PA: Start der Gewerkschaftskampagne „Wir gegen Kinderarbeit!“

ÖGB, solidar Austria und Netzwerk International fordern strukturelle Maßnahmen gegen Kinderausbeutung.

Wien, 11. Februar 2026 – Während heute in Marrakesch die 6. Globale Konferenz zur Beseitigung der Kinderarbeit beginnt, starten der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB), solidar Austria und das Netzwerk International die ganzjährige Kampagne „Wir gegen Kinderarbeit!“. Der Handlungsbedarf ist dramatisch: Weltweit werden nach aktuellen Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) rund 140 Millionen Kinder zur Arbeit gezwungen – über 50 Millionen davon unter gefährlichen Bedingungen. Das UN-Ziel, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden, wurde krachend verfehlt. Um das Sustainable Development Goal (SDG) 8.7 wenigstens bis 2030 zu erreichen, müssten die Fortschritte elfmal schneller sein als bisher.

Geht’s den Eltern gut, geht’s den Kindern gut

„Der Kampf gegen Kinderarbeit ist ein urgewerkschaftliches Anliegen“, betont Marcus Strohmeier, Internationaler Sekretär des ÖGB. „Bereits im 19. Jahrhundert kämpften Gewerkschaften gegen Kinderarbeit in europäischen Fabriken – heute setzen wir diesen Kampf auf globaler Ebene fort. Aber wir haben aus der Geschichte gelernt: Kinderarbeit verschwindet nicht durch Verbote allein, sondern durch existenzsichernde Löhne für die Eltern. Wer Kinderarbeit wirklich beenden will, muss Gewerkschaften stärken und für faire Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern sorgen. Geht’s den Eltern gut, geht’s den Kindern gut – das ist unsere zentrale Botschaft.“

Die Realität ist erschütternd: Über 1,5 Millionen Kinder schuften im Kakaosektor in der Elfenbeinküste und Ghana, hantieren mit Macheten und tragen schwere Lasten.

Rund 40.000 Kinder arbeiten in den Kobalt- und Coltan-Minen der Demokratischen Republik Kongo unter lebensgefährlichen Bedingungen. In den Textilfabriken Südasiens werden Kinderrechte systematisch mit Füßen getreten.

Österreich muss Verantwortung übernehmen

„Wenn wir in Österreich Schokolade essen, Smartphones nutzen oder Kleidung kaufen, profitieren wir von globalen Lieferketten, in denen Kinder ausgebeutet werden“, erklärt Peter Schissler, Vorsitzender von solidar Austria, dem entwicklungspolitischen Verein der österreichischen Gewerkschaftsbewegung. „Freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen sind gescheitert. Österreich muss jetzt handeln: Wir brauchen ein produktbezogenes Gesetz, das den Verkauf von Waren aus Kinderarbeit verbietet. Und Österreich muss offiziell der internationalen SDG 8.7 Allianz beitreten. Das sind keine unrealistischen Forderungen, sondern bittere Notwendigkeit, um unserer Verantwortung gerecht zu werden.“

„Wir appellieren an die österreichische Bundesregierung, die Konferenz in Marrakesch als Weckruf zu verstehen“, so Strohmeier und Schissler abschließend. „Es braucht keine weiteren unverbindlichen Absichtserklärungen, sondern einen bindenden Aktionsplan mit strengen Sanktionsmechanismen. Die 137,6 Millionen arbeitenden Kinder weltweit können nicht länger warten.“

Weitere Informationen zur Kampagne: https://www.netzwerkinternational.at/wir-gegen-kinderarbeit (geht am 11.02. online)

Rückfragehinweis:
Michael Wögerer (Projektleiter solidar Austria, Wien)
+43 (0)664 7810 3189

Fotos/Bildmaterial auf Anfrage verfügbar