Mittelkürzungen, Dürre und steigende Kosten treiben Somalia in eine humanitäre Katastrophe. 500 Gesundheitszentren mussten schließen, knapp 500.000 Kinder leiden unter lebensbedrohlichem Hunger. CARE fordert sofortiges Handeln.
Fast zwei Millionen Kinder sind in Somalia akut mangelernährt, knapp 500.000 davon in lebensbedrohlichem Zustand. Seit Jänner mussten landesweit 500 Gesundheitseinrichtungen wegen gravierender Finanzierungslücken schließen – darunter 50 von CARE unterstützte Gesundheits- und Ernährungszentren in Puntland, Somaliland, Galmudug und Lower Juba. Dort wurden monatlich tausende schwangere Frauen und Kinder behandelt. Die Schließungen unterbrechen die lebensrettende Versorgung von Millionen Menschen. Eine anhaltende Dürre verschärft die Lage zusätzlich. Die Hilfsorganisation CARE warnt vor einer drohenden Hungersnot.
„Das ist ein Zusammenbruch“
„In Galmudug ist die Lage katastrophal. Mittelkürzungen haben zur Schließung von elf Gesundheitszentren geführt, Bargeldhilfen und Projekte zur Verbesserung der Wasserversorgung wurden eingestellt. Familien haben keinen Zugang mehr zu Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser oder Nahrung. Mütter sehen zu, wie ihre Kinder immer schwächer werden, schwangere Frauen haben keine Anlaufstelle. Krankheiten wie Cholera, Masern und Diphtherie breiten sich aus. Das ist keine langsam wachsende Krise. Das ist ein Zusammenbruch“, warnt Abdikadir Ore, CARE-Nothilfekoordinator in Somalia.
In Kismayo berichten Pflegekräfte von CARE und Partnerorganisationen von einem starken Zustrom erschöpfter und dehydrierter Schwangerer in den verbliebenen Gesundheitseinrichtungen. Viele von ihnen sind tagelang ohne Nahrung und Wasser zu Fuß unterwegs, auf der Suche nach Versorgung, die längst nicht mehr gewährleistet ist.
Steigende Kosten durch Konflikt im Nahen Osten
Die Krise wird durch Konflikte, Klimaschocks, Vertreibung, wirtschaftliche Instabilität und massive Mittelkürzungen angetrieben. Rund sechs Millionen Menschen in Somalia sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Ein erwartetes El-Niño-Ereignis zwischen Juni und Juli sowie damit verbundene Ernteausfälle durch Wetterextreme könnten die Lage weiter verschärfen.
Gleichzeitig treiben globale Lieferkettenstörungen infolge der Schließung der Straße von Hormuz die Kosten für Lebensmittel, Treibstoff und Hilfsgüter weiter in die Höhe. Die Wasserpreise sind in manchen Regionen um bis zu 300 Prozent gestiegen. Auch lebensrettende Hilfsmittel werden teurer: Ein Karton therapeutischer Milch zur Behandlung schwerer Mangelernährung bei Kindern kostete 2024 noch 139 US-Dollar – 2026 sind es bereits 200 US-Dollar, ein Anstieg von rund 44 Prozent in nur zwei Jahren.
CARE fordert mehr Mittel für humanitäre Hilfe
„Die Hungerkrise in Somalia zwingt Familien zu unmöglichen Entscheidungen: Mütter müssen wählen, welches Kind heute etwas zu essen bekommt. Wer jetzt nicht handelt, riskiert Menschenleben“, warnt Ummy Dubow, CARE‑Länderdirektorin in Somalia. „Bis eine Hungersnot offiziell ausgerufen wird, ist es für die Kinder, die jetzt sterben, bereits zu spät.“
CARE stellt gemeinsam mit lokalen Partnern Bargeld zur Deckung der dringendsten Bedürfnisse, Gesundheitsversorgung, Ernährungshilfe und Schutzleistungen für Familien in Somalia bereit. Doch ohne rasche Zusatzfinanzierung drohen auch diese Programme gekürzt zu werden. CARE fordert daher eine sofortige Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe – flexibel, gerecht und mit besonderem Fokus auf der Unterstützung lokaler und von Frauen geführter Organisationen, die in Krisengebieten an vorderster Front arbeiten. Alle Konfliktparteien müssen humanitäre Hilfe ungehindert zulassen und das humanitäre Völkerrecht einhalten, um die Zivilbevölkerung zu schützen.
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