Archiv der Kategorie: Menschenrechte

PA: Attac verurteilt Förderstopp für ZARA

Fatales Signal in einer Zeit, in der rassistische Diskriminierung und Hass zunehmen.

Attac Österreich verurteilt den Entzug sämtlicher Fördergelder für die Antirassismusstelle ZARA durch das Bundeskanzleramt aufs Schärfste. Diese Entscheidung ist ein fatales Signal in einer Zeit, in der rassistische Diskriminierung und Hass zunehmen.

“ZARA leistet seit Jahren unverzichtbare Arbeit: Die Organisation dokumentiert rassistische Vorfälle, unterstützt Betroffene und trägt zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit bei. Wer diese Arbeit schwächt, nimmt bewusst in Kauf, dass Betroffene von Rassismus weniger Unterstützung erhalten und Rassismus unsichtbar gemacht wird”, erklärt Attac-Vorstandsmitglied Anna Lena Buchleitner.

Statt wichtige zivilgesellschaftliche Strukturen zu stärken, setzt die Regierung diese auch noch unter Druck. Attac Österreich fordert die sofortige Rücknahme des Förderstopps von ZARA und eine langfristige Absicherung von Organisationen und Beratungsstellen, die sich für eine demokratische und soziale Gesellschaft einsetzen.

Rückfragen:
David Walch
presse@attac.at
0650 544 00 10

PA: SOS Mitmensch: Scharfer Protest gegen Förderstopp für ZARA!

ZARA ist tragende Säule der Anti-Rassismus-Arbeit in Österreich – Forderung nach Rücknahme der Entscheidung!

SOS Mitmensch ist entsetzt über die vom „Standard“ kolportierte Entscheidung von Ministerin Claudia Bauer, die Förderungen für die Anti-Rassismus-Beratungsstelle ZARA einzustellen. Eine tragende Säule der Anti-Rassismus-Arbeit in Österreich und eine wichtige Anlaufstelle für Opfer von Rassismus drohe damit wegzufallen, so die Menschenrechtsorganisation, die scharf protestiert und eine Rücknahme der Entscheidung fordert.

„Der angekündigte Förderstopp für ZARA ist nicht weniger als ein Anschlag auf die Anti-Rassismus-Arbeit in Österreich. Ministerin Bauer ist offenbar nicht bewusst, wie wichtig es für Rassismusbetroffene ist, eine unabhängige Stelle zu haben, an die sie sich wenden können, die sie berät und ihre Anliegen vertritt. Der Förderstopp für ZARA ist durch nichts zu rechtfertigen“, zeigt sich SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak entsetzt.

Funktionierende Anti-Rassismus-Arbeit sei ein Fundament eines jeden demokratischen Staates, so Pollak, daher fordere er Ministerin Claudia Bauer eindringlich auf, innezuhalten und die unverständliche Förderstopp-Entscheidung zu überdenken, bevor eine katastrophale Lücke im Bereich Antirassismus aufgerissen werde.

SOS Mitmensch ruft alle demokratisch gesinnten Kräfte zur Solidarität mit ZARA und zum breiten Protest gegen die Förderstopp- Entscheidung auf.

Rückfragehinweis:
SOS Mitmensch
Alexander Pollak
Telefon: 06645120925
E-Mail: apo@sosmitmensch.at

PA: Bock Preis 2026: Ein Quartett des ausgezeichneten Engagements

Erstmals mit vier Gewinner*innen: Der Bock Preis 2026 strotzt nur so von beeindruckendem Engagement, weshalb heuer gleich vier Menschen für ihr außergewöhnliches und langjähriges Ehrenamt ausgezeichnet wurden. Gäste der stimmungsvollen Preisverleihung am 16. April in der Wiener Brunnenpassage waren u.a. Clemens Maria Schreiner, Marco Pogo, Kid Pex, Asma Aiad, Robert Gulla, u.v.m.

Viel Applaus gab es bei der Verleihung des diesjährigen Bock Preises in der Wiener Brunnenpassage für vier Geflüchtete und ihr außergewöhnliches Engagement. Gewonnen haben Aziz Mohammadi und Ibrahim Rasool aus Afghanistan, Hamdi Abdullahi Hassan aus Somalia und der bereits 82-jährige Oleg Cherednychenko aus der Ukraine. Sie alle engagieren sich bereits seit ihren Ankunftsjahren und sind loyale Stützen der österreichischen Zivilgesellschaft.

Seit Hamdi Abdullahi Hassan 2015 nach Österreich kam, ist sie ehrenamtlich engagiert. Sie half und hilft als Dolmetscherin diversen Organisationen und unterstützt als ausgebildete Journalistin Medienprojekte wie Radio Orange und das Südwind-Magazin. In dieser Funktion bringt sie gesellschaftlich relevante Themen in die Öffentlichkeit, wobei die Rechte von Frauen und Mädchen ihr ein besonderes Anliegen sind.

Aziz Mohammadi ist seit seiner Ankunft 2016 in Österreich ein elementarer Teil des Vereins you-are-welcome und hier sogar stellvertretender Obmann. Er vernetzt, unterstützt, koordiniert die lokale Vereinsarbeit sowie Hilfsprojekte in Afghanistan. „Sein vorbehaltloser Respekt allen Menschen gegenüber und sein Bemühen, den Frauen des Vereins Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen, sind besonders beeindruckend“, so Yasmin Randall von you-are-welcome über das Engagement ihres Kollegen.

Ibrahim Rasool kam 2022 nach Österreich und wurde gleich von mehreren Vereinen für seinen Einsatz nominiert. Beim SK Austria Klagenfurt trainiert der Afghane ehrenamtlich die Frauen-Teams und kann hier mit seiner Expertise als FIFA-Schiedsrichter punkten. Für SOS Balkanroute sowie den Verein Kärnten Andas ist er vielfältig aktiv, hilft bei Sammelaktionen und der Aufklärungsarbeit, bei der er auch über seine eigenen Erfahrungen aus Flüchtlingslagern wie Moria und Bihac berichtet.

Sein technisches Geschick bringt Oleg Cherednychenko beim Verein PCs für alle ein. 2022 ist er aus der Ukraine geflüchtet und hilft seit dem trotz seines hohen Alters jede Woche 40 Stunden: „Er nimmt gespendete Geräte entgegen und gibt sie an Bedürftige aus, übersetzt für ukrainische Geflüchtete, begleitet sie zu Arztbesuchen und Behördenterminen und gibt Deutschunterricht. Sein Einsatz entspricht einer Vollzeitstelle – freiwillig, ehrenamtlich und aus tiefer menschlicher Überzeugung“, erklärt Peter Bernscherer vom Verein PCs für alle.

Initiator und Stifter des Bock Preises, Dr. Alfred Fogarassy, erklärt die Hintergründe zum Preis: „Am aktuellen Fall der Geschwister aus Tirol sieht man, wie wichtig die Sichtbarkeit des individuellen Einsatzes ist. Der Bock Preis setzt genau hier an: Das Sichtbarmachen der täglichen positiven Leistungen der Menschen, die oft übersehen werden. Die diesjährigen Gewinner sind das beste Beispiel für das gelebte Miteinander, das gefordert, doch selten gefördert wird.“

Die Auswahl der Gewinner*innen fiel unter den vielen beeindruckenden Einreichungen heuer besonders schwer. Mit dabei in der Jury: Menschenrechtsexpertin Stephanie Krisper, Moderatorin Barbara Stöckl, Ex-Skirennläuferin & Menschenrechtsaktivistin Nicola Werdenigg, Aktivistin & Künstlerin Asma Aiad sowie Springboard-Gründer Robert Gulla.

Für Rückfragen, Fotos oder Anfragen
Mag. Maren Riebe
Geschäftsführerin & Sprecherin

Tel.:  01/929 24 24 – 40
Mobil:  0670/406 38 00
Mail:  Maren.Riebe@fraubock.at

PA: Drei Jahre Krieg im Sudan: Die internationale Gemeinschaft muss handeln

Im Sudan wütet die schlimmste humanitäre Krise der Welt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung – 33,7 Millionen Menschen – benötigt humanitäre Hilfe, um zu überleben. Seit Beginn des Krieges vor drei Jahren hat Aktion gegen den Hunger rund 2 Millionen Menschen unterstützt. Vor der von der deutschen Bundesregierung am 15. April ausgerichteten Sudan-Konferenz fordert die Organisation verbindliche finanzielle und politische Zusagen der internationalen Gemeinschaft.

„Wir begrüßen es, dass die Bundesregierung die Sudan-Konferenz ausrichtet. Das allein aber reicht nicht. Die Konferenz muss konkrete Ergebnisse liefern, um das Leid der Menschen zu beenden. Eine Abschlusserklärung mit messbaren Zusagen zum Schutz der Zivilbevölkerung, einem sicheren humanitären Zugang und einer ausreichenden Finanzierung muss im Rahmen der Konferenz vereinbart werden“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust. Der Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger wird an der Sudan-Konferenz teilnehmen. 

Zwei von weltweit drei Hungersnöten im Sudan 

Eine offizielle Hungersnot wird nur in den extremen Nahrungsmittelkrisen erklärt, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind: Mindestens 20 Prozent der Haushalte leiden unter extremer Nahrungsmittelknappheit, über 30 Prozent der Kinder sind akut mangelernährt und täglich sterben mindestens 2 von 10.000 Menschen. Zwei von weltweit drei Hungersnöten ereignen sich im Sudan: in Al Faschir und Kadugli. Andere Regionen sind bereits an der Grenze zur Hungersnot.  

„Mehr als 21 Millionen Menschen leiden im Land unter akutem Hunger. Das ist eine direkte Folge des Konflikts, der Märkte zerstört, Ernten beeinträchtigt sowie Handelswege und die humanitäre Hilfe blockiert“, sagt Samy Guessabi, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger, der für die Sudan-Konferenz in Berlin ist. Guessabi vertritt zudem als Co-Vorsitzender das Sudan-INGO-Forum, das die Aktivitäten der internationalen Hilfsorganisationen im Sudan koordiniert.   

Lokale sudanesische Akteure zentral  

„Dem Sudan mangelt es nicht an Resilienz. Was uns Sudanesinnen und Sudanesen fehlt, ist nachhaltiges internationales Handeln. Wir stehen gemeinsam mit den internationalen Helferinnen und Helfern an der Seite der Bevölkerung. Aber lokaler Einsatz allein kann in diesem Konflikt eine globale Verantwortung nicht ersetzen“, sagt Mohialdeen Ismail von der sudanesischen Hilfsorganisation AWAFY, mit der Aktion gegen den Hunger eng zusammenarbeitet.  

Lokale sudanesische Organisationen spielen bei der Versorgung der Menschen mit humanitärer Hilfe eine zentrale Rolle: Sie sind tief verwurzelt in den Gemeinden und erreichen Regionen, in denen internationale Organisationen oftmals keinen Zugang haben. „Was die Menschen im Sudan brauchen, ist einfach: Sicherheit. Essen. Wasser. Gesundheitsversorgung. Würde. Und das Gefühl, dass die Welt sie nicht vergessen hat“, so Mohialdeen Ismail.  

Neuer Bericht über die dramatische Ernährungssituation 

Der Bericht „What it takes to eat“, der heute von Aktion gegen den Hunger gemeinsam mit anderen NGOs veröffentlicht wurde, macht deutlich, wie der Krieg den Zugang zu Lebensmitteln abschneidet und ganze Gemeinden in eine Hungersnot treibt. Familien überleben nur, weil Menschen trotz großer Gefahr weiterhin Lebensmittel anbauen, transportieren und verteilen. 

Der Bericht zeigt, wie Menschen auf dramatische Weise Lebensmittel rationieren oder ganz auslassen müssen. „Wir fragen nicht mehr, was wir essen werden. Wir fragen, wer essen wird“, erzählt eine Frau, die für den Bericht befragt wurde. Trotz dieser extremen Bedingungen erhalten sudanesische Gemeinschaften durch außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit und großen persönlichen Einsatz weiterhin ein fragiles Ernährungssystem aufrecht. 

Der Sudan erlebt die weltweit größte Vertreibungskrise  

Fast 14 Millionen Menschen sind geflohen – mehr als 9 Millionen innerhalb des Landes und 4 Millionen in Nachbarländer wie den Tschad und den Südsudan. Diese Zahlen sind doppelt so hoch wie bei anderen großen aktuellen Vertreibungskrisen, wie beispielsweise in Syrien (7 Millionen Vertriebene), der Demokratischen Republik Kongo (6 Millionen) und im Jemen (5 Millionen). „Es geht dabei aber nicht nur um die Zahlen. Familien sind gezwungen, immer wieder zu fliehen. Das unterbricht die medizinische Versorgung und den Zugang zu Nahrungsmitteln, schränkt die Gesundheitsversorgung ein und erhöht das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt“, erklärt Guessabi. 

Aktion gegen den Hunger im Sudan  

Seit Beginn des Konflikts am 15. April 2023 haben die Teams von Aktion gegen den Hunger fast zwei Millionen Menschen in Darfur, Kordofan, am Blauen Nil, am Weißen Nil und am Roten Meer unterstützt. Wir führen weiterhin unsere Programme in den Bereichen Gesundheit, Behandlung von Unterernährung, Bargeldhilfe, Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitäre Versorgung und Sensibilisierung für sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt durch.  

Hinweis an die Redaktionen 

  • Folgende Sprecher*innen sind für Interviews und Hintergrundgespräche verfügbar:
    • Samy Guessabi, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger im Sudan und Co-Vorsitzender des Sudan-INGO-Forums (ENG, SPA, FRA) 
    • Mohialdeen Ismail, Geschäftsführer der sudanesischen Hilfsorganisation AWAFY (ENG) 
    • Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger (DE, ENG) 
  • Jan Sebastian Friedrich-Rust und Samy Guessabi werden am 15. April an der Sudan-Konferenz teilnehmen und stehen gerne für Statements nach den Ergebnissen zur Verfügung 
  • Den Bericht „What it takes to eat“ sowie Fotos und weitere Pressematerialien finden Sie hier als Download
  • Eine Aufzeichnung der heutigen Pressekonferenz ist auf Anfrage bei presse@aktiongegendenhunger.de verfügbar.  

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt
Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

PA: Familienzusammenführung:  Amnesty warnt vor menschenrechtswidriger Quotenregelung 

Vor der bevorstehenden Behandlung des Asyl- und Migrationspakt-Anpassungsgesetzes (AMPAG) im Ausschuss für innere Angelegenheiten des Nationalrats fordert Amnesty International Österreich die Abgeordneten auf, die geplante Quotenregelung für Familienzusammenführung ersatzlos zu streichen. Geplante Kontingente würden jahrelange Familientrennungen zementieren und gegen EU-Recht verstoßen. 

Seit Juli 2025 ist die Familienzusammenführung für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte in Österreich ausgesetzt. Das nun geplante Quotensystem würde diese Situation dauerhaft verschärfen. Familienmitglieder könnten im Rahmen der Familienzusammenführung nur dann nach Österreich kommen, wenn ein Platz innerhalb der festgesetzten Quote verfügbar ist. Ist das Kontingent ausgeschöpft, müssen sie im Ausland verbleiben, wo sie oft denselben Verfolgungen und Gefahren ausgesetzt sind, vor denen ihre Angehörigen in Österreich bereits Schutz gesucht haben. 

„Die Einschränkungen der Familienzusammenführung ist ein politisch gewollter Rechtsbruch, der das Menschenrecht auf Familienleben mutwillig untergräbt. Ein solches System würde zu jahrelangen Trennungen von Familien führen und schneidet die einzige sichere Fluchtroute nach Österreich ab“, warnt Aimée Stuflesser, Expertin für Asyl und Migration bei Amnesty International Österreich. 

„Ein Quotensystem ist kein Bestandteil der GEAS-Reform. Es ist eine rein nationale Zusatzmaßnahme, die mit EU-Recht und EuGH-Rechtsprechung unvereinbar ist.“ 

Feste Quoten nach EU-Recht unzulässig

Das Vorhaben verstößt gleich gegen mehrere Rechtsgrundlagen: Es widerspricht EU-Recht sowie dem in Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) verankerten Recht auf Familienleben und Artikel 7 der EU-Grundrechtecharta. 

Sowohl der Europäische Gerichtshof (EuGH) als auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) haben klargestellt, dass pauschale Obergrenzen beim Familiennachzug ohne individuelle Prüfung unzulässig sind. Wartezeiten von mehr als drei Jahren gelten laut EGMR als unverhältnismäßig. Dabei muss das Kindeswohl vorrangig berücksichtigt werden. Die geplante Quotenregelung würde genau diese Grundsätze systematisch unterlaufen. 

„Nur physisch in Österreich angekommen“

Die Trennung von Familien hat dokumentierte psychische Folgen. Von Amnesty befragte Fachkräfte aus Psychologie, Soziologie und Sozialarbeit zeichnen ein eindeutiges Bild. 

Eine klinische Psychologin des Wiener Traumazentrums Hemayat beschreibt den Zustand für Betroffene als belastend: „Bei Klient*innen, die durch Flucht gezwungenermaßen von ihren Familien getrennt sind, zeigt sich häufig ein chronischer Stress- und Anspannungszustand…Viele Klient*innen berichten von anhaltenden Sorgen, Schuldgefühlen (‚ich bin in Sicherheit und meine Familie nicht‘) und dem Gefühl, verantwortlich zu sein, obwohl sie real keine Einflussmöglichkeiten haben…Beschrieben wird oft der Belastungszustand, nur ‚physisch in Österreich angekommen‘ zu sein.“  

Eine Psychotherapeutin des Diakonie Flüchtlingsdienst verweist auf die Datenlage: „Bei von ihrer Familie getrennten Geflüchteten werden vor allem erhöhte Raten von Angst, Depression, posttraumatischen Belastungssymptomen, allgemeiner psychischer Distress, Schlafproblemen, Hoffnungslosigkeit und verminderter Lebensqualität beobachtet … [Familientrennung] verstärkt die Sorge um die Sicherheit der Angehörigen, verlängert den Zustand innerer Alarmbereitschaft und erschwert die Erholung von bereits erlebten Traumata.“ 

Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, deren Entwicklung durch Trennung nachhaltig beeinträchtigt wird. „Fehlt die Einbettung in ein gutes, sicheres Familiensystem in einer ohnehin fremden kulturellen Umgebung, wird die Identitätsentwicklung erheblich erschwert, weil Sicherheit, Zugehörigkeit und verlässliche Orientierungspunkte fehlen“, so die Psychotherapeutin. 

Eine Sozialarbeiterin des Diakonie Flüchtlingsdienstes erklärt: „Gerade bei Kindern ist das soziale Netzwerk geschwächt, wenn sie in herausfordernden Zeiten getrennt von ihrer Familie sind … Angst, Sorge und Ungewissheit können sie nicht teilen, weil sie die Familie nicht zusätzlich belasten wollen. Obwohl sie oft jemanden brauchen würden zu dem Sie Vertrauen haben, um ihre Ängste und Sorgen zu teilen. Auch bei Kindern kommt es vor, dass sie sich nicht auf die Schule oder Ausbildung konzentrieren können.“ 

Die Soziologin Christine Geserick von der Universität Wien benennt, wer von der Blockade der Familienzusammenführung am meisten betroffen ist: „Im Fluchtkontext aus Syrien und Afghanistan betrifft das vor allem erwachsene Männer, weil sie meist diejenigen sind, die als erste flüchten, um dann später Frau und Kinder nachzuholen.“ Sie erinnert an ein konkretes Fallbeispiel: Ein syrischer Mann habe erzählt, er hätte in der ersten Zeit „überhaupt nicht klar denken können”, weil seine Frau mit ihren gemeinsamen Kindern noch in Syrien war und er in anhaltender Sorge lebte, ob er bald eine Todesnachricht erhalten würde. 

Forderungen an den Ausschuss für Innere Angelegenheiten 

Amnesty International Österreich fordert die Abgeordneten auf: 

  • die Quotenregelung für Familienzusammenführungen gemäß § 46a Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes (NAG) ersatzlos aus dem AMPAG zu streichen, 
  • das Recht auf Familienleben gemäß Artikel 8 EMRK und Artikel 7 der EU-Grundrechtecharta sowie die Rechtsprechung von EuGH und EGMR zu respektieren, 
  • Familienzusammenführungen ohne unnötige Verzögerungen zu ermöglichen.

 
„Familienzusammenführung darf nicht als migrationspolitisches Steuerungsinstrument missbraucht werden. Österreich kann nicht Menschenrechte einfordern und gleichzeitig ein Gesetz beschließen, das sie systematisch verletzt. Der Innenausschuss hat jetzt die Möglichkeit, diesen Rechtsbruch zu verhindern“, betont Stuflesser.

Rückfragen:
Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
presse@amnesty.at


Recherchematerial zu Fußball, Menschenrechte & SDGs – Im Fokus: WM 2026

Gute Sportberichterstattung ist auch Wirtschafts-, Politik- und Gesellschaftsjournalismus. Fußball kann ein Einstiegstor in globale Politik sein. Die Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko bietet einen hochaktuellen Nachrichtenanlass und markiert einen Wendepunkt: Nicht mehr nur autoritäre Staaten stehen im Fokus der Kritik – sondern auch westliche Demokratien. Hier einige kritische Punkte in Kürze:

•          Menschenrechtsorganisationen bezweifeln, dass die USA aktuell ein geeigneter Gastgeber sind

•          Diskussionen über Einreisebeschränkungen für Fans und Teams stehen im Raum

•          Boykottforderungen aus Politik und Zivilgesellschaft nehmen zu

•          Debatten über Sicherheit, digitale Überwachung und politische Einflussnahme prägen die Vorbereitung

Die WM 2026 ist kein nebensächliches Sportevent, sondern ein Testfall für die Glaubwürdigkeit von Menschenrechtsstandards auf globaler Bühne. Minky Worden, die für den Bereich „Global Initiatives“ zuständige Leiterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, äußerte im Interview mit Deutschlandfunk ihre Bedenken wegen der Austragung der anstehenden Fußball-WM in den USA. Und verwies unter anderem auf das Einreiseverbot in die USA für Menschen aus Haiti. Der Karibik-Staat nimmt erstmals seit 52 Jahren wieder an einer WM-Endrunde teil. Doch laut US-Regierung dürfen nur die Spieler und Funktionäre für den Zeitraum des Turniers einreisen. Weiters kündigte die Trump-Regierung eine Überprüfung von Social-Media-Daten der letzten fünf Jahre von Fans aus allen Ländern bei der Einreise in die USA zur Fußball-WM 2026 an.

Weiterführende Info:

Deutschlandfunk: Menschenrechte und Einreiseverbote – Human Rights Watch: „FIFA muss prüfen, ob es noch möglich ist, die Fußball-WM in den USA auszutragen“

SDGs und Sport

Auf den ersten Blick hat vor allem SDG 3 (Sustainable Development Goals), das Ziel für Gesundheit und Wohlergehen, einen klaren Bezug zu Sport. Worum geht es? Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern. Die Unterpunkte hier im Überblick:

https://sdgwatch.at/de/ueber-sdgs/3-gesundheit-und-wohlergehen

Sport ist jedoch auch ein großer Wirtschaftsfaktor und hat viele gesellschaftspolitische Aspekte. Die SDGs können eine Linse für komplexe Sportberichterstattung bieten. So lässt sich die WM 2026 beispielsweise entlang der SDGs analysieren:

  • SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit): Unter welchen Bedingungen wird die WM veranstaltet?
  • SDG 10 (Weniger Ungleichheiten): Wer kann teilnehmen – wer wird ausgeschlossen?
  • SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz): Wie nachhaltig ist ein Turnier über drei Länder hinweg?
  • SDG 16 (Starke Institutionen): Wie transparent und rechenschaftspflichtig ist die FIFA?

Ideen für mögliche Geschichten

  • Wer darf zur WM 2026?

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird in drei Ländern ausgetragen – mit unterschiedlichen Einreise- und Sicherheitssystemen. Doch ist die WM tatsächlich ein global zugängliches Event?

Themen: Visa, Grenzen und globale Ungleichheit,

Interviewpartner:innen: Human Rights Watch, Migrationsforscher:innen, betroffene Fans

  • Die unsichtbaren Arbeiter:innen der WM

Nach der FIFA WM 2022 in Katar steht die Frage im Raum: Hat sich bei Arbeitsrechten im Sport etwas verbessert? Die Frage ist nicht wer gewinnt die WM, sondern unter welchen Umständen findet sie statt.

Themen: Arbeitsmigration, Arbeitskräfte ohne soziale Absicherung, Rolle von Subunternehmen und Outsourcing

Interviewpartner:innen: Gewerkschaften (z. B. Bau, Service), Amnesty International, Arbeitsrechtsexpert:innen, lokale NGOs in Austragungsstädten

  • Klima & Nachhaltigkeit

SDG 13 im Reality-Check: Kann eine WM über drei Länder hinweg klimaneutral sein?

Themen: Flugverkehr zwischen Spielorten, Infrastruktur & Energieverbrauch, Greenwashing durch Kompensationsmodelle, CO₂-Bilanz

Interviewpartner:innen: Klimaforscher:innen, NGOs (z. B. Umweltorganisationen)

  • Rassismus, Homophobie & Diskriminierung im Fußball

Diskriminierung ist im Fußball weiterhin präsent – auch in Europa und Nordamerika. Sind es Strukturen oder Einzelfälle?

Themen: Rassistische Vorfälle im Stadion, mangelnde Diversität in Führungspositionen

Interviewpartner:innen: Aktivist:innen, betroffene Spieler:innen, NGOs und Fairplay Initiativen

  • Sportswashing im Westen?

Sportswashing, also die Nutzung von Sportveranstaltungen oder Sponsoring durch Staaten oder Konzerne, um das eigene Image aufzupolieren und von Menschenrechtsverletzungen und Korruption abzulenken, wird meist autoritären Staaten zugeschrieben. 2026 stellt sich die Frage: Nutzen auch Demokratien den Sport zur Imagepflege?

Themen: politische Inszenierung der Gastgeberländer, Umgang mit Kritik (Menschenrechte, Polizei, Migration)

Interviewpartner:innen: Medienethiker:innen, Politikwissenschaftler:innen, NGOs wie Human Rights Watch

Weiterführende Infos

Sportswashing

In Sachen Sportswashing wurden in den vergangenen Jahren auch NGOs aktiv: Etwa Human Rights Watch https://www.hrw.org/video-photos/audio/2025/02/10/sportswashing-explained

Oder auch Amnesty: https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-journal/deutschland-sportswashing-fc-bayern-ruanda-katar-vereinigte-arabische-emirate

Rassismus und Sport

Rassistisch motivierte Zwischenfälle sind sowohl im Leistungs- als auch Breitensport zu beobachten. Niklas Schulteis hat im Rahmen eines Forschungspraktikums zu Rassismus und Fußball an der Erasmus School of History, Culture and Communication einen Beitrag über Fußball und Rassismus in Europa für die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung verfasst: https://www.bpb.de/themen/migration-integration/kurzdossiers/549451/hat-der-europaeische-fussball-ein-rassismus-problem/

Ein Infosheet zu Rassismus im Sport gibt es von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, hier: https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/1203-Infosheet-racism-in-sport_DE.pdf

Initiativen und Vereine

Fairplay Initiative

Fairplay am Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) ist die Initiative für Vielfalt und Antidiskriminierung im Sport. Gegründet wurde die Initiative 1997 im Rahmen des Europäischen Jahres gegen Rassismus. Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Antidiskriminierung und Diversität, soziale Inklusion, Menschenrechte und Entwicklung und Prävention von Extremismus. Das Projekt fairplay prevention – Anlaufstelle gegen menschenfeindliche Ideologien wurde aufgrund von Sparmaßnahmen mit Jänner 2026 eingestellt. Link: www.fairplay.or.at

Ombudsstelle Fußball für alle

Die Ombudsstelle dient als direkte Anlaufstelle für LGBTIQ-Personen im Fußball. Hier geht es vor allem um Diskriminierung im Bereich Homophobie. Die Stelle ist aber auch mit anderen Organisationen und NGOs vernetzt um auch eine psychologische Weiterleitung oder Weiterbetreuung zu gewährleisten. Die Anlaufstelle ist unabhängig und eigen­ständig, jedoch mit einer Legitimation von ÖFB und Bundesliga ausgestattet, um bei Problemen bei Vereinen oder Verbänden ­vorstellig zu werden. Link: https://www.fussballfueralle.at/

ballesterer

Der ballesterer ist das kritische Fußballmagazin Österreichs: Die ballesterer-Autor:innen zeichnet eine kritische Sichtweise auf das aktuelle Fußballgeschehen aus. Sowohl die zunehmende Kommerzialisierung wie auch das Zurückdrängen von Fans und Fankultur aus den Stadien werden laufend thematisiert.

Kicken ohne Grenzen

Das mehrfach preisgekrönte Projekt „Kicken ohne Grenzen“ bietet mit Fußballteams sichere Räume für Jugendliche mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung. Die Förderung von Mädchen ist ein Fokus der Initiative. Link: www.kicken-ohne-grenzen.at

Play Together Now

Der Verein wurde 2015, mit der Ankunft von vielen Geflüchteten in Wien, von engagierten Personen gegründet. Seitdem ist der Verein zu 100% von Ehrenamtlichen getragen, die ihre freie Zeit, jungen Menschen in Wien widmen. Link: www.playtogethernow.at

Dachverband Globale Verantwortung

Der Dachverband Globale Verantwortung – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe vertritt in Österreich und darüber hinaus 39 Nichtregierungsorganisationen, die in der Entwicklungszusammenarbeit, entwicklungspolitischen Inlandsarbeit, humanitären Hilfe sowie für eine nachhaltige globale wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung tätig sind. Auf einer Projektlandkarte hat der Dachverband Projekte mit Sportfokus zusammengetragen, wie die Fußballschule für Kinder und Jugendliche in Mexiko-Stadt oder die Base Brazil Football Schools.

SDG Watch Austria

SDG Watch Austria ist ein Zusammenschluss von mehr als 230 zivilgesellschaftlichen und gemeinnützigen Organisationen. Sie setzen sich gemeinsam für eine ambitionierte Umsetzung der Agenda 2030 und ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) in Österreich ein: https://sdgwatch.at

Austrian Development Agency

Armut mindern, Frieden fördern und Umwelt schützen stehen im Zentrum der Arbeit der Austrian Development Agency (ADA), der Agentur der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Die ADA wickelt jedes Jahr mehrere hundert Projekte ab. Das Budget der ADA stellt das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten zur Verfügung. Immer wieder finanzierte die ADA auch Projekte rund um Sportgroßereignisse. Sport und Fußball bieten als Medium zur Bewusstseinsbildung für Menschenrechte und Entwicklung großes Potenzial. Übersicht über die Projekte der ADA: Laufende Projekte – Austrian Development Agency

Kontakte

Nicole Selmer

Die Journalistin ist stellvertretende Chefredakteurin des Magazins ballesterer. Sie recherchierte mehrfach zum Thema Sportswashing. 2004 veröffentlichte sie ein Buch über weibliche Fans („Watching the Boys Play, Frauen als Fußballfans“), begann so das journalistische Schreiben über Fußball und Gesellschaftspolitik und stieß zum ballesterer.

Dietrich Schulze-Marmeling

Dietrich Schulze-Marmeling ist Journalist und Buchautor. Seine Themen sind neben Fußballs auch politische Themen. 2025 erschien von ihm und Bernd-M. Beyer das Buch“ Politik im Spiel: Die andere Geschichte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft“. Für den Ballesterer hat er den Politikwissenschaftler Andrei Steven Markovits zur WM 2026 interviewt.

Ronny Blaschke

Journalist und Buchautor. Blaschke beschäftigt sich mit politischen Themen im Sport, u. a. für Deutschlandfunk, SZ und Deutsche Welle. Die Recherchen für seine Bücher lässt er in politische Bildung einfließen, in Vorträge, Moderationen und Konferenzen. 2025 erschien sein Buch „Football and Racism: How Colonialism Shaped the Modern Game“.

Jürgen Mittag

Jürgen Mittag besetzte die damals erste originär sportpolitikbezogene Professur in Deutschland an der Deutschen Sporthochschule Köln. Er gilt als Kenner internationaler Sportorganisationen. Für die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung hat er das Heft „Sport und Politik“ für die Reihe: „Informationen zur politischen Bildung“ gestaltet.

Martin Krauss

Auch Krauss ist Sportjournalist und Autor zum Thema. Er hat das Buch geschrieben: „Dabei sein wäre alles. Wie Athletinnen und Athleten bis heute gegen Ausgrenzung kämpfen. Eine neue Geschichte des Sports“, das im C. Bertelsmann Verlag 2024 erschienen ist.

Nikola Staritz

Staritz ist Teil des Fairplay-Teams im VIDC und dort zuständig für den Bereich Antidiskriminierung. Zusätzlich ist sie auch Fußballtrainerin. Sie bietet sich als Gesprächspartnerin zu verschiedenen Themen rund um Sport, Diskriminierung, aber auch Empowerment an.

Spezialtipp

Die Ausstellung „PIRATI CICLISTI ANTIFASCISTI!“ über sportliche Gegenbewegungen in Wien wird am 29. April um 18:00 Uhr eröffnet. Versammelt sind Initiativen, Vereine und Künstler:innen, die sich für Vielfalt, Inklusion sowie eine feministische und antifaschistische Praxis im Sport einsetzen. Die Ausstellung zeigt, dass Sport auch ein politischer Raum sein kann. Begleitet wird die Ausstellung von einem Event- und Vermittlungsprogramm.

Ausstellungsdauer: 30. April – 27. Mai 2026

Ort: Soho Studios, Liebknechtgasse 32, 1160 Wien

Website: https://piratecultures.at/de/exhibition

PA: Tag des Waldes: Südwind fordert Hände weg vom Waldschutz!

Wälder sind unverzichtbar für den Menschen – Menschenrechtsorganisation Südwind warnt vor fatalem Fehler durch EU-Deregulierungs-Offensive.

Jede Minute werden rund 100 Bäume gefällt, um den Konsum der Europäischen Union – und somit auch von Österreich – zu decken. Wälder verschwinden in alarmierendem Tempo und mit ihnen die Lebensgrundlage von Millionen Menschen weltweit, angetrieben durch den Anbau und Handel von Rohstoffen für den europäischen Markt. Indigene Gruppen und andere lokale Communities werden vertrieben, bedroht und ermordet und setzen sich dennoch weiterhin für die Wälder ein. Anlässlich des Internationalen Tags des Waldes, am 21. März, warnt die Menschenrechtsorganisation Südwind vor einer Abschwächung des europäischen Waldschutzes und fordert eine rasche und konsequente Umsetzung der EU-Entwaldungsverordnung in Österreich.

„Während Handelsabkommen wie Mercosur vor der Tür stehen und andere Schutzinstrumente wie das Amazonas-Soja-Moratorium zu scheitern drohen, wäre eine weitere Schwächung der EU-Entwaldungsverordnung fatal für die Wälder der Welt“, sagt Maria Hammer, Südwind-Sprecherin für Waldschutz. „Sollte das Gesetz weiter verwässert werden, verlieren wir ein zentrales Werkzeug im Kampf gegen Entwaldung, Klimakrise und Menschenrechtsverletzungen.“

Schätzungen zufolge könnten durch die EU-Entwaldungsverordnung in nur einem Jahr bereits rund 50 Millionen Bäume vor der Abholzung bewahrt werden. Nachhaltiger Konsum wäre viel einfacher, indem Produkte aus Entwaldung vom EU-Markt ausgeschlossen werden und Unternehmen nachweisen müssen, dass ihre Produkte nicht auf entwaldeten Flächen angebaut wurden. 

Trotz zahlreicher nachträglicher Zugeständnisse und obwohl schon längst die Umsetzung der Verordnung in Österreich vorbereitet werden sollte, sind Forst- und Agrarverbände weiterhin darum bemüht, die EU-Entwaldungsverordnung aufzuweichen und die Umsetzung hinauszuzögern. 

Südwind fordert daher ein klares politisches Bekenntnis von der österreichischen Bundesregierung und Österreichs EU-Abgeordneten: Keine weiteren Schlupflöcher und faulen Kompromisse beim Waldschutz, sondern endlich eine konsequente Umsetzung des Gesetzes.

„Mit der Entwaldungsverordnung hat Europa erstmals die Chance, wirksam gegenzusteuern, anstatt Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen für unseren Konsum weiterhin in Kauf zu nehmen”, so Maria Hammer. 

Südwind beteiligt sich mit einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen an einer Petition gegen den Abbau europäischer Schutzgesetze. Die Petition “Hände weg vom Waldschutz” kann hier unterzeichnet werden: suedwind.at/handsoffnature

Rückfragen
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at
Website: https://www.suedwind.at/presse

PA: Eskalation im Iran und Libanon

AG Globale Verantwortung appelliert an Regierung, Humanitäre Hilfe deutlich aufzustocken. Internationales Hilfssystem hält mit Krisen nicht Schritt: NGO-Dachverband fordert Aufstockung des Auslandskatastrophenfonds für Menschen in Not und umfassende Erhöhungen im nächsten Budget.

„Die Geschwindigkeit, das Ausmaß und die Gleichzeitigkeit der Eskalation im Iran und im Libanon sind in der jüngeren Vergangenheit der Region beispiellos. Ihre Bewohner*innen leben seit vielen Jahren in Unsicherheit und Gewalt. Die Frage nach dem Warum scheint zunehmend in den Hintergrund zu treten“, warnt Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung. In der Region droht ein Flächenbrand, die humanitäre Lage verschärft sich dramatisch. Millionen Menschen erleben Gewalt, ihre Versorgung ist durch die zerstörte Infrastruktur erschwert. Zuletzt berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk von über 3,2 Millionen Vertriebenen im Iran und von knapp einer Million Vertriebenen im Libanon. Unter ihnen sind auch zahlreiche Geflüchtete aus Afghanistan, Syrien und aus den palästinensischen Gebieten, die nun erneut um ihr Überleben und das ihrer Familien kämpfen müssen.

Wank verweist auf das seit Jahren strukturell unterfinanzierte internationale Hilfssystem, das mit den weltweiten Krisenherden immer weniger Schritt halten könne und an seine Grenzen stoße. „Es häufen sich die Fälle, in denen humanitäre Hilfsorganisationen nicht mehr imstande sind, Menschen rechtzeitig zu erreichen, zu versorgen und zu schützen. In dieser zugespitzten Weltlage braucht es Staaten, die sich zu internationalen Regeln bekennen und für die der Schutz von Zivilist*innen unverhandelbar ist.“

Österreichs internationale Stärken gefragt, aber Kapazitäten, um auf zugespitzte Weltlage zu reagieren, reichen nicht mehr aus

Der Geschäftsführer des humanitären und entwicklungspolitischen Dachverbands in Österreich schildert, dass ein Land wie Österreich hierbei eine wichtige Rolle einnehmen könne: „Unsere Stärke liegt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit, Vertrauen und Dialogbereitschaft. Dazu gehört auch, in Krisenzeiten verlässlich an der Seite von benachteiligten und gefährdeten Menschen zu stehen. Mit dem Auslandskatastrophenfonds und den erfahrenen österreichischen Hilfsorganisationen kann unser Land diese Menschen wirksam unterstützen. Jedoch: Die derzeit vorgesehenen Mittel reichen bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen humanitären Bedarfen gerecht zu werden. Wir appellieren daher an Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Finanzminister Markus Marterbauer, den Auslandskatastrophenfonds rasch deutlich zu erhöhen.“

Abschließend betont Wank: „Das derzeitige Weltgeschehen ist ein schriller Weckruf! Wenn die Bundesregierung an einer friedlicheren, gerechten und stabileren Welt mitwirken und auch die Sicherheit und das Wohlergehen der österreichischen Bevölkerung gewährleisten will, dann muss sie die Humanitäre Hilfe und die langfristig wirkende internationale Entwicklung in ihrem nächsten Budget substanziell stärken.“

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Hannah Hauptmann
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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PA: Einsatz für Menschenrechte der Palästinenser*innen unerwünscht – Amnesty stellt Verletzung der Meinungsäußerungs- und Versammlungsfreiheit in Österreich fest 

Österreich hat während des anhaltenden Genozids in Gaza die Meinungsäußerungs- und Versammlungsfreiheit verletzt. Betroffen waren vor allem Menschen, die sich in den letzten zwei Jahren für die Menschenrechte der Palästinenser*innen einsetzten und den Genozid anprangerten. Die Folgen waren Selbstzensur, vorauseilender Gehorsam und immer weniger Raum für Solidarität mit Palästinenser*innen. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht von Amnesty International Österreich.

  • Regierung und Behörden gingen hart gegen Solidarität mit Palästinenser*innen vor
  • Einsatz für Menschenrechte der Palästinenser*innen wurde pauschal mit Antisemitismusvorwurf begegnet, daraus folgte Abschreckung („Chilling effect”) und Selbstzensur
  • Instrumentalisierung der Arbeitsdefinition von Antisemitismus (IHRA WDA) muss beendet und Bekämpfung von Rassismus menschenrechtskonform gestaltet werden

Der Bericht mit dem Titel „‚Die Meinungsfreiheit ist hochgradig selektiv ‛: Wie Österreich Solidarität mit Palästinenser*innen beschränkt” umfasst 19 Interviews mit Aktivist*innen, Journalist*innen, NGO-Vertreter*innen und Wissenschaftler*innen. Er stellt fest, dass viele dieser Personen und zivilgesellschaftlichen Organisationen Gefahr liefen, als „antisemitisch“ gebrandmarkt zu werden, wenn sie Israels Verstöße gegen das Völkerrecht kritisierten. Diese weitreichenden Vorwürfe des Antisemitismus führten zu einem „Chilling effect”. Dies geschah vor dem Hintergrund des vorherrschenden antimuslimischen Rassismus in Österreich. 


„Der sogenannte ‚Chilling effect‛ meint eine abschreckende Wirkung. Menschen schränken ihre Menschenrechte von sich aus ein – aus Sorge vor Anfeindungen, Stigmatisierung, behördlichen Verfahren oder Antisemitismusvorwürfen. Sie trauen sich nicht mehr, ihre Solidarität mit Palästinenser*innen oder ihre Kritik an der israelischen Regierung auszudrücken. Mit Blick auf sich verstärkende autoritäre Tendenzen ist das gefährlich“, sagt Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich.   


„Österreich wie auch andere Länder Europas laufen Gefahr, Antisemitismus zu instrumentalisieren und zu politisieren. Die Gleichsetzung von Kritik am israelischen Staat mit Antisemitismus führt zu Verletzungen der Meinungsäußerungsfreiheit und einer Einschränkung des Handlungsspielraums für eine kritische Zivilgesellschaft. Diese Gleichsetzung untergräbt die Bekämpfung von Antisemitismus, anstatt diese Bemühungen zu fördern“, so Shoura Hashemi weiter.

Unterdrückung von Protesten 

Der Amnesty-Bericht dokumentiert schwerwiegende Einschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung und friedliche Versammlung. Die österreichischen Behörden haben beispielsweise das Recht auf friedliche Versammlung im Zusammenhang mit dem weit verbreiteten Slogan „From the river to the sea, Palestine will be free” unrechtmäßig eingeschränkt. Der Slogan kann nachweislich je nach Redner*in unterschiedliche Bedeutungen haben, etwa einen Staat mit gleichen Rechten für alle meinen. In Österreich wird jedoch seitens der Bundesregierung und der Behörden die Ansicht vertreten, dass der Slogan unweigerlich die Auslöschung Israels meine.


So haben Polizeibehörden mindestens sieben Versammlungen in Wien mit der Begründung verboten, dass der Slogan wahrscheinlich verwendet werden würde. Darüber hinaus ist die Parole auch Gegenstand eines Erlasses des Justizministeriums, der verfügt, dass das Äußern des Slogans in der Öffentlichkeit geeignet sei, den Anfangsverdacht für die Straftat „Gutheißung terroristischer Straftaten” darzustellen. Das bedeutet, dass jede*r, die*der ihn verwendet, strafrechtlich verfolgt werden könnte. 


Gemäß internationaler Menschenrechtsverpflichtungen müssen alle Einschränkungen der freien Meinungsäußerung und der friedlichen Versammlung in einem öffentlich zugänglichen Gesetz festgelegt und hinreichend klar und präzise formuliert werden. Verbote von Meinungsäußerungen erfordern außerdem den Nachweis, dass sie eine Aufstachelung zu Diskriminierung, Feindseligkeit oder Gewalt gegen eine Zielgruppe darstellen. 


Als weiteres Beispiel führt der Bericht die Bewegung „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) an. Seit mehreren Jahren gibt es eine Reihe von rechtlich unverbindlichen Beschlüssen des österreichischen Nationalrats, sowie der Gemeinderäte der Stadt Wien und der Stadt Graz gegen die BDS-Bewegung. Einige davon verurteilen die Bewegung als antisemitisch. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) stellte jedoch fest, dass ein Aufruf zum Boykott unter das Recht auf freie Meinungsäußerung fällt.


Obwohl diese Entschließungsanträge nicht rechtsverbindlich sind, werden sie von allen politischen Parteien im Parlament unterstützt und weitgehend als Leitlinie angewendet. Durch die Einstufung der BDS-Bewegung als antisemitisch haben die Entschließungsanträge das Recht auf freie Meinungsäußerung beeinträchtigt. Aktivist*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen gaben gegenüber Amnesty International an, dass sie Gerichtsverfahren, Verleumdungskampagnen oder den Verlust staatlicher Fördermittel befürchteten, wenn sie Unterstützung für die BDS-Bewegung zum Ausdruck brachten.  

Immer weniger Raum für Solidarität mit Palästinenser*innen 

Der Amnesty-Bericht macht den schwindenden Raum für Solidarität mit Palästinenser*innen deutlich. Neben der Sorge bei zivilgesellschaftlichen Organisationen Fördermittel zu verlieren, gab es auch im akademischen Bereich Einschränkungen. An der Universität Wien wurden mehrere Lehrveranstaltungen unter anderem wegen angeblicher „einseitiger Darstellungen“ und „Antisemitismus“ sowie aufgrund von Verbindungen zur BDS-Bewegung eingeschränkt. Eine Professorin, die sich um eine Stelle an der Universität Wien beworben hatte, wurde nach eigenen Angaben aufgefordert, sich öffentlich von der BDS-Bewegung zu distanzieren.

Amnesty kritisiert vorherrschenden Rassismus in Österreich  

Als Ursache für die Einschränkung der Meinungsäußerungs- und Versammlungsfreiheit in Österreich führt Amnesty International auch den in Österreich vorherrschenden antimuslimischen Rassismus an. Seit Oktober 2023 berichten zivilgesellschaftliche Organisationen, dass rassistische Vorfälle im ganzen Land zugenommen haben, darunter auch Fälle von antimuslimischem Rassismus und Antisemitismus. 


Österreichische Politiker*innen charakterisieren Antisemitismus häufig als ein überwiegend „importiertes“ Phänomen. Diese falsche Darstellung verschleiert einerseits Österreichs eigenen tief verwurzelten Antisemitismus und seine Rolle im Holocaust. Andererseits stigmatisieren sie dadurch muslimische und/oder arabische Menschen in Österreich, indem sie sich auf negative Stereotype stützen und ausschließende Narrative schüren. Durch die übermäßige Betonung von „importiertem“ Antisemitismus tragen österreichische Politiker*innen zudem zu einer Verengung des Antisemitismus-Diskurses bei. Sie verhindern damit, dass seine schädlichen Folgen für jüdische Gemeinschaften in Österreich und Europa wirksam angegangen werden.


Trotz Empfehlungen internationaler Expert*innen hat Österreich keinen ganzheitlichen nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Rassismus, einschließlich antimuslimischem Rassismus verabschiedet.

Instrumentalisierung der IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus

Neben vorherrschendem Rassismus in Österreich birgt die politische Implementierung der Arbeitsdefinition von Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA WDA) die Gefahr, die Meinungsäußerungsfreiheit einzuschränken. Obwohl die Definition in Österreich nicht rechtsverbindlich ist, hat sie einen erheblichen Einfluss auf Politik und Praxis. Die Nationale Strategie gegen Antisemitismus (NAS 2.0) basiert beispielsweise auf der IHRA WDA.


Zahlreiche Wissenschaftler*innen, UN-Expert*innen und zivilgesellschaftliche Gruppen, darunter Amnesty International, kritisieren, dass die IHRA WDA nicht mit internationalen Menschenrechtsverpflichtungen vereinbar ist. Ihre Anwendung führt etwa dazu, dass legitime Kritik an Israel mit Antisemitismus gleichgesetzt wird. Zudem besteht die Gefahr, dass dadurch auch die Politik und die Bemühungen Österreichs zur Bekämpfung von Antisemitismus im Land eingeschränkt werden, da die Definition übermäßig vage und breit formuliert ist und den Begriff des Antisemitismus verwässert. 


Sieben der von Amnesty International befragten Personen, darunter jüdische Aktivist*innen, nannten ausdrücklich die Verwendung der IHRA WDA durch Österreich als einen der Gründe für die Einschränkung von Solidaritätsbekundungen mit Palästinenser*innen.  


„Der Kampf gegen Antisemitismus muss im Einklang mit internationalen Menschenrechtsstandards stehen. Nur so kann es ein gemeinsames Verständnis des Problems, seiner Ursachen sowie wirksame Maßnahmen zu seiner Beseitigung geben. Ansonsten laufen wir Gefahr, die Diskriminierung einer Gruppe durch die Diskriminierung einer anderen Gruppe zu ersetzen – und das schürt nur weiter Hass, anstatt Antisemitismus zu verringern”, so Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich. 


„Wir fordern, dass die österreichische Regierung einen nationalen Aktionsplan gegen Rassismus verabschiedet und die Verwendung der IHRA WDA beendet. Der Erlass, der den Slogan ‚From the river to the sea‛ regelt, muss aufgehoben werden. Zudem müssen die österreichischen Behörden das Recht auf BDS als legitime Form der politischen Meinungsäußerung achten und schützen. Einschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung müssen ausnahmslos im Einklang mit den internationalen Menschenrechten stehen“, resümiert Shoura Hashemi.

Methodologie 

Der vorliegende Bericht von Amnesty International beruht auf einer qualitativen Recherche und fokussiert auf den Zeitraum von Oktober 2023 bis Oktober 2025. Diese umfasst eine tiefgehende Analyse von rechtlichen Dokumenten, wie zum Beispiel öffentlich zugängliche Urteile des Verwaltungsgerichts Wien, sowie semi-strukturierte Interviews mit 19 Aktivist*innen, Journalist*innen, NGO-Vertreter*innen und Wissenschaftler*innen.

Rückfragen:
Presseteam Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
+43 676 37 13 334
presse@amnesty.at

PA: Österreichische Liga für Menschenrechte feiert 100-jähriges Bestehen

16. 03.2026. In einem Festakt an der Universität Wien wird heute der Gründung der Österreichischen Liga für Menschenrechte gedacht. Seit einem Jahrhundert setzen sich ihre Mitglieder für die Durchsetzung und Einhaltung von universellen Menschenrechten ein. Diese sind wichtig, weil sie jeden Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion, Behinderung oder Meinung, schützen. Sie sichern grundlegende Freiheiten und ein Leben in Würde, etwa Schutz vor Gewalt, Willkür und Diskriminierung. Außerdem bilden Menschenrechte eine gemeinsame Grundlage dafür, wie Staaten mit Menschen fair und gerecht umgehen sollen.

„Sie [die Liga] will das öffentliche Gewissen gegen alle Verletzungen der Menschen- und Bürgerrechte schärfen, für die Weiterbildung der Gesetzgebung, besonders des Ehe- und Strafrechtes in diesem Sinne eintreten, die demokratische Kontrolle von Justiz, Verwaltung und Unterricht sichern, sowie für die Völkerverständigung und Friedenserziehung wirken.“

1926, Gründungsidee der Österreichischen Liga für Menschenrechte

Wien, 16. März 2026 – Vor genau 100 Jahren, am 16. März 1926, wurde in Wien die Österreichische Liga für Menschenrechte gegründet – nach dem Vorbild der bereits seit 1898 in Frankreich bestehenden Ligue des droits de l’homme. Damals wie heute steht die Liga für die Einhaltung universeller Menschenrechte und den Schutz der Würde jedes Einzelnen. Bei ihrer Gründung ging es um Forderungen wie die Abschaffung der Todesstrafe, den Einsatz für die Rechte von Frauen, den Kampf gegen Diskriminierung jeder Art sowie den Schutz von geflüchteten Personen. René Cassin, Mitglied der französischen Liga, war einer der zentralen Mitwirkenden an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die 1948 von der internationalen Staatengemeinschaft beschlossen wurde. Heute stehen die Menschenrechte in Österreich im Verfassungsrang, Gesetze müssen in ihrem Sinne beschlossen und umgesetzt werden. 

Barbara Helige, Präsidentin der Liga für Menschenrechte: „Wir sind stolz auf 100 Jahre unermüdlichen Einsatz für die Menschenrechte in Österreich. Wie wichtig das ist, zeigt sich an den tiefgreifenden positiven Entwicklungen seither, beispielsweise bei den Rechten von Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderung. Wir setzen uns dafür ein, dies nicht nur zu bewahren, sondern auch weiterzuentwickeln. Als unverbesserliche Optimistin bin ich überzeugt, dass das möglich ist und die Achtung und Wahrung der Menschenrechte trotz mancher Rückschläge unumkehrbar ist. Gerade wegen der derzeit weltweit autoritären Tendenzen ist unser Engagement aktueller denn je.“

Juristische Expertise seit 100 Jahren

Die Arbeit der Liga legt den Fokus auf die Achtung der Menschenrechte in Staat und Gesellschaft. Das erreicht sie durch Vermittlung von juristischer Expertise, oft in Zusammenarbeit mit Ministerien oder Behörden. In Veranstaltungen, Vorträgen, im Liga-Magazin sowie im jährlich erscheinenden Menschenrechtsbefund wird auf Missstände hingewiesen und die Einhaltung der Grundrechte eingefordert. Helige: „Wir kritisieren, was notwendig ist. Zu unseren Prinzipien gehören absolute Unabhängigkeit von politischen Parteien, Regierung und jeder konfessionellen Vereinigung. Wir richten uns ausschließlich nach dem Anspruch, die Würde jedes Einzelnen zu wahren.“

Für gleichgeschlechtliche Liebe und das Recht auf Abtreibung

Nur wenige Jahre, bevor die Liga gegründet wurde, erlangten Frauen in Österreich endlich das Wahlrecht (1919). Die Gleichstellung von Frau und Mann umfasste jedoch noch lange nicht alle Lebensbereiche. Schon bald machte sich der Verein für eine Reform der Gesetze „über die Abtreibung der Leibesfrucht“ und für eine Eherechtsreform stark. Auch in einem anderen gesellschaftlich tabuisierten Bereich setzte sich die Liga für progressive Forderungen ein: „In der sogenannten Ekstein Petition forderten zahlreiche Mitglieder – ebenso prominente Persönlichkeiten wie Sigmund Freud oder Arthur Schnitzler – explizit die Abschaffung eines Strafbestandes, der einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen als Unzucht wider die Natur unter Strafe stellte. Tatsächlich sollte es noch Jahrzehnte dauern, bis diese Forderungen erfüllt wurden“, berichtet Christopher Treiblmayr, der seit Jahren die Geschichte der österreichischen und europäischen Ligen erforscht. 

Kampf gegen Diskriminierung und UPR-Projekt

Der Einsatz gegen Diskriminierung jeder Art prägte die Liga von Anfang an, dazu zählt auch der Kampf gegen den bereits vor dem „Anschluss“ virulenten Antisemitismus. Um einer Auflösung durch die Nationalsozialisten zuvorzukommen, löste sich die Liga 1938 selbst auf. Viele Mitglieder, vor allem jüdische, mussten fliehen, wurden verfolgt oder ermordet. Die Wiedergründung im Jahr 1946 wurde von den Alliierten dezidiert als demokratische und antifaschistische Initiative begrüßt. In der Zweiten Republik setzte sich die Liga in besonderem Maß für die Rechte der slowenischen und kroatischen Volksgruppen ein, deren im Staatsvertrag von 1955 zugesicherte Rechte vielfach nicht vollständig umgesetzt wurden. Schon vor 1938 hatte sich die Liga intensiv für Staatenlose eingesetzt, nach dem Zweiten Weltkrieg rückten Flucht- und Migrationsbewegungen erneut in den Mittelpunkt. Der Schutz der Rechte von geflüchteten Menschen ist bis heute ein zentrales Anliegen der Liga. Ein weiterer Schwerpunkt war und ist das UPR-Projekt (1), für das die Liga die Menschenrechtssituation entlang der vom UN-Menschenrechtsrat entwickelten Empfehlungen und deren Umsetzung durch die Bundesregierung beobachtet. Sie koordiniert dabei über 350 österreichische NGOs.

(1) Die Österreichische Liga für Menschenrechte koordiniert im Rahmen des Universal Periodic Review (UPR)-Prozesses  einen großen Teil der österreichischen Zivilgesellschaft. Mehr dazu: https://liga.or.at/universal-periodic-review-upr/ 

Österreichische Liga für Menschenrechte: 

Die Österreichische Liga für Menschenrechte setzt sich seit 1926 für die Umsetzung und Einhaltung der Menschenrechte ein. Sie greift aktuelle Themen auf und arbeitet in Veranstaltungen, Projekten und durch Öffentlichkeitsarbeit mit den unterschiedlichsten Zielgruppen zu menschenrechtlich relevanten Themen. Die Liga ist das österreichische Mitglied der Fédération internationale pour les droits humains (FIDH) und international sowie national mit anderen NGOs sehr gut vernetzt. 

Österreichische Liga für Menschenrechte: 

Die Österreichische Liga für Menschenrechte setzt sich seit 1926 für die Umsetzung und Einhaltung der Menschenrechte ein. Sie greift aktuelle Themen auf und arbeitet in Veranstaltungen, Projekten und durch Öffentlichkeitsarbeit mit den unterschiedlichsten Zielgruppen zu menschenrechtlich relevanten Themen. Die Liga ist das österreichische Mitglied der Fédération internationale pour les droits humains (FIDH) und international sowie national mit anderen NGOs sehr gut vernetzt. 

Weitere Infos:
www.liga.or.at 
https://liga.or.at/geschichte-der-oesterreichischen-liga-fuer-menschenrechte/ 
https://liga.or.at/forschungen-zu-den-menschenrechtsligen/ 

Rückfragen:

Barbara Helige
Österreichische Liga für Menschenrechte 
E-Mail: b.helige@gmx.at

Vera Krischke
Österreichische Liga für Menschenrechte 
Tel.: 0676 360 94 63 
E-Mail: admin@liga.or.at