Archiv der Kategorie: Humanitäre Hilfe

PA: Jugend Eine Welt: Dürre und neue Kämpfe verschärfen Hungerkrise in Tigray

Jugend Eine Welt warnt anlässlich des Welternährungstags vor Hungerkatastrophe in Nordäthiopien | Projektpartner setzen Hilfe vor Ort trotz schwieriger Sicherheitslage fort.

Ausgebliebener Regen, massive Ernteausfälle und erneut aufgeflammte bewaffnete Auseinandersetzungen verschärfen die humanitäre Krise in der nordäthiopischen Region Tigray. Beispielgebend für eine „vergessene Krise“ warnt die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt daher anlässlich des „Welternährungstags“ am 16. Oktober vor einer weiteren dramatischen Verschlechterung der Versorgungslage. „Nach dem Bürgerkrieg und all seinen schrecklichen Auswirkungen haben die anhaltende Trockenheit und die nun wieder aufgeflammten Kampfhandlungen die äußerst prekäre Nahrungsmittellage in der Tigray-Region zusätzlich verschärft. Lebensmittel und sauberes Trinkwasser sind vielerorts kaum noch verfügbar, die Preise für verbliebene Waren steigen und Transportwege sind durch Straßensperren und Sicherheitsrisiken blockiert“ , erzählt Wolfgang Wedan, Globaler Nothilfe-Koordinator von Jugend Eine Welt . Der erfahrene Katastrophenmanager machte sich erst vor weniger Tagen, gemeinsam mit Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Reinhard Heiserer und Philippa Belcredi, Leiterin der Programm-Abteilung der österreichischen Entwicklungsorganisation, vor Ort ein Bild der Lage. „Die Menschen kämpfen wirklich ums tägliche Überleben.“

 Ausgebliebener Regen lässt Ernten verdorren
Die Folgen des Wetterphänomens El Niño sind in Tigray deutlich spürbar. In Teilen der Region sind die lebenswichtigen Regenfälle ausgeblieben. Die Ernte des traditionellen Getreides Teff, aus dessen Mehl unter anderem das äthiopische Fladenbrot Injera hergestellt wird, ist stark beeinträchtigt. Für viele Familien fehlt damit eine zentrale Grundlage ihrer Ernährung. Auch die Nutztiere leiden unter dem Mangel an Wasser und Futter. Kühe und Ziegen verhungern oder müssen notgeschlachtet werden, weil ihre Versorgung nicht mehr gewährleistet ist.

Besonders prekär ist die Lage im Norden und Osten Tigrays, unter anderem rund um die Stadt Adigrat, wo die langjährigen Jugend Eine Welt-Projektpartner, die Salesianer Don Boscos, seit Jahrzehnten tätig sind. Lebensmittel sind auf den Märkten kaum erhältlich oder für viele Menschen unerschwinglich. Geschlossene Banken erschweren den Zugang zu Bargeld. Selbst wer noch über finanzielle Mittel verfügt, kann sich daher oft nicht ausreichend mit dem Lebensnotwendigen versorgen. „Die Dürre und der erneute Konflikt verstärken sich gegenseitig. Wenn die Ernten ausfallen, fehlt den Familien ihre wichtigste Nahrungsquelle. Wenn gleichzeitig die Transportwege blockiert sind, kommen auch dringend benötigte Lebensmittel und Hilfsgüter nicht ausreichend an. Wir müssen alles daransetzen, dass die Menschen jetzt versorgt werden. Denn wenn die letzten Vorräte aufgebraucht sind, droht eine schwere Hungerkatastrophe“ , befürchtet Wedan.

Jugend Eine Welt-Nothilfe läuft trotz neuer Kämpfe weiter Gemeinsam mit den Salesianern setzt Jugend Eine Welt die bestehenden Hilfsmaßnahmen in Tigray fort. Das Programm „Hope for Tigray“, das von der Austrian Development Agency im Rahmen von International Partnerships Austria gefördert wird, verbindet akute Nothilfe mit Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung von Kindern und Jugendlichen. Zu den Hilfsleistungen gehören die Versorgung mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser sowie die Bereitstellung von Nahrungsergänzung für mangelernährte Kinder, Schwangere und stillende Mütter. „Bei Säuglingen und Kindern ist die Mangelernährung mittlerweile stark ausgeprägt, es fehlt ihnen an Supplementär-Nahrung. Babys sind zu klein, zu leicht und oft krank. Stillende Mutter verfügen über weniger Muttermilch“ , schildert Wedan seine Eindrücke.

    Schauen Sie nicht weg, sondern helfen Sie! Darüber hinaus bleiben die derzeit aus Sicherheitsgründen geschlossenen Schulen der Salesianer weiterhin eine wichtige Anlaufstelle. „Die Lehrkräfte sind vor Ort. Gemeinsam bieten sie Nachmittagsunterricht und Nachhilfe an“ , so der Globale Nothilfe- Koordinator von Jugend Eine Welt. Zudem erhalten Betroffene psychosoziale Unterstützung und Kinder finden in eigens gestalteten Bereichen – sogenannten Child Friendly Spaces – geschützte Räume zum Spielen, Lernen und zur Verarbeitung belastender Erlebnisse. „Unsere Partner vor Ort lassen die Menschen nicht im Stich. Sie bleiben an der Seite der notleidenden Bevölkerung und setzen ihre Arbeit trotz der schwierigen Umstände fort“ , fasst Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt , zusammen. „Doch ohne fremde Unterstützung geht das nicht. Es braucht dringend Spenden, damit Nahrung, Wasser und lebensnotwendige Hilfe die Menschen erreichen. Ich bitte Sie: Schauen Sie nicht weg, sondern helfen Sie!“

    Wolfgang Wedan, Globaler Nothilfe-Koordinator von Jugend Eine Welt, steht für ein weiterführendes Interview gerne zur Verfügung.

    Die Austrian Development Agency (ADA) übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt von Kommunikationsmaterialien, die von Partnerorganisationen erstellt wurden. Die darin enthaltenen Aussagen, Meinungen und Informationen liegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Autorinnen und Autoren und spiegeln nicht notwendigerweise die Position oder Haltung der ADA wider.

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Rückfragehinweis:
Jugend Eine Welt | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Thomas Zach, MA
Telefon: +4366488632574
E-Mail: thomas.zach@jugendeinewelt.at
Website: https://www.jugendeinewelt.at


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PA: Welternährungstag: ADA fördert Innovationen gegen Hunger

Obwohl weltweit genügend Lebensmittel produziert werden, leiden hunderte Millionen Menschen an Hunger. Darauf macht der Welternährungstag am 16.10. aufmerksam. Mit aktuell 86 Projekten trägt die Austrian Development Agency (ADA) zu mehr Ernährungssicherheit in Ländern des Globalen Südens bei. Allein mit direkter Nahrungsmittelhilfe erreichte sie 2025 über 850.000 Menschen.

Die Austrian Development Agency (ADA) setzt sich für nachhaltige und resiliente Ernährungssysteme ein. Aktuell fördert Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe 86 Projekte zur Stärkung der Ernährungssicherheit in Ländern des Globalen Südens. Allein durch direkte Nahrungsmittelhilfe erreichte sie im vergangenen Jahr mehr als 850.000 Menschen.
 
Investition in Stabilität und Sicherheit
„Für Ernährungssicherheit einzutreten, bedeutet weit mehr, als Hunger zu bekämpfen. Mit den von uns geförderten Projekten schaffen wir Perspektiven für die Menschen in unseren Partnerländern und stärken Gemeinschaften gegenüber Krisen, Klimaereignissen und Preisschocks. Investitionen in Ernährungssysteme sind daher Investitionen in Stabilität und Sicherheit“, betont Bernd Brünner, Geschäftsführer der Austrian Development Agency, anlässlich des morgigen Welternährungstags.
 
Durchdachte Maßnahmen für langfristige Wirkung
Die von der Austrian Development Agency geförderten Projekte setzen an verschiedenen Stellen von Ernährungssystemen an: bei einer nachhaltigen Landwirtschaft, bei starken kleinbäuerlichen Familienbetrieben und bei funktionierenden lokalen Märkten. Die ADA und ihre Partner unterstützen Bäuerinnen und Bauern dabei, ihre Landwirtschaft an die Folgen des Klimawandels anzupassen, ihre Produktion zu verbessern und ihre Produkte erfolgreich zu vermarkten. Dafür braucht es auch bessere Infrastruktur, Beratung und Zugang zu Finanzdienstleistungen. So entstehen Einkommen und Arbeitsplätze sowie lokale Wertschöpfung. Menschen können sich langfristig besser mit sicheren Lebensmitteln versorgen. Wichtig ist, dass benachteiligte Bevölkerungsgruppen nicht zurückgelassen werden: Auch sie sollen ihre Interessen einbringen können und einen fairen Zugang zu wichtigen Ressourcen – von Wasser bis Finanzierung – erhalten.  
 
ADA und WFP stärken Innovationen gegen Hunger
Ganz im Sinne des Mottos des Welternährungstags 2026 „Innovate today. Nourish tomorrow.“ verfolgt die österreichische Entwicklungszusammenarbeit innovative Ansätze als Schlüssel für mehr Ernährungssicherheit. Mit ihrer Unterstützung des Innovation Accelerator des Welternährungsprogramms (World Food Programme, WFP) etwa fördert die Austrian Development Agency Technologien, die helfen, Hunger wirksam zu mindern und Ernährungssysteme widerstandsfähiger zu machen.
 
„Der Welternährungstag erinnert daran, dass Innovation eine starke Triebkraft für globale Ernährungssicherheit ist. Gemeinsam mit der Austrian Development Agency investieren wir in mutige Innovationen und vielversprechende Initiativen, die entscheidende Herausforderungen in der Nothilfe und in Ernährungssystemen bewältigen – auch in einigen der fragilsten Regionen der Welt“, sagt Bernhard Kowatsch, Leiter des WFP Innovation Accelerators.
 
Zu den über den Innovation Accelerator des WFP geförderten Ideen zählt etwa ein Dosiergerät für Getreidemühlen in Afrika, das automatisiert wichtige Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe ins Mehl mischt. So erreichen nährstoffreichere Grundnahrungsmittel Menschen direkt über ihre tägliche Ernährung und tragen dazu bei, Mangelernährung zu verringern. Ein weiteres Projekt schult Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WFP für den Einsatz spezieller geländegängiger Fahrzeuge. Dadurch gelangen Hilfsgüter auch bei Überschwemmungen und in schwer zugänglichen Regionen zuverlässig zu betroffenen Menschen. Eine große Herausforderung für die Ernährungssicherheit sind zudem Verluste nach der Ernte. Um diese zu verringern, fördert der Innovation Accelerator Lösungen, die Lebensmittel besser vor Verderb schützen und Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dabei helfen, mehr von ihrer Ernte zu bewahren, etwa anhand spezieller luftdichter Lagerungssäcke.
 
Hunger ist kein unvermeidbares Schicksal
Weltweit wurden über Jahrzehnte signifikante Fortschritte im Kampf gegen Hunger erzielt. Nach deutlichen Rückschlägen rund um die COVID-19-Pandemie verbessert sich die Situation seit einigen Jahren wieder leicht: Laut den jüngsten Zahlen der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) waren 2025 rund 645 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Damit war der weltweite Anteil hungernder Menschen erstmals wieder niedriger als 2015. Regional gibt es jedoch große Unterschiede: Während sich die Lage in Teilen Asiens verbessert hat, hat sich das Zentrum des globalen Hungers zunehmend nach Afrika verlagert. Hier leben inzwischen 48 Prozent der weltweit hungernden Menschen, im Jahr 2010 waren es 28 Prozent. Fortschritte im Kampf gegen Hunger sind fragil, aber sie sind möglich.
 
Austrian Development Agency
Die Austrian Development Agency (ADA) ist Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. Die ADA arbeitet mit internationalen Organisationen, öffentlichen Stellen, der Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen und Unternehmen in Afrika, Asien, Südost- und Osteuropa zusammen. Gemeinsam mit den Menschen in Österreichs Partnerländern schafft die ADA bessere Lebensbedingungen in deren Heimat – etwa durch Aus- und Weiterbildung, die Förderung von Kleinunternehmen oder innovative Lösungen für Wasserversorgung und Landwirtschaft. Armut mindern, Frieden fördern und Umwelt schützen stehen im Zentrum ihrer Arbeit. Für ein gutes Leben und eine sichere Zukunft für alle.

Rückfragehinweis:
Austrian Development Agency (ADA),
Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe
Mag.a Katharina Schreiber
Tel.: +43 1 903 99-2410
Mobil: +43 676 839 03 410
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PA: Exklusiver Bericht von Aktion gegen den Hunger: Zwei Drittel der Menschen in hoher akuter Ernährungsunsicherheit leben in nur zehn Ländern

Anlässlich des Welternährungstags am 16. Oktober veröffentlicht Aktion gegen den Hunger den „Hungerkrisen-Report 2026“. Der Bericht zeigt: Weltweit litten im Jahr 2025 rund 266 Millionen Menschen in 47 Ländern unter hoher akuter Ernährungsunsicherheit. Damit hat sich die Zahl der Betroffenen innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt. Besonders alarmierend: Zwei Drittel davon leben in nur zehn Ländern.

  • 266 Millionen Menschen waren 2025 in 47 Ländern von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. (Das bedeutet kein verlässlicher Zugang zu ausreichender und angemessener Nahrung und dadurch eine Gefährdung von Gesundheit, Lebensgrundlagen und Leben). An chronischem Hunger leiden sogar 645 Millionen Menschen.
  • 177 Millionen Menschen, die von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind, leben in nur zehn Ländern. Sie machen rund zwei Drittel der weltweiten Gesamtzahl von hoher akuter Ernährungsunsicherheit aus.
  • – 59 Prozent: Rückgang der humanitären Hilfe für den Ernährungssektor in Krisenkontexten zwischen 2022 und 2025.
  • Zwei Hungersnöte: 2025 wurden Hungersnöte in Teilen des Gazastreifens und des Sudan bestätigt.
  • 30 Millionen: Zahl der Kinder, die in den analysierten Ländern unter akuter Mangelernährung leiden.

Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und der Sudan verzeichnen die höchste Zahl von Menschen in hoher akuter Ernährungsunsicherheit. Allein in diesen drei Ländern leben nahezu ein Drittel der Betroffenen. In den zehn größten Ernährungskrisen der Welt leiden insgesamt 177 Millionen Menschen unter hoher akuter Ernährungsunsicherheit. Die Zahl der Menschen, die von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind, hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt, während die humanitäre Hilfe für Ernährungssicherheit in Krisenkontexten seit 2022 um 59 Prozent zurückgegangen ist. 

„Hunger konzentriert sich zunehmend auf wenige Länder, die gleichzeitig von Konflikten, Vertreibung, Klimaschocks und dem Zusammenbruch grundlegender Infrastruktur geprägt sind. Diese Krisen verstärken sich gegenseitig und treiben Millionen Menschen in die Not“, erklärt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger. 

Nigeria, DR Kongo und Sudan führen die Rangliste an 

Der erstmals von Aktion gegen den Hunger auf Deutsch veröffentlichte Bericht erstellt ein Ranking der zehn Länder mit der höchsten absoluten Zahl von Menschen, die unter hoher akuter Ernährungsunsicherheit leiden. Grundlage sind Daten des Global Report on Food Crises (GRFC) sowie die Hunger Hotspots-Analysen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und des Welternährungsprogramms (WFP), ergänzt durch die Beobachtungen und Analysen der Teams von Aktion gegen den Hunger vor Ort. 

Die zehn größten Ernährungskrisen weltweit im Jahr 2025 sind (gemessen an der Zahl der Menschen in hoher akuter Ernährungsunsicherheit): 

  • Nigeria (30,6 Mio.) 
  • Demokratische Republik Kongo (27,7 Mio.) 
  • Sudan (24,6 Mio.) 
  • Jemen (18,1 Mio.) 
  • Afghanistan (17,4 Mio.) 
  • Myanmar (16,7 Mio.) 
  • Bangladesch (16,0 Mio.) 
  • Pakistan (11,0 Mio.) 
  • Südsudan (7,8 Mio.) 
  • Syrien (7,2 Mio.) 

Neu in der Rangliste ist der Südsudan. Dort sind inzwischen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. 

Rückläufige Zahlen bedeuten keine Entwarnung 

Gegenüber 2024 sank die Zahl der von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen in diesen zehn Ländern von rund 197 auf 177 Millionen. Dieser Rückgang sollte jedoch nicht als Zeichen einer Verbesserung verstanden werden. Maßgeblich sind vor allem Datenlücken.  

Einige wichtige Krisenländer konnten in der aktuellen Erhebung nicht berücksichtigt werden, darunter Äthiopien, wo im Vorjahr rund 22 Millionen Menschen von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen waren. Gleichzeitig erschweren Kürzungen der humanitären Finanzierung die Erhebung verlässlicher Hungerdaten. 

Immer weniger Hilfe für immer mehr Menschen 

Während der Bedarf steigt, gehen die verfügbaren Mittel für die Bekämpfung von Hunger zurück. Die Finanzierung humanitärer Ernährungshilfe in Krisenkontexten sank zwischen 2022 und 2025 um rund 59 Prozent und liegt damit wieder auf dem Niveau von 2016/17. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der Menschen in hoher akuter Ernährungsunsicherheit verdoppelt. 

Wie groß die Finanzierungslücke ist, zeigen beispielhaft diese Zahlen für 2025: In Syrien waren lediglich 15,9 Prozent des Bedarfs finanziert, in Myanmar 26 Prozent, in der Demokratischen Republik Kongo 28 Prozent sowie im Sudan und Südsudan jeweils 45 Prozent. 

„Wir sind zunehmend gezwungen, lebenswichtige Programme einzustellen, während der Unterstützungsbedarf gleichzeitig wächst. Oftmals können wir nur noch lebensrettende Soforthilfe leisten, während wir langfristig angelegte Projekte beenden müssen, die Menschen dabei helfen, widerstandsfähiger zu werden und sich selbst zu versorgen. Die Folge ist ein Teufelskreis kurzfristiger Krisenreaktionen: Wir reagieren dann immer wieder auf die gleichen Notsituationen, weil es zu wenig Ressourcen gibt, um die Ursachen von Hunger zu bekämpfen“, warnt Jan Sebastian Friedrich-Rust. 

Wasser, Sanitärversorgung und Hunger eng miteinander verknüpft      

Die Ernährungskrise ist eine multiple Krise. In vielen der untersuchten Länder verschärfen Konflikte, Vertreibung, Klimaschocks und fehlende Finanzierung bereits bestehende Schwächen bei der Wasser- und Sanitärversorgung. Die Folgen sind ein Teufelskreis aus unsicherem Zugang zu Wasser, Krankheiten und Mangelernährung: Durchfallerkrankungen und Cholera verschärfen den Hunger, während Mangelernährung Menschen anfälliger für Infektionen macht.     

Wie gravierend die Folgen sein können, zeigt beispielsweise der Sudan: Mehr als 60 Prozent der Wasseraufbereitungsanlagen sind dort außer Betrieb. Seit Juli 2024 wurden mehr als 123.000 Cholerafälle und über 3.500 Todesfälle registriert. Auch die Demokratische Republik Kongo kämpft mit der schwersten Choleraepidemie der vergangenen 25 Jahre sowie den Auswirkungen der Ebola-Epidemie. Dort haben nur 43 Prozent der Bevölkerung Zugang zu einer grundlegenden Wasserversorgung und lediglich 15 Prozent zu grundlegenden Sanitäranlagen. Im Südsudan erreichte die Unterstützung bei der Wasser- und Sanitärversorgung nur 519.000 der rund fünf Millionen Menschen, die darauf angewiesen sind. In Afghanistan haben infolge der seit fünf Jahren andauernden Dürre 21 Millionen Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser.   

Hungerkrisen brauchen langfristige Antworten 

Die Analyse zeigt, dass sich die schwersten Ernährungskrisen auf Länder konzentrieren, in denen Konflikte, Vertreibung, Klimafolgen und politische Instabilität zusammentreffen. Gleichzeitig verhindern Zugangsbeschränkungen und fehlende Ressourcen, dass Hilfe viele Betroffene erreicht. 

Aktion gegen den Hunger fordert daher, den humanitären Zugang zu sichern, humanitäre Hilfe verlässlich und langfristig zu finanzieren und gleichzeitig in nachhaltige Lösungen zur Stärkung der Ernährungssicherheit zu investieren. 

„Um den Hunger wirksam zu bekämpfen, braucht es mehr als kurzfristige Nothilfe. Die internationale Gemeinschaft muss die Ursachen der Krisen angehen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen langfristig ein Leben ohne Hunger führen können. Hilfe ist nicht nur eine moralische Verpflichtung. Wer bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe kürzt, handelt kurzsichtig. Denn Hunger, Krisen und Instabilität verursachen langfristig ein Vielfaches mehr als die Kosten der Krisenprävention. Wer heute spart, verschiebt die Rechnung nur auf morgen und macht sie am Ende sogar deutlich teurer“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust. 

Der Bericht steht hier als Download zur Verfügung: https://www.aktiongegendenhunger.de/hunger-report.

Hinweis an die Redaktionen  

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 54 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 21,2 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 7.122 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

PA: ADA-Jahrestagung zeigt: Internationale Zusammenarbeit bleibt strategisch unverzichtbar 

Heute findet die Jahrestagung der Austrian Development Agency (ADA) in der Wiener Urania statt. Das Thema: Entwicklungszusammenarbeit im Wandel. GIZ-Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel, ICMPD-Generaldirektorin Susanne Raab und MED-EL-Geschäftsführerin Ingeborg Hochmair gewähren Einblicke in Partnerschaften mit der ADA. Ihre gemeinsame Botschaft: Internationale Zusammenarbeit ist kein Zusatz, sondern Voraussetzung für Stabilität, Sicherheit und nachhaltige Entwicklung.

Wien, 10. September 2026 – Heute Donnerstag findet die Jahrestagung der Austrian Development Agency (ADA) statt. Rund 120 Gäste – in erster Linie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ADA sowie der Sektion für Internationale Partnerschaften und Humanitäre Hilfe im österreichischen Außenministerium – beschäftigen sich in der Wiener Urania mit dem übergreifenden Thema von Entwicklungszusammenarbeit im Wandel und den sich daraus ergebenden Implikationen für Agenturen wie die ADA.

Appell für internationale Zusammenarbeit
Aber auch gewichtige Kooperationspartner wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, das International Centre for Migration Policy Development (ICMPD) und das Tiroler Familienunternehmen MED-EL, einer der weltweit führenden Hersteller und Entwickler von Hörimplantaten, leisten aktiv einen Beitrag zum Programm der Veranstaltung. Ihre Arbeitsbereiche sind genauso wie jene der ADA mit den sich aktuell rapide verändernden geopolitischen Rahmenbedingungen konfrontiert.

Der gemeinsame Appell von GIZ-Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel, ICMPD-Generaldirektorin Susanne Raab sowie MED-EL-Geschäftsführerin Ingeborg Hochmair lautet daher klar: Globale Herausforderungen lassen sich nicht im Alleingang lösen. Es braucht verlässliche internationale Partnerschaften und Entwicklungsagenturen, die Sicherheit stärken, Perspektiven schaffen und nachhaltige Entwicklung konkret wirksam machen.

Brünner: „Interessen Österreichs in Einklang mit jenen unserer Partner bringen“
„Die Welt verändert sich, und das gefühlt so rasant wie noch nie. Für das Feld von Entwicklungszusammenarbeit und ganz konkret unsere Arbeit als Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe bedeutet das, dass auch wir uns verändern müssen, wenn wir relevant bleiben und Österreichs Außenpolitik weiterhin wirkungsvoll mitgestalten wollen. Unsere Gäste aus den Bereichen europäische Kooperation, Migration und Wirtschaft verdeutlichen, wie starke Partnerschaften dazu beitragen können, die Interessen Österreichs und jene unserer Partnerländer in Einklang zu bringen“, betont ADA-Geschäftsführer Bernd Brünner.

Schäfer-Gümbel: „Partnerschaften sind strategisches Kapital“
Das bestätigt auch GIZ-Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel in seiner Keynote: „Internationale Zusammenarbeit ist wichtiger denn je. Sie sorgt dafür, dass Konflikte entschärft werden, bevor sie eskalieren. Sie schafft Perspektiven, bevor Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Sie hilft dabei, dass Lieferketten funktionieren, Märkte und verlässliche Partnerschaften entstehen. Wir machen weit mehr als Wohltätigkeit, wir arbeiten an einer tragfähigen Zukunft. Frieden braucht Entwicklung. Im ,Team Europe‘ arbeiten ADA und GIZ seit Jahren vertrauensvoll zusammen – zuletzt in Serbien und in Moldau. Solche Partnerschaften sind unser strategisches Kapital.“

Raab: „Bereiche stärker zusammendenken und Kooperation gezielt weiterentwickeln“
„Migration, Entwicklung und internationale Zusammenarbeit sind eng miteinander verbunden. Um nachhaltige Perspektiven zu schaffen, müssen wir diese Bereiche stärker zusammendenken und unsere Kooperation gezielt weiterentwickeln. Im Mittelpunkt steht dabei ein klares Ziel: den Menschen in unseren Partnerländern bessere Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben in Sicherheit und Würde zu ermöglichen. Die diesjährige ADA-Jahrestagung ist zweifellos ein wichtiger Baustein, um Partnerschaften zu stärken und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen“, betont ICMPD-Generaldirektorin Susanne Raab.

Hochmair: „Innovation wird zu nachhaltiger Entwicklung“
MED-EL-Geschäftsführerin Ingeborg Hochmair ergänzt: „Gutes Hören öffnet Türen zu Bildung, Arbeit und Teilhabe – überall auf der Welt. Seit 2018 bauen wir gemeinsam mit der Austrian Development Agency in Afrika und Asien Strukturen auf, die bleiben: ausgebildete Fachkräfte, Hörscreenings für Neugeborene und lokale Versorgung, wo es sie bisher kaum gab. Diese Partnerschaft zeigt, wie viel entsteht, wenn öffentliche Hand und Unternehmen ihre Stärken bündeln – Innovation wird so zu nachhaltiger Entwicklung, gerade in unsicheren Zeiten.“ MED-EL und die ADA arbeiten seit 2018 zusammen, um die Verbesserung von Gesundheitssystemen im Bereich Hörgesundheit voranzutreiben – zuletzt in 14 Ländern Afrikas südlich der Sahara sowie Südasiens.

ADA-Bilanz 2025: Gemeinsam mit Partnern 446 Vorhaben möglich gemacht
Die Ergebnisse der ADA sprechen für sich: Mit dem vom Außenministerium zur Verfügung gestellten Kernbudget, Mitteln aus dem Auslandskatastrophenfonds der österreichischen Bundesregierung sowie zusätzlich akquirierten Drittmitteln machte Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe im vergangenen Jahr gemeinsam mit ihren Partnern 446 Projekte möglich – und konnte dadurch viel bewegen: In der Ukraine und ihren Nachbarländern etwa erhielten 120.000 Menschen lebensrettende Nothilfe und psychosoziale Unterstützung sowie Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Über 2,8 Millionen Menschen erhielten Zugang zu Trinkwasser, während Nahrungsmittelhilfe aus Österreich mehr als 850.000 Menschen erreichte, 13 Naturschutzgebiete gestärkt und fast 50 Kooperationen mit österreichischen und europäischen Unternehmen umgesetzt wurden.

Austrian Development Agency
Die Austrian Development Agency (ADA) ist Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. Die ADA arbeitet mit internationalen Organisationen, öffentlichen Stellen, der Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen und Unternehmen in Afrika, Asien, Südost- und Osteuropa zusammen. Gemeinsam mit den Menschen in Österreichs Partnerländern schafft die ADA bessere Lebensbedingungen in deren Heimat – etwa durch Aus- und Weiterbildung, die Förderung von Kleinunternehmen oder innovative Lösungen für Wasserversorgung und Landwirtschaft. Armut mindern, Frieden fördern und Umwelt schützen stehen im Zentrum ihrer Arbeit. Für ein gutes Leben und eine sichere Zukunft für alle.

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Austrian Development Agency (ADA),
Österreichs Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe
Mag.a Katharina Schreiber
Tel.: +43 1 903 99-2410
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Aviso – Pressekonferenz am Welttag der Humanitären Hilfe: NGOs legen Empfehlungen für Österreichs UN-Sicherheitsratssitz vor

Int. Expert*innen beleuchten am 19. August verheerende Kaskadeneffekte aktueller Krisen – österreichische Hilfsorganisationen regen humanitäres Engagement im Sicherheitsrat an.

Österreich hat für seine zweijährige Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat unter anderem den Schutz von Zivilpersonen und die Einhaltung des Humanitären Völkerrechts zu Schwerpunkten erklärt, zwei der derzeit größten humanitären Herausforderungen.

Bei einer Pressekonferenz anlässlich des Welttags der Humanitären Hilfe am 19. August werden internationale Expert*innen die verheerenden Kaskadeneffekte weltweiter Krisen und Konflikte aus wissenschaftlicher und multilateraler Perspektive beleuchten.

Anschließend legen die Trägerorganisationen des Humanitarian Congress Vienna – AG Globale Verantwortung, Ärzte ohne Grenzen, Caritas Österreich und Österreichisches Rotes Kreuz – konkrete Empfehlungen vor, wie Österreich seine Schwerpunkte im Sicherheitsrat für mehr humanitäres Engagement und die Durchsetzung des Humanitären Völkerrechts nutzen kann.

Sprecher*innen
Joyce Msuya, ehem. beigeordnete UN-Generalsekretärin für humanitäre Angelegenheiten und stellv. Nothilfekoordinatorin (OCHA), online zugeschalten, auf Englisch
Peter Klimek, Komplexitätsforscher am Complexity Science Hub und Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria 
Sabine Wartha, stellv. Leitung Internationale Programme der Caritas Österreich 
Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes
Roland Suttner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich
Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung

Details zur Pressekonferenz
19. August 2026, 09:30 Uhr
Presseclub Concordia, Bankgasse 8, 1010 Wien

Bitte melden Sie sich per E-Mail an presse@globaleverantwortung.at an.

Die anwesenden Sprecher*innen stehen anschließend für Interviews zur Verfügung.

Hintergrund
Bewaffnete Konflikte und geopolitische Spannungen, Extremwetterereignisse, Störungen globaler Lieferketten, Preissteigerungen und politische Instabilität verstärken sich gegenseitig. Sie erzeugen weitreichende Kaskadeneffekte und zusätzliche humanitäre Bedarfe.
So beeinträchtigt die jüngste Eskalation rund um den Iran und die Straße von Hormus die zivile Schifffahrt und weltweite Energie- und Lieferketten und wirkt sich in weiterer Folge auf Lebensmittel- und Düngemittelpreise, die Versorgungssicherheit und humanitäre Logistik aus.
Das sich verstärkende El-Niño-Wetterphänomen erhöht in vielen Regionen das Risiko von Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfällen.
Gleichzeitig häufen sich Verstöße gegen das Humanitäre Völkerrecht: Konfliktparteien setzen Aushungern als Kriegsmethode ein, greifen Gesundheitspersonal und medizinische Einrichtungen an und behindern den Zugang notleidender Menschen zu Humanitärer Hilfe. Sie zerstören Nahrungsmittelvorräte, Wasserinfrastruktur und landwirtschaftliche Lebensgrundlagen.
Neue Technologien wie autonome und KI-gestützte Waffensysteme werfen zusätzliche Fragen nach menschlicher Kontrolle und Verantwortlichkeit in Kriegen auf. Diese und weitere humanitäre Herausforderungen werden die Expert*innen bei der Pressekonferenz besprechen.

Rückfragehinweis
Hannah Hauptmann
AG Globale Verantwortung
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
presse@globaleverantwortung.at
01/522 44 22 – 15

      

PA: Behindertenanwältin und Licht für die Welt warnen: Menschen mit Behinderungen bei Katastrophen in größerer Gefahr

Welttag der Humanitären Hilfe: Menschen mit Behinderungen oft in Lebensgefahr

Extreme Wetterereignisse, wie Hitze, Dürre und Überschwemmungen häufen sich durch die Klimakrise. Das ist in Österreich wie in anderen Teilen der Welt deutlich merkbar. Zum internationalen Tag der humanitären Hilfe am 19. August machen die Anwältin für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen, Christine Steger, und Licht für die Welt auf die Vulnerabilität von Menschen mit Behinderungen und älteren Personen aufmerksam.

Die Situation in Österreich
Menschen mit Behinderungen sind bei Katastrophen und humanitären Krisen besonders gefährdet: Frühwarnsysteme sind vielfach nicht barrierefrei zugänglich, Evakuierungsrouten und Notunterkünfte nicht barrierefrei gestaltet und in der Notfallplanung werden ihre Bedarfe häufig nicht mitgedacht. Die Folge ist, dass Menschen mit Behinderungen bei Katastrophen ein deutlich höheres Risiko tragen, zurückgelassen, verletzt oder gar getötet zu werden. Die UN- Behindertenrechtskonvention verpflichtet Österreich jedoch in Art. 11 ausdrücklich dazu, den Schutz und die Sicherheit von Menschen mit Behinderungen in Gefahrensituationen und humanitären Notlagen sicherzustellen.

„Katastrophenschutz, der Menschen mit Behinderungen nicht von Anfang an mitdenkt, funktioniert nicht für alle. Das ist keine Frage des Schicksals, sondern eine Frage der Planung“, sagt Behindertenanwältin, Christine Steger. „Menschen mit Behinderungen dürfen nicht nur Objekt von Hilfsmaßnahmen sein. Sie müssen als Expert:innen in eigener Sache von Anfang an in Prävention, Katastrophenschutz und Wiederaufbau einbezogen werden. Das gilt weltweit genauso wie in Österreich, wo wir angesichts von Hitzewellen, Muren und Hochwasser ebenfalls gefordert sind, unsere Krisenpläne inklusiv zu gestalten.“

Inklusion in der Humanitären Hilfe
„Inklusion stellt sicher, dass niemand zurückgelassen wird. Fehlt Inklusion, läuft die humanitäre Hilfe Gefahr, sehr viele Menschen zu übersehen“, betont Jacqueline Bungart, Expertin für inklusive Humanitäre Hilfe bei Licht für die Welt. Laut Schätzungen der Disability Reference Group benötigen 48 Millionen Menschen mit Behinderungen humanitäre Hilfe. 80% aller Menschen mit Behinderungen leben in Ländern des Globalen Südens.
Ein wichtiger Teil der humanitären Arbeit ist die Katastrophenhilfe vor, während und nach Katastrophen – etwa bei extremen Wetterereignissen infolge der Klimakrise wie Zyklonen und Überschwemmungen.

Recht auf Beteiligung
Licht für die Welt setzt sich für inklusive humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit ein. “Wir stellen sicher, dass Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen bei der Katastrophenhilfe in die Prävention (z.B. Frühwarnsysteme), die Antwort auf Katastrophen ( z.B. Evakuierungspläne) wie auch in die Unterstützung danach (z.B. Wiederaufbau) einbezogen sind. Darauf haben sie auch gemäß der UN- Behindertenrechtskonvention ein Recht.

Datenlücke in der internationalen humanitären Hilfe
“Wir sehen einen Anstieg humanitärer Krisen in den afrikanischen Ländern, in denen wir arbeiten. Menschen mit Behinderungen scheinen wie ältere Menschen in Daten oft nicht auf”, stellt Jacqueline Bungart fest. Das führt bei Katastrophen oft dazu, dass sie übersehen werden, da ihre Bedürfnisse in der Planung von zB. Evakuierungsplänen nicht bedacht wurden. Mit dem „Survey for Inclusive Rapid Assessment“ (SIRA) unterstützt Licht für die Welt humanitäre Akteure Barrieren für Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen für den Krisenfall zu identifizieren und sicherzustellen, dass diese mitgedacht werden. Insbesondere setzt sich Licht für die Welt dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen in Prozesse eingebunden werden und somit beteiligt sind, wirksame Lösungen zu finden.

Datenlücke auch in Österreich
Auch in Österreich fehlt es an einer verlässlichen Datengrundlage: Der Nationale Aktionsplan Behinderung 2022–2030 (NAP II) hält fest, dass es an ausreichenden Vorkehrungen für Not- und Katastrophenfälle mangelt, um zielgerichtet auf die speziellen Anforderungen von Menschen mit Behinderungen reagieren zu können, insbesondere weil eine detaillierte Datenlage zu Anzahl, gewöhnlichem Aufenthalt und individuellen Bedarfen (etwa bei Mobilität, Grundversorgung oder Medikamenten) fehlt.
„Wer im Ernstfall nicht erfasst ist, wird leicht übersehen“, sagt Behindertenanwältin, Christine Steger. „Der NAP II sieht daher zu Recht vor, dass diese Datenlücke geschlossen wird. Jetzt kommt es auf eine rasche und datenschutzkonforme Umsetzung an, gemeinsam mit den Organisationen von Menschen mit Behinderungen.“

Weitere Informationen: https://www.light-for-the-world.org/news/a-new-tool-for- disability-data-in-crises/
Disability inclusion in Disaster Risk Reduction

Rückfragehinweis:
Anwältin für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen
Mag.a Christine Steger
Telefon: 066478761504
E-Mail: office@behindertenanwaltschaft.gv.at

PA: Afghanistan: 21,9 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe – Mittelkürzungen treffen Mütter und Kinder am härtesten

Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban verschärft sich die humanitäre Krise. CARE warnt: Ohne langfristige internationale Unterstützung drohen Millionen Menschen, insbesondere Frauen und Mädchen, den Zugang zu lebenswichtiger Hilfe zu verlieren.

Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban steckt Afghanistan weiterhin in einer der größten humanitären Krisen weltweit. 21,9 Millionen Menschen – fast die Hälfte der Bevölkerung – benötigen humanitäre Hilfe. Fast 3,7 Millionen Kinder unter fünf Jahren sowie 1,2 Millionen schwangere und stillende Frauen leiden an akuter Mangelernährung. Gleichzeitig verschärfen Klimaschocks, Naturkatastrophen, wirtschaftliche Not, Binnenvertreibung und die große Zahl afghanischer Rückkehrer:innen aus dem Ausland den Druck auf ohnehin stark belastete Gemeinschaften.

Während der humanitäre Bedarf steigt, geht die internationale Finanzierung zurück, warnt die Hilfsorganisation CARE: Der Hilfsplan der Vereinten Nationen für Afghanistan ist 2026 bislang nur zu rund einem Viertel finanziert. Die Folgen sind bereits spürbar: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mussten seit Jänner rund 150 Gesundheitseinrichtungen ihren Betrieb einstellen. Auch CARE musste in diesem Jahr 30 Kliniken schließen.

„Nothilfe bleibt unverzichtbar, sie allein reicht aber nicht aus“, sagt Mohammad Akmal Shareef, CARE-Länderdirektor in Afghanistan. „Die Menschen brauchen Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung, sichere Lebensgrundlagen und die Chance, sich eine Zukunft aufzubauen. Dafür braucht es langfristige internationale Unterstützung und starke lokale Organisationen – insbesondere für Frauen, Mädchen und junge Menschen.“

Höchste Müttersterblichkeitsrate in Asien

Die Einschränkung afghanischer Frauen und Mädchen bei Bildung, Arbeit, Bewegungsfreiheit, Gesundheitsversorgung und gesellschaftlicher Teilhabe begrenzt ihre Rechte und Zukunftschancen massiv. Mehr als zehn Millionen Frauen und Mädchen benötigen humanitäre Hilfe. Gleichzeitig wird es ohne ausgebildete Ärztinnen, Lehrerinnen, Pflegekräfte und humanitäre Helferinnen zunehmend schwieriger, Frauen und Mädchen zu unterstützen. Gerade für schwangere Frauen kann fehlende medizinische Versorgung lebensbedrohlich sein. Mit 638 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten weist Afghanistan die höchste Müttersterblichkeitsrate in Asien auf.

Langfristige internationale Unterstützung notwendig

CARE fordert die internationale Unterstützung für Afghanistan nicht weiter zurückzufahren, sondern langfristig abzusichern. „Die derzeit vergleichsweise stabile Sicherheitslage bietet die Chance, neben der dringend notwendigen Nothilfe stärker in Gesundheitsversorgung, Bildung, Existenzsicherung und die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften zu investieren“, so Shareef.

So hilft CARE: CARE arbeitet seit 1961 in Afghanistan. Im Jahr 2025 erreichte die Organisation rund 1,2 Millionen Menschen, 67 Prozent davon waren Frauen und Mädchen. Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützt CARE derzeit 32 Gesundheitseinrichtungen in den Provinzen Balkh, Paktya, Khost, Ghazni und Herat. Die Einrichtungen bieten medizinische Grundversorgung, Gesundheitsversorgung für Mütter und Neugeborene, Ernährungsangebote sowie psychische und psychosoziale Unterstützung. Darüber hinaus arbeitet CARE in den Bereichen Ernährungssicherheit, Existenzsicherung und Bildung. Gemeinsam mit afghanischen zivilgesellschaftlichen Organisationen setzt sich CARE dafür ein, dass Frauen und Mädchen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und anderen essenziellen Dienstleistungen erhalten und sich sicher und wirksam an der humanitären Hilfe beteiligen können.

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Stephanie Weber
Media Officer CARE Österreich

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PA: Afghanistan: Fünf Jahre Taliban-Herrschaft haben das Land in bittere Armut gestürzt

Diakonie Katastrophenhilfe und ihre Partner weiterhin vor Ort aktiv

Am 15. August 2026 jährt sich die erneute Machtübernahme der Taliban in Afghanistan zum fünften Mal. Seither haben politische und wirtschaftliche Instabilität, Vertreibung und die weitgehende Entrechtung von Frauen und Mädchen die humanitäre Krise im Land weiter verschärft. Rund 21,9 Millionen Menschen – etwa 45 Prozent der Bevölkerung – sind auf humanitäre Hilfe angewiesen (UNOCHA).

    „Das Leben in Afghanistan nach fünf Jahren Taliban-Herrschaft zu beschreiben, heißt, viele Superlative bemühen zu müssen“, betont Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. „Afghanistan gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und befindet sich auch 2026 in einer der größten humanitären Krisen weltweit.“

    Rund 30 Prozent der Menschen sind unterernährt. Grundbedürfnisse wie Nahrung, medizinische Versorgung und Bildung sind für viele nicht gesichert. Gleichzeitig steigen die Preise, während es kaum Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten gibt. Internationale Sanktionen, ein nur eingeschränkt funktionierendes Bankensystem sowie Schwierigkeiten beim Geld- und Warenverkehr verschärfen die wirtschaftliche Not zusätzlich.

    Hinzu kommt, dass zahlreiche Afghaninnen und Afghanen, die in den vergangenen Jahrzehnten in Nachbarländern wie Pakistan Schutz gesucht haben, zur Rückkehr gezwungen sind. Viele von ihnen kommen in ein Land zurück, in dem sie weder über eine Unterkunft noch über eine gesicherte Lebensgrundlage verfügen.

    Außerdem ist Afghanistan regelmäßig von Dürren und Ernteausfällen betroffen. Erdbeben, Erdrutsche und Überschwemmungen zerstören immer wieder Häuser, Infrastruktur und landwirtschaftliche Flächen. Die Folgen solcher Katastrophen treffen eine Bevölkerung, deren Widerstandskraft nach Jahrzehnten von Konflikten und Krisen weitgehend erschöpft ist.

Frauen und Mädchen aus dem öffentlichen Leben verdrängt

    Besonders dramatisch ist die Situation von Frauen und Mädchen. Bereits während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 waren ihre grundlegenden Rechte weitgehend außer Kraft gesetzt. Seit der erneuten Machtübernahme im Jahr 2021 wurden ihre Rechte abermals massiv eingeschränkt.

    Frauen und Mädchen sind weitgehend aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Sie dürfen zahlreiche öffentliche Einrichtungen wie Parks, Fitnessstudios oder Sportvereine nicht besuchen und an vielen öffentlichen Veranstaltungen nicht teilnehmen. Mädchen dürfen nach der sechsten Schulstufe keine weiterführende Schule besuchen. Frauen sind zudem beinahe vollständig aus der Arbeitswelt ausgeschlossen.

    Dennoch versuchen einige, weiterhin ein Einkommen zu erzielen – etwa durch Tätigkeiten von zu Hause aus, über Onlineplattformen, in privaten Haushalten, als Lehrerinnen für jüngere Schülerinnen oder in Teilen des Gesundheitswesens. Gerade bei der medizinischen Versorgung von Frauen sind weibliche Fachkräfte unverzichtbar, da Patientinnen vielfach nicht von Männern behandelt werden dürfen.

Hilfsorganisationen arbeiten unter schwierigen Bedingungen weiter

    Nach der erneuten Machtübernahme der Taliban verließen viele internationale Hilfsorganisationen sowie zahlreiche gut ausgebildete afghanische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Land. Andere setzen ihre Arbeit trotz der schwierigen Bedingungen fort.

    Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet in Afghanistan seit vielen Jahren mit Norwegian Church Aid zusammen. Die Partnerorganisation ist bereits seit den 1990er-Jahren im Land tätig und beschäftigt überwiegend einheimische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In den vergangenen Jahren unterstützte die Diakonie Katastrophenhilfe mithilfe von Spenden Menschen, die von den schweren Erdbeben in Herat und Kunar betroffen waren und besonders bedürftige Familien, die aus Pakistan abgeschoben wurden.

    Aktuell unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Familien dabei, eine berufliche Perspektive aufzubauen. Jeweils 55 Frauen und 55 Männer nehmen getrennt voneinander an bedarfsgerechten Ausbildungskursen teil.

    Die Teilnehmenden erwerben unter anderem Kenntnisse in den Bereichen Handarbeit, Schneiderei, Autoreparatur und Elektrotechnik. Ziel ist es, ihnen die Herstellung und den Verkauf eigener Produkte oder das Anbieten handwerklicher Dienstleistungen zu ermöglichen. Zusätzlich erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer finanzielle Unterstützung, damit sie die notwendigen Werkzeuge und Materialien anschaffen können. So sollen sie langfristig ein eigenes Einkommen erwirtschaften und ihre Familien selbstständig versorgen können.

Aufgrund der starken Kürzungen öffentlicher Fördermittel ist die Fortsetzung dieser Hilfsangebote zunehmend gefährdet. Die Diakonie Katastrophenhilfe und ihre Partner sind daher dringend auf Spenden angewiesen, um die Menschen in Afghanistan auch weiterhin unterstützen zu können.

  Rückfragehinweis:
Diakonie Österreich
Lukas Plank
Telefon: 0664 88 13 13 48
E-Mail: presse@diakonie.at

PA: CARE warnt vor El Niño: 172 Millionen Frauen und Mädchen droht Hunger

El-Niño bedroht die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen weltweit / Die Ausgangslage ist schlechter als beim bislang stärksten Auftreten von El-Niño in den Jahren 2015/16, warnt die Hilfsorganisation CARE.

Im Pazifik bahnt sich möglicherweise das stärkste El-Niño-Ereignis seit Jahrzehnten an – mit gravierenden Folgen für Millionen Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Die Hilfsorganisation CARE schlägt Alarm: In den am stärksten betroffenen Ländern sind bereits jetzt 172,3 Millionen Frauen und Mädchen von Ernährungsunsicherheit betroffen. El-Niño droht diese ohnehin prekäre Situation massiv zu verschlechtern.

Kritischere Ausgangslage als 2015/16

Das bislang stärkste El-Niño-Ereignis der jüngeren Geschichte traf 2015/16 rund 60 Millionen Menschen. Die aktuelle Ausgangslage ist jedoch viel schlechter: Konflikte, Epidemien und steigende Lebenshaltungskosten haben die Resilienz der betroffenen Menschen seither erheblich geschwächt – mit besonders gravierenden Auswirkungen auf Frauen und Mädchen. Wetterextreme wie Dürren sowie Überschwemmungen und ihre Folgen für die Ernährungssicherheit könnten bis 2027 anhalten.

Erschwerend kommt hinzu: Unterbrechungen der globalen Lieferketten und Mittelkürzungen machen Hilfsleistungen erheblich teurer und schwieriger. Seit der Schließung der Straße von Hormus sind die Behandlungskosten für ein mangelernährtes Kind um durchschnittlich 403 US-Dollar gestiegen. Allein für die bereits fast sieben Millionen betroffenen Kinder wären dadurch zusätzlich rund 2,75 Milliarden US-Dollar erforderlich – noch bevor sich El Niño vollständig bemerkbar macht.

Stimmen aus den Krisenregionen

„Mehrere philippinische Provinzen haben während des letzten El Niño 2024 den Notstand ausgerufen und sich bis heute nicht erholt. Dieser neue El Niño trifft Menschen, die kaum noch Kapazitäten haben, ihn abzufangen. Auf die aktuelle Dürre werden Prognosen zufolge bald starke Taifune folgen. Ländliche Haushalte, die ohnehin durch steigende Reis- und Kraftstoffpreise belastet sind, müssen so zwei Katastrophen in rascher Folge bewältigen“, sagt Reiza Dejito, CARE-Länderdirektorin in den Philippinen.

„In Somalia hat fast jede dritte Person nicht genug zu essen. Der Hunger wird sich weiter ausbreiten. Die verfügbaren Mittel, um vermeidbare Todesfälle zu verhindern, sind völlig unzureichend. El-Niño-bedingte Wetterextreme werden bestehende Ungleichheiten vertiefen, den Zugang zu Nahrung und Bildung erschweren und das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt erhöhen. Wir müssen jetzt handeln“, sagt Ummy Dubow, CARE-Länderdirektorin in Somalia.

CARE fordert frühzeitiges Handeln

CARE fordert ein rasches und koordiniertes globales Vorgehen, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden. Dringend notwendig sind Investitionen in Katastrophenvorsorge und Frühwarnsysteme – insbesondere in den Ländern, die am stärksten von El Niño bedroht sind. „Die Chance, künftigen Hunger zu verringern, hängt davon ab, dass wir handeln, bevor sich eine Krise verschärft – nicht erst, wenn sie bereits ausgebrochen ist“, sagt Marlene Achoki, Expertin für Klimagerechtigkeit bei CARE International.

So hilft CARE: Gemeinsam mit lokalen und frauengeführten Partnerorganisationen stärkt CARE die Krisenvorsorge in den am stärksten gefährdeten Gemeinschaften: durch die Erfassung lokalen Wissens sowie die Entwicklung von Frühwarn- und Frühaktionsplänen, die gezielt auf die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen ausgerichtet sind. Zudem hat CARE bereits den eigenen Early Action Fund aktiviert, der Mittel proaktiv vor dem Eintreffen von Extremwetterereignissen freisetzt – etwa für den Schutz von Ernten und Vieh, Bargeldhilfen sowie den Aufbau klimaresilienter Landwirtschaft.

Für Rückfragen:
Stephanie Weber
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PA: Welternährungsbericht 2026: 645 Millionen Menschen sind von Hunger betroffen

645 Millionen Menschen weltweit leiden an Hunger – das zeigt der Welternährungsbericht, der morgen veröffentlicht wird. Gegenüber dem Vorjahr ist dies zwar ein leichter Rückgang. Von einem Trendwechsel kann jedoch keine Rede sein: Während einige Regionen Fortschritte verzeichnen, verschärft sich die Hungerkrise insbesondere in Afrika. Konflikte, Klimaschocks und drastische Mittelkürzungen drohen die globale Entwicklung erneut umzukehren. 

„645 Millionen Menschen leiden Hunger, obwohl die Welt genug Nahrung für alle produziert. Diese Ungerechtigkeit ist die Folge von Konflikten, Ungleichheit und politischen Fehlentscheidungen. Wir müssen dringend in nachhaltige Ernährungssysteme investieren“, fordert Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.   

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung in Afrika: Mit 309 Millionen Betroffenen lebt dort erstmals die größte Zahl hungernder Menschen weltweit. Jede fünfte Person auf dem Kontinent ist von Hunger betroffen. 

Das sind die Schlüsselzahlen des Welternährungsberichts 2026 

  • Im Jahr 2025 sind schätzungsweise 645 Millionen Menschen beziehungsweise 7,8 Prozent der Weltbevölkerung von Hunger betroffen. 
  • 309 Millionen Menschen in Afrika leiden unter Hunger. Damit ist jede fünfte Person auf dem Kontinent betroffen. 
  • Weltweit leben 2,1 Milliarden Menschen beziehungsweise 25,8 Prozent der Weltbevölkerung in moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit. Das bedeutet, dass sie keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichender Nahrung haben oder zeitweise sogar einen ganzen Tag ohne Essen auskommen müssen. 
  • Frauen bleiben überproportional von Ernährungsunsicherheit betroffen. Zudem leidet inzwischen mehr als jede dritte Frau im Alter von 15 bis 49 Jahren (30,7 Prozent) an Anämie. 
  • Nur 30,8 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis 23 Monaten und 62,7 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren erreichen weltweit das Mindestmaß an Ernährungsvielfalt. 
  • In Afrika erreichen lediglich 43 Prozent der Frauen und 20,5 Prozent der Kinder die Mindestanforderungen an eine vielfältige Ernährung. 

Gesunde Ernährung bleibt für Milliarden Menschen unerschwinglich 

Der Schwerpunkt des diesjährigen Berichts liegt auf den Kosten gesunder Ernährung. Zwar ist der Anteil der Menschen, die sich eine gesunde Ernährung nicht leisten können, von 37,4 Prozent im Jahr 2021 auf 32,7 Prozent gesunken. Dennoch bleibt gesunde Ernährung für rund ein Drittel der Weltbevölkerung unerreichbar. Besonders dramatisch ist die Situation in Afrika: Dort können sich 66,6 Prozent der Menschen keine gesunde Ernährung leisten.  

Die Kosten einer gesunden Ernährung sind ein wichtiger Indikator. Sie dürfen jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Um Hunger zu bekämpfen, müssen die Ungleichheiten und Machtverhältnisse entlang der gesamten Lebensmittelkette sowie die strukturellen Ursachen von Ernährungsunsicherheit angegangen werden. 

Um den Zugang zu vielfältiger Ernährung zu verbessern, fordert Aktion gegen den Hunger einen Umbau der Ernährungssysteme auf Grundlage agrarökologischer Ansätze. Dazu gehört insbesondere die gezielte Umlenkung öffentlicher Subventionen und Forschungsgelder in diese Form der Landwirtschaft. 

Mittelkürzungen senden das falsche Signal 

Während die humanitären Bedarfe weltweit steigen, werden die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe in Deutschland weiter gekürzt. Nach Einschnitten von rund einer Milliarde Euro im Entwicklungsetat und mehr als 50 Prozent bei der humanitären Hilfe im Jahr 2025 stehen 2026 für humanitäre Hilfe nur noch rund eine Milliarde Euro zur Verfügung – gerade einmal 0,2 Prozent des Bundeshaushalts. Auch der Etat des Entwicklungsministeriums sinkt auf zehn Milliarden Euro und erreicht damit den niedrigsten Anteil am Bundeshaushalt seit 15 Jahren.  

Diese Kürzungen stehen in keinem Verhältnis zu den globalen Herausforderungen und den steigenden humanitären Bedarfen. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage sind fast drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) der Meinung, die internationale Gemeinschaft müsse mehr Mittel gegen globalen Hunger und Armut bereitstellen.   

„Kürzungen bei Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit sind keine abstrakten Haushaltsentscheidungen. Sie führen dazu, dass Gesundheitszentren schließen, Hilfslieferungen ausfallen und immer mehr Kinder hungern. Wer hier spart, trifft Entscheidungen mit direkten Folgen für Menschenleben“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust. 

Hinweis an die Redaktionen

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

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