Archiv der Kategorie: Klima & Ökologie

PA: CARE warnt vor El Niño: 172 Millionen Frauen und Mädchen droht Hunger

El-Niño bedroht die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen weltweit / Die Ausgangslage ist schlechter als beim bislang stärksten Auftreten von El-Niño in den Jahren 2015/16, warnt die Hilfsorganisation CARE.

Im Pazifik bahnt sich möglicherweise das stärkste El-Niño-Ereignis seit Jahrzehnten an – mit gravierenden Folgen für Millionen Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Die Hilfsorganisation CARE schlägt Alarm: In den am stärksten betroffenen Ländern sind bereits jetzt 172,3 Millionen Frauen und Mädchen von Ernährungsunsicherheit betroffen. El-Niño droht diese ohnehin prekäre Situation massiv zu verschlechtern.

Kritischere Ausgangslage als 2015/16

Das bislang stärkste El-Niño-Ereignis der jüngeren Geschichte traf 2015/16 rund 60 Millionen Menschen. Die aktuelle Ausgangslage ist jedoch viel schlechter: Konflikte, Epidemien und steigende Lebenshaltungskosten haben die Resilienz der betroffenen Menschen seither erheblich geschwächt – mit besonders gravierenden Auswirkungen auf Frauen und Mädchen. Wetterextreme wie Dürren sowie Überschwemmungen und ihre Folgen für die Ernährungssicherheit könnten bis 2027 anhalten.

Erschwerend kommt hinzu: Unterbrechungen der globalen Lieferketten und Mittelkürzungen machen Hilfsleistungen erheblich teurer und schwieriger. Seit der Schließung der Straße von Hormus sind die Behandlungskosten für ein mangelernährtes Kind um durchschnittlich 403 US-Dollar gestiegen. Allein für die bereits fast sieben Millionen betroffenen Kinder wären dadurch zusätzlich rund 2,75 Milliarden US-Dollar erforderlich – noch bevor sich El Niño vollständig bemerkbar macht.

Stimmen aus den Krisenregionen

„Mehrere philippinische Provinzen haben während des letzten El Niño 2024 den Notstand ausgerufen und sich bis heute nicht erholt. Dieser neue El Niño trifft Menschen, die kaum noch Kapazitäten haben, ihn abzufangen. Auf die aktuelle Dürre werden Prognosen zufolge bald starke Taifune folgen. Ländliche Haushalte, die ohnehin durch steigende Reis- und Kraftstoffpreise belastet sind, müssen so zwei Katastrophen in rascher Folge bewältigen“, sagt Reiza Dejito, CARE-Länderdirektorin in den Philippinen.

„In Somalia hat fast jede dritte Person nicht genug zu essen. Der Hunger wird sich weiter ausbreiten. Die verfügbaren Mittel, um vermeidbare Todesfälle zu verhindern, sind völlig unzureichend. El-Niño-bedingte Wetterextreme werden bestehende Ungleichheiten vertiefen, den Zugang zu Nahrung und Bildung erschweren und das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt erhöhen. Wir müssen jetzt handeln“, sagt Ummy Dubow, CARE-Länderdirektorin in Somalia.

CARE fordert frühzeitiges Handeln

CARE fordert ein rasches und koordiniertes globales Vorgehen, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden. Dringend notwendig sind Investitionen in Katastrophenvorsorge und Frühwarnsysteme – insbesondere in den Ländern, die am stärksten von El Niño bedroht sind. „Die Chance, künftigen Hunger zu verringern, hängt davon ab, dass wir handeln, bevor sich eine Krise verschärft – nicht erst, wenn sie bereits ausgebrochen ist“, sagt Marlene Achoki, Expertin für Klimagerechtigkeit bei CARE International.

So hilft CARE: Gemeinsam mit lokalen und frauengeführten Partnerorganisationen stärkt CARE die Krisenvorsorge in den am stärksten gefährdeten Gemeinschaften: durch die Erfassung lokalen Wissens sowie die Entwicklung von Frühwarn- und Frühaktionsplänen, die gezielt auf die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen ausgerichtet sind. Zudem hat CARE bereits den eigenen Early Action Fund aktiviert, der Mittel proaktiv vor dem Eintreffen von Extremwetterereignissen freisetzt – etwa für den Schutz von Ernten und Vieh, Bargeldhilfen sowie den Aufbau klimaresilienter Landwirtschaft.

Für Rückfragen:
Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at

PA: Super El Niño 2026: Frühzeitiges Handeln rettet Leben

Aktuelle Analysen deuten darauf hin, dass El Niño im Jahr 2026 eine außergewöhnlich hohe Intensität erreichen wird. Für Aktion gegen den Hunger ist dies ein deutliches Warnsignal: In besonders vulnerablen Regionen drohen Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle mit schwerwiegenden Folgen für Millionen Menschen. Da die Risiken bereits heute absehbar sind, müssen Vorsorge und Vorbereitung jetzt verstärkt werden. 

„Wir wissen, dass El Niño kommt. Auch wo die Risiken am größten sind und welche Auswirkungen zu erwarten sind, ist klar. In Ländern, die bereits von humanitären Krisen betroffen sind, verstärken solche Klimaschocks bestehende Verwundbarkeiten. Zu warten, bis die Krise eintritt, setzt Menschenleben aufs Spiel und verursacht zusätzlich erhebliche wirtschaftliche Schäden“, betont Rowan Cody, stellvertretende Direktorin für Notfallvorsorge und Nothilfe bei Aktion gegen den Hunger. 

„Angesichts der zunehmenden Häufigkeit und Intensität klimabedingter Extremereignisse geht es nicht mehr darum, ob gehandelt werden muss, sondern dass früh gehandelt wird. Nur so verhindert man, dass El Niño zu einer humanitären Katastrophe wird”, ergänzt Cody.  

Absehbare Folgen in besonders gefährdeten Ländern 

Frühere El-Niño-Ereignisse haben Niederschlagsmuster verändert, extreme Wetterereignisse verstärkt und die Lebensgrundlagen vulnerabler Bevölkerungsgruppen geschwächt. In mehreren Einsatzländern von Aktion gegen den Hunger sind die Risiken besonders hoch:  

  • Madagaskar: Im Süden verschärft ein Niederschlagsdefizit von mehr als 300 mm innerhalb von 90 Tagen die Risiken von Dürre, Ernteausfällen und Ernährungsunsicherheit. Gleichzeitig steigt an der Ostküste das Risiko von Zyklonen und Starkregenereignissen. 
  • Kamerun: In den Regionen Adamaoua und Hoher Norden werden schwere Dürren erwartet. Dies könnte Ernten, Einkommen, den Zugang zu Wasser und die Ernährungslage beeinträchtigen. Auch der Kakaoanbau könnte betroffen sein. 
  • Jemen: Extreme Hitze und ein erhöhtes Risiko plötzlicher Überschwemmungen könnten Infrastruktur, Wasserversorgung und Gesundheitssysteme zusätzlich belasten. 
  • Irak: Die bereits bestehende Wasserkrise könnte sich verschärfen. Hinzu kommen weitere Schäden an landwirtschaftlichen Flächen und eine Zunahme von Sandstürmen. 

Frühzeitige Maßnahmen zum Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen 

Aktion gegen den Hunger verstärkt vorausschauende Maßnahmen in der Notfallvorsorge. Dazu gehören Notfallpläne, Frühwarnsysteme, die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden sowie die Stärkung lokaler Reaktionskapazitäten. 

In Regionen, die von Zyklonen oder Überschwemmungen bedroht sind, stockt Aktion gegen den Hunger Wasser-, Hygiene- und Sanitärkits sowie Hilfsgüterpakete mit wichtigen Alltagsgegenständen auf. So können der Zugang zu sauberem Wasser gesichert, Gesundheitsrisiken reduziert und die Bedürfnisse von Menschen gedeckt werden. 

In von Dürre und extremer Hitze bedrohten Regionen gehören die vorsorgliche Bereitstellung therapeutischer Nahrung zur Behandlung schwerer akuter Mangelernährung, eine verstärkte Ernährungsüberwachung sowie die Unterstützung von Gemeinden beim Erhalt ihrer Lebensgrundlagen zu den zentralen Vorsorgemaßnahmen. 

Solche frühzeitigen Maßnahmen können die humanitären Folgen vorhersehbarer Klimaschocks deutlich begrenzen. Doch obwohl bekannt ist, wo und wie sich die Auswirkungen eines Super El Niño voraussichtlich bemerkbar machen werden, fehlt es häufig an ausreichenden Mitteln für rechtzeitige Vorsorgemaßnahmen. Derzeit fließt humanitäre Finanzierung weiterhin überwiegend in die Reaktion nach Katastrophen statt in deren Prävention und Vorbereitung. 

„Es ist notwendig, flexible und verlässliche Finanzierungen für die Antizipation und Vorbereitung auf Klimakrisen zu stärken und gleichzeitig die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel aufrechtzuerhalten“, betont Rowan Cody. 

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche. Interviewpartner*innen und Expert*innen stehen u.a. zu folgenden Themen zur Verfügung: Notfallvorsorge und vorausschauende Maßnahmen, Auswirkungen in den Einsatzgebieten sowie Fragen zur Finanzierung. 

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

PA: Neuer Südwind-Bericht: Gesundheitsrisiken und prekäre Arbeit prägen den Secondhand-Sektor in Uganda

Wien/Kampala, am 2. Juli 2026. Jedes Jahr landen bis zu 100.000 Tonnen Altkleidung aus dem Globalen Norden in Uganda, 40 Prozent davon sind unbrauchbarer Müll – das entspricht 2.000 vollbeladenen LKWs. Zur Bewältigung dieser Altkleider-Flut entstand ein ganzer Arbeitssektor. Schätzungen zufolge arbeiten in Uganda zwischen 700.000 bis zu indirekt 5 Millionen Menschen im informellem Secondhand-Sektor – sei es als Straßenverkäufer:innen, Schneider:innen, Sortierer:innen oder Müllsammler:innen. Ihr Alltag ist geprägt von finanziellem Druck, Gesundheitsrisiken und existenzieller Unsicherheit. Das zeigt ein neuer Bericht der ugandischen Gewerkschafterin und Forscherin Faith Irene Lanyero, im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Südwind. Der Bericht “Die Menschen hinter den Altkleiderbergen. Arbeitsbedingungen in Ugandas Secondhand-Bekleidungssektor” legt einen Fokus auf die menschlichen Schicksale hinter dem Secondhand-Handel und diskutiert Alternativen für einen gerechten Wandel.

„Unter den Bergen an Altkleidern, die nach Uganda kommen, verbirgt sich eine tiefe soziale und ökologische Krise”, sagt Autorin Faith Irene Lanyero. „Hunderttausende Arbeiter:innen schuften oft ohne freien Tag unter gefährlichen Bedingungen, ohne soziale Absicherung, ohne Gewerkschaftsvertretung und meist ohne Chance auf ein existenzsicherndes Einkommen. Die wachsenden Müllberge werden sogar zu einer Bedrohung für angrenzende Siedlungen, wie der Einsturz der Kiteezi-Deponie 2024 mit 35 Todesopfern zeigte.”

„Der globale Secondhand-Markt ist bei weitem kein nachhaltiger Kreislauf. Die Arbeiter:innen in Ugandas Secondhand-Sektor zahlen den Preis für unseren Fast-Fashion-Konsum. Gemäß dem Prinzip ‘Aus den Augen aus dem Sinn’ werden Europas Müllprobleme auf den Globalen Süden abgewälzt, ebenso wie die Verantwortung über den Umgang mit schädlichen Stoffen, Gesundheitsrisiken und prekären Arbeitsbedingungen”, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für Mode-Lieferketten. „Das Fast-Fashion-System hat den Secondhand-Handel zu einer Müllfalle für den Globalen Süden gemacht.”

70 Stunden-Woche, hohe Belastung, keine Absicherung

Obwohl die Secondhand-Branche oft als nachhaltige Lösung dargestellt wird, ist sie von enormen sozialen und ökologischen Problemen geprägt. In Uganda schafft die Branche zwar viele Arbeitsplätze, die Bedingungen dieser Arbeit sind jedoch höchst prekär. Die meisten Arbeiter:innen haben keine Verträge, keine Schutzkleidung, keine soziale Absicherung und keine Gewerkschaftsvertretung. Befragte berichten von 70-Stunden-Wochen, chronischen Schmerzen, Bluthochdruck oder Atemwegsproblemen, verursacht durch schwere Lasten, Hitze und Staub. Das Einkommen reicht oft nicht zum Leben.

Märkte wie Owino in Kampala sind überfüllt, schlecht belüftet und ohne Schutz vor Regen oder Hitze. Überschwemmungen und Brände sind häufige Gefahrenquellen. Vor allem Frauen arbeiten unter besonders prekären Bedingungen: Zugang zu Toiletten, Mutterschutz oder Kinderbetreuung fehlt. Viele Frauen nehmen daher ihre Babys mit in die gefährliche Arbeitsumgebung. Gleichzeitig verrichten sie oft die am schlechtesten bezahlten Jobs, wie das Tragen von Altkleider-Ballen, Bügeln mit Holzkohle, oder das Ausbessern oder Waschen von Kleidung.

Straßenhändlerin Patricia Nyaketcho berichtet: „Ich arbeite von Montag bis Montag, ohne freien Tag, jeweils zehn Stunden, um meine fünfköpfige Familie zu ernähren. Mein Einkommen reicht nicht aus, um unsere Lebenshaltungskosten zu decken. Die große Menge an minderwertiger Second-Hand-Ware verursacht für mich große Verluste.”

Fehlende Kontrollen und mangelhafte Sortierung

Auch Österreich trägt zu diesen Problemen bei. Mit rund 30 Prozent wird zwar überdurchschnittlich viel der aussortierten Altkleidung gesammelt. Aufgrund fehlender Sortierungs-Infrastruktur wird jedoch mehr als die Hälfte exportiert. Das entspricht rund 22.000 Tonnen, die jedes Jahr in einem intransparenten System des Weiterhandels landen, ohne Überprüfung oder Mitsprache von Zielländern wie Uganda.

„Mit unserer alten Kleidung exportieren wir nicht zuletzt massive Umwelt- und Sozialprobleme. Es kann nicht sein, dass wir unsere Müllprobleme auf andere abwälzen, aufgrund von fehlender Infrastruktur, unzureichenden Kontrollen und Mangel an politischem Willen in Österreich”, sagt Südwind-Expertin Lena Gruber. „Die Menschen am Ende der Lieferketten, die unsere Kleidung aussortieren, weiterverarbeiten und entsorgen, haben ein Recht auf Mitsprache und Selbstbestimmung über den für sie so wichtigen Wirtschaftssektor.”

Denn trotz aller Probleme bietet der Secondhand-Sektor in Uganda vielen Menschen eine wichtige Chance: Für viele Familien ist der Handel mit gebrauchter Kleidung die einzige Einkommensquelle. „Secondhand kann Teil einer nachhaltigen Modewirtschaft sein und hochwertige Secondhand-Ware den Bedarf an Neuproduktion reduzieren. Das zeigen einige ugandische Designer:innen, die aus Altkleidern neue Produkte entstehen lassen“, sagt Lena Gruber von Südwind. „Nachhaltig und respektvoll kann das nur gelingen, wenn die Müllflut aus Europa gestoppt und politische Lösungen für das Fast Fashion-Problem umgesetzt werden.“

Forderungen: Vom linearen Müll- zum gerechten Kreislaufsystem

Südwind fordert auf Basis der Studie einen dringenden Kurswechsel: Das Ziel müsse sein, dass nur wiederverwendbare Kleidung exportiert werden darf. Um Müllexporte in Länder des Globalen Südens zu vermeiden, fordert Südwind den Aufbau von ausreichenden Sortierkapazitäten in den Verbraucher-Ländern, strenge Exportkontrollen und Sanktionen bei Falschdeklaration.

Gleichzeitig braucht es Maßnahmen, um die Überproduktion zu bremsen: Dazu zählen eine ökosoziale Steuerung mit Abgaben auf Billigmode zur Finanzierung von nachhaltigen und sozial gerechten Lösungen. In dem Sinne müssen Modemarken basierend auf der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte verantwortlich gemacht werden.

Rückfragen:
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at

Veranstaltungsankündigung: Öl, Extraktivismus und die Klimakrise: Aktivismus in Zeiten von shrinking spaces

Gemeinsam mit Menschenrechtsaktivist;innen wird bei der Veranstaltung vom VIDC am 8. Juni in Wien diskutiert, welche Folgen unternehmerische Interessen europäischer Konzerne auf Mensch, Umwelt und Klima in Uganda haben, welche Strategien sie in Zeiten von wachsender Autokratie und shrinking civil spaces entwickelt haben, die Notwendigkeit von transnationaler Solidarität und welche Rolle Österreich spielen kann.

Zurzeit baut die ugandische Regierung mit internationalen Ölkonzernen wie Total Energies mit Hochdruck an über 400 Ölbrunnen und der längsten beheizten Ölpipeline der Welt, der East African Crude Oil Pipeline (EACOP). Als Motor für wirtschaftliche Entwicklung beworben, sorgte das fossile Großprojekt jedoch bereits für zahlreiche unzulässige Landenteignungen und die Zerstörung der Lebensgrundlagen vieler Anwohnerinnen, Repressionen gegen Kritikerinnen, Zerstörung sensibler Ökosysteme und massive soziale, ökonomische und psychische Langzeitfolgen für lokale Gemeinschaften. Gleichzeitig regt sich seit Jahren ziviler Widerstand gegen die East African Crude Oil Pipeline, von den betroffenen Gemeinden vor Ort bis zu internationalen aktivistischen Netzwerken.

Am Podium
– Janepher Baitwamasa ist Programmkoordinatorin der Organisation Navigators of Development Association (NAVODA).
– Christopher Opio leitet die Oil Refinery Residents Association (ORRA) und gründete die Jugendorganisation NatureTalk Africa (NaTa).
– Nicholas Omonuk gründete End Fossil Occupy Uganda und  Mitglied bei Agape Earth Coalition, Fridays for Future, United for Climate Justice. 
– Fatim Selina Diaby engagiert sich an der Schnittstelle von Gesundheit, Klima und Gerechtigkeit.

Mehr Info und Anmeldung

PA: World Fair Trade Day. Südwind Niederösterreich feiert Fortschritte beim fairen Handel

25 Jahre Faire Wochen in Niederösterreich – Weltläden und Südwind Niederösterreich feiern Jubiläum mit zahlreichen Events in ganz Niederösterreich

Zum diesjährigen World Fair Trade Day am 9. Mai steht in Niederösterreich ein besonderes Jubiläum im Mittelpunkt: Die Fairen Wochen feiern ihr 25-jähriges Bestehen. In Zusammenarbeit mit den Weltläden setzt Südwind Niederösterreich mit zahlreichen Veranstaltungen in ganz Niederösterreich ein starkes Zeichen für fairen Handel, nachhaltigen Konsum und globale Gerechtigkeit. 

„Das 25-jährige Jubiläum der Fairen Wochen zeigt, wie sich der faire Handel von einer engagierten Nischenbewegung hin zu einem wichtigen Bestandteil nachhaltigen Konsums entwickelt hat. Während anfangs vor allem einzelne Produkte, wie etwa Kaffee und Schokolade, im Fokus standen, geht es heute vor allem um Gerechtigkeit entlang globaler Lieferketten und strukturelle Veränderungen im Wirtschaftssystem“, sagt Ingrid Schwarz von Südwind Niederösterreich. „Gemeinsam mit den Weltläden als Fachgeschäfte für den fairen Handel wollen den diesjährigen World Fair Trade Day nutzen, um diese Fortschritte sichtbar zu machen und gleichzeitig auf bestehende Herausforderungen im globalen Handel hinzuweisen.“

Event-Highlights zum World Fair Trade Day

Die Veranstaltungen von Südwind Niederösterreich und den Weltläden laden dazu, fairen Handel hautnah zu erleben – von Produktverkostungen über Workshops bis hin zu Informationskampagnen. 

  • „Weltladentag 2026 – Fair handeln – Vielfalt stärken“, Weltladen Perchtoldsdorf am Samstag, 9. Mai, 10:00 – 13:00 Uhr, Verkostungen, Austausch und Kinderprogramm
  • „Fest der Begegnung“, Weltladen Krems am Samstag, 9. Mai, 10:00 – 13:00 Uhr, Kennenlernen mit Verkostungen
  • Filmabend: „Mit Biss und Tritt zur Vielfalt“, Weltladen Lanzenkirchen, am Samstag, 9. Mai, 19:30 Uhr, Filmvorführung mit anschließendem Gespräch mit Projektkoordinatorin Maria Schindler vom Verein Hirtenkultur.  

Im Rahmen der Fairen Wochen lädt Südwind Niederösterreich noch den ganzen Mai über zu unterschiedlichen Veranstaltungsformaten dazu ein, globale Zusammenhängen näher kennenzulernen und sich mit Gerechtigkeit entlang unserer Lieferketten kritisch auseinanderzusetzen. 

Alle Eventdetails sind zu finden auf: Suedwind.at/Projekt/Faire-Wochen-2026

PA: Verlässlichkeit zahlt sich aus – FAIRTRADE wächst und zeigt globale Wirkung

Der Umsatz mit FAIRTRADE-Produkten in Österreich erreicht 2025 ein neues Rekordniveau. In einem Umfeld aus Klimakrise, steigenden Kosten und Preisschwankungen gewinnt fairer Handel weiter an Bedeutung und erweist sich als stabiler Anker.

  • Umsatz von FAIRTRADE-Produkten wächst 2025 um 12,7 Prozent.
  • Mehr Wirkung für Produzentenorganisationen: 89,3 Millionen US-Dollar an Direkteinnahmen.
  • In Côte d’Ivoire steigt Anteil der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen mit Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle auf 74 Prozent, extreme Armut geht massiv zurück von 58 Prozent auf 17 Prozent.

FAIRTRADE Österreich verzeichnet 2025 ein deutliches Wachstum: Der Gesamtumsatz steigt auf 796 Millionen Euro, ein Plus von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bauernfamilien und Beschäftigte profitieren von den höheren Direkteinnahmen aus FAIRTRADE-Verkäufen in Österreich – diese erreichen mittlerweile 89,3 Millionen US-Dollar.

Mit einem Pro-Kopf-Konsum von 88 Euro zählt Österreich zu den Top-3 FAIRTRADE-Märkten weltweit. „Dieses Wachstum ist kein Zufall. Es zeigt, dass faire Handelsbedingungen für Konsument:innen und Unternehmen zunehmend relevant sind, gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten“, sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich. Vertrauen bleibt ein entscheidender Faktor: 98 % der Österreicher:innen kennen das FAIRTRADE-Siegel, 87 % vertrauen ihm. „Wenn Märkte unsicher werden, zählt Orientierung, und die bieten glaubwürdige Siegel“, so Kirner. Das bestätigt auch die unabhängige Stiftung Warentest in Deutschland mit dem aktuellen Siegel-Check (05/2026).

Wachstum trotz steigender Herausforderungen
Die positive Marktentwicklung ist breit getragen: Zuwächse bei Bananen (+6,9 %), Rosen (+11,3 %) und Kakao (+3,7 %) bestätigen die stabile Nachfrage. Kaffee ist hingegen leicht rückläufig (-6,3 %), vor allem wegen Sortimentsveränderungen und hoher Rohstoffpreise. Für Produzentenorganisationen in den Anbauländern verschärft sich die Lage dennoch insgesamt: Klimabedingte Ernteausfälle, unsichere Weltmarktpreise und steigende Kosten setzen viele Betriebe zunehmend unter Druck. Gleichzeitig wirken aktuelle politische Krisen negativ auf die globalen Lieferketten ein. Der Finanzierungsbedarf steigt, während Unsicherheiten bei Erträgen und Preisen zunehmen. 

Unabhängiger Test bestätigt hohe Aussagekraft
Zusätzliche Bestätigung erhält FAIRTRADE durch einen aktuellen Test der Stiftung Warentest (05/2026): Das FAIRTRADE-Siegel zählt zu den drei Systemen mit der höchsten Aussagekraft. Besonders hervorgehoben werden Mindestpreise, Prämien sowie klare Vorgaben für existenzsichernde Einkommen und Arbeitsbedingungen. Damit wird FAIRTRADE als eines der verlässlichsten Nachhaltigkeitssiegel im Lebensmittelbereich eingeordnet – ein wichtiger Orientierungsfaktor für Konsument:innen.

Messbare Wirkung im Ursprung
Das Wachstum in Österreich zeigt direkte Wirkung in den Anbauregionen. Zusätzliche Einnahmen und Prämien ermöglichen Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Klimaanpassung, und stärken damit die Resilienz von Bauernkooperativen und Farmen mit Beschäftigten im FAIRTRADE-System. Besonders deutlich wird das im Kakaosektor: In Côte d’Ivoire erreichen mittlerweile 74 Prozent der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen ein Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle. 2017 lag dieser Anteil noch bei 23 Prozent. Gleichzeitig ist extreme Armut massiv zurückgegangen – von 58 Prozent auf nur noch 17 Prozent der Haushalte. Diese Entwicklung zeigt auch unter schwierigen globalen Bedingungen: „Die großen globalen Herausforderungen treffen jene am stärksten, die den wenigsten finanziellen Spielraum haben. FAIRTRADE setzt genau hier an und schafft konkrete Verbesserungen“, betont Kirner.

Transparenz schafft Orientierung
Mit neuen EU-Vorgaben und wachsender Nachfrage nach nachhaltigen Produkten steigen die Anforderungen an glaubwürdige Systeme weiter. Klare Kriterien, unabhängige Kontrollen und nachvollziehbare Lieferketten werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen. FAIRTRADE bietet diese Transparenz seit Jahrzehnten. „Unser Ziel bleibt, wirtschaftlichen Erfolg und soziale Verantwortung langfristig zu verbinden“, so Kirner abschließend.

Rückfragehinweis: presse@fairtrade.at

Interviewmöglichkeit: Stimmen des Widerstands aus Bolivien – indigene Frauen kämpfen für Umwelt und Gerechtigkeit

Derzeit sind engagierte Vertreterinnen mehrerer Partnerorganisationen aus Bolivien zu Besuch in Österreich. Sie berichten aus erster Hand über die Auswirkungen von Bergbau, Klimakrise und sozialer Ausgrenzung, sowie über konkrete Lösungsansätze und ihren täglichen Einsatz für Veränderung. 

Indigene Gemeinschaften in Bolivien sind massiv von Umweltzerstörung, Klimakrise und sozialer Ungleichheit betroffen. Besonders Frauen übernehmen eine zentrale Rolle im Einsatz für ihre Rechte, den Schutz ihrer Lebensgrundlagen und mehr Gerechtigkeit.

Interviewmöglichkeiten
Montag, 11. Mai 2026, 10-12 Uhr
Bundesbüro Katholische Jungschar/Dreikönigsaktion, Wilhelminenstraße 91IIf, 1160 Wien
Terminvereinbarung:
Elisabeth Holzner, 0676 88011 1000, elisabeth.holzner@dka.at
Die Gespräche finden auf Spanisch statt, eine Übersetzung ist bei Bedarf gerne möglich.
Interviews sind auf Wunsch auch online oder telefonisch/per Whatsapp möglich.

Hintergrund
Am Río Pilcomayo und in anderen Regionen Boliviens bedrohen Bergbau, großflächige Landwirtschaft und die Klimakrise die Lebensgrundlagen indigener Gemeinschaften. Das Wasser wird verschmutzt, Böden verlieren ihre Fruchtbarkeit, Gesundheitsschäden nehmen zu und traditionelle Lebensweisen geraten unter Druck. Die Ursachen reichen weit über Bolivien hinaus – sie sind eng mit globalen Produktions- und Konsummustern verbunden.

Indigene Aktivist*innen machen auch auf globale Zusammenhänge aufmerksam. Der Abbau von Rohstoffen für Elektronikgeräte oder andere Konsumgüter im Globalen Norden führt häufig zu Umweltzerstörung und sozialen Konflikten im Globalen Süden. 

Mitten in diesen Herausforderungen organisieren sich indigene Frauen. Sie gründen Kollektive, entwickeln nachhaltige Einkommensmöglichkeiten und setzen sich für den Zugang zu sauberem Wasser. Sie kämpfen für ihre Rechte, für kulturelle Anerkennung und für eine lebenswerte Zukunft ihrer Gemeinschaften.

Im April und Mai 2026 sind vier bolivianische Aktivistinnen aus unseren Partnerorganisationen CERDETISALPCEPA und CIPCA in Österreich und berichten im Rahmen der „Begegnung mit Gästen“ von Welthaus Österreich von ihrer Arbeit.
In Vorträgen, Workshops und persönlichen Begegnungen geben sie Einblick in ihr Engagement und zeigen, wie Empowerment, Bildung und gemeinschaftliches Handeln zu wirksamen Antworten auf ökologische und soziale Krisen werden.

Über die Gesprächspartnerinnen
Alicia Cuiza Churqui (CEPA, Centro de Ecología y Pueblos Andinos, Zentrum für Ökologie und andine Völker) ist Anthropologin und Psychologin mit langjähriger Erfahrung in Bildung, Forschung und Gemeinwesenarbeit. Sie arbeitet seit vielen Jahren mit Frauen und indigenen Gemeinschaften zu Themen wie Umweltmanagement, gesunde Ernährung, traditionelle Medizin, Handwerk und Führungskompetenzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung von Frauen, die von Umweltbelastungen betroffen sind, sowie auf der Begleitung nachhaltiger wirtschaftlicher Alternativen.

Erika Rojas (CIPCA, Centro de Investigación y Promoción del Campesinado, Zentrum für Forschung und Förderung von Kleinbauern- und -bäuerinnen) ist Agraringenieurin bei CIPCA Regional Altiplano. Sie arbeitet in den Gemeinden San Andrés de Machaca und Charazani im Departement La Paz an Projekten zur ländlichen Entwicklung mit Schwerpunkt auf Agrarökologie, Umweltpolitik und der Stärkung indigener Gemeinschaften – insbesondere von Frauen und Jugendlichen.

Águeda Colque Ordóñez (ISALP, Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí, Sozialforschung und Rechtsbe­ratung Potosí) ist Koordinatorin des Projekts K’acha Kausakunapaq bei ISALP. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit indigenen Gemeinschaften, insbesondere zu Gendergerechtigkeit, Dialogprozessen, nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährungssouveränität und ist national wie international in Beratungs- und Austauschprogrammen tätig.

Lenny Espinoza (CERDET, Centro de Estudios Regionales para el Desarrollo de Tarija, Zentrum für regionale Studien für die Entwicklung in Tarija) ist Anthropologin mit Schwerpunkt angewandte Anthropologie und Kulturmanagerin und verfügt über langjährige Erfahrung in der Gemeindearbeit mit indigenen Völkern. Derzeit arbeitet sie mit Frauen, Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Weenhayek-Volkes zu Menschenrechten, Zugang zur Justiz und Klimawandel. Ein besonderer Fokus liegt auf der Stärkung von Frauen, der Sicherung von Lebensgrundlagen wie Fischerei und Kunsthandwerk sowie der Förderung weiblicher Führung aus einer interkulturellen Perspektive.

Schoko-Osterhasen-Check: Das sind die Nachhaltigkeits-Sieger

Neuer Rekord: 87 Prozent der getesteten Schokohasen tragen mindestens ein unabhängiges Gütesiegel. Grund ist unter anderem eine erfreuliche Entwicklung bei Branchenriese Lindt.

Ein Osternest ohne Schokohase ist wie der Frühling ohne Sonne – einfach nicht das Wahre. Am besten schmeckt die Schokolade, wenn sie fair und nachhaltig ist. Rechtzeitig zum Fest veröffentlichen die Menschenrechtsorganisation Südwind und die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 mit dem Osterhasen-Check wieder ihren öko-sozialen Wegweiser durch den Gütesiegel-Dschungel. Insgesamt haben die Organisationen heuer 30 Schoko-Hasen unter die Lupe genommen. Neu dabei in der Bewertung ist die Chocolate-Scorecard. Gerade für Schokohasen, bei denen mit konzerneigenen Siegeln gearbeitet wird, dient sie als zusätzliche Orientierungshilfe. 

Stabile Testsieger

Fünf Testsieger, die sich bereits in den letzten Jahren als Vorreiter für soziale und ökologische Standards etabliert haben, gewinnen in diesem Jahr erneut das Rennen. Der “EZA-Schokohase” aus den Weltläden, der “Billa Bio Schokohase”, der vegane “Billa Vegavita Bio Schoko Osterhase”, der “Spar Natur Pur Bio-Osterhase” und der “BIO Osterhase Fairtrade” von Hofer. Sie alle tragen sowohl das FAIRTRADE als auch das EU-Biosiegel. Im Ampelsystem des Osterhasen-Checks bekommen sie deshalb eine doppelt grüne Bewertung.

“Der Osterhasen-Check zeigt, dass faire und soziale Schokolade im Supermarkt schon lange kein Einzelfall mehr ist. Gleichzeitig gibt es immer noch Ausreißer, die keine unabhängigen Zertifizierungen aufweisen. Mit unserem Check bieten wir Orientierung, damit die Schokolade im Osternest nachhaltig ist”, so Gudrun Glocker, Lieferketten-Expertin bei Südwind und Anna Leitner, Ressourcen-Sprecherin bei GLOBAL 2000.

Branchenriese Lindt setzt auf Zertifizierung

Auch in diesem Jahr trägt die Mehrheit der Schokohasen mindestens ein unabhängiges Gütesiegel, mit 87 Prozent sind es deutlich mehr als im Vorjahr, als der Anteil zirka bei 75 Prozent lag. Nur vier Hasen erhalten eine doppelt rote Bewertung: Sie haben weder für ökologische noch für soziale Standards ein unabhängiges Siegel. 

„Eigene Nachhaltigkeits-Programme, auf die vor allem große Unternehmen setzen, sind kein Ersatz für unabhängige Zertifizierungen. Konsument:innen können sich nicht darauf verlassen, dass selbst definierte Kriterien bei der Herstellung der Schokolade eingehalten werden. Konzern-Initiativen sind oft intransparent und es wird nicht unabhängig kontrolliert“, sagt Gudrun Glocker von Südwind. “Umso erfreulicher ist es, wenn Branchenriesen wie Lindt umdenken.“ Diese lassen seit Anfang des Jahres 100% ihres Kakaos zusätzlich zum eigenen Nachhaltigkeits-Programm von Rainforest Alliance zertifizieren.

“Konsument:innen dürfen im Siegel-Dschungel nicht auf sich allein gestellt bleiben. Die Regierung muss Unternehmen zu Maßnahmen gegen Kinderarbeit und Umweltzerstörung verpflichten. Das EU-Lieferkettengesetz gibt dafür einen ersten Rahmen. Jetzt ist die Bundesregierung am Zug, ein nationales Gesetz zu schaffen, das Menschen und Umwelt effektiv schützt – damit in Zukunft jeder Schokohase unbeschwert genossen werden kann”, fordert Leitner von GLOBAL 2000. 

Waldzerstörung und Kinderarbeit im Kakao-Anbau

Die weltweiten Kakaopreise sind zuletzt wieder stark gesunken. Preisschwankungen setzen Kakaobäuer:innen, die ohnehin schon mit klimabedingten Ernteausfällen zu kämpfen haben, unter zusätzlichen Druck. Besonders jetzt ist es wichtig, den fairen und sozialen Anbau zu unterstützen, der ein menschenwürdiges und sicheres Auskommen ermöglicht.

“Kinder- und Zwangsarbeit und sehr niedrige Bezahlung sind nach wie vor große Probleme. Waldzerstörung für Kakao-Anbauflächen schaden wiederum indigenen und anderen lokalen Gemeinschaften”, so Gudrun Glocker von Südwind. “Dagegen können auch wir in Europa etwas tun: Die EU-Entwaldungsverordnung soll verhindern, dass Produkte in Zusammenhang mit Waldzerstörung auf den europäischen Markt kommen. Sie steht aber gerade massiv unter Beschuss vieler Mitgliedsländer. Österreich muss sich hier endlich seiner Verantwortung bewusst werden.”

Zum Osterhasen-Check

Dieser Check bezieht sich auf Schokoladen-Hohlfiguren, die bis 17.03.2026 in österreichischen Supermärkten erhältlich waren und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jeder Hase wurde nur einmal aufgenommen – auch wenn er im Handel in unterschiedlichen Varianten erhältlich ist. 

Rückfragehinweis:

Vincent Sufiyan
Leitung Kommunikation bei Südwind 
vincent.sufiyan@suedwind.at
+43650 9677 577

Antonia Petri
Pressesprecherin GLOBAL 2000
antonia.petri@global2000.at
+43 699 142000 82

PA: ‌30 Jahre FAIRTRADE-Kakao: Wie fairer Handel Einkommen stärkt und Märkte stabilisiert

62.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao wurden in Österreich seit dem Start vor 30 Jahren konsumiert, der Marktanteil liegt mittlerweile bei über 14 Prozent. Gerade in Zeiten stark schwankender Kakaopreise zeigt sich wie wichtig Stabilität für Kakaobäuer:innen ist.

1,2 Milliarden Tafeln FAIRTRADE-Schokolade wurden in Österreich in den vergangenen 30 Jahren konsumiert. Insgesamt entspricht das rund 62.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao. Heute werden knapp 12.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao pro Jahr verarbeitet. Damit isst jede:r Österreicher:in durchschnittlich bereits rund 25 Tafeln FAIRTRADE-Schokolade jährlich.

Auch im Handel gewinnt FAIRTRADE-Schokolade weiter an Bedeutung: Der Marktanteil von FAIRTRADE-zertifizierten Tafelschokoladen liegt mittlerweile bei über 14 Prozent (Quelle: Nielsen IQ). Vor wenigen Jahren lag er noch bei rund zehn Prozent. Damit hat sich FAIRTRADE-Kakao von einer Nischeninitiative zu einem festen Bestandteil des österreichischen Schokolademarkts entwickelt.

Wirkung im Ursprung: Einkommen steigen messbar
Dass faire Handelsbedingungen in der Kakaoindustrie konkrete Verbesserungen im Ursprung bewirken können, zeigt eine aktuelle Einkommensstudie aus Côte d’Ivoire. Demnach erzielen 74 Prozent der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen mittlerweile ein Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle. Gleichzeitig ist der Anteil der Haushalte in extremer Armut deutlich gesunken – von 36 Prozent im Jahr 2020 auf 17 Prozent. FAIRTRADE trägt dazu mit stabilen Mindestpreisen, einer zusätzlichen FAIRTRADE-Prämie für Gemeinschaftsprojekte sowie Schulungen und Programmen zur Einkommenssteigerung bei.

Preisschwankungen am Kakaomarkt
Der Kakaomarkt ist derzeit von starken Preisschwankungen geprägt. Nach historischen Höchstständen sind die Weltmarktpreise zuletzt wieder deutlich gefallen. Für viele Kakao-Kooperativen und ihre Mitgliederfamilien bedeutet das mittelfristig wieder sinkende Einnahmen, während gleichzeitig Klimawandel, Schädlinge und steigende Produktionskosten die Landwirtschaft erschweren.

„Es ist heute wichtiger als je zuvor, beim Einkauf bewusst zu FAIRTRADE-Schokolade zu greifen. Gerade in Zeiten sinkender Rohstoffpreise brauchen Kakao-Bauernfamilien verlässliche Einkommen, um ihre Farmen zu sichern, zu investieren und sich gegen immer häufiger werdende Wetterextreme zu wappnen – und damit langfristig auch unsere Versorgung mit Kakao zu sichern.“ sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich.

Genau hier setzt FAIRTRADE an: Der vertraglich fixierte Mindestpreis und die zusätzliche FAIRTRADE-Prämie schaffen ein Sicherheitsnetz nach unten, das Produzentenorganisationen auch in Zeiten fallender Weltmarktpreise Stabilität bietet. 

Rückfragehinweis: presse@fairtrade.at

Hintergrund:

FAIRTRADE ist weltweit das führende Zertifizierungssystem, bei dem die Produzentinnen und Produzenten von einem Mindestpreis und einer Prämie, deren Höhe genau festgelegt ist, profitieren.

Der FAIRTRADE-Mindestpreis ist als Sicherheitsnetz zu verstehen und soll die durchschnittlichen Produktionskosten für eine nachhaltige Produktion decken. Liegt der jeweilige (Welt)Marktpreis darüber, muss der höhere Marktpreis bezahlt werden. Die Produzentenorganisationen vereinbaren auch jederzeit einen höheren Preis mit den Abnehmern.

Zusätzlich zum Verkaufspreis erhalten Produzentenorganisationen die FAIRTRADE-Prämie. Die Bauernfamilien bzw. Beschäftigten auf Plantagen entscheiden in einem demokratischen Prozess, in welche sozialen, ökologischen oder ökonomischen Projekte investiert wird.

PA: Attac-Bericht: Wettrüsten macht Klimaziele unerreichbar

Militär könnte 2030 rund 25 Prozent der maximal erlaubten Gesamtemissionen beanspruchen

Um die Erderhitzung auf 1,5 bis maximal 2 Grad zu begrenzen, müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen laut Pariser Abkommen bis 2030 halbiert werden. Ein neuer Attac-Bericht zeigt, dass das globale Wettrüsten diese Klimaziele unerreichbar macht. 

Nach Attac-Berechnungen betrugen die globalen Emissionen des Militärs im Jahr 2025 bereits rund 8 Prozent der globalen Emissionen (4,3 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalent). Steigen die Militärausgaben weiter wie geplant an, würden die weltweiten Heere im Jahr 2030 etwa 25 Prozent der dann maximal erlaubten Gesamtemissionen beanspruchen. Eine ähnliche Größenordnung (26 Prozent) besteht in Bezug auf die Emissionen europäischer NATO-Staaten und die Klimaziele der EU. Selbst ernsthafte Emissionsminderungen in Industrie, Verkehr oder Energie würden also durch den stark wachsenden militärischen Sektor zunichte gemacht werden.

„Das Wettrüsten untergräbt jede Chance, die Klimakrise abzufedern. Es bedeutet nicht nur mehr Emissionen, sondern auch weniger Spielraum für Klima-, Sozial- und Friedenspolitik. Wer es mit Klimaschutz ernst meint, muss Investitionen fürs Militär in Bereiche wie Klimaschutz umlenken – nicht umgekehrt“, erklärt Max Hollweg von Attac Österreich.

Die Klimakrise wirkt wiederum selbst als Konflikttreiber: Hitze, Dürren und Überschwemmungen verschärfen soziale Spannungen, zerstören Lebensgrundlagen und befeuern Gewalt. Die daraus entstehenden Konflikte zerstören Umwelt und Klima weiter – ein Teufelskreis. Hollweg: „Die aktuell dominante Sicherheitspolitik setzt auf Abschreckung und Aufrüstung. Doch diese Logik führt letztlich zu weiterer Eskalation.“

Wettrüsten stoppen, Rüstung zu emissionsarmer, ziviler Produktion umbauen

Attac fordert daher, das internationale Wettrüsten zu stoppen. Auch Österreich solle seine Militärausgaben nicht wie geplant verdoppeln und aus dem EU-Rüstungsprogramm ReArm Europe aussteigen. Die Rüstungsindustrie muss demokratisch kontrolliert und zu emissionsarmer, ziviler Produktion umgebaut werden, fordert Attac. Dazu gehören insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien, öffentliche Mobilität (Züge, E-Busse) und die entsprechende Infrastruktur. Aktuell profitiert vor allem die boomende Rüstungsindustrie von den staatlichen Großaufträgen: Klimaschädliche Autoproduktion wird zu noch klimaschädlicherer Rüstungsproduktion transformiert.

Militärische Emissionen endlich in die Klimapolitik einbeziehen

Obwohl das Militär besonders klimaschädlich ist, werden seine Emissionen bislang völlig unzureichend erfasst und kaum reguliert. Bis heute ist keine Regierung verpflichtet, militärische Emissionen an die UN-Klimarahmenkonvention zu melden. Auch Österreich erfasst militärische Emissionen nur lückenhaft. Attac fordert daher, dass militärische Emissionen endlich verbindlich in die internationale Klimapolitik einbezogen werden. „Die bisherige klimapolitische Sonderbehandlung des Militärs muss beendet werden“, erklärt Hollweg.

Rückfragen:
David Walch
Pressesprecher Attac Österreich
presse@attac.at
0650 544 00 10