PA: Neuer Amnesty-Bericht: RSF beging im Sudan Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberung

Die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) haben bei der Einnahme der Stadt Al-Faschir in Nord-Darfur Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und ethnische Säuberungen durchgeführt. Dies stellt Amnesty International in einem umfangreichen neuen Bericht fest. Die Menschenrechtsorganisation fordert einen sofortigen Waffenstillstand im Sudan sowie die dringende Entsendung internationaler Streitkräfte zum Schutz der Zivilbevölkerung. 

Der Amnesty-Bericht mit dem Titel City Under Siege, Children Under Fire: Rapid Support Forces‘ Crimes Against Humanity in North Darfur beschreibt, wie Zivilist*innen in und um Al-Faschir von Anfang 2024 bis Oktober 2025 verletzt, geschlagen, gefoltert, inhaftiert oder getötet wurden. Dies ist der Zeitraum, in dem die RSF in Nord-Darfur gegen die sudanesische Armee und deren Verbündete kämpfte. Der Konflikt hatte verheerende Auswirkungen auf die Region. Zu den Verbrechen der RSF zählen Mord, Zwangsumsiedlung, Inhaftierung, Folter, Vergewaltigung, Versklavung, sexualisierte Versklavung, andere Formen sexualisierter Gewalt, „Ausrottung“ und Verfolgung.

Hunderttausende Kinder wurden vertrieben; viele von ihnen waren bei Angriffen oder auf der Flucht immer wieder der Gefahr von Tod oder Verletzungen ausgesetzt. Unzählige Kinder wurden zu Waisen. Auch Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen sind akuten Gefahren ausgesetzt. Neben der Gefahr gezielter Angriffe besteht für sie das Risiko, sich selbst überlassen und von wichtigen Hilfsleistungen ausgeschlossen zu werden.

 „Der Krieg im Sudan ist ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung. Die Welt wurde vor den Schrecken gewarnt, die der Zivilbevölkerung in Al-Faschir drohten, als die RSF die Stadt einnahm. Es ist ein Schandfleck auf dem Gewissen der Menschheit“, so Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International.

 „Kinder waren mitnichten Kollateralschäden dieser Gewalt – sie wurden oft gezielt ins Visier genommen und haben unermessliches Leid erfahren. Sie wurden im großen Stil verletzt, vergewaltigt, entführt, zwangsrekrutiert oder getötet. Es muss umgehend ein landesweiter Waffenstillstand geschlossen werden. Eine unabhängige und angemessen ausgestattete internationale Truppe muss im Sudan stationiert werden, um die Zivilbevölkerung vor Verbrechen aller Konfliktparteien zu schützen. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht sofort aktiv wird, werden die Angriffe gegen die Zivilbevölkerung – und das enorme Leid und Trauma, das den Kindern zugefügt wird – unvermindert weitergehen“, sagt Agnès Callamard weiter.  

Amnesty International sprach für diesen Bericht mit 247 Personen. Die Belege, die im Rahmen des geografischen und zeitlichen Umfangs des Berichts ausgewertet wurden, lassen den uneingeschränkten Schluss zu, dass Menschen aufgrund ihrer ethnischen Identität verfolgt wurden. Amnesty International ist der Ansicht, dass einige der in diesem Bericht dokumentierten Taten sowie weitere mutmaßliche Verbrechen, die im Rahmen paralleler Ermittlungen untersucht werden, möglicherweise für den Tatbestand des Völkermords relevant sind. Die Untersuchungen von Amnesty International dauern zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch an. 

Systematische Angriffe der RSF 
Bis November 2023 hatte die RSF die Hauptstädte in vier von fünf Bundesstaaten der Region Darfur unter ihre Kontrolle gebracht. Al-Faschir, die Hauptstadt von Nord-Darfur, war die einzige Stadt, die noch Widerstand leistete. Ab 2024 griff die RSF systematisch die Dörfer, Städte und Flüchtlingslager um Al-Faschir herum an, ging mit Gewalt und Plünderungen gegen die Bewohner*innen vor und brannte zivile Infrastruktur nieder.

Vielerorts gehörten die Betroffenen überwiegend der ethnischen Gruppe der Zaghawa an. RSF-Kämpfer steckten zivile Unterkünfte in Brand, lange nachdem die Bewohner*innen bereits geflohen waren, was darauf schließen lässt, dass sie die Gebiete unbewohnbar machen wollten. Die RSF übt zudem weiterhin die Kontrolle über die Gebiete um Al-Faschir herum aus und verhindert, dass Vertriebene zurückkehren können. Zusammengefasst kommen diese Maßnahmen der ethnischen Säuberung der Gemeinschaft der Zaghawa gleich. 

Am 26. Oktober 2025 startete die RSF ihre letzte Offensive auf Al-Faschir. Bei der Flucht stieß die Zivilbevölkerung auf ein 57 km langes Netz aus Erdwällen. Es kam zu einem Massaker: Hunderte wurden getötet, und viele weitere Menschen wurden gefoltert oder inhaftiert. 

Mehrere RSF-Befehlshaber identifiziert 

Amnesty International machte RSF-Befehlshaber ausfindig, die für schwere Verstöße gegen das Völkerrecht verantwortlich sind. RSF-Mitglieder hatten Massenhinrichtungen per Video festgehalten und die Aufnahmen veröffentlicht. 

Diese Menschenrechtsverstöße wurden wiederholt und in großem Stil begangen, was darauf hindeutet, dass Befehlshabende von ihnen wussten oder hätten wissen müssen und nichts unternahmen, um ihnen einen Riegel vorzuschieben oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. 

Empfehlungen von Amnesty International 

„Der Sudan leidet unter den Folgen der Kürzungen der humanitären Hilfe, die eine ohnehin schon katastrophale Menschenrechtskrise für jene, die alles verloren haben, noch weiter verschärften. Alle internationalen Partner des Sudan müssen dafür sorgen, dass die Geflüchteten und Vertriebenen angemessene Hilfsleistungen zur Krisenbewältigung erhalten, darunter auch gezielte Leistungen für Kinder“, so Agnès Callamard. 

“Zudem muss die Rechenschaftspflicht gestärkt werden, indem sichergestellt wird, dass die bestehenden Rechenschaftsmechanismen für den Sudan in ausreichendem Maße unterstützt werden; so zB. der Internationale Strafgerichtshof sowie Ermittlungsmissionen der Vereinten Nationen und Afrikanischen Union. Gegen die in diesem Bericht genannten Befehlshaber müssen Ermittlungen und – bei ausreichender Beweislage – Strafverfahren eingeleitet werden”, sagt Agnès Callamard weiter. 

Alle Länder müssen unverzüglich die Lieferung von Waffen und Munition an alle Konfliktparteien im Sudan einstellen. Insbesondere müssen alle Länder die Lieferung von Waffen an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – den wichtigsten Geldgeber der RSF – stoppen, bis die VAE das UN-Embargo einhalten. Der UN-Sicherheitsrat muss zudem das gegen Darfur verhängte Waffenembargo auf das gesamte Land ausweiten.

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