Erstmalig wird am 5. September 2026 der „Internationale Tag der Indigenen Frauen“ begangen. Im vergangenen November verabschiedete die UN-Vollversammlung den Beschluss, den 185 Millionen Indigenen Frauen weltweit die Würdigung zukommen zulassen, die ihnen gebührt, so die European Alliance for the Self-determination of Indigenous PeopleS.
Indigene Frauen sind nicht nur die Hüterinnen der Kultur und Traditionen ihrer Völker, sondern aktiv in deren politische Entscheidungen eingebunden. Als die Indigenen Völker Amerikas erstmals 1977, also vor fast fünfzig Jahren, ihre Delegationen zu den Vereinten Nationen nach Genf entsandten, waren die Indigenen Frauen selbstverständlich als Repräsentantinnen vertreten, doch wurden sie von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Dabei waren sie es auch, die in Jahrzehnte langer Arbeit dazu beitrugen, dass die Vereinten Nationen 2007 die Deklaration der Rechte der Indigenen Völker verabschiedeten, die inzwischen viele Länder in ihre Rechtssysteme integrierten, selbst Kanada, dessen „Indianergesetzgebung“ Indigene Frauen explizit diskriminiert(e).
Als die USA, die dieses Jahr das 250. Jahr ihrer Unabhängigkeit feierten, sich von der Verfassung der Haudenosaunee (Irokesen) inspirieren ließen, blendeten sie einen wesentlichen Aspekt ihrer politischer Entscheidungsverfahren aus – die gleichberechtigte Teilhabe der Frauen, welche in der matrilinearen Tradition entscheidende Befugnisse haben. Nur die wenigsten wissen hierzulande, dass es weibliche Chiefs gibt, Frauen über Besitz verfügen – nicht Besitz sind – und sich bis heute entschlossen den Auswirkungen von Kolonialismus, Rassismus und Diskriminierung entgegenstellen.
Pocahontas oder Karl Mays fiktive „Nscho-tschi sind nur Klischeebilder, welche dem westlichen Patriarchat entspringen, um die Indigenen Frauen auf eine untergeordnete Rolle festzuschreiben, haben jedoch nichts mit der indigenen Realität gemein. Als Deb Haaland 2021 ihr Amt als erste indigene Innenministerin antrat, mag das für die „westliche Welt“ überraschend gewesen sein – für die Indigenen Völker ist es selbstverständlich, dass Indigene Frauen Führungspositionen innehaben. Sie sind es auch, die den Widerstand gegen die Entrechtung der Indigenen Völker und die Zerstörung indigenen Landes, vorantreiben. Frauen wie Freda Huson (Chief der Wet’suwet’en First Nation), Mary und Carrie Dann (Western Shoshone Elders) oder Sheila Watt-Cloutier (Inuk Politikerin und Aktivistin) sind nur einige der Indigenen Frauen, die für ihren Einsatz für indigene Rechte und den Schutz der Umwelt mit dem Right Livelihood Award, dem Alternativen Nobelpreis, ausgezeichnet wurden. Indigene Frauen tragen auf allen Ebenen der Gesellschaft zur Sichtbarkeit und zum Erbe indigener Kulturen bei – in Akademien, Wissenschaft, Bildung, Kultur und Sport bis zu Musik und Film.
Vor allem verfügen sie über Resilienz, Verantwortungsbewusstsein und die Stärke kollektiver Gemeinschaften. Nicht nur auf nationaler und internationaler Ebene, sondern auch auf ganz lokaler Ebene bilden Indigene Frauen das Rückgrat ihrer Gemeinschaften.
Die European Alliance for the Self-Determination of Indigenous PeopleS, ein Zusammenschluss von sieben Menschenrechtsorganisationen, setzt sich für die Anerkennung und den Schutz Indigener Frauen ein, die bis heute von patriarchalen Strukturen, Diskriminierung und Gewalt bis hin zu Femiziden bedroht sind. Der Internationale Tag der Indigenen Frauen sollte der Anlass sein, ihre rechtmäßige Position zu würdigen.
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Monika Seiller
European Alliance for the Self-Determination of Indigenous PeopleS
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