Archiv der Kategorie: Inklusion

Recherchematerial zu Fußball, Menschenrechte & SDGs – Im Fokus: WM 2026

Gute Sportberichterstattung ist auch Wirtschafts-, Politik- und Gesellschaftsjournalismus. Fußball kann ein Einstiegstor in globale Politik sein. Die Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko bietet einen hochaktuellen Nachrichtenanlass und markiert einen Wendepunkt: Nicht mehr nur autoritäre Staaten stehen im Fokus der Kritik – sondern auch westliche Demokratien. Hier einige kritische Punkte in Kürze:

•          Menschenrechtsorganisationen bezweifeln, dass die USA aktuell ein geeigneter Gastgeber sind

•          Diskussionen über Einreisebeschränkungen für Fans und Teams stehen im Raum

•          Boykottforderungen aus Politik und Zivilgesellschaft nehmen zu

•          Debatten über Sicherheit, digitale Überwachung und politische Einflussnahme prägen die Vorbereitung

Die WM 2026 ist kein nebensächliches Sportevent, sondern ein Testfall für die Glaubwürdigkeit von Menschenrechtsstandards auf globaler Bühne. Minky Worden, die für den Bereich „Global Initiatives“ zuständige Leiterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, äußerte im Interview mit Deutschlandfunk ihre Bedenken wegen der Austragung der anstehenden Fußball-WM in den USA. Und verwies unter anderem auf das Einreiseverbot in die USA für Menschen aus Haiti. Der Karibik-Staat nimmt erstmals seit 52 Jahren wieder an einer WM-Endrunde teil. Doch laut US-Regierung dürfen nur die Spieler und Funktionäre für den Zeitraum des Turniers einreisen. Weiters kündigte die Trump-Regierung eine Überprüfung von Social-Media-Daten der letzten fünf Jahre von Fans aus allen Ländern bei der Einreise in die USA zur Fußball-WM 2026 an.

Weiterführende Info:

Deutschlandfunk: Menschenrechte und Einreiseverbote – Human Rights Watch: „FIFA muss prüfen, ob es noch möglich ist, die Fußball-WM in den USA auszutragen“

SDGs und Sport

Auf den ersten Blick hat vor allem SDG 3 (Sustainable Development Goals), das Ziel für Gesundheit und Wohlergehen, einen klaren Bezug zu Sport. Worum geht es? Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern. Die Unterpunkte hier im Überblick:

https://sdgwatch.at/de/ueber-sdgs/3-gesundheit-und-wohlergehen

Sport ist jedoch auch ein großer Wirtschaftsfaktor und hat viele gesellschaftspolitische Aspekte. Die SDGs können eine Linse für komplexe Sportberichterstattung bieten. So lässt sich die WM 2026 beispielsweise entlang der SDGs analysieren:

  • SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit): Unter welchen Bedingungen wird die WM veranstaltet?
  • SDG 10 (Weniger Ungleichheiten): Wer kann teilnehmen – wer wird ausgeschlossen?
  • SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz): Wie nachhaltig ist ein Turnier über drei Länder hinweg?
  • SDG 16 (Starke Institutionen): Wie transparent und rechenschaftspflichtig ist die FIFA?

Ideen für mögliche Geschichten

  • Wer darf zur WM 2026?

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird in drei Ländern ausgetragen – mit unterschiedlichen Einreise- und Sicherheitssystemen. Doch ist die WM tatsächlich ein global zugängliches Event?

Themen: Visa, Grenzen und globale Ungleichheit,

Interviewpartner:innen: Human Rights Watch, Migrationsforscher:innen, betroffene Fans

  • Die unsichtbaren Arbeiter:innen der WM

Nach der FIFA WM 2022 in Katar steht die Frage im Raum: Hat sich bei Arbeitsrechten im Sport etwas verbessert? Die Frage ist nicht wer gewinnt die WM, sondern unter welchen Umständen findet sie statt.

Themen: Arbeitsmigration, Arbeitskräfte ohne soziale Absicherung, Rolle von Subunternehmen und Outsourcing

Interviewpartner:innen: Gewerkschaften (z. B. Bau, Service), Amnesty International, Arbeitsrechtsexpert:innen, lokale NGOs in Austragungsstädten

  • Klima & Nachhaltigkeit

SDG 13 im Reality-Check: Kann eine WM über drei Länder hinweg klimaneutral sein?

Themen: Flugverkehr zwischen Spielorten, Infrastruktur & Energieverbrauch, Greenwashing durch Kompensationsmodelle, CO₂-Bilanz

Interviewpartner:innen: Klimaforscher:innen, NGOs (z. B. Umweltorganisationen)

  • Rassismus, Homophobie & Diskriminierung im Fußball

Diskriminierung ist im Fußball weiterhin präsent – auch in Europa und Nordamerika. Sind es Strukturen oder Einzelfälle?

Themen: Rassistische Vorfälle im Stadion, mangelnde Diversität in Führungspositionen

Interviewpartner:innen: Aktivist:innen, betroffene Spieler:innen, NGOs und Fairplay Initiativen

  • Sportswashing im Westen?

Sportswashing, also die Nutzung von Sportveranstaltungen oder Sponsoring durch Staaten oder Konzerne, um das eigene Image aufzupolieren und von Menschenrechtsverletzungen und Korruption abzulenken, wird meist autoritären Staaten zugeschrieben. 2026 stellt sich die Frage: Nutzen auch Demokratien den Sport zur Imagepflege?

Themen: politische Inszenierung der Gastgeberländer, Umgang mit Kritik (Menschenrechte, Polizei, Migration)

Interviewpartner:innen: Medienethiker:innen, Politikwissenschaftler:innen, NGOs wie Human Rights Watch

Weiterführende Infos

Sportswashing

In Sachen Sportswashing wurden in den vergangenen Jahren auch NGOs aktiv: Etwa Human Rights Watch https://www.hrw.org/video-photos/audio/2025/02/10/sportswashing-explained

Oder auch Amnesty: https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-journal/deutschland-sportswashing-fc-bayern-ruanda-katar-vereinigte-arabische-emirate

Rassismus und Sport

Rassistisch motivierte Zwischenfälle sind sowohl im Leistungs- als auch Breitensport zu beobachten. Niklas Schulteis hat im Rahmen eines Forschungspraktikums zu Rassismus und Fußball an der Erasmus School of History, Culture and Communication einen Beitrag über Fußball und Rassismus in Europa für die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung verfasst: https://www.bpb.de/themen/migration-integration/kurzdossiers/549451/hat-der-europaeische-fussball-ein-rassismus-problem/

Ein Infosheet zu Rassismus im Sport gibt es von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, hier: https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/1203-Infosheet-racism-in-sport_DE.pdf

Initiativen und Vereine

Fairplay Initiative

Fairplay am Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) ist die Initiative für Vielfalt und Antidiskriminierung im Sport. Gegründet wurde die Initiative 1997 im Rahmen des Europäischen Jahres gegen Rassismus. Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Antidiskriminierung und Diversität, soziale Inklusion, Menschenrechte und Entwicklung und Prävention von Extremismus. Das Projekt fairplay prevention – Anlaufstelle gegen menschenfeindliche Ideologien wurde aufgrund von Sparmaßnahmen mit Jänner 2026 eingestellt. Link: www.fairplay.or.at

Ombudsstelle Fußball für alle

Die Ombudsstelle dient als direkte Anlaufstelle für LGBTIQ-Personen im Fußball. Hier geht es vor allem um Diskriminierung im Bereich Homophobie. Die Stelle ist aber auch mit anderen Organisationen und NGOs vernetzt um auch eine psychologische Weiterleitung oder Weiterbetreuung zu gewährleisten. Die Anlaufstelle ist unabhängig und eigen­ständig, jedoch mit einer Legitimation von ÖFB und Bundesliga ausgestattet, um bei Problemen bei Vereinen oder Verbänden ­vorstellig zu werden. Link: https://www.fussballfueralle.at/

ballesterer

Der ballesterer ist das kritische Fußballmagazin Österreichs: Die ballesterer-Autor:innen zeichnet eine kritische Sichtweise auf das aktuelle Fußballgeschehen aus. Sowohl die zunehmende Kommerzialisierung wie auch das Zurückdrängen von Fans und Fankultur aus den Stadien werden laufend thematisiert.

Kicken ohne Grenzen

Das mehrfach preisgekrönte Projekt „Kicken ohne Grenzen“ bietet mit Fußballteams sichere Räume für Jugendliche mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung. Die Förderung von Mädchen ist ein Fokus der Initiative. Link: www.kicken-ohne-grenzen.at

Play Together Now

Der Verein wurde 2015, mit der Ankunft von vielen Geflüchteten in Wien, von engagierten Personen gegründet. Seitdem ist der Verein zu 100% von Ehrenamtlichen getragen, die ihre freie Zeit, jungen Menschen in Wien widmen. Link: www.playtogethernow.at

Dachverband Globale Verantwortung

Der Dachverband Globale Verantwortung – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe vertritt in Österreich und darüber hinaus 39 Nichtregierungsorganisationen, die in der Entwicklungszusammenarbeit, entwicklungspolitischen Inlandsarbeit, humanitären Hilfe sowie für eine nachhaltige globale wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung tätig sind. Auf einer Projektlandkarte hat der Dachverband Projekte mit Sportfokus zusammengetragen, wie die Fußballschule für Kinder und Jugendliche in Mexiko-Stadt oder die Base Brazil Football Schools.

SDG Watch Austria

SDG Watch Austria ist ein Zusammenschluss von mehr als 230 zivilgesellschaftlichen und gemeinnützigen Organisationen. Sie setzen sich gemeinsam für eine ambitionierte Umsetzung der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) in Österreich ein: https://sdgwatch.at

Austrian Development Agency

Armut mindern, Frieden fördern und Umwelt schützen stehen im Zentrum der Arbeit der Austrian Development Agency (ADA), der Agentur der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Die ADA wickelt jedes Jahr mehrere hundert Projekte ab. Das Budget der ADA stellt das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten zur Verfügung. Immer wieder finanzierte die ADA auch Projekte rund um Sportgroßereignisse. Sport und Fußball bieten als Medium zur Bewusstseinsbildung für Menschenrechte und Entwicklung großes Potenzial. Übersicht über die Projekte der ADA: Laufende Projekte – Austrian Development Agency

Kontakte

Nicole Selmer

Die Journalistin ist stellvertretende Chefredakteurin des Magazins ballesterer. Sie recherchierte mehrfach zum Thema Sportswashing. 2004 veröffentlichte sie ein Buch über weibliche Fans („Watching the Boys Play, Frauen als Fußballfans“), begann so das journalistische Schreiben über Fußball und Gesellschaftspolitik und stieß zum ballesterer.

Dietrich Schulze-Marmeling

Dietrich Schulze-Marmeling ist Journalist und Buchautor. Seine Themen sind neben Fußballs auch politische Themen. 2025 erschien von ihm und Bernd-M. Beyer das Buch“ Politik im Spiel: Die andere Geschichte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft“. Für den Ballesterer hat er den Politikwissenschaftler Andrei Steven Markovits zur WM 2026 interviewt.

Ronny Blaschke

Journalist und Buchautor. Blaschke beschäftigt sich mit politischen Themen im Sport, u. a. für Deutschlandfunk, SZ und Deutsche Welle. Die Recherchen für seine Bücher lässt er in politische Bildung einfließen, in Vorträge, Moderationen und Konferenzen. 2025 erschien sein Buch „Football and Racism: How Colonialism Shaped the Modern Game“.

Jürgen Mittag

Jürgen Mittag besetzte die damals erste originär sportpolitikbezogene Professur in Deutschland an der Deutschen Sporthochschule Köln. Er gilt als Kenner internationaler Sportorganisationen. Für die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung hat er das Heft „Sport und Politik“ für die Reihe: „Informationen zur politischen Bildung“ gestaltet.

Martin Krauss

Auch Krauss ist Sportjournalist und Autor zum Thema. Er hat das Buch geschrieben: „Dabei sein wäre alles. Wie Athletinnen und Athleten bis heute gegen Ausgrenzung kämpfen. Eine neue Geschichte des Sports“, das im C. Bertelsmann Verlag 2024 erschienen ist.

Nikola Staritz

Staritz ist Teil des Fairplay-Teams im VIDC und dort zuständig für den Bereich Antidiskriminierung. Zusätzlich ist sie auch Fußballtrainerin. Sie bietet sich als Gesprächspartnerin zu verschiedenen Themen rund um Sport, Diskriminierung, aber auch Empowerment an.

Spezialtipp

Die Ausstellung „PIRATI CICLISTI ANTIFASCISTI!“ über sportliche Gegenbewegungen in Wien wird am 29. April um 18:00 Uhr eröffnet. Versammelt sind Initiativen, Vereine und Künstler:innen, die sich für Vielfalt, Inklusion sowie eine feministische und antifaschistische Praxis im Sport einsetzen. Die Ausstellung zeigt, dass Sport auch ein politischer Raum sein kann. Begleitet wird die Ausstellung von einem Event- und Vermittlungsprogramm.

Ausstellungsdauer: 30. April – 27. Mai 2026

Ort: Soho Studios, Liebknechtgasse 32, 1160 Wien

Website: https://piratecultures.at/de/exhibition

PA: Trotz Fortschritten: Kinderarbeit betrifft weltweit weiterhin 138 Millionen Kinder – ILO und UNICEF

Im Jahr 2024 waren weltweit fast 138 Millionen Kinder in Kinderarbeit tätig – darunter rund 54 Millionen in gefährlicher Arbeit, die ihre Gesundheit, Sicherheit oder Entwicklung gefährden könnte. Das geht aus neuen Schätzungen hervor, die heute von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und UNICEF veröffentlicht wurden.

Die aktuellen Daten zeigen eine Reduktion um mehr als 20 Millionen Kinder seit 2020 und machen damit den alarmierenden Anstieg zwischen 2016 und 2020 rückgängig. Trotz dieser positiven Entwicklung hat die Welt ihr Ziel, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden, jedoch verfehlt.

Der Bericht mit dem Titel „Child Labour: Global estimates 2024, trends and the road forward” („Kinderarbeit: Globale Schätzungen 2024, Trends und der Weg nach vorn“) unterstreicht eine ernüchternde Realität: Trotz erzielter Fortschritte werden Millionen Kinder nach wie vor ihres Rechts auf Lernen, Spielen und Kindsein beraubt.

„Die Ergebnisse unseres Berichts machen Hoffnung und zeigen, dass Fortschritte möglich sind. Kinder gehören in die Schule – nicht in die Arbeit. Auch Eltern müssen unterstützt werden und Zugang zu menschenwürdiger Arbeit haben, damit sie ihre Kinder in den Unterricht schicken können und nicht auf Märkten oder in Familienbetrieben arbeiten lassen müssen, um das Überleben zu sichern. Aber wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt, bis wir unser Ziel der Abschaffung der Kinderarbeit erreicht haben“, sagte Gilbert F. Houngbo, Generaldirektor der ILO.

Laut den Daten bleibt die Landwirtschaft mit 61 % aller Fälle der größte Sektor der Kinderarbeit, gefolgt von Dienstleistungen (27 %) wie Hausarbeit und dem Verkauf von Waren auf Märkten sowie der Industrie (13 %), darunter Bergbau und Produktion.

Kinderarbeit tritt noch immer weltweit auf

Asien und der Pazifikraum verzeichneten seit 2020 den deutlichsten Rückgang, mit einem Rückgang der Kinderarbeitsquote von 6 auf 3 % (von 49 Millionen auf 28 Millionen Kinder). Auch wenn die Quote in Lateinamerika und der Karibik in den letzten vier Jahren gleich geblieben ist, sank die Gesamtzahl betroffener Kinder von 8 Millionen auf etwa 7 Millionen.

Subsahara-Afrika trägt weiterhin die größte Last und macht fast zwei Drittel aller Kinder in Kinderarbeit aus – etwa 87 Millionen. Während die Prävalenz von 24 auf 22 % sank, blieb die absolute Zahl aufgrund von Bevölkerungswachstum, anhaltenden und neuen Konflikten, extremer Armut und überlasteten Sozialsystemen nahezu unverändert.

„Die Welt hat große Fortschritte bei der Reduzierung der Kinderarbeit gemacht. Doch noch immer schuften viel zu viele Kinder in Minen, Fabriken oder auf Feldern – oft unter gefährlichen Bedingungen, um zu überleben“, sagte Catherine Russell. „Wir wissen, dass Fortschritte möglich sind – durch rechtliche Schutzmaßnahmen, ausgebaute soziale Sicherungssysteme, Investitionen in kostenlose, hochwertige Bildung und besseren Zugang zu menschenwürdiger Arbeit für Erwachsene. Kürzungen bei globalen Finanzierungen drohen jedoch, diese hart erkämpften Erfolge zunichtezumachen. Wir müssen unser Engagement erneuern, Kinder in Klassenzimmern und auf Spielplätzen zu sehen – nicht bei der Arbeit.“

Die Organisationen warnen, dass nachhaltige und verstärkte Mittel – sowohl weltweit als auch national – nötiger denn je sind, um die jüngsten Erfolge zu bewahren. Einschnitte bei der Unterstützung von Bildung, sozialen Sicherungssystemen und Existenzgrundlagen könnten ohnehin schon gefährdete Familien weiter in die Enge treiben und manche dazu zwingen, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken. Gleichzeitig erschwert eine sinkende Investition in Datenerhebung die Sichtbarkeit und Bekämpfung des Problems.

Kinderarbeit gefährdet die Gesundheit von Kindern

Kinderarbeit beeinträchtigt die Bildung, beschneidet Rechte und Zukunftsperspektiven und gefährdet die körperliche und seelische Gesundheit der Kinder. Sie ist zugleich eine Folge von Armut und mangelndem Zugang zu hochwertiger Bildung – was Familien dazu bringt, ihre Kinder arbeiten zu lassen, und so einen Teufelskreis von Benachteiligung über Generationen hinweg aufrechterhält.

Buben sind in allen Altersgruppen häufiger von Kinderarbeit betroffen als Mädchen – wird jedoch unbezahlte Hausarbeit von 21 Stunden oder mehr pro Woche einbezogen, kehrt sich dieser Unterschied laut Bericht um.

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Kinder in Kinderarbeit fast halbiert – von 246 Millionen auf 138 Millionen. Doch die Fortschritte verlaufen zu langsam, und das Ziel der vollständigen Abschaffung bis 2025 wurde verfehlt. Um Kinderarbeit innerhalb der nächsten fünf Jahre zu beenden, müsste das derzeitige Tempo elfmal so schnell sein.

Um die Fortschritte zu beschleunigen, fordern UNICEF und die ILO die Regierungen auf:

  • In soziale Sicherungssysteme für gefährdete Haushalte zu investieren – einschließlich sozialer Sicherheitsnetze wie universelle Kinderbeihilfen, damit Familien nicht auf Kinderarbeit zurückgreifen müssen.
  • Kinderschutzsysteme zu stärken, um Kinder zu identifizieren, zu schützen und auf besonders schlimme Formen von Kinderarbeit zu reagieren.
  • Den universellen Zugang zu hochwertiger Bildung zu gewährleisten – insbesondere in ländlichen und krisengebeutelten Gebieten –, damit jedes Kind lernen kann.
  • Für menschenwürdige Arbeit für Erwachsene und Jugendliche zu sorgen – einschließlich des Rechts von Arbeitnehmer:innen, sich zu organisieren und ihre Interessen zu vertreten.
  • Gesetze durchzusetzen und Unternehmen in die Verantwortung zu nehmen, um Ausbeutung zu beenden und Kinder in globalen Lieferketten zu schützen.

Für Redaktionen

Daten zu Kinderarbeit: https://data.unicef.org/topic/child-protection/child-labour/
Foto- und Videomaterial zur redaktionellen Nutzung: https://weshare.unicef.org/Package/2AM40868L0XU
Zum Bericht: https://login.yoursecurecloud.de/f/1ff707e16388461ab5ae/

UNICEF Österreich
Michael Blauensteiner
Telefon: +43 660 38 48 821
E-Mail: blauensteiner@unicef.at
Website: https://unicef.at

Recherchehinweis: WIDE-Update: Frontalangriff auf „Gender“ und Entwicklungszusammenarbeit

Reviews 30 Jahre nach der letzten Weltfrauenkonferenz von Peking

30 Jahre ist es her, dass in Peking 1995 die bislang letzte Weltfrauenkonferenz stattgefunden hat. Die Überprüfung der Umsetzung der damals bahnbrechenden „Aktionsplattform“ ist das Thema der diesjährigen UN-Frauenstatuskommission im März 2025 in New York – sie sollte auch das Thema dieses WIDE-Updates sein.

Die politischen Entwicklungen in den USA lassen das Thema allerdings in den Hintergrund treten: Einen derartigen Frontalangriff auf die internationale Zusammenarbeit wie durch die USA mit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump hat es seit der Etablierung von Entwicklungszusammenarbeit und der Schaffung der UN-Institutionen noch nicht gegeben.

UN-Einrichtungen wie die Weltgesundheitsorganisation, aber auch andere multilaterale Institutionen werden durch Austritt und/oder Entzug von Mitteln geschwächt. Die Klimakrise wird geleugnet; Migrant*innen werden zu Sündenböcken für alles und jedes gemacht; Lügen schamlos in die Welt gesetzt.

Zugleich stehen Errungenschaften der Frauen*bewegung auf dem Spiel: das Verständnis von „Gender“ als einem sozialen (Macht-)Verhältnis zwischen den Geschlechtern; der Zugang zu sexuellen und reproduktiven Rechten und Gesundheit (Stichworte Sexualbildung, Familienplanung, Verhütung sexuell übertragbarer Krankheiten, Recht auf Schwangerschaftsabbruch; die Forderung nach Anerkennung der Rechte aller Menschen unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung); ein Bewusstsein in Bezug auf „Intersektionalität“ – der Realität, dass es miteinander verschränkte Machtverhältnisse und Diskriminierungen gibt – alles „woke Ideologie“, die aus der Welt geschafft werden soll.

Viele soziale Medien mit rechtslastig gepolten Algorithmen tragen zu Desinformation, der Verbreitung von „Fake news“, bei. Ein Zufall oder nicht, es ist ausgerechnet ein Tech-Milliardär, der in den USA mit der Entwicklungszusammenarbeit aufräumt.

WIDE-Update 1/2025: Frontalangriff auf „Gender“ und EZA & Peking+30 (pdf) zum Downloaden

Inhalt

  • Zeitenwende in den USA
  • Rückblick – Ausblick: Frauen*rechte 30 Jahre nach Peking
  • Peking+30: Österreich, China, Albanien, Afghanistan
  • Peking+30: Gender und digitale Medien
  • Berichte zu sexuellen und reproduktiven Rechten
  • Gender und Entwicklungsfinanzierung & Bericht vom AWID-Forum 2024

PA: Empowering Migrant Voices: Migrant:innenbeirat Graz und Südwind präsentieren Pionierprojekt für politische Teilhabe

Premiere für Graz-gemeinsam-gestalten.at beim Elevate Festival – Neues Tool für E-Partizipation fördert politische Teilhabe von Migrant:innen in Graz.

Graz, am 6. März 2023. Laut Statistik Austria sind rund 1,5 Millionen Menschen, die in Österreich leben, aufgrund ihrer Staatsbürgerschaft vom bundesweiten Wahlrecht ausgeschlossen. Das ist fast jede:r fünfte Erwachsene und damit ein enormes demokratiepolitisches Defizit. Die österreichische Menschenrechtsorganisation Südwind, der Migrant:innenbeirat Graz und das mitgestalten Partizipationsbüro starten ein neues Pilotprojekt zur Förderung der politischen Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich. Das neue E-Partizipationstool Graz-gemeinsam-gestalten.at wurde zum Wochenende bei einem Workshop am Elevate Festival erstmals präsentiert.

„Die Beteiligung von Migrant:innen ist ein Schlüsselfaktor für eine inklusive und demokratische Stadt. Wir wollen mit dem E-Partizipationstool den Zugang zu politischen Entscheidungsprozessen erleichtern und den Dialog zwischen Migrant:innen und der Stadtverwaltung fördern”, erklärt Lena Gruber von Südwind Steiermark. Das neue E-Partizipationstool ist das erste seiner Art in Österreich und ermöglicht einen direkten Austausch zwischen der Stadtregierung und allen in Graz wohnhaften Bürger:innen. Für Menschen mit Migrationshintergrund kann dadurch die politische Teilhabe wesentlich gestärkt werden.

„Der Weg zum österreichischen Wahlrecht ist für Menschen mit Migrationshintergrund mit hohen finanziellen Hürden und mit langen Wartezeiten verbunden. Umso wichtiger ist es, auch andere Wege zu schaffen, um direkt mit der Stadtverwaltung in Austausch zu treten und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten“, sagt Godswill Eyawo vom Migrant:innenbeirat Graz. „Wir haben in Graz einen sehr aktiven Migrant:innenbeirat und eine tolle Kooperation mit der Stadtregierung. Gemeinsam sind wir sehr engagiert darin, Migrant:innen stärker in die politische Gestaltung der Stadt einzubinden. Mit dem neuen E-Partizipationstool wird ein wichtiger Schritt dafür gesetzt. Wir hoffen, dass es auch in anderen Städten und Regionen als Vorbild dienen wird.“

„Dem mitgestalten Partizipationsbüro ist es eine große Ehre mit der Beteiligungsplattform ‚Graz Gemeinsam Gestalten‘ allen in Graz lebenden Menschen einen besseren Zugang zu politischen Entscheidungsprozessen zu geben. Gerade Migrant:innen sind oft Thema der Politik, allerdings selten in deren Gestaltung eingebunden. Daher haben wir in Kooperation mit Südwind und dem Migrant:innenbeirat besonderen Wert auf die Mehrsprachigkeit des Portals gelegt“, betont Romy Grasgruber-Kerl, Geschäftsführerin vom mitgestalten Partizipationsbüro.

Am Samstag, 4. März konnten sich Teilnehmer:innen des Workshops Elevate Migrant Voices selbst ein Bild vom Mehrwert des neuen Tools machen. Die Veranstaltung bot eine Plattform für den Austausch zwischen Migrant:innen und der Stadtverwaltung mit dem Ziel, gemeinsam neue Wege der politischen Teilhabe zu eröffnen. An verschiedenen Tischen wurden Ideen und Vorschläge zwischen Politik und Grazer:innen mit und ohne Migrationshintergrund diskutiert.

Bewusstseinsarbeit für Inklusion auf allen Ebenen

Die österreichische Menschenrechtsorganisation Südwind engagiert sich seit vielen Jahren im Bereich Migration und Inklusion. Ein Teil dieser Arbeit ist es, Menschen, die nach Österreich kommen, beim Einleben in unsere Gesell­schaft zu unterstützen und gleichzeitig die lokale Bevölkerung für die besonderen Lebensumstände von Migrant:innen zu sensibilisieren – von ehrenamtlich Engagierten bis hin zu Vertreter:innen von Behörden, Bildungseinrichtungen, Politik und Wirtschaft. Mit dem Südwind-Projekt EMVI (Empowering Migrants Voices on Integration and Inclusion Policies) wird die po­litische Teilhabe von Migrant:innen gestärkt, indem sie ermutigt werden, sich selbst als Handelnde inklusiver Politik zu verstehen. Gleichzeitig werden lokale und regionale Behörden sowie Institutionen bei der Kontaktaufnahme mit Migrant:innen unterstützt. In Österreich ist Südwind gemeinsam mit dem Migrant:innenbeirat Graz und der Partnergemeinde Lustenau aktiv. Auf internationaler Ebene ver­netzt das Projekt Initiativen aus Italien, Slowenien, Griechenland, Deutschland und Österreich.

Fotos von der Veranstaltung unter: www.suedwind.at/presse

Rückfragehinweis:
Lena Gruber
Projektleiterin Südwind
Tel.: +43 316 323212
E-Mail: lena.gruber@suedwind.at

Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Tel.: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at

Veranstaltung: Unsichtbar?! Das Engagement der afrikanischen Diaspora in Österreich

Studienpräsentation von Maida Schuller und Gudrun Klein #AEWTASS, Diskussion und Performance.

Welche Leistungen erbringen die afrikanischen Gemeinden in der österreichischen Gesellschaft? Welche Schwerpunkte setzen die Vereine bei ihrer entwicklungspolitischen Arbeit? Wie kann ihre Arbeit sichtbarer werden? Wie kann das Potential der afrikanischen Diaspora in Österreich gestärkt und ein gleichberechtigter Dialog mit der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit erreicht werden?

Die Studie „Transnational African Diaspora Engagement in Austria“ wurde von den #AEWTASS (Advancing Equality Within The Austrian School System) Wissenschafterinnen Sina Aping, Maida Schuller und Gudrun Klein erstellt und eröffnet Schaufenster in die vielfältige Arbeit afrikanischer Diaspora Organisationen in Österreich. Die Studie stellt 18 ausgewählte Vereine und Initiativen mit ihrem transnationalen und entwicklungspolitischen Engagement vor. Von der Mehrheitsgesellschaft oftmals unbemerkt, unterstützen sie Projekte am afrikanischen Kontinent, tauschen Wissen zwischen Österreich und afrikanischen Ländern aus und leisten hierzulande anti-rassistische Aufklärungsarbeit.

Dienstag, 16. November 2021, 19:00 – 21:00 Uhr
Albert Schweitzer Haus, Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien


Kommentare
Emmanuel Kandem, Chiala Graz
Georg Keri, Austrian Development Agency
Helene Unterguggenberger, Caritas

Rap Performance:  Jahson the Scientist
Moderation: Téclaire Ngo Tam,  Südwind
Sprache: Diskussion Deutsch, Performance Englisch

Eine Veranstaltung von VIDC Global Dialogue in Kooperation mit Advancing Equality Within The Austrian School System und Radio Africa TV.

Mehr Info
Eintritt frei, eine verbindliche Anmeldung ist erforderlich: schmidjell@vidc.org

Es gelten die aktuellen COVID-19 Schutzmaßnahmen Wiens (derzeit 2,5G – geimpft, genesen oder negativer PCR-Test).

PA: Internationaler Tag der indigenen Völker am 9. August

Arbeitskreis Indianer Nordamerikas (AKIN)  berichtet über die wachsende Bedrohung für Indigene weltweit.

8. August 2021. Brasilien hat gerade das sogenannte „Landraubgesetz“ verabschiedet. Dort ringen indigene Gemeinschaften um Anerkennung und Respektierung ihrer traditionellen Territorien. Auch in Europa kämpfen Indigene um den Erhalt ihrer Lebensgrundlage: Der Kupferbergbau in Norwegen bedroht Rentiere und Lachse der Sami. Das Scheitern der Konzernverantwortungsinitiative in unserem Nachbarland Schweiz setzt den Ressourcenabbau Schweizer Großkonzerne auf indigenem Land fort, ohne dass diese ernsthaft in die Pflicht genommen werden.
Indigene Völker sind weltweit wachsender Bedrohung ausgesetzt, nicht nur durch den Klimawandel, sondern auch durch massive Unterdrückung und Verfolgung. Auf ihrem Land befinden sich die meisten Rohstoffe, die von Großkonzernen aufgrund der Gier nach Ressourcen abgebaut werden – zu oft ohne vorherige Zustimmung oder Entschädigungsregelung.

Die österreichische Menschenrechtsorganisation für Indigene Völker, Arbeitskreis Indianer Nordamerikas (AKIN),  äußerst sich besorgt um die Lage der Indigenen: Im Jahr 2019 wurden 212 Menschen dafür ermordet, dass sie sich für die Einhaltung von Menschenrechten und den Schutz der Umwelt einsetzten, konstatiert die Menschenrechtsorganisation Global Witness in ihrem Report 2020. Die NGO Frontline Defenders berichtet, dass im Jahr 2020 331 Umweltschützer- und Menschenrechtsverteidiger*innen ermordet wurden – ein erheblicher Anteil davon setzte sich spezifisch für Indigene Rechte ein (26%). Seit 2017 hat Front Line Defenders die Ermordung von 327 Personen dokumentiert, die für die Rechte Indigener eintraten. Die Zahlen umfassen nur dokumentierte Fälle, die Dunkelziffer ist hoch.
Darüber hinaus werden viele indigene Menschenrechts-Aktive eingeschüchtert, unrechtmäßig gefangen genommen, usw. Dieses Schicksal erleiden viele Menschenrechtsverteidiger*innen, der Anteil der Indigenen ist jedoch gemessen am Bevölkerungsanteil überproportional hoch.

Auch für die Indigenen Europas gibt es wenig Lichtblicke. So fürchten Sami im äußersten Norden Norwegens um ihre Lebensgrundlage, denn auf ihrem Gebiet soll Kupfer abgebaut werden. Die Region ist die Kinderstube der Rentiere der Sami. Außerdem soll der Abraum der Nussir-Kupfermine im nahegelegenen Repparfjord verklappt werden und gefährdet den Lachsbestand der Sami-Fischer. Projektpartner und Abnehmer des Kupfers ist das deutsche Unternehmen Aurubis aus Hamburg. Schweizer Unternehmen wie Glencore und Holcim sind ebenfalls auf indigenen Territorien involviert.

Die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation der UN (ILO 169) ist bislang die einzige internationale Norm, die Indigenen Völkern rechtsverbindlich Schutz gewährt. Sie wurde erst von 24 Staaten ratifiziert, davon sechs in Europa. Die Bemühungen um eine Ratifikation in Österreich reichen weit zurück. Der österreichische Rechtsexperte und Vertreter René Kuppe hofft: „Die Ratifizierung durch Deutschland sollte den Weg freimachen, damit auch weitere europäische Staaten wie Österreich und die Schweiz diese wichtige Konvention ratifizieren“. Leider stellte gerade kürzlich das österreichische Bundesministerium für Europäische und Internationale Angelegenheiten (Abteilung: Volksgruppenangelegenheiten und Minderheitenschutz) klar, dass „eine Ratifikation durch Österreich nicht in Aussicht genommen (wird) „.

Weltweit zählen sich über 370 Millionen Menschen zu insgesamt mindestens  5.000 Indigenen Völkern.

Zum Internationalen Tag der Indigenen Völker ruft AKIN weiter auf, die Ratifikation der ILO Konvention 169 auf die Tagesordnung des Parlaments zu setzen und dem Beispiel Deutschlands zu folgen.

Rückfragehinweis:

Univ. Doz. Dr. Peter Schwarzbauer (Obmann)
Arbeitskreis Indianer Nordamerikas (AKIN)
schwarzbauer@arbeitskreis-indianer.at
Tel:: 0680 1155444

Podiumsdiskussion: Unerhört?! Afghanische Frauen in der Diaspora

Was sind die größten Herausforderungen für afghanische Frauen in Österreich und Europa? Welche Erfolge haben die Frauen in der Diaspora erreicht? Wie kann eine friedliche Entwicklung in Afghanistan nachhaltig unterstützt werden? Wie kann die Integration von afghanischen Frauen am österreichischen Arbeitsmarkt gelingen?

Bei der Podiumsdiskussion über das Engagement afghanischer Frauen in der Diaspora diskutieren Homa Abbas (Afghanischer Frauenverein, Deutschland), Dr. Shafiqa Razmenda (Afghan EU Women Coalition), Masomah Regl (FIVESTONES, Graz), Farzana Niazi (Verein Begegnung Arcobaleno, Linz) und Asiye Sel (Arbeiterkammer Wien).
Moderation: Magda Seewald (VIDC)

14. August 2021, 16:00 – 17:15 Uhr
VHS Großfeldsiedlung, Kürschnergasse 9, 1210 Wien


Mehr Info zum Thema und zu den Diskutant*innen

Die Podiumsdiskussion findet im Rahmen der Festveranstaltung „25 Jahre Afghanischer Kulturverein AKIS“ statt und ist beschränkt auf 99 Besucher*innen.

Es gelten die  COVID-19 Schutzmaßnahmen des Bundes und der Stadt Wien, insbesondere die 3G-Regel. Eine verbindliche Anmeldung ist erforderlich.

Anmeldung: mir.ghousudden@chello.at, Tel.: +43660 3545469

Bericht: Afrika: Kulturinitiativen gegen Jihadismus im Sahel

Am 27. Mai 2021 veranstaltete das VIDC ein Webinar mit prominenten Sprecher*innen aus Westafrika und widmete sich darin der Frage, welche Rolle Musik, Film und Kunst angesichts der multiplen Krisen in der Sahel Region spielen. Nun wurde die Dokumentation dazu veröffentlicht.

Jihadistische und ethnische Milizen, Klimakrise, COVID-19 Pandemie stellen die Bevölkerung vor enorme Herausforderungen. Davon sind auch Kulturschaffende betroffen. Auftritte wurden in manchen Regionen zum Sicherheitsrisiko, Tourneen und Festivals mussten abgesagt werden.

Für die senegalesische Soziologin Aminata Ndiaye sind Kunst und Kultur zentral für diverse und inklusive Gesellschaften. Frauen seien zudem die effektiveren Friedenspolitikerinnen, so die Genderbeauftragte der Militärallianz G5 Sahel. Der Theatermacher Alioume Ndiaye aus Mali setzt sich bei seiner Arbeit für die Vermittlung von demokratischen Grundwerten und die Kritikfähigkeit der Jugend ein. So will er der Radikalisierung von Jugendlichen entgegenwirken. François A. Akouabo Adiana ist Programmleiter des größten afrikanischen Filmfestivals FESPACO. Er betonte ebenfalls die gesellschaftspolitische Wirkung von Kunst und Kultur, da sie den sozialen Zusammenhalt stärkten und kollektive Traumabewältigung in Krisen unterstützten.

Hier finden Sie die Links zum  Veranstaltungsbericht sowie das gesamte Webinar zum Nachsehen.
Die Diskussion fand anlässlich von Culture X Change # Mini Fespaco de Vienne 2021 statt.

PA: Gesundheit als Basis für Entwicklung

Gesundheit ist eine Grundvoraussetzung für nachhaltige Entwicklung. Umgekehrt ist nachhaltige Entwicklung unverzichtbar für ein gesundes Leben. Denn Armut ist einer der gravierendsten Krankheitstreiber. Was es braucht, um diesem Teufelskreis zu entkommen, und wie Österreich dabei seine Partnerländer unterstützt, zeigt die aktuelle Ausgabe der Weltnachrichten, des Magazins der Austrian Development Agency (ADA).

Wien, 21. Juni 2021 – Armut führt zu Hunger, Unter- oder Mangelernährung und ist damit eine der häufigsten Krankheitsursachen. Faktoren wie Arbeitslosigkeit, mangelnde Schulbildung oder fehlende Möglichkeiten zur Familienplanung wirken sich zusätzlich negativ auf die Gesundheit aus.
 
Gesundheit ist das Recht jedes Menschen, sie ist aber auch unerlässlich für die Entwicklung von Gesellschaften. Das verdeutlichen die 17 Globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs), von denen sich mehr als ein Dutzend auf Gesundheit beziehen. SDG 3 zielt explizit auf Gesundheit und Wohlergehen für alle ab.
 
Ungleich verteilt
Wie benachteiligt viele Regionen der Welt noch immer sind, zeigen folgende Zahlen der Weltbank: Lag die durchschnittliche Lebenserwartung in Österreich 2018 bei 82 Jahren, so betrug sie etwa in Uganda nur 63 und in Burkina Faso 61 Jahre. Auch bei der Säuglingssterblichkeit gibt es große Unterschiede. Während in Österreich 2019 drei Säuglinge pro 1.000 Geburten nicht überlebten, waren es in Mosambik 55 und in Bhutan 24. Bei der Versorgung mit Spitalsbetten gibt es ebenfalls eine große Kluft. In Österreich stehen für 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner 7,3 Spitalsbetten zur Verfügung (2018), in Äthiopien etwa nur 0,3 (2016).
 
Außerdem mangelt es Ländern des Globalen Südens an Geld und qualifiziertem Personal für ein funktionierendes Gesundheitssystem. Allein in Afrika fehlen rund 3 Millionen Gesundheitsfachkräfte. Hinzu kommt vielerorts die überalternde Bevölkerung, auf die die Gesundheits- und Sozialsysteme meist nicht ausgerichtet sind.
 
Schlüssel zum Erfolg
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Umsetzung der SDGs. Damit Ziel 3 „Gesundheit und Wohlergehen für alle“ erreicht wird, braucht es eine integrierte Entwicklung, die die Wechselwirkung zwischen Gesundheit und sozialen, ökonomischen und ökologischen Faktoren wie Einkommen, Bildung, Transport, Handel, Landwirtschaft oder Umwelt und Klima berücksichtigt.
 
Die Schwächsten unterstützen
Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit setzt dort an, wo sie über langjährige Expertise verfügt. Im Flüchtlingscamp Imvepi im Norden Ugandas etwa unterstützt sie das Rote Kreuz dabei, die hygienische Situation zu verbessern. Denn verschmutztes Wasser, mangelnde oder unsichere Toiletten sowie unhygienische Verhältnisse sind eine Brutstätte für Krankheiten. In den Schulen und am Markt des Camps gibt es nun Latrinen anstatt „fliegender Toiletten“ – so wurden die Plastiktüten genannt, in denen davor oft die Notdurft entsorgt werden musste. Ein Zentrum für Abfallmanagement ist am Entstehen.
 
Bereits seit 2011 beteiligt sich die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit an einem Programm der Vereinten Nationen, das sich für die medizinische Grundversorgung palästinensischer Flüchtlinge einsetzt. Bisher hat sie dazu 12,6 Millionen Euro beigetragen. Damit konnten 2,7 Millionen Menschen erreicht werden.
 
In Nepal arbeitet Österreich gemeinsam mit der zivilgesellschaftlichen Organisation PHASE daran, dass Schwangere, stillende Mütter und Kinder in ländlichen Gemeinden besser versorgt und ernährt sind. Denn ausreichende und ausgewogene Ernährung gilt als Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben.
 
Außerdem in den Weltnachrichten 2/2021 zu lesen:

  • Zwischen Terror und Virus: Burkina Faso im Würgegriff zweier Gefahren
  • Vernachlässigte Tropenkrankheiten: Problem der Armen. Ein Interview mit Mwelecele Ntuli Malecela, Leiterin der Abteilung für die Kontrolle vernachlässigter Tropenkrankheiten der Weltgesundheitsorganisation
  • Damit das Lächeln zurückkehrt: In der kenianischen Region Kisumu steht es nicht gut um reproduktive Gesundheit und Frauenrechte. Durch Aufklärung, Verhütungsangebote und Rechtshilfe soll sich das ändern.

Die Weltnachrichten berichten vierteljährlich über entwicklungspolitische Themen. Herausgeber ist die Austrian Development Agency. Alle Beiträge, Reportagen, Interviews und Geschichten sind auch online nachzulesen. Die Weltnachrichten sind kostenlos. Bestellungen unter oeza.info@ada.gv.at.
 
Austrian Development Agency
Die Austrian Development Agency, die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, unterstützt Länder in Afrika, Asien, Südost- und Osteuropa bei ihrer nachhaltigen Entwicklung. Gemeinsam mit öffentlichen Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen setzt die ADA derzeit Projekte und Programme mit einem Gesamtvolumen von über 550 Millionen Euro um.

Rückfragehinweis:
Austrian Development Agency (ADA),
die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit
Mag. Georg Keri
Tel.: +43 1 90399-2402
georg.keri@ada.gv.at
www.entwicklung.at

Interview: Friedvoller Journalismus

Das „Global Network of Women Peacebuilders“ besteht aus über 100 Frauenorganisationen, die in den Bereichen der humanitären Krise arbeiten. Im Online-Interview mit Tania Napravnik berichten Victoria Balleza (VB), Chief Executive Officer des Netzwerkes und ihre Programmkoordinatorin Agnieszka-Fal Dutra Santos (AS) über internationale Friedensbemühungen. Die Expertinnen teilen ihre Einschätzungen zu den Rollen von Frauen, Journalismus und den SDGs (Sustainable Development Goals) zur Erreichung einer friedvollen Welt.

TN: Wie definieren Sie Frieden?
AS: Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort, da dieser Begriff unterschiedlich gedeutet werden kann. In einer erst kürzlich durchgeführten Studie unseres Netzwerks zeigte sich, dass viele der 1600 Befragten Frieden durch die Abwesenheit von Krieg oder Gewalt definierten. Jedoch greift die Erklärung zu kurz. Denn Frieden existiert nicht bloß so, sondern ist ein dynamischer Prozess, der erhalten und kultiviert werden muss. Für mich persönlich hat er eine geschlechtsspezifische Konnotation, da ich Frieden mit Gender Equality verbinde: Frauen und Männer sollen gleichberechtigt darin eingebunden sein.

VB: Für mich ist Frieden ein humanitäres Recht. In diesem Sinn bedeutet er, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Frieden impliziert eine demokratische Gesellschaft, in der eine diverse Bevölkerung durch funktionierende Instrumente politisch partizipiert und dadurch Ressourcen gleichmäßig verteilt werden können. Für Frieden ist Entwicklung, wie sie die SDGs vorschreiben, eine Voraussetzung, wobei deren siebzehn Zielerreichungen bis 2030 unrealistisch erscheinen. Das lässt sich schon daran ablesen, wie wenig Geld Staaten dafür budgetieren.

TN: Welche Rolle spielen Journalist*innen in Bezug auf Frieden?
VB: Um Frieden zu gewährleisten müssen Rechte und internationale Abkommen effektiv umgesetzt werden. Dies passiert durch eine erfolgreiche Kommunikation. Insofern sind Journalist*innen wichtig in der Vermittlung über Friedensagenden. Sie können sicherstellen, dass die Bevölkerung ausreichend über aktuelle Geschehnisse informiert ist und darüber hinaus Bewusstsein für Themen schaffen, was speziell wichtig ist für Frauenrollen außerhalb von stereotypisierten Gendernormen.

AS: Wenn es gelingt, Frauen als aktive Friedensagentinnen in Medien darzustellen, dann verändert sich die öffentliche Meinung und auch die private. Dieser Normierungsprozess kann so weit gehen, dass Frauen einen anderen gesellschaftlichen Status erhalten und sie sich im Zuge dessen auch selbst anders wahrnehmen. Noch dazu können Journalist*innen ihren Beitrag zu einem friedvollen Klima schaffen, indem sie auf Fehlinformationen verzichten und stattdessen über konstruktive Handlungsmöglichkeiten berichten.

TN: Können Frauen generell als Friedensagentinnen bezeichnet werden?
VB: Ja. Frauen sind diejenigen, die Resolutionen in Konfliktsituationen finden, da sie einander zuhören und lösungsorientiert arbeiten.

AS: Ich möchte auf diesem Argument aufbauen und erklärend hinzufügen, dass wir uns für die Aufwertung von Frauenrollen und -bildern in konflikthaften Auseinandersetzungen einsetzen: Frauen sollen sich als aktive Friedensagentinnen wahrnehmen und nicht als passive Opfer. Als globale Gemeinschaft stellen wir sicher, dass Frauen ihre Ansichten bzw. Bedürfnisse in den Friedensverhandlungen deklarieren, wodurch oft ungehörte Anliegen zur Sprache gebracht werden.

TN: Können Sie bitte diesbezügliche Best Practice-Beispiele nennen?
VB: Das ist jetzt schwierig. Ein gutes Beispiel ist wohl Ruanda, wo mehr als 50% der Parlamentarier*innen Frauen sind. Hier zeigt sich, dass ein politischer Willen für das Investment in Frauen existiert, welcher bei Ländern des Globalen Nordens nicht immer leicht zu finden ist. Ruanda hat sich sogar freiwillig für den SDG-voluntary report gemeldet, da es die Ziele der nachhaltigen Entwicklung in vielen Bereichen vorbildhaft implementiert!

AS: Ich denke, dass uns die Beantwortung der Frage schwerfällt, da Frauen oft diejenigen sind, welche von den Auswirkungen von Krisen besonders hart getroffen sind, wobei das nicht automatisch registriert bzw. dokumentiert wird. Daher ist es wichtig, internationale Abkommen in nationale Kontexte zu übersetzen, um somit die spezifischen Bedürfnisse und Interessen von bestimmten Gruppen heraus zu filtern. Durch den Local Action Plan ist es uns mitunter schon gelungen, dass Frauen über ihre sexualisierten Gewalterfahrungen sprechen konnten.
Ein anderes gutes Beispiel für unsere Vorgehensweise ist die Ukraine: Hier zeigte sich, dass Frauen in entlegenen Gebieten keine öffentlichen Verkehrsmittel zur Verfügung stehen und sie somit auf das Einkommen ihrer mobilen Männer angewiesen waren. Mittlerweile gibt es in dieser Gegend eine Buslinie, wodurch Frauen zur Arbeit fahren können.