CARE warnt vor den dramatischen Folgen der Schließung der Straße von Hormus, da die Kosten für lebensrettende Hilfe explodieren / „Wenn lebensrettende Behandlung ausbleibt, wird Hunger zum Todesurteil“
Die Schließung der Straße von Hormus infolge des Konflikts im Nahen Osten hat dramatische Auswirkungen auf die humanitäre Versorgung im östlichen und südlichen Afrika. Besonders betroffen sind Kinder in Somalia und Malawi, warnt die Hilfsorganisation CARE. Innerhalb von nur zwei Monaten haben sich die Transportkosten für lebensrettende therapeutische Spezialnahrung mehr als verdreifacht – von 55 auf 200 US-Dollar pro Karton. Ein Behandlungsprogramm, das ursprünglich 300 schwer mangelernährte Kinder unter fünf Jahren versorgen sollte, erreicht damit nur noch 83 Kinder.
Eine Analyse von IPC (Integrated Food Security Phase Classification) hat ergeben, dass derzeit jede dritte Person in Somalia unter akuter Ernährungsunsicherheit leidet. Fast zwei Millionen Menschen befinden sich bereits in einer schweren Notlage – rund eine halbe Million mehr als ursprünglich prognostiziert. Für 2026 wird erwartet, dass rund 1,9 Millionen Kinder wegen akuter Mangelernährung behandelt werden müssen.
„Jede Verzögerung, jedes leere Lager bedeutet, dass wir ein Kind nicht rechtzeitig erreichen. Wenn lebensrettende Behandlung ausbleibt, wird Hunger zum Todesurteil. Das darf niemals die Realität für ein Kind sein“, sagt Ummy Dubow, CARE-Länderdirektorin in Somalia.
Malawi: Versorgungsengpässe verschärfen Ernährungskrise
In Malawi leiden derzeit mehr als vier Millionen Menschen – fast ein Viertel der Bevölkerung – unter akuter Ernährungsunsicherheit. Mehr als ein Drittel der Harnstoffimporte und knapp ein Viertel aller Düngemittelimporte des Landes sind von Transportwegen durch die Straße von Hormus abhängig. Die Treibstoffpreise sind bereits um rund 35 Prozent gestiegen.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) warnt: Ein Rückgang der Düngemittelverfügbarkeit in Subsahara-Afrika um zehn Prozent könnte die regionalen Lebensmittelpreise um bis zu acht Prozent erhöhen – mit direkten Folgen für die Ernährungssicherheit von Kindern und Familien. Für Mädchen steigt zudem das Risiko von Schulabbrüchen und Frühverheiratung.
Weltweit bis zu 45 Millionen Menschen zusätzlich von Hunger bedroht
Das Welternährungsprogramm (WFP) prognostiziert, dass bis Juni weitere 45 Millionen Menschen weltweit von akuter Hungersnot betroffen sein könnten, wenn der Konflikt im Nahen Osten andauert und der Ölpreis dauerhaft über 100 US-Dollar pro Barrel bleibt.
„Die explodierenden Kosten für Lebensmittel, Treibstoff und Transport werden erhebliche Folgen für internationale Hilfseinsätze haben. Und das nach dem Jahr mit den größten Kürzungen humanitärer Hilfsgelder in der Geschichte. Am härtesten trifft es jene, die bereits jetzt unter Hunger, der Klimakrise und Konflikten leiden – darunter vor allem Frauen und Mädchen. Wenn Nahrung knapp wird, verzichten sie oft als Erste auf Mahlzeiten“, warnt Robyn Savage, CARE-Direktorin für weltweite Nothilfeeinsätze.
CARE fordert sofortiges Handeln
Die Wiederöffnung der Straße von Hormus ist entscheidend, damit humanitäre Hilfe Kinder, Frauen und Familien in Krisengebieten erreichen kann. Selbst bei einer sofortigen Wiedereröffnung werden die Lieferketten noch monatelang gestört bleiben.
CARE fordert die internationale Gemeinschaft auf, humanitären Zugang sicherzustellen und die Finanzierung humanitärer Hilfe deutlich auszuweiten. Dazu gehört insbesondere die Unterstützung lokaler und von Frauen geführter Organisationen, die in Krisengebieten an vorderster Front arbeiten. Robyn Savage ergänzt: „Ein anhaltender, inklusiver und umfassender Waffenstillstand ist der einzige Weg, um die Zivilbevölkerung zu schützen und eine globale Hungerkrise zu verhindern. Humanitäre Hilfe muss sicher, vollständig und ungehindert alle Menschen in akuter Not erreichen können.“
Stephanie Weber
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