Archiv der Kategorie: SDGs

PA KFBÖ: Veranstaltung zum Familienfasttag 2026: Partizipation als Schlüssel globaler Gerechtigkeit

Wie kann gesellschaftliche Teilhabe unter Bedingungen von Armut, Gewalt und struktureller Ausgrenzung gelingen? Dieser Frage widmete sich die Veranstaltung zum Familienfasttagim Parlament Österreich. Im Zentrum stand die Rolle feministischer Organisationen in Indien, die Frauen darin stärken, ihre Rechte wahrzunehmen, wirtschaftlich selbstbestimmt zu handeln und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Gastgeber der Veranstaltung war Markus Stotter, Präsident des Bundesrates, der in seinem Eröffnungsstatement die Bedeutung von politischer Teilhabe und internationaler Verantwortung als Grundlagen einer lebendigen Demokratie hervorhob. In ihren Grußworten betonten Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö), sowie Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, die gesellschafts- und gleichstellungspolitische Relevanz von Partizipation. Der Familienfasttag der kfbö zeige seit Jahrzehnten, dass globale Solidarität dann wirksam sei, wenn sie auf langfristige Partnerschaften und feministische Perspektiven setze.

Einen fachlichen Impuls lieferte Linda Kreuzer, die die strukturellen Zusammenhänge von sozialer Ungleichheit, Geschlechtergerechtigkeit und Entwicklungszusammenarbeit beleuchtete. Eine Videoeinspielung stellte anschließend die Arbeit der indischen Partnerorganisation SEEDS vor, die Frauen durch rechtliche Bildung, wirtschaftliche Stärkung und kollektive Organisation neue Handlungsspielräume eröffnet. Im anschließenden Expertinnentalk diskutierten Anna Raab, Verantwortliche für den Familienfasttag, gemeinsam mit Doris Schmidauer, Eva Wallensteiner und Sara Soltani über feministische Entwicklungszusammenarbeit, globale Verantwortung und die Bedeutung von Partizipation für nachhaltige gesellschaftliche Transformation. Moderiert wurde die Veranstaltung von Clivia Blümel. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Rina Killmeyer, die mit ihren musikalischen Interventionen Übergänge gestaltete und dem Abend eine dichte, ruhige Atmosphäre verlieh. Das Kurzinterview mit Bischof Wilhelm Krautwaschl machte deutlich, dass der Einsatz für globale Gerechtigkeit und die Stärkung von Frauen auch als kirchlicher Auftrag verstanden wird.

Im Anschluss an das Programm wurden die Gäste zu einem Suppenempfang eingeladen. Die beiden Suppen, eine Alt Wiener Erdäpfelsuppe sowie ein indisches Linsen-Kokos-Gericht, wurden von Schülerinnen der Fachhochschule MODUL University Vienna zubereitet und serviert. Die Veranstaltung zum Familienfasttag zeigte eindrücklich: Christlich-feministische Organisationen sind Motoren gesellschaftlicher Veränderung. Partizipation von Frauen ist kein Randthema, sondern ein zentraler Schlüssel für globale Gerechtigkeit, in Indien wie in Österreich.
 

Stimmen zur Veranstaltung, zum Modellprojekt SEEDS, zu Partizipation und Gerechtigkeit:

Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, Eva-Maria Holzleitner:
„Partizipation ist ein demokratisches Grundrecht, das weltweit zunehmend unter Druck gerät. Veranstaltungen wie der Familienfasttag zeigen eindrucksvoll, wie dieses Recht sichergestellt werden kann: durch internationale Solidarität, Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe und konkrete Projektarbeit. Mit ihrer konsequent feministischen Ausrichtung zeigt die katholische Frauenbewegung mutig und konsequent Diskriminierung von Frauen auf, bietet klare Lösungen an und schaut mit ihren Impulsen weit über den Suppenteller hinaus, immer im Sinne der gesamten Gesellschaft.“
 
Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreich, Angelika Ritter-Grepl:
Gerechtigkeit ist keine starre, fixe Größe, sondern Gerechtigkeit verändert sich und muss immer wieder neu ausgehandelt und angestrebt werden. Darum ist es wichtig, dass alle Betroffenen im Aushandlungsprozess beteiligt sind. Nach Gerechtigkeit zu streben ist eine Lebenspraxis, darum braucht es die Partizipation aller und zwar auf allen Ebenen. Auf der Ebene der Person im täglichen Leben und der gesellschaftlichen und rechtlichen Strukturen, wo die Aushandlungsprozesse stattfinden. Darum braucht es das Recht auf Partizipation, es braucht demokratische Prozesse, die allen Betroffenen das Mitwirken, die Teilhabe ermöglichen insbesondere im Bereich der Mitbestimmung.
 
Stv.-Vorsitzende und Leiterin der Aktion Familienfasttag, Anna Raab:
Wir arbeiten auf verschiedenen Ebenen: in unseren Gremien auf Ö-Ebene in Zusammenarbeit mit den dafür zuständigen Frauen der einzelnen Diözesen. Wenn ein Bildungsthema erarbeitet wird oder wenn Projekte in den Ländern des globalen Südens ausgewählt werden, ist eine gute Kommunikation wichtig – fragen, zuhören, miteinander reden diskutieren – so können wir zu einer guten Entscheidung kommen, die alle mittragen können. Jede von uns ist mitverantwortlich, dass wir ausgehandelte Verträge mit unseren Projektpartnerinnen auch einhalten. Wenn wir Bildungsveranstaltungen mit den Frauen aus den Regionen und Pfarren machen, ermutigen wir die Teilnehmerinnen, dass sie ihre Erfahrungen und Ansichten einbringen und so eine Grundlage bekommen, die Aktion gut durchführen zu können, zB bei Frauentreffen, bei der Gestaltung von Gottesdiensten oder auch beim Suppe ausschenken.
 
Stv. Vorsitzende, Lydia Lieskonig:
Die Teilnahme aber auch Teilhabe der Verantwortung an der Ausführung der geschäftlichen Abwicklungen innerhalb des kfb Ö Vorstandes. Mein sehr persönlicher Part ist für eine zuversichtliche, erfüllende und ausgleichende Atmosphäre zu sorgen. Zugleich ist es mir wichtig, eine ausgewogene Verbindung von Klarheit und Pragmatismus sicherzustellen. Der verbindende Kontakt zu den ehrenamtlichen Diözesanleiterinnen ist ebenfalls ein wichtiger Part. Wir sind als Frauen gemeinsam durch ein Ziel verbunden. Das ist Partizipation in reinster Form.
 
Sonja Schromm, Generalsekretärin:
Wir haben Ressourcen, Kontakte und Öffentlichkeit; das ist eine große Verantwortung. Für mich heißt das: gut zuhören, Entscheidungen nicht allein treffen und Partnerschaften Ernst nehmen. Denn: Solidarität funktioniert nur auf Augenhöhe. Eine christlich-feministische Perspektive verändert den Blick, wie wir Entwicklungszusammenarbeit sehen. Wir sehen Frauen nicht als Empfängerinnen, sondern als diejenigen, die selbst Veränderung gestalten. Wenn Frauen mitentscheiden können, verändert sich mehr als ein Projekt; es verändert sich eine Gesellschaft.
 
Stellvertretende Generalsekretärin, Irene Rojnik:
Partizipation bedeutet Teilhabe – aktive Teilhabe am eigenen Leben, in der Familie, aber auch in der Gesellschaft. Wir fördern rund 70 Projekte in Lateinamerika, Afrika und Asien. In diesen Projekten unterstützen wir Organisationen, die Frauen ermächtigen aktiv ihr Leben zu gestalten. In unserem Projekt „Seeds“ in Ostindien lernen indigene Frauen in Workshop Ihr Rechte kennen und sie fordern gemeinsam ihre aktive Teilhabe in den lokalen Gemeinderäten. Besonders ist auch, dass Männer in diese Prozesse miteinbezogen werden. 
 
Eva Wallensteiner, Expertin für Projektarbeit und feministische Entwicklungszusammenarbeit:
Seit nunmehr 20 Jahren unterstützt die Katholische Frauenbewegung (kfb) die Organisation Social Education and Environment Development Society (SEEDS) in ihrer kontinuierlichen Aufbauarbeit in Jharkhand, Indien. Im Mittelpunkt dieses langjährigen Engagements steht jedoch nicht eine klassische Projektarbeit „von außen“, sondern ein konsequent partizipativer Ansatz: Ausgebildete und ermächtigte Dorffrauen erkennen und analysieren die Probleme in ihren Gemeinden und erarbeiten gemeinsam mit den Dorfbewohner*innen nachhaltige Lösungen.
 
Bischof Krautwaschl, Bischof der Diözese Graz-Seckau, zuständig für das Laienapostolat:
Kirche lebt von der Gemeinschaft. Wenn wir an die Urkirche der Apostelgeschichte denken, dann waren schon in diesen Gemeinschaften alle beteiligt entsprechend ihren „Charismen“, also ihren Begabungen und Fähigkeiten. Alle Gemeinschaften und unsere gesamte Gesellschaft funktionieren nur, wenn wir alle dazu beitragen, uns also beteiligen. Beteiligung geht freilich weit über das Wesen der Kirche hinaus.
 
Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings:
Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im politischen und wirtschaftlichen Bereich ist deshalb notwendig, um für die eigenen Interessen eintreten zu können. Sozial- aber auch frauenpolitische Forderungen, die sowohl Frauen als auch Männern zugutekommen, wurden immer von Frauen formuliert, am Beispiel des sogenannten Papamonates oder der Väterkarenz. Ein gutes Beispiel ist auch der Kampf um das Frauenwahlrecht, dass Frauen mitbestimmen konnten. Frauen sind aber auch in sehr hohem Ausmaß für die Friedensarbeit wichtig. Wenn wir uns gerade anschauen, wer in der Welt Kriege führt, dann sind das sicher keine Frauen, aber sie sind die Leidtragenden der Auswirkungen von Gewalt, die von Männern ausgeht. Demokratie stärken braucht den gleichberechtigten Zugang von Frauen, Frauen stärken heißt aber auch Frieden stärken. Das Prinzip halbe-halbe muss also im gesamten politischen, zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben dringend gesetzlich verankert werden.
 
Christiane Feigl, Herausgeberin der „Welt der Frauen“:
Medien entscheiden maßgeblich, wer gesehen und gehört wird. Sie prägen Bilder, schaffen Vorbilder und beeinflussen gesellschaftliche Entwicklungen. Wenn Frauen vielfältig, kompetent und selbstbestimmt dargestellt werden, erweitert das Perspektiven und bringt gesellschaftlich Festgefahrenes in Bewegung. „Welt der Frauen“ setzt hier bewusst an und engagiert sich konsequent für Gleichstellung sowie für ein gutes und erfülltes Leben von Frauen.

Weitere Informationen auf kfbö und Teilen spendet Zukunft; sowie Videos zum Modellprojekt SEEDS und Fotos zur Veranstaltung.


Rückfragehinweis:

Mag.a Sonja Schromm
Generalsekretärin
Katholische Frauenbewegung Österreichs
Spiegelgasse 3/2/7, 1010 Wien
Tel.Nr.: +43 1 51611-1631
E-Mail: sonja.schromm@kfb.at
www.kfb.atwww.teilen.at

PA: Rat der EU beschließt Omnibus-I-Paket auf Kosten von Menschenrechten und Lebensgrundlagen

Die AG Globale Verantwortung appelliert an Außenministerin Meinl-Reisinger, Stimme einer EU-Politik zu sein, für die Wettbewerbsfähigkeit und der Schutz von Menschenrechten, Klima und Umwelt keine Gegensätze sind, sondern Voraussetzung.

Minister*innen aus den EU-Mitgliedsstaaten haben heute im Rat der Europäischen Union das Omnibus-I-Paket adoptiert. Damit scheint die Abkehr vom zukunftsweisenden Pfad, den die EU mit einer ambitionierten Lieferkettenrichtlinie und anderen zentralen Bestandteilen des European Green Deal hätte beschreiten können, vorerst besiegelt. Anstatt die Sorgfaltspflicht europäischer Unternehmen im weltweiten Schutz von Menschenrechten, Klima und Umwelt höherzuschrauben, folgten die EU-Organe den Argumentationsweisen von Wirtschaftsvertreter*innen – auch aus der US-amerikanischen Erdölindustrie –, die den Green Deal zur Bürde umgemünzt hatten.

Omnibus-I-Paket verzögert unvermeidlichen Umstieg auf nachhaltige Strategien
Die Lieferkettenrichtlinie wird nur für Konzerne mit mehr als 5.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mindestens 1,5 Milliarden Euro gelten, darunter rund 30 österreichische Unternehmen. Ihre Aushöhlung ist auch ein Rückschlag für jene Wirtschaftstreibende, die sich längst für gerechte Wettbewerbsbedingungen aussprechen und sich an einem sozialen, ökologischen und ökonomischen Kurswechsel beteiligen. Diejenigen, die die ausgehöhlten Sorgfaltspflichten begrüßen, verzögern den unvermeidlichen Umstieg auf nachhaltige Strategien, den sie letztlich dennoch vollziehen müssen. Denn Gesellschaften, in denen die Menschen selbst den hohen Preis für die weltweite Ausbeutung, für soziale Ungleichheiten, Dürren und Überschwemmungen – wozu Teuerungen, Hunger, Konflikte und ein steigendes Unsicherheitsgefühl zählen – tragen, haben keine Zukunft.

Appell an Außenministerin, sich für ambitionierte Implementierung der Lieferkettenrichtlinie in nationales Gesetz einzusetzen
Wir appellieren an die österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, die sich beim heutigen Beschluss enthielt, sich nun für eine ambitionierte Implementierung der Lieferkettenrichtlinie in nationales Gesetz einzusetzen. Die Ministerin kann eine Stimme für eine effektive und widerspruchsfreie EU-Politik sein, die sich globalen Herausforderungen stellt und erkennt, dass Wettbewerbsfähigkeit und der Schutz von Menschenrechten, Klima und Umwelt keine Gegensätze sind, sondern Voraussetzung für die menschliche wie auch wirtschaftliche Sicherheit. Die Stimme einer EU, deren Stärke und Glaubwürdigkeit auf wertebasiertem Agieren und partnerschaftlicher Zusammenarbeit beruhen.

Lukas Wank
Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung

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PA zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit: Start der CONCORDIA Petition gegen Kinderarmut in Europa

Anläßlich des Welttages der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar 2026 startet Petition an die EU-Kommission und fordert verbindliche Investitionen zur Prävention von Kinderarmut.

Anlässlich des Welttags der sozialen Gerechtigkeit startet die Kinderhilfsorganisation CONCORDIA Sozialprojekte heute eine Petition mit dem Titel „Stoppt generationenübergreifende Kinderarmut – jetzt, europaweit“. Die Petition richtet sich an die Europäische Kommission und fordert verbindliche, zweckgebundene Investitionen in die Prävention von Kinderarmut im nächsten EU-Finanzrahmen.

Der Hintergrund ist alarmierend: Fast jedes vierte Kind in Europa wächst in Armut oder sozialer Ausgrenzung auf. Wer in Armut geboren wird, hat ein deutlich höheres Risiko, sein Leben lang in Armut zu bleiben. Mangelnde Bildungschancen, unzureichende Gesundheitsversorgung und soziale Ausgrenzung setzen einen Kreislauf in Gang, der sich über Generationen fortsetzt.

Kein Kind entscheidet sich für Armut. Sie wird ihnen aufgezwungen – durch mangelnde Chancen und unzureichende politische Priorisierung“, sagt Dr. Bernhard Drumel, Geschäftsführer von CONCORDIA Sozialprojekte. „Wenn wir soziale Gerechtigkeit ernst nehmen, müssen wir jetzt in Prävention investieren – strukturell, verbindlich und europaweit.“

EU-Parlament fordert 20 Milliarden Euro für Kinder – jetzt sind die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten am Zug

Das Europäische Parlament hat ein starkes Signal gesetzt, indem es einen Bericht über die künftige EU-Strategie zur Armutsbekämpfung verabschiedet und einen separaten Finanzrahmen von mindestens 20 Milliarden Euro für die Europäische Kindergarantie im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (2028–2034) gefordert hat. Darüber hinaus hat das Europäische Parlament eine zweckgebundene Mittelzuweisung aus dem Europäischen Sozialfonds+ und anderen ähnlichen Instrumenten gefordert.

Konkret sieht der Standpunkt des Parlaments Folgendes vor:

  • Mindestens 25 % der ESF+-Mittel für soziale Eingliederung
  • Mindestens 5 % für Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarmut in allen Mitgliedstaaten
  • Mindestens 10 % in Ländern, in denen die Kinderarmut über dem EU-Durchschnitt liegt
  • Ein Sonderbudget von 20 Milliarden Euro für die Europäische Kindergarantie

Diese Forderungen spiegeln das Ausmaß der Krise wider: Rund jedes vierte Kind in der EU ist davon betroffen.

In ihrer Petition fordert CONCORDIA die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten auf, diesen Standpunkt im kommenden Finanzrahmen verbindlich umzusetzen – und die Prävention in den Mittelpunkt der europäischen Sozialpolitik zu stellen. Darüber hinaus fordert CONCORDIA das Europäische Parlament auf, den Prozess der Verabschiedung und Umsetzung seiner Zustimmung zu überwachen – und die Prävention in den Mittelpunkt der europäischen Sozialpolitik zu stellen.

Prävention statt Reparatur: Drei konkrete Forderungen

Die Petition formuliert drei zentrale Handlungsfelder:

  • Verbindliche und zweckgebundene EU-Mittel für Prävention

Prävention darf nicht projektabhängig oder optional sein. Es bedarf mehrjähriger, stabiler Finanzierungsmechanismen und einer klaren Zweckbindung im ESF+ und in anderen Instrumenten wie IPA III für Kandidatenländer.

Priorisierung der Prävention von Kinderarmut und gemeindenahen Diensten im Rahmen von IPA III (Instrument für Heranführungshilfe – EU-Finanzmittel zur Unterstützung von Ländern, die sich auf den EU-Beitritt vorbereiten).

Die Kindergarantie muss mit mindestens 5 % der Mittel pro Mitgliedstaat gesichert werden – mit höheren Anteilen in Ländern mit besonders hohen Kinderarmutsquoten.

  • Prävention als strukturelle Säule der Europäischen Kindergarantie

Gemeindenahe Dienste – wie Tageszentren, Familienunterstützung und Sozialarbeit – müssen zu einem integralen Bestandteil nationaler Aktionspläne werden, mit messbaren Zielen und eigenen Haushaltslinien.

Anerkennung bewährter Modelle wie des CONCORDIA-Tageszentrumsmodells, das Bildung, psychosoziale Unterstützung, Familienarbeit und Gemeindeorientierung integriert, als bewährte Praxis, Sicherung der Finanzierung für diese Modelle und Ausweitung auf ganz Europa.

  • Investitionen in Sozialarbeiter

Über 13 Millionen Menschen arbeiten in der EU im sozialen Bereich, doch 85 % der Anbieter berichten von Personalmangel. Ohne ausreichend ausgebildete Fachkräfte bleiben finanzielle Verpflichtungen wirkungslos. Eine starke Prävention erfordert starke Strukturen und ausreichend qualifizierte Fachkräfte.

Das CONCORDIA-Wirkungsmodell: Bewährte Prävention in Ost- und Südosteuropa

CONCORDIA Sozialprojekte arbeitet seit über 30 Jahren in Bulgarien, Rumänien, Moldawien, Kosovo und Österreich mit von Armut betroffenen Kindern und Familien.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht das CONCORDIA-Tageszentrumsmodell – ein gemeindebasierter, integrierter Präventionsansatz. Tageszentren bieten pädagogische Unterstützung, psychosoziale Betreuung, Elternberatung und eine enge Zusammenarbeit mit Schulen und Gemeinden. Ziel ist es, Kinder schon in jungen Jahren zu stärken, Familien zu stabilisieren und sozialer Ausgrenzung vorzubeugen.

Generationenübergreifende Armut wird nicht nur durch mangelndes Einkommen verursacht, sondern auch durch strukturelle Hindernisse beim Zugang zu Bildung, Gesundheit und sozialer Teilhabe. Deshalb konzentriert sich CONCORDIA auf frühzeitige, ganzheitliche Unterstützung im Lebensumfeld der Kinder.

Wir sehen jeden Tag, wie es funktioniert: Kinder kehren in die Schule zurück, Eltern gewinnen Selbstvertrauen, Gemeinden entwickeln Perspektiven“, sagt Drumel. „Diese Modelle sind skalierbar – wenn die EU die richtigen Prioritäten setzt.“

Ein Appell zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit

Der 20. Februar erinnert uns daran, dass soziale Gerechtigkeit kein abstraktes Ideal, sondern eine politische Verpflichtung ist. Kinderrechte sind Menschenrechte. Jedes Kind in Europa hat das Recht auf Bildung, Schutz und ein Leben in Würde. Mit dieser Petition ruft CONCORDIA die Bürgerinnen und Bürger in Österreich dazu auf, ein klares Signal an die Europäische Kommission zu senden:

Generationenübergreifende Kinderarmut kann nicht länger toleriert werden. Europa kann und muss es besser machen.

Die Petition ist jetzt online unter: https://www.concordia.or.at/petition/breaking-the-cycle/

Weitere Informationen zur Arbeit und zum Wirkungsmodell von CONCORDIA können hier im Policy Report heruntergeladen werden: https://www.concordia.or.at/report/day-centre-model/

CONCORDIA Sozialprojekte ist eine 1991 gegründete internationale und unabhängige Hilfsorganisation, die Kinder, Jugendliche und Familien in Not in den Projektländern Rumänien, Bulgarien, Moldawien, Kosovo und Österreich auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben unterstützt und begleitet. Im Mittelpunkt der Programme steht die Stärkung und Wahrung der Kinderrechte. Das übergeordnete Ziel der Arbeit von CONCORDIA ist es, Kinder und Familien dabei zu unterstützen, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen und ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Die Organisation hat Standorte in Österreich (Wien), Deutschland (Stuttgart) und der Schweiz (Zug) und finanziert ihre Arbeit durch Spenden. https://concordia.or.at

Pressekontakt:
Sonja Sagan
PR/Kommunikation DACH
M: +43 6763029859
E-Mail: sonja.sagan@concordia.or.at

PA: Start der Gewerkschaftskampagne „Wir gegen Kinderarbeit!“

ÖGB, solidar Austria und Netzwerk International fordern strukturelle Maßnahmen gegen Kinderausbeutung.

Wien, 11. Februar 2026 – Während heute in Marrakesch die 6. Globale Konferenz zur Beseitigung der Kinderarbeit beginnt, starten der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB), solidar Austria und das Netzwerk International die ganzjährige Kampagne „Wir gegen Kinderarbeit!“. Der Handlungsbedarf ist dramatisch: Weltweit werden nach aktuellen Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) rund 140 Millionen Kinder zur Arbeit gezwungen – über 50 Millionen davon unter gefährlichen Bedingungen. Das UN-Ziel, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden, wurde krachend verfehlt. Um das Sustainable Development Goal (SDG) 8.7 wenigstens bis 2030 zu erreichen, müssten die Fortschritte elfmal schneller sein als bisher.

Geht’s den Eltern gut, geht’s den Kindern gut

„Der Kampf gegen Kinderarbeit ist ein urgewerkschaftliches Anliegen“, betont Marcus Strohmeier, Internationaler Sekretär des ÖGB. „Bereits im 19. Jahrhundert kämpften Gewerkschaften gegen Kinderarbeit in europäischen Fabriken – heute setzen wir diesen Kampf auf globaler Ebene fort. Aber wir haben aus der Geschichte gelernt: Kinderarbeit verschwindet nicht durch Verbote allein, sondern durch existenzsichernde Löhne für die Eltern. Wer Kinderarbeit wirklich beenden will, muss Gewerkschaften stärken und für faire Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern sorgen. Geht’s den Eltern gut, geht’s den Kindern gut – das ist unsere zentrale Botschaft.“

Die Realität ist erschütternd: Über 1,5 Millionen Kinder schuften im Kakaosektor in der Elfenbeinküste und Ghana, hantieren mit Macheten und tragen schwere Lasten.

Rund 40.000 Kinder arbeiten in den Kobalt- und Coltan-Minen der Demokratischen Republik Kongo unter lebensgefährlichen Bedingungen. In den Textilfabriken Südasiens werden Kinderrechte systematisch mit Füßen getreten.

Österreich muss Verantwortung übernehmen

„Wenn wir in Österreich Schokolade essen, Smartphones nutzen oder Kleidung kaufen, profitieren wir von globalen Lieferketten, in denen Kinder ausgebeutet werden“, erklärt Peter Schissler, Vorsitzender von solidar Austria, dem entwicklungspolitischen Verein der österreichischen Gewerkschaftsbewegung. „Freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen sind gescheitert. Österreich muss jetzt handeln: Wir brauchen ein produktbezogenes Gesetz, das den Verkauf von Waren aus Kinderarbeit verbietet. Und Österreich muss offiziell der internationalen SDG 8.7 Allianz beitreten. Das sind keine unrealistischen Forderungen, sondern bittere Notwendigkeit, um unserer Verantwortung gerecht zu werden.“

„Wir appellieren an die österreichische Bundesregierung, die Konferenz in Marrakesch als Weckruf zu verstehen“, so Strohmeier und Schissler abschließend. „Es braucht keine weiteren unverbindlichen Absichtserklärungen, sondern einen bindenden Aktionsplan mit strengen Sanktionsmechanismen. Die 137,6 Millionen arbeitenden Kinder weltweit können nicht länger warten.“

Weitere Informationen zur Kampagne: https://www.netzwerkinternational.at/wir-gegen-kinderarbeit (geht am 11.02. online)

Rückfragehinweis:
Michael Wögerer (Projektleiter solidar Austria, Wien)
+43 (0)664 7810 3189

Fotos/Bildmaterial auf Anfrage verfügbar

PA: Weltkonferenz zur Beseitigung von Kinderarbeit startet: Österreich fehlt

Die Beseitigung der weltweiten Kinderarbeit bis 2025 – dieses große Ziel des SDG 8.7 hat die Weltgemeinschaft klar verfehlt. Weltweit arbeiten noch immer rund 138 Millionen Kinder. Umso dringlicher ist nun das Engagement der internationalen Gemeinschaft, auch Österreichs. Dennoch nimmt keine offizielle österreichische Delegation an der am 11.2. beginnenden 6. Weltkonferenz zur Beseitigung von Kinderarbeit teil.  

Vom 11.-13. Februar findet die sechste Weltkonferenz zur Beendigung von Kinderarbeit im nordafrikanischen Marrakesch (Marokko) statt. Sie soll das gemeinsame Vorgehen aller Staaten im Kampf gegen Kinderarbeit wirksam koordinieren und voranbringen. Um den weltweit 138 Millionen arbeitenden Kindern echte Zukunftschancen zu eröffnen, braucht es angesichts globaler Lieferketten und internationaler Zusammenhänge das aktive Mitwirken aller Staaten. Auch Österreich ist hier gefordert. Die österreichische Bundesregierung wird jedoch bedauerlicherweise keine Delegation entsenden, um sich an den Debatten zur Lösung dieser globalen Herausforderung zu beteiligen. 

“Dass Österreich ausgerechnet bei der zentralen internationalen Konferenz zur Beseitigung von Kinderarbeit nicht vertreten ist, sendet ein schlechtes Signal – an die internationale Gemeinschaft ebenso wie an die 138 Millionen betroffenen Kinder weltweit”, erklärt Sigrid Kickingereder, Geschäftsführerin der Katholischen Jungschar und ihrer Dreikönigsaktion. “Österreichische Politiker*innen haben immer wieder betont, wie wichtig gezielte Maßnahmen gegen Kinderarbeit sind. Mit der Verwässerung der EU-Lieferkettenrichtlinie hat Europa in den letzten Monaten jedoch massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Umso wichtiger wäre nun ein entschlossener Einsatz Österreichs”, fordert Kickingereder und ergänzt: „Ein konkreter Schritt wäre etwa der Beitritt zur globalen Plattform gegen Kinderarbeit, der sogenannten Alliance 8.7.  Als Mitglied der Alliance 8.7 – wie etwa die Niederlande, Deutschland oder Frankreich – könnte Österreich eine wichtige Rolle im weltweiten Kampf gegen Kinderarbeit einnehmen und Maßnahmen deutlich effizienter und international abgestimmt setzen.” 

Aufbauend auf der letzten Konferenz gegen Kinderarbeit in Südafrika im Jahr 2022 und dem sogenannten “Durban Call to Action”, der die internationale Staatengemeinschaft zu dringenden Maßnahmen auffordert, sollen auf der Konferenz in Marrakesch konkrete Ziele und Maßnahmen gegen Kinderarbeit diskutiert werden. Dazu zählen Schutzkonzepte für besonders gefährdete Kinder – auch in gefährlicher Arbeit – oder die Stärkung von Bildung, sozialer Sicherung und sozialer Dienste.  

Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar arbeitet seit vielen Jahren mit Partner*innenorganisationen und zivilgesellschaftlichen Netzwerken zusammen, um die Perspektiven arbeitender Kinder sichtbar zu machen.  Umso enttäuschender ist es, dass bei der diesjährigen Konferenz – im Gegensatz zur vorherigen – keine Beteiligungsmechanismen für betroffene Kinder vorgesehen sind: „Wir blicken mit Besorgnis darauf, dass arbeitende Kinder in Marrakesch keinen Platz am Verhandlungstisch haben. Nachhaltige Lösungen müssen auch die Erfahrungen und Perspektiven der betroffenen Kinder berücksichtigen. Kinder haben das Recht, in allen sie betreffenden Angelegenheiten gehört zu werden – denn sie kennen ihre eigene Lebensrealität am besten”, so Kickingereder abschließend.  

Die Initiative “Kinderarbeit stoppen” – bestehend aus der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, Jugend Eine Welt, Kindernothilfe Österreich, solidar Austria und FAIRTRADE Österreich – setzt sich seit Jahren für wirksame politische Maßnahmen gegen Kinderarbeit ein. www.kinderarbeitstoppen.at 

Die Studie “Ending Child Labour – Implementation of SDG 8.7” empfiehlt zahlreiche Maßnahmen gegen Kinderarbeit, u. a. einen Beitritt zur Allianz 8.7:
https://www.kinderarbeitstoppen.at/fileadmin/kinderarbeit/2025/RR24_Ending-Child-Labour.pdf

Rückfragen:
Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar
Elisabeth Holzner
Telefon: 0676 88011 1000
E-Mail: elisabeth.holzner@dka.at

PA: Südsudan: Eskalierender Konflikt in Jonglei verschärft Hungerkrise

Gewalt in Jonglei: Mehr als 230.000 Menschen wurden vertrieben, Zehntausenden droht eine Hungerkatastrophe / CARE fordert sicheren und raschen Zugang für humanitäre Hilfe

Seit Ende Dezember 2025 hat der eskalierende Konflikt in Jonglei im Südsudan mehr als 230.000 Menschen in die Flucht getrieben. Viele Familien kämpfen nun um ihr Überleben: in überfüllten Camps mit begrenztem Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung und Schutz. Die humanitäre Situation in der Region ist kritisch, warnt die internationale Hilfsorganisation CARE. Ein erneuter Ausbruch von Gewalt wird verheerende Folgen für die Menschen im Südsudan haben, die sich gerade erst von einem brutalen Bürgerkrieg zu erholen beginnen.

Gewalt verstärkt Hunger dramatisch

Laut dem aktuellen IPC-Bericht (Integrated Food Security Phase Classification) leiden 1,3 Millionen Menschen im Südsudan – insbesondere in Jonglei und den angrenzenden Regionen – unter extremem Nahrungsmittelmangel und akuter Mangelernährung. 28.000 Menschen, darunter 11.000 Menschen im Bezirk Fangak in Jonglei, sind akut vom Verhungern bedroht.

„Der Konflikt vertreibt nicht nur Familien, er zerstört Existenzgrundlagen und verschärft den Hunger in einer Region, die bereits am Abgrund stand“, sagt Maina King’ori, CARE-Länderdirektor im Südsudan. „Die Analyse von IPC zeigt: Jonglei litt schon vor dieser Eskalation unter alarmierender Ernährungsunsicherheit. Anhaltende Gewalt droht die Gemeinden in eine katastrophale Hungerkrise zu stürzen.“

Zusammenbruch der Grundversorgung

Märkte, Landwirtschaft und grundlegende Einrichtungen sind massiv beeinträchtigt. Gesundheits- und Ernährungszentren in einigen vom Konflikt betroffenen Gebieten wurden geplündert, beschädigt oder mussten den Betrieb einstellen. Die lebensrettende Versorgung für Kinder, Schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit chronischen Krankheiten wurde dadurch unterbrochen.

Frauen und Mädchen sind überproportional von der Krise betroffen. Vertreibung und überfüllte Notunterkünfte erhöhen das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt massiv. Gleichzeitig fehlt der Zugang zu Gesundheitsservices, Ernährungshilfe und sauberem Wasser. Bereits vor der jetzigen Eskalation kam es zu einer alarmierenden Anzahl sexueller Gewalt und Entführungen, bei vermutlich hoher Dunkelziffer.

Humanitärer Zugang eingeschränkt

In Teilen Jongleis verzeichnet CARE Verbesserungen beim humanitären Zugang. Doch massive Hindernisse bleiben: Unsicherheit, Bewegungsbeschränkungen und Unterbrechungen des Luftverkehrs verhindern, dass Hilfsteams die Menschen zuverlässig erreichen, lebensrettende Hilfe leisten und medizinische Evakuierungen durchführen können. Besonders besorgniserregend sind Angriffe auf die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur.

„Humanitärer Zugang ist eine Frage des Überlebens, nicht der Politik“, betont King’ori. „Alle Konfliktparteien müssen die Zivilbevölkerung schützen und den Hilfsteams einen sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang garantieren. Ohne Zugang werden Hunger und vermeidbare Krankheiten zunehmen – und Menschen sterben.“

CARE fordert die Geberländer auf, flexible und rasche Finanzierung bereitzustellen, um die weitere Verschlechterung der humanitären Situation in Jonglei zu verhindern.

So hilft CARE: CARE arbeitet eng mit lokalen Partnern und Behörden im Südsudan zusammen und unterstützt Familien in Jonglei mit Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser, Hygiene und Schutzmaßnahmen, wo es die Bedingungen erlauben. Derzeit ist CARE in den Bezirken Akobo und Bor South tätig, wo zahlreiche Vertriebene Zuflucht gefunden haben. CARE bewertet laufend die Bedürfnisse vor Ort und stimmt die Nothilfe mit Partnern ab.

Rückfragen:
Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at

PA: Sudan: Alarmierende Zahl unbegleiteter Kinder nach neuer Fluchtbewegung in Darfur

World Vision: Mehr als 22.600 Menschen neu vertrieben.

Die jüngste Eskalation der Gewalt in Darfur hat zu einer neuen großen Fluchtbewegung geführt. Nach Angaben von World Vision wurden mehr als 22.600 Menschen neu vertrieben, rund zwei Drittel davon Kinder. Die international tätige Hilfsorganisation registriert dabei eine ungewöhnlich hohe Zahl unbegleiteter und von ihren Familien getrennter Minderjähriger.

    Ausgangspunkt der Flucht ist die umkämpfte Stadt El Fasher in Nord-Darfur. Zehntausende Menschen suchten Schutz in abgelegenen Gebieten von Süd-Darfur, vor allem in der Bergregion Jebel Marra. Lokale Behörden berichten, dass rund 90 Prozent der neu angekommenen Vertriebenen im Lager Fina Dar Omo aus El Fasher sowie aus den Lagern Zamzam und Shangel stammen.

    Erhebungssteams von World Vision identifizierten fast 200 unbegleitete Kinder, die ohne Eltern oder Betreuungspersonen im Lager ankamen. Viele wurden während der Flucht durch aktive Kampfzonen von ihren Familien getrennt. Die Lebensbedingungen im Lager gelten als äußerst angespannt: Die Menschen leben in provisorischen, überfüllten Unterkünften, der Zugang zu Trinkwasser, Nahrung und medizinischer Versorgung ist stark eingeschränkt. Nur eine von acht lokalen Gesundheitseinrichtungen ist aktuell funktionsfähig. Gleichzeitig wurden in der Region über 1.100 Masernfälle gemeldet.

    „Die hohe Zahl unbegleiteter Kinder ist ein klares Warnsignal“, sagt Simon Mane, Landesdirektor von World Vision Sudan. „Diese Kinder sind besonders gefährdet, wenn Schutz- und Versorgungsstrukturen zusammenbrechen.“

Rückfragehinweis:
World Vision Österreich
Angelika Rädler
Telefon: 0664 833 9411
E-Mail: angelika.raedler@worldvision.at
Website: https://www.worldvision.at

PA: Tag der Straßenkinder: Jugend Eine Welt-Projektpartner Rafael Bejarano Rivera zu Gast in Wien

Generalrat der Salesianer und Experte für Jugend- und Sozialarbeit gibt Einblicke in die weltweite Projektarbeit mit Straßenkindern anlässlich des alljährlich, von der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt, veranstalteten „Tag der Straßenkinder“ am 31. Jänner 2026 .

Wien (OTS) – Seit vielen Jahren setzt sich Pater Rafael Bejarano Rivera SDB mit großer Leidenschaft für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein. Besonders Kinder in Straßensituationen, junge Menschen in extremer Armut sowie ehemalige Kindersoldaten stehen im Mittelpunkt seines Wirkens. Anlässlich des alljährlich, von der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt, veranstalteten „Tag der Straßenkinder“ am 31. Jänner 2026 ist der Salesianer Gast in Österreich . „Wir freuen uns sehr, dass mit Pater Rafael Bejarano Rivera heuer nicht nur ein hochrangiger Vertreter der Salesianer Don Boscos, sondern auch ein langjähriger Projektpartner und guter Freund von Jugend Eine Welt unser Gast beim ‚Tag der Straßenkinder‘ ist. Pater Rafael kennt in seiner Funktion als Generalrat der Salesianer Don Boscos, als oberster Vertreter und Experte für Jugend- und Sozialarbeit, alle von Jugend Eine Welt unterstützten Projekte aus der Sicht eines Projektpartners. Er kann somit gute Einblicke in die weltweite Arbeit unserer Entwicklungsorganisation in den Bereichen Straßenkinder, aber auch Schul- und Berufsausbildung geben“ , so Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt .

Im Dienst junger Menschen
Rafael Bejarano Rivera stammt aus Kolumbien, einem Land, das über Jahrzehnte von Gewalt, sozialer Ungleichheit und bewaffneten Konflikten geprägt war. Früh entschied er sich für den Weg der Salesianer Don Boscos und stellte sein Leben in den Dienst junger Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen. Nach seinem Studium der Philosophie und Theologie sowie einer zusätzlichen Ausbildung im Bereich Soziales Management und Entwicklung übernahm er verantwortungsvolle Aufgaben in der Jugendarbeit der Salesianer. „Seit Beginn meines priesterlichen Wirkens habe ich stets im sozialen Bereich gearbeitet – dort, wo junge Menschen Begleitung brauchen, um ihre Rechte und ihre Würde wiederzuerlangen“ , so Bejarano Rivera .

Arbeit mit Straßenkindern und Kindersoldaten
Ein zentraler Meilenstein seines Werdegangs war seine Tätigkeit in der Ciudad Don Bosco in Medellín, einer der größten salesianischen Sozialeinrichtungen Kolumbiens, die auch von Jugend Eine Welt unterstützt wird. Dort arbeitete Bejarano Rivera über Jahre hinweg direkt mit Kindern und Jugendlichen, die auf der Straße lebten, aus zerrütteten Familien stammten oder Gewalt, Missbrauch und den Einsatz als Kindersoldaten erlebt hatten. „Heute sprechen wir bewusst von ‚Kindern in einer Straßensituation‘ und nicht mehr von reinen ‚Straßenkindern‘, da es sich um eine vorübergehende Lebenssituation handelt und ihre Rechte wiederhergestellt werden müssen“ , so der Jugend Eine Welt-Projektpartner. „In mehreren Städten begleiten wir diese Kinder. Während man früher Kinder dauerhaft auf der Straße lebend antraf, hat sich die Situation verändert: Heute haben viele von ihnen Familien, verbringen jedoch viel Zeit auf der Straße und sind dort großen Risiken ausgesetzt – insbesondere Gewalt, Drogenhandel und Prostitution.“ Ziel ist es, den jungen Menschen Schutz zu bieten und ihnen durch Bildung, psychosoziale Begleitung und Berufsausbildung echte Zukunftsperspektiven zu eröffnen.

Die Zahl der Straßenkinder weltweit wird auf bis zu 150 Millionen geschätzt – genaue Zahlen gibt es nicht und kann es nicht geben. Viele dieser Kinder besitzen keine Geburtsurkunde, wurden nie offiziell registriert und haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung oder Schulbildung. „Diese Kinder bleiben oft unsichtbar, obwohl sie großen Risiken ausgesetzt sind“, so Bejarano Rivera.

Experte für Jugend- und Sozialarbeit
Heute wirkt der Jugend Eine Welt-Gast auf internationaler Ebene. Als Generalrat für Jugendpastoral und soziale Werke im weltweiten Leitungsteam der Salesianer koordiniert er Bildungs- und Sozialprojekte in 138 Ländern. Mit Jugend Eine Welt verbindet Bejarano Rivera eine langjährige und enge Partnerschaft. Gemeinsam mit der österreichischen Entwicklungsorganisation arbeitet er daran, nachhaltige Bildungs- und Sozialprojekte für Straßenkinder und gefährdete Jugendliche umzusetzen – insbesondere in Lateinamerika. „Über viele Jahre hinweg haben wir gemeinsam Programme entwickelt – zur Bewusstseinsbildung, zur Begleitung junger Menschen und zur Förderung von Bildung und Ausbildung. Dabei gab es Kooperationen mit österreichischen Unternehmen sowie zum Beispiel mit der österreichischen Botschaft in Kolumbien“ , erzählt Bejarano Rivera.

Freiwilligeneinsätze eine „Win-Win-Situation“
Jugend Eine Welt unterstützt unter anderem technische Ausbildungsprogramme, Maßnahmen zur Arbeitsvermittlung und Projekte für Kinder in Straßensituationen. „Besonders wichtig ist auch der Einsatz von Freiwilligen im Rahmen der von Jugend Eine Welt und den Salesianern Don Boscos getragenen Entsendeorganisation ‚VOLONTARIAT bewegt‘ , zum Beispiel in den Städten Medellín und Cali meiner Heimat Kolumbien“ , unterstreicht der Salesianer. „Diese Einsätze gehen weit über finanzielle Unterstützung hinaus: Sie ermöglichen echte Begegnungen. Für viele junge Menschen, die viel Leid erfahren haben, ist es von unschätzbarem Wert, Menschlichkeit, Nähe und Solidarität aus anderen Kulturen zu erleben. Gleichzeitig ist Freiwilligenarbeit eine der schönsten Ausdrucksformen gelebter Solidarität. Ich habe viele junge Freiwillige, entsendet durch ‚VOLONTARIAT bewegt‘, aus Österreich in Kolumbien erlebt und gesehen, wie sie persönlich gewachsen sind. Sie haben – genauso wie Freiwillige aus dem Senior Experts-Entsendeprogramm von Jugend Eine Welt – unsere Projekte nachhaltig unterstützt. Es ist eine echte Win-Win-Situation – fachlich, menschlich und auch spirituell.“ Darüber hinaus hilft Jugend Eine Welt auch mit Stipendien für Bildung, Lernmaterialien, Lebensmittel und berufliche Qualifizierung.

Einblicke aus Sicht eines Projektpartners
Im Zuge des von Jugend Eine Welt ins Leben gerufenen „Tag der Straßenkinder“ am 31. Jänner 2026 berichtet Bejarano Rivera bei zahlreichen Veranstaltungen in Österreich aus erster Hand über die Lebensrealitäten von Kindern in Straßensituationen, spricht über globale Herausforderungen und zeigt, wie konkrete Hilfe wirkt. Neben einem Besuch der Pfarre Maria Namen in Wien, steht auch ein Workshop mit Schülerinnen und Schüler des GRG13 Wenzgasse und ein Vortrag im Lateinamerikanischen Institut Wien auf dem Programm. Darüber hinaus trifft Bejarano Rivera auf Spenderinnen und Unterstützer von Jugend Eine Welt, u.a. auch bei einer Veranstaltung in Bad Ischl. „Die Unterstützung von Jugend Eine Welt ist von zentraler Bedeutung. Internationale Zusammenarbeit wirkt auf vielen Ebenen, doch entscheidend ist die Beziehung zwischen den Menschen.
Spenderinnen und Spender – etwa in Österreich – können durch ihr Engagement Entwicklungsprozesse in ganz unterschiedlichen Realitäten ermöglichen. Jugend Eine Welt trägt dazu bei, jungen Menschen weltweit neue Hoffnung, neue Wege und neue Chancen zu eröffnen, ihre Träume zu verwirklichen und ihre Gemeinschaften zu stärken. Dafür bin ich sehr dankbar.“

    Infos: www.strassenkinder.at bzw. www.jugendeinewelt.at

    Jugend Eine Welt-Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000 | Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden | Spenden sind steuerlich absetzbar!

    Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at


Rückfragehinweis:
Jugend Eine Welt | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Thomas Zach, MA
Telefon: +4366488632574
E-Mail: thomas.zach@jugendeinewelt.at
Website: https://www.jugendeinewelt.at


	

PA: CARE-Krisenreport: Zehn humanitäre Krisen, die 2025 keine Schlagzeilen machten

CARE veröffentlicht zehnte Ausgabe des Krisenreports: Vergessene Krisen kämpfen um Aufmerksamkeit und Ressourcen / Über die humanitäre Krise in der Zentralafrikanischen Republik wurde 2025 am wenigsten berichtet

Der zehnte CARE-Krisenreport, der jährlich die globale Online-Berichterstattung humanitärer Krisen untersucht, zeigt: Die Zentralafrikanische Republik ist mit nur 1.532 Online-Artikeln die am meisten vergessene humanitäre Krise des Jahres 2025. Ein langanhaltender Konflikt führt dazu, dass mehr als 2,4 Millionen Menschen in Not sind. Etwa jeder fünfte Mensch ist auf der Flucht. Zugleich verzeichnet das Land mit der heurigen Platzierung einen traurigen Rekord: Die Zentralafrikanische Republik ist in jeder der zehn Ausgaben des CARE-Krisenreports seit 2016 vertreten.

„Da Katastrophen und bewaffnete Auseinandersetzungen zunehmen, konkurrieren humanitäre Krisen immer stärker um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit – und damit auch um dringend benötigte finanzielle Mittel“, sagt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Seit zehn Jahren machen wir mit dem CARE-Krisenreport sichtbar, welche humanitären Krisen besonders Gefahr laufen, in Vergessenheit zu geraten. Denn Sichtbarkeit ist nicht zuletzt eine Frage der Menschenwürde und des Überlebens: Ohne öffentliche Wahrnehmung werden komplexe Krisen weniger verstanden und geraten zu selten in den politischen Fokus, selbst wenn die Not der betroffenen Menschen unvermindert groß bleibt.“

Afrika trägt Hauptlast vergessener Krisen

Den zweiten Platz auf der Liste belegt Namibia, wo 1,3 Millionen Menschen zu wenig zu essen haben. Sambia nimmt Platz drei ein: Dort sind 5,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Während im diesjährigen CARE-Krisenreport zwar auch Honduras und Nordkorea gelistet sind, liegen weiterhin acht der zehn am stärksten vernachlässigten Krisen in Afrika. Ein zentraler gemeinsamer Nenner: Der Klimawandel wirkt als massiver Krisenverstärker – durch häufigere und intensivere Wetterextreme, Ernteausfälle sowie steigenden Druck auf die Versorgung mit Wasser und Nahrung.

So auch in Simbabwe, wo Dürre die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen, insbesondere in ländlichen Gebieten, gefährdet. „Es war erschütternd zu sehen, wie das Ausmaß der durch El Niño 2023/24 verursachten Dürre in Simbabwe medial weitgehend übersehen wurde. Millionen Menschen waren noch im letzten Jahr von den Folgen betroffen, Gemeinden kämpften um Zugang zu sauberem Wasser und Nahrung. Die geringe internationale Aufmerksamkeit ist nicht gerade hilfreich, wenn notleidende Familien dringend auf Unterstützung hoffen“, sagt Charlene Pellsah Ambali, stellvertretende CARE-Länderdirektorin in Simbabwe. „Die Welt muss solche Katastrophen wahrnehmen – erst dann entsteht der Druck, schnell und ausreichend zu handeln.“

EU: „Keine Krise darf in Vergessenheit geraten“

Auch die Europäische Union betont die Bedeutung, vergessene Krisen sichtbar zu machen und humanitäre Hilfe dort zu stärken, wo Aufmerksamkeit fehlt. „Vergessene Krisen sind oft komplex und langwierig. Sie lassen sich weder mit schnellen Lösungen noch mit einfachen Erklärungen bewältigen. Sie eignen sich nicht für die Abendnachrichten oder einen kurzen Social-Media-Post. Von den Medien – und häufig auch von Geldgebern – werden sie übersehen, bleiben aber dennoch harte Realität. Für die notleidenden Menschen sind diese Krisen keineswegs ‚vergessen‘“, sagt Hans Das, stellvertretender Generaldirektor und Chief Operations Officer für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission (DG ECHO).„Die EU bemüht sich als verlässlicher und prinzipientreuer Geldgeber sicherzustellen, dass keine Krise und keine vulnerable Bevölkerungsgruppe vergessen werden. Mindestens 15 Prozent unseres jährlichen Budgets für humanitäre Hilfe reservieren wir gezielt für solche Krisen. Und zwar nach einem strengen Bewertungsverfahren, das gewährleistet, dass die Hilfe genau dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird. Angesichts beispielloser Kürzungen bei humanitärer Hilfe ist das wichtiger denn je. CAREs jährlicher Bericht über vergessene Krisen ist eine eindringliche Erinnerung an diese Realität und ein wertvolles Instrument, damit zumindest etwas Licht ins Dunkel gebracht wird.“

Zehn humanitäre Krisen, die 2025 keine Schlagzeilen machten:

  1. Zentralafrikanische Republik – Jede fünfte Person ist auf der Flucht.
  2. Namibia – 1,3 Millionen Menschen haben zu wenig zu essen.
  3. Sambia – 5,5 Millionen Menschen müssen mit Hilfsgütern versorgt werden.
  4. Malawi – Vier Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen.
  5. Honduras – Über 50 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.
  6. Nordkorea – 10,7 Millionen Menschen sind von Unterernährung betroffen.
  7. Angola – 2,6 Millionen Menschen – die Hälfte davon Kinder – sind in Not.
  8. Burundi – 1,2 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen.
  9. Simbabwe – Ein Viertel der Kinder unter fünf Jahren ist mangelernährt.
  10. Madagaskar – Rund jede siebte Person ist auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Factsheet und Fotomaterial zu den zehn vergessenen Krisen (Fotocredit: CARE)
Lesen Sie hier den CARE-Krisenreport.

Methodik: Für den zehnten CARE-Krisenreport hat der internationale Medienbeobachtungsdienst Meltwater fünf Millionen Online-Artikel aus etwa 345.000 Online-Medien in den Sprachen Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch ausgewertet. Untersucht wurde der Zeitraum vom 1. Jänner bis 30. September 2025. Auf Basis einer Liste von 43 humanitären Krisen, die jeweils mindestens eine Million Menschen betreffen, wurden jene zehn Krisen ermittelt, die die geringste mediale Aufmerksamkeit erhielten.

Über CARE: CARE wurde 1945 gegründet und ist heute eine der weltweit größten Hilfsorganisationen, die in über 120 Ländern tätig ist. Die Hilfe von CARE hat 2025 mehr als 58 Millionen Menschen – über die Hälfte davon Frauen und Mädchen – erreicht. Weitere Informationen unter www.care.at.

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Stephanie Weber

Media Officer
CARE Österreich
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Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at

PA: Syrien: Eskalierende Gewalt im Nordosten verschärft humanitäre Krise mitten im Winter

Die Lage im Nordosten Syriens verschärft sich weiter. Aktion gegen den Hunger warnt vor der sich zunehmend verschlechternden humanitären Situation, insbesondere in der Provinz Al-Hasakeh. Die Organisation hat Nothilfemaßnahmen vorbereitet und kann die Menschen umgehend mit Nahrung, Wasser und lebenswichtigen Gütern versorgen, sobald die Sicherheitslage es zulässt.

„Familien kommen mitten im Winter oft nur mit dem, was sie am Leib tragen. Sie haben kaum Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Wir sind sehr besorgt um Menschen, die aufgrund der Gewalt eingekesselt sind oder ohne Schutz und Sicherheit fliehen mussten“, sagt Suzanne Takkenberg, Regionaldirektorin von Aktion gegen den Hunger für Syrien und den Libanon.

In den vergangenen Tagen wurden an den Stadträndern bewaffnete Auseinandersetzungen und Bombenanschläge mit zivilen Opfern gemeldet. Aktion gegen den Hunger ist seit 2008 in Al-Hasakeh aktiv und führt dort Hilfsprogramme in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) sowie Ernährungssicherung, Gesundheit und Existenzsicherung durch. Angesichts der aktuellen Lage hat die Organisation ihre Notfall- und Vorsorgemaßnahmen verstärkt.

Geschlossene Märkte, eingeschränkte Bewegungsfreiheit und wachsende Unsicherheit

Durch den Konflikt ist die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt, zahlreiche Gebiete unterliegen Zugangsbeschränkungen oder sind vollständig abgeriegelt. Märkte und Geschäfte bleiben geschlossen, wodurch der Zugang zu Lebensmitteln, Trinkwasser und lebensnotwendigen Gütern erheblich erschwert ist. Die anhaltende Unsicherheit und eine mögliche Eskalation verunsichern die Zivilbevölkerung.

Nach Angaben humanitärer Partner sind bereits Tausende Menschen aus Ar-Raqqa, Tabqa und ländlichen Gebieten nach Al-Hasakeh und Qamishli geflohen. Viele von ihnen sind den eisigen Wintertemperaturen ausgesetzt und in Sammelunterkünften, Schulen und öffentlichen Gebäuden untergebracht. Die Aufnahmekapazitäten sind erschöpft, der Bedarf an Wasser, Lebensmitteln, Decken, Hygienesets und anderen Hilfsgütern ist hoch.

Stromausfälle und Sicherheitslage beeinträchtigen Trinkwasserversorgung

Stromausfälle und die angespannte Sicherheitslage beeinträchtigen den Betrieb von Wasserpumpen und Aufbereitungsanlagen. Dadurch ist der Zugang zu sauberem Wasser für mehr als eine Million Menschen in verschiedenen Teilen des Nordostens Syriens eingeschränkt.

Zugleich nimmt der Druck auf die Gesundheitseinrichtungen zu. Krankenhäuser wie das in Al-Hasakeh haben Dutzende Verletzte aufgenommen und kämpfen mit Engpässen bei medizinischer Ausrüstung, Krankentransporten und lebenswichtigen Versorgungsgütern.

Aktion gegen den Hunger bereitet Nothilfe vor

Aktion gegen den Hunger hat mehrere Hilfsszenarien ausgearbeitet und kann sobald die Sicherheitslage es zulässt, sofort Nothilfe leisten:

  • die Notverteilung von Wasser in Sammelunterkünften über lokale Anbieter,
  • verzehrfertige Lebensmittel für Familien ohne Kochmöglichkeiten,
  • lebenswichtige Artikel wie Decken, Winterkleidung und Hygienesets,
  • sowie die Stärkung bestehender Kapazitäten in den Bereichen WASH, Gesundheit, Ernährung und Ernährungssicherung in enger Abstimmung mit anderen humanitären Akteuren.

„Unsere Priorität ist es, schnell und wirksam Hilfe zu leisten, sobald die Umstände dies erlauben, und gleichzeitig die Sicherheit unserer Mitarbeitenden zu gewährleisten“, erklärt Takkenberg.

Zudem betont Aktion gegen den Hunger die Notwendigkeit,

  • die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur zu schützen, insbesondere Märkte, Sammelunterkünfte, Gesundheitseinrichtungen und Wassersysteme,
  • einen sicheren, schnellen und ungehinderten humanitären Zugang zu gewährleisten, um Bedarfe zu erheben und lebenswichtige Hilfe zu leisten,
  • flexible Finanzmittel bereitzustellen, um die Hilfe an einen volatilen Kontext anpassen zu können,
  • sowie die humanitäre Koordinierung und Unterstützung für Vertriebene, insbesondere während der Wintermonate, zu stärken.

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche. Möglich sind z.B.

  • eine aktuelle Einschätzung aus dem Einsatzgebiet,
  • Hintergrund zur humanitären Lage in Al‑Hasakeh,
  • sowie Interviewmöglichkeiten mit Suzanne Takkenberg (englischsprachig), Regionaldirektorin von Aktion gegen den Hunger für Syrien und den Libanon.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de