Archiv der Kategorie: Wirtschaft

PA: World Fair Trade Day. Südwind Niederösterreich feiert Fortschritte beim fairen Handel

25 Jahre Faire Wochen in Niederösterreich – Weltläden und Südwind Niederösterreich feiern Jubiläum mit zahlreichen Events in ganz Niederösterreich

Zum diesjährigen World Fair Trade Day am 9. Mai steht in Niederösterreich ein besonderes Jubiläum im Mittelpunkt: Die Fairen Wochen feiern ihr 25-jähriges Bestehen. In Zusammenarbeit mit den Weltläden setzt Südwind Niederösterreich mit zahlreichen Veranstaltungen in ganz Niederösterreich ein starkes Zeichen für fairen Handel, nachhaltigen Konsum und globale Gerechtigkeit. 

„Das 25-jährige Jubiläum der Fairen Wochen zeigt, wie sich der faire Handel von einer engagierten Nischenbewegung hin zu einem wichtigen Bestandteil nachhaltigen Konsums entwickelt hat. Während anfangs vor allem einzelne Produkte, wie etwa Kaffee und Schokolade, im Fokus standen, geht es heute vor allem um Gerechtigkeit entlang globaler Lieferketten und strukturelle Veränderungen im Wirtschaftssystem“, sagt Ingrid Schwarz von Südwind Niederösterreich. „Gemeinsam mit den Weltläden als Fachgeschäfte für den fairen Handel wollen den diesjährigen World Fair Trade Day nutzen, um diese Fortschritte sichtbar zu machen und gleichzeitig auf bestehende Herausforderungen im globalen Handel hinzuweisen.“

Event-Highlights zum World Fair Trade Day

Die Veranstaltungen von Südwind Niederösterreich und den Weltläden laden dazu, fairen Handel hautnah zu erleben – von Produktverkostungen über Workshops bis hin zu Informationskampagnen. 

  • „Weltladentag 2026 – Fair handeln – Vielfalt stärken“, Weltladen Perchtoldsdorf am Samstag, 9. Mai, 10:00 – 13:00 Uhr, Verkostungen, Austausch und Kinderprogramm
  • „Fest der Begegnung“, Weltladen Krems am Samstag, 9. Mai, 10:00 – 13:00 Uhr, Kennenlernen mit Verkostungen
  • Filmabend: „Mit Biss und Tritt zur Vielfalt“, Weltladen Lanzenkirchen, am Samstag, 9. Mai, 19:30 Uhr, Filmvorführung mit anschließendem Gespräch mit Projektkoordinatorin Maria Schindler vom Verein Hirtenkultur.  

Im Rahmen der Fairen Wochen lädt Südwind Niederösterreich noch den ganzen Mai über zu unterschiedlichen Veranstaltungsformaten dazu ein, globale Zusammenhängen näher kennenzulernen und sich mit Gerechtigkeit entlang unserer Lieferketten kritisch auseinanderzusetzen. 

Alle Eventdetails sind zu finden auf: Suedwind.at/Projekt/Faire-Wochen-2026

PA: Verlässlichkeit zahlt sich aus – FAIRTRADE wächst und zeigt globale Wirkung

Der Umsatz mit FAIRTRADE-Produkten in Österreich erreicht 2025 ein neues Rekordniveau. In einem Umfeld aus Klimakrise, steigenden Kosten und Preisschwankungen gewinnt fairer Handel weiter an Bedeutung und erweist sich als stabiler Anker.

  • Umsatz von FAIRTRADE-Produkten wächst 2025 um 12,7 Prozent.
  • Mehr Wirkung für Produzentenorganisationen: 89,3 Millionen US-Dollar an Direkteinnahmen.
  • In Côte d’Ivoire steigt Anteil der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen mit Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle auf 74 Prozent, extreme Armut geht massiv zurück von 58 Prozent auf 17 Prozent.

FAIRTRADE Österreich verzeichnet 2025 ein deutliches Wachstum: Der Gesamtumsatz steigt auf 796 Millionen Euro, ein Plus von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bauernfamilien und Beschäftigte profitieren von den höheren Direkteinnahmen aus FAIRTRADE-Verkäufen in Österreich – diese erreichen mittlerweile 89,3 Millionen US-Dollar.

Mit einem Pro-Kopf-Konsum von 88 Euro zählt Österreich zu den Top-3 FAIRTRADE-Märkten weltweit. „Dieses Wachstum ist kein Zufall. Es zeigt, dass faire Handelsbedingungen für Konsument:innen und Unternehmen zunehmend relevant sind, gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten“, sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich. Vertrauen bleibt ein entscheidender Faktor: 98 % der Österreicher:innen kennen das FAIRTRADE-Siegel, 87 % vertrauen ihm. „Wenn Märkte unsicher werden, zählt Orientierung, und die bieten glaubwürdige Siegel“, so Kirner. Das bestätigt auch die unabhängige Stiftung Warentest in Deutschland mit dem aktuellen Siegel-Check (05/2026).

Wachstum trotz steigender Herausforderungen
Die positive Marktentwicklung ist breit getragen: Zuwächse bei Bananen (+6,9 %), Rosen (+11,3 %) und Kakao (+3,7 %) bestätigen die stabile Nachfrage. Kaffee ist hingegen leicht rückläufig (-6,3 %), vor allem wegen Sortimentsveränderungen und hoher Rohstoffpreise. Für Produzentenorganisationen in den Anbauländern verschärft sich die Lage dennoch insgesamt: Klimabedingte Ernteausfälle, unsichere Weltmarktpreise und steigende Kosten setzen viele Betriebe zunehmend unter Druck. Gleichzeitig wirken aktuelle politische Krisen negativ auf die globalen Lieferketten ein. Der Finanzierungsbedarf steigt, während Unsicherheiten bei Erträgen und Preisen zunehmen. 

Unabhängiger Test bestätigt hohe Aussagekraft
Zusätzliche Bestätigung erhält FAIRTRADE durch einen aktuellen Test der Stiftung Warentest (05/2026): Das FAIRTRADE-Siegel zählt zu den drei Systemen mit der höchsten Aussagekraft. Besonders hervorgehoben werden Mindestpreise, Prämien sowie klare Vorgaben für existenzsichernde Einkommen und Arbeitsbedingungen. Damit wird FAIRTRADE als eines der verlässlichsten Nachhaltigkeitssiegel im Lebensmittelbereich eingeordnet – ein wichtiger Orientierungsfaktor für Konsument:innen.

Messbare Wirkung im Ursprung
Das Wachstum in Österreich zeigt direkte Wirkung in den Anbauregionen. Zusätzliche Einnahmen und Prämien ermöglichen Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Klimaanpassung, und stärken damit die Resilienz von Bauernkooperativen und Farmen mit Beschäftigten im FAIRTRADE-System. Besonders deutlich wird das im Kakaosektor: In Côte d’Ivoire erreichen mittlerweile 74 Prozent der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen ein Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle. 2017 lag dieser Anteil noch bei 23 Prozent. Gleichzeitig ist extreme Armut massiv zurückgegangen – von 58 Prozent auf nur noch 17 Prozent der Haushalte. Diese Entwicklung zeigt auch unter schwierigen globalen Bedingungen: „Die großen globalen Herausforderungen treffen jene am stärksten, die den wenigsten finanziellen Spielraum haben. FAIRTRADE setzt genau hier an und schafft konkrete Verbesserungen“, betont Kirner.

Transparenz schafft Orientierung
Mit neuen EU-Vorgaben und wachsender Nachfrage nach nachhaltigen Produkten steigen die Anforderungen an glaubwürdige Systeme weiter. Klare Kriterien, unabhängige Kontrollen und nachvollziehbare Lieferketten werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen. FAIRTRADE bietet diese Transparenz seit Jahrzehnten. „Unser Ziel bleibt, wirtschaftlichen Erfolg und soziale Verantwortung langfristig zu verbinden“, so Kirner abschließend.

Rückfragehinweis: presse@fairtrade.at

Interviewmöglichkeit: Stimmen des Widerstands aus Bolivien – indigene Frauen kämpfen für Umwelt und Gerechtigkeit

Derzeit sind engagierte Vertreterinnen mehrerer Partnerorganisationen aus Bolivien zu Besuch in Österreich. Sie berichten aus erster Hand über die Auswirkungen von Bergbau, Klimakrise und sozialer Ausgrenzung, sowie über konkrete Lösungsansätze und ihren täglichen Einsatz für Veränderung. 

Indigene Gemeinschaften in Bolivien sind massiv von Umweltzerstörung, Klimakrise und sozialer Ungleichheit betroffen. Besonders Frauen übernehmen eine zentrale Rolle im Einsatz für ihre Rechte, den Schutz ihrer Lebensgrundlagen und mehr Gerechtigkeit.

Interviewmöglichkeiten
Montag, 11. Mai 2026, 10-12 Uhr
Bundesbüro Katholische Jungschar/Dreikönigsaktion, Wilhelminenstraße 91IIf, 1160 Wien
Terminvereinbarung:
Elisabeth Holzner, 0676 88011 1000, elisabeth.holzner@dka.at
Die Gespräche finden auf Spanisch statt, eine Übersetzung ist bei Bedarf gerne möglich.
Interviews sind auf Wunsch auch online oder telefonisch/per Whatsapp möglich.

Hintergrund
Am Río Pilcomayo und in anderen Regionen Boliviens bedrohen Bergbau, großflächige Landwirtschaft und die Klimakrise die Lebensgrundlagen indigener Gemeinschaften. Das Wasser wird verschmutzt, Böden verlieren ihre Fruchtbarkeit, Gesundheitsschäden nehmen zu und traditionelle Lebensweisen geraten unter Druck. Die Ursachen reichen weit über Bolivien hinaus – sie sind eng mit globalen Produktions- und Konsummustern verbunden.

Indigene Aktivist*innen machen auch auf globale Zusammenhänge aufmerksam. Der Abbau von Rohstoffen für Elektronikgeräte oder andere Konsumgüter im Globalen Norden führt häufig zu Umweltzerstörung und sozialen Konflikten im Globalen Süden. 

Mitten in diesen Herausforderungen organisieren sich indigene Frauen. Sie gründen Kollektive, entwickeln nachhaltige Einkommensmöglichkeiten und setzen sich für den Zugang zu sauberem Wasser. Sie kämpfen für ihre Rechte, für kulturelle Anerkennung und für eine lebenswerte Zukunft ihrer Gemeinschaften.

Im April und Mai 2026 sind vier bolivianische Aktivistinnen aus unseren Partnerorganisationen CERDETISALPCEPA und CIPCA in Österreich und berichten im Rahmen der „Begegnung mit Gästen“ von Welthaus Österreich von ihrer Arbeit.
In Vorträgen, Workshops und persönlichen Begegnungen geben sie Einblick in ihr Engagement und zeigen, wie Empowerment, Bildung und gemeinschaftliches Handeln zu wirksamen Antworten auf ökologische und soziale Krisen werden.

Über die Gesprächspartnerinnen
Alicia Cuiza Churqui (CEPA, Centro de Ecología y Pueblos Andinos, Zentrum für Ökologie und andine Völker) ist Anthropologin und Psychologin mit langjähriger Erfahrung in Bildung, Forschung und Gemeinwesenarbeit. Sie arbeitet seit vielen Jahren mit Frauen und indigenen Gemeinschaften zu Themen wie Umweltmanagement, gesunde Ernährung, traditionelle Medizin, Handwerk und Führungskompetenzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung von Frauen, die von Umweltbelastungen betroffen sind, sowie auf der Begleitung nachhaltiger wirtschaftlicher Alternativen.

Erika Rojas (CIPCA, Centro de Investigación y Promoción del Campesinado, Zentrum für Forschung und Förderung von Kleinbauern- und -bäuerinnen) ist Agraringenieurin bei CIPCA Regional Altiplano. Sie arbeitet in den Gemeinden San Andrés de Machaca und Charazani im Departement La Paz an Projekten zur ländlichen Entwicklung mit Schwerpunkt auf Agrarökologie, Umweltpolitik und der Stärkung indigener Gemeinschaften – insbesondere von Frauen und Jugendlichen.

Águeda Colque Ordóñez (ISALP, Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí, Sozialforschung und Rechtsbe­ratung Potosí) ist Koordinatorin des Projekts K’acha Kausakunapaq bei ISALP. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit indigenen Gemeinschaften, insbesondere zu Gendergerechtigkeit, Dialogprozessen, nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährungssouveränität und ist national wie international in Beratungs- und Austauschprogrammen tätig.

Lenny Espinoza (CERDET, Centro de Estudios Regionales para el Desarrollo de Tarija, Zentrum für regionale Studien für die Entwicklung in Tarija) ist Anthropologin mit Schwerpunkt angewandte Anthropologie und Kulturmanagerin und verfügt über langjährige Erfahrung in der Gemeindearbeit mit indigenen Völkern. Derzeit arbeitet sie mit Frauen, Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Weenhayek-Volkes zu Menschenrechten, Zugang zur Justiz und Klimawandel. Ein besonderer Fokus liegt auf der Stärkung von Frauen, der Sicherung von Lebensgrundlagen wie Fischerei und Kunsthandwerk sowie der Förderung weiblicher Führung aus einer interkulturellen Perspektive.

PA: „Just Fashion Manifest“. Südwind präsentiert Vision für eine gerechte Modeindustrie

Breites internationales Bündnis präsentiert Prinzipien für einen nachhaltigen Wandel in der Modeindustrie – 22 österreichische Organisationen unterstützen das Just Fashion Manifest – International mehr als 230 Unterzeichner:innen zum Start.

Die Modeindustrie ist einer der größten Verursacher von Umweltzerstörung, Klimaschäden und sozialer Ungerechtigkeit. Fast Fashion wird häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert und mit schwerwiegenden Folgen für Umwelt und Klima. Südwind hat nun gemeinsam mit der Clean Clothes Kampagne – einem breiten Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gewerkschaften, Arbeitsrechtsexpert:innen aus dem Globalen Norden und Süden – sowie engagierten Einzelpersonen und Aktivist:innen eine Vision für eine gerechte Modeindustrie formuliert: dasJust Fashion Manifest. Es verbindet einmalig die Interessen junger Konsument:innen für nachhaltige Mode mit den Interessen der Arbeiter:innen am anderen Ende der Lieferkette für menschenwürdige Arbeit.

„Es ist längst offensichtlich, dass wir die weitreichenden Probleme der Modeindustrie nicht mit nachhaltigem Konsum alleine lösen können. Für soziale, ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit braucht es politischen Willen und ineinandergreifende Maßnahmen auf allen Ebenen“, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für Textillieferketten. Südwind fordert daher von der österreichischen Bundesregierung einen konkreten Maßnahmenplan, um gegen Ausbeutung, Klima- und Umweltschäden vorzugehen.

Khalid Mahmood, Sprecher der Labour Education Foundation, Pakistan sagt dazu: „Für Arbeiter:innen in Pakistan kann der ökologische Wandel nur dann gerecht sein, wenn er gleichzeitig faire Löhne, Arbeitsschutz, Gesundheits- und Sicherheit am Arbeitsplatz, Vereinigungsfreiheit, sozialen Schutz und die echte Mitbestimmung der Arbeiter:innen bei Entscheidungen garantiert. Das Manifest bietet einen wichtigen Rahmen, um sicherzustellen, dass die Kosten des Wandels nicht den Arbeiter:innen und Communities im Globalen Süden aufgebürdet werden, sondern von jenen getragen werden, die am meisten von der Industrie profitieren.“

Vision für eine gerechte Modeindustrie

Das Just Fashion Manifest beschreibt eine Vision für die Zukunft der Mode mit menschenwürdigen, klimaresilienten Arbeitsplätzen auf einem gesunden Planeten und enthält konkrete Verbesserungsschritte bis 2030. Das Dokument soll gleichermaßen Inspirationsquelle für eine interessierte Öffentlichkeit sowie Aufforderung an Politik und Unternehmen sein. Es definiert Prinzipien, die allen Maßnahmen für die Zukunft der Mode zugrunde liegen müssen. Ein gerechtes Modesystem:

  • …bietet allen Arbeiter:innen in der Wertschöpfungskette faire Arbeitsbedingungen, hohe Lebensqualität und gleiche Rechte.
  • …sichert Gerechtigkeit in all ihren Formen – sozial, wirtschaftlich, geschlechtsspezifisch und klimabedingt – heute und in Zukunft.
  • …verteilt Reichtum um, mit dem Ziel,  existenzsichernde Löhne und universellen sozialen Schutz für alle zu gewährleisten.
  • …stellt sicher, dass die Kosten für Klimaanpassung und -schutz fair geteilt werden.
  • …ermöglicht Arbeiter:innen Mitsprache – ohne Angst vor Repressionen.
  • …trägt zur Regeneration der Natur bei und bleibt innerhalb der planetaren Grenzen.
  • …reduziert übermäßige Produktionsmengen und erhöht gleichzeitig die Arbeitsplatzsicherheit.
  • …macht Unternehmen und ihre Führungskräfte für verursachte Schäden verantwortlich.
  • …fördert neue, faire Methoden für Anbau, Verarbeitung, Herstellung, Transport, Einzelhandel, Wiederverwendung, Recycling und Wertschätzung von Kleidung.

Forderungen an die Bundesregierung: Just Fashion Task Force

In Bezug auf Österreich sieht Südwind ein Kernproblem in der fragmentierten Gesetzeslage, die Schlupflöcher, Intransparenz und fehlende Haftung zur Folge hat. Die österreichische Menschenrechtsorganisation fordert daher von der Bundesregierung eine Just Fashion Task Force. Diese sollte Ministerien, Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen vernetzen, um die Wirksamkeit bestehender Gesetze sicherzustellen, Kontrollen zu stärken, bestehende Lücken zu schließen und Transparenz und öffentlichen Informationszugang sicherzustellen. Zusätzlich müssen EU-Richtlinien, die für die Regulierung von Fast Fashion-Anbietern relevant sind – wie etwa Empowering Consumers for the Green Transition oder der Digital Service Act – in Österreich konsequent umgesetzt werden, ebenso wie die EU-Zwangsarbeitsverordnung.

Die Südwind-Petition für eine gerechte Modeindustrie findet sich online unter:suedwind.at/justfashion

PA: Textil-Containerverbot in Wien. Südwind sieht Schritt in die richtige Richtung und fordert Begleitmaßnahmen

Fast Fashion-Auswirkungen brauchen umfassende Gegenmaßnahmen – Südwind sieht in Direktkooperationen mit Zielländern eine Möglichkeit für einen gerechten Umgang mit Altkleidung

Die Initiative der Stadt Wien, Altkleider stärker zu regulieren, ist aus Sicht von Südwind ein begrüßenswerter erster Schritt. Gleichzeitig braucht es für die Menschenrechtsorganisation zusätzliche politische Maßnahmen, um die Kleidungsflut zu bewältigen und eine nachhaltige, praktikable Wiederverwertung zu ermöglichen. „Die Müllhaufen rund um die Altkleider-Container in Wien sind nur ein kleines Symptom eines viel größeren globalen Problems. Das beginnt nicht erst bei der Entsorgung, sondern schon bei der Überproduktion und dem verschwenderischen Konsum von Kleidung“, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für Textillieferketten. „Angesichts der enormen Probleme für Umwelt und Menschen, die das Fast Fashion-System erzeugt, braucht es einen umfassenden Maßnahmenplan sowie den Blick auf die gesamte Lieferkette unserer Kleidung.“

Weiter Weg für Altkleidung zum Müllberg

Rund 46 Prozent der Altkleider aus Europa werden nach Afrika exportiert, überwiegend zur Wiederverwendung. Dabei sind allerdings rund 40 Prozent der exportierten Kleidung nicht mehr verwendbar. 41 Prozent gehen nach Asien – oft minderwertige Ware, die zu Putzlappen downgecycelt oder weiter exportiert wird, 63 Prozent landen davon wiederum in Afrika. Das zeigen Daten der Europäischen Umweltagentur. Hinzu kommt, dass nur etwa 1 Prozent der Kleidung weltweit tatsächlich von Faser zu Faser recycelt werden kann. Recherchen in Recyclinganlagen, etwa in Pakistan, zeigen zudem alarmierende Arbeitsbedingungen, die jenen in der Textilproduktion ähneln.

Untersuchungen von Südwind und der Clean Clothes Kampagne zeigen, dass die Arbeitsbedingungen im Altkleider-Sektor in vielen Ländern des Globalen Südens prekär, unsicher und unwürdig sind. Gewerkschaften in Uganda berichten, dass große Teile der importierten Kleidung aus Müll bestehen, der wiederum auf riesigen Deponien vor Ort entsorgt wird. Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen im Secondhand-Sektor Ugandas prekär und unsicher.

Kooperation zwischen Wien und Kampala als Begleitmaßnahme

Südwind fordert eine Kooperation auf Augenhöhe mit den Zielländern von Altkleider-Exporten. So könnte eine vertiefte Partnerschaft zwischen Wien und Kampala zum Knowhow-Austausch beitragen und Mitbestimmung im Globalen Süden stärken. Ein solches Projekt könnte Akteur:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einbinden: Sammler:innen, Re-Use-Betriebe, Exporteur:innen, Gewerkschaften sowie Menschenrechts- und Umweltorganisationen in beiden Ländern. Durch Dialogformate, gemeinsame Richtlinien und Austauschprogramme könnte ein fairer Secondhand-Handel aufgebaut werden. Gleichzeitig sollte die Kooperation den Aufbau lokaler, nachhaltiger Textilproduktion sowie sicherer Infrastruktur und Ausbildung fördern.

„Das System der Altkleiderverwertung steht weltweit vor dem Kollaps. Es darf nicht akzeptiert werden, dass nicht mehr benötigte Kleidung aus Europa auf immer größeren Müllbergen in anderen Weltregionen landet oder unter unsicheren Bedingungen recycelt wird“, sagt Südwind-Expertin Lena Gruber. „Ziel muss es sein, sicherzustellen, dass nur jene Kleidung exportiert wird, die vor Ort tatsächlich gebraucht und gewollt ist. Schließlich will niemand, dass aus der gutgemeinten Spende eine Belastung für Mensch und Umwelt wird.“

Europäische Regulierung entscheidend

So wichtig Initiativen auf Gemeindeebene sind, so sehr braucht es für Südwind die konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung zentraler EU-Regulierungen auf Bundesebene. Dazu zählen die Erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility), die EmpCo-Richtlinie gegen Greenwashing und geplante Obsoleszenz sowie Regelungen zur Eindämmung manipulativer Werbung großer Plattformen. Darüber hinaus sind strengere Kontrollen beim Export von Altkleidern, mehr Kapazitäten für hochwertige Sammlung und Wiederverwendung sowie stärkere Anreize für nachhaltige Mode notwendig.

Südwind hat dazu einen umfassenden Maßnahmenplan für faire Mode entwickelt: suedwind.at/justfashion

Rückfragen
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at

www.suedwind.at/presse

PA: Neuer Report: Globaler Hunger bleibt 2026 auf kritischem Niveau – Konflikte, Dürre und gekürzte Hilfen verschärfen Krise

Der weltweite Hunger wird auch im Jahr 2026 auf einem alarmierend hohen Niveau bleiben. Laut dem heute veröffentlichten Global Report on Food Crises 2026 verschärfen bewaffnete Konflikte, Dürren und massiv sinkende Hilfsfinanzierung die Ernährungsunsicherheit – insbesondere in fragilen Staaten. 

„Umso unverständlicher ist der gleichzeitige Rückgang der Finanzierung humanitärer Maßnahmen. Angesichts der Dimension des Hungers braucht es sofort mehr internationale Solidarität, verlässliche finanzielle Zusagen und entschlossenes politisches Handeln, um weitere Hungerkatastrophen zu verhindern und Millionen Menschen den Zugang zu Nahrung und lebenswichtiger Hilfe zu sichern”, ordnet Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger, die Ergebnisse des Reports ein.   

Dem Bericht zufolge waren im Jahr 2025 insgesamt 266 Millionen Menschen in 47 Ländern und Territorien von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. 1,4 Millionen Menschen lebten dabei unter katastrophalen Bedingungen, der schwersten Stufe akuten Hungers: in Teilen von Haiti, Mali, Gaza, Südsudan, Sudan und Jemen. Erstmals in der Geschichte des Berichts wurden im vergangenen Jahr zwei Hungersnöte offiziell festgestellt, in Gaza und im Sudan. 

„Zusätzliche Verschärfung erfährt die Lage durch aktuelle geopolitische Eskalationen, insbesondere im Nahen Osten. Anhaltende Störungen der Energie‑ und Düngemittelmärkte treiben die Lebensmittelpreise weltweit weiter in die Höhe – mit gravierenden Folgen für ohnehin fragile Länder”, ergänzt Friedrich-Rust.  

Der Bericht zeigt zudem eine dramatische Entwicklung über die vergangenen zehn Jahre: Die Zahl der Menschen mit akuter Ernährungsunsicherheit hat sich in diesem Zeitraum verdoppelt. Besonders gravierend ist die Lage von Kindern: Im Jahr 2025 waren schätzungsweise 35,5 Millionen Kinder im Alter von 6 bis 59 Monaten in 23 Ländern und Territorien, die als Ernährungskrisen eingestuft sind, akut unterernährt. Darunter befanden sich 9,7 Millionen Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung, einer unmittelbar lebensbedrohlichen Form der Unterernährung. 

Akute Ernährungsunsicherheit: Zehn Länder im Fokus 

Die weltweite akute Ernährungsunsicherheit konzentriert sich zunehmend auf wenige Länder: Zehn Staaten vereinten 2025 rund zwei Drittel aller Betroffenen, wobei Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und der Sudan fast ein Drittel der weltweiten Gesamtzahl ausmachten. Der Bericht verzeichnet in einzelnen Ländern – darunter Bangladesch, Niger sowie in begrenzten Regionen Nigerias und des Sudan – punktuelle Verbesserungen, die die insgesamt weiterhin dramatische Lage jedoch nicht grundlegend verändert haben. Deutliche Verschlechterungen gab es in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo und Myanmar.  

Akute Mangelernährung ist lebensbedrohlich 

Neben dem Hunger bleibt auch die akute Mangelernährung auf extrem hohem Niveau. 2025 wurden in 23 Ländern und Territorien offizielle Ernährungskrisen festgestellt, mit besonders schwerer Lage in Gaza, im Sudan, in Myanmar und im Südsudan. Dort führten Hungersnot oder kritische Bedingungen zu lebensbedrohlicher Unterernährung, vor allem bei Kindern.  

In den meisten betroffenen Ländern ist akute Mangelernährung das Ergebnis mehrerer gleichzeitiger Krisen – fehlender Zugang zu Nahrung, Krankheiten sowie mangelhafte Gesundheits‑, Wasser‑ und Versorgungsstrukturen. Der Bericht unterstreicht damit, wie eng Hunger, Gesundheit und grundlegende Dienstleistungen miteinander verknüpft sind. 

Massiver Rückgang internationaler Hilfsfinanzierung verschärft Hungerkrise 

Gleichzeitig warnt der Bericht eindringlich vor einem massiven Rückgang der internationalen Unterstützung. Die Finanzierung humanitärer Maßnahmen im Ernährungssektor ging 2025 um rund 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, während die entwicklungsbezogene Unterstützung um mindestens 15 Prozent schrumpfte und weiter zurückzugehen droht. 

Der Global Report on Food Crises 2026 kommt zu dem Schluss, dass ohne eine deutliche Kehrtwende bei Konfliktprävention, Klimaanpassung und internationaler Finanzierung weitere Hungersnöte nicht ausgeschlossen werden können. 

Der jährlich veröffentlichte Global Report on Food Crises wird von einem internationalen Netzwerk unter der Koordination des Food Security Information Network (FSIN) erarbeitet. Er gilt als eine der fundiertesten globalen Analysen zur akuten Ernährungsunsicherheit weltweit. 

Als internationale humanitäre Organisation arbeitet Aktion gegen den Hunger in zahlreichen besonders betroffenen Ländern, darunter Sudan, Jemen, Gaza, Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria und Afghanistan. Dort unterstützt die Organisation unter anderem unterernährte Kinder, schwangere Frauen und Binnenvertriebene mit lebenswichtiger Hilfe wie Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. 

Hinweis an die Redaktionen

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

PA: Rana Plaza Gedenktag. Südwind nimmt Bundesregierung in die Pflicht

Modebranche ist fast komplett vom EU-Lieferkettengesetz ausgenommen – Südwind kritisiert löchrige Gesetzeslage – Neue Petition fordert Maßnahmenplan für gerechte Mode

Im Vorfeld des 13. Gedenktages zum Einsturz der Rana Plaza-Textilfabrik in Bangladesch kritisiert die Menschenrechtsorganisation Südwind politische Versäumnisse und fordert einen Maßnahmenplan für eine gerechte Modeindustrie ein. „Auch 13 Jahre nach der Rana Plaza-Katastrophe setzen Modekonzerne weiterhin bewusst auf undurchschaubare Lieferketten, in denen Umweltstandards leicht umgangen und Arbeiter:innen mit Hungerlöhnen abgespeist werden – und das alles für Kleidung, die kaum getragen auf Deponien im Globalen Süden landet“, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für nachhaltige Mode. „Die Lösungen liegen schon lange auf dem Tisch. Doch die Politik bleibt effektive Schritte schuldig.“ Aus diesem Grund startet Südwind eine neue Petition unter dem Titel „Just Fashion. Für eine gerechte Modeindustrie“ und fordert von der österreichischen Bundesregierung einen konkreten Maßnahmenplan.

Überschaubare Fortschritte, anhaltende Probleme

Die strukturellen Verbesserungen seit dem Rana Plaza-Einsturz, der über 1.100 Menschen das Leben gekostet hat, bleiben bis heute überschaubar und konzentrieren sich vor allem auf den Bereich Brandschutz und Gebäudesicherheit. Nach intensivem Lobbying von Wirtschafts- und Industrieverbänden wurde die EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) so sehr abgeschwächt, dass nun fast die gesamte Modebranche davon ausgenommen ist und diese weiterhin keine Verantwortung für Menschenrechtsvergehen entlang ihrer Lieferkette übernehmen muss. In Österreich gilt das EU-Lieferkettengesetz nur für zwei bis drei Unternehmen. Bemerkenswert ist dies vor allem deshalb, weil der Einsturz der Rana Plaza-Textilfabrik einen der wichtigsten Auslöser für das weltweite Bemühen um eine verbindliche Konzernhaftung darstellte.

„Die Modeindustrie ist einer der größten Verursacher von Umweltzerstörung, Klimaschäden und sozialer Ungerechtigkeit. Fast Fashion wird in der Regel unter menschenunwürdigen und unsicheren Bedingungen produziert und nicht selten unter Zwang”, sagt Südwind-Expertin Lena Gruber. „Gerade in Zeiten, in denen Teuerung und Wirtschaftskrise den Handlungsspielraum von Konsument:innen einschränken und mit Chemikalien belastete Ultra-Fast-Fashion unseren Markt überschwemmt, braucht es Rahmenbedingungen für gerechten, nachhaltigen Konsum – ganz besonders im Hochrisikosektor Mode und Textilien.“

Fragmentierte Gesetzeslage, mangelhafte Umsetzung

Für Südwind besteht ein Kernproblem in der fragmentierten Gesetzeslage, die Schlupflöcher, Intransparenz und fehlende Haftung zur Folge hat. Südwind fordert daher von der Bundesregierung eine Just Fashion Task Force. Diese sollte Ministerien, Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen vernetzen, um die Wirksamkeit bestehender Gesetze sicherzustellen, Kontrollen zu stärken, bestehende Lücken zu schließen und Transparenz und öffentlichen Informationszugang sicherzustellen.

EU-Richtlinien, die für die Regulierung von Fast-Fashion Anbietern relevant sind – wie etwa Empowering Consumers for the Green Transition oder der Digital Service Act – werden in Österreich nicht konsequent umgesetzt. Auch in Bezug auf die EU-Zwangsarbeitsverordnung muss Österreich eine wirksame Umsetzung sicherstellen und Ressourcen bereitstellen. Zusätzlich führen mangelhafte Kontrollen beim Export von Altkleidung dazu, dass tonnenweise Textilmüll in Länder des Globalen Südens verschifft wird, wo dieser auf riesigen, gesundheitsgefährdenden Deponien landet.

„Die negativen Auswirkungen von Fast Fashion betreffen uns alle. Es braucht endlich den politischen Willen, konkrete Maßnahmen gegen Fast-Fashion-Modelle zu setzen und den Wandel hin zu einer gerechten Modeindustrie zu fördern“, so Lena Gruber.

Die Südwind-Petition für eine gerechte Modeindustrie findet sich online unter: suedwind.at/justfashion
 

Südwind-Forderungen für eine gerechte Modeindustrie

  1. Just Fashion-Fonds: Ein Anreizsystem für faire Mode
    Der Fonds sollte Modefirmen finanziell belohnen, die nachhaltig und fair produzieren und dafür eine Abgabe von jenen Konzernen einnehmen, die auf Ausbeutung und Intransparenz setzen. Die Mittel könnten in Maßnahmen für eine faire Kreislaufwirtschaft fließen.
     
  2. Verbraucher:innen schützen und Manipulation stoppen
    Österreich muss EU-Richtlinien wie die „Empowering Consumers for the Green Transition“ und den Digital Services Act vollumfänglich umsetzen – mit Kontrollen und Sanktionen.
     
  3. Konzern- und Plattformverantwortung klar regeln
    Alle Modemarken und Plattformen müssen sich an EU-Gesetze halten und für Verstöße haften. Österreich muss Schlupflöcher schließen, stärkere Kontrollen einführen und mutige, innovative Lösungen entwickeln, um Ultra Fast Fashion Plattformen zu regulieren.
     
  4. Zwangsarbeit beenden
    Die EU-Zwangsarbeitsverordnung muss mit Entschädigungsmechanismen und sicheren Ausstiegswegen für Betroffene gestärkt werden. Österreich kann sich auf verschiedenen Ebenen dafür einsetzen.
     
  5. Müllverschiffung stoppen
    Kein Export von Textilmüll oder kurzlebiger Mode, die Communities im Globalen Süden schadet. Österreich muss sicherstellen, dass importierte Gebrauchtkleidung unter Mitbestimmung von Arbeiter:innen und lokalen Organisationen selektiert wird.
     
  6. Just Fashion Taskforce einrichten
    Eine nationale Taskforce soll Ministerien, Behörden und zivilgesellschaftliche Organisationen vernetzen, um Kontrollen zu stärken und Transparenz durchzusetzen.

Rückfragen
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at
Website: https://www.suedwind.at/presse

Pressekonferenz der ARGE Weltläden: Österreichs Weltläden trotzen Einzelhandelskrise

Umsatzplus der Weltläden ist doppelt so stark wie der gesamte Biomarkt.

Der österreichische Einzelhandel befindet sich in einer tiefen Krise. Die Umsätze des Gesamt-handels sinken kontinuierlich, die Zahl der Insolvenzen im Handel erreichte ein Rekordniveau. In den Kleinstädten steigen die Leerstandsquoten immer weiter an. In vielen Gemeinden zählen Weltläden heute zu den letzten verbliebenen Frequenzbringern in den Innenstädten – Orte der Begegnung, der qualifizierten Beratung und bewusster Kaufentscheidungen und sie zeigen: Ein anderes Wirtschaften ist möglich – und zwar erfolgreich.

Dieses stabile Wachstum ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines klaren Gegenmodells zum konventionellen Handel: bewusster Konsum und ein Handelsmodell das soziale Gerechtigkeit, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Stabilität miteinander verbindet.

Die ARGE Weltläden präsentiert bei dieser Pressekonferenz detaillierte Ergebnisse der Branche.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Start der neuen weiblichen Doppelspitze der österreichischen Weltläden. Sie steht für Aufbruch, Professionalisierung und die konsequente Weiterentwicklung eines Handels, der den Menschen – entlang der gesamten Lieferkette – in den Mittelpunkt stellt.

Die Botschaft ist klar:
Fairer Handel ist kein Nischenmodell, sondern ein zukunftsfähiges Gegenmodell zum kriselnden Handel.

Termin:
Donnerstag, 16.4.2026, 10:00 Uhr
Ort: C3 – Centrum für Internationale Entwicklung, Alois Wagner-Saal, Sensengasse 3, 1090 Wien
Anbei der Teams-Link zur PK: Pressekonferenz Arbeitsgemeinschaft Weltläden: Österreichs Weltläden trotzen der Einzelhandelskrise | Besprechung beitreten | Microsoft Teams

Als Gesprächspartnerinnen stehen Ihnen zur Verfügung:

•     Gerti Jaksch-Fliegenschnee, Obfrau der ARGE Weltläden

•     Johanna Aigner, Geschäftsführerin der ARGE Weltläden

Die ARGE Weltläden ist der österreichische Dachverband zur Förderung, Vernetzung und Professionalisierung der Weltläden. Sie vertritt 88 Standorte in ganz Österreich, hat 1993 Fairtrade Österreich mitbegründet und arbeitet seit fast 50 Jahren für eine Welt, in der fairer Handel die Regel ist – nicht die Ausnahme.

Für Rückfragen und Akkreditierung:
Johanna Aigner
Mobil: +43 (0)699 18144695   johanna.aigner@weltlaeden.at

PA: OECD-Bericht über Entwicklungshilfeleistungen 2025: Österreichs Rückzug aus internationalem Engagement stoppen

Österreichische Quote auf 0,33% des Bruttonationaleinkommens gesunken. NGO-Dachverband warnt: „Bei Entwicklungshilfeleistungen zu sparen, wird zurückschlagen wie ein Bumerang“

„Derzeit erleben wir eine regelrechte Krisenspirale, wegen der rund 250 Millionen Menschen Humanitäre Hilfe benötigen und bis zu 720 Millionen an Hunger leiden. Dennoch ziehen sich immer mehr wohlhabende Länder aus der internationalen Entwicklung, Humanitären Hilfe, entwicklungspolitischen Inlandsarbeit und Friedensförderung zurück. Der OECD-Ausschuss für Entwicklungshilfe (DAC) warnt heute, dass 26 seiner 34 Mitgliedsstaaten ihre öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen (Official Development Assistance, ODA) im Jahr 2025 kürzten und die ODA das stärkste Minus ihrer Geschichte verzeichnet. Die sogenannte ODA-Quote aller DAC-Mitglieder sank voraussichtlich auf durchschnittlich 0,26% des Bruttonationaleinkommens (BNE), die der europäischen Mitglieder auf 0,40%. Dieser Rückschritt auf das ODA-Niveau von 2015 raubt Menschen, deren Alltag von Ungleichheiten und Not geprägt ist, die Zukunftschancen„, bedauert Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung.

Auch öst. Regierung ist Rückzug aus internationalem Engagement angetreten

Die endgültigen Entwicklungshilfeleistungen seiner Mitgliedsstaaten präsentiert der DAC im Dezember. Die DAC-Mitglieder bekennen sich zum international vereinbarten Ziel, jährlich 0,7% des BNE bereitzustellen. Dennoch hat Österreich dieses Ziel noch nie erreicht. Wank fährt fort: „Mit dem Doppelbudget für 2025 und 2026 ist auch die österreichische Bundesregierung den Rückzug aus dem internationalen Engagement angetreten. Im Jahr 2025 schwand Österreichs ODA-Quote zum dritten Mal infolge auf klägliche 0,33% des BNE.“

Regierung schwächt außenpolitische Instrumente – Warnung vor Bumerang-Effekt

Ausgerechnet in den Budgets der Austrian Development Agency und des Auslandskatastrophenfonds (AKF) habe die Regierung überproportional gespart, kritisiert Wank. „Diese bilateralen Instrumente sind die Grundlage für eine wirkkräftige Außenpolitik, die Vertrauen und Partnerschaften aufbaut. Das gelingt besonders in Kooperation mit erfahrenen und gut vernetzten österreichischen NGOs und ihren lokalen Partner*innen. Sind diese Instrumente schwach, verliert Österreich an internationaler Handlungsfähigkeit und signalisiert, keine Verantwortung übernehmen zu wollen“. In Anbetracht der angestrebten UN-Sicherheitsrat-Kandidatur, insbesondere aber der zugespitzten Weltlage, nennt Wank die Kürzungen einen strategischen Fehler. „Bei den Entwicklungshilfeleistungen zu sparen, wird auf Österreich zurückschlagen wie ein Bumerang. Die Teuerung und steigende Gesundheitsrisiken könnten hierzulande bald nicht mehr die drängendsten Auswirkungen weltweiter Konflikte, Ungleichheiten und der Erderhitzung sein.“

Appell: Budget zumindest auf 2024er-Niveau heben

Abschließend appelliert Wank: „Österreich braucht jetzt starke außenpolitische Instrumente, um eine friedlichere, gerechtere und stabilere Welt mitgestalten zu können. Daher appellieren wir an die Regierung, den Bumerang zu stoppen, stattdessen eine echte Trendwende einzuläuten und im kommenden Doppelbudget die Gelder für die Austrian Development Agency, für den AKF wie auch für internationale Klimaprojekte zumindest auf das Niveau von 2024 zu heben.“

Links


Die AG Globale Verantwortung ist der Dachverband von 39 österreichischen NGOs für internationale Entwicklung, Humanitäre Hilfe und entwicklungspolitische Inlandsarbeit. Unsere Mitgliedsorganisationen führen jährlich 1.000 Projekte in über 120 Ländern der Welt durch und tragen zu einem menschenwürdigen Leben für alle auf einem gesunden Planeten bei.

Rückfragen & Kontakt

AG Globale Verantwortung
Hannah Hauptmann, MA
Telefon: +43 1/522 44 22–15
E-Mail: presse@globaleverantwortung.at
Website: https://www.globaleverantwortung.at