Archiv der Kategorie: Wirtschaft

Aviso: EZA-Fachtagung 2026: Wohnen für alle – Globale Perspektiven auf ein Menschenrecht

Sechs internationale Expert:innen diskutieren am 17. November 2026 im Wiener Rathaus Ursachen und Lösungsansätze der weltweiten Wohnungskrise

Wien, 22. Oktober 2026. Wohnen ist viel mehr als nur ein Dach über dem Kopf: Es ist die Grundlage für Würde, Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe – und ein Menschenrecht. Dennoch befindet sich die Welt mitten in einer Wohnkrise: Rund 2,8 Milliarden Menschen leben ohne angemessenen Wohnraum, 1,1 Milliarden davon in informellen Siedlungen oder Slums, mehr als 300 Millionen Menschen sind obdachlos.

Die Ursachen sind vielfältig: Bevölkerungswachstum und rasante Urbanisierung treffen auf steigende Boden- und Immobilienpreise, wachsende soziale Ungleichheit, unzureichende Raumplanung sowie die Folgen der Klimakrise. Gleichzeitig wird Wohnraum zunehmend als Anlage- und Spekulationsobjekt betrachtet.

Alternativen diskutieren mit internationalen Expert:innen 

Weltweit zeigen zahlreiche Ansätze, dass ein anderer Weg machbar ist: partizipative Stadtentwicklung, sozialer Wohnbau, innovative Finanzierungsmodelle, die Aufwertung informeller Siedlungen und die Stärkung von Land- und Wohnrechten schaffen Perspektiven für Millionen Menschen. 

Die EZA-Fachtagung bringt im bewährten Format von Impulsvorträgen mit anschließender Diskussion sechs Expert:innen aus Forschung, Praxis und Politik zusammen:

  • Claudio Acioly Jr. – Architekt und Stadtplaner, Institute for Housing and Urban Development Studies, Council Member – International Federation for Housing and Planning, Niederlande
  • Maartje van Eerd – Expertin für Wohnungswesen und soziale Entwicklung, Institute for Housing and Urban Development Studies, Niederlande
  • Martin Jimmy Namupala – Deputy Director, Senior Housing and Social Development Specialist – Institute for Housing and Urban Development Studies, Niederlande
  • Marta Ribera Carbó – European Project Director, The Shift Europe, Spanien
  • Katarzyna Przybylska – Associate Director, Advocacy und EU-Public-Affairs, Habitat for Humanity International, Polen
  • Elisabeth Hammer – Geschäftsführerin neunerhaus, Vorsitzende des Dachverbands BAWO, Schriftstellerin, Österreich

Ort: Wappensaal, Wiener Rathaus, 1010 Wien
Datum: Dienstag, 17. November 2026, 16:00–19:30 Uhr
Sprachen: Deutsch, Englisch (Simultan-Übersetzung und Induktionsschleife stehen zur Verfügung) 
Die Veranstaltung ist kostenlos und barrierefrei zugänglich.
 

Zwei Jahrzehnte etablierter Fachdialog

Die Entwicklungspolitische Fachtagung der Stadt Wien ist ein jährlicher Fixpunkt, um zentrale Themen der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe zu diskutieren und internationale Expert:innen zu vernetzen. Seit zwei Jahrzehnten ist Südwind mit der Organisation der Tagung beauftragt. Die jährlich wechselnden Schwerpunktthemen orientieren sich an den Sustainable Development Goals. Ziel ist es, den Austausch zu fördern, voneinander zu lernen und Impulse für globale Gerechtigkeit zu setzen.

Die Stadt Wien unterstützt zivilgesellschaftliche Organisationen bei der Durchführung von Entwicklungsprojekten in Afrika, Asien und Osteuropa. Für die Durchführung dieser Aktivitäten ist die Abteilung für Europäische Angelegenheiten (MA 27) verantwortlich.

Redaktionelle Hinweise:

  • Interviews mit den Speaker:innen sind vorab oder am Tag der Tagung auf Anfrage möglich.
  • Pressevertreter:innen sind zur Berichterstattung willkommen; Bitte um Anmeldung an tagung@suedwind.at
  • Download: Programm (PDF)
  • Weitere Details zur Veranstaltung finden sich auf www.suedwind.at

Der Preis für Elektronik: Neue Südwind-Recherche zu Zwangsarbeit in der Elektronik-Lieferkette

Eine Recherche im Auftrag von Südwind und unter Leitung von Olga Martin-Ortega, Professorin für Völkerrecht an der University of London dokumentiert grobe Missstände und Formen von Zwangsarbeit in der Elektronikproduktion

12-Stunden-Schichten unter ätzendem Lithiumstaub, erzwungene Überstunden, mangelhafte Schutzausrüstung und die ständige Drohung mit Lohnentzug oder Ausweisung. Das sind nur einige der problematischen Arbeitsbedingungen, die bei einer neuen Studie in Thailand, Malaysia und Indonesien, im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Südwind dokumentiert wurden.

Die Ergebnisse zeigen, wie in legal anmutenden Arbeitsverhältnissen Formen von Zwangsarbeit aufscheinen können: von Nötigung zu Überstunden, über Repression bei Beschwerden bis hin zu Bedingungen, die Ausstieg und Arbeitswechsel unmöglich machen. Gleichzeitig zählen Thailand, Malaysia und Indonesien zu den wichtigsten Standorten der weltweiten Chip- und Batterie-Produktion. Europas Elektronikkonsum – von Smartphones über Bluetooth-Kopfhörer bis hin zu E-Auto-Batterien – ist ohne die Produktion in Südostasien kaum denkbar.

Angesichts dieser Missstände fordert Südwind die Bundesregierung zum Handeln auf. „In Zeiten, in denen Digitalisierung und Elektrifizierung immer wichtiger werden, müssen wir auch die sozialen Folgen ernst nehmen. Die Arbeiter:innen dürfen nicht den Preis für den Technologie-Boom zahlen“, sagt Julia Weber, Projektleiterin bei Südwind. Gerade Österreich hinkt laut der Menschenrechtsorganisation bei wichtigen Schutzmechanismen hinterher. „Die Bundesregierung ist sowohl säumig bei der Umsetzung der EU- Zwangsarbeitsverordnung als auch bei strengen Sozialkriterien in der öffentlichen Beschaffung.“

Die Studie wurde durchgeführt von Olga Martin-Ortega, Professorin für Völkerrecht und Forscherin am Institute of Advanced Legal Studies der University of London, sowie lokalen Expert:innen. Die Co-Autor:innen aus Thailand, Malaysia und Indonesien stellten beim Pressegespräch in Wien Ergebnisse vor und schilderten den Alltag in den Elektronik-Fabriken.

Malaysia: Überstunden als Druckmittel, Angst vor Repressionen

„Eine reguläre Schicht in den Fabriken, die ich in Malaysia besucht habe, dauert zwölf Stunden – acht Stunden Arbeit plus vier Überstunden. Wer Überstunden ablehnt, muss mit Sanktionen, Degradierungen und entgangenen Gehaltszulagen rechnen. Das ist Nötigung. Wanderarbeiter:innen trifft es noch härter: Ihre Arbeitserlaubnis ist an den Arbeitgeber gebunden. Verlieren sie den Job, verlieren sie ihren legalen Status und müssen das Land sofort verlassen“, schildert Thanussha Francis Xavier, Projektkoordinatorin in Malaysia, IndustriALL.

„Ohne echte Vereinigungsfreiheit bleibt jeder Schutz nur auf dem Papier. Wir erleben täglich, wie Arbeitnehmer:innen eingeschüchtert werden, sobald sie sich gewerkschaftlich engagieren“, berichtet Divid Arulappen, Gewerkschafter (Electronics Industry Employees Union Northern Region, Malaysia). „Kolleginnen, die an Gewerkschaftswahlen teilgenommen haben, wurde die Vertragsverlängerung verweigert – trotz einwandfreier Arbeitsbilanz. In einem anderen Fall wurde eine Gewerkschaftsführerin entlassen und diffamiert, weil sie auf unsichere Arbeitsbedingungen hingewiesen hat.“

Indonesien: Die „Politik der Erschöpfung” im Nickel-Sektor

Yohannes Wasi Gede Puraka, Policy Experte von Inkrispena in Indonesien schilderte die Bedingungen in der Nickelverarbeitung für E-Auto-Batterien: „Die Erschöpfung der Arbeiter:innen ist kein Nebenprodukt, sondern eine kalkulierte Strategie. Das neue 6+1-Arbeitssystem Indonesiens – sechs Arbeitstage, ein freier Tag – macht ausreichende Ruhe und Erholung unmöglich. Gleichzeitig ist das Einkommen, das sich aus 60 Prozent Anreizen und 40 Prozent Grundlohn zusammensetzt, so niedrig, dass Arbeiter:innen zu Überstunden gezwungen sind. Manche arbeiten Schichten von bis zu 16 Stunden, nur um einen ausreichenden Lohn zu verdienen. Und das unter Bedingungen, die ihre Gesundheit gefährden – mit unzureichender Schutzausrüstung und mangelnden Informationen über die Risiken.”

Thailand: Wanderarbeiter:innen bezahlen für ihre Jobs

Ussarin Kaewpradap Luthra, Arbeitsrechtsexpertin von der Labour Rights Foundation, Thailand: „Die burmesischen Migrant:innen, mit denen wir arbeiten, haben für ihre Jobs bezahlt: Vermittlungsgebühren, Bestechungsgelder, Reisekosten – oft finanziert durch Kredite mit hohen Zinsen. Einige haben sogar ihr Land verkauft, um diese Vermittlungsgebühren zu bewältigen. Von ihren Arbeitgebern werden sie angewiesen, all dies gegenüber Arbeitsinspektor:innen zu leugnen. Das ist systematischer Rekrutierungsbetrug. Gleichzeitig hängt ihr legaler Status vom Arbeitgeber ab: Wer sich beschwert oder versucht, sich zu organisieren, riskiert die Nicht-Verlängerung des Vertrags – und damit die sofortige Rückkehr in ein Konfliktgebiet. Viele können nicht nach Myanmar zurück. Ihre Dörfer existieren nicht mehr, oder sie würden sofort zwangsrekrutiert vom Militär.”

Südwind Forderungen an die Bundesregierung

Die Beispiele zeigen: Zwangsarbeit zeigt sich mitunter in legal anmutenden Arbeitsverhältnissen, die Ausstieg und Widerspruch unmöglich machen. Deshalb fordert Südwind von der Bundesregierung und speziell von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer:

  1. Die Wirksame Umsetzung der EU-Zwangsarbeitsverordnung: Die EU- Zwangsarbeitsverordnung (Forced Labour Regulation – FLR) verbietet den Import von Waren aus Zwangsarbeit. Bei der Umsetzung ist Österreich aktuell im Verzug. Die zuständigen Kontrollbehörden hätten bis Dezember 2025 benannt werden müssen – Österreich ist dieser Pflicht bis heute nicht nachgekommen. Bis Dezember 2026 müssen zudem wirksame nationale Sanktionsvorschriften der EU-Kommission gemeldet werden. Die Bundesregierung muss diese Maßnahmen dringend nachholen.
  2. Kein öffentliches Geld für Elektronik aus Zwangsarbeit: Die öffentliche Hand muss sicherstellen, dass Elektronikfabriken in den Produktionsländern unabhängig überprüft werden. Das ermöglicht eine Mitgliedschaft der Bundesbeschaffung GmbH bei Electronics Watch – nach dem Vorbild Frankreichs, Irlands und der Stadt Graz.
  3. Die Durchsetzung von Arbeitsrechten in EU-Handelsabkommen: Österreich muss in laufenden und künftigen EU-Handelsabkommen mit Malaysia, Indonesien und Thailand auf verbindliche Sozialstandards mit unabhängigen Beschwerde- und Durchsetzungsmechanismen hinwirken. Arbeiter:innen müssen Missstände melden und sich organisieren können, ohne Angst vor Kündigung oder Repression.

Pressebilder und Downloads der Studie

PA: Exklusiver Bericht von Aktion gegen den Hunger: Zwei Drittel der Menschen in hoher akuter Ernährungsunsicherheit leben in nur zehn Ländern

Anlässlich des Welternährungstags am 16. Oktober veröffentlicht Aktion gegen den Hunger den „Hungerkrisen-Report 2026“. Der Bericht zeigt: Weltweit litten im Jahr 2025 rund 266 Millionen Menschen in 47 Ländern unter hoher akuter Ernährungsunsicherheit. Damit hat sich die Zahl der Betroffenen innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt. Besonders alarmierend: Zwei Drittel davon leben in nur zehn Ländern.

  • 266 Millionen Menschen waren 2025 in 47 Ländern von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. (Das bedeutet kein verlässlicher Zugang zu ausreichender und angemessener Nahrung und dadurch eine Gefährdung von Gesundheit, Lebensgrundlagen und Leben). An chronischem Hunger leiden sogar 645 Millionen Menschen.
  • 177 Millionen Menschen, die von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind, leben in nur zehn Ländern. Sie machen rund zwei Drittel der weltweiten Gesamtzahl von hoher akuter Ernährungsunsicherheit aus.
  • – 59 Prozent: Rückgang der humanitären Hilfe für den Ernährungssektor in Krisenkontexten zwischen 2022 und 2025.
  • Zwei Hungersnöte: 2025 wurden Hungersnöte in Teilen des Gazastreifens und des Sudan bestätigt.
  • 30 Millionen: Zahl der Kinder, die in den analysierten Ländern unter akuter Mangelernährung leiden.

Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und der Sudan verzeichnen die höchste Zahl von Menschen in hoher akuter Ernährungsunsicherheit. Allein in diesen drei Ländern leben nahezu ein Drittel der Betroffenen. In den zehn größten Ernährungskrisen der Welt leiden insgesamt 177 Millionen Menschen unter hoher akuter Ernährungsunsicherheit. Die Zahl der Menschen, die von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind, hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt, während die humanitäre Hilfe für Ernährungssicherheit in Krisenkontexten seit 2022 um 59 Prozent zurückgegangen ist. 

„Hunger konzentriert sich zunehmend auf wenige Länder, die gleichzeitig von Konflikten, Vertreibung, Klimaschocks und dem Zusammenbruch grundlegender Infrastruktur geprägt sind. Diese Krisen verstärken sich gegenseitig und treiben Millionen Menschen in die Not“, erklärt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger. 

Nigeria, DR Kongo und Sudan führen die Rangliste an 

Der erstmals von Aktion gegen den Hunger auf Deutsch veröffentlichte Bericht erstellt ein Ranking der zehn Länder mit der höchsten absoluten Zahl von Menschen, die unter hoher akuter Ernährungsunsicherheit leiden. Grundlage sind Daten des Global Report on Food Crises (GRFC) sowie die Hunger Hotspots-Analysen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und des Welternährungsprogramms (WFP), ergänzt durch die Beobachtungen und Analysen der Teams von Aktion gegen den Hunger vor Ort. 

Die zehn größten Ernährungskrisen weltweit im Jahr 2025 sind (gemessen an der Zahl der Menschen in hoher akuter Ernährungsunsicherheit): 

  • Nigeria (30,6 Mio.) 
  • Demokratische Republik Kongo (27,7 Mio.) 
  • Sudan (24,6 Mio.) 
  • Jemen (18,1 Mio.) 
  • Afghanistan (17,4 Mio.) 
  • Myanmar (16,7 Mio.) 
  • Bangladesch (16,0 Mio.) 
  • Pakistan (11,0 Mio.) 
  • Südsudan (7,8 Mio.) 
  • Syrien (7,2 Mio.) 

Neu in der Rangliste ist der Südsudan. Dort sind inzwischen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. 

Rückläufige Zahlen bedeuten keine Entwarnung 

Gegenüber 2024 sank die Zahl der von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen in diesen zehn Ländern von rund 197 auf 177 Millionen. Dieser Rückgang sollte jedoch nicht als Zeichen einer Verbesserung verstanden werden. Maßgeblich sind vor allem Datenlücken.  

Einige wichtige Krisenländer konnten in der aktuellen Erhebung nicht berücksichtigt werden, darunter Äthiopien, wo im Vorjahr rund 22 Millionen Menschen von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen waren. Gleichzeitig erschweren Kürzungen der humanitären Finanzierung die Erhebung verlässlicher Hungerdaten. 

Immer weniger Hilfe für immer mehr Menschen 

Während der Bedarf steigt, gehen die verfügbaren Mittel für die Bekämpfung von Hunger zurück. Die Finanzierung humanitärer Ernährungshilfe in Krisenkontexten sank zwischen 2022 und 2025 um rund 59 Prozent und liegt damit wieder auf dem Niveau von 2016/17. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der Menschen in hoher akuter Ernährungsunsicherheit verdoppelt. 

Wie groß die Finanzierungslücke ist, zeigen beispielhaft diese Zahlen für 2025: In Syrien waren lediglich 15,9 Prozent des Bedarfs finanziert, in Myanmar 26 Prozent, in der Demokratischen Republik Kongo 28 Prozent sowie im Sudan und Südsudan jeweils 45 Prozent. 

„Wir sind zunehmend gezwungen, lebenswichtige Programme einzustellen, während der Unterstützungsbedarf gleichzeitig wächst. Oftmals können wir nur noch lebensrettende Soforthilfe leisten, während wir langfristig angelegte Projekte beenden müssen, die Menschen dabei helfen, widerstandsfähiger zu werden und sich selbst zu versorgen. Die Folge ist ein Teufelskreis kurzfristiger Krisenreaktionen: Wir reagieren dann immer wieder auf die gleichen Notsituationen, weil es zu wenig Ressourcen gibt, um die Ursachen von Hunger zu bekämpfen“, warnt Jan Sebastian Friedrich-Rust. 

Wasser, Sanitärversorgung und Hunger eng miteinander verknüpft      

Die Ernährungskrise ist eine multiple Krise. In vielen der untersuchten Länder verschärfen Konflikte, Vertreibung, Klimaschocks und fehlende Finanzierung bereits bestehende Schwächen bei der Wasser- und Sanitärversorgung. Die Folgen sind ein Teufelskreis aus unsicherem Zugang zu Wasser, Krankheiten und Mangelernährung: Durchfallerkrankungen und Cholera verschärfen den Hunger, während Mangelernährung Menschen anfälliger für Infektionen macht.     

Wie gravierend die Folgen sein können, zeigt beispielsweise der Sudan: Mehr als 60 Prozent der Wasseraufbereitungsanlagen sind dort außer Betrieb. Seit Juli 2024 wurden mehr als 123.000 Cholerafälle und über 3.500 Todesfälle registriert. Auch die Demokratische Republik Kongo kämpft mit der schwersten Choleraepidemie der vergangenen 25 Jahre sowie den Auswirkungen der Ebola-Epidemie. Dort haben nur 43 Prozent der Bevölkerung Zugang zu einer grundlegenden Wasserversorgung und lediglich 15 Prozent zu grundlegenden Sanitäranlagen. Im Südsudan erreichte die Unterstützung bei der Wasser- und Sanitärversorgung nur 519.000 der rund fünf Millionen Menschen, die darauf angewiesen sind. In Afghanistan haben infolge der seit fünf Jahren andauernden Dürre 21 Millionen Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser.   

Hungerkrisen brauchen langfristige Antworten 

Die Analyse zeigt, dass sich die schwersten Ernährungskrisen auf Länder konzentrieren, in denen Konflikte, Vertreibung, Klimafolgen und politische Instabilität zusammentreffen. Gleichzeitig verhindern Zugangsbeschränkungen und fehlende Ressourcen, dass Hilfe viele Betroffene erreicht. 

Aktion gegen den Hunger fordert daher, den humanitären Zugang zu sichern, humanitäre Hilfe verlässlich und langfristig zu finanzieren und gleichzeitig in nachhaltige Lösungen zur Stärkung der Ernährungssicherheit zu investieren. 

„Um den Hunger wirksam zu bekämpfen, braucht es mehr als kurzfristige Nothilfe. Die internationale Gemeinschaft muss die Ursachen der Krisen angehen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen langfristig ein Leben ohne Hunger führen können. Hilfe ist nicht nur eine moralische Verpflichtung. Wer bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe kürzt, handelt kurzsichtig. Denn Hunger, Krisen und Instabilität verursachen langfristig ein Vielfaches mehr als die Kosten der Krisenprävention. Wer heute spart, verschiebt die Rechnung nur auf morgen und macht sie am Ende sogar deutlich teurer“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust. 

Der Bericht steht hier als Download zur Verfügung: https://www.aktiongegendenhunger.de/hunger-report.

Hinweis an die Redaktionen  

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 54 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 21,2 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 7.122 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

Aviso Pressegespräch: Der Preis unserer Elektronik – Arbeitsrechtsverletzungen und Zwangsarbeit in Südostasien

Südwind präsentiert am 20. Oktober mit Partner:innen aus Thailand, Malaysia und Indonesien neue Studienergebnisse zu Arbeitsbedingungen in der Elektronikindustrie

Thailand, Malaysia und Indonesien sind zentrale Standorte der globalen Elektronik-Lieferkette. Europas Elektronikkonsum – von Smartphones über Bluetooth-Kopfhörer bis hin zu E-Auto-Batterien – ist ohne die Produktion in Südostasien kaum denkbar. Die österreichische Menschenrechtsorganisation Südwind hat gemeinsam mit Expert:innen aus der Region Produktionsstätten in Thailand, Malaysia und Indonesien unter die Lupe genommen. 

Die Recherche kommt zu alarmierenden Ergebnissen: Einige der dokumentierten Zustände erfüllen die Kriterien von Zwangsarbeit. Hinzu kommen gefährliche Arbeitsbedingungen und ein gesundheitsgefährdendes Umfeld – mit besonderen Auswirkungen auf Frauen und Wanderarbeiter:innen.

Gemeinsam mit Autor:innen der Recherche stellt Südwind beim Pressegespräch in Wien konkrete Ergebnisse vor, bietet die Möglichkeit, mit Betroffenen und Expert:innen zu sprechen und Lösungsansätze zu diskutieren. 

Gesprächspartner:innen: 

·         Julia Weber, Projektleiterin (Südwind, Österreich)
·         Yohannes Wasi Gede Puraka, Policy Experte (Inkrispena, Indonesien)
·         Thanussha Francis Xavier, Expertin für Gewerkschaften (IndustriAll, Malaysia)
·         Ussarin Kaewpradap Luthra, Arbeitsrechtsexpertin (Labour Rights Foundation, Thailand)
·         Divid Arulappen, Gewerkschafter (Electronics Industry Employees Union Northern Region, Malaysia) 

Wann: Di., 20. Oktober 2026, 10:00 Uhr
Wo: Südwind Büro, Laudongasse 40, 1080 Wien
Sprache: Englisch

Es wird die Möglichkeit für Fotos geben. 
Gerne vermitteln wir auf Anfrage ausführliche Gespräche mit einzelnen Speaker:innen.

Bitte um Anmeldung an presse@suedwind.at

PA: UN-Verhandlungen zu Wirtschaft und Menschenrechten: Südwind und NeSoVe fordern Einsatz Österreichs

Zivilgesellschaftliche Organisationen fordern eine klare Positionierung von der Bundesregierung zu Menschenrechten und eine aktive Rolle bei den Verhandlungen: „Österreich darf nicht länger schweigen“

Wien / Genf, am 12. Oktober 2026. Anlässlich der heute, Montag, startenden 12. Verhandlungsrunde der UN-Arbeitsgruppe zu transnationalen Konzernen und Menschenrechten appellieren die Menschenrechtsorganisation Südwind und das Netzwerk Soziale Verantwortung an die Bundesregierung, die Verhandlungen über ein rechtsverbindliches UN-Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten („UN Binding Treaty“) aktiv mitzugestalten.   

„Elf Jahre Schweigen sind genug! Trotz der enormen Tragweite dieser Verhandlungen hat sich Österreich bisher nie zu Wort gemeldet. Die Ausgestaltung der globalen Regeln für Unternehmensverantwortung wurde somit anderen Staaten überlassen“, kritisiert Bettina Rosenberger, Geschäftsführerin vom Netzwerk Soziale Verantwortung (NeSoVe). „Nach der erfolgreichen Kandidatur für den UN-Sicherheitsrat müssen die Bundesregierung und insbesondere Außenministerin Beate Meinl-Reisinger jetzt beweisen, dass sie multilaterale Prozesse aktiv mitgestalten wollen.“

„Glaubwürdige Außenpolitik erschöpft sich nicht in Lippenbekenntnissen, sondern zeigt sich dort, wo verbindliche Regeln verhandelt werden“, kommentiert Stefan Grasgruber-Kerl, Lieferketten-Experte von Südwind. „In Genf wird jetzt entschieden, ob nach einem Jahrzehnt der Verhandlungen endlich ein Abkommen entsteht, das Konzerne für Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zieht – oder ob Arbeits- und Menschenrechte weiterhin gegenüber Konzerninteressen das Nachsehen haben.“

Globales Regelwerk gegen Eskalationen in der Handelspolitik

Weltweit leiden Menschen unter den Auswirkungen unregulierter Wertschöpfungsketten: Das umfasst Arbeitsrechtsverletzungen in Textilfabriken, Vertreibung durch Rohstoffprojekte, Umweltzerstörung und Gewalt gegen Menschenrechtsverteidiger:innen. Gleichzeitig ist laut Südwind und NeSoVe eine hochproblematische Konzentration von Marktmacht und politischem Einfluss zu beobachten: Von offenem Lobbyismus gegen Umweltschutz-Abkommen bis hin zur Androhung von Strafzöllen und wirtschaftlicher Nötigung ist die globale Handelspolitik von einer zunehmenden Eskalation geprägt – ohne Mitsprache von betroffenen Communities oder Arbeiter:innen. Ein rechtsverbindliches Abkommen würde erstmals verbindliche Sorgfaltspflichten für Unternehmen verankern und Betroffenen einen einklagbaren Anspruch auf Abhilfe eröffnen.

Konkrete Forderungen an Österreich

Eine aktive Beteiligung an der 12. Verhandlungsrunde zum UN-Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten wäre nicht nur ein konkreter Beitrag zum Schutz der Menschenrechte, sondern auch ein klares außenpolitisches Signal. Südwind und das Netzwerk Soziale Verantwortung fordern: eine klare Positionierung zu den aktuellen Textvorschlägen, die konstruktive Zusammenarbeit mit Staaten – insbesondere aus dem Globalen Süden – zur Stärkung des Verhandlungsprozesses sowie die Berücksichtigung der Forderungen betroffener Communities und der Zivilgesellschaft im Verhandlungsprozess.

Side-Event: Zwangsarbeit in der Elektronikindustrie

Im Rahmen der Verhandlungsrunde richtet Südwind ein Side-Event zum Thema Zwangsarbeit in der Elektronikindustrie aus. Die Veranstaltung am Dienstag, um 14.00 Uhr in der UNO bringt Betroffene, Expert:innen und Vertreter:innen der Zivilgesellschaft aus den Produktionsländern in Asien und Europa an einen Tisch, um auf menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Elektronik-Lieferketten aufmerksam zu machen. Die Veranstaltung zeigt: Zwangsarbeit ist keine Randerscheinung, sondern strukturelles Merkmal globaler Elektronik-Lieferketten – und genau hier muss ein rechtsverbindliches UN-Abkommen ansetzen. 

Österreichische Medien und Delegationsmitglieder sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Die Vertreter:innen aus Malaysia, Thailand und Indonesien werden in der nächsten Woche auch in Wien für Medientermine zur Verfügung stehen. (Einladung folgt)

Hintergrund zum UN Binding Treaty: 

Die zwischenstaatliche Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen zu transnationalen Konzernen und anderen Wirtschaftsunternehmen im Hinblick auf Menschenrechte (IGWG) verhandelt seit 2015 über ein rechtsverbindliches Instrument zu Wirtschaft und Menschenrechten. Die 12. Verhandlungsrunde läuft vom 12. bis 16. Oktober 2026 im Palais des Nations in Genf. Im Vorfeld haben thematische Konsultationen zu den Grundsatzbestimmungen des Entwurfs stattgefunden.

Rückfragen:
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at
Website: https://www.suedwind.at/presse

Recherchematerial „Bis hier und wie weiter?“: SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Fragestellungen, Institutionen, Expert:innen, Veranstaltungen und Publikationen zum Thema

Ist-Stand

Die Entwicklungsfinanzierung ist in Transformation. Der aktuelle UN-Bericht zur Lage der SDGs konstatiert den Rückzug staatlicher Entwicklungszusammenarbeit. Die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (ODA) sank 2025 um rekordverdächtige 23,1 Prozent auf das Niveau von 2015. Doch wie ist die Lage in Österreich?

Im Sommer stellte Lukas Schlögel, Forscher an der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE), nach der Budgetpräsentation des Finanzminister Markus Marterbauer fest, dass Österreichs Entwicklungszusammenarbeit (EZA) vorerst mit einem „blauen Auge“ davongekommen sei. Die Ausgaben für EZA bleiben 2027 auf dem Niveau von 2026, welches bereits gekürzt wurde und sich nun auf 149 Millionen Euro beläuft. Zumindest vorläufig gibt es keine weiteren Einschnitte. Von Aufatmen kann aber nicht die Rede sein. Sieht man die Zahlen im Rahmen der internationalen Verpflichtung, die 1970 in der UNO Generalversammlung beschlossenen wurde und das Ziel mit 0,7% des Bruttonationaleinkommens (BNE) für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit festlegte, sieht es düster aus. Denn 56 Jahre später gibt Österreich noch immer nur 0,33% (2025) seines BNE für Entwicklungszusammenarbeit aus. Und das obwohl auch im aktuellen Regierungsprogramm davon die Rede ist die Quote auf 0,7 % zu heben.

Was hat das österreichische Doppelbudget mit den Sustainable Development Goals (SDGs) zu tun? Das Nachhaltigkeitsziel 17 nimmt unter den 17 Zielen eine besondere Stellung ein. Es geht nicht um einen einzelnen Politikbereich wie Bildung, Gesundheit oder Klimaschutz, sondern um die Voraussetzungen dafür, dass die gesamte Agenda 2030 umgesetzt werden kann. Der Titel von SDG 17 lautet nicht umsonst: Partnerschaften zur Erreichung der Ziele. Die UN fasst unter diesem Ziel die Stärkung der Mittel zur Umsetzung und die Erneuerung der globalen Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung zusammen.

Warum ist SDG 17 relevant?

Die Umsetzung der SDGs hängt wesentlich davon ab,

  • wer Entwicklungsmaßnahmen finanziert,
  • wie internationale Finanzströme verteilt werden,
  • wer Zugang zu Technologie, Kapital und Wissen hat,
  • wie Handels- und Wirtschaftsbeziehungen gestaltet werden,
  • wie viel Einfluss Länder des Globalen Südens auf internationale Entscheidungen haben und
  • ob Staaten, internationale Organisationen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft tatsächlich gleichberechtigt zusammenarbeiten.

Damit ist SDG 17 ein Ziel über Macht, Ressourcen und globale politische Entscheidungsstrukturen. Die Agenda 2030 macht deutlich, dass ein Perspektivenwechsel erforderlich ist: von Hilfe zu Zusammenarbeit, von Paternalismus zu Partnerschaft.

Den Kommentar von Lukas Schlögel finden Sie hier: https://www.oefse.at/publikationen/aktueller-kommentar/aktueller-kommentar-juni-2026/

Worum geht es in SDG 17?

Entwicklungsfinanzierung

SDG 17.1 bis 17.5 beschäftigen sich unter anderem mit der Mobilisierung von Ressourcen für Entwicklung, öffentlicher Entwicklungszusammenarbeit, privaten Finanzmitteln und Schuldentragfähigkeit. Besonders relevant ist das international vereinbarte Ziel, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (ODA) bereitzustellen.

Schulden

2025 schlug das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) bereits Alarm: 56 Länder müssten mehr als zehn Prozent ihrer Staatseinnahmen für Zinszahlungen ausgeben – doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Für 17 Länder sind es sogar über zwanzig Prozent. Der Leiter des UNDP, zu diesem Zeitpunkt noch der Deutsche Achim Steiner, befürchtete schon, dass die Schuldenkrise die Entwicklungsfortschritte des vergangenen Jahrzehnts gefährden könnte. Die UNDP rief die internationale Staatengemeinschaft daher zu raschem Handeln auf.

Eine hohe Schuldenlast zwingt viele Länder mit niedrigem Einkommen dazu, drastische Kürzungen bei wichtigen Sozialausgaben (Gesundheit, Bildung) und Infrastruktur vorzunehmen. Reiche Gläubigernationen und private Kreditgeber (z.B.  Banken und Rohstoffhändler) sind nicht bereit, Schulden angemessen zu stunden oder zu erlassen. Sinkende EZA-Gelder, hohe Schulden und ungleicher Zugang zu Investitionen und Technologie gefährden Fortschritte und Entwicklung. SDG 17.4 zielt darauf die Schuldentragfähigkeit zu verbessern und langfristige Lösungen für Finanzierung, Entschuldung und Umschuldung fördern.

Die Presseaussendung der UNDP finden Sie hier: https://www.undp.org/press-releases/ballooning-debt-service-payments-poorest-countries-reach-alarming-levels-undp-warns

Wie weiter? Für Gedanken und mögliche Ideen wie es weitergehen könnte, sorgen die unten gesammelten Veranstaltungshinweise. Etwa der Online-Termin „Another World is Possible: Striving for Equality“ mit Thomas Picketty oder das Vienna Humanities Festival 2026 mit dem diesjährigen Titel: “Agency/Tu Was”, wo Schriftsteller:innen, Philosoph:innen und Professor:innen ihre Analysen zur Lage der Welt teilen.

Fragen für die Recherche

Geld

  • Wer finanziert die Umsetzung der SDGs?
  • Wie groß ist die weltweite Finanzierungslücke?
  • Wie verändert sich die Entwicklungszusammenarbeit angesichts knapper öffentlicher Budgets?

Macht

  • Wer entscheidet über die Prioritäten der Entwicklungszusammenarbeit?
  • Wie viel Mitsprache haben Partnerländer?
  • Sind internationale Finanzinstitutionen demokratisch genug? Braucht es Reformen?

Partnerschaft

  • Was bedeutet Globale Partnerschaft konkret? Gibt es Partnerschaft auf Augenhöhe?
  • Wie werden lokale Organisationen in Projekten beteiligt?

Schulden

  • Welche Länder sind besonders stark verschuldet?
  • Wie viel Geld fließt aus armen Ländern für Schuldendienst ab?
  • Welche Möglichkeiten gibt es für Schuldenerlässe? Wie werden Entschuldung und Umschuldung gefördert?
  • Wie beeinflussen Schulden die Finanzierung von Klimaschutz, Gesundheit und Bildung?

Institutionen in Österreich

Austrian Development Agency (ADA)
Die Austrian Development Agency (ADA) ist die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Die ADA setzt jährlich rund 650 Projekte und Programme mit einem Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro um, um die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern zu verbessern. Das Budget der ADA stellt das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) zur Verfügung.

Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA)
Das Ministerium befasst sich mit Entwicklungspolitik, internationaler Zusammenarbeit und multilateralen Beziehungen.

Oesterreichische Entwicklungsbank (OeEB)
Die OeEB handelt im Auftrag der Bundesregierung. Sie finanziert Investitionen privater Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern und ist somit eine Schnittstelle zwischen Entwicklungsfinanzierung und Privatsektor.

Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE)
Die führende österreichische Forschungs-, Beratungs- und Informationseinrichtung liefert Daten und Analysen zur internationalen Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit.

AG Globale Verantwortung
Der Dachverband vertritt national und international die Interessen von 38 österreichischen Nichtregierungsorganisationen, die in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, entwicklungspolitische Inlandsarbeit, Humanitäre Hilfe sowie nachhaltige globale wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung tätig sind.

Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation
Das VIDC ist eine der ältesten entwicklungspolitischen Organisation in Österreich und will eine kritische Öffentlichkeit auf soziale, politische, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklungen aufmerksam machen.

Expert:innen

Lukas Schlögel ist Sozialwissenschaftler mit den Schwerpunkten Entwicklungspolitik, Entwicklungsfinanzierung sowie Technologischer Wandel und Entwicklung.

Asjad Naqvi ist Ökonom und arbeitet seit Juni 2022 in der Forschungsgruppe „Klima-, Umwelt- und Ressourcenökonomie“ des WIFO. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Klimawandel, ökonomisches Wachstum und Ungleichheit.

Andrea Barschdorf-Hager ist Geschäftsführerin CARE Österreich und hat 30 Jahren Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe.

Lukas Wank ist Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung, welche als Dachverband national und international die Interessen von 39 österreichischen NGOs vertritt.

Peter Klimek ist ein österreichischer Physiker und Komplexitätsforscher. Für das Supply Chain Intelligence Institute Austria hat er zusammen Asjad Naqvi eine Publikation veröffentlich, die anhand von Daten analysiert wie die die Kürzungen der Gelder durch die USA und die Europäische Union drohen die Verflechtungen zwischen Entwicklungshilfe, Handel sowie humanitären und ökologischen Krisen zu verschärfen.  

Josef Mühlbauer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Empowerment for Peace und verbindet Forschung mit gesellschaftlichem Engagement. Auf seinem YouTube-Kanal beleuchtet er gesellschaftspolitische Herausforderungen.

Die spanische Philosophin Máriam Martínez Bascuñán erörtert beim Vienna Humanities Festival die Erosion des gemeinsamen Raums und stellt die Frage: was geschieht mit der politischen Handlungsfähigkeit, wenn die gemeinsame Welt demontiert wird?

Werner Raza ist Leiter der ÖFSE. Der Ökonom ist Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen und fungierte als Mitglied in Beratungsgremien in den Bereichen Außenhandelsförderung, Entwicklungsfinanzierung und -politik.

Michael Obrovsky ist Kommunikationswissenschafter und wissenschaftlicher Mitarbeiter der ÖFSE. Schwerpunkte seiner Arbeit sind vor allem Themen der österreichischen und internationalen Entwicklungspolitik und Entwicklungsfinanzierung.

Johannes Jäger ist Fachbereichsleiter für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft & Gesellschaft des BFI Wien. Er ist im Bereich Politische Ökonomie und globale Entwicklung tätig.

Publikationen und Datenquellen

Bericht: The Sustainable Development Goals Report 2026

Der Bericht zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung 2026 ist der einzige offizielle Bericht der Vereinten Nationen, der die weltweiten Fortschritte bei der Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung überwacht und liefert aktuelle Daten zur Umsetzung der 17 Ziele. Im Vorwort schreibt der UN-Generalsekretär António Guterres: Der Bericht zeigt […], dass die Fortschritte angesichts erheblicher Gegenwinde – vom Einbruch der Entwicklungshilfe über die wachsende Schuldenlast in Entwicklungsländern, zunehmende Konflikte und das nachlassende weltweite Wirtschaftswachstum bis hin zum Klimachaos und anderen Schocks – weiterhin ungleichmäßig und unzureichend sind.“ Link zum Bericht

Infopage: OECD-Daten zu EZA-Geldern

Die OECD hat in einer Infopage vorläufige ODA-Daten für das Jahr 2025 zusammengetragen und schreibt von einem historischen Rückgang der Gelder. Die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit der Mitglieder und assoziierten Partner belief sich im Jahr 2025 auf 174,3 Milliarden US-Dollar; dies entspricht einem Rückgang von 23,1 % gegenüber 2024. Link

Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII)

Die USA und die EU gehören zu den bedeutenden Gebern von Entwicklungshilfe. Gleichzeitig wächst der politische Druck, diese Hilfszahlungen künftig zu reduzieren. Die Studie von Rosie Hayward, Peter Klimek and Asjad Naqvi untersucht wie ODA und internationaler Handel miteinander verbunden sind, indem Zusammenhänge zwischen importierten Gütern und Arten von ODA analysiert werden. Dabei wurden auch humanitäre Hilfe und Hilfsleistungen berücksichtigt, die üblicherweise nicht mit Handel in Verbindung gebracht werden.
Link zur Studie

Veranstaltungen

23. September: „Another World is Possible“-Onlineveranstaltung mit dem französischen Wirtschaftswissenschafter Thomas Piketty.
Link: https://blogs.brighton.ac.uk/cappe/2026/08/03/cappe-symposium-another-world-is-possible-striving-for-equality-with-thomas-piketty-wednesday-23rd-september-2026/

23. bis 27. September: Das Vienna Humanities Festival 2026 möchte Raum schaffen für die Wiedererlangung unserer Handlungsfähigkeit und hat dafür ein Programm mit namhaften Personen zusammengestellt. Link: https://www.humanitiesfestival.at/

12. Oktober: Hybride Konferenz „After Pax Americana – Pluriverse or Multipolar World Order?“ an der Universität Graz organisiert von Josef Mühlbauer und Ksenia Radchenkova in Zusammenarbeit mit der Lebanese American University, der I.F.A.N. University im Senegal, dem Centre for Critical Peace Studies sowie der Comsats University in Pakistan.
Link: https://global-governance.uni-graz.at/en/research/projects/after-pax-americana/

20. Oktober: Die Historikerin Andrea Komlosy analysiert in ihrem neuen Buch „Globalisierung im Übergang“ das Ende der globalen ökonomischen Einheit. Im Anschluss an die Buchpräsentation folgt eine Podiumsdiskussion.
Link: https://www.pfz.at/aktivitaeten/buchpraesentation-und-podiumsdiskussion-globalisierung-im-uebergang-zerfall-oder-erneuerung-des-weltsystems/

PA: El Niño erhöht Risiken für Kaffeeanbau

Rund um den Tag des Kaffees am 1. Oktober macht FAIRTRADE Österreich auf wachsende Klimarisiken aufmerksam und ruft zu den österreichweiten FAIRTRADE Kaffee Wochen auf.

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erwartet für die kommenden Monate einen sehr starken El Niño. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetterphänomen bis Februar 2027 anhält, liegt laut WMO bei nahezu 100 Prozent. Ein sehr starker El Niño kann Niederschlags- und Temperaturmuster weltweit deutlich verändern und das Risiko für Dürren, Überschwemmungen und extreme Hitze erhöhen. Wie stark einzelne Regionen betroffen sein werden, hängt von Ort, Jahreszeit und weiteren Klimafaktoren ab.

Der internationale Kaffeemarkt zeigt seit Jahresbeginn starke Preisschwankungen. Von November 2025 bis Juni 2026 sank der ICO-Preisindikator für Other Mild Arabicas um rund 25 Prozent, über die Sommermonate folgten wieder zweistellige Zuwächse. Die International Coffee Organization (ICO) nennt die Erwartungen möglicher negativer El-Niño-Effekte und ein kurzfristig knappes Arabica-Angebot als Faktoren für einen Preisanstieg im August. Insgesamt erschwert diese Volatilität die langfristige Planung für Kaffeebauernfamilien in den Anbauregionen.

Klimaanpassung braucht wirtschaftlichen Spielraum

Für Kaffeebäuer:innen bedeuten veränderte Wetterbedingungen höhere Ernteunsicherheit. Gleichzeitig müssen Produzentenorganisationen verstärkt in Klimaanpassung, qualitätssteigernde Maßnahmen und widerstandsfähigere Anbaumethoden investieren. „Extreme Wetterereignisse machen den Kaffeeanbau schwerer planbar. Entscheidend ist deshalb, dass Kaffeebauernfamilien wirtschaftlichen Spielraum haben, um selbst in widerstandsfähigere Anbaumethoden und die Zukunft ihrer Farmen zu investieren. Faire Handelsbedingungen schaffen dafür eine wichtige Grundlage“, sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich.

FAIRTRADE unterstützt Produzentenorganisationen unter anderem mit Mindestpreisen, der zusätzlichen FAIRTRADE-Prämie sowie Beratung und Programmen vor Ort. Ab 1. Dezember 2026 steigt der FAIRTRADE-Mindestpreis für gewaschenen Arabica von 1,80 auf 2,00 US-Dollar pro Pfund. Die FAIRTRADE-Prämie von 0,20 US-Dollar pro Pfund sowie der Bio-Aufschlag von 0,40 US-Dollar pro Pfund bleiben unverändert. Zum Vergleich: Der ICO-Preisindikator für „Other Milds“ lag im August bei durchschnittlich 3,61 US-Dollar pro Pfund. Der FAIRTRADE-Mindestpreis ist kein fixer Verkaufspreis, sondern eine Untergrenze: Liegt der Marktpreis höher, gilt dieser – fällt er darunter, greift der Mindestpreis als Sicherheitsnetz.

FAIRTRADE Kaffee-Wochen rund um den Tag des Kaffees

Die Auswirkungen des El Niño-Wetterphänomens zeigen, wie stark Wetter- und Klimarisiken die Rahmenbedingungen des Kaffeeanbaus beeinflussen. Rund um den Tag des Kaffees am 1. Oktober ruft FAIRTRADE Österreich deshalb zu den FAIRTRADE Kaffee Wochen auf. Von 14. September bis 10. Oktober werden pro Woche unter anderem ein KlimaTicket Österreich und eine Siebträgermaschine verlost.

Denn ob Kaffee auch künftig verlässlich angebaut werden kann, hängt nicht nur vom Klima ab, sondern auch von den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Menschen im Ursprung.

Weiterführende Informationen:

Aviso – Pressekonferenz am Welttag der Humanitären Hilfe: NGOs legen Empfehlungen für Österreichs UN-Sicherheitsratssitz vor

Int. Expert*innen beleuchten am 19. August verheerende Kaskadeneffekte aktueller Krisen – österreichische Hilfsorganisationen regen humanitäres Engagement im Sicherheitsrat an.

Österreich hat für seine zweijährige Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat unter anderem den Schutz von Zivilpersonen und die Einhaltung des Humanitären Völkerrechts zu Schwerpunkten erklärt, zwei der derzeit größten humanitären Herausforderungen.

Bei einer Pressekonferenz anlässlich des Welttags der Humanitären Hilfe am 19. August werden internationale Expert*innen die verheerenden Kaskadeneffekte weltweiter Krisen und Konflikte aus wissenschaftlicher und multilateraler Perspektive beleuchten.

Anschließend legen die Trägerorganisationen des Humanitarian Congress Vienna – AG Globale Verantwortung, Ärzte ohne Grenzen, Caritas Österreich und Österreichisches Rotes Kreuz – konkrete Empfehlungen vor, wie Österreich seine Schwerpunkte im Sicherheitsrat für mehr humanitäres Engagement und die Durchsetzung des Humanitären Völkerrechts nutzen kann.

Sprecher*innen
Joyce Msuya, ehem. beigeordnete UN-Generalsekretärin für humanitäre Angelegenheiten und stellv. Nothilfekoordinatorin (OCHA), online zugeschalten, auf Englisch
Peter Klimek, Komplexitätsforscher am Complexity Science Hub und Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria 
Sabine Wartha, stellv. Leitung Internationale Programme der Caritas Österreich 
Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes
Roland Suttner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich
Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung

Details zur Pressekonferenz
19. August 2026, 09:30 Uhr
Presseclub Concordia, Bankgasse 8, 1010 Wien

Bitte melden Sie sich per E-Mail an presse@globaleverantwortung.at an.

Die anwesenden Sprecher*innen stehen anschließend für Interviews zur Verfügung.

Hintergrund
Bewaffnete Konflikte und geopolitische Spannungen, Extremwetterereignisse, Störungen globaler Lieferketten, Preissteigerungen und politische Instabilität verstärken sich gegenseitig. Sie erzeugen weitreichende Kaskadeneffekte und zusätzliche humanitäre Bedarfe.
So beeinträchtigt die jüngste Eskalation rund um den Iran und die Straße von Hormus die zivile Schifffahrt und weltweite Energie- und Lieferketten und wirkt sich in weiterer Folge auf Lebensmittel- und Düngemittelpreise, die Versorgungssicherheit und humanitäre Logistik aus.
Das sich verstärkende El-Niño-Wetterphänomen erhöht in vielen Regionen das Risiko von Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfällen.
Gleichzeitig häufen sich Verstöße gegen das Humanitäre Völkerrecht: Konfliktparteien setzen Aushungern als Kriegsmethode ein, greifen Gesundheitspersonal und medizinische Einrichtungen an und behindern den Zugang notleidender Menschen zu Humanitärer Hilfe. Sie zerstören Nahrungsmittelvorräte, Wasserinfrastruktur und landwirtschaftliche Lebensgrundlagen.
Neue Technologien wie autonome und KI-gestützte Waffensysteme werfen zusätzliche Fragen nach menschlicher Kontrolle und Verantwortlichkeit in Kriegen auf. Diese und weitere humanitäre Herausforderungen werden die Expert*innen bei der Pressekonferenz besprechen.

Rückfragehinweis
Hannah Hauptmann
AG Globale Verantwortung
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
presse@globaleverantwortung.at
01/522 44 22 – 15

      

PA: Begraben unter Altkleidern. Südwind erinnert an Deponie-Einsturz in Uganda

Katastrophe von Kiteezi jährt sich zum zweiten Mal – Menschenrechtsorganisation fordert Maßnahmen gegen Fast Fashion.

Vor zwei Jahren, am 9. August 2024, stürzte ein Teil der Mülldeponie Kiteezi am Stadtrand von Kampala ein und zerstörte mehrere angrenzende Häuser. 35 Menschen kamen ums Leben, über 1.000 haben ihr Zuhause verloren. Zu diesem Anlass gedenkt Südwind den Opfern und fordert von Unternehmen und Abfallwirtschaft mehr Verantwortung für die Entsorgung von Altkleidung.

“Kiteezi muss ein Weckruf sein. Diese Katastrophe wurde durch die europäische Wegwerfgesellschaft mitermöglicht”, sagt Lena Gruber, Südwind-Expertin für Textillieferketten. Jahr für Jahr landen bis zu 100.000 Tonnen Altkleider aus Europa und den USA in Uganda. 40 Prozent davon sind unbrauchbarer Müll, der schließlich auf Deponien wie Kiteezi gekippt wird. Die Folgen sind instabile Halden, auf denen Methan und Giftstoffe freigesetzt werden. “Es liegt auch an uns, Verantwortung für unseren Konsum bis hin zur Entsorgung zu übernehmen. Es kann nicht sein, dass wir unseren Altkleider-Müll in den Globalen Süden exportieren, wo er zur Gefahr für Menschen wird”, so Lena Gruber.

Kiteezi-Katastrophe war absehbar

Die Deponie Kiteezi war längst überlastet. Anwohner:innen in der Nähe der Deponie, die seit Jahrzehnten als größte Mülldeponie von Ugandas Hauptstadt Kampala dient, klagten seit Langem über gefährlichen Abfall, der die Umwelt verschmutzt und eine Bedrohung darstellt. Die Schutzmaßnahmen für die Menschen, die in der Nähe leben oder auf der Deponie arbeiten, sind in der Regel völlig unzureichend. Nach heftigen Regenfällen Anfang August 2024 geriet ein Teil der Deponie ins Rutschen und begrub Menschen und Häuser unter sich.

Forderungen: Vom Müll- zum Kreislaufsystem

Um zu vermeiden, dass gemeinsam mit brauchbarer Altkleidung auch tonnenweise Müll aus Österreich exportiert wird, fordert Südwind den Ausbau von Kapazitäten für die Sortierung von Altkleidung sowie strenge Kontrollen und Sanktionen gegen Falsch-Deklaration und die illegale Ausfuhr von Müll.

Darüber hinaus müsse auch die Überproduktion gebremst werden. Südwind fordert daher einen umfassenden Kurswechsel und konkrete Maßnahmen gegen das Fast Fashion-System. Ein Kernproblem besteht in der fragmentierten Gesetzeslage, die Schlupflöcher, Intransparenz und fehlende Haftung zur Folge hat – auch in Österreich. Südwind fordert daher von der Bundesregierung eine Just Fashion Task Force. Diese sollte Ministerien, Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen vernetzen, um die Wirksamkeit bestehender Gesetze sicherzustellen, Kontrollen zu stärken, bestehende Lücken zu schließen und Transparenz und öffentlichen Informationszugang sicherzustellen. Zusätzlich müssen EU-Richtlinien, die für die Regulierung von Fast Fashion-Anbietern relevant sind – wie etwa Empowering Consumers for the Green Transition oder der Digital Service Act – in Österreich konsequent umgesetzt werden.

Die Südwind-Forderungen für eine gerechte Modeindustrie finden sich online unter: suedwind.at/justfashion

Fotos der Kiteezi-Deponie und des Owino Markt in Kampala finden Sie hier.

Rückfragen & Kontakt

Stefanie Marek
Pressesprecherin Südwind
+43 (0)680 1583016
stefanie.marek@suedwind.at
www.suedwind.at

PA: CARE warnt vor El Niño: 172 Millionen Frauen und Mädchen droht Hunger

El-Niño bedroht die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen weltweit / Die Ausgangslage ist schlechter als beim bislang stärksten Auftreten von El-Niño in den Jahren 2015/16, warnt die Hilfsorganisation CARE.

Im Pazifik bahnt sich möglicherweise das stärkste El-Niño-Ereignis seit Jahrzehnten an – mit gravierenden Folgen für Millionen Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Die Hilfsorganisation CARE schlägt Alarm: In den am stärksten betroffenen Ländern sind bereits jetzt 172,3 Millionen Frauen und Mädchen von Ernährungsunsicherheit betroffen. El-Niño droht diese ohnehin prekäre Situation massiv zu verschlechtern.

Kritischere Ausgangslage als 2015/16

Das bislang stärkste El-Niño-Ereignis der jüngeren Geschichte traf 2015/16 rund 60 Millionen Menschen. Die aktuelle Ausgangslage ist jedoch viel schlechter: Konflikte, Epidemien und steigende Lebenshaltungskosten haben die Resilienz der betroffenen Menschen seither erheblich geschwächt – mit besonders gravierenden Auswirkungen auf Frauen und Mädchen. Wetterextreme wie Dürren sowie Überschwemmungen und ihre Folgen für die Ernährungssicherheit könnten bis 2027 anhalten.

Erschwerend kommt hinzu: Unterbrechungen der globalen Lieferketten und Mittelkürzungen machen Hilfsleistungen erheblich teurer und schwieriger. Seit der Schließung der Straße von Hormus sind die Behandlungskosten für ein mangelernährtes Kind um durchschnittlich 403 US-Dollar gestiegen. Allein für die bereits fast sieben Millionen betroffenen Kinder wären dadurch zusätzlich rund 2,75 Milliarden US-Dollar erforderlich – noch bevor sich El Niño vollständig bemerkbar macht.

Stimmen aus den Krisenregionen

„Mehrere philippinische Provinzen haben während des letzten El Niño 2024 den Notstand ausgerufen und sich bis heute nicht erholt. Dieser neue El Niño trifft Menschen, die kaum noch Kapazitäten haben, ihn abzufangen. Auf die aktuelle Dürre werden Prognosen zufolge bald starke Taifune folgen. Ländliche Haushalte, die ohnehin durch steigende Reis- und Kraftstoffpreise belastet sind, müssen so zwei Katastrophen in rascher Folge bewältigen“, sagt Reiza Dejito, CARE-Länderdirektorin in den Philippinen.

„In Somalia hat fast jede dritte Person nicht genug zu essen. Der Hunger wird sich weiter ausbreiten. Die verfügbaren Mittel, um vermeidbare Todesfälle zu verhindern, sind völlig unzureichend. El-Niño-bedingte Wetterextreme werden bestehende Ungleichheiten vertiefen, den Zugang zu Nahrung und Bildung erschweren und das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt erhöhen. Wir müssen jetzt handeln“, sagt Ummy Dubow, CARE-Länderdirektorin in Somalia.

CARE fordert frühzeitiges Handeln

CARE fordert ein rasches und koordiniertes globales Vorgehen, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden. Dringend notwendig sind Investitionen in Katastrophenvorsorge und Frühwarnsysteme – insbesondere in den Ländern, die am stärksten von El Niño bedroht sind. „Die Chance, künftigen Hunger zu verringern, hängt davon ab, dass wir handeln, bevor sich eine Krise verschärft – nicht erst, wenn sie bereits ausgebrochen ist“, sagt Marlene Achoki, Expertin für Klimagerechtigkeit bei CARE International.

So hilft CARE: Gemeinsam mit lokalen und frauengeführten Partnerorganisationen stärkt CARE die Krisenvorsorge in den am stärksten gefährdeten Gemeinschaften: durch die Erfassung lokalen Wissens sowie die Entwicklung von Frühwarn- und Frühaktionsplänen, die gezielt auf die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen ausgerichtet sind. Zudem hat CARE bereits den eigenen Early Action Fund aktiviert, der Mittel proaktiv vor dem Eintreffen von Extremwetterereignissen freisetzt – etwa für den Schutz von Ernten und Vieh, Bargeldhilfen sowie den Aufbau klimaresilienter Landwirtschaft.

Für Rückfragen:
Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at