese Forderungen erfüllt wurden“, berichtet Christopher Treiblmayr, der seit Jahren die Geschichte der österreichischen und europäischen Ligen erforscht. 

Kampf gegen Diskriminierung und UPR-Projekt

Der Einsatz gegen Diskriminierung jeder Art prägte die Liga von Anfang an, dazu zählt auch der Kampf gegen den bereits vor dem „Anschluss“ virulenten Antisemitismus. Um einer Auflösung durch die Nationalsozialisten zuvorzukommen, löste sich die Liga 1938 selbst auf. Viele Mitglieder, vor allem jüdische, mussten fliehen, wurden verfolgt oder ermordet. Die Wiedergründung im Jahr 1946 wurde von den Alliierten dezidiert als demokratische und antifaschistische Initiative begrüßt. In der Zweiten Republik setzte sich die Liga in besonderem Maß für die Rechte der slowenischen und kroatischen Volksgruppen ein, deren im Staatsvertrag von 1955 zugesicherte Rechte vielfach nicht vollständig umgesetzt wurden. Schon vor 1938 hatte sich die Liga intensiv für Staatenlose eingesetzt, nach dem Zweiten Weltkrieg rückten Flucht- und Migrationsbewegungen erneut in den Mittelpunkt. Der Schutz der Rechte von geflüchteten Menschen ist bis heute ein zentrales Anliegen der Liga. Ein weiterer Schwerpunkt war und ist das UPR-Projekt (1), für das die Liga die Menschenrechtssituation entlang der vom UN-Menschenrechtsrat entwickelten Empfehlungen und deren Umsetzung durch die Bundesregierung beobachtet. Sie koordiniert dabei über 350 österreichische NGOs.

(1) Die Österreichische Liga für Menschenrechte koordiniert im Rahmen des Universal Periodic Review (UPR)-Prozesses  einen großen Teil der österreichischen Zivilgesellschaft. Mehr dazu: https://liga.or.at/universal-periodic-review-upr/ 

Österreichische Liga für Menschenrechte: 

Die Österreichische Liga für Menschenrechte setzt sich seit 1926 für die Umsetzung und Einhaltung der Menschenrechte ein. Sie greift aktuelle Themen auf und arbeitet in Veranstaltungen, Projekten und durch Öffentlichkeitsarbeit mit den unterschiedlichsten Zielgruppen zu menschenrechtlich relevanten Themen. Die Liga ist das österreichische Mitglied der Fédération internationale pour les droits humains (FIDH) und international sowie national mit anderen NGOs sehr gut vernetzt. 

Österreichische Liga für Menschenrechte: 

Die Österreichische Liga für Menschenrechte setzt sich seit 1926 für die Umsetzung und Einhaltung der Menschenrechte ein. Sie greift aktuelle Themen auf und arbeitet in Veranstaltungen, Projekten und durch Öffentlichkeitsarbeit mit den unterschiedlichsten Zielgruppen zu menschenrechtlich relevanten Themen. Die Liga ist das österreichische Mitglied der Fédération internationale pour les droits humains (FIDH) und international sowie national mit anderen NGOs sehr gut vernetzt. 

Weitere Infos:
www.liga.or.at 
https://liga.or.at/geschichte-der-oesterreichischen-liga-fuer-menschenrechte/ 
https://liga.or.at/forschungen-zu-den-menschenrechtsligen/ 

Rückfragen:

Barbara Helige
Österreichische Liga für Menschenrechte 
E-Mail: b.helige@gmx.at

Vera Krischke
Österreichische Liga für Menschenrechte 
Tel.: 0676 360 94 63 
E-Mail: admin@liga.or.at 

PA: USA/Iran: Amnesty International fordert Aufklärung nach tödlichem US-Angriff auf Schule in Minab   

Die Verantwortlichen für den rechtswidrigen US-Angriff auf eine Schule in Minab im Iran, bei dem 168 Menschen getötet wurden, darunter über 100 Kinder, müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Das fordert Amnesty International nach einer eingehenden Untersuchung des Vorfalls vom 28. Februar 2026, bei dem 168 Menschen getötet wurden, darunter über 100 Schulkinder.

  • Neue Amnesty Untersuchung: Veraltete Geheimdienstdaten und Einsatz von KI führten zu tödlichem Angriff auf vollbesetzte Grundschule, 168 Tote, darunter über 100 Kinder
  • USA haben humanitäres Völkerrecht schwerwiegend verletzt: Schule war seit 2016 eindeutig als ziviles Objekt erkennbar
  • Amnesty International fordert unabhängige, transparente Untersuchung und strafrechtliche Konsequenzen für Verantwortliche

Die von der Organisation gesammelten Belege (darunter Satellitenbilder, Videoaufnahmen und Interviews mit unabhängigen Quellen) deuten darauf hin, dass die Shajareh-Tayyebeh-Grundschule zusammen mit 12 weiteren Gebäuden im angrenzenden Komplex der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) gezielt mit Lenkwaffen beschossen wurde. Dies weist auf ein schwerwiegendes Versäumnis der US-Streitkräfte hin, alle zumutbaren Vorkehrungen zur Vermeidung ziviler Opfer zu treffen, ein schwerwiegender Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht.

„Dieser erschütternde Angriff auf eine Schule mit vollen Klassenzimmern ist ein erschreckendes Beispiel für den katastrophalen und vollkommen vorhersehbaren Preis, den Zivilist*innen in diesem bewaffneten Konflikt zahlen. Schulen müssen sichere Lern- und Lebensorte für Kinder sein. Stattdessen wurde diese Schule in Minab zum Schauplatz eines Massenmords. Die US-Behörden hätten wissen können und müssen, dass es sich um ein Schulgebäude handelte. Der gezielte Angriff auf ein geschütztes ziviles Objekt wie eine Schule ist nach humanitärem Völkerrecht strikt verboten“, sagte Erika Guevara Rosas, Senior Director for Research, Advocacy, Policy and Campaigns von Amnesty International.

Amnesty International fordert die US-Behörden auf, die angekündigte Untersuchung unparteiisch, unabhängig und transparent durchzuführen und die Ergebnisse vollständig zu veröffentlichen. Wo ausreichende Beweise vorliegen, müssen Verantwortliche strafrechtlich verfolgt werden. Opfer und Familien haben ein Recht auf Wahrheit, Gerechtigkeit und sollten vollständige Wiedergutmachung erhalten, einschließlich Wiederherstellung, Rehabilitation und Entschädigung für erlittenen zivilen Schaden.

Die iranischen Behörden werden aufgefordert, Zivilist*innen aus der Nähe militärischer Ziele zu entfernen, unabhängige Beobachter*innen ins Land zu lassen und den seit dem 28. Februar anhaltenden Internetzugang für 92 Millionen Menschen wiederherzustellen.

Amnesty International zeigt sich zudem besorgt über Berichte, wonach die aktuelle US-Regierung Programme zur Minimierung ziviler Opfer abgebaut sowie leitende Militärjurist*innen entlassen hat, die für die Einhaltung des humanitären Völkerrechts verantwortlich waren.

Veraltete Geheimdienstinformationen und Einsatz von KI

Amnesty Internationals Analyse von Satellitenbildern zeigt, dass das Schulgebäude bereits seit 2016 durch Mauern und eigene Eingänge physisch vom IRGC-Komplex getrennt war. Medien und zivilgesellschaftliche Organisationen konnten diesen Status unmittelbar nach dem Angriff rasch verifizieren. Eine vorläufige Untersuchung des US-Militärs, über die die New York Times am 11. März berichtete, bestätigte, dass der Angriff auf veralteten Daten beruhte.  

Zusätzlich bestätigte US Central Command-Kommandeur Brad Cooper am 11. März den Einsatz fortgeschrittener KI-Werkzeuge bei der Operationsplanung. Amnesty International betont, dass der Einsatz künstlicher Intelligenz einer sinnvollen menschlichen Kontrolle bedarf und solche Risiken vergrößert, wenn veraltete Daten verarbeitet werden.

„Wenn die Angreifer das Gebäude nicht als Schule erkannt haben und dennoch mit dem Angriff fortfuhren, würde dies auf grobe Fahrlässigkeit bei der Planung des Angriffs und auf ein beschämendes Geheimdienstversagen der US-Streitkräfte hinweisen und auf einen schwerwiegenden Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht. Wenn die USA hingegen wussten, dass die Schule an den IRGC-Komplex angrenzte, und ohne alle zumutbaren Vorkehrungen vorgingen, etwa durch einen Angriff nachts, wenn die Schule leer gewesen wäre, oder durch eine wirksame Vorwarnung für die betroffene Zivilbevölkerung, käme dies einem rücksichtslosen, unterschiedslosen Angriff gleich und muss als Kriegsverbrechen untersucht werden“, so Guevara-Rosas.

Ablauf des Angriffs

Laut US-Angaben begannen Luftangriffe auf Iran am 28. Februar 2026 um 9:45 Uhr Ortszeit. Der Gouverneur der Provinz Hormozgan gab an, dass die Schule um 10:45 Uhr getroffen wurde. Satellitenbilder vom selben Morgen, aufgenommen um 10:23 Uhr, zeigen Schule und IRGC-Komplex noch ohne sichtbare Schäden. Online veröffentlichte Videos von 11:49 Uhr und 12:00 Uhr zeigen dichten Rauch aus der Richtung des Komplexes.

Satellitenbilder vom 4. März 2026 zeigen, dass die westliche Hälfte des Schulgebäudes zerstört und ein großer Trümmerhaufen sichtbar ist. Mindestens 12 Gebäude im angrenzenden IRGC-Komplex wurden beschädigt oder zerstört. Das Schulgebäude liegt rund 74 Meter vom nächstgelegenen angegriffenen Gebäude im Komplex entfernt. Videos vom Ort zeigen ein charakteristisches Zusammenbrechen des Daches, ein Beweis für einen von oben erfolgten Luftangriff.

Amnesty Internationals Analyse von Videoaufnahmen und Bildern von Raketentrümmern, die iranische Staatsmedien veröffentlichten, deutet darauf hin, dass für den Angriff sehr wahrscheinlich US-amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper eingesetzt wurden.  

Bei einer Pentagon-Pressekonferenz am 2. März 2026 bestätigte der Vorsitzende des Vereinten Generalstabs der USA, Dan Caine, dass die US-Marine am 28. Februar Tomahawk-Raketen im Süden Irans abgefeuert hatte. Auf die Frage nach dem Angriff auf die Schule erklärte Verteidigungsminister Pete Hegseth, das Pentagon untersuche den Vorfall. US-Präsident Donald Trump behauptete am 9. März, „der Iran oder jemand anderes“ sei für den Angriff verantwortlich.

Am 10. März 2026 bestätigte ein Sprecher des Weißen Hauses, dass die Untersuchungen des Angriffs auf die Schule noch andauerten und das US-Verteidigungsministerium einen vollständigen Bericht veröffentlichen werde.

Berichte von Zeug*innen

Amnesty International sprach mit Sohrab (Name zum Schutz geändert), einem Bewohner von Minab, sowie mit Shiva Amelirad, der internationalen Vertreterin des Koordinierungsrats der Berufsverbände iranischer Lehrer*innen, die sich außerhalb des Iran aufhält. Beide berichteten, dass das Schulpersonal begann, gegen 10:00 Uhr Eltern zu kontaktieren, noch bevor die iranischen Behörden eine landesweite Schulschließung anordneten. Viele Familien kamen erst nach dem Angriff an der Schule an.

Shiva Amelirad und Sohrab informierten Amnesty International, dass die Schule sowohl Kinder von IRGC-Personal als auch Kinder aus einkommensschwachen Familien der Umgebung besuchen, darunter Angehörige der unterdrückten baluchischen ethnischen Minderheit des Iran.

Nach Angaben der iranischen Behörden wurden bei dem Angriff 168 Menschen getötet. Am 3. März 2026 gab die Nachrichtenagentur Mizan des Justizwesens bekannt, dass unter den Todesopfern mindestens 110 Schulkinder seien – 66 Buben und 54 Mädchen – sowie 26 Lehrkräfte und vier Elternteile. Am 7. März 2026 veröffentlichten die Behörden eine Collage mit den Fotos von 119 getöteten Kindern. Aufgrund des anhaltenden Internetausfalls und fehlender Möglichkeit, das Land zu betreten, um den Ort zu inspizieren und Betroffene zu befragen, kann Amnesty International die Opferzahlen nicht unabhängig bestätigen.

Iranische Behörden instrumentalisieren Kinder und Familien zu Propagandazwecken

Amnesty International dokumentierte auch schwere Übergriffe durch iranische Behörden gegenüber Betroffenen. Familien aus der sunnitisch-baluchischen Minderheit wurden gezwungen, an einer staatlich organisierten Massenbeerdigung am 3. März mit schiitisch-muslimischen Riten teilzunehmen, obwohl sie andere religiöse Traditionen praktizieren. Sie erhielten die sterblichen Überreste ihrer Kinder erst nach der Zeremonie.  

Traumatisierte überlebende Kinder wurden zu den Trümmern ihrer Schule gebracht und für staatliche Propaganda gefilmt. In einem am 5. März 2026 online veröffentlichten Video interviewt ein Journalist zwei sichtlich verstörte Mädchen im scheinbaren Alter zwischen 7 und 11 Jahren und fragt das jüngere Kind wiederholt, welche ihrer getöteten Freundinnen und Freunde sie am meisten geliebt habe. Das kleine Mädchen nennt ihre Freundinnen und Freunde und sagt, dass es alle geliebt habe, und fügt hinzu, dass auch die Mutter einer Freundin, die Lehrerin war, getötet worden sei, bevor es in Tränen ausbricht.

In einem weiteren Video wurde ein 10-jähriges Mädchen mit einer sichtbaren Gesichtsverletzung während der Massenbeerdigung über die Tötung ihres 11-jährigen Bruders befragt. Das Interview wurde anschließend am 6. März 2026 im Staatsfernsehen ausgestrahlt

Diese Handlungen der Nötigung, Einschüchterung und Instrumentalisierung sowohl trauernder Familien als auch traumatisierter Kinder verursachen schweres seelisches Leid und können gegen das absolute Verbot von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung verstoßen.

Hintergrund

Am 28. Februar 2026 starteten die USA und Israel eine gemeinsame Militäroperation in Iran. Berichten zufolge wurden bislang im Iran mindestens 1.255 Menschen getötet, im Libanon über 773, in Israel mindestens 12 und in anderen Ländern der Region mindestens 17.

Der Leiter des Informations- und Öffentlichkeitszentrums des iranischen Bildungsministeriums gab am 7. März bekannt, dass mindestens 66 Schulen im Iran beschädigt oder zerstört wurden und es in mehreren Schulen zu Todesfällen unter Schüler*innen gekommen sei.

Am 12. März forderten acht UN-Expert*innen eine unabhängige Untersuchung von Angriffen, die schwerwiegende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht darstellen könnten, darunter ausdrücklich den Angriff auf die Schule in Minab. 

Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
presse@amnesty.at

PA: Afghanistan: Rückkehr von Geflüchteten aus dem Iran verschärfen humanitäre Lage für Kinder

Dies ist eine Zusammenfassung dessen, was der UNICEF-Vertreter in Afghanistan, Dr. Tajudeen Oyewale, bei der heutigen Pressekonferenz im Palais des Nations in Genf gesagt hat.

Islam Qala/Genf/Wien – „Die Auswirkungen der eskalierenden Konflikte im Nahen Osten schaffen unmittelbare Risiken für Kinder über Grenzen hinweg. Derzeit kommen in Afghanistan Familien über den Grenzübergang Islam Qala und andere Übergänge aus dem Iran an. Viele von ihnen sind nach einer unerwarteten Reise erschöpft und verunsichert und wissen nicht, was sie erwartet, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren. Für UNICEF steht eine zentrale Frage im Mittelpunkt: was dies für Kinder bedeutet.

Wir sehen bereits jetzt zu viele Mütter, die mit ihren Kindern in den Aufnahmezentren ankommen – erschöpft, überfordert und dringend auf sofortige Unterstützung angewiesen. Wenn die Ankünfte wie erwartet zunehmen, werden auch die Risiken für Kinder steigen.

Das Muster ist nicht neu, und die Ursache ist oft dieselbe: Gewalt und Angst. Allein im Jahr 2025 kehrten fast drei Millionen Afghaninnen und Afghanen aus Nachbarländern nach Afghanistan zurück, vor allem aus dem Iran und aus Pakistan, und rund 60 Prozent davon waren Familien mit Kindern.

Heute habe ich direkt mit Menschen gesprochen, die über die Grenze gekommen sind. Sie berichteten von nahezu unmöglichen Reisen, geprägt von Unsicherheit darüber, was vor ihnen liegt. Viele benötigen dringend medizinische Hilfe und wirken sichtlich orientierungslos, während sie nach grundlegenden Informationen darüber suchen, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll.

Ich kann das nicht genug betonen: Kinder benötigen besondere Aufmerksamkeit, insbesondere jene, die ohne Begleitung sind. Ihr Wohl muss oberste Priorität haben, und es muss angemessene Unterstützung bereitgestellt werden – einschließlich Maßnahmen zur Suche nach Angehörigen und zur Familienzusammenführung, wo dies erforderlich ist. Andernfalls sind sie ernsthaften Schutzrisiken ausgesetzt, darunter Entführung und Gewalt.

Auf dem Höhepunkt der Rückkehrbewegungen im vergangenen Jahr unterstützte UNICEF mehr als 8.000 unbegleitete und von ihren Familien getrennte Kinder aus dem Iran und aus Pakistan.

Gemeinsam mit UNHCR und humanitären Partnern arbeiten wir daran sicherzustellen, dass grundlegende Dienstleistungen für Kinder und Familien aufrechterhalten werden können und bei Bedarf rasch ausgeweitet werden. Dazu gehören Vorbereitungen für Ernährungsuntersuchungen, sicheres Wasser, Impfungen, medizinische Grundversorgung sowie Kinderschutzdienste an Grenzübergängen, in Aufnahmezentren und in den Rückkehrgebieten.

Doch die Herausforderung endet nicht an der Grenze. Familien, die über Islam Qala zurückkehren, ziehen weiter in Gemeinden, in denen grundlegende Dienstleistungen bereits stark belastet sind. Jede deutliche Zunahme der Rückkehrbewegungen würde zusätzlichen Druck auf Gesundheits-, Ernährungs-, Wasser- und Kinderschutzdienste ausüben, auf die Kinder und Familien angewiesen sind.

Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem Afghanistan bereits mit mehreren, sich überlagernden Krisen konfrontiert ist, 11 Millionen Kinder benötigen humanitäre Unterstützung. Für Familien, die mit sehr begrenzten Mitteln zurückkehren, können Vertreibung und Unsicherheit das Risiko von Mangelernährung und Krankheiten rasch erhöhen, insbesondere für kleine Kinder sowie für schwangere und stillende Frauen.

Gleichzeitig führt die geopolitische Lage zu erheblichen Störungen der Lieferketten. Das bedeutet, dass die Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen durch Verzögerungen beeinträchtigt wird, zum Beispiel erhalten mangelernährte Kinder lebensrettende therapeutische Nahrung nicht rechtzeitig.

Parallel dazu verschärft die Situation entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze den bereits bestehenden humanitären Druck. In den betroffenen Provinzen sind fast 164.000 Menschen innerhalb des Landes vertrieben, darunter 30.000 Überlebende der Erdbeben des vergangenen Jahres, die nun zum zweiten Mal vertrieben wurden. Störungen in den Grenzregionen belasten ohnehin fragile Systeme zusätzlich und erschweren das operative Umfeld zu einem Zeitpunkt steigender Bedürfnisse.

Frühzeitiges Handeln wird entscheidend sein, um sicherzustellen, dass Kinder und Familien – sollte die Zahl der Rückkehrenden steigen, rechtzeitig Unterstützung und grundlegende Dienstleistungen erhalten können.

Der Humanitäre Reaktionsplan für Afghanistan ist unterfinanziert (der HRP ist derzeit nur zu 10 % finanziert und der HAC zu 42 %). Für die unmittelbare Reaktion rufen wir alle Partner – den privaten Sektor, Geber und Freundinnen und Freunde der Kinder – dazu auf, uns beim dringenden Lufttransport kritischer Hilfsgüter für Ernährung, Gesundheit sowie Wasser-, Sanitär- und Hygienebedarf für Kinder und ihre Familien zu unterstützen.

Unsere Botschaft ist einfach: Kinder müssen in jeder Phase geschützt und unterstützt werden – besonders dann, wenn sie uns am dringendsten brauchen. Gemeinsam mit unseren Partnern steht UNICEF bereit, Kinder und Familien zu unterstützen und die Hilfe bei Bedarf auszuweiten. Vielen Dank.“

Weitere Informationen zur Lage der Kinder in den vom Konflikt betroffenen Länder finden Sie immer unter https://unicef.at

Rückfragen:
UNICEF Österreich
Michael Blauensteiner
Telefon: +43 660 38 48 821
E-Mail: blauensteiner@unicef.at
Website: https://unicef.at

PA: Gaza: Katastrophale Auswirkungen des Völkermords auf Frauen

In den letzten 29 Monaten haben die verheerenden, vielschichtigen Auswirkungen des anhaltenden Genozids Israels palästinensische Frauen und Mädchen im besetzten Gazastreifen an den Rand des Zusammenbruchs getrieben, erklärt Amnesty International heute.

  • Frauen und Mädchen am stärksten von dem Zusammenbruch des Gesundheitswesens und Massenvertreibung betroffen 
  • Medizinisches Personal berichtet von exponentiellem Anstieg von Erkrankungen bei Müttern und Neugeborenen 
  • Frauen mit Krebs und lebensbedrohlichen Krankheiten mit unterbrochener oder mangelnder Versorgung konfrontiert 
  • Wiederholte Schließung des Grenzübergangs Rafah führt zu weiterer Einschränkung der begrenzten Hilfslieferungen und medizinischen Evakuierungen 

Angesichts der von Israel bewusst auferlegten Lebensbedingungen, die auf die physische Vernichtung der Palästinenser*innen im Gazastreifen abzielen, sind palästinensische Frauen mit verschärften und lebensbedrohlichen Folgen konfrontiert. Diese äußern sich durch anhaltende Massenvertreibungen sowie den Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung für Schwangere, Mütter und Neugeborene. Die Folge sind Behandlungsunterbrechungen bei chronischen Krankheiten, eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten, unsichere und unwürdige Lebensbedingungen sowie schwere körperliche und psychische Schäden.  

Diese Schäden werden durch die anhaltenden Beschränkungen Israels für die Einfuhr von Gütern in den Gazastreifen verschärft, die für das Überleben der Zivilbevölkerung unverzichtbar sind. Zu den Gütern zählen Nahrungsmittel, Medikamente, medizinische Geräte und Hilfsmittel, Materialien für Unterkünfte und Ausrüstung für die Wasseraufbereitung, sowie Geräte für die Beseitigung von Trümmern, Blindgängern und Abfall. Israel hält an diesen Beschränkungen fest, während es bei medizinischen Evakuierungen zu lebensbedrohlichen Verzögerungen kommt und die Hilfe internationaler humanitärer Organisationen ausgesetzt ist. 

Frauen wurden gezwungen, ohne angemessene medizinische Versorgung zu gebären, Schwangerschaft und Wochenbett in überfüllten und unhygienischen Unterkünften zu ertragen und Hunger, Krankheiten und Traumata zu bewältigen. Und das ohne Privatsphäre, Schutz oder Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, während sie oft noch andere versorgen mussten. 

„Angesichts der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten nach den israelisch-amerikanischen Angriffen auf den Iran dürfen wir nicht vergessen, dass Israel weiterhin Völkermord an den Palästinenser*innen im Gazastreifen begeht und dass Frauen und Mädchen dafür einen brutalen Preis zahlen. Dazu zählen schwangere und stillende Frauen, Mütter von Babys und Kleinkindern, Frauen, die mit chronischen Krankheiten und Behinderungen leben oder sich von lebensverändernden Verletzungen erholen. Außerdem Witwen und die vielen Frauen, die ihre Angehörigen verloren haben, Frauen, die mehrfach vertrieben wurden, Frauen, die ihre Periode haben und Frauen, die ihren Arbeitsplatz und den Zugang zu Bildung verloren haben. Für alle jene ist das Leben zu einem täglichen Kampf ums Überleben inmitten einer unerbittlichen Kaskade von Katastrophen geworden“, sagt Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International. 

„Frauen in Gaza werden die Voraussetzungen verwehrt, die sie benötigen, um zu leben und sicher Leben zu schenken. Diese systematische Aushöhlung ihrer Rechte auf Gesundheit, Sicherheit, Würde und eine Zukunft ist kein bedauerliches Nebenprodukt des Krieges, sondern eine bewusste Kriegshandlung gegen Frauen und Mädchen. Sie ist auch die vorhersehbare Folge der kalkulierten Politik und Praxis Israels, die auf massive Vertreibungen, bewusste Beschränkungen der Versorgung mit grundlegenden und lebensnotwendigen Gütern sowie humanitärer Hilfe und zwei Jahren unerbittlicher Bombardierungen abzielt, die das Gesundheitssystem in Gaza zerstört und ganze Familien dezimiert haben.“  

In ihrem Bericht vom März 2025 kam die Unabhängige Untersuchungskommission für die besetzten palästinensischen Gebiete, einschließlich Ostjerusalem, und Israel zu dem Schluss, dass die israelischen Behörden das System der sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung in Gaza systematisch und vorsätzlich zerstört haben, was zwei nach der Völkermordkonvention verbotenen Handlungen gleichkommt: der vorsätzlichen Schaffung von Lebensbedingungen, die auf die physische Vernichtung der Palästinenser*innen abzielen, und der Verhängung von Maßnahmen, die Geburten verhindern sollen. 

Zwischen dem 5. und 24. Februar 2026 befragte Amnesty International 41 Frauen (alle Binnenvertriebene), darunter acht Krebspatientinnen, vier Schwangere und 14 Frauen, die nach dem sogenannten „Waffenstillstand“ entbunden hatten. Die Organisation befragte außerdem 26 Mitarbeiter*innen aus sechs Gesundheitseinrichtungen in Gaza-Stadt und Deir al-Balah sowie vier Mitarbeiter*innen internationaler Organisationen.  

Das Gesundheitsministerium in Gaza verzeichnete zwischen der Unterzeichnung des sogenannten 

„Waffenstillstands” im Oktober 2025 und Ende Februar die Tötung von 630 Palästinenser*innen, darunter 202 Kinder, 89 Frauen und 339 Männer, zusätzlich zu den über 72.000 Toten seit dem 7. Oktober 2023.  Fast 60 % der Gesamtfläche des Gazastreifens liegen östlich der sogenannten „gelben Linie”, die physisch von den israelischen Behörden und von Israel unterstützten lokalen Milizen kontrolliert wird. Angesichts dessen und der massiven Zerstörung oder schweren Beschädigung von Wohnhäusern in Gaza, leben die meisten Palästinenser*innen in Gaza weiterhin als Vertriebene.  

Am 28. Februar schloss Israel alle drei operativen Grenzübergänge in den Gazastreifen, nachdem es gemeinsam mit den Vereinigten Staaten einen Angriff auf den Iran gestartet hatte. Die Schließung stoppte den ohnehin schon begrenzten Fluss humanitärer Hilfe und kommerzieller Lieferungen sowie medizinischer Evakuierungen aus dem Gazastreifen. Am 3. März öffnete Israel den Grenzübergang Kerem Shalom/Karm Abu Salem wieder für die „schrittweise Einfuhr humanitärer Hilfe”. Der Grenzübergang Rafah zu Ägypten bleibt weiterhin geschlossen. Gleichzeitig dauern die israelischen Militäroperationen wie Beschuss, militärische Zerstörungen und Luftangriffe im gesamten Gazastreifen seit dem Waffenstillstandsabkommen an und verursachen weiteres menschliches Leid und Schäden an der zivilen Infrastruktur.

Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung für Mütter und Neugeborene 

Laut WHO und dem Health Cluster sind fast 60 % aller Gesundheitseinrichtungen nicht funktionsfähig, was einen immensen Druck auf die wenigen noch funktionierenden Einrichtungen und die noch geringere Anzahl von Einrichtungen ausübt, die geburtshilfliche Notfallversorgung anbieten. 

Selbst nach dem „Waffenstillstand“ und den verbesserten Hilfslieferungen sind laut dem jüngsten Bericht des Gesundheitsministeriums rund 46 % der lebenswichtigen Medikamente weiterhin nicht vorrätig, darunter Medikamente zur Einleitung/Behandlung von Wehen, geburtlichen und postpartalen Blutungen, Anästhesie und Schmerzbehandlung, Infektionen und Atemwegserkrankungen. Nach den jüngsten Prognosen der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) werden bis Mitte Oktober 2026 auch 37.000 schwangere und stillende Frauen von akuter Unterernährung betroffen sein und eine Behandlung benötigen.  

Von Amnesty International befragtes medizinisches Personal berichtete, dass Frauen, die ein Kind zur Welt brachten, selbst seit dem „Waffenstillstand“ während eines Großteils ihrer Schwangerschaft und nach der Geburt unter extremer Knappheit an Nahrungsmitteln, Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln litten. Die meisten Frauen, die zur Entbindung in Krankenhäuser kommen, leiden aufgrund von Unterernährung an Anämie und aufgrund von verschmutztem Wasser und unhygienischen Bedingungen an durch Wasser übertragenen Krankheiten und anderen Infektionserkrankungen. Oftmals fehlt die notwendige Ausrüstung für Untersuchungen, und manchmal müssen sie auf abgelaufene Anästhetika zurückgreifen. 

Laut den befragten medizinischen Mitarbeiter*innen hat der anhaltende Völkermord Israels in den letzten 29 Monaten zu einer exponentiellen Verschlechterung der Gesundheitsbedingungen von Müttern und Neugeborenen geführt. Zu diesen Erkrankungen gehören Frühgeburten, untergewichtige Babys, Gewichtsverlust und Unterernährung von schwangeren und stillenden Frauen, Angstzustände vor der Geburt und postpartale Depressionen, Atemwegserkrankungen während der Schwangerschaft aufgrund von Kälteeinwirkung und erhöhter Umweltverschmutzung, Atemwegserkrankungen bei Neugeborenen, unter anderem aufgrund von Frühgeburten und unzureichender Lungenentwicklung. 

In der Geburtenstation von Al-Helou sagte der Neonatologe Dr. Nasser Bulbol, dass die Zahl der Risikoschwangerschaften, die sie behandeln, deutlich gestiegen sei, da das Immunsystem der Mütter aufgrund von Unterernährung geschwächt ist: „Die Vertreibung hat zu Infektionskrankheiten geführt, und die meisten Frauen kommen unter Stress, Traumata und Unsicherheit hierher, nachdem sie mehrfach vertrieben wurden, Angehörige verloren haben und nicht in der Lage sind, sich ausreichend zu ernähren.“

Laut UNFPA sind die Neugeborenenstationen im gesamten Gazastreifen zu 150–170 % ausgelastet, wobei sich bis zu drei Neugeborene einen Inkubator teilen. Die Oberschwester der Neugeborenen-Intensivstation im Shuhada Al-Aqsa-Krankenhaus berichtete, dass medizinische Einwegartikel, darunter Wellschläuche für Beatmungsgeräte, wiederverwendet werden mussten. 

Die Behinderung und mögliche Aussetzung der Arbeit internationaler Hilfsorganisationen wird verheerende Auswirkungen auf die reproduktive und neonatale Gesundheitsversorgung haben. Ärzte ohne Grenzen, eine der betroffenen humanitären Organisationen, hat seit Beginn des Völkermords beispielsweise Zehntausenden von Frauen und Säuglingen wichtige ambulante Leistungen vor und nach der Geburt sowie Unterstützung für die Geburtshilfe und Neonatologie in Krankenhäusern bereitgestellt, viele unterernährte Frauen ernährungsmedizinisch versorgt und Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt behandelt und unterstützt. 

Gravierende Belastungen für Schwangere  

Alle von Amnesty International befragten schwangeren Frauen gaben an, dass sie nur sporadisch Schwangerschaftsvorsorge erhalten hätten. Viele waren nicht in der Lage, sich und ihre Neugeborenen vor dem außergewöhnlich strengen Winterwetter und den Regenstürmen der letzten Monate angemessen zu schützen. Die meisten Frauen gaben außerdem an, dass sie während der Schwangerschaft einer hohen Umweltverschmutzung ausgesetzt waren, insbesondere dem stark umweltbelastenden Rauch von verbranntem Plastik und anderen Materialien, da sie keine anderen Brennstoffe zum Kochen oder zum Erhitzen von Wasser zum Waschen hatten. In den späteren Stadien ihrer Schwangerschaft und nach der Geburt hatten sie Schwierigkeiten, mit den überfüllten, unhygienischen Nottoiletten in den Flüchtlingslagern, in denen sie untergebracht sind, zurechtzukommen.

Eine 24-jährige Krankenpflegerin, die im achten Monat schwanger ist, berichtete Amnesty International, dass sie trotz ihrer Anämie während ihrer Schwangerschaft weder die benötigte Eiseninfusion noch eisenreiche Nahrung oder andere Vitamine erhalten habe. Sie erzählte, dass ihr kleiner Sohn Mitte 2024 an einer Infektion gestorben sei, weil er keine angemessene medizinische Behandlung erhalten habe, und dass ihr Mann bei einem Angriff in der Nähe ihres Hauses getötet worden sei, kurz bevor sie von ihrer aktuellen Schwangerschaft erfahren habe. Sie beschrieb das Elend, während der Schwangerschaft in einem Zelt zu leben, ständig unter der Kälte zu leiden und Schwierigkeiten beim Zugang zu Toiletten zu haben. Sie macht sich Sorgen, wie sie ihr Baby in ihrem mit Sand und Insekten übersäten Zelt vor Viren schützen und sich nach der Geburt Windeln, Babykleidung und Damenbinden leisten kann. 

Unterbrochene Krebsbehandlungen und medizinische Evakuierungen 

Die israelischen Behörden kontrollieren und behindern weiterhin medizinische Evakuierungen, obwohl mehr als 18.500 Palästinenser*innen in Gaza dringend eine Behandlung benötigen, die dort nicht verfügbar ist. Das ist vor allem auf die Zerstörung des Gesundheitssystems durch Israel zurückzuführen. Medizinische Evakuierungen in das Westjordanland einschließlich Ostjerusalem sind seit dem 7. Oktober 2023 fast vollständig verboten. 

Alle acht von Amnesty International befragten Krebspatientinnen gaben an, dass ihre Behandlung durch den Mangel an medizinischen Hilfsgütern, darunter Chemotherapeutika, beeinträchtigt worden sei.

Ein Mitarbeiter einer humanitären Hilfsorganisation berichtete Amnesty International Ende Februar 2026, dass sie bereits mehr als 1.000 Patient*innen mit nicht übertragbaren Krankheiten wie Krebs abweisen mussten, da sie seit Jahresbeginn keine medizinischen Hilfsgüter mehr nach Gaza einführen durften. 

Forderungen von Amnesty International 

Die israelischen Behörden müssen ihre unrechtmäßigen und willkürlichen Beschränkungen für humanitäre Hilfe aufheben und eine effektive Evakuierungsroute sicherstellen. Sie müssen außerdem die sofortige Einfuhr von diagnostischen Bildgebungs- und Laborgeräten ermöglichen, insbesondere solchen, die für die Früherkennung von Krebs erforderlich sind. 

„Diese von Menschen verursachte Katastrophe, die wir alle auf unseren Bildschirmen mitverfolgt haben, hat unermessliches Leid verursacht. Unser Handeln und unsere Unterstützung sind längst überfällig! Wir müssen den palästinensischen Frauen und Mädchen in Gaza entschlossen zur Seite stehen und die Staaten erneut auffordern, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um Israels Völkermord und unrechtmäßige Besatzung zu beenden, unter anderem indem sie sicherstellen, dass Frauen und Mädchen ihre Grundrechte wahrnehmen können und allen Palästinenser*innen eine Zukunft in Würde garantiert wird”, sagt Agnès Callamard. 

Die Staaten müssen Maßnahmen ergreifen, um diplomatischen und wirtschaftlichen Druck auf Israel auszuüben, damit es seine anhaltenden Angriffe beendet, seine rechtswidrige Blockade vollständig aufhebt und humanitären Organisationen erlaubt, frei und sicher zu arbeiten. Sie müssen den Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung für Mütter und im Bereich der Reproduktionsmedizin sicherstellen und die Unterstützung und Finanzierung für Dienste, die die Rechte von Frauen schützen, sowie für von Frauen geführte Organisationen in Gaza erhöhen.  

Rückfragen
Presseteam Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
+43 676 37 13 334
presse@amnesty.at

PA: Neuer Publikumsrekord bei 30-jährigem Festivaljubiläum

Am Sonntag, 1. März 2026 ging das 16. Lateinamerika Filmfestival Salzburg, das in Kooperation mit dem Lateinamerika Komitee Salzburg seit nunmehr 30 Jahren veranstaltet wird, mit einem sensationellen Besucherrekord zu Ende.

Rund 4.000 Besucher:innen haben in nur 5 Festivaltagen im Salzburger Filmkulturzentrum DAS KINO zahlreiche Filmvorführungen besucht. Das vielfältige Programm umfasste 24 Spiel- & Dokumentarfilme aus 8 verschiedenen Ländern. Schwerpunkt dieser Festivalausgabe war das Filmland Brasilien mit insgesamt 6 Beiträgen. Darunter auch die restlos ausverkaufte Österreich-Premiere der hochaktuellen Doku YANUNI von Regisseur Richard Ladkani über die indigene Umweltaktivistin Juma Xipaia aus dem Amazonas.

„Das Festival war auch heuer wieder schöner Erfolg und ist ein wichtiger Beitrag dazu, die Diversität in Salzburg zu zeigen und zu feiern“, so Sigrid Gruber vom FestivalteamRichard Pirngruber vom Lateinamerika Komitee Salzburg ergänzt: „Das Lateinamerika Filmfestival gibt es nun schon seit 30 Jahren und ist ein fixer Bestandteil der Salzburger Kulturlandschaft und wird es hoffentlich auch die nächsten Jahre bleiben.“

Ein weiteres Festivalhighlight: Jugendjury-WettbewerbAufgrund des großen Erfolgs und der positiven Resonanz 2024 wurde nun bereits zum 2. Mal ein Jugendjury-Preis im Rahmen des Festivals vergeben. In Kooperation mit der entwicklungspolitischen NGO Südwind Salzburg hatten 20 filmbegeisterte Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren die Möglichkeit, den besten Film in dieser Kategorie zu prämieren. Mit Workshops, Diskussionen nach den Kinobesuchen und einer Jurysitzung kamen die jugendlichen Juryteilnehmer:innen zur Entscheidung, den Spielfilm LEVANTE / POWER ALLEY von Lillah Hallah aus Brasilien zu auszuzeichnen. Dotiert war der Preis mit €1.000 und wurde vom Lateinamerika Filmfestival gestiftet. Die Preisverleihung fand am 1. März 2026 in Anwesenheit der Juryteilnehmer:innen und Südwind Salzburg im DAS KINO statt. Anschließend wurde der Gewinnerfilm erneut gezeigt.

FESTIVAL ON TOUR

Mit dem Filmcasino Wien besteht bereits seit zehn Festivalausgaben eine Kooperation. Eine Auswahl des Programms wird auch 2026 wieder im Filmcasino Wien gezeigt – und zwar von 16. – 22. April. 2026

Zum dritten Mal geht das Festival auch auf Österreich-Tour. In folgenden Kinos werden bzw. waren die filmischen Entdeckungen aus Lateinamerika zu sehen (sein):

Moviemento Linz  April 2026
Volkskino Klagenfurt  April 2026
Cinema Paradiso St. Pölten  April 2026
Cinema Paradiso Baden  Mai 2026
Filmcasino Wien  16. – 22. April 2026

PRESSEINFORMATIONEN
Presseanfragen & Pressekarten: Sigrid Gruber (presse@daskino.at); +43 662 87 31 00 13

Download Pressefotos (Onedrive-Downloadlink):  PRESSE_LATEINAMERIKA FILMFESTIVAL 2026 Bildrechte: in den jeweiligen Dateinamen vermerkt
Bildrechte Preisverleihung/Jugendjury: © Sigrid Gruber

Programm onlinehttps://www.daskino.at/festivals/16-lateinamerika-filmfestival-2026

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