Archiv der Kategorie: Sport

PA: WM 2026: Amnesty International fordert Fußballturnier ohne Angst und Repression

Amnesty International warnt, dass Millionen Fußballfans bei der FIFA-Weltmeisterschaft der Männer 2026 in Kanada, Mexiko und den USA erheblichen Menschenrechtsrisiken ausgesetzt sein werden. Besonders in den USA, wo drei Viertel der Spiele stattfinden, gefährden eine gewaltvolle und diskriminierende Einwanderungspolitik sowie Einschränkungen der Meinungsfreiheit und des Rechts auf friedlichen Protest das von der FIFA versprochene „sichere, einladende und integrative“ Turnier. 

Der neue Amnesty-Bericht „Humanity Must Win: Defending rights, tackling repression at the 2026 FIFA World Cup“ zeigt umfassend, welche Risiken für Fans, Spieler, Journalist*innen und marginalisierte Gruppen bestehen. 

 „Die WM 2026 droht, mehr Repression als Fußball zu liefern. Wer protestiert oder Kritik äußert, muss bei der Weltmeisterschaft mit Unterdrückung rechnen. Setzen sich die Razzien der US-Einwanderungsbehörde ICE, die massenhaften Festnahmen und die Einreiseverbote fort, wird dieses Turnier zum Symbol staatlicher Einschüchterung. FIFA und Gastgeberstaaten müssen jetzt verbindliche Schutzmechanismen vorlegen, die allen Beteiligten eine WM ohne Angst und Ausgrenzung ermöglichen“, sagte Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich

„Die FIFA wird mit der WM der Männer 2026 Rekorderlöse erzielen. Die Fans, marginalisierten Gruppen, Spieler*, Journalist*innen und Arbeitskräfte dürfen dafür nicht den Preis zahlen. Es sind diese Menschen – nicht Regierungen, Sponsoren oder die FIFA –, denen der Fußball gehört, und ihre Rechte müssen im Mittelpunkt der WM stehen“, so Steve Cockburn, Leiter des Bereichs für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit von Amnesty International.  

Gut 10 Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft der Männer muss die FIFA dringend Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass das schöne Spiel nicht in Gefahr gerät, einen unschönen Ausgang zu nehmen. Denn sie hat sich zu einem Turnier verpflichtet, bei dem sich jede*r sicher und einbezogen fühlt und die eigenen Rechte frei ausüben kann.  

Menschenrechtlicher Notstand in den USA
Unter der Trump-Regierung verschärft sich ein menschenrechtlicher Notstand: massenhafte, willkürliche Festnahmen, ein Klima der Angst durch den Einsatz maskierter, bewaffneter ICE- sowie Zoll- und Grenzschutzbeamt*innen. Allein 2025 wurden über 500.000 Menschen abgeschoben – vielfach ohne ordnungsgemäßes Verfahren und unter Verletzung menschenrechtlicher Grundsätze. 

Für migrantische Communities in den USA, Fans aus aller Welt sowie die Spieler* stellt die diskriminierende Einwanderungspolitik der USA eine akute Bedrohung dar. Auch WM-Gastgeberstädte sind von den Einschränkungen der Rechte durch die US-Regierung betroffen.  

Präsident Trump hat im Juni 2025 als Reaktion auf Proteste gegen Razzien von Migrant*innen etwa 4.000 Soldat*innen der kalifornischen Nationalgarde unter Bundesbefehl gestellt und nach Los Angeles entsandt. Die Austragungsorte Dallas, Houston und Miami haben problematische Vereinbarungen unterzeichnet, wonach lokale Strafverfolgungsbehörden mit der US-Einwanderungsbehörde ICE zusammenarbeiten sollen, was Racial Profiling und die gezielte Verfolgung von Einwander*innen verstärkt. 

Risiken in Mexiko und Kanada 
Im Gastgeberland Mexiko wurden als Reaktion auf die hohe Gewalt 100.000 Sicherheitskräfte, darunter auch das Militär, mobilisiert, was die Risiken für Demonstrierende erhöht. Dazu gehören auch Aktivist*innen, die zum Eröffnungsspiel im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt eine friedliche Demonstration planen, um Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für das Verschwinden ihrer Angehörigen zu fordern.  

In Kanada gibt es Befürchtungen, dass Obdachlose vertrieben und weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Am 15. März schlossen die Behörden in Toronto eine Winter-Wärmestation, die Obdachlosen Schutz bot, da die Räumlichkeiten von der FIFA vorab gebucht worden waren. 

Migration, Visarestriktionen und Überwachung erschweren Teilnahme am Turnier
Fans und migrantische Communities sind vielfältigen Gefahren ausgesetzt:

  • US-Behörden gehen gezielt gegen Menschen aus lateinamerikanischen, schwarzen, asiatischen und anderen nicht-weißen Bevölkerungsgruppen vor. 
  • Neue Einreiseverbote treffen Fans aus Côte d’Ivoire, Haiti, Iran und Senegal. 
  • Besucher*innen könnten zu Überprüfungen ihrer Social-Media-Konten gezwungen werden.

Bisher haben nur vier von 16 WM-Städten Menschenrechtspläne veröffentlicht. Keiner davon enthält Schutzmaßnahmen gegen Menschenrechtsverletzungen durch Einwanderungsbehörden. 

Einschränkungen von Protest und Meinungsfreiheit 
Weltmeisterschaften stehen oft im Mittelpunkt von Protesten und es besteht die Gefahr, dass Demonstrationen unterdrückt werden. In allen drei Gastgeberländern wurden Demonstrationen zuletzt eingeschränkt: 

  • In den USA wurden insbesondere ausländische Studierende wegen Protesten gegen den Gaza-Krieg ins Visier genommen; es kam zu Tötungen durch Bundesbeamt*innen während Protesten gegen Einwanderungsmaßnahmen. 
  • In Kanada wurden friedliche Gaza-Proteste und Protestcamps polizeilich aufgelöst. 
  • In Mexiko protestierten Einwohner*innen gegen Infrastrukturprojekte, steigende Lebenshaltungskosten, Wasserknappheit und Gentrifizierung im Kontext der WM. Die militarisierte Sicherheitslage birgt weitere Risiken.

Mitglieder von LGBTQIA+ Organisationen äußern zudem erhebliche Sicherheitsbedenken, bei der WM sichtbar teilzunehmen. 

Hintergrund
Amnesty ist Teil der Sport & Rights Alliance, einem Netzwerk aus Fans, Sportler*innen, Communities und Menschenrechtsorganisationen, welches die FIFA auffordert, wirksame Schutzmaßnahmen gemeinsam mit allen Gastgeberländern umzusetzen.

Rückfragen
Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
presse@amnesty.at

Recherchematerial zu Fußball, Menschenrechte & SDGs – Im Fokus: WM 2026

Gute Sportberichterstattung ist auch Wirtschafts-, Politik- und Gesellschaftsjournalismus. Fußball kann ein Einstiegstor in globale Politik sein. Die Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko bietet einen hochaktuellen Nachrichtenanlass und markiert einen Wendepunkt: Nicht mehr nur autoritäre Staaten stehen im Fokus der Kritik – sondern auch westliche Demokratien. Hier einige kritische Punkte in Kürze:

•          Menschenrechtsorganisationen bezweifeln, dass die USA aktuell ein geeigneter Gastgeber sind

•          Diskussionen über Einreisebeschränkungen für Fans und Teams stehen im Raum

•          Boykottforderungen aus Politik und Zivilgesellschaft nehmen zu

•          Debatten über Sicherheit, digitale Überwachung und politische Einflussnahme prägen die Vorbereitung

Die WM 2026 ist kein nebensächliches Sportevent, sondern ein Testfall für die Glaubwürdigkeit von Menschenrechtsstandards auf globaler Bühne. Minky Worden, die für den Bereich „Global Initiatives“ zuständige Leiterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, äußerte im Interview mit Deutschlandfunk ihre Bedenken wegen der Austragung der anstehenden Fußball-WM in den USA. Und verwies unter anderem auf das Einreiseverbot in die USA für Menschen aus Haiti. Der Karibik-Staat nimmt erstmals seit 52 Jahren wieder an einer WM-Endrunde teil. Doch laut US-Regierung dürfen nur die Spieler und Funktionäre für den Zeitraum des Turniers einreisen. Weiters kündigte die Trump-Regierung eine Überprüfung von Social-Media-Daten der letzten fünf Jahre von Fans aus allen Ländern bei der Einreise in die USA zur Fußball-WM 2026 an.

Weiterführende Info:

Deutschlandfunk: Menschenrechte und Einreiseverbote – Human Rights Watch: „FIFA muss prüfen, ob es noch möglich ist, die Fußball-WM in den USA auszutragen“

SDGs und Sport

Auf den ersten Blick hat vor allem SDG 3 (Sustainable Development Goals), das Ziel für Gesundheit und Wohlergehen, einen klaren Bezug zu Sport. Worum geht es? Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern. Die Unterpunkte hier im Überblick:

https://sdgwatch.at/de/ueber-sdgs/3-gesundheit-und-wohlergehen

Sport ist jedoch auch ein großer Wirtschaftsfaktor und hat viele gesellschaftspolitische Aspekte. Die SDGs können eine Linse für komplexe Sportberichterstattung bieten. So lässt sich die WM 2026 beispielsweise entlang der SDGs analysieren:

  • SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit): Unter welchen Bedingungen wird die WM veranstaltet?
  • SDG 10 (Weniger Ungleichheiten): Wer kann teilnehmen – wer wird ausgeschlossen?
  • SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz): Wie nachhaltig ist ein Turnier über drei Länder hinweg?
  • SDG 16 (Starke Institutionen): Wie transparent und rechenschaftspflichtig ist die FIFA?

Ideen für mögliche Geschichten

  • Wer darf zur WM 2026?

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird in drei Ländern ausgetragen – mit unterschiedlichen Einreise- und Sicherheitssystemen. Doch ist die WM tatsächlich ein global zugängliches Event?

Themen: Visa, Grenzen und globale Ungleichheit,

Interviewpartner:innen: Human Rights Watch, Migrationsforscher:innen, betroffene Fans

  • Die unsichtbaren Arbeiter:innen der WM

Nach der FIFA WM 2022 in Katar steht die Frage im Raum: Hat sich bei Arbeitsrechten im Sport etwas verbessert? Die Frage ist nicht wer gewinnt die WM, sondern unter welchen Umständen findet sie statt.

Themen: Arbeitsmigration, Arbeitskräfte ohne soziale Absicherung, Rolle von Subunternehmen und Outsourcing

Interviewpartner:innen: Gewerkschaften (z. B. Bau, Service), Amnesty International, Arbeitsrechtsexpert:innen, lokale NGOs in Austragungsstädten

  • Klima & Nachhaltigkeit

SDG 13 im Reality-Check: Kann eine WM über drei Länder hinweg klimaneutral sein?

Themen: Flugverkehr zwischen Spielorten, Infrastruktur & Energieverbrauch, Greenwashing durch Kompensationsmodelle, CO₂-Bilanz

Interviewpartner:innen: Klimaforscher:innen, NGOs (z. B. Umweltorganisationen)

  • Rassismus, Homophobie & Diskriminierung im Fußball

Diskriminierung ist im Fußball weiterhin präsent – auch in Europa und Nordamerika. Sind es Strukturen oder Einzelfälle?

Themen: Rassistische Vorfälle im Stadion, mangelnde Diversität in Führungspositionen

Interviewpartner:innen: Aktivist:innen, betroffene Spieler:innen, NGOs und Fairplay Initiativen

  • Sportswashing im Westen?

Sportswashing, also die Nutzung von Sportveranstaltungen oder Sponsoring durch Staaten oder Konzerne, um das eigene Image aufzupolieren und von Menschenrechtsverletzungen und Korruption abzulenken, wird meist autoritären Staaten zugeschrieben. 2026 stellt sich die Frage: Nutzen auch Demokratien den Sport zur Imagepflege?

Themen: politische Inszenierung der Gastgeberländer, Umgang mit Kritik (Menschenrechte, Polizei, Migration)

Interviewpartner:innen: Medienethiker:innen, Politikwissenschaftler:innen, NGOs wie Human Rights Watch

Weiterführende Infos

Sportswashing

In Sachen Sportswashing wurden in den vergangenen Jahren auch NGOs aktiv: Etwa Human Rights Watch https://www.hrw.org/video-photos/audio/2025/02/10/sportswashing-explained

Oder auch Amnesty: https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-journal/deutschland-sportswashing-fc-bayern-ruanda-katar-vereinigte-arabische-emirate

Rassismus und Sport

Rassistisch motivierte Zwischenfälle sind sowohl im Leistungs- als auch Breitensport zu beobachten. Niklas Schulteis hat im Rahmen eines Forschungspraktikums zu Rassismus und Fußball an der Erasmus School of History, Culture and Communication einen Beitrag über Fußball und Rassismus in Europa für die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung verfasst: https://www.bpb.de/themen/migration-integration/kurzdossiers/549451/hat-der-europaeische-fussball-ein-rassismus-problem/

Ein Infosheet zu Rassismus im Sport gibt es von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, hier: https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/1203-Infosheet-racism-in-sport_DE.pdf

Initiativen und Vereine

Fairplay Initiative

Fairplay am Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) ist die Initiative für Vielfalt und Antidiskriminierung im Sport. Gegründet wurde die Initiative 1997 im Rahmen des Europäischen Jahres gegen Rassismus. Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Antidiskriminierung und Diversität, soziale Inklusion, Menschenrechte und Entwicklung und Prävention von Extremismus. Das Projekt fairplay prevention – Anlaufstelle gegen menschenfeindliche Ideologien wurde aufgrund von Sparmaßnahmen mit Jänner 2026 eingestellt. Link: www.fairplay.or.at

Ombudsstelle Fußball für alle

Die Ombudsstelle dient als direkte Anlaufstelle für LGBTIQ-Personen im Fußball. Hier geht es vor allem um Diskriminierung im Bereich Homophobie. Die Stelle ist aber auch mit anderen Organisationen und NGOs vernetzt um auch eine psychologische Weiterleitung oder Weiterbetreuung zu gewährleisten. Die Anlaufstelle ist unabhängig und eigen­ständig, jedoch mit einer Legitimation von ÖFB und Bundesliga ausgestattet, um bei Problemen bei Vereinen oder Verbänden ­vorstellig zu werden. Link: https://www.fussballfueralle.at/

ballesterer

Der ballesterer ist das kritische Fußballmagazin Österreichs: Die ballesterer-Autor:innen zeichnet eine kritische Sichtweise auf das aktuelle Fußballgeschehen aus. Sowohl die zunehmende Kommerzialisierung wie auch das Zurückdrängen von Fans und Fankultur aus den Stadien werden laufend thematisiert.

Kicken ohne Grenzen

Das mehrfach preisgekrönte Projekt „Kicken ohne Grenzen“ bietet mit Fußballteams sichere Räume für Jugendliche mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung. Die Förderung von Mädchen ist ein Fokus der Initiative. Link: www.kicken-ohne-grenzen.at

Play Together Now

Der Verein wurde 2015, mit der Ankunft von vielen Geflüchteten in Wien, von engagierten Personen gegründet. Seitdem ist der Verein zu 100% von Ehrenamtlichen getragen, die ihre freie Zeit, jungen Menschen in Wien widmen. Link: www.playtogethernow.at

Dachverband Globale Verantwortung

Der Dachverband Globale Verantwortung – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe vertritt in Österreich und darüber hinaus 39 Nichtregierungsorganisationen, die in der Entwicklungszusammenarbeit, entwicklungspolitischen Inlandsarbeit, humanitären Hilfe sowie für eine nachhaltige globale wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung tätig sind. Auf einer Projektlandkarte hat der Dachverband Projekte mit Sportfokus zusammengetragen, wie die Fußballschule für Kinder und Jugendliche in Mexiko-Stadt oder die Base Brazil Football Schools.

SDG Watch Austria

SDG Watch Austria ist ein Zusammenschluss von mehr als 230 zivilgesellschaftlichen und gemeinnützigen Organisationen. Sie setzen sich gemeinsam für eine ambitionierte Umsetzung der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) in Österreich ein: https://sdgwatch.at

Austrian Development Agency

Armut mindern, Frieden fördern und Umwelt schützen stehen im Zentrum der Arbeit der Austrian Development Agency (ADA), der Agentur der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Die ADA wickelt jedes Jahr mehrere hundert Projekte ab. Das Budget der ADA stellt das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten zur Verfügung. Immer wieder finanzierte die ADA auch Projekte rund um Sportgroßereignisse. Sport und Fußball bieten als Medium zur Bewusstseinsbildung für Menschenrechte und Entwicklung großes Potenzial. Übersicht über die Projekte der ADA: Laufende Projekte – Austrian Development Agency

Kontakte

Nicole Selmer

Die Journalistin ist stellvertretende Chefredakteurin des Magazins ballesterer. Sie recherchierte mehrfach zum Thema Sportswashing. 2004 veröffentlichte sie ein Buch über weibliche Fans („Watching the Boys Play, Frauen als Fußballfans“), begann so das journalistische Schreiben über Fußball und Gesellschaftspolitik und stieß zum ballesterer.

Dietrich Schulze-Marmeling

Dietrich Schulze-Marmeling ist Journalist und Buchautor. Seine Themen sind neben Fußballs auch politische Themen. 2025 erschien von ihm und Bernd-M. Beyer das Buch“ Politik im Spiel: Die andere Geschichte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft“. Für den Ballesterer hat er den Politikwissenschaftler Andrei Steven Markovits zur WM 2026 interviewt.

Ronny Blaschke

Journalist und Buchautor. Blaschke beschäftigt sich mit politischen Themen im Sport, u. a. für Deutschlandfunk, SZ und Deutsche Welle. Die Recherchen für seine Bücher lässt er in politische Bildung einfließen, in Vorträge, Moderationen und Konferenzen. 2025 erschien sein Buch „Football and Racism: How Colonialism Shaped the Modern Game“.

Jürgen Mittag

Jürgen Mittag besetzte die damals erste originär sportpolitikbezogene Professur in Deutschland an der Deutschen Sporthochschule Köln. Er gilt als Kenner internationaler Sportorganisationen. Für die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung hat er das Heft „Sport und Politik“ für die Reihe: „Informationen zur politischen Bildung“ gestaltet.

Martin Krauss

Auch Krauss ist Sportjournalist und Autor zum Thema. Er hat das Buch geschrieben: „Dabei sein wäre alles. Wie Athletinnen und Athleten bis heute gegen Ausgrenzung kämpfen. Eine neue Geschichte des Sports“, das im C. Bertelsmann Verlag 2024 erschienen ist.

Nikola Staritz

Staritz ist Teil des Fairplay-Teams im VIDC und dort zuständig für den Bereich Antidiskriminierung. Zusätzlich ist sie auch Fußballtrainerin. Sie bietet sich als Gesprächspartnerin zu verschiedenen Themen rund um Sport, Diskriminierung, aber auch Empowerment an.

Spezialtipp

Die Ausstellung „PIRATI CICLISTI ANTIFASCISTI!“ über sportliche Gegenbewegungen in Wien wird am 29. April um 18:00 Uhr eröffnet. Versammelt sind Initiativen, Vereine und Künstler:innen, die sich für Vielfalt, Inklusion sowie eine feministische und antifaschistische Praxis im Sport einsetzen. Die Ausstellung zeigt, dass Sport auch ein politischer Raum sein kann. Begleitet wird die Ausstellung von einem Event- und Vermittlungsprogramm.

Ausstellungsdauer: 30. April – 27. Mai 2026

Ort: Soho Studios, Liebknechtgasse 32, 1160 Wien

Website: https://piratecultures.at/de/exhibition

PA: Neue Initiative fordert Einhaltung von Menschenrechten bei der FIFA Fußball WM 2026 in Nordamerika

Bündnis aus 15 österreichischen Organisationen tritt für demokratischen Sport ein

Am 05. Dezember findet die Gruppenauslosung zur FIFA Fußball-WM 2026 in Washington DC statt. Was auf den ersten Blick nach einem Turnier in demokratischen Staaten aussieht, offenbart bei genauerer Betrachtung eine Reihe menschenrechtlicher Missstände. Am Tag vor der Auslosung wurde in Wien die neue österreichische Initiative „GAME ON! Sport für Menschenrechte“ vorgestellt, einem Bündnis aus 15 Organisationen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Medien und Sport. GAME ON! will klare Verantwortungen aufzeigen und fordert die Umsetzung einer Menschenrechtskultur im Sport. Expert*innen berichten über die Situation in den drei Austragungsländern und die Verantwortung rund um Sportgroßereignisse.

Von 11. Juni bis 19. Juli 2026 findet die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Kanada, Mexiko und den USA statt. Nach der Kritik an Menschenrechtsverletzungen bei der WM 2018 in Russland sowie der WM 2022 in Katar versprach die FIFA mehr Verantwortung. Die Weltmeisterschaft 2026 ist die erste Männer-Weltmeisterschaft mit einer veröffentlichten Menschenrechtsstrategie, die als neue Messlatte für Sportveranstaltungen weltweit angepriesen wird.

Hanna Stepanik, Projektleiterin und Initiatorin des Projekts „GAME ON!“ bei der fairplay Initiative am Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC), weist bei der Pressekonferenz im Presseclub Concordia daraufhin, dass die über die letzten Jahre entstandene positive Entwicklung, über Sportgroßereignisse wie die FIFA WM 2022 vermehrt aus der Menschenrechtsperspektive zu berichten, aufrechterhalten erhalten werden müsse, egal in welchem Land ein Megaevent stattfinde: „Alles andere wäre heuchlerisch! Denn auch in Ländern wie Kanada, Mexiko oder den USA gibt es aus menschenrechtlicher Perspektive viele Themen. In den USA spitzt sich die Situation rund um die Einwanderungspolitik sowie Presse- und Meinungsfreiheit zu, Mexiko verzeichnet rekordhohe Femizidraten, und in Kanada beobachten wir drastische Rückschritte beim Schutz indigener Rechte“.

Jennifer Li ist Koordinatorin von Dignity 2026, eine in den USA ansässige Koalition von 16 lokalen, nationalen und internationalen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für die Förderung der Menschenrechte und Arbeitsrechte bei der FIFA WM 2026 einsetzt und sich mit einer Vielzahl von Risikobereichen befasst, darunter Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer*innen, Diskriminierung, Wohnungswesen und Vertreibung, sowie Einwanderung. „Die Tatsache, dass die größte Weltmeisterschaft aller Zeiten nächstes Jahr in Nordamerika stattfinden wird – inmitten einer turbulenten politischen Lage in den USA – ist ein Aufruf zum Handeln für die FIFA, die Austragungsorte sowie die Organisationskomitees, alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass sie sowohl ihre internationalen als auch ihre innerstaatlichen Menschenrechtspflichten erfüllen. Arbeiter*innen, Obdachlose, Einwander*innen, Kinder und andere Personen, die von den negativen Auswirkungen des Turniers betroffen sein könnten, sollten nicht die höchsten Kosten für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft tragen, bei der die FIFA voraussichtlich weit über 11 Milliarden Dollar an Einnahmen erzielen wird“.

Aurelia Velasco spielt als Verteidigerin beim FC Los Andes in Wien. Als Angehörige der Mixtecos aus Tlaxiaco (Bundesstaat Oaxaca) liegen ihr die Themen Frauenrechte sowie Indigenenrechte besonders am Herzen. Sie kritisiert insbesondere die Exotisierung und Kommerzialisierung indigener Gruppen, die häufig mit Großereignissen wie der FIFA WM einhergehen: „Der kulturelle Reichtum indigener Völker kommt immer den Wohlhabenden zugute und die betroffene Bevölkerung bleibt in der Armut stecken“. 

Auch Philipp Budka, Kultur- und Sozialanthropologe an der Universität Wien, der seit fast 20 Jahren in und über Kanada forscht, sieht die vermeintliche Inklusion indigener Gemeinschaften bei der FIFA WM kritisch. „Indigene Gemeinschaften in Kanada sind kulturell äußerst vielfältig, leben aber bis heute mit den Folgen kolonialer Politik – darunter niedrigere Lebenserwartung, hohe Suizidraten und ungelöste Probleme bei Wasser-, Energie- und Transportinfrastrukturen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass symbolische Anerkennung im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft nicht ausreicht: Indigene Gemeinschaften fordern echte Mitsprache und Entscheidungen, die langfristig ihren Bedürfnissen und Lebensrealitäten gerecht werden. Die zentrale Frage lautet daher, ob ein solches Großereignis zu mehr Gerechtigkeit beitragen kann oder bestehende Ungleichheiten eher verstärkt“.

Christos Papadimitriou, früherer Fußballprofi und Head of Marketing der österreichischen Spielergewerkschaft Vereinigung der Fußballer (VdF), anerkennt abschließend die wichtige Rolle von Menschenrechten im Sport: „Als Vertretung der Spieler*innen ist es unsere Aufgabe, ihre Rechte zu schützen. Dazu gehören faire Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und die Freiheit, Haltung zu zeigen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Menschenrechte sind im Fußball kein Randthema, sondern die Grundlage eines sicheren und respektvollen Arbeitsumfelds. Deshalb erwarten wir auch von internationalen Verbänden, dass sie unabhängige Spielergewerkschaften einbinden und Entscheidungen transparent und im Sinne der Aktiven treffen“.

Österreichweite Kampagne 
Unter dem Motto „GAME ON! Sport für Menschenrechte“ treten Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Sport und Medien für einen demokratischen Sport für alle ein. Die Initiative wird im Vorfeld der WM in Kanada, Mexiko und den USA genau auf die menschenrechtliche Situation in den drei Austragungsländern blicken, regelmäßig Hintergrundinformationen liefern und eine breite Aufmerksamkeit für eine Kultur der Menschenrechte im Sport schaffen. Dabei werden Fußballvereine, Sportverbände und Fans genauso eingebunden, wie Jugendliche und migrantische Communities. Zu den vielfältigen Maßnahmen gehören unter anderem Aktionstage mit Sportvereinen, Filmscreenings, Schulungen von Sportjournalist*innen, eine Club 2×11 Podiumsdiskussion, ein Kunstevent im WUK, die Südwind Speaker‘s Tour durch Österreich und einem Workshopprogramm für Jugendliche.

Die Initiative wird zudem internationale Synergien nutzen, um gemeinsam für einen Sport einzutreten, der die Menschenrechte fördert und nicht verletzt.

„GAME ON! Sport für Menschenrechte“ wird von der fairplay Initiative am VIDC geleitet und mit den Partner*innen Südwind, Oscar Sánchez, Frauen*solidarität, Vereinigung der Fußballer, FC Los Andes, Österreichische Liga für Menschenrechte, Protect Our Winters Austria, solidar, ballesterer, LEFÖ, Zentrum für Kanada-Studien, Reporter ohne Grenzen Österreich und Africa Global Radio umgesetzt. 

Die Initiative wird maßgeblich von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (Austrian Development Agency) gefördert. 

Rückfragen & Kontakt:
Hanna Stepanik, Projektleiterin
fairplay Initiative
VIDC – Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation
+43 1 713 35 94-66
stepanik@vidc.org

Aviso: Pressekonferenz GAME ON! Sport für Menschenrechte

Eine Initiative zur FIFA Fußball WM 2026

Von 11. Juni bis 19. Juli 2026 findet die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Kanada, Mexiko und den USA statt. Was auf den ersten Blick nach einem Turnier in demokratischen Staaten aussieht, wird bei näherem Hinsehen zum Brennglas für menschenrechtliche Missstände.
Die Pressekonferenz am 04. Dezember – einen Tag vor Auslosung der FIFA WM-Gruppen in Washington DC – bildet den Startschuss für die neue zivilgesellschaftliche Initiative GAME ON! Sport für Menschenrechte. Es werden Expert*innen zu Wort kommen, die zur menschenrechtlichen Situation in den drei Austragungsländern und zur Verantwortung rund um Sportgroßereignisse informieren:

Am Podium:

  • Andrea Florence (Sport and Rights Alliance, angefragt)
  • Jennifer Li (Direktorin des Centre for Community Health Innovation am Georgetown University Law Center in Washington DC & Co-Direktorin der Dignity 2026 Koalition, online zugeschaltet)
  • Hanna Stepanik (Initiatorin des Projekts und Projektleiterin, fairplay-VIDC)
  • Aurelia Velasco (mexikanische Spielerin bei FC Las Andinas, spricht über die Rechte von Indigenen und Frauen)
  • N.N. (Ex-Spieler, ÖFB Nationalteam & Major League Soccer)
    Moderation: Viktoria Mall (angefragt)

Wann: Donnerstag, 04. Dezember 2025, 11:00 Uhr
Wo: Presseclub Concordia (Festsaal), Bankgasse 8, A-1010 Wien

Im Zuge von „GAME ON!“ werden im Jahr der FIFA WM breitenwirksame Aktionen auf Österreich Sportplätzen durchgeführt. Im Rahmen einer Vielzahl an Aktivitäten werden wir mit Jugendlichen, Vereinen, Verbänden, Fans und Entscheidungsträgerinnen öffentlich für eine Kultur der Menschenrechte und globalen Gerechtigkeit eintreten. Das Projekt wird von der fairplay Initiative am VIDC geleitet und mit Partnerinnen wie Südwind, Oscar Sánchez, Frauen*solidarität, Vereinigung der Fußballer, Österreichische Liga für Menschenrechte, POW Austria, solidar, ballesterer, LEFÖ, ZKS und Africa Global Radio umgesetzt. Die Initiative wird maßgeblich von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (Austrian Development Agency) gefördert.

Rückfragehinweise
Hanna Stepanik, Projektleiterin
fairplay Initiative – Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC)
+43 1 713 35 94 – 66
stepanik@vidc.org

PA: Frankreich: Kopftuchverbot für französische Sportlerinnen bei Olympia verstößt gegen Völkerrecht und IOK-Regeln

Französische Sportlerinnen dürfen bei den Olympischen Spielen im eigenen Land nicht mit Kopftuch antreten. Das Verbot verstößt nicht nur gegen internationales Recht, sondern auch gegen die Regeln des Internationalen Olympischen Komitees. Dies geht aus einem neuen Bericht von Amnesty International hervor. 

Das Kopftuchverbot gegen französische Sportlerinnen ist die jüngste Menschenrechtsverletzung einer jahrzehntelangen rassistischen Diskriminierungskampagne gegen muslimische Frauen durch Behörden in Frankreich. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat es bis heute versäumt, das Gastgeberland zur Einhaltung seiner Verpflichtungen im Rahmen des eigenen Regelwerks aufzufordern. 

Katharina Masoud, Expertin für Geschlechtergerechtigkeit und Antirassismus bei Amnesty International in Deutschland, sagt: „Das IOC bewirbt die Olympischen Spiele in Paris 2024 als großen Schritt zu Gleichstellung der Geschlechter. Das wird durch das Kopftuchverbot für französische Sportlerinnen völlig ad absurdum geführt. Was sich stattdessen offenbart, ist eine rassistische, geschlechtsspezifische Diskriminierung, die muslimischen Frauen in Frankreich den Zugang zum Sport verbaut. Politiker*innen haben Frauen nicht vorzuschreiben, was sie anziehen sollen und was nicht. Genauso wenig dürfen Frauen gezwungen werden, sich zwischen dem Sport und ihrem Glauben entscheiden zu müssen. Frankreichs Behörden, Sportverbände und das IOC müssen das Hidschabverbot im französischen Sport aufheben – bei Olympia und allen anderen Sportereignissen.“  

Der Bericht von Amnesty International mit dem Titel „We can’t breathe anymore. Even sports, we can’t do them anymore”: Violations of Muslim women’s and girls’ human rights through hijab bans in sports in France zeigt, dass das Kopftuchverbot für muslimische Frauen und Mädchen auf allen Ebenen des französischen Sports verheerend ist.  

Damit verstößt Frankreich nicht nur gegen mehrere Verpflichtungen aus seinen internationalen Menschenrechtsverträgen, sondern auch gegen die Menschenrechtsbestimmungen des IOC. Das IOC schiebt die Verantwortung auf die französische Politik und Gerichte und behauptet, die Situation, sei „zur Zufriedenstellung aller“ geklärt. Das diskriminierende Kopftuchverbot bleibt jedoch weiter bestehen. 

Die Vorschrift widerspricht auch den Bekleidungsregeln der großen internationalen Sportverbände FIFA (Fußball), FIBA (Basketball) und FIVB (Volleyball). Zur Fußball-Europameisterschaft der Männer wirbt der europäische Fußballballverband UEFA gezielt mit Sportlerinnen im Kopftuch. Amnesty International hat Regelungen in 38 europäischen Ländern begutachtet. Frankreich ist das einzige Land, das religiöse Kopfbedeckungen durch landesweite Gesetze oder individuelle Sportregeln verbietet. 

Folgen der Diskriminierung 

Das Verbot für muslimische Frauen, jegliche Form von religiöser Kopfbedeckung zu tragen, geht weit über die Olympischen und Paralympischen Spiele hinaus. Im Fußball, Basketball und Volleyball sind in Frankreich Hidschabs auf Profi- und Amateur*innen-Ebene verboten. Viele muslimische Frauen sind dadurch nicht nur vom Breitensport ausgeschlossen, sondern haben auch keinen Zugang zu notwendigen Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten, um olympisches Niveau zu erreichen. 

Die französischen Verbote bringen Demütigung, Trauma und Ängste mit sich und haben dazu geführt, dass viele Frauen und Mädchen ihren Sport aufgeben oder versuchen, diesen in einem anderen Land auszuüben. Wenn muslimische Frauen und Mädchen daran gehindert werden, ungehindert Sport zu treiben, sei es in der Freizeit oder als Beruf, kann dies verheerende Auswirkungen auf alle Aspekte ihres Lebens haben, auch auf ihre geistige und körperliche Gesundheit. 

Völkerrechtlich sind staatliche Neutralität oder das französische Laizitätsprinzip kein legitimer Grund für Einschränkungen der Meinungs- und/oder Religionsfreiheit. Frankreichs Behörden instrumentalisieren diese Begriffe, um Gesetze und politischen Maßnahmen zu rechtfertigen, die muslimische Frauen und Mädchen diskriminieren. 

Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
E-Mail: antonio.prokscha@amnesty.at

Recherchematerial: Sport und Menschenrechte

Infos, Bezug zu den Sustainable Develoment Goals der Vereinten Nationen, menschenrechtliche Aspekte und Kontakte

Zwei Sportgroßereignisse stehen vor der Tür: Sowohl die Fußball-Europameisterschaft der Herren (14. Juni bis zum 14. Juli) in Deutschland, als auch die Olympischen Spiele (26. Juli bis zum 11. August) in Paris werfen ihre Schatten voraus. Dabei geht in beiden Fällen die Bedeutung weit über den Bereich Sport hinaus: Die Megaevents sind schon lange ein Politikum, Fußball und andere Sportarten ein großer wirtschaftlicher Faktor.

SDGs und Sport
Auf den ersten Blick hat vor allem SDG 3, Gesundheit und Wohlergehen, vor allem einen Bezug zu Sport:
Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.
Die Unterpunkte hier im Überblick:
https://sdgwatch.at/de/ueber-sdgs/3-gesundheit-und-wohlergehen/

Sport ist aber auch hilfreich, andere SDGs zu erreichen, und in dem Sinn eine Querschnittsmaterie. So kann er integrativ wirken und
Aspekte und Fragestellungen rund um Sport, Politik, Wirtschaft und Menschenrechte tangieren.

  • Sportereignisse als politische Plattform: Regelmäßig verwenden Regierungen, auch autokratische, sie als Bühne, sich der Welt zu präsentieren und das Image des Landes zu stärken (Stichwort Sportswashing) – wie könnten Sportverbände darauf reagieren?
  • Wirtschaftsfaktor Sportereignisse: was bringen die Megaevents der Wirtschaft des Austragungslandes oder -ortes wirklich? Wie könnten sie nachhaltiger gestaltet werden?
  • Arbeitsmigration: Sportgroßereignisse führen oft dazu, dass temporär „Gastarbeiter:innen“ benötigt werden, die unter prekären Bedingungen dafür sorgen, dass Sportstätten neu gebaut oder renoviert werden – vgl. im Fall von der Fußball-WM in Katar 2022. Welche Bedingungen sollten Verbände stellen, um inhumanen Praktiken entgegenzuwirken?
  • Sportswashing betrifft nicht nur die Megavents: in den vergangenen Jahren kauften sich immer mehr staatlich finanzierte Investmentgruppen bei Sportvereinen ein. Wie kann und soll das geregelt sein? Wo lässt sich hier eine „Grenze“ ziehen?
    Welche Auswirkungen hat das auf Vereine und Ligen?
  • Diskriminierung ist im Sport nach wie vor ein großes Problem – wie können Verbände, Vereine und auch politische Entscheidungsträger:innen dazu gebracht werden, zu handeln?
  • Quoten, Regeln, Förderungen: Wie kann Sport bei aktiven, aber auch bei Entscheidungsträger:innen, diverser werden: Kann etwa die sogenannte Rooney-Rule aus dem American Football ein Vorbild sein? In der NFL sind die Klubs verpflichtet, mindestens zwei Kandidat:innen für Trainer:innen-Jobs oder die Führungsetage einzuladen, die eine Minderheit repräsentieren oder weiblich sind.
    Wieso wehren sich Vereine und Verbände gegen diese Veränderungen und wo bleiben die Konsequenzen?
  • Akteur:innen beleuchten: Sportwashing bringt einige interessante Fragestellungen zu Personen mit sich: Wird über jemand wie Unternehmer Jim Ratcliffe zu positiv berichtet? Oder zu unausgewogen? Der Brite, er ist u.a. Gründer und Vorstand des Chemieunternehmens Ineos, und steht hinter Initiative wie der „Ineos 1:59 Challenge“ in Wien 2019, als Eliud Kipchoge im Wiener Prater medienwirksam einen Rekord lief.
    Und er ist auch Brexit-Befürworter, der 2019 seinen Wohnsitz nach Monaco verlegte, um Steuern einzusparen.
    Im Fall von Saudi-Arabien ist es Kronprinz Mohammed bin Salman, der mit Sportswashing in Verbindung gebracht wird – mit einigen anderen fragwürdigen Machenschaften.

Kontakte, Weiterführendes

Austrian Development Agency Armut reduzieren, Frieden fördern und die Umwelt schützen – das sind die drei Hauptanliegen der Austrian Development Agency (ADA), der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Die ADA setzt derzeit Projekte und Programme mit einem Gesamtvolumen von über 550 Millionen Euro um, um die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern zu verbessern. Das Budget der ADA stellt das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten zur Verfügung.
Immer wieder finanzierte die ADA auch Projekte um Sportgroßereignisse mit.
Übersicht über die Projekte der ADA

Dachverband Globale Verantwortung
Der Dachverband GLOBALE VERANTWORTUNG – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe vertritt national und international die Interessen von 34 österreichischen Nichtregierungsorganisationen, die in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, entwicklungspolitische Inlandsarbeit, Humanitäre Hilfe sowie nachhaltige globale wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung tätig sind.

SDG Watch Austria
SDG Watch Austria ist ein Zusammenschluss von mehr als 230 zivilgesellschaftlichen und gemeinnützigen Organisationen. Sie setzen sich gemeinsam für eine ambitionierte Umsetzung der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) in Österreich ein:
https://sdgwatch.at

Fairplay Initiative
Fairplay am Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) ist die Initiative für Vielfalt und Antidiskriminierung im Sport. Gegründet wurde die Initiative 1997 im Rahmen des Europäischen Jahres gegen Rassismus.
Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Antidiskriminierung und Diversität, soziale Inklusion, Menschenrechte und Entwicklung und Prävention von Extremismus.

Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC)
Möllwaldplatz 5/9
1040 Wien
+43 1 713 35 94-0
fairplay [AT] vidc [DOT] org

Ombudstelle Fußball für alle
Die Ombudsstelle dient als direkte Anlaufstelle für LGBTIQ-Personen im Fußball. Hier geht es vor allem um Diskriminierung im Bereich Homophobie. Die Stelle ist aber auch sehr gut mit anderen Organisationen und NGOs vernetzt um auch eine psychologische Weiterleitung oder Weiterbetreuung zu gewährleisten.

Die Anlaufstelle ist unabhängig und eigen­ständig, jedoch mit einer Legitimation von ÖFB und Bundesliga ausgestattet, um bei Problemen bei Vereinen oder Verbänden ­vorstellig zu werden:
https://www.fussballfueralle.at/

In Sachen Sportswashing wurden in den vergangenen Jahren auch NGOs aktiv: Etwa Human Rights Watch https://www.hrw.org/news/2024/01/17/saudi-government-uses-european-football-sportswash-its-reputation oder auch Amnesty: https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-journal/saudi-arabien-sport-sportswashing-fussball-klub-wm-schoener-schein

Ballesterer
Der Ballesterer ist das kritische Fußballmagazin Österreichs: Die Ballesterer-Autoren und -Autorinnen zeichnet eine kritische Sichtweise auf das aktuelle Fußballgeschehen aus. Sowohl die zunehmende Kommerzialisierung wie auch das Zurückdrängen von Fans und Fankultur aus den Stadien werden laufend thematisiert.
https://ballesterer.at

Nicole Selmer
Die Journalistin und stv. Chefredakteurin Ballesterer, recherchierte mehrfach zum Thema Sportswashing und kennt (Fan-)Initiativen, die dagegen aktiv sind.
selmer@ballesterer.at

Ronny Blaschke
Journalist und Buchautor. Blaschke beschäftigt sich mit politischen Themen im Sport, u. a. für Deutschlandfunk, SZ und Deutsche Welle. Die Recherchen für seine Bücher lässt er in politische Bildung einfließen, in Vorträge, Moderationen und Konferenzen.
Neuerscheinung: Spielfeld der Herrenmenschen (Die Werkstatt, Bielefeld 2024, 256 Seiten, € 23,50

Martin Krauss
Auch Krauss ist ein spannender Sportjournalist und Autor zum Thema. Neues, relevantes Buch: Dabei sein wäre alles. Wie Athletinnen und Athleten bis heute gegen Ausgrenzung kämpfen. Eine neue Geschichte des Sports.
www.martinkrauss.de

Nikola Staritz
Staritz ist nicht nur Teil des Fairplay-Teams im VIDC (s.o.), sondern selbst auch Fußballtrainerin. Sie bietet sich als Gesprächspartnerin zu verschiedenen Themen rund um Sport, Diskriminierung, aber auch Empowerment an.
+43 1 713 35 94-96
staritz(at)vidc.org

Kicken ohne Grenzen
Das mehrfach preisgekrönte Projekt „Kicken ohne Grenzen“ bietet mit Fußballteams sichere Räume für Jugendliche mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung. Die Förderung von Mädchen ist ein Fokus der Initiative.
www.kicken-ohne-grenzen.at

PA: Katar: Ein Jahr nach WM stehen Fortschritte still

Ein Jahr nach der Fußballweltmeisterschaft hat Katar seine Zusagen zur Verbesserung der Arbeitnehmer*innenrechte nicht umgesetzt, so Amnesty International heute. Die katarische Regierung unternimmt weiterhin nicht genug, um die Missstände bei der Behandlung von Arbeitsmigrant*innen zu beseitigen und sie angemessen vor Ausbeutung zu schützen. Seit dem Ende der WM gerieten die Fortschritte weiter ins Stocken.

Ein neuer Amnesty-Bericht mit dem Titel A Legacy in Jeopardy zeigt, dass bei der Verbesserung der Arbeitnehmer*innenrechte seit dem Ende der Weltmeisterschaft kaum Fortschritte gemacht wurden. Entschädigungen und Gerechtigkeit für Hunderttausende von Arbeiter*innen, die im Zusammenhang mit der WM Opfer von Menschenrechtsverstößen wurden, bleiben weiterhin aus. Begrenzte Fortschritte in manchen Bereichen werden durch das Fehlen von Maßnahmen zur Bekämpfung einer Vielzahl von anhaltenden Missständen und Verstößen überschattet.

„Das anhaltende Versäumnis Katars, seine im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft eingeleiteten Arbeitsreformen ordnungsgemäß durchzusetzen und zu stärken, gefährdet ernsthaft jede potenzielle Verbesserung der Situation von Arbeitnehmer*innen. Die Regierung muss dringend ihre Zusage für den Schutz der Arbeitnehmer*innen erneuern, und sowohl die FIFA als auch Katar sollten sich auf Pläne zur Wiedergutmachung für alle Betroffenen einigen“, sagte Steve Cockburn, Experte für Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit bei Amnesty International.

„Von illegalen Anwerbegebühren bis hin zu nicht gezahlten Löhnen haben Hunderttausende von Arbeitsmigrant*innen ihr Geld, ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben verloren, während die FIFA und Katar versuchten, die Verantwortung von sich zu weisen. Bis heute, ein Jahr nach der Weltmeisterschaft, ist zu wenig getan worden, um all dieses Unrecht wiedergutzumachen. Die Arbeiter*innen, die die Weltmeisterschaft 2022 möglich gemacht haben, dürfen nicht vergessen werden.“

Steve Cockburn sagte weiter: „Katar sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass seine Handlungen nicht auf den Prüfstand gestellt werden, nur weil die WM vorbei ist, und es muss seine Bemühungen zur Verbesserung der Arbeitnehmer*innenrechte fortsetzen. Die FIFA muss aus ihren Fehlern lernen und bereit sein, ihre Verantwortung für die Menschenrechte ernst zu nehmen und Missstände, die durch ihr Versagen verursacht oder mitverursacht wurden, direkt zu beheben, um eine Wiederholung der Menschenrechtsverstöße, wie wir sie in Verbindung mit der Weltmeisterschaft in Katar erlebt haben, zu verhindern.“

Unzureichende Reformen und mangelnde Umsetzung

Katar hat 2017 ein Abkommen mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) unterzeichnet, das in den darauffolgenden Jahren zu erheblichen Änderungen der Arbeitsgesetze führte, u. a. zu Reformen des Kafala-Sponsorensystems, zu einem neuen Mindestlohn und zur Einführung von Arbeitsschutzvorschriften. Zu Beginn der Fußballweltmeisterschaft waren die Um- und Durchsetzungsmaßnahmen, die erforderlich gewesen wären, um weitere Menschenrechtsverstöße zu verhindern, jedoch noch unzureichend.

In Interviews mit Amnesty-Mitarbeiter*innen erklärten die Befragten, dass die meisten Arbeitsmigrant*innen das Land nun ohne Einschränkungen verlassen können, und stellten Fortschritte bei der Durchsetzung von Gesetzen im Zusammenhang mit Arbeiten bei hohen Temperaturen fest, insbesondere ein Verbot von Bauarbeiten im Freien während der heißesten Tageszeit. Darüber hinaus zeichneten sie jedoch ein düsteres Bild von anhaltender Ausbeutung und mangelndem politischen Willen zur Beseitigung der Mängel.

Eigentlich sollten die Arbeitnehmer*innen die Möglichkeit haben, ihren Arbeitsplatz frei zu wechseln, um Verstößen zu entgehen oder bessere Arbeitsbedingungen vorzufinden, aber obwohl sie dazu rechtlich gesehen keine Unbedenklichkeitsbescheinigung (NOC) mehr von den Arbeitgeber*innen benötigen, müssen viele in der Praxis immer noch irgendeine Form von Genehmigung einholen. Aus den Daten der Regierung geht hervor, dass in den ersten acht Monaten des Jahres 2023 zwar mehr als 150.000 Menschen den Arbeitsplatz gewechselt haben, dass aber im gleichen Zeitraum ein Drittel der Anträge von Arbeitnehmer*innen auf einen Arbeitsplatzwechsel abgelehnt wurden.

Darüber hinaus sind Arbeiter*innen für ihre Anwesenheit im Land nach wie vor von ihren Arbeitgeber*innen abhängig, wodurch ihr rechtlicher Status nicht angemessen geschützt ist und sie daran gehindert werden, ihre*n Arbeitgeber*in zu wechseln.

Lohndiebstahl ist nach wie vor die häufigste Form der Ausbeutung von Arbeitsmigrant*innen in Katar, auch bei Fahrer*innen in der wachsenden Essenslieferbranche, aber das System zur Aufdeckung und Reaktion auf verspätete und nicht gezahlte Löhne und Leistungen funktioniert noch nicht.

Als Hausangestellte beschäftigte Arbeitsmigrant*innen, bei denen es sich zumeist um Frauen handelt, sind nach wie vor besonders anfällig für schwerwiegende Verstöße, und die Regierung hat im vergangenen Jahr wenig unternommen, um diese Arbeitskräfte besser zu schützen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

Abhilfe und Entschädigung

Die Missstände, denen Arbeitsmigrant*innen ausgesetzt waren, seit die FIFA Katar den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft erteilt hat, können zwar nicht ungeschehen gemacht werden, doch es kann und muss Wiedergutmachung erfolgen.

Wie Amnesty International bereits dokumentiert hat, wurden während der Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar Hunderte von Arbeitsmigrant*innen, die als Sicherheitskräfte und Ordner*innen an den Austragungsorten eingesetzt und mit Kurzzeitverträgen beschäftigt wurden, ausgebeutet. Dazu gehörte, dass die Arbeitnehmer*innen rechtswidrige Vermittlungsgebühren zahlten, über ihre Arbeitsplätze getäuscht wurden und übermäßig lange arbeiten mussten, ohne freie Tage in der Woche zu haben. Fast ein Jahr später haben sie immer noch keine Entschädigung erhalten.

Presseteam Amnesty International Österreich
Eleonore Rudnay
+43-664-400 10 56
E-Mail: eleonore.rudnay@amnesty.at

PA: Katar: Einen Monat vor WM weiterhin zahlreiche Menschenrechtsverletzungen, Entschädigungsforderungen bleiben offen

Einen Monat vor dem Anpfiff der Fußball-WM sind Menschenrechtsverletzungen in Katar weiterhin weit verbreitet, so Amnesty International am 20.10. in einem neuen Bericht. Die katarischen Behörden müssen die versprochenen Arbeitsreformen im Anschluss an die WM und darüber hinaus einhalten, fordert die Menschenrechtsorganisation.

In einem kürzlich erschienen Statement fordern zahlreiche NGOs, darunter auch Amnesty International, die FIFA erneut auf, einen Entschädigungsfonds für Arbeitsmigrant*innen einzurichten. Bislang gibt es von Seiten der FIFA jedoch kein Bekenntnis, die Menschenrechtsverletzungen, die im Vorfeld der WM in Katar begangen wurden, angemessen zu entschädigen.

Die Überarbeitung des katarischen Arbeitssystems hat seit 2017 zu einigen merklichen Verbesserungen für die zwei Millionen im Land arbeitenden Arbeitsmigrant*innen geführt; Hunderttausende von ihnen arbeiten in Projekten, die für die Fußball-WM wichtig sind. Dennoch untergräbt ein Mangel an effektiver Umsetzung und Durchsetzung der Reformen die positiven Auswirkungen auf die Arbeitsmigrant*innen.

So sehen sich Tausende Arbeiter*innen auf Baustellen mit oder ohne WM-Bezug immer noch Problemen gegenüber wie verspäteten oder gar nicht gezahlten Löhnen, dem Wegfall von Ruhetagen, unsicheren Arbeitsbedingungen, Behinderungen bei einem Jobwechsel sowie wenigen Möglichkeiten, gegen all diese Verstöße rechtliche Schritte einleiten zu können. Tausende von Todesfällen von Arbeitsmigrant*innen sind weiterhin ungeklärt.

„Obwohl Katar in den vergangenen fünf Jahren wichtige Schritte in Richtung einer Verbesserung der Rechte der Arbeitsmigrant*innen gemacht hat, ist es ganz offensichtlich, dass man hier bei weitem noch nicht stehenbleiben kann. Tausende Arbeitsmigrant*innen befinden sich wegen legaler Schlupflöcher und unzureichender Reformumsetzungen immer noch in der allzu bekannten Spirale von Ausbeutung und Missbrauch“, sagt Steve Cockburn, Leiter des Bereichs wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit bei Amnesty International.

Amnesty International fordert die katarischen Behörden eindringlich auf, die Arbeitsschutzmaßnahmen zu verbessern und durchzusetzen, die Rechte der Arbeitsmigrant*innen zu stärken, fairen Lohn für die geleistete Arbeit zu zahlen und den Zugang zur Justiz und zu Entschädigungen zu ermöglichen.

„Trotz der großen und wachsenden Unterstützung von Fans, Fußballvereinen und Sponsor*innen für die Entschädigung von Arbeitsmigrant*innen, bewegt sich weder in Katar noch bei der FIFA etwas. In einem Monat beginnt die Fußball-WM und für Katar und die FIFA wird die Zeit, um noch das Richtige zu tun, schnell knapp“, sagt Steve Cockburn.

Weitreichende Menschenrechtsverstöße

Arbeitsmigrant*innen, die an Projekten mit und ohne WM-Bezug arbeiten, sehen sich in Katar weiterhin weitreichenden Menschenrechtsverstößen und Ausbeutung gegenüber. Viele Arbeitsmigrant*innen, besonders Hauspersonal in Privathaushalten und Mitarbeiter*innen im privaten Sicherheitssektor, arbeiten unter Bedingungen, die teilweise Zwangsarbeit gleichkommen.

Hausangestellte arbeiten typischerweise zwischen 14 und 18 Stunden am Tag, ohne einen wöchentlichen Ruhetag und sind in den Privathaushalten von der Außenwelt abgeschottet. Privaten Sicherheitsmitarbeiter*innen wird außerdem oft wiederholt der Ruhetag gestrichen und sie sind gezwungen, unter Androhung von Strafe zu arbeiten. Zu den angedrohten Strafen zählen willkürliche Lohnkürzungen und die Beschlagnahmung des Reisepasses, obwohl solche Praktiken gegen das katarische Recht verstoßen. Arbeitsmigrant*innen bleibt es weiter versagt, Gewerkschaften zu gründen oder sich solchen anzuschließen, obwohl dies ihnen unter internationalem Recht zusteht.

Ungeklärte Todesfälle

Nach wie vor ungeklärt sind Tausende von Todesfällen von Arbeitsmigrant*innen der letzten zehn Jahre und darüber hinaus, die sich teils auf WM-Baustellen sowie außerhalb zugetragen haben. Wahrscheinlich sind Hunderte dieser Fälle zurückzuführen auf das Arbeiten in der sengenden Hitze Katars. Die neuen gesetzliche Bestimmungen zum Schutz vor Hitze stellen eine Verbesserung dar, müssen aber weiter gestärkt werden, um sie internationalen Standards anzupassen und so für adäquaten Schutz der im Freien Arbeitenden zu sorgen.

Trotz klarer Beweise für Hitze als großes Gesundheitsrisiko haben die katarischen Behörden, obwohl es international so üblich wäre, bislang wenig getan, um die Todesfälle von Arbeitsmigrant*innen, die mit der Hitze in Verbindung stehen könnten, zu untersuchen, die Todesursache zu bestätigen oder Entschädigungen an die Angehörigen zu zahlen.

Weit verbreitet ist außerdem, dass zukünftige Arbeitsmigrant*innen erpresserische Vermittlungsgebühren zahlen, um sich so einen Job in Katar zu sichern. Gebühren von 1.000 bis 3.000 Euro sorgen dafür, dass viele Arbeitsmigrant*innen Monate oder gar Jahre brauchen, ihre Schulden abzubezahlen, wodurch sie in einer Spirale der Ausbeutung gefangen sind.

Wichtige Änderungen des Kafala-Systems – das eine komplette Abhängigkeit der Arbeitsmigrant*innen von ihren Arbeitgeber*innen mit sich brachte – bedeuten, dass nun die Mehrheit der Arbeitsmigrant*innen das Recht hat, auch ohne Erlaubnis ihrer Arbeitgebenden das Land verlassen und die Arbeitsstelle wechseln zu dürfen. Jedoch besteht für die Arbeitsmigrant*innen weiterhin die Gefahr, festgenommen oder des Landes verwiesen zu werden, falls ihr*e Arbeitgeber*in ihr Visum storniert, ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht erneuert oder sie bei den Behörden anzeigt wegen „unerlaubten Verlassens des Arbeitsplatzes“.

Die katarische Regierung meldet, sie habe seit Oktober 2020 über 300.000 Anträge auf Jobwechsel von Arbeitsmigrant*innen bewilligt. Dennoch hat Amnesty International mehrere Fälle aus den letzten Monaten dokumentiert, in denen Arbeitgeber*innen ihre Machtposition über das Stornieren von Visa, die Erneuerung von Aufenthaltsgenehmigungen und das Anzeigen wegen „unerlaubten Verlassens des Arbeitsplatzes“ ausgenutzt haben, um diejenigen auszubeuten und zu bestrafen, die sich über die Arbeitsbedingungen beschwerten oder die ihren Job wechseln wollten.

Hintergrund

Teil der seit 2017 durchgeführten Reformen in Katar sind ein Gesetz zur Regulierung der Arbeitsbedingungen von Hausangestellten, ein Fonds zur Entschädigung bei Lohndiebstahl sowie die Einführung eines Mindestlohns. Katar hat außerdem zwei wichtige Menschrechtsverträge ratifiziert, allerdings ohne das Recht der Arbeitsmigrant*innen anzuerkennen, sich einer Gewerkschaft anschließen zu dürfen.

Die für die Planung und Durchführung der Weltmeisterschaft zuständige katarische Behörde, das Supreme Committee for Delivery and Legacy, hat ebenfalls verbesserte Arbeitsstandards für Arbeiter*innen eingeführt. Allerdings gelten diese nur auf WM-Schauplätzen wie Stadien und betreffen nur einen kleinen Anteil der insgesamt an WM-Projekten beteiligten Arbeiter*innen sowie darüber hinaus nur 2% der gesamtem Arbeitsbevölkerung Katars.

Amnesty erkennt die Wichtigkeit dieser Reformen an, stellt mit dem vorliegenden Kurzbericht jedoch einen Aktionsplan vor, um weiterhin vorhandene Missstände in zehn Bereichen anzugehen.

Im vergangenen Monat zeigte eine durch Amnesty International in Auftrag gegebene internationale Umfrage eine große Zustimmung unter den Befragten und Fußballfans für die Zahlung von Entschädigungen an Arbeitsmigrant*innen, die im Vorlauf der WM 2022 Menschenrechtsverletzungen erlitten haben.

Die Ergebnisse der Umfrage unterstützen die #PayUpFIFA-Kampagne, die im Mai von einem Zusammenschluss aus Menschenrechtsorganisationen – darunter Amnesty International –, Fangruppen und Gewerkschaften ins Leben gerufen wurde und in der die FIFA und die katarischen Behörden aufgefordert werden, einen Fonds zur Entschädigung der Arbeiter*innen einzurichten und künftige Menschenrechtsverstöße zu verhindern.

Für Rückfragen:
Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
E-Mail: presse@amnesty.at

PA: Katar: 84 Prozent der Fußballfans fordern von FIFA Entschädigung für Arbeitsmigrant*innen

Neue Umfrage zur WM in Katar zeigt: Fast drei Viertel (73 %) der Befragten unterstützen die Zahlung von Entschädigungen durch die FIFA an Arbeiter*innen, die bei der Vorbereitung des Turniers Menschenrechtsverletzungen erlitten haben, berichtet Amnesty International und fordert die FIFA auf, vor dem Beginn der Weltmeisterschaft am 20. November 2022 ein Entschädigungsprogramm aufzusetzen.

Wien / London (15.9.2022) – Die FIFA soll Arbeitsmigrant*innen, deren Menschenrechte während der Vorbereitungen für die Fußballweltmeisterschaft 2022 verletzt wurden, entschädigen. Diese Forderung wird von fast drei Viertel der Bevölkerung (73%) in 15 Ländern unterstützt. Das ergab eine neue, von Amnesty International in Auftrag gegebene weltweite Umfrage. Noch höher ist die Zustimmung bei denjenigen, die sich wahrscheinlich mindestens ein Spiel des Turniers ansehen werden (84 %).

Die YouGov-Umfrage, an der sich mehr als 17.000 Erwachsene in 15 Ländern beteiligten, ergab auch, dass eine deutliche Mehrheit (67 %) befürwortet, dass sich ihre nationalen Fußballverbände öffentlich zu den Menschenrechtsverstößen im Zusammenhang mit der WM 2022 in Katar äußern und dabei auch die Entschädigung von Arbeitsmigrant*innen unterstützen.

„Diese Ergebnisse senden ein deutliches Signal an die Führung der Fußballwelt. Überall auf der Welt sind sich die Menschen einig, dass die FIFA aktiv werden und versuchen sollte, das Leid der Arbeitsmigrant*innen in Katar abzumildern, indem sie Entschädigungen zahlt. Sie wollen auch, dass ihre nationalen Verbände eine viel entschiedenere Haltung einnehmen“, sagte Steve Cockburn, Leiter des Bereichs wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit bei Amnesty International.

„Weniger als 50 Tage vor dem Anpfiff der WM tickt die Uhr. Aber noch hat die FIFA Zeit, das Richtige zu tun. Die Fans wollen keine Weltmeisterschaft, die unauslöschlich mit Menschenrechtsverletzungen behaftet ist. Die Vergangenheit kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber ein Entschädigungsprogramm ist ein klarer und gangbarer Weg, wie die FIFA und Katar für die Hunderttausenden von Arbeiter*innen, die dieses Turnier möglich gemacht haben, zumindest ein gewisses Maß an Wiedergutmachung leisten können.“

Weltweite Unterstützung für #PayUpFIFA

Die Ergebnisse unterstützen die #PayUpFIFA-Kampagne, die im Mai 2022 von einem Zusammenschluss aus Menschenrechtsorganisationen – darunter Amnesty International und Human Rights Watch –, Fangruppen und Gewerkschaften ins Leben gerufen wurde. Die Kampagne fordert die FIFA dazu auf, einen Fonds zur Entschädigung der Arbeiter*innen einzurichten und künftige Menschenrechtsverstöße zu verhindern.

Die Organisationen fordern, dass die FIFA mindestens 440 Millionen Dollar für den Fonds bereitstellt – so viel, wie sie an Preisgeldern bei der Weltmeisterschaft ausschüttet. Die FIFA wird durch das Turnier schätzungsweise 6 Milliarden Dollar einnehmen.

Nach dem Start der Kampagne teilte die FIFA Amnesty International mit, dass sie den Vorschlag in Erwägung ziehe. Bisher hat sie aber noch keine öffentliche Stellungnahme abgegeben.

Die #PayUpFIFA-Kampagne erinnert auch daran, dass die nationalen Fußballverbände, deren Mannschaften an der Weltmeisterschaft teilnehmen, gemäß internationalen Menschenrechtsstandards verpflichtet sind, Arbeitsmigrant*innen zu unterstützen.

Obwohl die Fußballverbände von Belgien, Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien, Deutschland und Norwegen auf Anfrage von Journalist*innen ihre Unterstützung für das Prinzip der Entschädigung zum Ausdruck gebracht haben, hat bisher kein Fußballverband eine offizielle Erklärung abgegeben, in der er die FIFA ausdrücklich auffordert, ein solches Entschädigungsprogramm einzurichten.

Methode

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, stammen von YouGov Plc. und basieren auf einer Umfrage, an der sich 17.477 Erwachsene beteiligten. Die Umfrage fand zwischen dem 16. August und dem 6. September 2022 online statt. Die Zahlen wurden gewichtet und sind repräsentativ für alle befragten Länder (Erwachsene ab 18 Jahren), darunter Argentinien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Kenia, Mexiko, Marokko, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, die Schweiz und die USA.

Fast drei Viertel (73 %) der Befragten und 84 % derjenigen, die wahrscheinlich mindestens ein WM-Spiel sehen werden,erklärten, dass sie den Vorschlag unterstützen würden, dass die FIFA einen Teil der Einnahmen der WM 2022 zur Entschädigung von Arbeitsmigrant*innen verwendet, die bei der Vorbereitung des Turniers Menschenrechtsverstößen ausgesetzt waren. Nur 10 % der Befragten sprachen sich gegen eine Entschädigung durch die FIFA aus, die restlichen 17 % wussten nicht, wie sie sich entscheiden sollten.

Die stärkste Unterstützung gab es in Kenia, wo 93 % der Befragten eine Entschädigung befürworteten. Tausende Kenianer*innen arbeiten in Katar, wo Amnesty International zahlreiche Verstöße dokumentiert hat, darunter die Zwangsarbeit von kenianischen Beschäftigten bei Sicherheitsdiensten, Bauarbeitern und Hausangestellten.

Hintergrund

Seit 2010, als die FIFA Katar den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft 2022 erteilte, ohne eine Verbesserung des Arbeitnehmer*innen-Schutzes zu verlangen, wurden Hunderttausende von Arbeitsmigrant*innen beim Bau und bei der Wartung der Stadien, Hotels, Verkehrsmittel und anderer Infrastrukturen, die für die Ausrichtung des Turniers erforderlich sind, Opfer von Menschenrechtsverstößen.

Seit 2018 hat Katar eine Reihe wichtiger arbeitsrechtlicher Reformen eingeführt, um die Rechte der Arbeitnehmer*innen zu verbessern. Die mangelnde Durchsetzung führt jedoch dazu, dass es weiterhin zu schwerwiegenden Verstößen kommt.

Amnesty International fordert die FIFA und Katar auf, ein Entschädigungsprogramm unter umfassender Beteiligung von Arbeitnehmer*innen, Gewerkschaften, der Internationalen Arbeitsorganisation und der Zivilgesellschaft aufzusetzen. Das Programm sollte noch vor Beginn des Turniers am 20. November 2022 initiiert werden.

Das Programm muss nicht nur eine Reihe von Entschädigungskosten abdecken, einschließlich der Erstattung nicht gezahlter Löhne, der von Hunderttausenden von Arbeitnehmer*innen gezahlten horrenden Vermittlungsgebühren und der Entschädigung für Verletzungen und Todesfälle, sondern auch Initiativen zum Schutz der Arbeitnehmer*innen-Rechte in der Zukunft unterstützen.

Rückfragen:
Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
E-Mail: presse@amnesty.at

PA: Katar: FIFA soll Millionen Dollar für ausgebeutete Arbeitsmigrant*innen zahlen

Preisgelder in Höhe von 440 Millionen Dollar warten bei der Fußball-WM in Katar auf die teilnehmenden Mannschaften. Entschädigungen in mindestens derselben Höhe soll die FIFA für Hunderttausende Arbeitsmigrant*innen bereitstellen, deren Menschenrechte im Zuge der Vorbereitungen auf die WM verletzt wurden, fordert Amnesty International in einem neuen Bericht sechs Monate vor Beginn der WM.

Wien/London, 19.05.2022 – In einem offenen Brief gemeinsam mit anderen Menschenrechtsorganisationen und Fan-Gruppen fordert Amnesty International den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino auf, gemeinsam mit Katar ein umfassendes Wiedergutmachungsprogramm aufzusetzen. Der Weltfussballverband und Katar müssen abgesehen von den Entschädigungszahlungen auch sicherstellen, dass sich diese Menschenrechtsverletzungen nicht wiederholen, weder in Katar noch bei zukünftigen Turnieren. Als Entschädigungssumme für die zahlreichen Menschenrechtsverstöße, die seit 2010 begangen wurden, soll die FIFA laut Forderung der Organisationen nicht weniger als den Betrag der Preisgelder dieser WM in Höhe von 440 Millionen Dollar bereitstellen.

„Nach internationalem Recht und dem Regelwerk der FIFA haben sowohl Katar als auch die FIFA jeweils die Pflicht und die Verantwortung, Menschenrechtsverletzungen zu verhindern und den Betroffenen Abhilfe bereitzustellen. Der von Amnesty International und anderen geforderte Wiedergutmachungsfonds ist angesichts des Ausmaßes der erlittenen Verstöße völlig gerechtfertigt und ist nur ein kleiner Teil der sechs Milliarden Dollar, die die FIFA mit dem Turnier einnehmen wird“, betont Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International, angesichts des heute veröffentlichten Berichts und offenen Briefs.

FIFA trägt Mitverantwortung an den Menschenrechtsverstößen in Katar

2010 hatte die FIFA Katar die Austragung der Weltmeisterschaft zugesprochen, ohne im Gegenzug auch nur die geringste Verbesserung des Arbeitsschutzes zu fordern. „Angesichts der Geschichte von Menschenrechtsverletzungen in Katar wusste die FIFA um die offensichtlichen Gefahren für die Arbeitnehmer*innen – oder hätte davon wissen müssen –, als sie dem Land den Zuschlag für das Turnier gab. Dennoch wurden in der Bewertung der katarischen Bewerbung die Arbeitnehmer*innen- und Menschenrechte mit keinem Wort erwähnt, und es wurden keine Bedingungen für den Schutz der Arbeitnehmer*innen gestellt“, kritisiert Callamard. „Die FIFA hat seitdem viel zu wenig getan, um derartige Gefahren zu auszuschließen oder zu mindern. Indem sie die Augen vor vorhersehbaren Menschenrechtsverletzungen verschlossen hat und sie nicht stoppte, hat sie unbestreitbar zu den Menschenrechtsverstößen gegen Arbeitsmigrant*innen beigetragen, die an Projekten im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft in Katar beteiligt waren.“

Entschädigungssumme könnte sogar noch höher sein

Nach Schätzungen von Amnesty International dürfte die Summe von 440 Millionen Dollar das Minimum sein, um eine Reihe von Entschädigungszahlungen zu decken und Initiativen zum Schutz der Arbeitnehmer*innenrechte in der Zukunft zu unterstützen. Die Gesamtsumme für die Erstattung nicht gezahlter Löhne, die von Hunderttausenden von Arbeitnehmer*innen gezahlten erpresserischen Vermittlungsgebühren und die Entschädigung für Verletzungen und Todesfälle könnte auch höher ausfallen und sollte im Rahmen eines partizipativen Prozesses mit Gewerkschaften, Organisationen der Zivilgesellschaft, der Internationalen Arbeitsorganisation und anderen ermittelt werden.

Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen nicht erfüllt

„Es mag zu spät sein, um das Leid vergangener Menschenrechtsverstöße zu lindern, aber die FIFA und Katar können und müssen handeln, um Wiedergutmachung zu leisten und weitere Verstöße zu verhindern. Die Entschädigung der Arbeiter*innen, die so viel für die Realisierung der WM 2022 getan haben, und die Ergreifung von Maßnahmen, die sicherstellen, dass solche Verstöße nie wieder vorkommen, könnten einen wichtigen Wendepunkt im Umgang der FIFA mit den Menschenrechten darstellen“, so Agnès Callamard.

Gemäß der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und ihren eigenen Vorschriften muss die FIFA Menschenrechtsverletzungen beseitigen, zu denen sie beigetragen hat. Diese Verantwortung sollte sich laut Amnesty nicht nur auf die Arbeitnehmer*innen erstrecken, die fußballspezifische Einrichtungen wie Stadien und Trainingsplätze, von der FIFA akkreditierte Hotels und das Übertragungszentrum bauen, sondern auch auf die für den Betrieb dieser Einrichtungen erforderlichen Dienstleistungen, inklusive Arbeitnehmer*innen, die am Bau und an der Instandhaltung der Verkehrs-, Unterkunfts- und sonstigen Infrastruktur beteiligt sind.

Auch der Staat Katar ist verpflichtet, für die Wiedergutmachung jeder Menschenrechtsverletzung in seinem Hoheitsgebiet zu sorgen, unabhängig davon, ob sie mit der Fußballweltmeisterschaft zusammenhängt oder nicht. Zwar wurden durch die Initiativen des Supreme Committee for Delivery and Legacy, die für die Planung und Durchführung der Weltmeisterschaft zuständigen katarischen Behörde, und das begrüßenswerte Arbeitsreformprogramm Katars einige Fortschritte erzielt, doch ihr begrenzter Geltungsbereich und ihre geringe Umsetzung haben dazu geführt, dass schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen fortbestehen und Arbeitsmigrant*innen nur eingeschränkt Zugang zu Rechtsmitteln haben, so die Analyse von Amnesty International. „Jahrelang wurde die Ausbeutung derer, die diese Weltmeisterschaft möglich gemacht haben, unter den Teppich gekehrt. Es ist an der Zeit, dass die FIFA und Katar gemeinsam an einem umfassenden Entschädigungsprogramm arbeiten, das die Arbeitnehmer*innen in den Mittelpunkt stellt“, fordert Agnès Callamard.

Hintergrund

Seit 2010 wurden Hunderttausende von Arbeitsmigrant*innen beim Bau der Stadien, Hotels, Verkehrsmittel und anderer Infrastrukturen, die für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2022 erforderlich sind, Opfer von Menschenrechtsverletzungen. Die überwiegende Mehrheit der Arbeitsmigrant*innen in Katar hat beispielsweise illegale Anwerbegebühren von durchschnittlich mehr als 1.300 US-Dollar gezahlt, um sich den Arbeitsplatz zu sichern. Bis vor zwei Jahren waren Arbeitsmigrant*innen in ihrer Möglichkeit eingeschränkt, den Arbeitsplatz zu wechseln oder das Land zu verlassen.

Seit 2018 hat Katar eine Reihe wichtiger arbeitsrechtlicher Reformen eingeführt, die die Rechte der Arbeitnehmer*innen verbessern sollen, doch aufgrund mangelnder Durchsetzung kommt es nach wie vor zu Verstößen. Verbesserungen für Beschäftigte an offiziellen FIFA-Standorten wie z. B. in Stadien wurden 2014 mit den Supreme Committee’s Worker Welfare Standards eingeführt, aber diese Standards werden nicht allgemein eingehalten und gelten nur für eine Minderheit der Hunderttausenden von Beschäftigten an WM-bezogenen Projekten. 2018 startete der Oberste Ausschuss eine Initiative, die u.a. eine Vereinbarung mit Auftragnehmer*innen auf offiziellen WM-Stätten zur Erstattung der Einstellungsgebühren von 48.000 Arbeitnehmer*innen umfasst, wiewohl dies wiederum nur eine Minderheit aller Arbeitnehmer*innen ist, die an für die WM wichtigen Projekten gearbeitet haben.

Für Interviewanfragen und Rückfragen wenden Sie sich bitte an presse@amnesty.at.

Presseteam Amnesty International Österreich
Mag. Eleonore Rudnay
+43 664 400 10 56
E-Mail: eleonore.rudnay@amnesty.at