Eskalierende Gewalt, Vertreibung und der Zusammenbruch medizinischer Versorgung: CARE warnt vor massiven Gesundheitsrisiken für 161 Millionen Frauen und Mädchen in der Konfliktregion – schwangere Frauen sind gezwungen, teils unter unmenschlichen Bedingungen zu gebären.
Der humanitäre Bedarf im Nahen Osten wächst täglich. In der gesamten Region leben mehr als 161 Millionen Frauen und Mädchen, die nun der Gefahr von Gewalt, Ausbeutung, Missbrauch und Menschenhandel ausgesetzt sind, warnt die Hilfsorganisation CARE. Laut den Vereinten Nationen befinden sich allein im Irak, Libanon, in Jordanien, in den palästinensischen Autonomiegebieten und Syrien – den Ländern, in denen CARE tätig ist – mehr als 1,6 Millionen schwangere Frauen in unmittelbarer Gefahr. „Vertriebene Frauen bringen in Schulen, Autos und überfüllten Notunterkünften Kinder zur Welt – ohne Privatsphäre, ohne sauberes Wasser und ohne medizinische Betreuung. Diese Bedingungen gefährden nicht nur Leben, sie nehmen den Frauen auch ihre Würde“, sagt CARE-Helferin Nour Beydoun.
Libanon: Geburten unter unmenschlichen Bedingungen
Mehr als 69.900 Frauen sind im Libanon schwanger, während Vertreibung und Bombardierungen zunehmen. Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist schwer eingeschränkt: Straßen sind unsicher, Transporte unterbrochen und Gesundheitseinrichtungen leiden unter Treibstoff- und Medikamentenmangel.
„Ich habe eine Frau gesehen, die gerade per Kaiserschnitt entbunden hatte und mit ihrem vier Tage alten Baby auf dem Bürgersteig lag. Sie sagte uns, dass sie noch immer Schmerzen hat und ihre Operationswunden nicht richtig versorgen kann. Eine Mutter zu sehen, die versucht, ihr Neugeborenes zu schützen, während sie auf der Straße lebt, ist herzzerreißend“, berichtet Nour Kassab, Nothelferin bei CARE Libanon.
Michael Adams, CARE-Länderdirektor im Libanon, ergänzt: „Die Bombardierungen finden täglich, stündlich, statt. Jede Explosion verstärkt die Angst und Erschöpfung der Menschen. Der Bedarf an psychosozialer Unterstützung, Nahrungsmitteln, Wasser und Unterkünften ist hoch.“ CARE und lokale Partnerorganisationen weiten derzeit ihre Nothilfe aus und unterstützen Familien mit Wasser, Mahlzeiten, Hygieneartikeln und Schutzmaßnahmen in Notunterkünften.
Krise betrifft gesamte Region
In vielen der am stärksten betroffenen Ländern hat die Bevölkerung jahrelange Konflikte, Gewalt und Wirtschaftskrisen durchlebt. Nun kommen erneut Vertreibung und humanitäre Not hinzu. Zehntausende Menschen haben zuletzt die Grenze von Libanon nach Syrien überquert. In den palästinensischen Autonomiegebieten ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Treibstoff und Medikamenten weiterhin drastisch eingeschränkt. In Jordanien wurden durch Raketentrümmer Zivilpersonen verletzt und Häuser beschädigt. Im Irak beeinträchtigen Drohnen- und Raketenangriffe die Infrastruktur. Behörden und humanitäre Organisationen in der Türkei und weiteren Ländern bereiten sich auf die Ankunft von Geflüchteten vor.
CARE fordert, dass alle diplomatischen Mittel eingesetzt werden: Für eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, einen Waffenstillstand und eine Konfliktlösung unter Beteiligung von Frauen. Niemand darf daran gehindert werden, Schutz zu suchen – auch nicht über Grenzen hinweg. Zivilpersonen, zivile Infrastruktur sowie humanitäre Helferinnen und Helfer müssen geschützt werden. Ein vollständiger und ungehinderter humanitärer Zugang muss gewährleistet sein.
Hintergrund für Redaktionen: Die Schätzungen basieren auf Bevölkerungsdaten der United Nations World Population Prospects. CARE hat die Zahl der schwangeren Frauen in den betroffenen Ländern anhand standardisierter demografischer Schätzwerte zu Schwangerschaftsraten berechnet.
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