Archiv der Kategorie: Globalisierung

PA: Welternährungstag: ADA fördert Innovationen gegen Hunger

Obwohl weltweit genügend Lebensmittel produziert werden, leiden hunderte Millionen Menschen an Hunger. Darauf macht der Welternährungstag am 16.10. aufmerksam. Mit aktuell 86 Projekten trägt die Austrian Development Agency (ADA) zu mehr Ernährungssicherheit in Ländern des Globalen Südens bei. Allein mit direkter Nahrungsmittelhilfe erreichte sie 2025 über 850.000 Menschen.

Die Austrian Development Agency (ADA) setzt sich für nachhaltige und resiliente Ernährungssysteme ein. Aktuell fördert Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe 86 Projekte zur Stärkung der Ernährungssicherheit in Ländern des Globalen Südens. Allein durch direkte Nahrungsmittelhilfe erreichte sie im vergangenen Jahr mehr als 850.000 Menschen.
 
Investition in Stabilität und Sicherheit
„Für Ernährungssicherheit einzutreten, bedeutet weit mehr, als Hunger zu bekämpfen. Mit den von uns geförderten Projekten schaffen wir Perspektiven für die Menschen in unseren Partnerländern und stärken Gemeinschaften gegenüber Krisen, Klimaereignissen und Preisschocks. Investitionen in Ernährungssysteme sind daher Investitionen in Stabilität und Sicherheit“, betont Bernd Brünner, Geschäftsführer der Austrian Development Agency, anlässlich des morgigen Welternährungstags.
 
Durchdachte Maßnahmen für langfristige Wirkung
Die von der Austrian Development Agency geförderten Projekte setzen an verschiedenen Stellen von Ernährungssystemen an: bei einer nachhaltigen Landwirtschaft, bei starken kleinbäuerlichen Familienbetrieben und bei funktionierenden lokalen Märkten. Die ADA und ihre Partner unterstützen Bäuerinnen und Bauern dabei, ihre Landwirtschaft an die Folgen des Klimawandels anzupassen, ihre Produktion zu verbessern und ihre Produkte erfolgreich zu vermarkten. Dafür braucht es auch bessere Infrastruktur, Beratung und Zugang zu Finanzdienstleistungen. So entstehen Einkommen und Arbeitsplätze sowie lokale Wertschöpfung. Menschen können sich langfristig besser mit sicheren Lebensmitteln versorgen. Wichtig ist, dass benachteiligte Bevölkerungsgruppen nicht zurückgelassen werden: Auch sie sollen ihre Interessen einbringen können und einen fairen Zugang zu wichtigen Ressourcen – von Wasser bis Finanzierung – erhalten.  
 
ADA und WFP stärken Innovationen gegen Hunger
Ganz im Sinne des Mottos des Welternährungstags 2026 „Innovate today. Nourish tomorrow.“ verfolgt die österreichische Entwicklungszusammenarbeit innovative Ansätze als Schlüssel für mehr Ernährungssicherheit. Mit ihrer Unterstützung des Innovation Accelerator des Welternährungsprogramms (World Food Programme, WFP) etwa fördert die Austrian Development Agency Technologien, die helfen, Hunger wirksam zu mindern und Ernährungssysteme widerstandsfähiger zu machen.
 
„Der Welternährungstag erinnert daran, dass Innovation eine starke Triebkraft für globale Ernährungssicherheit ist. Gemeinsam mit der Austrian Development Agency investieren wir in mutige Innovationen und vielversprechende Initiativen, die entscheidende Herausforderungen in der Nothilfe und in Ernährungssystemen bewältigen – auch in einigen der fragilsten Regionen der Welt“, sagt Bernhard Kowatsch, Leiter des WFP Innovation Accelerators.
 
Zu den über den Innovation Accelerator des WFP geförderten Ideen zählt etwa ein Dosiergerät für Getreidemühlen in Afrika, das automatisiert wichtige Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe ins Mehl mischt. So erreichen nährstoffreichere Grundnahrungsmittel Menschen direkt über ihre tägliche Ernährung und tragen dazu bei, Mangelernährung zu verringern. Ein weiteres Projekt schult Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WFP für den Einsatz spezieller geländegängiger Fahrzeuge. Dadurch gelangen Hilfsgüter auch bei Überschwemmungen und in schwer zugänglichen Regionen zuverlässig zu betroffenen Menschen. Eine große Herausforderung für die Ernährungssicherheit sind zudem Verluste nach der Ernte. Um diese zu verringern, fördert der Innovation Accelerator Lösungen, die Lebensmittel besser vor Verderb schützen und Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dabei helfen, mehr von ihrer Ernte zu bewahren, etwa anhand spezieller luftdichter Lagerungssäcke.
 
Hunger ist kein unvermeidbares Schicksal
Weltweit wurden über Jahrzehnte signifikante Fortschritte im Kampf gegen Hunger erzielt. Nach deutlichen Rückschlägen rund um die COVID-19-Pandemie verbessert sich die Situation seit einigen Jahren wieder leicht: Laut den jüngsten Zahlen der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) waren 2025 rund 645 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Damit war der weltweite Anteil hungernder Menschen erstmals wieder niedriger als 2015. Regional gibt es jedoch große Unterschiede: Während sich die Lage in Teilen Asiens verbessert hat, hat sich das Zentrum des globalen Hungers zunehmend nach Afrika verlagert. Hier leben inzwischen 48 Prozent der weltweit hungernden Menschen, im Jahr 2010 waren es 28 Prozent. Fortschritte im Kampf gegen Hunger sind fragil, aber sie sind möglich.
 
Austrian Development Agency
Die Austrian Development Agency (ADA) ist Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. Die ADA arbeitet mit internationalen Organisationen, öffentlichen Stellen, der Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen und Unternehmen in Afrika, Asien, Südost- und Osteuropa zusammen. Gemeinsam mit den Menschen in Österreichs Partnerländern schafft die ADA bessere Lebensbedingungen in deren Heimat – etwa durch Aus- und Weiterbildung, die Förderung von Kleinunternehmen oder innovative Lösungen für Wasserversorgung und Landwirtschaft. Armut mindern, Frieden fördern und Umwelt schützen stehen im Zentrum ihrer Arbeit. Für ein gutes Leben und eine sichere Zukunft für alle.

Rückfragehinweis:
Austrian Development Agency (ADA),
Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe
Mag.a Katharina Schreiber
Tel.: +43 1 903 99-2410
Mobil: +43 676 839 03 410
katharina.schreiber@ada.gv.at
www.entwicklung.at

PA: Tag der Demokratie: Südwind sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Demokratiebildung

Menschenrechtsorganisation sieht Rückschritte in der Bildungspolitik und fordert mehr Unterstützung bei der Vermittlung von Demokratiekompetenzen

15. September 2026. Anlässlich des Internationalen Tags der Demokratie fordert Südwind von der Bundesregierung mehr Unterstützung für demokratiefördernde Initiativen sowie bessere Rahmenbedingungen für Demokratiebildung und Globales Lernen. „Die Fähigkeit, demokratische Strukturen zu verstehen, um sich verantwortungsvoll am politischen und gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, ist für junge Menschen heute unverzichtbar“, sagt Südwind-Geschäftsführer Konrad Rehling. „Angesichts zunehmender Desinformations-Kampagnen und gezielter gesellschaftlicher Spaltung braucht es dringend mehr Unterstützung der Bundesregierung zur Absicherung unserer Demokratie.“

Die aktuelle Tendenz gehe leider in die falsche Richtung, kritisiert Südwind Rückschritte in der Bildungspolitik: „Zivilgesellschaftliche Arbeit wird oft in Frage gestellt, Förderungen werden gekürzt und wichtige Schwerpunkte wie Globales Lernen werden aus dem AHS-Lehrplan gestrichen. Es braucht hier dringend eine Trendwende!“, fordert Konrad Rehling.

Demokratie verstehen, mitgestalten und bewahren

„Demokratie lebt davon, dass alle Stimmen gehört werden. Südwind gibt jungen Menschen die nötigen Werkzeuge an die Hand, um sich aktiv in politische Prozesse einzubringen. Über unsere Bildungs- und Jugendprojekte machen wir das Funktionieren politischer Institutionen verständlich und bringen junge Menschen in den direkten Austausch mit Entscheidungsträger:innen – von der Gemeinde bis zum EU-Parlament“, so Südwind-Geschäftsführer Rehling.

Die Bildungsarbeit von Südwind setzt auf das bewährte Konzept des Globalen Lernens (Global Citizenship Education): Junge Menschen werden dazu ermutigt, sich kritisch mit globalen Zusammenhängen auseinander zu setzen und lernen Möglichkeiten kennen, um ihre Anliegen vorzubringen. Statt Frontalunterricht setzt Südwind auf partizipative, kreative und erfahrungsorientierte Methoden – etwa Planspiele, Simulationen und Workshop-Formate. Die Bildungsarbeiter:innen von Südwind vermitteln Vorträge von Expert:innen, ermöglichen internationalen Austausch, erklären die Funktionsweisen der Gesetzgebung und bringen junge Menschen mit Entscheidungsträger:innen in Österreich und auf EU-Ebene zusammen.

Projekte für politische Teilhabe und gesellschaftliches Engagement

Projekte wie Y-Turnout EU fördern die politische Teilhabe von Jugendlichen und zeigen auf, wie sie europäische Politik konkret mitgestalten können. Global Districts stärkt das Engagement von sozial benachteiligten jungen Erwachsenen, Jugendlichen aus dem ländlichen Raum und vor allem jenes von Mädchen und jungen Frauen. Darüber hinaus vermittelt Südwind bei österreichweiten Workshops Knowhow zu globalen Zusammenhängen, Medienkompetenz und soziales Lernen. Diese Angebote tragen dazu bei, Extremismus vorzubeugen und demokratische Kompetenzen zu stärken.

Rückfragen
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at
Website: https://www.suedwind.at/presse

PA: Österreichs Countdown für UN-Sicherheitsrat: NGOs drängen auf Rechenschaftspflicht bei Verstößen gegen Humanitäres Völkerrecht

Österreichs Countdown für UN-Sicherheitsrat: NGOs drängen auf Rechenschaftspflicht bei Verstößen gegen Humanitäres VölkerrechtTrägerorganisationen des Humanitarian Congress Vienna legen bei Pressekonferenz am Welttag der Humanitären Hilfe vier Empfehlungen für Österreichs Sicherheitsratssitz vor

Anlässlich des Welttags der Humanitären Hilfe und wenige Monate vor Start der österreichischen Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat warnten AG Globale Verantwortung, Ärzte ohne Grenzen, Caritas Österreich und Österreichisches Rotes Kreuz heute bei einer Pressekonferenz in Wien vor den schwerwiegenden Kaskadeneffekten der weltweiten Klima- und Umweltkrise, bewaffneter Konflikte und politischer Spannungen. Zusätzlich würden immer häufigere Verstöße gegen das Humanitäre Völkerrecht die Lage notleidender Menschen dramatisch verschärfen. Die Trägerorganisationen des Humanitarian Congress Vienna forderten daher von Österreich ein entschiedenes Engagement für das Humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte im Sicherheitsrat ein und legten vier humanitäre Empfehlungen vor.
 
Zu Beginn der Pressekonferenz veranschaulichten zwei internationale Expert*innen den Verlauf der schwerwiegenden Kaskadeneffekte. „Keine Krise bleibt heute mehr lokal. Dürren und Kriege lösen weltweit Kettenreaktionen aus, die über Märkte und Logistiknetze bis nach Österreich reichen können. Wer erst im Ernstfall reagiert, zahlt den höchsten Preis. Investitionen in Krisenfrüherkennung und echte Resilienz sind die einzige wirksame Absicherung für unsere Zukunft“, gab Peter Klimek, Komplexitätsforscher und Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), zu bedenken.
 
Laut Vereinten Nationen sind derzeit rund 256 Millionen Menschen auf Humanitäre Hilfe angewiesen, etwa in Afghanistan, Sudan, Demokratische Republik Kongo, Jemen, Myanmar, Syrien, Gaza, Libanon, und in der Ukraine. Infolge der Kürzungen zahlreicher Regierungen reichen die Gelder allerdings nur noch aus, um etwas mehr als die Hälfte dieser Menschen zu unterstützen.
 
Das Hauptaugenmerk müsse daher auf jenen liegen, deren Lebensgrundlagen unmittelbar durch diese Kaskadeneffekte bedroht sind, stellte Joyce Msuya, ehemalige stellvertretende UN-Generalsekretärin für humanitäre Angelegenheiten und ehemalige Nothilfekoordinatorin (OCHA), klar. „Hinter jeder sich überschlagenden Krise stehen Zivilist*innen, die nichts getan haben, um das zu verdienen. Österreichs Sitz im Sicherheitsrat ist in erster Linie eine Chance, die Menschen zu schützen – und nicht erst hinterher aufzuräumen.“
 
Hunger als Waffe: Konfliktparteien zur Rechenschaft ziehen
Besonders tragisch sei es um die Ernährungssicherheit der Zivilbevölkerung bestellt, fuhr Sabine Wartha, stellvertretende Leitung der Internationalen Programme der Caritas Österreich, fort. Denn Konfliktparteien würden das Recht auf Nahrung immer öfter verletzten. „Hunger ist keine unvermeidbare Folge von Krieg – Hunger wird gemacht. So wirkt die Zerstörung von landwirtschaftlichen Flächen und der Wasserversorgung noch lange, nachdem der letzte Schuss gefallen ist. Minen, explosive Kampfmittelrückstände und verseuchte Böden können Menschen über Jahre und Jahrzehnte ihrer Lebensgrundlage berauben. Trotz völkerrechtlichem Verbot wird Hunger als Waffe gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt und Humanitäre Hilfe verhindert. Wer diese Kriegsverbrechen begeht, darf nicht darauf vertrauen können, dass das folgenlos bleibt. Österreich muss im Sicherheitsrat für eine Rechenschaftspflicht und für einen wirksamen Schutz der Zivilbevölkerung und Humanitären Helfer*innen eintreten“, appellierte Wartha.
 
Nach Angaben der Vereinten Nationen litten zuletzt 645 Millionen Menschen weltweit an Hunger. Nun droht das El-Niño-Wetterphänomen, das laut Wissenschaft das stärkste aller Zeiten werden könnte, diese Situation weiter zu verschärfen.
 
Rechtsverbindliches Abkommen soll menschliche Kontrolle über KI im Krieg garantieren
Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, brachte die Empfehlung, den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Konflikten international zu regeln, vor. „Die Verantwortung, das Humanitäre Völkerrecht einzuhalten und Zivilpersonen zu schützen, kann niemals an eine Maschine delegiert werden. Deshalb fordern wir: Die uneingeschränkte Einhaltung des Humanitären Völkerrechts – auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Ein rechtsverbindliches internationales Abkommen, das menschliche Entscheidung, menschliche Kontrolle und menschliche Verantwortlichkeit beim Einsatz von KI im Krieg garantiert. Ein wirksames Verbot des Einsatzes vollautonomer Waffensysteme gegen Menschen sowie strenge rechtliche Grenzen für alle anderen autonomen Waffensysteme.“
 
Angriffe auf medizinische Einrichtungen dürfen nicht normalisiert werden
Seit zehn Jahren unterstreicht die UN-Resolution 2286 die Verantwortung der UN-Mitgliedsstaaten, medizinisches und humanitäres Personal sowie deren Transportmittel, Ausrüstung und weitere Infrastruktur besser zu schützen. Doch allein im Jahr 2025 zählte die Weltgesundheitsorganisation weltweit über 1.400 Angriffe auf medizinische Einrichtungen. Fast 2.000 Menschen wurden dabei getötet, die Zahl der Todesfälle hat sich gegenüber 2024 mehr als verdoppelt. Zwei Drittel der Angriffe werden von staatlichen Akteur*innen verübt.
 
„Wir dürfen nicht zulassen, dass dies das neue Normal wird. Kranke und Verletzte müssen medizinische Hilfe in Anspruch nehmen können, ohne Angst um ihr Leben haben zu müssen. Menschen, die Hilfe leisten, dürfen nicht in Gefahr geraten, selbst Ziele von Angriffen zu werden“, betonte Roland Suttner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich, und appellierte: „Österreich kann und muss seinen Sitz im UN-Sicherheitsrat dafür nutzen, dass alle Konfliktparteien auf der Welt sich wieder an die getroffenen Vereinbarungen halten und dass die internationale Gemeinschaft bei Verstößen gegen das Humanitäre Völkerrecht konsequent vorgeht. Wir dürfen nicht zusehen, wie universelle Prinzipien der Menschlichkeit langsam erodieren und müssen konkrete Taten setzen. Worte reichen längst nicht mehr.“
 
Bestehende Committments bündeln und als Stärke nutzen
Mit seiner Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat habe sich Österreich – wie in internationalen und nationalen Beschlüssen und Resolutionen zuvor – zu seiner globalen Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und Stabilität bekannt, hielt Lukas Wank abschließend fest. Der Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung verwies etwa auf die UN-Agenda Frauen, Frieden und Sicherheit und einschlägige UN-Klimabeschlüsse. „Zudem ist die Bundesregierung auf nationaler Ebene gefragt, die Strategie der Humanitären Hilfe Österreichs entsprechend zu finanzieren und konsequent umzusetzen. Diese legt besonderes Augenmerk auf die Rechte und Bedarfe besonders verletzlicher Menschen und die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft. Wenn Österreich seine Committments klug bündelt, stärkt das das Humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte. Es stärkt aber auch Österreichs internationale Rolle und seine Resilienz; die Fähigkeit unseres Landes, gut durch Krisen zu kommen“, resümierte Wank.

Links
Humanitäre Empfehlungen
Fotos der Pressekonferenz

Rückfragehinweis
Hannah Hauptmann
AG Globale Verantwortung
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
presse@globaleverantwortung.at
01/522 44 22 – 15

Aviso – Pressekonferenz am Welttag der Humanitären Hilfe: NGOs legen Empfehlungen für Österreichs UN-Sicherheitsratssitz vor

Int. Expert*innen beleuchten am 19. August verheerende Kaskadeneffekte aktueller Krisen – österreichische Hilfsorganisationen regen humanitäres Engagement im Sicherheitsrat an.

Österreich hat für seine zweijährige Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat unter anderem den Schutz von Zivilpersonen und die Einhaltung des Humanitären Völkerrechts zu Schwerpunkten erklärt, zwei der derzeit größten humanitären Herausforderungen.

Bei einer Pressekonferenz anlässlich des Welttags der Humanitären Hilfe am 19. August werden internationale Expert*innen die verheerenden Kaskadeneffekte weltweiter Krisen und Konflikte aus wissenschaftlicher und multilateraler Perspektive beleuchten.

Anschließend legen die Trägerorganisationen des Humanitarian Congress Vienna – AG Globale Verantwortung, Ärzte ohne Grenzen, Caritas Österreich und Österreichisches Rotes Kreuz – konkrete Empfehlungen vor, wie Österreich seine Schwerpunkte im Sicherheitsrat für mehr humanitäres Engagement und die Durchsetzung des Humanitären Völkerrechts nutzen kann.

Sprecher*innen
Joyce Msuya, ehem. beigeordnete UN-Generalsekretärin für humanitäre Angelegenheiten und stellv. Nothilfekoordinatorin (OCHA), online zugeschalten, auf Englisch
Peter Klimek, Komplexitätsforscher am Complexity Science Hub und Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria 
Sabine Wartha, stellv. Leitung Internationale Programme der Caritas Österreich 
Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes
Roland Suttner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich
Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung

Details zur Pressekonferenz
19. August 2026, 09:30 Uhr
Presseclub Concordia, Bankgasse 8, 1010 Wien

Bitte melden Sie sich per E-Mail an presse@globaleverantwortung.at an.

Die anwesenden Sprecher*innen stehen anschließend für Interviews zur Verfügung.

Hintergrund
Bewaffnete Konflikte und geopolitische Spannungen, Extremwetterereignisse, Störungen globaler Lieferketten, Preissteigerungen und politische Instabilität verstärken sich gegenseitig. Sie erzeugen weitreichende Kaskadeneffekte und zusätzliche humanitäre Bedarfe.
So beeinträchtigt die jüngste Eskalation rund um den Iran und die Straße von Hormus die zivile Schifffahrt und weltweite Energie- und Lieferketten und wirkt sich in weiterer Folge auf Lebensmittel- und Düngemittelpreise, die Versorgungssicherheit und humanitäre Logistik aus.
Das sich verstärkende El-Niño-Wetterphänomen erhöht in vielen Regionen das Risiko von Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfällen.
Gleichzeitig häufen sich Verstöße gegen das Humanitäre Völkerrecht: Konfliktparteien setzen Aushungern als Kriegsmethode ein, greifen Gesundheitspersonal und medizinische Einrichtungen an und behindern den Zugang notleidender Menschen zu Humanitärer Hilfe. Sie zerstören Nahrungsmittelvorräte, Wasserinfrastruktur und landwirtschaftliche Lebensgrundlagen.
Neue Technologien wie autonome und KI-gestützte Waffensysteme werfen zusätzliche Fragen nach menschlicher Kontrolle und Verantwortlichkeit in Kriegen auf. Diese und weitere humanitäre Herausforderungen werden die Expert*innen bei der Pressekonferenz besprechen.

Rückfragehinweis
Hannah Hauptmann
AG Globale Verantwortung
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
presse@globaleverantwortung.at
01/522 44 22 – 15

      

PA: Behindertenanwältin und Licht für die Welt warnen: Menschen mit Behinderungen bei Katastrophen in größerer Gefahr

Welttag der Humanitären Hilfe: Menschen mit Behinderungen oft in Lebensgefahr

Extreme Wetterereignisse, wie Hitze, Dürre und Überschwemmungen häufen sich durch die Klimakrise. Das ist in Österreich wie in anderen Teilen der Welt deutlich merkbar. Zum internationalen Tag der humanitären Hilfe am 19. August machen die Anwältin für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen, Christine Steger, und Licht für die Welt auf die Vulnerabilität von Menschen mit Behinderungen und älteren Personen aufmerksam.

Die Situation in Österreich
Menschen mit Behinderungen sind bei Katastrophen und humanitären Krisen besonders gefährdet: Frühwarnsysteme sind vielfach nicht barrierefrei zugänglich, Evakuierungsrouten und Notunterkünfte nicht barrierefrei gestaltet und in der Notfallplanung werden ihre Bedarfe häufig nicht mitgedacht. Die Folge ist, dass Menschen mit Behinderungen bei Katastrophen ein deutlich höheres Risiko tragen, zurückgelassen, verletzt oder gar getötet zu werden. Die UN- Behindertenrechtskonvention verpflichtet Österreich jedoch in Art. 11 ausdrücklich dazu, den Schutz und die Sicherheit von Menschen mit Behinderungen in Gefahrensituationen und humanitären Notlagen sicherzustellen.

„Katastrophenschutz, der Menschen mit Behinderungen nicht von Anfang an mitdenkt, funktioniert nicht für alle. Das ist keine Frage des Schicksals, sondern eine Frage der Planung“, sagt Behindertenanwältin, Christine Steger. „Menschen mit Behinderungen dürfen nicht nur Objekt von Hilfsmaßnahmen sein. Sie müssen als Expert:innen in eigener Sache von Anfang an in Prävention, Katastrophenschutz und Wiederaufbau einbezogen werden. Das gilt weltweit genauso wie in Österreich, wo wir angesichts von Hitzewellen, Muren und Hochwasser ebenfalls gefordert sind, unsere Krisenpläne inklusiv zu gestalten.“

Inklusion in der Humanitären Hilfe
„Inklusion stellt sicher, dass niemand zurückgelassen wird. Fehlt Inklusion, läuft die humanitäre Hilfe Gefahr, sehr viele Menschen zu übersehen“, betont Jacqueline Bungart, Expertin für inklusive Humanitäre Hilfe bei Licht für die Welt. Laut Schätzungen der Disability Reference Group benötigen 48 Millionen Menschen mit Behinderungen humanitäre Hilfe. 80% aller Menschen mit Behinderungen leben in Ländern des Globalen Südens.
Ein wichtiger Teil der humanitären Arbeit ist die Katastrophenhilfe vor, während und nach Katastrophen – etwa bei extremen Wetterereignissen infolge der Klimakrise wie Zyklonen und Überschwemmungen.

Recht auf Beteiligung
Licht für die Welt setzt sich für inklusive humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit ein. “Wir stellen sicher, dass Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen bei der Katastrophenhilfe in die Prävention (z.B. Frühwarnsysteme), die Antwort auf Katastrophen ( z.B. Evakuierungspläne) wie auch in die Unterstützung danach (z.B. Wiederaufbau) einbezogen sind. Darauf haben sie auch gemäß der UN- Behindertenrechtskonvention ein Recht.

Datenlücke in der internationalen humanitären Hilfe
“Wir sehen einen Anstieg humanitärer Krisen in den afrikanischen Ländern, in denen wir arbeiten. Menschen mit Behinderungen scheinen wie ältere Menschen in Daten oft nicht auf”, stellt Jacqueline Bungart fest. Das führt bei Katastrophen oft dazu, dass sie übersehen werden, da ihre Bedürfnisse in der Planung von zB. Evakuierungsplänen nicht bedacht wurden. Mit dem „Survey for Inclusive Rapid Assessment“ (SIRA) unterstützt Licht für die Welt humanitäre Akteure Barrieren für Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen für den Krisenfall zu identifizieren und sicherzustellen, dass diese mitgedacht werden. Insbesondere setzt sich Licht für die Welt dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen in Prozesse eingebunden werden und somit beteiligt sind, wirksame Lösungen zu finden.

Datenlücke auch in Österreich
Auch in Österreich fehlt es an einer verlässlichen Datengrundlage: Der Nationale Aktionsplan Behinderung 2022–2030 (NAP II) hält fest, dass es an ausreichenden Vorkehrungen für Not- und Katastrophenfälle mangelt, um zielgerichtet auf die speziellen Anforderungen von Menschen mit Behinderungen reagieren zu können, insbesondere weil eine detaillierte Datenlage zu Anzahl, gewöhnlichem Aufenthalt und individuellen Bedarfen (etwa bei Mobilität, Grundversorgung oder Medikamenten) fehlt.
„Wer im Ernstfall nicht erfasst ist, wird leicht übersehen“, sagt Behindertenanwältin, Christine Steger. „Der NAP II sieht daher zu Recht vor, dass diese Datenlücke geschlossen wird. Jetzt kommt es auf eine rasche und datenschutzkonforme Umsetzung an, gemeinsam mit den Organisationen von Menschen mit Behinderungen.“

Weitere Informationen: https://www.light-for-the-world.org/news/a-new-tool-for- disability-data-in-crises/
Disability inclusion in Disaster Risk Reduction

Rückfragehinweis:
Anwältin für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen
Mag.a Christine Steger
Telefon: 066478761504
E-Mail: office@behindertenanwaltschaft.gv.at

PA: Super El Niño 2026: Frühzeitiges Handeln rettet Leben

Aktuelle Analysen deuten darauf hin, dass El Niño im Jahr 2026 eine außergewöhnlich hohe Intensität erreichen wird. Für Aktion gegen den Hunger ist dies ein deutliches Warnsignal: In besonders vulnerablen Regionen drohen Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle mit schwerwiegenden Folgen für Millionen Menschen. Da die Risiken bereits heute absehbar sind, müssen Vorsorge und Vorbereitung jetzt verstärkt werden. 

„Wir wissen, dass El Niño kommt. Auch wo die Risiken am größten sind und welche Auswirkungen zu erwarten sind, ist klar. In Ländern, die bereits von humanitären Krisen betroffen sind, verstärken solche Klimaschocks bestehende Verwundbarkeiten. Zu warten, bis die Krise eintritt, setzt Menschenleben aufs Spiel und verursacht zusätzlich erhebliche wirtschaftliche Schäden“, betont Rowan Cody, stellvertretende Direktorin für Notfallvorsorge und Nothilfe bei Aktion gegen den Hunger. 

„Angesichts der zunehmenden Häufigkeit und Intensität klimabedingter Extremereignisse geht es nicht mehr darum, ob gehandelt werden muss, sondern dass früh gehandelt wird. Nur so verhindert man, dass El Niño zu einer humanitären Katastrophe wird”, ergänzt Cody.  

Absehbare Folgen in besonders gefährdeten Ländern 

Frühere El-Niño-Ereignisse haben Niederschlagsmuster verändert, extreme Wetterereignisse verstärkt und die Lebensgrundlagen vulnerabler Bevölkerungsgruppen geschwächt. In mehreren Einsatzländern von Aktion gegen den Hunger sind die Risiken besonders hoch:  

  • Madagaskar: Im Süden verschärft ein Niederschlagsdefizit von mehr als 300 mm innerhalb von 90 Tagen die Risiken von Dürre, Ernteausfällen und Ernährungsunsicherheit. Gleichzeitig steigt an der Ostküste das Risiko von Zyklonen und Starkregenereignissen. 
  • Kamerun: In den Regionen Adamaoua und Hoher Norden werden schwere Dürren erwartet. Dies könnte Ernten, Einkommen, den Zugang zu Wasser und die Ernährungslage beeinträchtigen. Auch der Kakaoanbau könnte betroffen sein. 
  • Jemen: Extreme Hitze und ein erhöhtes Risiko plötzlicher Überschwemmungen könnten Infrastruktur, Wasserversorgung und Gesundheitssysteme zusätzlich belasten. 
  • Irak: Die bereits bestehende Wasserkrise könnte sich verschärfen. Hinzu kommen weitere Schäden an landwirtschaftlichen Flächen und eine Zunahme von Sandstürmen. 

Frühzeitige Maßnahmen zum Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen 

Aktion gegen den Hunger verstärkt vorausschauende Maßnahmen in der Notfallvorsorge. Dazu gehören Notfallpläne, Frühwarnsysteme, die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden sowie die Stärkung lokaler Reaktionskapazitäten. 

In Regionen, die von Zyklonen oder Überschwemmungen bedroht sind, stockt Aktion gegen den Hunger Wasser-, Hygiene- und Sanitärkits sowie Hilfsgüterpakete mit wichtigen Alltagsgegenständen auf. So können der Zugang zu sauberem Wasser gesichert, Gesundheitsrisiken reduziert und die Bedürfnisse von Menschen gedeckt werden. 

In von Dürre und extremer Hitze bedrohten Regionen gehören die vorsorgliche Bereitstellung therapeutischer Nahrung zur Behandlung schwerer akuter Mangelernährung, eine verstärkte Ernährungsüberwachung sowie die Unterstützung von Gemeinden beim Erhalt ihrer Lebensgrundlagen zu den zentralen Vorsorgemaßnahmen. 

Solche frühzeitigen Maßnahmen können die humanitären Folgen vorhersehbarer Klimaschocks deutlich begrenzen. Doch obwohl bekannt ist, wo und wie sich die Auswirkungen eines Super El Niño voraussichtlich bemerkbar machen werden, fehlt es häufig an ausreichenden Mitteln für rechtzeitige Vorsorgemaßnahmen. Derzeit fließt humanitäre Finanzierung weiterhin überwiegend in die Reaktion nach Katastrophen statt in deren Prävention und Vorbereitung. 

„Es ist notwendig, flexible und verlässliche Finanzierungen für die Antizipation und Vorbereitung auf Klimakrisen zu stärken und gleichzeitig die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel aufrechtzuerhalten“, betont Rowan Cody. 

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche. Interviewpartner*innen und Expert*innen stehen u.a. zu folgenden Themen zur Verfügung: Notfallvorsorge und vorausschauende Maßnahmen, Auswirkungen in den Einsatzgebieten sowie Fragen zur Finanzierung. 

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

Kommentar: EZA-Budget: Das Glas ist halb leer

Die gute Nachricht: Die massiven Kürzungen bei Österreichs Entwicklungszusammenarbeit sind vorerst gestoppt. Die schlechte Nachricht: Österreich bleibt immer weiter hinter seinen internationalen Zusagen zurück.

Von Lukas Schlögl (ÖFSE), Juni 2026
Am 10. Juni präsentierte Finanzminister Markus Marterbauer das aktuelle Doppelbudget der Bundesregierung für die Jahre 2027/28. Viele Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) haben dieses mit Spannung erwartet. Immerhin hatte das letzte Doppelbudget (2025/26) die öffentlichen Ausgaben für bilaterale EZA dramatisch gekürzt. Der bisherige Finanzplan des Bundes sah zudem vor, die Ausgaben des Außenministeriums in den kommenden Jahren weiter zu senken.

Das neue Budget bringt Entwarnung: Der Worst Case ist nicht eingetreten. Die Ausgaben für das Außenministerium für EZA bleiben 2027 auf dem bereits gekürzten Niveau von 2026, d.h. auf 149 Millionen Euro. Für die bilaterale EZA bedeutet das: Zumindest vorläufig gibt es keine weiteren Einschnitte. 2028 ist dann ein leichter Anstieg vorgesehen. Die Beiträge des Finanzministeriums an internationale Organisationen bleiben ebenfalls konstant, auf dem Niveau von 2025, wobei die Mittel 2026 gekürzt wurden. Zudem plant die Bundesregierung hier laut Finanzrahmen ab 2028 weitere Kürzungen.
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PA KFBÖ: Veranstaltung zum Familienfasttag 2026: Partizipation als Schlüssel globaler Gerechtigkeit

Wie kann gesellschaftliche Teilhabe unter Bedingungen von Armut, Gewalt und struktureller Ausgrenzung gelingen? Dieser Frage widmete sich die Veranstaltung zum Familienfasttagim Parlament Österreich. Im Zentrum stand die Rolle feministischer Organisationen in Indien, die Frauen darin stärken, ihre Rechte wahrzunehmen, wirtschaftlich selbstbestimmt zu handeln und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Gastgeber der Veranstaltung war Markus Stotter, Präsident des Bundesrates, der in seinem Eröffnungsstatement die Bedeutung von politischer Teilhabe und internationaler Verantwortung als Grundlagen einer lebendigen Demokratie hervorhob. In ihren Grußworten betonten Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö), sowie Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, die gesellschafts- und gleichstellungspolitische Relevanz von Partizipation. Der Familienfasttag der kfbö zeige seit Jahrzehnten, dass globale Solidarität dann wirksam sei, wenn sie auf langfristige Partnerschaften und feministische Perspektiven setze.

Einen fachlichen Impuls lieferte Linda Kreuzer, die die strukturellen Zusammenhänge von sozialer Ungleichheit, Geschlechtergerechtigkeit und Entwicklungszusammenarbeit beleuchtete. Eine Videoeinspielung stellte anschließend die Arbeit der indischen Partnerorganisation SEEDS vor, die Frauen durch rechtliche Bildung, wirtschaftliche Stärkung und kollektive Organisation neue Handlungsspielräume eröffnet. Im anschließenden Expertinnentalk diskutierten Anna Raab, Verantwortliche für den Familienfasttag, gemeinsam mit Doris Schmidauer, Eva Wallensteiner und Sara Soltani über feministische Entwicklungszusammenarbeit, globale Verantwortung und die Bedeutung von Partizipation für nachhaltige gesellschaftliche Transformation. Moderiert wurde die Veranstaltung von Clivia Blümel. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Rina Killmeyer, die mit ihren musikalischen Interventionen Übergänge gestaltete und dem Abend eine dichte, ruhige Atmosphäre verlieh. Das Kurzinterview mit Bischof Wilhelm Krautwaschl machte deutlich, dass der Einsatz für globale Gerechtigkeit und die Stärkung von Frauen auch als kirchlicher Auftrag verstanden wird.

Im Anschluss an das Programm wurden die Gäste zu einem Suppenempfang eingeladen. Die beiden Suppen, eine Alt Wiener Erdäpfelsuppe sowie ein indisches Linsen-Kokos-Gericht, wurden von Schülerinnen der Fachhochschule MODUL University Vienna zubereitet und serviert. Die Veranstaltung zum Familienfasttag zeigte eindrücklich: Christlich-feministische Organisationen sind Motoren gesellschaftlicher Veränderung. Partizipation von Frauen ist kein Randthema, sondern ein zentraler Schlüssel für globale Gerechtigkeit, in Indien wie in Österreich.
 

Stimmen zur Veranstaltung, zum Modellprojekt SEEDS, zu Partizipation und Gerechtigkeit:

Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, Eva-Maria Holzleitner:
„Partizipation ist ein demokratisches Grundrecht, das weltweit zunehmend unter Druck gerät. Veranstaltungen wie der Familienfasttag zeigen eindrucksvoll, wie dieses Recht sichergestellt werden kann: durch internationale Solidarität, Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe und konkrete Projektarbeit. Mit ihrer konsequent feministischen Ausrichtung zeigt die katholische Frauenbewegung mutig und konsequent Diskriminierung von Frauen auf, bietet klare Lösungen an und schaut mit ihren Impulsen weit über den Suppenteller hinaus, immer im Sinne der gesamten Gesellschaft.“
 
Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreich, Angelika Ritter-Grepl:
Gerechtigkeit ist keine starre, fixe Größe, sondern Gerechtigkeit verändert sich und muss immer wieder neu ausgehandelt und angestrebt werden. Darum ist es wichtig, dass alle Betroffenen im Aushandlungsprozess beteiligt sind. Nach Gerechtigkeit zu streben ist eine Lebenspraxis, darum braucht es die Partizipation aller und zwar auf allen Ebenen. Auf der Ebene der Person im täglichen Leben und der gesellschaftlichen und rechtlichen Strukturen, wo die Aushandlungsprozesse stattfinden. Darum braucht es das Recht auf Partizipation, es braucht demokratische Prozesse, die allen Betroffenen das Mitwirken, die Teilhabe ermöglichen insbesondere im Bereich der Mitbestimmung.
 
Stv.-Vorsitzende und Leiterin der Aktion Familienfasttag, Anna Raab:
Wir arbeiten auf verschiedenen Ebenen: in unseren Gremien auf Ö-Ebene in Zusammenarbeit mit den dafür zuständigen Frauen der einzelnen Diözesen. Wenn ein Bildungsthema erarbeitet wird oder wenn Projekte in den Ländern des globalen Südens ausgewählt werden, ist eine gute Kommunikation wichtig – fragen, zuhören, miteinander reden diskutieren – so können wir zu einer guten Entscheidung kommen, die alle mittragen können. Jede von uns ist mitverantwortlich, dass wir ausgehandelte Verträge mit unseren Projektpartnerinnen auch einhalten. Wenn wir Bildungsveranstaltungen mit den Frauen aus den Regionen und Pfarren machen, ermutigen wir die Teilnehmerinnen, dass sie ihre Erfahrungen und Ansichten einbringen und so eine Grundlage bekommen, die Aktion gut durchführen zu können, zB bei Frauentreffen, bei der Gestaltung von Gottesdiensten oder auch beim Suppe ausschenken.
 
Stv. Vorsitzende, Lydia Lieskonig:
Die Teilnahme aber auch Teilhabe der Verantwortung an der Ausführung der geschäftlichen Abwicklungen innerhalb des kfb Ö Vorstandes. Mein sehr persönlicher Part ist für eine zuversichtliche, erfüllende und ausgleichende Atmosphäre zu sorgen. Zugleich ist es mir wichtig, eine ausgewogene Verbindung von Klarheit und Pragmatismus sicherzustellen. Der verbindende Kontakt zu den ehrenamtlichen Diözesanleiterinnen ist ebenfalls ein wichtiger Part. Wir sind als Frauen gemeinsam durch ein Ziel verbunden. Das ist Partizipation in reinster Form.
 
Sonja Schromm, Generalsekretärin:
Wir haben Ressourcen, Kontakte und Öffentlichkeit; das ist eine große Verantwortung. Für mich heißt das: gut zuhören, Entscheidungen nicht allein treffen und Partnerschaften Ernst nehmen. Denn: Solidarität funktioniert nur auf Augenhöhe. Eine christlich-feministische Perspektive verändert den Blick, wie wir Entwicklungszusammenarbeit sehen. Wir sehen Frauen nicht als Empfängerinnen, sondern als diejenigen, die selbst Veränderung gestalten. Wenn Frauen mitentscheiden können, verändert sich mehr als ein Projekt; es verändert sich eine Gesellschaft.
 
Stellvertretende Generalsekretärin, Irene Rojnik:
Partizipation bedeutet Teilhabe – aktive Teilhabe am eigenen Leben, in der Familie, aber auch in der Gesellschaft. Wir fördern rund 70 Projekte in Lateinamerika, Afrika und Asien. In diesen Projekten unterstützen wir Organisationen, die Frauen ermächtigen aktiv ihr Leben zu gestalten. In unserem Projekt „Seeds“ in Ostindien lernen indigene Frauen in Workshop Ihr Rechte kennen und sie fordern gemeinsam ihre aktive Teilhabe in den lokalen Gemeinderäten. Besonders ist auch, dass Männer in diese Prozesse miteinbezogen werden. 
 
Eva Wallensteiner, Expertin für Projektarbeit und feministische Entwicklungszusammenarbeit:
Seit nunmehr 20 Jahren unterstützt die Katholische Frauenbewegung (kfb) die Organisation Social Education and Environment Development Society (SEEDS) in ihrer kontinuierlichen Aufbauarbeit in Jharkhand, Indien. Im Mittelpunkt dieses langjährigen Engagements steht jedoch nicht eine klassische Projektarbeit „von außen“, sondern ein konsequent partizipativer Ansatz: Ausgebildete und ermächtigte Dorffrauen erkennen und analysieren die Probleme in ihren Gemeinden und erarbeiten gemeinsam mit den Dorfbewohner*innen nachhaltige Lösungen.
 
Bischof Krautwaschl, Bischof der Diözese Graz-Seckau, zuständig für das Laienapostolat:
Kirche lebt von der Gemeinschaft. Wenn wir an die Urkirche der Apostelgeschichte denken, dann waren schon in diesen Gemeinschaften alle beteiligt entsprechend ihren „Charismen“, also ihren Begabungen und Fähigkeiten. Alle Gemeinschaften und unsere gesamte Gesellschaft funktionieren nur, wenn wir alle dazu beitragen, uns also beteiligen. Beteiligung geht freilich weit über das Wesen der Kirche hinaus.
 
Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings:
Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im politischen und wirtschaftlichen Bereich ist deshalb notwendig, um für die eigenen Interessen eintreten zu können. Sozial- aber auch frauenpolitische Forderungen, die sowohl Frauen als auch Männern zugutekommen, wurden immer von Frauen formuliert, am Beispiel des sogenannten Papamonates oder der Väterkarenz. Ein gutes Beispiel ist auch der Kampf um das Frauenwahlrecht, dass Frauen mitbestimmen konnten. Frauen sind aber auch in sehr hohem Ausmaß für die Friedensarbeit wichtig. Wenn wir uns gerade anschauen, wer in der Welt Kriege führt, dann sind das sicher keine Frauen, aber sie sind die Leidtragenden der Auswirkungen von Gewalt, die von Männern ausgeht. Demokratie stärken braucht den gleichberechtigten Zugang von Frauen, Frauen stärken heißt aber auch Frieden stärken. Das Prinzip halbe-halbe muss also im gesamten politischen, zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben dringend gesetzlich verankert werden.
 
Christiane Feigl, Herausgeberin der „Welt der Frauen“:
Medien entscheiden maßgeblich, wer gesehen und gehört wird. Sie prägen Bilder, schaffen Vorbilder und beeinflussen gesellschaftliche Entwicklungen. Wenn Frauen vielfältig, kompetent und selbstbestimmt dargestellt werden, erweitert das Perspektiven und bringt gesellschaftlich Festgefahrenes in Bewegung. „Welt der Frauen“ setzt hier bewusst an und engagiert sich konsequent für Gleichstellung sowie für ein gutes und erfülltes Leben von Frauen.

Weitere Informationen auf kfbö und Teilen spendet Zukunft; sowie Videos zum Modellprojekt SEEDS und Fotos zur Veranstaltung.


Rückfragehinweis:

Mag.a Sonja Schromm
Generalsekretärin
Katholische Frauenbewegung Österreichs
Spiegelgasse 3/2/7, 1010 Wien
Tel.Nr.: +43 1 51611-1631
E-Mail: sonja.schromm@kfb.at
www.kfb.at | www.teilen.at

PA: Attac-Bericht: Wettrüsten macht Klimaziele unerreichbar

Militär könnte 2030 rund 25 Prozent der maximal erlaubten Gesamtemissionen beanspruchen

Um die Erderhitzung auf 1,5 bis maximal 2 Grad zu begrenzen, müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen laut Pariser Abkommen bis 2030 halbiert werden. Ein neuer Attac-Bericht zeigt, dass das globale Wettrüsten diese Klimaziele unerreichbar macht. 

Nach Attac-Berechnungen betrugen die globalen Emissionen des Militärs im Jahr 2025 bereits rund 8 Prozent der globalen Emissionen (4,3 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalent). Steigen die Militärausgaben weiter wie geplant an, würden die weltweiten Heere im Jahr 2030 etwa 25 Prozent der dann maximal erlaubten Gesamtemissionen beanspruchen. Eine ähnliche Größenordnung (26 Prozent) besteht in Bezug auf die Emissionen europäischer NATO-Staaten und die Klimaziele der EU. Selbst ernsthafte Emissionsminderungen in Industrie, Verkehr oder Energie würden also durch den stark wachsenden militärischen Sektor zunichte gemacht werden.

„Das Wettrüsten untergräbt jede Chance, die Klimakrise abzufedern. Es bedeutet nicht nur mehr Emissionen, sondern auch weniger Spielraum für Klima-, Sozial- und Friedenspolitik. Wer es mit Klimaschutz ernst meint, muss Investitionen fürs Militär in Bereiche wie Klimaschutz umlenken – nicht umgekehrt“, erklärt Max Hollweg von Attac Österreich.

Die Klimakrise wirkt wiederum selbst als Konflikttreiber: Hitze, Dürren und Überschwemmungen verschärfen soziale Spannungen, zerstören Lebensgrundlagen und befeuern Gewalt. Die daraus entstehenden Konflikte zerstören Umwelt und Klima weiter – ein Teufelskreis. Hollweg: „Die aktuell dominante Sicherheitspolitik setzt auf Abschreckung und Aufrüstung. Doch diese Logik führt letztlich zu weiterer Eskalation.“

Wettrüsten stoppen, Rüstung zu emissionsarmer, ziviler Produktion umbauen

Attac fordert daher, das internationale Wettrüsten zu stoppen. Auch Österreich solle seine Militärausgaben nicht wie geplant verdoppeln und aus dem EU-Rüstungsprogramm ReArm Europe aussteigen. Die Rüstungsindustrie muss demokratisch kontrolliert und zu emissionsarmer, ziviler Produktion umgebaut werden, fordert Attac. Dazu gehören insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien, öffentliche Mobilität (Züge, E-Busse) und die entsprechende Infrastruktur. Aktuell profitiert vor allem die boomende Rüstungsindustrie von den staatlichen Großaufträgen: Klimaschädliche Autoproduktion wird zu noch klimaschädlicherer Rüstungsproduktion transformiert.

Militärische Emissionen endlich in die Klimapolitik einbeziehen

Obwohl das Militär besonders klimaschädlich ist, werden seine Emissionen bislang völlig unzureichend erfasst und kaum reguliert. Bis heute ist keine Regierung verpflichtet, militärische Emissionen an die UN-Klimarahmenkonvention zu melden. Auch Österreich erfasst militärische Emissionen nur lückenhaft. Attac fordert daher, dass militärische Emissionen endlich verbindlich in die internationale Klimapolitik einbezogen werden. „Die bisherige klimapolitische Sonderbehandlung des Militärs muss beendet werden“, erklärt Hollweg.

Rückfragen:
David Walch
Pressesprecher Attac Österreich
presse@attac.at
0650 544 00 10

PA: Start der Gewerkschaftskampagne „Wir gegen Kinderarbeit!“

ÖGB, solidar Austria und Netzwerk International fordern strukturelle Maßnahmen gegen Kinderausbeutung.

Wien, 11. Februar 2026 – Während heute in Marrakesch die 6. Globale Konferenz zur Beseitigung der Kinderarbeit beginnt, starten der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB), solidar Austria und das Netzwerk International die ganzjährige Kampagne „Wir gegen Kinderarbeit!“. Der Handlungsbedarf ist dramatisch: Weltweit werden nach aktuellen Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) rund 140 Millionen Kinder zur Arbeit gezwungen – über 50 Millionen davon unter gefährlichen Bedingungen. Das UN-Ziel, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden, wurde krachend verfehlt. Um das Sustainable Development Goal (SDG) 8.7 wenigstens bis 2030 zu erreichen, müssten die Fortschritte elfmal schneller sein als bisher.

Geht’s den Eltern gut, geht’s den Kindern gut

„Der Kampf gegen Kinderarbeit ist ein urgewerkschaftliches Anliegen“, betont Marcus Strohmeier, Internationaler Sekretär des ÖGB. „Bereits im 19. Jahrhundert kämpften Gewerkschaften gegen Kinderarbeit in europäischen Fabriken – heute setzen wir diesen Kampf auf globaler Ebene fort. Aber wir haben aus der Geschichte gelernt: Kinderarbeit verschwindet nicht durch Verbote allein, sondern durch existenzsichernde Löhne für die Eltern. Wer Kinderarbeit wirklich beenden will, muss Gewerkschaften stärken und für faire Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern sorgen. Geht’s den Eltern gut, geht’s den Kindern gut – das ist unsere zentrale Botschaft.“

Die Realität ist erschütternd: Über 1,5 Millionen Kinder schuften im Kakaosektor in der Elfenbeinküste und Ghana, hantieren mit Macheten und tragen schwere Lasten.

Rund 40.000 Kinder arbeiten in den Kobalt- und Coltan-Minen der Demokratischen Republik Kongo unter lebensgefährlichen Bedingungen. In den Textilfabriken Südasiens werden Kinderrechte systematisch mit Füßen getreten.

Österreich muss Verantwortung übernehmen

„Wenn wir in Österreich Schokolade essen, Smartphones nutzen oder Kleidung kaufen, profitieren wir von globalen Lieferketten, in denen Kinder ausgebeutet werden“, erklärt Peter Schissler, Vorsitzender von solidar Austria, dem entwicklungspolitischen Verein der österreichischen Gewerkschaftsbewegung. „Freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen sind gescheitert. Österreich muss jetzt handeln: Wir brauchen ein produktbezogenes Gesetz, das den Verkauf von Waren aus Kinderarbeit verbietet. Und Österreich muss offiziell der internationalen SDG 8.7 Allianz beitreten. Das sind keine unrealistischen Forderungen, sondern bittere Notwendigkeit, um unserer Verantwortung gerecht zu werden.“

„Wir appellieren an die österreichische Bundesregierung, die Konferenz in Marrakesch als Weckruf zu verstehen“, so Strohmeier und Schissler abschließend. „Es braucht keine weiteren unverbindlichen Absichtserklärungen, sondern einen bindenden Aktionsplan mit strengen Sanktionsmechanismen. Die 137,6 Millionen arbeitenden Kinder weltweit können nicht länger warten.“

Weitere Informationen zur Kampagne: https://www.netzwerkinternational.at/wir-gegen-kinderarbeit (geht am 11.02. online)

Rückfragehinweis:
Michael Wögerer (Projektleiter solidar Austria, Wien)
+43 (0)664 7810 3189

Fotos/Bildmaterial auf Anfrage verfügbar