Archiv der Kategorie: Afrika

PA: CARE warnt zum Muttertag: Globale Hilfskürzungen bringen Mütter weltweit in Lebensgefahr

CARE Österreich warnt vor Rückschritten im Kampf gegen Müttersterblichkeit / 70 Prozent der mütterlichen Todesfälle geschehen in Subsahara-Afrika / Im Sudan haben 1,1 Millionen schwangere Frauen keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung

Anlässlich des Muttertags macht CARE Österreich auf die wachsende Gefährdung von Müttern weltweit aufmerksam: Alle zwei Minuten stirbt eine Frau an Komplikationen rund um Schwangerschaft oder Geburt – das sind rund 260.000 Todesfälle pro Jahr. Fast zwei Drittel aller mütterlichen Todesfälle ereignen sich heute in Ländern, die von Krisen oder Konflikten betroffen sind. 70 Prozent entfallen auf Subsahara-Afrika. Gleichzeitig kürzen Geberländer zunehmend Mittel für humanitäre Hilfe, darunter lebensrettende Gesundheitsprogramme, weltweit.

„Schwangerschaft und Geburt zählen zu den verletzlichsten Momenten im Leben einer Frau. In fragilen Kontexten ist die Wahrscheinlichkeit für Frauen, dabei zu sterben, fünfmal höher als in stabilen Gesundheitssystemen“, sagt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Vor diesem Hintergrund warnen wir davor, dass Hilfsgelder weiter gekürzt werden. Wenn es keine Mittel für Gesundheitseinrichtungen gibt, Hebammen nicht ausgebildet werden können und Medikamente knapp sind, kann eine Geburt für Frauen ein Todesurteil sein.“

Der Abbau zentraler Hilfsprojekte, insbesondere von USAID geförderter Programme, hat bereits jetzt zur Folge, dass Gesundheitszentren schließen, mobile Kliniken eingestellt werden und es vielerorts keine medizinische Versorgung für Schwangere und Neugeborene gibt. Eine aktuelle Analyse¹ zeigt, dass der Wegfall der USAID-Mittel die Zahl der Todesfälle rund um Schwangerschaft und Geburt in Ländern wie Burkina Faso, der Zentralafrikanischen Republik, dem Tschad, Mali, Niger und Nigeria um durchschnittlich bis zu 45 Prozent steigen lassen könnte. Nigeria wies laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO)2 bereits 2023 – im zuletzt erfassten Zeitraum – mit 993 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten die höchste Muttersterblichkeitsrate weltweit auf, dicht gefolgt vom Tschad mit 748 und der Zentralafrikanischen Republik mit 692 Todesfällen.

Konflikt im Sudan: Geburt auf der Flucht

Im Sudan haben rund 1,1 Millionen schwangere Frauen – von insgesamt 17,1 Millionen auf Hilfe angewiesenen Frauen und Mädchen – keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung. Der seit April 2023 andauernde Krieg im Sudan hat eine der schwersten humanitären Krisen weltweit ausgelöst. Das Gesundheitssystem ist weitgehend kollabiert. Mehr als 4,3 Millionen Frauen und Mädchen sind innerhalb des Landes vertrieben, Millionen weitere in Nachbarländer wie den Südsudan geflohen.

Dort ist die Lage selbst kritisch: Laut eines kürzlich veröffentlichten IPC-Berichtssind rund 7,8 Millionen Menschen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung – von einer Ernährungskrise betroffen. Akute Mangelernährung, vor allem bei Kindern, Schwangeren und stillenden Müttern, steigt in alarmierendem Tempo. Schwangere Frauen haben oft keinen sicheren Ort zur Entbindung und keine medizinische Unterstützung bei Komplikationen. Die Müttersterblichkeit im Südsudan ist hoch: 692 Frauen sterben dort pro 100.000 Lebendgeburten.

CARE-Nothilfereporterin Sarah Easter besuchte kürzlich ein CARE-Gesundheitszentrum an der südsudanesisch-sudanesischen Grenze. Sie berichtet: „Galatia, eine 40-jährige Sudanesin, erzählte mir, wie sie hochschwanger durch den Busch floh und ihre Tochter auf dem Boden einer fremden Hütte zur Welt brachte – ohne Hebamme, ohne sauberes Wasser. Was sie erlebte, ist kein Einzelschicksal. Über eine Million schwangere Frauen fliehen im Sudan vor Bomben und Gewalt, viele bringen ihre Kinder unterwegs zur Welt. Ohne medizinische Versorgung sterben Mütter an Blutungen und Infektionen, die längst behandelbar wären. Einrichtungen wie die von CARE retten täglich Leben. Doch die Finanzierung läuft aus. Und damit steigt die Gefahr, dass Frauen sterben, die eigentlich überleben könnten.“

So hilft CARE: CARE ist in über 120 Ländern im Einsatz und setzt einen besonderen Fokus auf die Unterstützung von Frauen und Mädchen. In Krisenregionen stellt CARE mobile Gesundheitsdienste bereit, unterstützt Geburten medizinisch, bildet Gesundheitspersonal, darunter Hebammen, aus und sorgt für Zugang zu sauberem Wasser und Hygieneartikeln. In akuten Notlagen schafft CARE sichere Räume für Frauen und bietet psychosoziale Unterstützung für Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt.

Quellen:
1 Cummins, M. (2026): Aid cut, lives lost: Estimating the impact of USAID’s withdrawal on maternal mortality in six African countries. Health Policy and Planning, czag034. https://doi.org/10.1093/heapol/czag034
2 WHO et al. (2025): Trends in Maternal Mortality: 2000 to 2023. Genf: WHO. https://www.who.int/publications/i/item/9789240108462  
3 IPC (Integrated Food Security Phase Classification) (2026): South Sudan: Acute Food Insecurity Projection Update for April – July 2026https://www.ipcinfo.org/ipc-country-analysis/details-map/en/c/1163302/?iso3=SSD

Rückfragen:
Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at

PA: DR Kongo: Bewaffnete Gruppe ADF begeht Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit 

 Zivilist*innen werden getötet, entführt und gefoltert, Handlungen der mit dem Islamischen Staat in Verbindung stehenden Gruppe stellen Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.
„Die Gewalt der ADF trägt zu einer weiteren Verschärfung der humanitären Krise bei“ – Agnès Callamard.

Zivilist*innen im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) leiden unter einer Zunahme von Menschenrechtsverstößen durch Mitglieder der bewaffneten Gruppe Allied Democratic Forces (ADF). Diese begehen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, so Amnesty International in einem neuen Bericht. Der Bericht “I’d Never Seen So Many Bodies”: War Crimes by the Allied Democratic Forces in the eastern Democratic Republic of Congo dokumentiert gewalttätige Angriffe der ADF auf Zivilist*innen, Entführungen und Zwangsarbeit, die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern sowie weitere Misshandlungen und Verbrechen gegen Frauen und Mädchen, darunter Zwangsverheiratung, das erzwungene Austragen von Schwangerschaften und verschiedene andere Formen sexualisierter Gewalt.

Die Taten, die von der mit der bewaffneten Gruppe Islamischer Staat (IS) in Verbindung stehenden ADF begangen werden, stellen zahlreiche Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und in vielen Fällen auch Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Die Angriffe erfolgen in weiten Teilen des Ostens der DR Kongo.

„Die Zivilbevölkerung im Osten der DR Kongo hat unter der brutalen Gewalt der ADF-Kämpfer sehr gelitten. Zivilist*innen wurden im Rahmen einer gezielten Entmenschlichung getötet, entführt und gefoltert“, sagt Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International. „Kämpfer der ADF haben Dörfer und Bauernhöfe überfallen, medizinische Einrichtungen angegriffen sowie Häuser geplündert und niedergebrannt. Die Gewalt der ADF trägt zu einer weiteren Verschärfung der humanitären Krise bei. Die Angriffe der Gruppe haben zu einer verstärkten Vertreibung sowie zur Unterbrechung von Versorgungsleistungen wie dem Zugang zu Nahrungsmitteln, zu Gesundheitsversorgung und Bildung geführt.

Diese Menschenrechtsverstöße stellen Kriegsverbrechen dar, die von der Welt nicht länger ignoriert werden dürfen. Als Teil eines umfassenden und systematischen Angriffs gegen die Zivilbevölkerung stellen sie außerdem Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.

Amnesty International hat im November 2025 Recherchen in der Provinz Nord-Kivu durchgeführt. Insgesamt wurden 71 Personen befragt. In 61 Fällen handelte es sich um persönliche Gespräche mit Augenzeug*innen und Überlebenden von Angriffen, Angehörigen der Zivilgesellschaft, Militär- und Polizeikräften sowie Angehörigen humanitärer Hilfsorganisationen, unter anderem von den Vereinten Nationen.

Die Streitkräfte der Demokratischen Republik Kongo (Forces Armées de la République Démocratique du Congo – FARDC) kämpfen seit Jahren gegen die ADF, wobei sie von der UN-Mission MONUSCO unterstützt werden. Die FARDC und die ugandischen Streitkräfte (Uganda People’s Defence Forces – UPDF) haben im November 2021 eine gemeinsame Militäroperation zur Bekämpfung der ADF gestartet.

Die ADF ist in den 1990er Jahren in Uganda aus einem Zusammenschluss oppositioneller Gruppen entstanden und hat später in Zaire (heute DR Kongo) Zuflucht gesucht. Im Jahr 2019 erkannte die bewaffnete Gruppe Islamischer Staat (IS) offiziell einen Treueeid der ADF an, und die ADF wurde schließlich zum Islamischen Staat Provinz Zentralafrika.

„Sie haben auf alles geschossen, was sich bewegte“

Amnesty International hat acht Angriffe der ADF in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu dokumentiert. Sieben der Angriffe erfolgten 2025, einer fand 2024 statt. Zeug*innen berichteten, dass Sicherheitskräfte, darunter auch Angehörige der FARDC von nahegelegenen Stützpunkten, nicht immer reagierten oder zu spät am Ort der Angriffe eintrafen. Die ADF greift zwar auch Sicherheitskräfte an, doch hat sie in den letzten Jahren vor allem die Zivilbevölkerung ins Visier genommen. 

Am 8. September 2025 mischten sich ADF-Kämpfer im Dorf Ntoyo in Zivil unter die Trauergäste einer Totenwache, um die Menschen dann plötzlich anzugreifen. Bei dem Massaker, bei dem Hämmer, Äxte, Macheten und Schusswaffen zum Einsatz kamen, starben mehr als 60 Menschen. Sicherheitskräfte waren nicht zugegen.

Am 12. Juli 2025 tötete die ADF bei einem Überfall in Otmaber im Gebiet Irumu in Ituri acht Menschen. Eine Frau berichtete Amnesty International, dass Kämpfer auf sie, ihren Mann und ihren siebenjährigen Sohn geschossen hätten. Sie sagt: „Nachdem sie auf uns geschossen hatten, fingen sie an, Häuser anzuzünden … Mein Sohn und ich krochen langsam in ein Haus, das nicht brannte, und verbrachten die Nacht dort … Selbst am nächsten Morgen ist das Militär nicht gekommen. Alle waren auf sich allein gestellt.“

Die Gruppe hat zudem wiederholt Gesundheitseinrichtungen angegriffen und Vorräte geplündert. Im November 2025 wurde ein Gesundheitszentrum im Dorf Byambwe angegriffen. Mindestens 17 Zivilist*innen wurden getötet, und vier der Stationen wurden in Brand gesetzt. Eine ältere Person, die auf den Knien aus der Einrichtung entkommen konnte, sagte: „Man konnte nicht stehen bleiben. Sie haben auf alles geschossen, was sich bewegte.“ 

Entführungen und Geiselnahmen

Amnesty International hat 46 Entführungsfälle dokumentiert, darunter sieben Fälle, in denen Geiseln zur Erpressung von Lösegeld festgehalten wurden. Die Entführten waren weiteren Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen wie Zwangsarbeit, Folter, sexualisierter Versklavung und rechtswidrigen Tötungen ausgesetzt.

Geiseln und andere Entführte wurden häufig gezwungen, als Lastenträger*innen und Guides für die ADF zu fungieren. Die Kämpfer gaben ihnen nur sehr wenig zu essen und zwangen sie unter Beleidigungen und Schlägen, tagelang zu marschieren und schwere Lasten zu tragen. Wer Anzeichen von Erschöpfung zeigte, wurde oft getötet.

Anwerbung und Einsatz von Kindern

Die ADF wird von den Vereinten Nationen als eine der Gruppen geführt, die in der DR Kongo am häufigsten für die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern verantwortlich sind. Die Gruppe setzt Kinder in verschiedenen Funktionen ein, unter anderem als Kämpfer, Träger*innen, Köch*innen und Wachposten. Viele ehemalige Entführte und Augenzeug*innen gaben an, Kinder gesehen zu haben, die vermutlich nicht älter als zehn Jahre alt waren und bereits an Angriffen der Gruppe teilnahmen.

Amnesty International befragte zwei ehemals entführte Kinder sowie drei Jugendliche, die als Kinder entführt worden waren und alle von der ADF für verschiedene Zwecke eingesetzt wurden. Die Befragten waren zum Zeitpunkt ihrer Entführung zwischen 13 und 17 Jahre alt.

Ein Jugendlicher, der im Alter von unter 15 Jahren entführt worden war und etwa zwei Jahre in Gefangenschaft verbracht hatte, sagte: „Sie steckten mich in eine Gruppe, die für die Nahrungssuche zuständig war … Sie predigten uns den Islam … Wenn es Zeit zum Beten war, betete ich mit ihnen. Wenn man sich weigerte, konnten sie einen töten.“

Angesichts der zahlreichen Menschenrechtsverletzungen in Form von Folter und anderen Misshandlungen, denen diese Kinder ausgesetzt waren, sind sie in erster Linie als Opfer zu betrachten. Ihnen muss zudem zusätzlicher Schutz als Überlebende von Menschenhandel gewährt werden.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Amnesty International befragte fünf Frauen und zwei Mädchen, die von der ADF entführt und zur „Heirat“ gezwungen worden waren. Nach Angabe von Zeug*innen waren „außereheliche“ Beziehungen nicht erlaubt; mehrere Befragte berichteten jedoch von Fällen sexualisierter Gewalt durch ADF-Kämpfer gegenüber Frauen und Mädchen außerhalb der „Ehe“.

Aus den Interviews geht hervor, dass die ADF ihren Kämpfern eine „Ehefrau“ – manchmal sogar mehrere – als Rekrutierungsanreiz zur Verfügung stellte. Diese Praxis wird in den Lagern der Gruppe systematisch angewendet. Die Frauen und Mädchen waren über längere Zeiträume sexualisierter und körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Frauen und Mädchen berichteten zudem, dass sie gezwungen wurden, zum Islam zu konvertieren und mit der religiösen Auslegung der Gruppe indoktriniert wurden. Die Frauen und Mädchen gaben an, von Ausbilderinnen und Lagerleitung ausdrücklich darauf hingewiesen worden zu sein, dass sie die Zuweisung von „Ehemännern“ akzeptieren oder andernfalls mit dem Tod rechnen müssten. Mehrere von ihnen wurden gezwungen, die Tötung anderer mitanzusehen, die sich den Befehlen widersetzt hatten.

Sechs der sieben Frauen und Mädchen, die als „Ehefrauen“ verschleppt worden waren, gaben an, infolge der Zwangsverheiratung schwanger geworden zu sein. Auch wenn es diesen entführten Frauen und Mädchen gelang, der sexualisierten Versklavung und der häuslichen Knechtschaft zu entkommen, sahen sie sich mit Misstrauen und Stigmatisierung konfrontiert. 

Forderungen von Amnesty International

Die Behörden in der DR Kongo müssen mehr tun, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Dies muss unter anderem durch die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und lokalen Gemeinschaften passieren, um Frühwarnmechanismen zu verbessern und eine schnelle Reaktion noch vor einem Angriff zu ermöglichen. Erforderlich sind ein umfassender Ansatz in den Bereichen Sicherheit, Justiz und Rechenschaftspflicht sowie sinnvolle Reintegrationsprogramme, um den Bedürfnissen der lokalen Communities und der Überlebenden gerecht zu werden.

„Die kongolesische Regierung muss weitaus entschlossener handeln, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. Die internationale Gemeinschaft muss den kongolesischen Staat entschlossen dabei unterstützen, die Bemühungen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu verbessern, Gerechtigkeit zu gewährleisten und den Betroffenen und Überlebenden langfristige, nachhaltige Hilfe zu leisten. Dass die internationale Politik angesichts der zunehmenden Bedrohung und der Verbrechen der ADF wegschaut, führt nur zu einer weiteren Aushöhlung der Sicherheit und der Menschenrechte im Osten der DR Kongo“, so Agnès Callamard.

Presseteam Amnesty International Österreich

Valerie Schmid

+43 676 37 13 334

presse@amnesty.at

PA: Neuer Report: Globaler Hunger bleibt 2026 auf kritischem Niveau – Konflikte, Dürre und gekürzte Hilfen verschärfen Krise

Der weltweite Hunger wird auch im Jahr 2026 auf einem alarmierend hohen Niveau bleiben. Laut dem heute veröffentlichten Global Report on Food Crises 2026 verschärfen bewaffnete Konflikte, Dürren und massiv sinkende Hilfsfinanzierung die Ernährungsunsicherheit – insbesondere in fragilen Staaten. 

„Umso unverständlicher ist der gleichzeitige Rückgang der Finanzierung humanitärer Maßnahmen. Angesichts der Dimension des Hungers braucht es sofort mehr internationale Solidarität, verlässliche finanzielle Zusagen und entschlossenes politisches Handeln, um weitere Hungerkatastrophen zu verhindern und Millionen Menschen den Zugang zu Nahrung und lebenswichtiger Hilfe zu sichern”, ordnet Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger, die Ergebnisse des Reports ein.   

Dem Bericht zufolge waren im Jahr 2025 insgesamt 266 Millionen Menschen in 47 Ländern und Territorien von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. 1,4 Millionen Menschen lebten dabei unter katastrophalen Bedingungen, der schwersten Stufe akuten Hungers: in Teilen von Haiti, Mali, Gaza, Südsudan, Sudan und Jemen. Erstmals in der Geschichte des Berichts wurden im vergangenen Jahr zwei Hungersnöte offiziell festgestellt, in Gaza und im Sudan. 

„Zusätzliche Verschärfung erfährt die Lage durch aktuelle geopolitische Eskalationen, insbesondere im Nahen Osten. Anhaltende Störungen der Energie‑ und Düngemittelmärkte treiben die Lebensmittelpreise weltweit weiter in die Höhe – mit gravierenden Folgen für ohnehin fragile Länder”, ergänzt Friedrich-Rust.  

Der Bericht zeigt zudem eine dramatische Entwicklung über die vergangenen zehn Jahre: Die Zahl der Menschen mit akuter Ernährungsunsicherheit hat sich in diesem Zeitraum verdoppelt. Besonders gravierend ist die Lage von Kindern: Im Jahr 2025 waren schätzungsweise 35,5 Millionen Kinder im Alter von 6 bis 59 Monaten in 23 Ländern und Territorien, die als Ernährungskrisen eingestuft sind, akut unterernährt. Darunter befanden sich 9,7 Millionen Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung, einer unmittelbar lebensbedrohlichen Form der Unterernährung. 

Akute Ernährungsunsicherheit: Zehn Länder im Fokus 

Die weltweite akute Ernährungsunsicherheit konzentriert sich zunehmend auf wenige Länder: Zehn Staaten vereinten 2025 rund zwei Drittel aller Betroffenen, wobei Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und der Sudan fast ein Drittel der weltweiten Gesamtzahl ausmachten. Der Bericht verzeichnet in einzelnen Ländern – darunter Bangladesch, Niger sowie in begrenzten Regionen Nigerias und des Sudan – punktuelle Verbesserungen, die die insgesamt weiterhin dramatische Lage jedoch nicht grundlegend verändert haben. Deutliche Verschlechterungen gab es in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo und Myanmar.  

Akute Mangelernährung ist lebensbedrohlich 

Neben dem Hunger bleibt auch die akute Mangelernährung auf extrem hohem Niveau. 2025 wurden in 23 Ländern und Territorien offizielle Ernährungskrisen festgestellt, mit besonders schwerer Lage in Gaza, im Sudan, in Myanmar und im Südsudan. Dort führten Hungersnot oder kritische Bedingungen zu lebensbedrohlicher Unterernährung, vor allem bei Kindern.  

In den meisten betroffenen Ländern ist akute Mangelernährung das Ergebnis mehrerer gleichzeitiger Krisen – fehlender Zugang zu Nahrung, Krankheiten sowie mangelhafte Gesundheits‑, Wasser‑ und Versorgungsstrukturen. Der Bericht unterstreicht damit, wie eng Hunger, Gesundheit und grundlegende Dienstleistungen miteinander verknüpft sind. 

Massiver Rückgang internationaler Hilfsfinanzierung verschärft Hungerkrise 

Gleichzeitig warnt der Bericht eindringlich vor einem massiven Rückgang der internationalen Unterstützung. Die Finanzierung humanitärer Maßnahmen im Ernährungssektor ging 2025 um rund 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, während die entwicklungsbezogene Unterstützung um mindestens 15 Prozent schrumpfte und weiter zurückzugehen droht. 

Der Global Report on Food Crises 2026 kommt zu dem Schluss, dass ohne eine deutliche Kehrtwende bei Konfliktprävention, Klimaanpassung und internationaler Finanzierung weitere Hungersnöte nicht ausgeschlossen werden können. 

Der jährlich veröffentlichte Global Report on Food Crises wird von einem internationalen Netzwerk unter der Koordination des Food Security Information Network (FSIN) erarbeitet. Er gilt als eine der fundiertesten globalen Analysen zur akuten Ernährungsunsicherheit weltweit. 

Als internationale humanitäre Organisation arbeitet Aktion gegen den Hunger in zahlreichen besonders betroffenen Ländern, darunter Sudan, Jemen, Gaza, Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria und Afghanistan. Dort unterstützt die Organisation unter anderem unterernährte Kinder, schwangere Frauen und Binnenvertriebene mit lebenswichtiger Hilfe wie Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. 

Hinweis an die Redaktionen

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

PA: Drei Jahre Krieg im Sudan: Die internationale Gemeinschaft muss handeln

Im Sudan wütet die schlimmste humanitäre Krise der Welt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung – 33,7 Millionen Menschen – benötigt humanitäre Hilfe, um zu überleben. Seit Beginn des Krieges vor drei Jahren hat Aktion gegen den Hunger rund 2 Millionen Menschen unterstützt. Vor der von der deutschen Bundesregierung am 15. April ausgerichteten Sudan-Konferenz fordert die Organisation verbindliche finanzielle und politische Zusagen der internationalen Gemeinschaft.

„Wir begrüßen es, dass die Bundesregierung die Sudan-Konferenz ausrichtet. Das allein aber reicht nicht. Die Konferenz muss konkrete Ergebnisse liefern, um das Leid der Menschen zu beenden. Eine Abschlusserklärung mit messbaren Zusagen zum Schutz der Zivilbevölkerung, einem sicheren humanitären Zugang und einer ausreichenden Finanzierung muss im Rahmen der Konferenz vereinbart werden“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust. Der Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger wird an der Sudan-Konferenz teilnehmen. 

Zwei von weltweit drei Hungersnöten im Sudan 

Eine offizielle Hungersnot wird nur in den extremen Nahrungsmittelkrisen erklärt, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind: Mindestens 20 Prozent der Haushalte leiden unter extremer Nahrungsmittelknappheit, über 30 Prozent der Kinder sind akut mangelernährt und täglich sterben mindestens 2 von 10.000 Menschen. Zwei von weltweit drei Hungersnöten ereignen sich im Sudan: in Al Faschir und Kadugli. Andere Regionen sind bereits an der Grenze zur Hungersnot.  

„Mehr als 21 Millionen Menschen leiden im Land unter akutem Hunger. Das ist eine direkte Folge des Konflikts, der Märkte zerstört, Ernten beeinträchtigt sowie Handelswege und die humanitäre Hilfe blockiert“, sagt Samy Guessabi, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger, der für die Sudan-Konferenz in Berlin ist. Guessabi vertritt zudem als Co-Vorsitzender das Sudan-INGO-Forum, das die Aktivitäten der internationalen Hilfsorganisationen im Sudan koordiniert.   

Lokale sudanesische Akteure zentral  

„Dem Sudan mangelt es nicht an Resilienz. Was uns Sudanesinnen und Sudanesen fehlt, ist nachhaltiges internationales Handeln. Wir stehen gemeinsam mit den internationalen Helferinnen und Helfern an der Seite der Bevölkerung. Aber lokaler Einsatz allein kann in diesem Konflikt eine globale Verantwortung nicht ersetzen“, sagt Mohialdeen Ismail von der sudanesischen Hilfsorganisation AWAFY, mit der Aktion gegen den Hunger eng zusammenarbeitet.  

Lokale sudanesische Organisationen spielen bei der Versorgung der Menschen mit humanitärer Hilfe eine zentrale Rolle: Sie sind tief verwurzelt in den Gemeinden und erreichen Regionen, in denen internationale Organisationen oftmals keinen Zugang haben. „Was die Menschen im Sudan brauchen, ist einfach: Sicherheit. Essen. Wasser. Gesundheitsversorgung. Würde. Und das Gefühl, dass die Welt sie nicht vergessen hat“, so Mohialdeen Ismail.  

Neuer Bericht über die dramatische Ernährungssituation 

Der Bericht „What it takes to eat“, der heute von Aktion gegen den Hunger gemeinsam mit anderen NGOs veröffentlicht wurde, macht deutlich, wie der Krieg den Zugang zu Lebensmitteln abschneidet und ganze Gemeinden in eine Hungersnot treibt. Familien überleben nur, weil Menschen trotz großer Gefahr weiterhin Lebensmittel anbauen, transportieren und verteilen. 

Der Bericht zeigt, wie Menschen auf dramatische Weise Lebensmittel rationieren oder ganz auslassen müssen. „Wir fragen nicht mehr, was wir essen werden. Wir fragen, wer essen wird“, erzählt eine Frau, die für den Bericht befragt wurde. Trotz dieser extremen Bedingungen erhalten sudanesische Gemeinschaften durch außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit und großen persönlichen Einsatz weiterhin ein fragiles Ernährungssystem aufrecht. 

Der Sudan erlebt die weltweit größte Vertreibungskrise  

Fast 14 Millionen Menschen sind geflohen – mehr als 9 Millionen innerhalb des Landes und 4 Millionen in Nachbarländer wie den Tschad und den Südsudan. Diese Zahlen sind doppelt so hoch wie bei anderen großen aktuellen Vertreibungskrisen, wie beispielsweise in Syrien (7 Millionen Vertriebene), der Demokratischen Republik Kongo (6 Millionen) und im Jemen (5 Millionen). „Es geht dabei aber nicht nur um die Zahlen. Familien sind gezwungen, immer wieder zu fliehen. Das unterbricht die medizinische Versorgung und den Zugang zu Nahrungsmitteln, schränkt die Gesundheitsversorgung ein und erhöht das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt“, erklärt Guessabi. 

Aktion gegen den Hunger im Sudan  

Seit Beginn des Konflikts am 15. April 2023 haben die Teams von Aktion gegen den Hunger fast zwei Millionen Menschen in Darfur, Kordofan, am Blauen Nil, am Weißen Nil und am Roten Meer unterstützt. Wir führen weiterhin unsere Programme in den Bereichen Gesundheit, Behandlung von Unterernährung, Bargeldhilfe, Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitäre Versorgung und Sensibilisierung für sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt durch.  

Hinweis an die Redaktionen 

  • Folgende Sprecher*innen sind für Interviews und Hintergrundgespräche verfügbar:
    • Samy Guessabi, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger im Sudan und Co-Vorsitzender des Sudan-INGO-Forums (ENG, SPA, FRA) 
    • Mohialdeen Ismail, Geschäftsführer der sudanesischen Hilfsorganisation AWAFY (ENG) 
    • Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger (DE, ENG) 
  • Jan Sebastian Friedrich-Rust und Samy Guessabi werden am 15. April an der Sudan-Konferenz teilnehmen und stehen gerne für Statements nach den Ergebnissen zur Verfügung 
  • Den Bericht „What it takes to eat“ sowie Fotos und weitere Pressematerialien finden Sie hier als Download
  • Eine Aufzeichnung der heutigen Pressekonferenz ist auf Anfrage bei presse@aktiongegendenhunger.de verfügbar.  

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt
Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

PA: Hunger als Kriegswaffe: Bericht zeigt, wie Millionen Menschen im Sudan systematisch ausgehungert werden 

In Teilen des Landes wurde eine Hungersnot bestätigt / Ernährungsversorgung wird systematisch zerstört: Bäuerinnen und Bauern werden getötet, Felder zerstört, Märkte durch Angriffe lahmgelegt / CARE fordert ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und den Schutz der Zivilbevölkerung.

CARE-Krisenreporterin Sarah Easter war kürzlich im Südsudan, um sich ein Bild von der Lage sudanesischer Geflüchteter zu machen. Bei Interesse an einem Gespräch bitte melden, Kontakt siehe unten. 

Seit drei Jahren verwüstet ein Krieg den Sudan und hat eine beispiellose humanitäre Krise ausgelöst. Knapp ein Drittel der Bevölkerung ist vertrieben, mehr als 28 Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – über zehn Millionen davon leiden unter schwerem Hunger. In Teilen des Landes wurde bereits eine Hungersnot bestätigt, weitere Gebiete sind gefährdet. Der Bericht What it Takes to Eat. Conflict and Sudan’s Fragile Food System” der Hilfsorganisationen CARE, Action Against Hunger, International Rescue Committee, Mercy Corps und Norwegian Refugee Council dokumentiert, wie die Ernährungsversorgung im Sudan systematisch zerstört wird. 

Wenn die Suche nach Essen zur Lebensgefahr wird 

In besonders stark vom Konflikt betroffenen Regionen wie Nord-Darfur und Südkordofan überleben Millionen Menschen von einer Mahlzeit pro Tag oder weniger. Anhaltende Angriffe, Vertreibung und zusammengebrochene Märkte zwingen Familien dazu, Mahlzeiten ganz auszulassen, Portionen zu verkleinern oder Blätter und Tierfutter zu essen. Immer mehr Gemeinschaftsküchen, bislang eine lebensrettende Versorgungsstruktur, müssen schließen, weil Finanzierung und Lebensmittelvorräte fehlen. 

Die Lage wird durch schwerwiegende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht verschärft, darunter der gezielte Einsatz von Hunger als Kriegswaffe sowie Angriffe auf Zivilpersonen und zivile Infrastruktur. Unerbittliche Gewalt, Vertreibung und Belagerungstaktiken haben das Ernährungssystem des Sudan systematisch zerschlagen: Bäuerinnen und Bauern wurden getötet, Felder zerstört, Märkte durch Angriffe, Schließungen und Ausbeutung lahmgelegt. 

Frauen und Mädchen besonders betroffen 

Weiblich geführte Familien sind dreimal häufiger von Hunger betroffen als männlich geführte – weniger als zwei Prozent von ihnen haben ausreichend zu essen. Zusätzlich sind Frauen und Mädchen einem erhöhten Risiko sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt, was ihren Zugang zu Nahrung und Grundversorgung weiter einschränkt. 

Humanitäre Hilfe dramatisch unterfinanziert 

Trotz des enormen Bedarfs bleibt die humanitäre Hilfe massiv unterfinanziert: 2025 erhielt die Ernährungshilfe der Vereinten Nationen für den Sudan weniger als die Hälfte der erforderlichen Mittel. Für die gesamte humanitäre Hilfe waren Ende 2025 nur 40 Prozent des Bedarfs gedeckt. 

CARE und die am Bericht beteiligten Organisationen fordern alle Konfliktparteien auf, unverzüglich die Kampfhandlungen einzustellen, das humanitäre Völkerrecht zu wahren, die Zivilbevölkerung zu schützen und humanitären Zugang zu garantieren. Ebenso dringend notwendig sind der Schutz des sudanesischen Ernährungssystems, die sichere Bewegung von Menschen und Gütern sowie die Unterstützung lokaler Märkte und der Nahrungsmittelproduktion. Ohne sofortige und nachhaltige internationale Intervention wird sich die Ernährungskrise im Sudan weiter verschärfen und Menschenleben kosten. 

Hintergrund: Der Bericht basiert auf der Analyse humanitärer Daten sowie Einzelinterviews und Fokusgruppendiskussionen mit vertriebenen Bäuerinnen und Bauern, Händlerinnen und Händlern, Gemeindemitgliedern und humanitären Akteuren in Nord-Darfur, Südkordofan, White Nile und Gedaref. 

Mag. Katharina Katzer
Communications Coordinator
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-44
Fax: +43 (1) 715 0 715-12
E-mail: katharina.katzer@care.at
Internet: www.care.at

PA: Schwere Dürre in Kenia: 3,3 Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger

Die akute Ernährungsunsicherheit im Norden Kenias ist um mehr als 50 Prozent gestiegen / Geflüchtete sind besonders betroffen, während die Nahrungsmittelhilfe stark gekürzt wurde.

In Kenia sind laut einer aktuellen IPC-Analyse (Integrated Food Security Phase Classification) 3,3 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – das ist ein Anstieg um 52 Prozent innerhalb eines Jahres. Rund 400.000 Menschen sind in einer Notlage: Sie benötigen dringend lebensrettende Hilfe. Aufgrund einer schweren Dürre im Norden des Landes gab es zuletzt kaum Niederschlag. Familien, deren Einkommen und Überleben von ihren Herden abhängen, müssen zusehen, wie ihr Vieh verendet und Wasserlöcher austrocknen. Die Bevölkerung in den Bezirken Mandera, Marsabit und Turkana ist akut vom Verhungern bedroht – jedes dritte Kind in der Region ist betroffen. Wird die Hilfe nicht schnell ausgeweitet, steigt das Sterberisiko durch Hunger und Krankheiten, warnt die Hilfsorganisation CARE.

Dadaab: Historisch niedriges Hilfsniveau

Die Situation in Dadaab, einem der größten Flüchtlingscamps der Welt mit über 400.000 Menschen, ist besorgniserregend. Eine CARE-Erhebung vom Dezember 2025 zeigt: 54 Prozent der Geflüchteten leiden unter schwerem Hunger, 86 Prozent müssen die Anzahl täglicher Mahlzeiten reduzieren. Die Dürre trifft Menschen, die durch Hilfskürzungen im letzten Jahr bereits massiv geschwächt sind. Die Nahrungsmittelhilfe wurde um 68 Prozent gekürzt, die tägliche Wasserzuteilung halbierte sich auf 10 Liter pro Person. Die humanitäre Hilfe liegt auf dem niedrigsten Niveau in Dadaabs 35-jähriger Geschichte.

Finanzierungslücken verschärfen die Hungerkrise

Die Hungerkrise in Kenia geschieht vor dem Hintergrund sinkender Finanzierung für humanitäre Hilfe. Hilfsorganisationen in der gesamten Region waren gezwungen, Nahrungsmittelhilfe, Ernährungsprogramme und medizinische Notversorgung zu kürzen – und damit genau jenen Schutzschirm abzubauen, der eine Eskalation von Hungerkrisen verhindern soll. Aktuell sind mehr als 1,7 Millionen in Kenia auf humanitäre Hilfe angewiesen, bis Mitte 2026 wird diese Zahl voraussichtlich auf über 2,1 Millionen steigen.

CARE warnt, dass jede Verzögerung von Hilfsmaßnahmen und die Kürzungen sowohl menschliches Leid als auch die Kosten der Hilfe erhöhen. „Darauf zu warten, dass die Hungersituation katastrophale Ausmaße annimmt, bevor gehandelt wird, ist unvorstellbar“, sagt Getrude Misango, CARE-Länderdirektorin in Kenia.

So hilft CARE in Kenia: CARE ist seit Jahrzehnten in der Region aktiv und hat gemeinsam mit lokalen Behörden und Partnern bereits mit der Nothilfe begonnen – noch bevor die Dürre ihren Höhepunkt erreicht. CARE setzt Bohrlöcher, Leitungen und solarbetriebene Wassersysteme instand. Kinder unter fünf Jahren sowie schwangere und stillende Frauen werden auf Mangelernährung untersucht und gezielt versorgt. Frauen und Mädchen werden durch sichere Räume und Schutzmaßnahmen vor Ausbeutung und Gewalt geschützt.

Rückfragen
Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at

PA: Südsudan: Eskalierender Konflikt in Jonglei verschärft Hungerkrise

Gewalt in Jonglei: Mehr als 230.000 Menschen wurden vertrieben, Zehntausenden droht eine Hungerkatastrophe / CARE fordert sicheren und raschen Zugang für humanitäre Hilfe

Seit Ende Dezember 2025 hat der eskalierende Konflikt in Jonglei im Südsudan mehr als 230.000 Menschen in die Flucht getrieben. Viele Familien kämpfen nun um ihr Überleben: in überfüllten Camps mit begrenztem Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung und Schutz. Die humanitäre Situation in der Region ist kritisch, warnt die internationale Hilfsorganisation CARE. Ein erneuter Ausbruch von Gewalt wird verheerende Folgen für die Menschen im Südsudan haben, die sich gerade erst von einem brutalen Bürgerkrieg zu erholen beginnen.

Gewalt verstärkt Hunger dramatisch

Laut dem aktuellen IPC-Bericht (Integrated Food Security Phase Classification) leiden 1,3 Millionen Menschen im Südsudan – insbesondere in Jonglei und den angrenzenden Regionen – unter extremem Nahrungsmittelmangel und akuter Mangelernährung. 28.000 Menschen, darunter 11.000 Menschen im Bezirk Fangak in Jonglei, sind akut vom Verhungern bedroht.

„Der Konflikt vertreibt nicht nur Familien, er zerstört Existenzgrundlagen und verschärft den Hunger in einer Region, die bereits am Abgrund stand“, sagt Maina King’ori, CARE-Länderdirektor im Südsudan. „Die Analyse von IPC zeigt: Jonglei litt schon vor dieser Eskalation unter alarmierender Ernährungsunsicherheit. Anhaltende Gewalt droht die Gemeinden in eine katastrophale Hungerkrise zu stürzen.“

Zusammenbruch der Grundversorgung

Märkte, Landwirtschaft und grundlegende Einrichtungen sind massiv beeinträchtigt. Gesundheits- und Ernährungszentren in einigen vom Konflikt betroffenen Gebieten wurden geplündert, beschädigt oder mussten den Betrieb einstellen. Die lebensrettende Versorgung für Kinder, Schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit chronischen Krankheiten wurde dadurch unterbrochen.

Frauen und Mädchen sind überproportional von der Krise betroffen. Vertreibung und überfüllte Notunterkünfte erhöhen das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt massiv. Gleichzeitig fehlt der Zugang zu Gesundheitsservices, Ernährungshilfe und sauberem Wasser. Bereits vor der jetzigen Eskalation kam es zu einer alarmierenden Anzahl sexueller Gewalt und Entführungen, bei vermutlich hoher Dunkelziffer.

Humanitärer Zugang eingeschränkt

In Teilen Jongleis verzeichnet CARE Verbesserungen beim humanitären Zugang. Doch massive Hindernisse bleiben: Unsicherheit, Bewegungsbeschränkungen und Unterbrechungen des Luftverkehrs verhindern, dass Hilfsteams die Menschen zuverlässig erreichen, lebensrettende Hilfe leisten und medizinische Evakuierungen durchführen können. Besonders besorgniserregend sind Angriffe auf die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur.

„Humanitärer Zugang ist eine Frage des Überlebens, nicht der Politik“, betont King’ori. „Alle Konfliktparteien müssen die Zivilbevölkerung schützen und den Hilfsteams einen sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang garantieren. Ohne Zugang werden Hunger und vermeidbare Krankheiten zunehmen – und Menschen sterben.“

CARE fordert die Geberländer auf, flexible und rasche Finanzierung bereitzustellen, um die weitere Verschlechterung der humanitären Situation in Jonglei zu verhindern.

So hilft CARE: CARE arbeitet eng mit lokalen Partnern und Behörden im Südsudan zusammen und unterstützt Familien in Jonglei mit Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser, Hygiene und Schutzmaßnahmen, wo es die Bedingungen erlauben. Derzeit ist CARE in den Bezirken Akobo und Bor South tätig, wo zahlreiche Vertriebene Zuflucht gefunden haben. CARE bewertet laufend die Bedürfnisse vor Ort und stimmt die Nothilfe mit Partnern ab.

Rückfragen:
Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at

PA: Sudan: Alarmierende Zahl unbegleiteter Kinder nach neuer Fluchtbewegung in Darfur

World Vision: Mehr als 22.600 Menschen neu vertrieben.

Die jüngste Eskalation der Gewalt in Darfur hat zu einer neuen großen Fluchtbewegung geführt. Nach Angaben von World Vision wurden mehr als 22.600 Menschen neu vertrieben, rund zwei Drittel davon Kinder. Die international tätige Hilfsorganisation registriert dabei eine ungewöhnlich hohe Zahl unbegleiteter und von ihren Familien getrennter Minderjähriger.

    Ausgangspunkt der Flucht ist die umkämpfte Stadt El Fasher in Nord-Darfur. Zehntausende Menschen suchten Schutz in abgelegenen Gebieten von Süd-Darfur, vor allem in der Bergregion Jebel Marra. Lokale Behörden berichten, dass rund 90 Prozent der neu angekommenen Vertriebenen im Lager Fina Dar Omo aus El Fasher sowie aus den Lagern Zamzam und Shangel stammen.

    Erhebungssteams von World Vision identifizierten fast 200 unbegleitete Kinder, die ohne Eltern oder Betreuungspersonen im Lager ankamen. Viele wurden während der Flucht durch aktive Kampfzonen von ihren Familien getrennt. Die Lebensbedingungen im Lager gelten als äußerst angespannt: Die Menschen leben in provisorischen, überfüllten Unterkünften, der Zugang zu Trinkwasser, Nahrung und medizinischer Versorgung ist stark eingeschränkt. Nur eine von acht lokalen Gesundheitseinrichtungen ist aktuell funktionsfähig. Gleichzeitig wurden in der Region über 1.100 Masernfälle gemeldet.

    „Die hohe Zahl unbegleiteter Kinder ist ein klares Warnsignal“, sagt Simon Mane, Landesdirektor von World Vision Sudan. „Diese Kinder sind besonders gefährdet, wenn Schutz- und Versorgungsstrukturen zusammenbrechen.“

Rückfragehinweis:
World Vision Österreich
Angelika Rädler
Telefon: 0664 833 9411
E-Mail: angelika.raedler@worldvision.at
Website: https://www.worldvision.at

Online-Vortrag: Nach den tödlichen Unruhen – ein Ausblick nach Tansanias historischem Bruch

Während der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Oktober letzten Jahres kam es landesweit zu Protesten. Ökonomische Perspektivlosigkeit, Korruption, zunehmende Repressionen sowie offensichtlicher Wahlbetrug der Regierung ließen den Unmut insbesondere der jüngeren Bevölkerung in allen großen Städten eskalieren. Die blutige Niederschlagung der Proteste markiert einen neuen Tiefpunkt in der immer autoritärer werdenden Politik der Regierung unter Suluhu Hassan. Wohin driftet das bis vor kurzem noch als Friedens- und Stabilitätsanker in Ostafrika geschätzte Land nach dieser historischen Zäsur?

Am 22. Jänner und 19 Uhr informiert darüber Christian Denzin, Leiter des Auslandsbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Tansania für SADDOC.

Er ist Leiter des Auslandsbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Tansania. Er vertritt dort die sozialdemokratische Stiftung in der Zusammenarbeit mit Politik, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften. Von 2020-2024 betreute er von Berlin aus die Arbeit der FES in Washington und leitete von 2015-2019 das FES Regionalprojekt für sozial-ökologische Transformation in Mexiko. Er hat einen Master of Arts in Global Studies der Universitäten Leipzig, Stellenbosch und Breslau.

​Aus organisatorischen Gründen wird um Anmeldung an sekretariat@sadocc.at gebeten. Der Link wird zeitnah an die angemeldeten Personen verschickt.

Mehr Info

PA: Sudan: Angriffe der Miliz RSF auf die Asylunterkunft Samsam müssen als Kriegsverbrechen untersucht werden

Die Rapid Support Forces (RSF) haben im April 2025 bei einem Angriff auf Samsam (auch: Zamzam), das größte Lager für Binnenvertriebene in Nord-Darfur, vorsätzlich Zivilpersonen getötet, Geiseln genommen und Moscheen, Schulen und Kliniken geplündert und zerstört. Zu diesem Schluss kommt Amnesty International in einem neuen Bericht und fordert, diese Verstöße gegen das Völkerrecht als Kriegsverbrechen zu untersuchen.

Der Bericht „A refuge destroyed: RSF violations in Darfur’s Zamzam camp for internally displaced persons“ dokumentiert, wie RSF-Mitglieder bei Angriffen zwischen dem 11. und 13. April explosive Waffen einsetzten und unterschiedslos Schusswaffen in dicht bevölkerten Wohngebieten abfeuerten. Die brutalen Überfälle waren Teil des Großangriffs der RSF, der im Mai 2024 begonnen hat und zum Ziel hatte, Al-Faschir einzunehmen, die Hauptstadt von Nord-Darfur. Etwa 400.000 Menschen mussten in der Folge am 13. und 14. April 2025 aus dem Lager fliehen. Am 26. Oktober brachte die RSF Al-Faschir unter ihre Kontrolle. Bei dem Angriff auf die Stadt exekutierten RSF-Mitglieder unzählige unbewaffnete Männer und vergewaltigten Frauen und Mädchen

„Der furchtbare und vorsätzliche Angriff auf verzweifelte, hungrige Zivilpersonen im Samsam-Lager zeigte einmal mehr, dass Menschenleben für die RSF entbehrlich sind. Zivilpersonen wurden gnadenlos angegriffen und getötet. Viele wurden ihrer Lebensgrundlage beraubt und ohne Aussicht auf Gerechtigkeit zurückgelassen, während sie um die Getöteten trauern. Dies war keine vereinzelte Attacke, sondern Teil eines umfassenden Angriffs auf Dörfer und Lager, in denen Binnenvertriebene leben“, sagt Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International. „Manche internationalen Partner wie z. B. die Vereinigten Arabischen Emirate haben den bewaffneten Konflikt aktiv mit angefacht, indem sie die RSF mit Waffen versorgten.

Um diesen völkerrechtlichen Verbrechen einen Riegel vorzuschieben, müssen die Waffenströme an die Konfliktparteien versiegen. Hierzu muss das Waffenembargo, das derzeit für Darfur gilt, auf den Rest des Landes ausgeweitet werden. Die Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union, der Europäischen Union und der Zwischenstaatlichen Entwicklungsbehörde IGAD sowie das Vereinigte Königreich, die USA, Russland und China müssen alle Länder – allen voran die Vereinigten Arabischen Emirate – auffordern, keine Waffen und Munition mehr an die RSF, die sudanische Armee oder andere Akteure zu liefern. Außerdem müssen die Staaten umgehend alle Waffenlieferungen an die Vereinigten Arabischen Emirate aussetzen, da eine hohe Gefahr besteht, dass diese an die RSF umgeleitet werden.“

Amnesty International hat für den Bericht im Zeitraum von Juni bis August 2025 Recherchen durchgeführt und mit 29 Personen gesprochen, zumeist Augenzeug*innen, Überlebende, Verwandte der Opfer, Journalist*innen, Konfliktanalytiker*innen und medizinisches Personal, das die Verwundeten versorgte. Die Organisation wertete zudem Dutzende Video-, Bild- und Satellitenaufnahmen aus. Die RSF reagiert nicht auf die Anfrage von Amnesty International nach einer Stellungnahme. 

 
„Der Beschuss kam von überall“    

Überlebende der Angriffe sagten im Gespräch mit Amnesty International, dass am Freitag, den 11. April und Samstag, den 12. April 2025 Wohnungen, Straßen und in einem Fall auch eine Moschee während einer Hochzeit mit Granaten beworfen wurden. Diese Angriffe auf dicht besiedelte Gebiete ließen Gebäude in Flammen aufgehen und verletzten und töteten Zivilpersonen. Amnesty International analysierte Satellitenaufnahmen vom 16. April, auf denen neue Krater zu sehen waren, was den Einsatz von explosiven Waffen in Wohngebieten ebenfalls bestätigte.

Überlebende gaben an, dass sie aus brennenden Vierteln fliehen und sich vor schweren Kampfhandlungen verstecken mussten. Younis*, der ehrenamtlich in der Notaufnahme mithalf, sagte: „Es war sehr schlimm. Man konnte nicht ausmachen, wo der Beschuss herkam. Er war einfach überall.“

Mamoun*, ein etwa 25-jähriger ehrenamtlicher Helfer, der humanitäre Hilfsgüter verteilte, beschrieb den Angriff so: „[RSF]-Kämpfer schrien und schossen einfach überall hin, und deswegen wurden so viele Menschen getötet.“

Sadya*, die ehrenamtlich für Nichtregierungsorganisationen arbeitet, beschrieb, wie RSF-Mitglieder am 12. April durch ihr Viertel fuhren, das unweit vom Marktplatz in Samsam entfernt liegt: „Einer [der RSF-Kämpfer] stand oben auf dem Dach und schoss einfach überall hin, schoss auf alle, die sich auf der Straße befanden.“

Ein derartiger Beschuss, der nicht auf ein spezielles militärisches Ziel gerichtet ist, könnte einem wahllosen Angriff gleichkommen, was einen schweren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht darstellt.

Amnesty International dokumentierte auch, wie RSF-Mitglieder vorsätzlich Zivilpersonen erschossen. Augenzeug*innen sagten Amnesty International, dass sie sahen, wie RSF-Kämpfer 47 Zivilpersonen erschossen, die sich entweder zu Hause versteckten, vor der Gewalt flohen, in einer Klinik waren oder in einer Moschee Zuflucht gesucht hatten. Die vorsätzliche Tötung von Menschen, die nicht bzw. nicht mehr direkt an Kampfhandlungen teilnehmen, ist ein schwerer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und ein Kriegsverbrechen.

Aus Augenzeug*innenberichten und Videoaufnahmen geht hervor, dass die RSF Zivilpersonen ins Visier nahm, die sie mit der sudanesischen Armee oder der Joint Force in Verbindung brachte. Bei der Joint Force handelt es sich um einen Zusammenschluss ehemaliger Rebellengruppen in Darfur, die mit der Armee verbündet sind. RSF-Kämpfer brandschatzten außerdem Wohnhäuser, Geschäfte, den Markt sowie Gebäude auf dem Gelände der Sheikh-Farah-Schule und der Moschee, wodurch wichtige zivile Infrastruktur schwer beschädigt bzw. zerstört wurde. Infrastruktur für religiöse, medizinische und bildungstechnische Zwecke ist völkerrechtlich geschützt.

Die Binnenvertriebenen, mit denen Amnesty International gesprochen hat, beschrieben, wie sie sich beschwerlich und ohne Lebensmittel, Wasser oder medizinische Versorgung auf die Suche nach Schutz machten. Manche wurden Opfer von Taten, die als Kriegsverbrechen der Vergewaltigung, des Mordes und der Plünderung eingestuft werden könnten.

Die Überlebenden dieser Angriffe müssen ohne Nahrungsmittel, Wasser und Gesundheitsversorgung auskommen und erfahren keinerlei Wiedergutmachung. Entsprechend fühlen sie sich von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen. Sie sagten Amnesty International, ihre Prioritäten seien humanitäre Hilfe, Sicherheit und der Schutz der Zivilbevölkerung. Sie forderten zudem die Strafverfolgung der Verantwortlichen und Wiedergutmachung für die Verbrechen, die während und nach den Angriffen begangen wurden.

Elnor*, der zusehen musste, wie etwa 15 bewaffnete Männer, bei denen es sich wahrscheinlich um RSF-Kämpfer handelte, in sein Zuhause eindrangen und seinen 80-jährigen Bruder und 30-jährigen Neffen erschossen, sagte: „Unsere Situation kümmert niemanden.“

 * Namen aus Sicherheits- und Datenschutzgründen geändert

Rückfragen:

Presseteam Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
+43 676 37 13 334
presse@amnesty.at