Archiv der Kategorie: Humanitäre Hilfe

PA: NGO-Dachverband begrüßt frühzeitige Bereitstellung von Geldern aus dem Auslandskatastrophenfonds

Die Ausschüttung von 7 Millionen Euro aus dem AKF im ersten Quartal ermöglicht mehr Vorausschau und Planbarkeit in der Humanitären Hilfe. Ein weiterer Aspekt steht allerdings noch aus: die substanzielle Erhöhung der Gelder.

Der Ministerrat hat gestern beschlossen, 7 Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds (AKF) für Humanitäre Hilfe im Libanon, in Syrien, Jordanien, Afghanistan und Nachbarländern, Äthiopien, Mosambik und Uganda bereitzustellen. Denn der seit knapp einem Monat wütende Krieg im Iran und im Libanon reiht sich in eine beispiellose Anzahl gleichzeitiger Konflikte und Krisen ein, die immer länger andauern. Das seit Jahren unterfinanzierte internationale Hilfssystem kann immer weniger Schritt halten: Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass nur etwas über die Hälfte der 250 Millionen Menschen, die derzeit auf Humanitäre Hilfe angewiesen sind, diese auch erhalten werden.

Wir begrüßen, dass die österreichische Bundesregierung dem Appell humanitärer Hilfsorganisationen, die Gelder aus dem AKF bereits im ersten Quartal auszuschütten, in diesem Jahr nachkommt. So ermöglicht sie mehr Vorausschau und Planbarkeit in der Humanitären Hilfe; Aspekte, die für das Überleben und das Wohlergehen von Menschen vor und während Konflikten, Dürren oder Überschwemmungen einen wesentlichen Unterschied machen können. Ein weiterer Aspekt steht allerdings noch aus: die substanzielle Erhöhung der Gelder in diesem und in den folgenden Jahren. Der auf 35 Millionen Euro gekürzte AKF reicht bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen Bedarfen notleidender Menschen gerecht zu werden.

Appell: Wirkkraft ausbauen und die österreichische Humanitäre Hilfe substanziell erhöhen
In dieser zugespitzten Weltlage beschneiden die Kürzungen in der Humanitären Hilfe und in der internationalen Entwicklung auch zunehmend die Handlungsfähigkeit der Regierung. Österreichs Stärke liegt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit, Vertrauen und Dialogbereitschaft, für die es sowohl in Partnerländern und Krisengebieten als auch in Österreich ein erfahrenes Gegenüber braucht, das verlässlich an der Seite der Menschen steht: die Zivilgesellschaft. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen und aufbauend auf ihrer langjährigen Expertise in langanhaltenden und multiplen Krisen wissen österreichische Hilfsorganisationen, wie sie insbesondere Frauen, Kindern, Menschen mit Behinderungen sowie älteren und erkrankten Menschen Zukunftschancen ermöglichen können. Daher appellieren wir an die Regierung, ihre internationale Wirkkraft infolge des Ministerratsbeschlusses auszubauen und die österreichische Humanitäre Hilfe substanziell zu erhöhen.

Lukas Wank
Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung

Rückfragen:
Hannah Hauptmann (sie/ihr)
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

hannah.hauptmann@globaleverantwortung.at
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Tel.: +43 1/522 44 22 – 15

PA: Eskalation im Iran und Libanon

AG Globale Verantwortung appelliert an Regierung, Humanitäre Hilfe deutlich aufzustocken. Internationales Hilfssystem hält mit Krisen nicht Schritt: NGO-Dachverband fordert Aufstockung des Auslandskatastrophenfonds für Menschen in Not und umfassende Erhöhungen im nächsten Budget.

„Die Geschwindigkeit, das Ausmaß und die Gleichzeitigkeit der Eskalation im Iran und im Libanon sind in der jüngeren Vergangenheit der Region beispiellos. Ihre Bewohner*innen leben seit vielen Jahren in Unsicherheit und Gewalt. Die Frage nach dem Warum scheint zunehmend in den Hintergrund zu treten“, warnt Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung. In der Region droht ein Flächenbrand, die humanitäre Lage verschärft sich dramatisch. Millionen Menschen erleben Gewalt, ihre Versorgung ist durch die zerstörte Infrastruktur erschwert. Zuletzt berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk von über 3,2 Millionen Vertriebenen im Iran und von knapp einer Million Vertriebenen im Libanon. Unter ihnen sind auch zahlreiche Geflüchtete aus Afghanistan, Syrien und aus den palästinensischen Gebieten, die nun erneut um ihr Überleben und das ihrer Familien kämpfen müssen.

Wank verweist auf das seit Jahren strukturell unterfinanzierte internationale Hilfssystem, das mit den weltweiten Krisenherden immer weniger Schritt halten könne und an seine Grenzen stoße. „Es häufen sich die Fälle, in denen humanitäre Hilfsorganisationen nicht mehr imstande sind, Menschen rechtzeitig zu erreichen, zu versorgen und zu schützen. In dieser zugespitzten Weltlage braucht es Staaten, die sich zu internationalen Regeln bekennen und für die der Schutz von Zivilist*innen unverhandelbar ist.“

Österreichs internationale Stärken gefragt, aber Kapazitäten, um auf zugespitzte Weltlage zu reagieren, reichen nicht mehr aus

Der Geschäftsführer des humanitären und entwicklungspolitischen Dachverbands in Österreich schildert, dass ein Land wie Österreich hierbei eine wichtige Rolle einnehmen könne: „Unsere Stärke liegt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit, Vertrauen und Dialogbereitschaft. Dazu gehört auch, in Krisenzeiten verlässlich an der Seite von benachteiligten und gefährdeten Menschen zu stehen. Mit dem Auslandskatastrophenfonds und den erfahrenen österreichischen Hilfsorganisationen kann unser Land diese Menschen wirksam unterstützen. Jedoch: Die derzeit vorgesehenen Mittel reichen bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen humanitären Bedarfen gerecht zu werden. Wir appellieren daher an Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Finanzminister Markus Marterbauer, den Auslandskatastrophenfonds rasch deutlich zu erhöhen.“

Abschließend betont Wank: „Das derzeitige Weltgeschehen ist ein schriller Weckruf! Wenn die Bundesregierung an einer friedlicheren, gerechten und stabileren Welt mitwirken und auch die Sicherheit und das Wohlergehen der österreichischen Bevölkerung gewährleisten will, dann muss sie die Humanitäre Hilfe und die langfristig wirkende internationale Entwicklung in ihrem nächsten Budget substanziell stärken.“

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PA: Schwere Dürre in Kenia: 3,3 Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger

Die akute Ernährungsunsicherheit im Norden Kenias ist um mehr als 50 Prozent gestiegen / Geflüchtete sind besonders betroffen, während die Nahrungsmittelhilfe stark gekürzt wurde.

In Kenia sind laut einer aktuellen IPC-Analyse (Integrated Food Security Phase Classification) 3,3 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – das ist ein Anstieg um 52 Prozent innerhalb eines Jahres. Rund 400.000 Menschen sind in einer Notlage: Sie benötigen dringend lebensrettende Hilfe. Aufgrund einer schweren Dürre im Norden des Landes gab es zuletzt kaum Niederschlag. Familien, deren Einkommen und Überleben von ihren Herden abhängen, müssen zusehen, wie ihr Vieh verendet und Wasserlöcher austrocknen. Die Bevölkerung in den Bezirken Mandera, Marsabit und Turkana ist akut vom Verhungern bedroht – jedes dritte Kind in der Region ist betroffen. Wird die Hilfe nicht schnell ausgeweitet, steigt das Sterberisiko durch Hunger und Krankheiten, warnt die Hilfsorganisation CARE.

Dadaab: Historisch niedriges Hilfsniveau

Die Situation in Dadaab, einem der größten Flüchtlingscamps der Welt mit über 400.000 Menschen, ist besorgniserregend. Eine CARE-Erhebung vom Dezember 2025 zeigt: 54 Prozent der Geflüchteten leiden unter schwerem Hunger, 86 Prozent müssen die Anzahl täglicher Mahlzeiten reduzieren. Die Dürre trifft Menschen, die durch Hilfskürzungen im letzten Jahr bereits massiv geschwächt sind. Die Nahrungsmittelhilfe wurde um 68 Prozent gekürzt, die tägliche Wasserzuteilung halbierte sich auf 10 Liter pro Person. Die humanitäre Hilfe liegt auf dem niedrigsten Niveau in Dadaabs 35-jähriger Geschichte.

Finanzierungslücken verschärfen die Hungerkrise

Die Hungerkrise in Kenia geschieht vor dem Hintergrund sinkender Finanzierung für humanitäre Hilfe. Hilfsorganisationen in der gesamten Region waren gezwungen, Nahrungsmittelhilfe, Ernährungsprogramme und medizinische Notversorgung zu kürzen – und damit genau jenen Schutzschirm abzubauen, der eine Eskalation von Hungerkrisen verhindern soll. Aktuell sind mehr als 1,7 Millionen in Kenia auf humanitäre Hilfe angewiesen, bis Mitte 2026 wird diese Zahl voraussichtlich auf über 2,1 Millionen steigen.

CARE warnt, dass jede Verzögerung von Hilfsmaßnahmen und die Kürzungen sowohl menschliches Leid als auch die Kosten der Hilfe erhöhen. „Darauf zu warten, dass die Hungersituation katastrophale Ausmaße annimmt, bevor gehandelt wird, ist unvorstellbar“, sagt Getrude Misango, CARE-Länderdirektorin in Kenia.

So hilft CARE in Kenia: CARE ist seit Jahrzehnten in der Region aktiv und hat gemeinsam mit lokalen Behörden und Partnern bereits mit der Nothilfe begonnen – noch bevor die Dürre ihren Höhepunkt erreicht. CARE setzt Bohrlöcher, Leitungen und solarbetriebene Wassersysteme instand. Kinder unter fünf Jahren sowie schwangere und stillende Frauen werden auf Mangelernährung untersucht und gezielt versorgt. Frauen und Mädchen werden durch sichere Räume und Schutzmaßnahmen vor Ausbeutung und Gewalt geschützt.

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Stephanie Weber
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PA: Südsudan: Eskalierender Konflikt in Jonglei verschärft Hungerkrise

Gewalt in Jonglei: Mehr als 230.000 Menschen wurden vertrieben, Zehntausenden droht eine Hungerkatastrophe / CARE fordert sicheren und raschen Zugang für humanitäre Hilfe

Seit Ende Dezember 2025 hat der eskalierende Konflikt in Jonglei im Südsudan mehr als 230.000 Menschen in die Flucht getrieben. Viele Familien kämpfen nun um ihr Überleben: in überfüllten Camps mit begrenztem Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung und Schutz. Die humanitäre Situation in der Region ist kritisch, warnt die internationale Hilfsorganisation CARE. Ein erneuter Ausbruch von Gewalt wird verheerende Folgen für die Menschen im Südsudan haben, die sich gerade erst von einem brutalen Bürgerkrieg zu erholen beginnen.

Gewalt verstärkt Hunger dramatisch

Laut dem aktuellen IPC-Bericht (Integrated Food Security Phase Classification) leiden 1,3 Millionen Menschen im Südsudan – insbesondere in Jonglei und den angrenzenden Regionen – unter extremem Nahrungsmittelmangel und akuter Mangelernährung. 28.000 Menschen, darunter 11.000 Menschen im Bezirk Fangak in Jonglei, sind akut vom Verhungern bedroht.

„Der Konflikt vertreibt nicht nur Familien, er zerstört Existenzgrundlagen und verschärft den Hunger in einer Region, die bereits am Abgrund stand“, sagt Maina King’ori, CARE-Länderdirektor im Südsudan. „Die Analyse von IPC zeigt: Jonglei litt schon vor dieser Eskalation unter alarmierender Ernährungsunsicherheit. Anhaltende Gewalt droht die Gemeinden in eine katastrophale Hungerkrise zu stürzen.“

Zusammenbruch der Grundversorgung

Märkte, Landwirtschaft und grundlegende Einrichtungen sind massiv beeinträchtigt. Gesundheits- und Ernährungszentren in einigen vom Konflikt betroffenen Gebieten wurden geplündert, beschädigt oder mussten den Betrieb einstellen. Die lebensrettende Versorgung für Kinder, Schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit chronischen Krankheiten wurde dadurch unterbrochen.

Frauen und Mädchen sind überproportional von der Krise betroffen. Vertreibung und überfüllte Notunterkünfte erhöhen das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt massiv. Gleichzeitig fehlt der Zugang zu Gesundheitsservices, Ernährungshilfe und sauberem Wasser. Bereits vor der jetzigen Eskalation kam es zu einer alarmierenden Anzahl sexueller Gewalt und Entführungen, bei vermutlich hoher Dunkelziffer.

Humanitärer Zugang eingeschränkt

In Teilen Jongleis verzeichnet CARE Verbesserungen beim humanitären Zugang. Doch massive Hindernisse bleiben: Unsicherheit, Bewegungsbeschränkungen und Unterbrechungen des Luftverkehrs verhindern, dass Hilfsteams die Menschen zuverlässig erreichen, lebensrettende Hilfe leisten und medizinische Evakuierungen durchführen können. Besonders besorgniserregend sind Angriffe auf die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur.

„Humanitärer Zugang ist eine Frage des Überlebens, nicht der Politik“, betont King’ori. „Alle Konfliktparteien müssen die Zivilbevölkerung schützen und den Hilfsteams einen sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang garantieren. Ohne Zugang werden Hunger und vermeidbare Krankheiten zunehmen – und Menschen sterben.“

CARE fordert die Geberländer auf, flexible und rasche Finanzierung bereitzustellen, um die weitere Verschlechterung der humanitären Situation in Jonglei zu verhindern.

So hilft CARE: CARE arbeitet eng mit lokalen Partnern und Behörden im Südsudan zusammen und unterstützt Familien in Jonglei mit Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser, Hygiene und Schutzmaßnahmen, wo es die Bedingungen erlauben. Derzeit ist CARE in den Bezirken Akobo und Bor South tätig, wo zahlreiche Vertriebene Zuflucht gefunden haben. CARE bewertet laufend die Bedürfnisse vor Ort und stimmt die Nothilfe mit Partnern ab.

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PA: ­Kaum Essen, Medikamente und Schutz: Studie von HelpAge International und Amnesty International deckt Leid älterer Menschen im Gazastreifen auf 

  • Umfrage von HelpAge International zeigt, wie sehr die körperliche und mentale Gesundheit älterer Menschen leidet
  • Schwerer Mangel an nahrhaften Lebensmitteln, Medikamenten und Unterkünften trägt zu unmenschlichen Bedingungen bei
  • „Die Rechte und Bedürfnisse älterer Menschen in Gaza dürfen nicht ignoriert werden“, sagt Amnesty-Expertin Erika Guevara-Rosas

Ältere Menschen im Gazastreifen leiden unter einer nicht beachteten physischen und psychischen Gesundheitskrise angesichts der anhaltenden israelischen Blockade von Hilfsgütern und lebenswichtigen Medikamenten sowie des jüngsten Arbeitsverbots für humanitäre Organisationen im Gazastreifen. Neue Untersuchungen von HelpAge International und Amnesty International kommen zu diesem Ergebnis.

„Ältere Menschen hungern und sind medizinisch unterversorgt. Die meisten von ihnen verbringen ihre letzten Lebensjahre qualvoll und ohne ausreichend Schutz in überfüllten Zelten. Nicht zufällig, sondern weil Israel das bewusst so entscheidet. Das Leiden muss beendet und vollumfängliche Hilfe geleistet werden. Das ist Israels Pflicht – daran zu erinnern, die Pflicht von uns allen“, betont Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich.

In einer von HelpAge International durchgeführten Gesundheitsumfrage gaben ältere Menschen an, dass sie aufgrund der Lebensmittelknappheit Mahlzeiten auslassen müssen, auch um sicherzustellen, dass andere Familienmitglieder etwas zu essen haben, während andere sagten, dass sie Medikamente für schwere Krankheiten rationieren müssen, weil sie nicht zugänglich sind.

Binnenvertriebene ältere Menschen schilderten Amnesty International auch, dass sie aufgrund der anhaltenden Blockade durch die israelischen Behörden keinen Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln, angemessenen Unterkünften und medizinischer Versorgung haben und es ihnen deshalb sehr schlecht geht. Die befragten Personen wurden seit Oktober 2023 mehrfach vertrieben.

Die Ergebnisse der Umfrage von HelpAge International
HelpAge International hat 416 ältere Menschen im Gazastreifen befragt und die Ergebnisse in einem neuen Bericht Pushed Beyond Their Limits: The survival of older people in Gaza today  veröffentlicht. Inmitten von schwerem Nahrungsmittelmangel und dem Zusammenbruch lebenswichtiger Sozialleistungen sind ältere Menschen besonderen und oft nicht beachteten Gefahren ausgesetzt. Ihre Bedürfnisse bleiben weitgehend unsichtbar. Zu den wichtigsten Ergebnissen der Umfrage von HelpAge International gehören:

  • Ältere Menschen leben unter schutzlosen Bedingungen: 76 % der Befragten leben in Zelten, die oft stark überbelegt sind. 84 % gaben an, dass ihre derzeitigen Lebensbedingungen ihre Gesundheit und Privatsphäre beeinträchtigen.
  • Vertreibung ist eine sich wiederholende und destabilisierende Erfahrung: 79 % der befragten Personen wurden seit Oktober 2023 mehr als dreimal vertrieben, was die familiäre Unterstützung unterbricht und die Isolation verstärkt.
  • Gesundheitliche Probleme sind weit verbreitet und weitgehend unbehandelt: Trotz der hohen Prävalenz von chronischen Schmerzen und Krankheiten ist der Zugang zu Medikamenten extrem eingeschränkt: 42 % der Befragten können sie nur „manchmal“ und 18 % „selten“ erhalten. 68 % der Befragten reduzierten oder beendeten die Behandlung aufgrund mangelnder Verfügbarkeit. Insgesamt ist der Zugang zur Gesundheitsversorgung nach wie vor extrem eingeschränkt: Nur 17 % der Befragten gaben an, dass die Gesundheitsversorgung in vollem Umfang zur Verfügung steht, und die nicht erfolgte Behandlung chronischer Erkrankungen ist mit 31 % die am häufigsten genannte gesundheitliche Problematik.
  • Die Ernährungsunsicherheit ist akut und kann lebensbedrohlich sein: Während die Hälfte der Befragten angab, dass der Zugang zu Hilfeleistungen seit dem Waffenstillstand einfacher geworden sei, hatten 11 % in den letzten 24 Stunden keine Mahlzeit zu sich genommen; und 48 % haben ihre eigene Nahrungsaufnahme reduziert, um sicherzustellen, dass andere etwas zu essen haben.
  • Die psychische Belastung ist groß und wirkt sich direkt auf die Ernährung aus: 77 % der befragten Personen gaben an, dass Traurigkeit, Angst, Einsamkeit oder Schlaflosigkeit ihren Appetit verringern und ihr Wohlbefinden beeinträchtigen.

„In bewaffneten Konflikten werden die Bedürfnisse älterer Menschen oft übersehen. Als direkte Folge der von Israel bewusst herbeigeführten Lebensbedingungen, die auf die physische Zerstörung der Palästinenser*innen im Gazastreifen abzielen, ist die körperliche und geistige Gesundheit älterer Menschen auf einem absoluten Tiefpunkt“, sagt Erika Guevara-Rosas, leitende Direktorin für Recherchen, Advocacy, Politik und Kampagnen bei Amnesty International.

Die Umfrage von HelpAge International zeigt, wie Israels anhaltende rechtswidrige, grausame und unmenschliche Beschränkungen der Lieferung lebensrettender Hilfsgüter sowohl den Zugang älterer Menschen zu lebenswichtiger medizinischer Versorgung und zu Medikamenten als auch zu nahrhaften Lebensmitteln und angemessenen Unterkünften erheblich beeinträchtigt.

„Die Rechte und Bedürfnisse der älteren Menschen in Gaza dürfen nicht ignoriert werden. Viele Menschen leiden nach wie vor unter unwürdigen Lebensbedingungen und einer verzweifelten humanitären Lage nach der Zerstörung ihrer Häuser und wiederholten Vertreibungen. Die israelischen Behörden müssen ihre Blockade sofort und bedingungslos aufheben und den ungehinderten Zugang zu lebenswichtigen Gütern, einschließlich Medikamenten und Materialien für Unterkünfte, ermöglichen“, führt Erika Guevara-Rosas weiter aus.

In den Wintermonaten müssen die Palästinenser*innen in Gaza – die meisten von ihnen leben in baufälligen Zelten oder Behelfsunterkünften – auch überlaufende Abwässer und Überschwemmungen ertragen und sind Stürmen ausgesetzt. Israel hat außerdem die Registrierung von 37 Nichtregierungsorganisationen, die im Gazastreifen und im Westjordanland tätig sind, mit Wirkung vom 1. Januar ausgesetzt und sie wurden aufgefordert, ihre Tätigkeit innerhalb von 60 Tagen einzustellen.

„Das Leben ist noch elender geworden“
Diese Ergebnisse wurden durch die Recherchen von Amnesty International bestätigt, die Interviews mit 12 älteren Menschen aus allen Regionen des besetzten Gazastreifens umfassten, die in Zelten in den Lagern für Binnenvertriebene in der Region Zawayda leben, wo die Lebensbedingungen extrem schwierig sind. In den meisten Fällen erleichterte ein Angehöriger für die Interviews die Kommunikation mit der älteren Person, von denen viele eine Behinderung hatten oder Hilfe bei der Bedienung eines Smartphones benötigten.

Die Befragten gaben an, dass sie gezwungen waren, Medikamente für bestehende chronische Krankheiten abzusetzen oder zu rationieren, da diese entweder nicht mehr verfügbar waren oder sich um das Drei- bis Vierfache verteuert hatten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation waren im Oktober 2025 weniger als 14 der 36 Krankenhäuser des Gazastreifens teilweise funktionsfähig, während weniger als ein Drittel der Rehabilitationseinrichtungen einsatzbereit waren, was den Zugang älterer Menschen zur Pflege stark einschränkte.

Einige ältere Menschen haben erheblich an Gewicht verloren, und die meisten sind auf Gemeinschaftsküchen angewiesen, die nicht immer ausreichend nahrhaftes Essen anbieten. Das Gelände in den Lagern für Binnenvertriebene, das oft uneben und sandig ist, hindert diejenigen, die Rollstühle oder Gehhilfen benutzen, daran, sich frei zu bewegen, so dass sie vollständig von Verwandten abhängig sind.

Der 61-jährige Mohammed Bili ist seit Oktober 2023 sieben Mal vertrieben worden. Er benötigt dreimal pro Woche eine Dialyse. Die Einrichtung, in der er diese Behandlung zuvor erhalten hatte, wurde jedoch zerstört, so dass jetzt nur noch zweimal pro Woche eine kürzere Dialysebehandlung möglich ist. Er kann seinen Rollstuhl auf dem Gelände des Lagers kaum benutzen und hat fast 20 kg abgenommen.
Er sagte den Mitarbeiter*innen von Amnesty International: „Ich leide unter extremer Steifheit in meinen Armen und Muskelschwäche, weil ich nicht so häufig zur Dialyse gehen kann, wie es nötig wäre.“

Die 88-jährige Samira Al-Shawa hatte eine Gehhilfe benutzt, um sich unabhängig bewegen zu können. Jetzt lebt sie in einem Lager für Binnenvertriebene, wo sie wegen des sandigen Bodens überhaupt nicht mehr laufen kann. Die meiste Zeit verbringt sie auf einem behelfsmäßigen Bett in ihrem Zelt. Gemeinschaftsküchen von Hilfsorganisation versorgen ihre Familie mit Nahrungsmitteln, die jedoch nicht ausreichend oder nahrhaft genug sind. Auch sie hat seit Oktober 2023 etwa 20 kg abgenommen.

Sadiqa Al-Barrawi, die etwa 90 Jahre alt ist, wurde seit Oktober 2023 dreimal vertrieben. Sie lebt derzeit mit ihrem Sohn, dessen Frau und ihren vier Kindern in einem Zelt im Binnenflüchtlingslager Salam. Als sie eines Abends im Januar 2025 auf die Toilette ging, stürzte sie und verletzte sich, so dass sie jetzt weder stehen noch gehen kann. Sie sagte Amnesty International: „Seitdem ist das Leben noch elender geworden.“

Sadiqa Al-Barrawi leidet an Diabetes und Bluthochdruck. Sie hat etwa 25 kg abgenommen und ist auf von Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellte Nahrung angewiesen. Sie fügte hinzu: „Wir leben eigentlich von der Landwirtschaft. Zu Hause im Dorf haben wir Land und die besten frischen Lebensmittel – und jetzt haben wir nichts mehr.“

Hintergrund
Die über 60-Jährigen machen etwa 5 % der Bevölkerung des Gazastreifens aus. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden seit Oktober 2023 bis Anfang Dezember 2025 insgesamt 4.813 ältere Menschen im Gazastreifen getötet, wobei in dieser Zahl die indirekten Todesfälle, z. B. durch zerstörte Gesundheitsinfrastruktur, nicht enthalten sind. Laut einem Bericht der UNWRA verlieren viele ältere Menschen aufgrund der Kampfhandlungen oder im Zuge der Vertreibung die Verbindung zu den Personen, die sie betreut hatten. Amnesty International hat dokumentiert, wie ältere Menschen in bewaffneten Konflikten einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind und ihre humanitären Bedürfnisse systematisch ignoriert werden.

Im Dezember 2024 kam Amnesty International zu dem Schluss, dass Israel im Gazastreifen einen Genozid begeht, da es Handlungen, die nach der Völkermordkonvention verboten sind, in der Absicht begangen hat, die Palästinenser*innen im Gazastreifen zu zerstören. Zu den verübten Taten gehören Tötungen, schwere körperliche oder seelische Verletzungen und die vorsätzliche Verursachung von Lebensbedingungen, die auf die physische Zerstörung der Palästinenser*innen im Gazastreifen abzielen.

Trotz eines Rückgangs der Angriffe seit dem Waffenstillstandsabkommen vom Oktober 2025 hat sich  an den Bedingungen, die Israel für die Palästinenser*innen in Gaza schafft, nichts Wesentliches geändert, und es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass sich Israels Absicht, einen Genozid zu begehen, geändert hat.

Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
presse@amnesty.at

PA und Interviewmöglichkeit: CARE: Drei Jahre nach den Jahrhundertbeben in der Türkei und Syrien leiden Millionen Menschen weiterhin unter den Folgen

„Viele Familien leben in Ruinen, da sie nicht die Mittel haben zu fliehen oder ihre Häuser wieder aufzubauen.“ / 16,5 Millionen Menschen in Syrien benötigen humanitäre Hilfe / Jüngste Auseinandersetzungen verschärfen die Lage

Am 6. Februar 2023 erschütterten verheerende Erdbeben den Süden der Türkei und den Nordwesten Syriens. Die Katastrophe forderte rund 60.000 Todesopfer und führte zu etwa 100.000 Verletzten. Weite Teile der Infrastruktur in den betroffenen Gebieten wurden zerstört oder beschädigt. In Nordwestsyrien traf das Beben eine Region, in der bereits rund vier Millionen Menschen, die vor der Gewalt des Bürgerkriegs geflohen waren, auf humanitäre Hilfe angewiesen waren.

Die Kombination aus Katastrophe und Konflikt bedeutet in Syrien auch drei Jahre später, dass rund 16,5 Millionen Menschen – etwa zwei Drittel der Bevölkerung – humanitäre Hilfe benötigen. In den Städten sind die Folgen der Erdbeben sowie des 14-jährigen Kriegs allgegenwärtig. Sarah Easter, CARE-Nothilfereporterin, war Ende des letzten Jahres in Nordwestsyrien und beschreibt die Lage:

„Noch immer liegen ganze Straßenzüge in Trümmern. Viele Familien leben in Ruinen, da sie nicht die Mittel haben zu fliehen oder ihre Häuser wieder aufzubauen. Hinzu kommen die seelischen Folgen: Kinder sprechen bis heute über Tod und Verlust, als gehöre es zu ihrem Alltag. Mein syrischer Kollege Khalil sagte, dass er beim Anblick eingestürzter Häuser immer daran denkt, dass auch er oder seine Kinder darunter hätten liegen können – eine Angst, die viele Menschen bis heute begleitet.“

Die jüngsten Auseinandersetzungen im Norden Syriens verschärfen die ohnehin dramatische Lage zusätzlich: Viele Familien wurden mehrfach vertrieben und sind mittellos. Gleichzeitig treffen Rückkehrende im ganzen Land auf zerstörte Infrastruktur, mangelhafte Gesundheitsversorgung und große wirtschaftliche Not. In ihren Gesprächen mit Menschen in einem Camp für Vertriebene hörte Sarah Easter immer wieder denselben eindringlichen Appell: „Gebt uns nicht auf!“

Jetzt ist es wichtig, dass humanitäre Hilfe für die Menschen verlässlich weitergeführt wird.

CARE arbeitet seit 2013 in Syrien und unterstützt Vertriebene sowie aufnehmende Gemeinden mit Nothilfe, medizinischer Versorgung und Schutzprogrammen, insbesondere für Frauen und Kinder.

Sarah Easter, CARE-Nothilfereporterin, war kurz nach den Erdbeben in der Türkei und Ende letzten Jahres im Norden Syriens. Sie steht für Interviews auf Deutsch und Englisch zur Verfügung. Falls Sie Interesse an einem Gespräch haben, können Sie sich jederzeit gerne bei mir melden.

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PA: CARE-Krisenreport: Zehn humanitäre Krisen, die 2025 keine Schlagzeilen machten

CARE veröffentlicht zehnte Ausgabe des Krisenreports: Vergessene Krisen kämpfen um Aufmerksamkeit und Ressourcen / Über die humanitäre Krise in der Zentralafrikanischen Republik wurde 2025 am wenigsten berichtet

Der zehnte CARE-Krisenreport, der jährlich die globale Online-Berichterstattung humanitärer Krisen untersucht, zeigt: Die Zentralafrikanische Republik ist mit nur 1.532 Online-Artikeln die am meisten vergessene humanitäre Krise des Jahres 2025. Ein langanhaltender Konflikt führt dazu, dass mehr als 2,4 Millionen Menschen in Not sind. Etwa jeder fünfte Mensch ist auf der Flucht. Zugleich verzeichnet das Land mit der heurigen Platzierung einen traurigen Rekord: Die Zentralafrikanische Republik ist in jeder der zehn Ausgaben des CARE-Krisenreports seit 2016 vertreten.

„Da Katastrophen und bewaffnete Auseinandersetzungen zunehmen, konkurrieren humanitäre Krisen immer stärker um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit – und damit auch um dringend benötigte finanzielle Mittel“, sagt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Seit zehn Jahren machen wir mit dem CARE-Krisenreport sichtbar, welche humanitären Krisen besonders Gefahr laufen, in Vergessenheit zu geraten. Denn Sichtbarkeit ist nicht zuletzt eine Frage der Menschenwürde und des Überlebens: Ohne öffentliche Wahrnehmung werden komplexe Krisen weniger verstanden und geraten zu selten in den politischen Fokus, selbst wenn die Not der betroffenen Menschen unvermindert groß bleibt.“

Afrika trägt Hauptlast vergessener Krisen

Den zweiten Platz auf der Liste belegt Namibia, wo 1,3 Millionen Menschen zu wenig zu essen haben. Sambia nimmt Platz drei ein: Dort sind 5,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Während im diesjährigen CARE-Krisenreport zwar auch Honduras und Nordkorea gelistet sind, liegen weiterhin acht der zehn am stärksten vernachlässigten Krisen in Afrika. Ein zentraler gemeinsamer Nenner: Der Klimawandel wirkt als massiver Krisenverstärker – durch häufigere und intensivere Wetterextreme, Ernteausfälle sowie steigenden Druck auf die Versorgung mit Wasser und Nahrung.

So auch in Simbabwe, wo Dürre die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen, insbesondere in ländlichen Gebieten, gefährdet. „Es war erschütternd zu sehen, wie das Ausmaß der durch El Niño 2023/24 verursachten Dürre in Simbabwe medial weitgehend übersehen wurde. Millionen Menschen waren noch im letzten Jahr von den Folgen betroffen, Gemeinden kämpften um Zugang zu sauberem Wasser und Nahrung. Die geringe internationale Aufmerksamkeit ist nicht gerade hilfreich, wenn notleidende Familien dringend auf Unterstützung hoffen“, sagt Charlene Pellsah Ambali, stellvertretende CARE-Länderdirektorin in Simbabwe. „Die Welt muss solche Katastrophen wahrnehmen – erst dann entsteht der Druck, schnell und ausreichend zu handeln.“

EU: „Keine Krise darf in Vergessenheit geraten“

Auch die Europäische Union betont die Bedeutung, vergessene Krisen sichtbar zu machen und humanitäre Hilfe dort zu stärken, wo Aufmerksamkeit fehlt. „Vergessene Krisen sind oft komplex und langwierig. Sie lassen sich weder mit schnellen Lösungen noch mit einfachen Erklärungen bewältigen. Sie eignen sich nicht für die Abendnachrichten oder einen kurzen Social-Media-Post. Von den Medien – und häufig auch von Geldgebern – werden sie übersehen, bleiben aber dennoch harte Realität. Für die notleidenden Menschen sind diese Krisen keineswegs ‚vergessen‘“, sagt Hans Das, stellvertretender Generaldirektor und Chief Operations Officer für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission (DG ECHO).„Die EU bemüht sich als verlässlicher und prinzipientreuer Geldgeber sicherzustellen, dass keine Krise und keine vulnerable Bevölkerungsgruppe vergessen werden. Mindestens 15 Prozent unseres jährlichen Budgets für humanitäre Hilfe reservieren wir gezielt für solche Krisen. Und zwar nach einem strengen Bewertungsverfahren, das gewährleistet, dass die Hilfe genau dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird. Angesichts beispielloser Kürzungen bei humanitärer Hilfe ist das wichtiger denn je. CAREs jährlicher Bericht über vergessene Krisen ist eine eindringliche Erinnerung an diese Realität und ein wertvolles Instrument, damit zumindest etwas Licht ins Dunkel gebracht wird.“

Zehn humanitäre Krisen, die 2025 keine Schlagzeilen machten:

  1. Zentralafrikanische Republik – Jede fünfte Person ist auf der Flucht.
  2. Namibia – 1,3 Millionen Menschen haben zu wenig zu essen.
  3. Sambia – 5,5 Millionen Menschen müssen mit Hilfsgütern versorgt werden.
  4. Malawi – Vier Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen.
  5. Honduras – Über 50 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.
  6. Nordkorea – 10,7 Millionen Menschen sind von Unterernährung betroffen.
  7. Angola – 2,6 Millionen Menschen – die Hälfte davon Kinder – sind in Not.
  8. Burundi – 1,2 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen.
  9. Simbabwe – Ein Viertel der Kinder unter fünf Jahren ist mangelernährt.
  10. Madagaskar – Rund jede siebte Person ist auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Factsheet und Fotomaterial zu den zehn vergessenen Krisen (Fotocredit: CARE)
Lesen Sie hier den CARE-Krisenreport.

Methodik: Für den zehnten CARE-Krisenreport hat der internationale Medienbeobachtungsdienst Meltwater fünf Millionen Online-Artikel aus etwa 345.000 Online-Medien in den Sprachen Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch ausgewertet. Untersucht wurde der Zeitraum vom 1. Jänner bis 30. September 2025. Auf Basis einer Liste von 43 humanitären Krisen, die jeweils mindestens eine Million Menschen betreffen, wurden jene zehn Krisen ermittelt, die die geringste mediale Aufmerksamkeit erhielten.

Über CARE: CARE wurde 1945 gegründet und ist heute eine der weltweit größten Hilfsorganisationen, die in über 120 Ländern tätig ist. Die Hilfe von CARE hat 2025 mehr als 58 Millionen Menschen – über die Hälfte davon Frauen und Mädchen – erreicht. Weitere Informationen unter www.care.at.

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PA: Syrien: Eskalierende Gewalt im Nordosten verschärft humanitäre Krise mitten im Winter

Die Lage im Nordosten Syriens verschärft sich weiter. Aktion gegen den Hunger warnt vor der sich zunehmend verschlechternden humanitären Situation, insbesondere in der Provinz Al-Hasakeh. Die Organisation hat Nothilfemaßnahmen vorbereitet und kann die Menschen umgehend mit Nahrung, Wasser und lebenswichtigen Gütern versorgen, sobald die Sicherheitslage es zulässt.

„Familien kommen mitten im Winter oft nur mit dem, was sie am Leib tragen. Sie haben kaum Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Wir sind sehr besorgt um Menschen, die aufgrund der Gewalt eingekesselt sind oder ohne Schutz und Sicherheit fliehen mussten“, sagt Suzanne Takkenberg, Regionaldirektorin von Aktion gegen den Hunger für Syrien und den Libanon.

In den vergangenen Tagen wurden an den Stadträndern bewaffnete Auseinandersetzungen und Bombenanschläge mit zivilen Opfern gemeldet. Aktion gegen den Hunger ist seit 2008 in Al-Hasakeh aktiv und führt dort Hilfsprogramme in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) sowie Ernährungssicherung, Gesundheit und Existenzsicherung durch. Angesichts der aktuellen Lage hat die Organisation ihre Notfall- und Vorsorgemaßnahmen verstärkt.

Geschlossene Märkte, eingeschränkte Bewegungsfreiheit und wachsende Unsicherheit

Durch den Konflikt ist die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt, zahlreiche Gebiete unterliegen Zugangsbeschränkungen oder sind vollständig abgeriegelt. Märkte und Geschäfte bleiben geschlossen, wodurch der Zugang zu Lebensmitteln, Trinkwasser und lebensnotwendigen Gütern erheblich erschwert ist. Die anhaltende Unsicherheit und eine mögliche Eskalation verunsichern die Zivilbevölkerung.

Nach Angaben humanitärer Partner sind bereits Tausende Menschen aus Ar-Raqqa, Tabqa und ländlichen Gebieten nach Al-Hasakeh und Qamishli geflohen. Viele von ihnen sind den eisigen Wintertemperaturen ausgesetzt und in Sammelunterkünften, Schulen und öffentlichen Gebäuden untergebracht. Die Aufnahmekapazitäten sind erschöpft, der Bedarf an Wasser, Lebensmitteln, Decken, Hygienesets und anderen Hilfsgütern ist hoch.

Stromausfälle und Sicherheitslage beeinträchtigen Trinkwasserversorgung

Stromausfälle und die angespannte Sicherheitslage beeinträchtigen den Betrieb von Wasserpumpen und Aufbereitungsanlagen. Dadurch ist der Zugang zu sauberem Wasser für mehr als eine Million Menschen in verschiedenen Teilen des Nordostens Syriens eingeschränkt.

Zugleich nimmt der Druck auf die Gesundheitseinrichtungen zu. Krankenhäuser wie das in Al-Hasakeh haben Dutzende Verletzte aufgenommen und kämpfen mit Engpässen bei medizinischer Ausrüstung, Krankentransporten und lebenswichtigen Versorgungsgütern.

Aktion gegen den Hunger bereitet Nothilfe vor

Aktion gegen den Hunger hat mehrere Hilfsszenarien ausgearbeitet und kann sobald die Sicherheitslage es zulässt, sofort Nothilfe leisten:

  • die Notverteilung von Wasser in Sammelunterkünften über lokale Anbieter,
  • verzehrfertige Lebensmittel für Familien ohne Kochmöglichkeiten,
  • lebenswichtige Artikel wie Decken, Winterkleidung und Hygienesets,
  • sowie die Stärkung bestehender Kapazitäten in den Bereichen WASH, Gesundheit, Ernährung und Ernährungssicherung in enger Abstimmung mit anderen humanitären Akteuren.

„Unsere Priorität ist es, schnell und wirksam Hilfe zu leisten, sobald die Umstände dies erlauben, und gleichzeitig die Sicherheit unserer Mitarbeitenden zu gewährleisten“, erklärt Takkenberg.

Zudem betont Aktion gegen den Hunger die Notwendigkeit,

  • die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur zu schützen, insbesondere Märkte, Sammelunterkünfte, Gesundheitseinrichtungen und Wassersysteme,
  • einen sicheren, schnellen und ungehinderten humanitären Zugang zu gewährleisten, um Bedarfe zu erheben und lebenswichtige Hilfe zu leisten,
  • flexible Finanzmittel bereitzustellen, um die Hilfe an einen volatilen Kontext anpassen zu können,
  • sowie die humanitäre Koordinierung und Unterstützung für Vertriebene, insbesondere während der Wintermonate, zu stärken.

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche. Möglich sind z.B.

  • eine aktuelle Einschätzung aus dem Einsatzgebiet,
  • Hintergrund zur humanitären Lage in Al‑Hasakeh,
  • sowie Interviewmöglichkeiten mit Suzanne Takkenberg (englischsprachig), Regionaldirektorin von Aktion gegen den Hunger für Syrien und den Libanon.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

PA: UN-Menschenrechtsprüfung Österreichs: Staaten betonen außenpolitische Verantwortung für Menschenrecht

Österreich ist heute vor den UN-Menschenrechtsrat in Genf getreten, um sich zum vierten Mal einer Universellen Menschenrechtsprüfung (Universal Periodic Review, UPR) zu stellen. Armenien, Libanon und weitere prüfende Staaten begrüßten den menschenrechtsbasierten Ansatz in der internationalen Entwicklung und Humanitären Hilfe Österreichs. „Jedoch hat die Bundesregierung die Mittel für diese wesentlichen außenpolitischen Instrumente um ein Drittel gekürzt. Dabei verdeutlicht die aktuelle Weltlage, dass auch die Handlungsfähigkeit des kleinen, neutralen Österreichs von einer regelbasierten Ordnung und von partnerschaftlichen Beziehungen abhängt, für die Abkommen wie die UN-Menschenrechtskonventionen sorgen“, betont Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung.
 
„Für Handlungsfähigkeit ist Glaubwürdigkeit zentral. Grund zur Kritik gab im letzten Jahr die ausgehöhlte EU-Lieferkettenrichtlinie, von der wir jetzt zumindest eine ambitionierte Umsetzung in Österreich einfordern. Und wir schließen uns Ecuadors Empfehlung, sich aktiv in die Verhandlungen für das UN-Abkommen für Wirtschaft und Menschenrechte einzubringen, an“, ergänzt Wank.
 
Kinderrechte systematisch verankern
Bei der Prüfung fanden auch das Dreijahresprogramm der österreichischen Entwicklungspolitik 2025 bis 2027 und die Strategie der Humanitären Hilfe Österreichs Erwähnung. Veronika Schippani-Stockinger, Bundesvorsitzende der Katholischen Jungschar Österreichs, erklärt: „Diese Strategien berücksichtigen die Rechte und den Schutz von Kindern und Jugendlichen nur oberflächlich, weshalb wir eine konsequente und systematische Verankerung in den internationalen Angelegenheiten fordern. Zudem unterstützen wir ausdrücklich die Empfehlung Chiles, Gabuns, Portugals und anderer, das dritte Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zu ratifizieren. Dieses sieht einen Beschwerdemechanismus für Kinder vor.“
 
Namaraj Silwal, Projektpartner vom Social Work Institute, einer nepalesischen Partnerorganisation der Katholischen Jungschar Österreichs, ergänzt, dass die Verantwortung gegenüber Kindern untrennbar mit der Entwicklungs- und Ernährungspolitik verknüpft sei. Im Sinne der ökologischen Kinderrechte und in Zeiten der Klimakrise empfiehlt er: „Österreich sollte die öffentlichen Entwicklungsgelder insbesondere zur Unterstützung der Agrarökologie und lokaler Ernährungssysteme sichern und erhöhen. Österreich sollte davon absehen, Entwicklungsgelder zu kürzen, die das Recht auf Nahrung untergraben, und stattdessen die Unterstützung für Akteur*innen der Zivilgesellschaft verstärken, damit diese eine langfristige, klimaresiliente Ernährungssouveränität für die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen fördern können, auch in Partnerländern wie Nepal.“
 
Inklusion macht „Politik gerechter und Gemeinschaften stärker“
Mehrere Prüferstaaten begrüßten den Nationalen Aktionsplan Behinderung 2022 bis 2030 und betonten die Bedeutung seiner Umsetzung. Mosambik empfahl, die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der internationalen Entwicklung und Humanitären Hilfe als Querschnittsmaterie zu stärken, berichtet Alex Buchinger, Geschäftsführer von Licht für die Welt Österreich. „Menschen mit Behinderungen machen 16 Prozent der Weltbevölkerung aus, wovon 80 Prozent im Globalen Süden leben. Die Mehrheit lebt in Armut und ihre Rechte – etwa auf Bildung, Gesundheitsversorgung oder Teilhabe – werden besonders oft verletzt. Trotzdem ist der Anteil der öffentlichen Mittel, die Menschen mit Behinderungen erreichen, zu gering.“
 
Abschließend fügt Sophia Mohammed, Länderdirektorin von Licht für die Welt im Südsudan, hinzu: „Unsere Arbeit zeigt klar: Gestalten lokale Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen aktiv Projekte mit, werden Gemeinschaften stärker und auch die Politik gerechter. Niemand wird im Kampf gegen Ungleichheiten, Armut und Hunger zurückgelassen. Gleiches gilt für andere benachteiligte Menschen wie Frauen, Kinder und indigene Menschen.“
 
Die österreichische Delegation betonte beim UPR, wie wichtig die Zivilgesellschaft für die Erfüllung der Menschenrechte ist. Diese wird in Österreich und in den Partnerländern verfolgen, wie die Regierung die Empfehlungen umsetzt, wovon ihre internationale Glaubwürdigkeit abhängt.
 
Vor der Prüfung übermittelten der Dachverband AG Globale Verantwortung und seine Mitgliedsorganisationen Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar Österreichs und Licht für die Welt entwicklungspolitische und humanitäre Empfehlungen an den UN-Menschenrechtsrat. Für Journalist*innen erstellte die AG Globale Verantwortung Hintergrundinformationen über den Prozess.

Rückfragen:
Hannah Hauptmann
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeithannah.hauptmann@globaleverantwortung.at
presse@globaleverantwortung.at
Tel.: +43 1/522 44 22 – 15
Mobil: +43 699/17 20 42 07

Online-Pressekonferenz: CARE-Krisenreport 2025 am 27. Januar 2026

Die humanitäre Lage spitzt sich weltweit und vielfältig zu: Konflikte werden langwieriger, die Klimakrise verschärft Notlagen, Kürzungen treffen die Ärmsten. Zahlreiche humanitäre Notlagen konkurrieren um Aufmerksamkeit vor dem Hintergrund zunehmend knapper Ressourcen.

Das zeigte sich 2025 auch in der Berichterstattung: Während die Kriege in Gaza, im Sudan und in der Ukraine die globalen Schlagzeilen dominierten, waren andere humanitäre Brennpunkte wenig sichtbar. Die Analyse von fünf Millionen Online-Artikeln im CARE-Krisenreport 2025 zeigt, welche zehn Krisen im Vorjahr weltweit am wenigsten mediale Beachtung fanden.

Im Rahmen eines Online-Pressegesprächs präsentiert CARE die zentralen Ergebnisse des Reports und diskutiert folgende Fragen: Warum geraten bestimmte humanitäre Krisen aus dem Blick? Welchen Preis zahlen die Betroffenen? Was können Medien, Politik und Zivilgesellschaft tun, damit die Not von Millionen Menschen mehr Beachtung findet?

Im Gespräch mit:
•    Karl-Otto Zentel, Generalsekretär CARE Deutschland (zugeschaltet aus Bonn) 
•    Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin CARE Österreich (zugeschaltet aus Wien) 
•    Charlene Pellsah Ambali, stv. Länderdirektorin CARE Simbabwe (zugeschaltet aus Harare) 
•    Hans Das, stv. Generaldirektor und Chief Operations Officer für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission (DG ECHO) (zugeschaltet aus Brüssel)

Moderation:
•    Kelly Muthusi, CARE Regional Communications Associate für Ost- und Zentralafrika

Online-Mediengespräch: Zehn humanitäre Krisen, die 2025 keine Schlagzeilen machten 
•    Datum: 27.01.2026, 10:00 – 10:45 Uhr 
•    Ort: Online via Zoom

Hinweis für Redaktionen: Der Bericht und die damit zusammenhängenden Informationen unterliegen einer Sperrfrist bis zum 28. Januar 2026, 06:00 Uhr CET.

Das Mediengespräch findet auf Englisch statt. Um Anmeldung bei Katharina Kohl unter kohl@care.de wird gebeten.