Archiv der Kategorie: Wirtschaft

Pressekonferenz der ARGE Weltläden: Österreichs Weltläden trotzen Einzelhandelskrise

Umsatzplus der Weltläden ist doppelt so stark wie der gesamte Biomarkt.

Der österreichische Einzelhandel befindet sich in einer tiefen Krise. Die Umsätze des Gesamt-handels sinken kontinuierlich, die Zahl der Insolvenzen im Handel erreichte ein Rekordniveau. In den Kleinstädten steigen die Leerstandsquoten immer weiter an. In vielen Gemeinden zählen Weltläden heute zu den letzten verbliebenen Frequenzbringern in den Innenstädten – Orte der Begegnung, der qualifizierten Beratung und bewusster Kaufentscheidungen und sie zeigen: Ein anderes Wirtschaften ist möglich – und zwar erfolgreich.

Dieses stabile Wachstum ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines klaren Gegenmodells zum konventionellen Handel: bewusster Konsum und ein Handelsmodell das soziale Gerechtigkeit, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Stabilität miteinander verbindet.

Die ARGE Weltläden präsentiert bei dieser Pressekonferenz detaillierte Ergebnisse der Branche.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Start der neuen weiblichen Doppelspitze der österreichischen Weltläden. Sie steht für Aufbruch, Professionalisierung und die konsequente Weiterentwicklung eines Handels, der den Menschen – entlang der gesamten Lieferkette – in den Mittelpunkt stellt.

Die Botschaft ist klar:
Fairer Handel ist kein Nischenmodell, sondern ein zukunftsfähiges Gegenmodell zum kriselnden Handel.

Termin:
Donnerstag, 16.4.2026, 10:00 Uhr
Ort: C3 – Centrum für Internationale Entwicklung, Alois Wagner-Saal, Sensengasse 3, 1090 Wien
Anbei der Teams-Link zur PK: Pressekonferenz Arbeitsgemeinschaft Weltläden: Österreichs Weltläden trotzen der Einzelhandelskrise | Besprechung beitreten | Microsoft Teams

Als Gesprächspartnerinnen stehen Ihnen zur Verfügung:

•     Gerti Jaksch-Fliegenschnee, Obfrau der ARGE Weltläden

•     Johanna Aigner, Geschäftsführerin der ARGE Weltläden

Die ARGE Weltläden ist der österreichische Dachverband zur Förderung, Vernetzung und Professionalisierung der Weltläden. Sie vertritt 88 Standorte in ganz Österreich, hat 1993 Fairtrade Österreich mitbegründet und arbeitet seit fast 50 Jahren für eine Welt, in der fairer Handel die Regel ist – nicht die Ausnahme.

Für Rückfragen und Akkreditierung:
Johanna Aigner
Mobil: +43 (0)699 18144695   johanna.aigner@weltlaeden.at

PA: OECD-Bericht über Entwicklungshilfeleistungen 2025: Österreichs Rückzug aus internationalem Engagement stoppen

Österreichische Quote auf 0,33% des Bruttonationaleinkommens gesunken. NGO-Dachverband warnt: „Bei Entwicklungshilfeleistungen zu sparen, wird zurückschlagen wie ein Bumerang“

„Derzeit erleben wir eine regelrechte Krisenspirale, wegen der rund 250 Millionen Menschen Humanitäre Hilfe benötigen und bis zu 720 Millionen an Hunger leiden. Dennoch ziehen sich immer mehr wohlhabende Länder aus der internationalen Entwicklung, Humanitären Hilfe, entwicklungspolitischen Inlandsarbeit und Friedensförderung zurück. Der OECD-Ausschuss für Entwicklungshilfe (DAC) warnt heute, dass 26 seiner 34 Mitgliedsstaaten ihre öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen (Official Development Assistance, ODA) im Jahr 2025 kürzten und die ODA das stärkste Minus ihrer Geschichte verzeichnet. Die sogenannte ODA-Quote aller DAC-Mitglieder sank voraussichtlich auf durchschnittlich 0,26% des Bruttonationaleinkommens (BNE), die der europäischen Mitglieder auf 0,40%. Dieser Rückschritt auf das ODA-Niveau von 2015 raubt Menschen, deren Alltag von Ungleichheiten und Not geprägt ist, die Zukunftschancen„, bedauert Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung.

Auch öst. Regierung ist Rückzug aus internationalem Engagement angetreten

Die endgültigen Entwicklungshilfeleistungen seiner Mitgliedsstaaten präsentiert der DAC im Dezember. Die DAC-Mitglieder bekennen sich zum international vereinbarten Ziel, jährlich 0,7% des BNE bereitzustellen. Dennoch hat Österreich dieses Ziel noch nie erreicht. Wank fährt fort: „Mit dem Doppelbudget für 2025 und 2026 ist auch die österreichische Bundesregierung den Rückzug aus dem internationalen Engagement angetreten. Im Jahr 2025 schwand Österreichs ODA-Quote zum dritten Mal infolge auf klägliche 0,33% des BNE.“

Regierung schwächt außenpolitische Instrumente – Warnung vor Bumerang-Effekt

Ausgerechnet in den Budgets der Austrian Development Agency und des Auslandskatastrophenfonds (AKF) habe die Regierung überproportional gespart, kritisiert Wank. „Diese bilateralen Instrumente sind die Grundlage für eine wirkkräftige Außenpolitik, die Vertrauen und Partnerschaften aufbaut. Das gelingt besonders in Kooperation mit erfahrenen und gut vernetzten österreichischen NGOs und ihren lokalen Partner*innen. Sind diese Instrumente schwach, verliert Österreich an internationaler Handlungsfähigkeit und signalisiert, keine Verantwortung übernehmen zu wollen“. In Anbetracht der angestrebten UN-Sicherheitsrat-Kandidatur, insbesondere aber der zugespitzten Weltlage, nennt Wank die Kürzungen einen strategischen Fehler. „Bei den Entwicklungshilfeleistungen zu sparen, wird auf Österreich zurückschlagen wie ein Bumerang. Die Teuerung und steigende Gesundheitsrisiken könnten hierzulande bald nicht mehr die drängendsten Auswirkungen weltweiter Konflikte, Ungleichheiten und der Erderhitzung sein.“

Appell: Budget zumindest auf 2024er-Niveau heben

Abschließend appelliert Wank: „Österreich braucht jetzt starke außenpolitische Instrumente, um eine friedlichere, gerechtere und stabilere Welt mitgestalten zu können. Daher appellieren wir an die Regierung, den Bumerang zu stoppen, stattdessen eine echte Trendwende einzuläuten und im kommenden Doppelbudget die Gelder für die Austrian Development Agency, für den AKF wie auch für internationale Klimaprojekte zumindest auf das Niveau von 2024 zu heben.“

Links


Die AG Globale Verantwortung ist der Dachverband von 39 österreichischen NGOs für internationale Entwicklung, Humanitäre Hilfe und entwicklungspolitische Inlandsarbeit. Unsere Mitgliedsorganisationen führen jährlich 1.000 Projekte in über 120 Ländern der Welt durch und tragen zu einem menschenwürdigen Leben für alle auf einem gesunden Planeten bei.

Rückfragen & Kontakt

AG Globale Verantwortung
Hannah Hauptmann, MA
Telefon: +43 1/522 44 22–15
E-Mail: presse@globaleverantwortung.at
Website: https://www.globaleverantwortung.at

Schoko-Osterhasen-Check: Das sind die Nachhaltigkeits-Sieger

Neuer Rekord: 87 Prozent der getesteten Schokohasen tragen mindestens ein unabhängiges Gütesiegel. Grund ist unter anderem eine erfreuliche Entwicklung bei Branchenriese Lindt.

Ein Osternest ohne Schokohase ist wie der Frühling ohne Sonne – einfach nicht das Wahre. Am besten schmeckt die Schokolade, wenn sie fair und nachhaltig ist. Rechtzeitig zum Fest veröffentlichen die Menschenrechtsorganisation Südwind und die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 mit dem Osterhasen-Check wieder ihren öko-sozialen Wegweiser durch den Gütesiegel-Dschungel. Insgesamt haben die Organisationen heuer 30 Schoko-Hasen unter die Lupe genommen. Neu dabei in der Bewertung ist die Chocolate-Scorecard. Gerade für Schokohasen, bei denen mit konzerneigenen Siegeln gearbeitet wird, dient sie als zusätzliche Orientierungshilfe. 

Stabile Testsieger

Fünf Testsieger, die sich bereits in den letzten Jahren als Vorreiter für soziale und ökologische Standards etabliert haben, gewinnen in diesem Jahr erneut das Rennen. Der “EZA-Schokohase” aus den Weltläden, der “Billa Bio Schokohase”, der vegane “Billa Vegavita Bio Schoko Osterhase”, der “Spar Natur Pur Bio-Osterhase” und der “BIO Osterhase Fairtrade” von Hofer. Sie alle tragen sowohl das FAIRTRADE als auch das EU-Biosiegel. Im Ampelsystem des Osterhasen-Checks bekommen sie deshalb eine doppelt grüne Bewertung.

“Der Osterhasen-Check zeigt, dass faire und soziale Schokolade im Supermarkt schon lange kein Einzelfall mehr ist. Gleichzeitig gibt es immer noch Ausreißer, die keine unabhängigen Zertifizierungen aufweisen. Mit unserem Check bieten wir Orientierung, damit die Schokolade im Osternest nachhaltig ist”, so Gudrun Glocker, Lieferketten-Expertin bei Südwind und Anna Leitner, Ressourcen-Sprecherin bei GLOBAL 2000.

Branchenriese Lindt setzt auf Zertifizierung

Auch in diesem Jahr trägt die Mehrheit der Schokohasen mindestens ein unabhängiges Gütesiegel, mit 87 Prozent sind es deutlich mehr als im Vorjahr, als der Anteil zirka bei 75 Prozent lag. Nur vier Hasen erhalten eine doppelt rote Bewertung: Sie haben weder für ökologische noch für soziale Standards ein unabhängiges Siegel. 

„Eigene Nachhaltigkeits-Programme, auf die vor allem große Unternehmen setzen, sind kein Ersatz für unabhängige Zertifizierungen. Konsument:innen können sich nicht darauf verlassen, dass selbst definierte Kriterien bei der Herstellung der Schokolade eingehalten werden. Konzern-Initiativen sind oft intransparent und es wird nicht unabhängig kontrolliert“, sagt Gudrun Glocker von Südwind. “Umso erfreulicher ist es, wenn Branchenriesen wie Lindt umdenken.“ Diese lassen seit Anfang des Jahres 100% ihres Kakaos zusätzlich zum eigenen Nachhaltigkeits-Programm von Rainforest Alliance zertifizieren.

“Konsument:innen dürfen im Siegel-Dschungel nicht auf sich allein gestellt bleiben. Die Regierung muss Unternehmen zu Maßnahmen gegen Kinderarbeit und Umweltzerstörung verpflichten. Das EU-Lieferkettengesetz gibt dafür einen ersten Rahmen. Jetzt ist die Bundesregierung am Zug, ein nationales Gesetz zu schaffen, das Menschen und Umwelt effektiv schützt – damit in Zukunft jeder Schokohase unbeschwert genossen werden kann”, fordert Leitner von GLOBAL 2000. 

Waldzerstörung und Kinderarbeit im Kakao-Anbau

Die weltweiten Kakaopreise sind zuletzt wieder stark gesunken. Preisschwankungen setzen Kakaobäuer:innen, die ohnehin schon mit klimabedingten Ernteausfällen zu kämpfen haben, unter zusätzlichen Druck. Besonders jetzt ist es wichtig, den fairen und sozialen Anbau zu unterstützen, der ein menschenwürdiges und sicheres Auskommen ermöglicht.

“Kinder- und Zwangsarbeit und sehr niedrige Bezahlung sind nach wie vor große Probleme. Waldzerstörung für Kakao-Anbauflächen schaden wiederum indigenen und anderen lokalen Gemeinschaften”, so Gudrun Glocker von Südwind. “Dagegen können auch wir in Europa etwas tun: Die EU-Entwaldungsverordnung soll verhindern, dass Produkte in Zusammenhang mit Waldzerstörung auf den europäischen Markt kommen. Sie steht aber gerade massiv unter Beschuss vieler Mitgliedsländer. Österreich muss sich hier endlich seiner Verantwortung bewusst werden.”

Zum Osterhasen-Check

Dieser Check bezieht sich auf Schokoladen-Hohlfiguren, die bis 17.03.2026 in österreichischen Supermärkten erhältlich waren und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jeder Hase wurde nur einmal aufgenommen – auch wenn er im Handel in unterschiedlichen Varianten erhältlich ist. 

Rückfragehinweis:

Vincent Sufiyan
Leitung Kommunikation bei Südwind 
vincent.sufiyan@suedwind.at
+43650 9677 577

Antonia Petri
Pressesprecherin GLOBAL 2000
antonia.petri@global2000.at
+43 699 142000 82

PA: Tag des Waldes: Südwind fordert Hände weg vom Waldschutz!

Wälder sind unverzichtbar für den Menschen – Menschenrechtsorganisation Südwind warnt vor fatalem Fehler durch EU-Deregulierungs-Offensive.

Jede Minute werden rund 100 Bäume gefällt, um den Konsum der Europäischen Union – und somit auch von Österreich – zu decken. Wälder verschwinden in alarmierendem Tempo und mit ihnen die Lebensgrundlage von Millionen Menschen weltweit, angetrieben durch den Anbau und Handel von Rohstoffen für den europäischen Markt. Indigene Gruppen und andere lokale Communities werden vertrieben, bedroht und ermordet und setzen sich dennoch weiterhin für die Wälder ein. Anlässlich des Internationalen Tags des Waldes, am 21. März, warnt die Menschenrechtsorganisation Südwind vor einer Abschwächung des europäischen Waldschutzes und fordert eine rasche und konsequente Umsetzung der EU-Entwaldungsverordnung in Österreich.

„Während Handelsabkommen wie Mercosur vor der Tür stehen und andere Schutzinstrumente wie das Amazonas-Soja-Moratorium zu scheitern drohen, wäre eine weitere Schwächung der EU-Entwaldungsverordnung fatal für die Wälder der Welt“, sagt Maria Hammer, Südwind-Sprecherin für Waldschutz. „Sollte das Gesetz weiter verwässert werden, verlieren wir ein zentrales Werkzeug im Kampf gegen Entwaldung, Klimakrise und Menschenrechtsverletzungen.“

Schätzungen zufolge könnten durch die EU-Entwaldungsverordnung in nur einem Jahr bereits rund 50 Millionen Bäume vor der Abholzung bewahrt werden. Nachhaltiger Konsum wäre viel einfacher, indem Produkte aus Entwaldung vom EU-Markt ausgeschlossen werden und Unternehmen nachweisen müssen, dass ihre Produkte nicht auf entwaldeten Flächen angebaut wurden. 

Trotz zahlreicher nachträglicher Zugeständnisse und obwohl schon längst die Umsetzung der Verordnung in Österreich vorbereitet werden sollte, sind Forst- und Agrarverbände weiterhin darum bemüht, die EU-Entwaldungsverordnung aufzuweichen und die Umsetzung hinauszuzögern. 

Südwind fordert daher ein klares politisches Bekenntnis von der österreichischen Bundesregierung und Österreichs EU-Abgeordneten: Keine weiteren Schlupflöcher und faulen Kompromisse beim Waldschutz, sondern endlich eine konsequente Umsetzung des Gesetzes.

„Mit der Entwaldungsverordnung hat Europa erstmals die Chance, wirksam gegenzusteuern, anstatt Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen für unseren Konsum weiterhin in Kauf zu nehmen”, so Maria Hammer. 

Südwind beteiligt sich mit einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen an einer Petition gegen den Abbau europäischer Schutzgesetze. Die Petition “Hände weg vom Waldschutz” kann hier unterzeichnet werden: suedwind.at/handsoffnature

Rückfragen
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at
Website: https://www.suedwind.at/presse

PA: ‌30 Jahre FAIRTRADE-Kakao: Wie fairer Handel Einkommen stärkt und Märkte stabilisiert

62.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao wurden in Österreich seit dem Start vor 30 Jahren konsumiert, der Marktanteil liegt mittlerweile bei über 14 Prozent. Gerade in Zeiten stark schwankender Kakaopreise zeigt sich wie wichtig Stabilität für Kakaobäuer:innen ist.

1,2 Milliarden Tafeln FAIRTRADE-Schokolade wurden in Österreich in den vergangenen 30 Jahren konsumiert. Insgesamt entspricht das rund 62.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao. Heute werden knapp 12.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao pro Jahr verarbeitet. Damit isst jede:r Österreicher:in durchschnittlich bereits rund 25 Tafeln FAIRTRADE-Schokolade jährlich.

Auch im Handel gewinnt FAIRTRADE-Schokolade weiter an Bedeutung: Der Marktanteil von FAIRTRADE-zertifizierten Tafelschokoladen liegt mittlerweile bei über 14 Prozent (Quelle: Nielsen IQ). Vor wenigen Jahren lag er noch bei rund zehn Prozent. Damit hat sich FAIRTRADE-Kakao von einer Nischeninitiative zu einem festen Bestandteil des österreichischen Schokolademarkts entwickelt.

Wirkung im Ursprung: Einkommen steigen messbar
Dass faire Handelsbedingungen in der Kakaoindustrie konkrete Verbesserungen im Ursprung bewirken können, zeigt eine aktuelle Einkommensstudie aus Côte d’Ivoire. Demnach erzielen 74 Prozent der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen mittlerweile ein Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle. Gleichzeitig ist der Anteil der Haushalte in extremer Armut deutlich gesunken – von 36 Prozent im Jahr 2020 auf 17 Prozent. FAIRTRADE trägt dazu mit stabilen Mindestpreisen, einer zusätzlichen FAIRTRADE-Prämie für Gemeinschaftsprojekte sowie Schulungen und Programmen zur Einkommenssteigerung bei.

Preisschwankungen am Kakaomarkt
Der Kakaomarkt ist derzeit von starken Preisschwankungen geprägt. Nach historischen Höchstständen sind die Weltmarktpreise zuletzt wieder deutlich gefallen. Für viele Kakao-Kooperativen und ihre Mitgliederfamilien bedeutet das mittelfristig wieder sinkende Einnahmen, während gleichzeitig Klimawandel, Schädlinge und steigende Produktionskosten die Landwirtschaft erschweren.

„Es ist heute wichtiger als je zuvor, beim Einkauf bewusst zu FAIRTRADE-Schokolade zu greifen. Gerade in Zeiten sinkender Rohstoffpreise brauchen Kakao-Bauernfamilien verlässliche Einkommen, um ihre Farmen zu sichern, zu investieren und sich gegen immer häufiger werdende Wetterextreme zu wappnen – und damit langfristig auch unsere Versorgung mit Kakao zu sichern.“ sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich.

Genau hier setzt FAIRTRADE an: Der vertraglich fixierte Mindestpreis und die zusätzliche FAIRTRADE-Prämie schaffen ein Sicherheitsnetz nach unten, das Produzentenorganisationen auch in Zeiten fallender Weltmarktpreise Stabilität bietet. 

Rückfragehinweis: presse@fairtrade.at

Hintergrund:

FAIRTRADE ist weltweit das führende Zertifizierungssystem, bei dem die Produzentinnen und Produzenten von einem Mindestpreis und einer Prämie, deren Höhe genau festgelegt ist, profitieren.

Der FAIRTRADE-Mindestpreis ist als Sicherheitsnetz zu verstehen und soll die durchschnittlichen Produktionskosten für eine nachhaltige Produktion decken. Liegt der jeweilige (Welt)Marktpreis darüber, muss der höhere Marktpreis bezahlt werden. Die Produzentenorganisationen vereinbaren auch jederzeit einen höheren Preis mit den Abnehmern.

Zusätzlich zum Verkaufspreis erhalten Produzentenorganisationen die FAIRTRADE-Prämie. Die Bauernfamilien bzw. Beschäftigten auf Plantagen entscheiden in einem demokratischen Prozess, in welche sozialen, ökologischen oder ökonomischen Projekte investiert wird.

PA: Rat der EU beschließt Omnibus-I-Paket auf Kosten von Menschenrechten und Lebensgrundlagen

Die AG Globale Verantwortung appelliert an Außenministerin Meinl-Reisinger, Stimme einer EU-Politik zu sein, für die Wettbewerbsfähigkeit und der Schutz von Menschenrechten, Klima und Umwelt keine Gegensätze sind, sondern Voraussetzung.

Minister*innen aus den EU-Mitgliedsstaaten haben heute im Rat der Europäischen Union das Omnibus-I-Paket adoptiert. Damit scheint die Abkehr vom zukunftsweisenden Pfad, den die EU mit einer ambitionierten Lieferkettenrichtlinie und anderen zentralen Bestandteilen des European Green Deal hätte beschreiten können, vorerst besiegelt. Anstatt die Sorgfaltspflicht europäischer Unternehmen im weltweiten Schutz von Menschenrechten, Klima und Umwelt höherzuschrauben, folgten die EU-Organe den Argumentationsweisen von Wirtschaftsvertreter*innen – auch aus der US-amerikanischen Erdölindustrie –, die den Green Deal zur Bürde umgemünzt hatten.

Omnibus-I-Paket verzögert unvermeidlichen Umstieg auf nachhaltige Strategien
Die Lieferkettenrichtlinie wird nur für Konzerne mit mehr als 5.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mindestens 1,5 Milliarden Euro gelten, darunter rund 30 österreichische Unternehmen. Ihre Aushöhlung ist auch ein Rückschlag für jene Wirtschaftstreibende, die sich längst für gerechte Wettbewerbsbedingungen aussprechen und sich an einem sozialen, ökologischen und ökonomischen Kurswechsel beteiligen. Diejenigen, die die ausgehöhlten Sorgfaltspflichten begrüßen, verzögern den unvermeidlichen Umstieg auf nachhaltige Strategien, den sie letztlich dennoch vollziehen müssen. Denn Gesellschaften, in denen die Menschen selbst den hohen Preis für die weltweite Ausbeutung, für soziale Ungleichheiten, Dürren und Überschwemmungen – wozu Teuerungen, Hunger, Konflikte und ein steigendes Unsicherheitsgefühl zählen – tragen, haben keine Zukunft.

Appell an Außenministerin, sich für ambitionierte Implementierung der Lieferkettenrichtlinie in nationales Gesetz einzusetzen
Wir appellieren an die österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, die sich beim heutigen Beschluss enthielt, sich nun für eine ambitionierte Implementierung der Lieferkettenrichtlinie in nationales Gesetz einzusetzen. Die Ministerin kann eine Stimme für eine effektive und widerspruchsfreie EU-Politik sein, die sich globalen Herausforderungen stellt und erkennt, dass Wettbewerbsfähigkeit und der Schutz von Menschenrechten, Klima und Umwelt keine Gegensätze sind, sondern Voraussetzung für die menschliche wie auch wirtschaftliche Sicherheit. Die Stimme einer EU, deren Stärke und Glaubwürdigkeit auf wertebasiertem Agieren und partnerschaftlicher Zusammenarbeit beruhen.

Lukas Wank
Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung

Mehr erfahren

PA: Attac-Bericht: Wettrüsten macht Klimaziele unerreichbar

Militär könnte 2030 rund 25 Prozent der maximal erlaubten Gesamtemissionen beanspruchen

Um die Erderhitzung auf 1,5 bis maximal 2 Grad zu begrenzen, müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen laut Pariser Abkommen bis 2030 halbiert werden. Ein neuer Attac-Bericht zeigt, dass das globale Wettrüsten diese Klimaziele unerreichbar macht. 

Nach Attac-Berechnungen betrugen die globalen Emissionen des Militärs im Jahr 2025 bereits rund 8 Prozent der globalen Emissionen (4,3 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalent). Steigen die Militärausgaben weiter wie geplant an, würden die weltweiten Heere im Jahr 2030 etwa 25 Prozent der dann maximal erlaubten Gesamtemissionen beanspruchen. Eine ähnliche Größenordnung (26 Prozent) besteht in Bezug auf die Emissionen europäischer NATO-Staaten und die Klimaziele der EU. Selbst ernsthafte Emissionsminderungen in Industrie, Verkehr oder Energie würden also durch den stark wachsenden militärischen Sektor zunichte gemacht werden.

„Das Wettrüsten untergräbt jede Chance, die Klimakrise abzufedern. Es bedeutet nicht nur mehr Emissionen, sondern auch weniger Spielraum für Klima-, Sozial- und Friedenspolitik. Wer es mit Klimaschutz ernst meint, muss Investitionen fürs Militär in Bereiche wie Klimaschutz umlenken – nicht umgekehrt“, erklärt Max Hollweg von Attac Österreich.

Die Klimakrise wirkt wiederum selbst als Konflikttreiber: Hitze, Dürren und Überschwemmungen verschärfen soziale Spannungen, zerstören Lebensgrundlagen und befeuern Gewalt. Die daraus entstehenden Konflikte zerstören Umwelt und Klima weiter – ein Teufelskreis. Hollweg: „Die aktuell dominante Sicherheitspolitik setzt auf Abschreckung und Aufrüstung. Doch diese Logik führt letztlich zu weiterer Eskalation.“

Wettrüsten stoppen, Rüstung zu emissionsarmer, ziviler Produktion umbauen

Attac fordert daher, das internationale Wettrüsten zu stoppen. Auch Österreich solle seine Militärausgaben nicht wie geplant verdoppeln und aus dem EU-Rüstungsprogramm ReArm Europe aussteigen. Die Rüstungsindustrie muss demokratisch kontrolliert und zu emissionsarmer, ziviler Produktion umgebaut werden, fordert Attac. Dazu gehören insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien, öffentliche Mobilität (Züge, E-Busse) und die entsprechende Infrastruktur. Aktuell profitiert vor allem die boomende Rüstungsindustrie von den staatlichen Großaufträgen: Klimaschädliche Autoproduktion wird zu noch klimaschädlicherer Rüstungsproduktion transformiert.

Militärische Emissionen endlich in die Klimapolitik einbeziehen

Obwohl das Militär besonders klimaschädlich ist, werden seine Emissionen bislang völlig unzureichend erfasst und kaum reguliert. Bis heute ist keine Regierung verpflichtet, militärische Emissionen an die UN-Klimarahmenkonvention zu melden. Auch Österreich erfasst militärische Emissionen nur lückenhaft. Attac fordert daher, dass militärische Emissionen endlich verbindlich in die internationale Klimapolitik einbezogen werden. „Die bisherige klimapolitische Sonderbehandlung des Militärs muss beendet werden“, erklärt Hollweg.

Rückfragen:
David Walch
Pressesprecher Attac Österreich
presse@attac.at
0650 544 00 10

PA zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit: Start der CONCORDIA Petition gegen Kinderarmut in Europa

Anläßlich des Welttages der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar 2026 startet Petition an die EU-Kommission und fordert verbindliche Investitionen zur Prävention von Kinderarmut.

Anlässlich des Welttags der sozialen Gerechtigkeit startet die Kinderhilfsorganisation CONCORDIA Sozialprojekte heute eine Petition mit dem Titel „Stoppt generationenübergreifende Kinderarmut – jetzt, europaweit“. Die Petition richtet sich an die Europäische Kommission und fordert verbindliche, zweckgebundene Investitionen in die Prävention von Kinderarmut im nächsten EU-Finanzrahmen.

Der Hintergrund ist alarmierend: Fast jedes vierte Kind in Europa wächst in Armut oder sozialer Ausgrenzung auf. Wer in Armut geboren wird, hat ein deutlich höheres Risiko, sein Leben lang in Armut zu bleiben. Mangelnde Bildungschancen, unzureichende Gesundheitsversorgung und soziale Ausgrenzung setzen einen Kreislauf in Gang, der sich über Generationen fortsetzt.

Kein Kind entscheidet sich für Armut. Sie wird ihnen aufgezwungen – durch mangelnde Chancen und unzureichende politische Priorisierung“, sagt Dr. Bernhard Drumel, Geschäftsführer von CONCORDIA Sozialprojekte. „Wenn wir soziale Gerechtigkeit ernst nehmen, müssen wir jetzt in Prävention investieren – strukturell, verbindlich und europaweit.“

EU-Parlament fordert 20 Milliarden Euro für Kinder – jetzt sind die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten am Zug

Das Europäische Parlament hat ein starkes Signal gesetzt, indem es einen Bericht über die künftige EU-Strategie zur Armutsbekämpfung verabschiedet und einen separaten Finanzrahmen von mindestens 20 Milliarden Euro für die Europäische Kindergarantie im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (2028–2034) gefordert hat. Darüber hinaus hat das Europäische Parlament eine zweckgebundene Mittelzuweisung aus dem Europäischen Sozialfonds+ und anderen ähnlichen Instrumenten gefordert.

Konkret sieht der Standpunkt des Parlaments Folgendes vor:

  • Mindestens 25 % der ESF+-Mittel für soziale Eingliederung
  • Mindestens 5 % für Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarmut in allen Mitgliedstaaten
  • Mindestens 10 % in Ländern, in denen die Kinderarmut über dem EU-Durchschnitt liegt
  • Ein Sonderbudget von 20 Milliarden Euro für die Europäische Kindergarantie

Diese Forderungen spiegeln das Ausmaß der Krise wider: Rund jedes vierte Kind in der EU ist davon betroffen.

In ihrer Petition fordert CONCORDIA die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten auf, diesen Standpunkt im kommenden Finanzrahmen verbindlich umzusetzen – und die Prävention in den Mittelpunkt der europäischen Sozialpolitik zu stellen. Darüber hinaus fordert CONCORDIA das Europäische Parlament auf, den Prozess der Verabschiedung und Umsetzung seiner Zustimmung zu überwachen – und die Prävention in den Mittelpunkt der europäischen Sozialpolitik zu stellen.

Prävention statt Reparatur: Drei konkrete Forderungen

Die Petition formuliert drei zentrale Handlungsfelder:

  • Verbindliche und zweckgebundene EU-Mittel für Prävention

Prävention darf nicht projektabhängig oder optional sein. Es bedarf mehrjähriger, stabiler Finanzierungsmechanismen und einer klaren Zweckbindung im ESF+ und in anderen Instrumenten wie IPA III für Kandidatenländer.

Priorisierung der Prävention von Kinderarmut und gemeindenahen Diensten im Rahmen von IPA III (Instrument für Heranführungshilfe – EU-Finanzmittel zur Unterstützung von Ländern, die sich auf den EU-Beitritt vorbereiten).

Die Kindergarantie muss mit mindestens 5 % der Mittel pro Mitgliedstaat gesichert werden – mit höheren Anteilen in Ländern mit besonders hohen Kinderarmutsquoten.

  • Prävention als strukturelle Säule der Europäischen Kindergarantie

Gemeindenahe Dienste – wie Tageszentren, Familienunterstützung und Sozialarbeit – müssen zu einem integralen Bestandteil nationaler Aktionspläne werden, mit messbaren Zielen und eigenen Haushaltslinien.

Anerkennung bewährter Modelle wie des CONCORDIA-Tageszentrumsmodells, das Bildung, psychosoziale Unterstützung, Familienarbeit und Gemeindeorientierung integriert, als bewährte Praxis, Sicherung der Finanzierung für diese Modelle und Ausweitung auf ganz Europa.

  • Investitionen in Sozialarbeiter

Über 13 Millionen Menschen arbeiten in der EU im sozialen Bereich, doch 85 % der Anbieter berichten von Personalmangel. Ohne ausreichend ausgebildete Fachkräfte bleiben finanzielle Verpflichtungen wirkungslos. Eine starke Prävention erfordert starke Strukturen und ausreichend qualifizierte Fachkräfte.

Das CONCORDIA-Wirkungsmodell: Bewährte Prävention in Ost- und Südosteuropa

CONCORDIA Sozialprojekte arbeitet seit über 30 Jahren in Bulgarien, Rumänien, Moldawien, Kosovo und Österreich mit von Armut betroffenen Kindern und Familien.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht das CONCORDIA-Tageszentrumsmodell – ein gemeindebasierter, integrierter Präventionsansatz. Tageszentren bieten pädagogische Unterstützung, psychosoziale Betreuung, Elternberatung und eine enge Zusammenarbeit mit Schulen und Gemeinden. Ziel ist es, Kinder schon in jungen Jahren zu stärken, Familien zu stabilisieren und sozialer Ausgrenzung vorzubeugen.

Generationenübergreifende Armut wird nicht nur durch mangelndes Einkommen verursacht, sondern auch durch strukturelle Hindernisse beim Zugang zu Bildung, Gesundheit und sozialer Teilhabe. Deshalb konzentriert sich CONCORDIA auf frühzeitige, ganzheitliche Unterstützung im Lebensumfeld der Kinder.

Wir sehen jeden Tag, wie es funktioniert: Kinder kehren in die Schule zurück, Eltern gewinnen Selbstvertrauen, Gemeinden entwickeln Perspektiven“, sagt Drumel. „Diese Modelle sind skalierbar – wenn die EU die richtigen Prioritäten setzt.“

Ein Appell zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit

Der 20. Februar erinnert uns daran, dass soziale Gerechtigkeit kein abstraktes Ideal, sondern eine politische Verpflichtung ist. Kinderrechte sind Menschenrechte. Jedes Kind in Europa hat das Recht auf Bildung, Schutz und ein Leben in Würde. Mit dieser Petition ruft CONCORDIA die Bürgerinnen und Bürger in Österreich dazu auf, ein klares Signal an die Europäische Kommission zu senden:

Generationenübergreifende Kinderarmut kann nicht länger toleriert werden. Europa kann und muss es besser machen.

Die Petition ist jetzt online unter: https://www.concordia.or.at/petition/breaking-the-cycle/

Weitere Informationen zur Arbeit und zum Wirkungsmodell von CONCORDIA können hier im Policy Report heruntergeladen werden: https://www.concordia.or.at/report/day-centre-model/

CONCORDIA Sozialprojekte ist eine 1991 gegründete internationale und unabhängige Hilfsorganisation, die Kinder, Jugendliche und Familien in Not in den Projektländern Rumänien, Bulgarien, Moldawien, Kosovo und Österreich auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben unterstützt und begleitet. Im Mittelpunkt der Programme steht die Stärkung und Wahrung der Kinderrechte. Das übergeordnete Ziel der Arbeit von CONCORDIA ist es, Kinder und Familien dabei zu unterstützen, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen und ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Die Organisation hat Standorte in Österreich (Wien), Deutschland (Stuttgart) und der Schweiz (Zug) und finanziert ihre Arbeit durch Spenden. https://concordia.or.at

Pressekontakt:
Sonja Sagan
PR/Kommunikation DACH
M: +43 6763029859
E-Mail: sonja.sagan@concordia.or.at