Archiv der Kategorie: SDGs

PA: Textil-Containerverbot in Wien. Südwind sieht Schritt in die richtige Richtung und fordert Begleitmaßnahmen

Fast Fashion-Auswirkungen brauchen umfassende Gegenmaßnahmen – Südwind sieht in Direktkooperationen mit Zielländern eine Möglichkeit für einen gerechten Umgang mit Altkleidung

Die Initiative der Stadt Wien, Altkleider stärker zu regulieren, ist aus Sicht von Südwind ein begrüßenswerter erster Schritt. Gleichzeitig braucht es für die Menschenrechtsorganisation zusätzliche politische Maßnahmen, um die Kleidungsflut zu bewältigen und eine nachhaltige, praktikable Wiederverwertung zu ermöglichen. „Die Müllhaufen rund um die Altkleider-Container in Wien sind nur ein kleines Symptom eines viel größeren globalen Problems. Das beginnt nicht erst bei der Entsorgung, sondern schon bei der Überproduktion und dem verschwenderischen Konsum von Kleidung“, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für Textillieferketten. „Angesichts der enormen Probleme für Umwelt und Menschen, die das Fast Fashion-System erzeugt, braucht es einen umfassenden Maßnahmenplan sowie den Blick auf die gesamte Lieferkette unserer Kleidung.“

Weiter Weg für Altkleidung zum Müllberg

Rund 46 Prozent der Altkleider aus Europa werden nach Afrika exportiert, überwiegend zur Wiederverwendung. Dabei sind allerdings rund 40 Prozent der exportierten Kleidung nicht mehr verwendbar. 41 Prozent gehen nach Asien – oft minderwertige Ware, die zu Putzlappen downgecycelt oder weiter exportiert wird, 63 Prozent landen davon wiederum in Afrika. Das zeigen Daten der Europäischen Umweltagentur. Hinzu kommt, dass nur etwa 1 Prozent der Kleidung weltweit tatsächlich von Faser zu Faser recycelt werden kann. Recherchen in Recyclinganlagen, etwa in Pakistan, zeigen zudem alarmierende Arbeitsbedingungen, die jenen in der Textilproduktion ähneln.

Untersuchungen von Südwind und der Clean Clothes Kampagne zeigen, dass die Arbeitsbedingungen im Altkleider-Sektor in vielen Ländern des Globalen Südens prekär, unsicher und unwürdig sind. Gewerkschaften in Uganda berichten, dass große Teile der importierten Kleidung aus Müll bestehen, der wiederum auf riesigen Deponien vor Ort entsorgt wird. Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen im Secondhand-Sektor Ugandas prekär und unsicher.

Kooperation zwischen Wien und Kampala als Begleitmaßnahme

Südwind fordert eine Kooperation auf Augenhöhe mit den Zielländern von Altkleider-Exporten. So könnte eine vertiefte Partnerschaft zwischen Wien und Kampala zum Knowhow-Austausch beitragen und Mitbestimmung im Globalen Süden stärken. Ein solches Projekt könnte Akteur:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einbinden: Sammler:innen, Re-Use-Betriebe, Exporteur:innen, Gewerkschaften sowie Menschenrechts- und Umweltorganisationen in beiden Ländern. Durch Dialogformate, gemeinsame Richtlinien und Austauschprogramme könnte ein fairer Secondhand-Handel aufgebaut werden. Gleichzeitig sollte die Kooperation den Aufbau lokaler, nachhaltiger Textilproduktion sowie sicherer Infrastruktur und Ausbildung fördern.

„Das System der Altkleiderverwertung steht weltweit vor dem Kollaps. Es darf nicht akzeptiert werden, dass nicht mehr benötigte Kleidung aus Europa auf immer größeren Müllbergen in anderen Weltregionen landet oder unter unsicheren Bedingungen recycelt wird“, sagt Südwind-Expertin Lena Gruber. „Ziel muss es sein, sicherzustellen, dass nur jene Kleidung exportiert wird, die vor Ort tatsächlich gebraucht und gewollt ist. Schließlich will niemand, dass aus der gutgemeinten Spende eine Belastung für Mensch und Umwelt wird.“

Europäische Regulierung entscheidend

So wichtig Initiativen auf Gemeindeebene sind, so sehr braucht es für Südwind die konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung zentraler EU-Regulierungen auf Bundesebene. Dazu zählen die Erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility), die EmpCo-Richtlinie gegen Greenwashing und geplante Obsoleszenz sowie Regelungen zur Eindämmung manipulativer Werbung großer Plattformen. Darüber hinaus sind strengere Kontrollen beim Export von Altkleidern, mehr Kapazitäten für hochwertige Sammlung und Wiederverwendung sowie stärkere Anreize für nachhaltige Mode notwendig.

Südwind hat dazu einen umfassenden Maßnahmenplan für faire Mode entwickelt: suedwind.at/justfashion

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Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at

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PA: Neuer Report: Globaler Hunger bleibt 2026 auf kritischem Niveau – Konflikte, Dürre und gekürzte Hilfen verschärfen Krise

Der weltweite Hunger wird auch im Jahr 2026 auf einem alarmierend hohen Niveau bleiben. Laut dem heute veröffentlichten Global Report on Food Crises 2026 verschärfen bewaffnete Konflikte, Dürren und massiv sinkende Hilfsfinanzierung die Ernährungsunsicherheit – insbesondere in fragilen Staaten. 

„Umso unverständlicher ist der gleichzeitige Rückgang der Finanzierung humanitärer Maßnahmen. Angesichts der Dimension des Hungers braucht es sofort mehr internationale Solidarität, verlässliche finanzielle Zusagen und entschlossenes politisches Handeln, um weitere Hungerkatastrophen zu verhindern und Millionen Menschen den Zugang zu Nahrung und lebenswichtiger Hilfe zu sichern”, ordnet Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger, die Ergebnisse des Reports ein.   

Dem Bericht zufolge waren im Jahr 2025 insgesamt 266 Millionen Menschen in 47 Ländern und Territorien von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. 1,4 Millionen Menschen lebten dabei unter katastrophalen Bedingungen, der schwersten Stufe akuten Hungers: in Teilen von Haiti, Mali, Gaza, Südsudan, Sudan und Jemen. Erstmals in der Geschichte des Berichts wurden im vergangenen Jahr zwei Hungersnöte offiziell festgestellt, in Gaza und im Sudan. 

„Zusätzliche Verschärfung erfährt die Lage durch aktuelle geopolitische Eskalationen, insbesondere im Nahen Osten. Anhaltende Störungen der Energie‑ und Düngemittelmärkte treiben die Lebensmittelpreise weltweit weiter in die Höhe – mit gravierenden Folgen für ohnehin fragile Länder”, ergänzt Friedrich-Rust.  

Der Bericht zeigt zudem eine dramatische Entwicklung über die vergangenen zehn Jahre: Die Zahl der Menschen mit akuter Ernährungsunsicherheit hat sich in diesem Zeitraum verdoppelt. Besonders gravierend ist die Lage von Kindern: Im Jahr 2025 waren schätzungsweise 35,5 Millionen Kinder im Alter von 6 bis 59 Monaten in 23 Ländern und Territorien, die als Ernährungskrisen eingestuft sind, akut unterernährt. Darunter befanden sich 9,7 Millionen Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung, einer unmittelbar lebensbedrohlichen Form der Unterernährung. 

Akute Ernährungsunsicherheit: Zehn Länder im Fokus 

Die weltweite akute Ernährungsunsicherheit konzentriert sich zunehmend auf wenige Länder: Zehn Staaten vereinten 2025 rund zwei Drittel aller Betroffenen, wobei Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und der Sudan fast ein Drittel der weltweiten Gesamtzahl ausmachten. Der Bericht verzeichnet in einzelnen Ländern – darunter Bangladesch, Niger sowie in begrenzten Regionen Nigerias und des Sudan – punktuelle Verbesserungen, die die insgesamt weiterhin dramatische Lage jedoch nicht grundlegend verändert haben. Deutliche Verschlechterungen gab es in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo und Myanmar.  

Akute Mangelernährung ist lebensbedrohlich 

Neben dem Hunger bleibt auch die akute Mangelernährung auf extrem hohem Niveau. 2025 wurden in 23 Ländern und Territorien offizielle Ernährungskrisen festgestellt, mit besonders schwerer Lage in Gaza, im Sudan, in Myanmar und im Südsudan. Dort führten Hungersnot oder kritische Bedingungen zu lebensbedrohlicher Unterernährung, vor allem bei Kindern.  

In den meisten betroffenen Ländern ist akute Mangelernährung das Ergebnis mehrerer gleichzeitiger Krisen – fehlender Zugang zu Nahrung, Krankheiten sowie mangelhafte Gesundheits‑, Wasser‑ und Versorgungsstrukturen. Der Bericht unterstreicht damit, wie eng Hunger, Gesundheit und grundlegende Dienstleistungen miteinander verknüpft sind. 

Massiver Rückgang internationaler Hilfsfinanzierung verschärft Hungerkrise 

Gleichzeitig warnt der Bericht eindringlich vor einem massiven Rückgang der internationalen Unterstützung. Die Finanzierung humanitärer Maßnahmen im Ernährungssektor ging 2025 um rund 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, während die entwicklungsbezogene Unterstützung um mindestens 15 Prozent schrumpfte und weiter zurückzugehen droht. 

Der Global Report on Food Crises 2026 kommt zu dem Schluss, dass ohne eine deutliche Kehrtwende bei Konfliktprävention, Klimaanpassung und internationaler Finanzierung weitere Hungersnöte nicht ausgeschlossen werden können. 

Der jährlich veröffentlichte Global Report on Food Crises wird von einem internationalen Netzwerk unter der Koordination des Food Security Information Network (FSIN) erarbeitet. Er gilt als eine der fundiertesten globalen Analysen zur akuten Ernährungsunsicherheit weltweit. 

Als internationale humanitäre Organisation arbeitet Aktion gegen den Hunger in zahlreichen besonders betroffenen Ländern, darunter Sudan, Jemen, Gaza, Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria und Afghanistan. Dort unterstützt die Organisation unter anderem unterernährte Kinder, schwangere Frauen und Binnenvertriebene mit lebenswichtiger Hilfe wie Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. 

Hinweis an die Redaktionen

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

PA: Rana Plaza Gedenktag. Südwind nimmt Bundesregierung in die Pflicht

Modebranche ist fast komplett vom EU-Lieferkettengesetz ausgenommen – Südwind kritisiert löchrige Gesetzeslage – Neue Petition fordert Maßnahmenplan für gerechte Mode

Im Vorfeld des 13. Gedenktages zum Einsturz der Rana Plaza-Textilfabrik in Bangladesch kritisiert die Menschenrechtsorganisation Südwind politische Versäumnisse und fordert einen Maßnahmenplan für eine gerechte Modeindustrie ein. „Auch 13 Jahre nach der Rana Plaza-Katastrophe setzen Modekonzerne weiterhin bewusst auf undurchschaubare Lieferketten, in denen Umweltstandards leicht umgangen und Arbeiter:innen mit Hungerlöhnen abgespeist werden – und das alles für Kleidung, die kaum getragen auf Deponien im Globalen Süden landet“, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für nachhaltige Mode. „Die Lösungen liegen schon lange auf dem Tisch. Doch die Politik bleibt effektive Schritte schuldig.“ Aus diesem Grund startet Südwind eine neue Petition unter dem Titel „Just Fashion. Für eine gerechte Modeindustrie“ und fordert von der österreichischen Bundesregierung einen konkreten Maßnahmenplan.

Überschaubare Fortschritte, anhaltende Probleme

Die strukturellen Verbesserungen seit dem Rana Plaza-Einsturz, der über 1.100 Menschen das Leben gekostet hat, bleiben bis heute überschaubar und konzentrieren sich vor allem auf den Bereich Brandschutz und Gebäudesicherheit. Nach intensivem Lobbying von Wirtschafts- und Industrieverbänden wurde die EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) so sehr abgeschwächt, dass nun fast die gesamte Modebranche davon ausgenommen ist und diese weiterhin keine Verantwortung für Menschenrechtsvergehen entlang ihrer Lieferkette übernehmen muss. In Österreich gilt das EU-Lieferkettengesetz nur für zwei bis drei Unternehmen. Bemerkenswert ist dies vor allem deshalb, weil der Einsturz der Rana Plaza-Textilfabrik einen der wichtigsten Auslöser für das weltweite Bemühen um eine verbindliche Konzernhaftung darstellte.

„Die Modeindustrie ist einer der größten Verursacher von Umweltzerstörung, Klimaschäden und sozialer Ungerechtigkeit. Fast Fashion wird in der Regel unter menschenunwürdigen und unsicheren Bedingungen produziert und nicht selten unter Zwang”, sagt Südwind-Expertin Lena Gruber. „Gerade in Zeiten, in denen Teuerung und Wirtschaftskrise den Handlungsspielraum von Konsument:innen einschränken und mit Chemikalien belastete Ultra-Fast-Fashion unseren Markt überschwemmt, braucht es Rahmenbedingungen für gerechten, nachhaltigen Konsum – ganz besonders im Hochrisikosektor Mode und Textilien.“

Fragmentierte Gesetzeslage, mangelhafte Umsetzung

Für Südwind besteht ein Kernproblem in der fragmentierten Gesetzeslage, die Schlupflöcher, Intransparenz und fehlende Haftung zur Folge hat. Südwind fordert daher von der Bundesregierung eine Just Fashion Task Force. Diese sollte Ministerien, Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen vernetzen, um die Wirksamkeit bestehender Gesetze sicherzustellen, Kontrollen zu stärken, bestehende Lücken zu schließen und Transparenz und öffentlichen Informationszugang sicherzustellen.

EU-Richtlinien, die für die Regulierung von Fast-Fashion Anbietern relevant sind – wie etwa Empowering Consumers for the Green Transition oder der Digital Service Act – werden in Österreich nicht konsequent umgesetzt. Auch in Bezug auf die EU-Zwangsarbeitsverordnung muss Österreich eine wirksame Umsetzung sicherstellen und Ressourcen bereitstellen. Zusätzlich führen mangelhafte Kontrollen beim Export von Altkleidung dazu, dass tonnenweise Textilmüll in Länder des Globalen Südens verschifft wird, wo dieser auf riesigen, gesundheitsgefährdenden Deponien landet.

„Die negativen Auswirkungen von Fast Fashion betreffen uns alle. Es braucht endlich den politischen Willen, konkrete Maßnahmen gegen Fast-Fashion-Modelle zu setzen und den Wandel hin zu einer gerechten Modeindustrie zu fördern“, so Lena Gruber.

Die Südwind-Petition für eine gerechte Modeindustrie findet sich online unter: suedwind.at/justfashion
 

Südwind-Forderungen für eine gerechte Modeindustrie

  1. Just Fashion-Fonds: Ein Anreizsystem für faire Mode
    Der Fonds sollte Modefirmen finanziell belohnen, die nachhaltig und fair produzieren und dafür eine Abgabe von jenen Konzernen einnehmen, die auf Ausbeutung und Intransparenz setzen. Die Mittel könnten in Maßnahmen für eine faire Kreislaufwirtschaft fließen.
     
  2. Verbraucher:innen schützen und Manipulation stoppen
    Österreich muss EU-Richtlinien wie die „Empowering Consumers for the Green Transition“ und den Digital Services Act vollumfänglich umsetzen – mit Kontrollen und Sanktionen.
     
  3. Konzern- und Plattformverantwortung klar regeln
    Alle Modemarken und Plattformen müssen sich an EU-Gesetze halten und für Verstöße haften. Österreich muss Schlupflöcher schließen, stärkere Kontrollen einführen und mutige, innovative Lösungen entwickeln, um Ultra Fast Fashion Plattformen zu regulieren.
     
  4. Zwangsarbeit beenden
    Die EU-Zwangsarbeitsverordnung muss mit Entschädigungsmechanismen und sicheren Ausstiegswegen für Betroffene gestärkt werden. Österreich kann sich auf verschiedenen Ebenen dafür einsetzen.
     
  5. Müllverschiffung stoppen
    Kein Export von Textilmüll oder kurzlebiger Mode, die Communities im Globalen Süden schadet. Österreich muss sicherstellen, dass importierte Gebrauchtkleidung unter Mitbestimmung von Arbeiter:innen und lokalen Organisationen selektiert wird.
     
  6. Just Fashion Taskforce einrichten
    Eine nationale Taskforce soll Ministerien, Behörden und zivilgesellschaftliche Organisationen vernetzen, um Kontrollen zu stärken und Transparenz durchzusetzen.

Rückfragen
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at
Website: https://www.suedwind.at/presse

Amnesty International Jahresbericht 2025/26: Welt am Rande einer gefährlichen neuen Ära

Amnesty International Jahresbericht 2025/26:
Welt am Rande einer gefährlichen neuen Ära

  • Das Jahr 2025 war geprägt von aggressiven Angriffen auf den Multilateralismus, das Völkerrecht und die Zivilgesellschaft
  • Es droht eine rassistische, patriarchale, ungleiche und rechtsfeindliche Weltordnung
  • Demonstrierende, Aktivist*innen und internationale Organisationen leisten Widerstand und versuchen, diese Entwicklung zu durchbrechen

 Die Welt steht am Rande einer gefährlichen neuen Ära. Mächtige Staaten, Konzerne und menschenrechtsfeindliche Bewegungen greifen Multilateralismus, Völkerrecht und die universellen Menschenrechte systematisch an. In ihrem heute veröffentlichten Jahresbericht warnt Amnesty International: Wenn die Staatengemeinschaft diese Angriffe weiter duldet, droht ein gefährliches Zeitalter, geprägt von Ungleichheit, Straflosigkeit und der systematischen Missachtung grundlegender Rechte.

„Wir erleben einen historischen Kipppunkt. Transnationale menschenrechtsfeindliche Bewegungen und rücksichtslose Regierungen attackieren gezielt die Grundlagen der Menschenrechte, um Macht, Kontrolle und Profite zu sichern”, sagt Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International.

„Was sich heute abzeichnet, ist kein schleichender Abbau an den Rändern des Systems mehr, sondern ein offener Angriff auf dessen Fundament. Mächtige Akteur*innen untergraben internationale Institutionen, missachten das Völkerrecht und befördern die Straflosigkeit – mit verheerenden Folgen für Millionen von Menschen weltweit.”

Bedrohliche Aushöhlung des Völkerrechts 

Amnesty dokumentiert eine dramatische Zunahme schwerster Völkerrechtsverbrechen und zunehmende Angriffe auf das internationale Rechtssystem.  Israel hat seinen Völkermord an den Palästinenser*innen im Gazastreifen trotz des Waffenstillstandsabkommens vom Oktober 2025 fortgesetzt, sein Apartheid-System aufrechterhalten und die Ausweitung illegaler Siedlungen im besetzten Westjordanland beschleunigt. Israelische Behörden haben es Siedlern zunehmend gestattet oder sie sogar dazu ermutigt, Palästinenser*innen ungestraft anzugreifen.

Die USA verübten durch die Bombardierung von Schiffen in der Karibik und im Pazifik über 150 außergerichtliche Hinrichtungen und starteten im Jänner 2026 einen Angriff auf Venezuela. Russland verstärkte seine Luftangriffe auf wichtige zivile Infrastruktur in der Ukraine.

Die Vereinigten Arabischen Emirate heizten den Konflikt im Sudan an, indem sie den Rapid Support Forces moderne Waffen lieferten. Diese hatten nach einer 18-monatigen Belagerung die Kontrolle über El Fasher übernommen und massive Morde an Zivilist*innen sowie sexuelle Gewalt begangen.

Der rechtswidrige Einsatz von Gewalt durch die USA und Israel gegen den Iran und die folgenden Vergeltungsschläge, gefährdeten das Leben von Millionen Zivilist*innen – von der Tötung von über 100 Kindern bei einem US-Angriff auf eine Schule bis hin zu verheerenden Angriffen auf die Energieinfrastruktur.

In Afghanistan verschärften die Taliban ihre repressive Politik gegenüber Frauen durch weitere Verbote bei Bildung, Arbeit und Bewegungsfreiheit.  Im Iran wurden Proteste Anfang 2026 mit tödlicher Gewalt niedergeschlagen.

Die USA, Israel und Russland haben internationale Mechanismen der Rechenschaftspflicht, insbesondere den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH), weiter untergraben. Die Trump-Regierung verhängte Sanktionen gegen IStGH-Mitarbeiter*innen. Mehrere Staaten traten aus dem Römischen Statut aus oder kündigten dies an. Die Europäische Union und die meisten europäischen Staaten haben die Angriffe auf das Völkerrecht hingenommen und es versäumt, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um Israels Völkermord zu stoppen oder Waffenlieferungen zu beenden.

Zunehmende Angriffe auf die Zivilgesellschaft

Angriffe auf die Zivilgesellschaft und soziale Bewegungen verschärften sich 2025 weltweit. Regierungen in Afghanistan, China, Ägypten, Indien, den USA und Venezuela gingen gewaltsam gegen Proteste vor, kriminalisierten Dissens durch Anti-Terror- und Sicherheitsgesetze oder griffen auf missbräuchliche Polizeitaktiken, Verschleppungen und außergerichtliche Hinrichtungen zurück. Die Behörden in Nepal und Tansania setzten unrechtmäßig tödliche Gewalt ein, um Demonstrationen zu unterdrücken. In der Türkei wurden Hunderte friedlicher Demonstrant*innen festgenommen, nachdem der Istanbuler Bürgermeister und Präsidentschaftskandidat Ekrem İmamoğlu in einem politisch motivierten Verfahren verhaftet worden war.

Viele Regierungen setzten Spionagesoftware und digitale Zensur ein, um die Meinungsfreiheit einzuschränken. US-Behörden nutzten KI-gestützte Überwachungsinstrumente, um ausländische Studierende, die ihre Solidarität mit Palästinenser*innen bekundeten, zu verhaften und auszuweisen. Serbien setzte digitale Forensik-Tools gegen Demonstrant*innen und Journalist*innen ein, Kenia setzte systematisch auf Online-Einschüchterung und unrechtmäßige Überwachung.

Die US-Behörden gingen unrechtmäßig gegen Migrant*innen, Geflüchtete und Asylsuchende vor und begingen dabei unnötige und übermäßige Gewaltanwendung, willkürliche Inhaftierungen sowie Praktiken, die Folter und dem Verschwindenlassen gleichkamen.

Unter anderem kündigten die USA, Kanada, Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich drastische Kürzungen der Budgets für internationale Hilfe an oder setzten diese um – obwohl sie wussten, dass dies wahrscheinlich zu Millionen vermeidbarer Todesfälle führen würde. Gleichzeitig verpflichteten sie sich in mehreren Fällen zu massiven Erhöhungen der Militärausgaben.

Auch im Kampf gegen die Klimakrise versagten die Regierungen, während die Vereinten Nationen warnten, dass die Welt auf eine Erwärmung von 3 °C bis 2100 zusteuert.

Die Zivilgesellschaft und internationale Organisationen leisten Widerstand 

Unbeeindruckt von Widrigkeiten leisten Millionen Menschen weltweit Widerstand. Proteste der Generation Z erfassten 2025 mehr als ein Dutzend Länder, darunter Indonesien, Kenia, Madagaskar, Marokko, Nepal und Peru. Rund 300.000 Menschen widersetzten sich dem ungarischen Verbot der Budapest Pride, um die Rechte von LGBTQIA+-Personen zu verteidigen. Anfang 2026 organisierten sich Demonstrierende von Los Angeles bis Minneapolis gegen gewalttätige Razzien der US-Einwanderungsbehörden.

Massendemonstrationen gegen Israels Völkermord breiteten sich weltweit aus. Aktivismus und rechtlicher Druck führten dazu, dass mehrere Staaten Waffenexporte nach Israel einschränkten. Eine wachsende Zahl an Staaten erkannte an, dass Israel Völkermord begeht, und schloss sich der Haager Gruppe an, die sich für internationale Rechenschaftspflicht einsetzt.

„Von den Straßen der Städte bis hin zu multilateralen Foren bot das Jahr 2025 eindrucksvolle Beispiele für Widerstand und Solidarität seitens Demonstrant*innen, Diplomat*innen und politischer Führungen. Wir müssen mutige Bündnisse schmieden, um die Weltordnung neu auf Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und universelle Werte auszurichten“, sagt Agnès Callamard.

Rückfragen
Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
presse@amnesty.at

PA: Attac verurteilt Förderstopp für ZARA

Fatales Signal in einer Zeit, in der rassistische Diskriminierung und Hass zunehmen.

Attac Österreich verurteilt den Entzug sämtlicher Fördergelder für die Antirassismusstelle ZARA durch das Bundeskanzleramt aufs Schärfste. Diese Entscheidung ist ein fatales Signal in einer Zeit, in der rassistische Diskriminierung und Hass zunehmen.

“ZARA leistet seit Jahren unverzichtbare Arbeit: Die Organisation dokumentiert rassistische Vorfälle, unterstützt Betroffene und trägt zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit bei. Wer diese Arbeit schwächt, nimmt bewusst in Kauf, dass Betroffene von Rassismus weniger Unterstützung erhalten und Rassismus unsichtbar gemacht wird”, erklärt Attac-Vorstandsmitglied Anna Lena Buchleitner.

Statt wichtige zivilgesellschaftliche Strukturen zu stärken, setzt die Regierung diese auch noch unter Druck. Attac Österreich fordert die sofortige Rücknahme des Förderstopps von ZARA und eine langfristige Absicherung von Organisationen und Beratungsstellen, die sich für eine demokratische und soziale Gesellschaft einsetzen.

Rückfragen:
David Walch
presse@attac.at
0650 544 00 10

PA: SOS Mitmensch: Scharfer Protest gegen Förderstopp für ZARA!

ZARA ist tragende Säule der Anti-Rassismus-Arbeit in Österreich – Forderung nach Rücknahme der Entscheidung!

SOS Mitmensch ist entsetzt über die vom „Standard“ kolportierte Entscheidung von Ministerin Claudia Bauer, die Förderungen für die Anti-Rassismus-Beratungsstelle ZARA einzustellen. Eine tragende Säule der Anti-Rassismus-Arbeit in Österreich und eine wichtige Anlaufstelle für Opfer von Rassismus drohe damit wegzufallen, so die Menschenrechtsorganisation, die scharf protestiert und eine Rücknahme der Entscheidung fordert.

„Der angekündigte Förderstopp für ZARA ist nicht weniger als ein Anschlag auf die Anti-Rassismus-Arbeit in Österreich. Ministerin Bauer ist offenbar nicht bewusst, wie wichtig es für Rassismusbetroffene ist, eine unabhängige Stelle zu haben, an die sie sich wenden können, die sie berät und ihre Anliegen vertritt. Der Förderstopp für ZARA ist durch nichts zu rechtfertigen“, zeigt sich SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak entsetzt.

Funktionierende Anti-Rassismus-Arbeit sei ein Fundament eines jeden demokratischen Staates, so Pollak, daher fordere er Ministerin Claudia Bauer eindringlich auf, innezuhalten und die unverständliche Förderstopp-Entscheidung zu überdenken, bevor eine katastrophale Lücke im Bereich Antirassismus aufgerissen werde.

SOS Mitmensch ruft alle demokratisch gesinnten Kräfte zur Solidarität mit ZARA und zum breiten Protest gegen die Förderstopp- Entscheidung auf.

Rückfragehinweis:
SOS Mitmensch
Alexander Pollak
Telefon: 06645120925
E-Mail: apo@sosmitmensch.at

Pressekonferenz der ARGE Weltläden: Österreichs Weltläden trotzen Einzelhandelskrise

Umsatzplus der Weltläden ist doppelt so stark wie der gesamte Biomarkt.

Der österreichische Einzelhandel befindet sich in einer tiefen Krise. Die Umsätze des Gesamt-handels sinken kontinuierlich, die Zahl der Insolvenzen im Handel erreichte ein Rekordniveau. In den Kleinstädten steigen die Leerstandsquoten immer weiter an. In vielen Gemeinden zählen Weltläden heute zu den letzten verbliebenen Frequenzbringern in den Innenstädten – Orte der Begegnung, der qualifizierten Beratung und bewusster Kaufentscheidungen und sie zeigen: Ein anderes Wirtschaften ist möglich – und zwar erfolgreich.

Dieses stabile Wachstum ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines klaren Gegenmodells zum konventionellen Handel: bewusster Konsum und ein Handelsmodell das soziale Gerechtigkeit, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Stabilität miteinander verbindet.

Die ARGE Weltläden präsentiert bei dieser Pressekonferenz detaillierte Ergebnisse der Branche.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Start der neuen weiblichen Doppelspitze der österreichischen Weltläden. Sie steht für Aufbruch, Professionalisierung und die konsequente Weiterentwicklung eines Handels, der den Menschen – entlang der gesamten Lieferkette – in den Mittelpunkt stellt.

Die Botschaft ist klar:
Fairer Handel ist kein Nischenmodell, sondern ein zukunftsfähiges Gegenmodell zum kriselnden Handel.

Termin:
Donnerstag, 16.4.2026, 10:00 Uhr
Ort: C3 – Centrum für Internationale Entwicklung, Alois Wagner-Saal, Sensengasse 3, 1090 Wien
Anbei der Teams-Link zur PK: Pressekonferenz Arbeitsgemeinschaft Weltläden: Österreichs Weltläden trotzen der Einzelhandelskrise | Besprechung beitreten | Microsoft Teams

Als Gesprächspartnerinnen stehen Ihnen zur Verfügung:

•     Gerti Jaksch-Fliegenschnee, Obfrau der ARGE Weltläden

•     Johanna Aigner, Geschäftsführerin der ARGE Weltläden

Die ARGE Weltläden ist der österreichische Dachverband zur Förderung, Vernetzung und Professionalisierung der Weltläden. Sie vertritt 88 Standorte in ganz Österreich, hat 1993 Fairtrade Österreich mitbegründet und arbeitet seit fast 50 Jahren für eine Welt, in der fairer Handel die Regel ist – nicht die Ausnahme.

Für Rückfragen und Akkreditierung:
Johanna Aigner
Mobil: +43 (0)699 18144695   johanna.aigner@weltlaeden.at

PA: Drei Jahre Krieg im Sudan: Die internationale Gemeinschaft muss handeln

Im Sudan wütet die schlimmste humanitäre Krise der Welt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung – 33,7 Millionen Menschen – benötigt humanitäre Hilfe, um zu überleben. Seit Beginn des Krieges vor drei Jahren hat Aktion gegen den Hunger rund 2 Millionen Menschen unterstützt. Vor der von der deutschen Bundesregierung am 15. April ausgerichteten Sudan-Konferenz fordert die Organisation verbindliche finanzielle und politische Zusagen der internationalen Gemeinschaft.

„Wir begrüßen es, dass die Bundesregierung die Sudan-Konferenz ausrichtet. Das allein aber reicht nicht. Die Konferenz muss konkrete Ergebnisse liefern, um das Leid der Menschen zu beenden. Eine Abschlusserklärung mit messbaren Zusagen zum Schutz der Zivilbevölkerung, einem sicheren humanitären Zugang und einer ausreichenden Finanzierung muss im Rahmen der Konferenz vereinbart werden“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust. Der Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger wird an der Sudan-Konferenz teilnehmen. 

Zwei von weltweit drei Hungersnöten im Sudan 

Eine offizielle Hungersnot wird nur in den extremen Nahrungsmittelkrisen erklärt, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind: Mindestens 20 Prozent der Haushalte leiden unter extremer Nahrungsmittelknappheit, über 30 Prozent der Kinder sind akut mangelernährt und täglich sterben mindestens 2 von 10.000 Menschen. Zwei von weltweit drei Hungersnöten ereignen sich im Sudan: in Al Faschir und Kadugli. Andere Regionen sind bereits an der Grenze zur Hungersnot.  

„Mehr als 21 Millionen Menschen leiden im Land unter akutem Hunger. Das ist eine direkte Folge des Konflikts, der Märkte zerstört, Ernten beeinträchtigt sowie Handelswege und die humanitäre Hilfe blockiert“, sagt Samy Guessabi, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger, der für die Sudan-Konferenz in Berlin ist. Guessabi vertritt zudem als Co-Vorsitzender das Sudan-INGO-Forum, das die Aktivitäten der internationalen Hilfsorganisationen im Sudan koordiniert.   

Lokale sudanesische Akteure zentral  

„Dem Sudan mangelt es nicht an Resilienz. Was uns Sudanesinnen und Sudanesen fehlt, ist nachhaltiges internationales Handeln. Wir stehen gemeinsam mit den internationalen Helferinnen und Helfern an der Seite der Bevölkerung. Aber lokaler Einsatz allein kann in diesem Konflikt eine globale Verantwortung nicht ersetzen“, sagt Mohialdeen Ismail von der sudanesischen Hilfsorganisation AWAFY, mit der Aktion gegen den Hunger eng zusammenarbeitet.  

Lokale sudanesische Organisationen spielen bei der Versorgung der Menschen mit humanitärer Hilfe eine zentrale Rolle: Sie sind tief verwurzelt in den Gemeinden und erreichen Regionen, in denen internationale Organisationen oftmals keinen Zugang haben. „Was die Menschen im Sudan brauchen, ist einfach: Sicherheit. Essen. Wasser. Gesundheitsversorgung. Würde. Und das Gefühl, dass die Welt sie nicht vergessen hat“, so Mohialdeen Ismail.  

Neuer Bericht über die dramatische Ernährungssituation 

Der Bericht „What it takes to eat“, der heute von Aktion gegen den Hunger gemeinsam mit anderen NGOs veröffentlicht wurde, macht deutlich, wie der Krieg den Zugang zu Lebensmitteln abschneidet und ganze Gemeinden in eine Hungersnot treibt. Familien überleben nur, weil Menschen trotz großer Gefahr weiterhin Lebensmittel anbauen, transportieren und verteilen. 

Der Bericht zeigt, wie Menschen auf dramatische Weise Lebensmittel rationieren oder ganz auslassen müssen. „Wir fragen nicht mehr, was wir essen werden. Wir fragen, wer essen wird“, erzählt eine Frau, die für den Bericht befragt wurde. Trotz dieser extremen Bedingungen erhalten sudanesische Gemeinschaften durch außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit und großen persönlichen Einsatz weiterhin ein fragiles Ernährungssystem aufrecht. 

Der Sudan erlebt die weltweit größte Vertreibungskrise  

Fast 14 Millionen Menschen sind geflohen – mehr als 9 Millionen innerhalb des Landes und 4 Millionen in Nachbarländer wie den Tschad und den Südsudan. Diese Zahlen sind doppelt so hoch wie bei anderen großen aktuellen Vertreibungskrisen, wie beispielsweise in Syrien (7 Millionen Vertriebene), der Demokratischen Republik Kongo (6 Millionen) und im Jemen (5 Millionen). „Es geht dabei aber nicht nur um die Zahlen. Familien sind gezwungen, immer wieder zu fliehen. Das unterbricht die medizinische Versorgung und den Zugang zu Nahrungsmitteln, schränkt die Gesundheitsversorgung ein und erhöht das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt“, erklärt Guessabi. 

Aktion gegen den Hunger im Sudan  

Seit Beginn des Konflikts am 15. April 2023 haben die Teams von Aktion gegen den Hunger fast zwei Millionen Menschen in Darfur, Kordofan, am Blauen Nil, am Weißen Nil und am Roten Meer unterstützt. Wir führen weiterhin unsere Programme in den Bereichen Gesundheit, Behandlung von Unterernährung, Bargeldhilfe, Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitäre Versorgung und Sensibilisierung für sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt durch.  

Hinweis an die Redaktionen 

  • Folgende Sprecher*innen sind für Interviews und Hintergrundgespräche verfügbar:
    • Samy Guessabi, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger im Sudan und Co-Vorsitzender des Sudan-INGO-Forums (ENG, SPA, FRA) 
    • Mohialdeen Ismail, Geschäftsführer der sudanesischen Hilfsorganisation AWAFY (ENG) 
    • Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger (DE, ENG) 
  • Jan Sebastian Friedrich-Rust und Samy Guessabi werden am 15. April an der Sudan-Konferenz teilnehmen und stehen gerne für Statements nach den Ergebnissen zur Verfügung 
  • Den Bericht „What it takes to eat“ sowie Fotos und weitere Pressematerialien finden Sie hier als Download
  • Eine Aufzeichnung der heutigen Pressekonferenz ist auf Anfrage bei presse@aktiongegendenhunger.de verfügbar.  

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

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PA: OECD-Bericht über Entwicklungshilfeleistungen 2025: Österreichs Rückzug aus internationalem Engagement stoppen

Österreichische Quote auf 0,33% des Bruttonationaleinkommens gesunken. NGO-Dachverband warnt: „Bei Entwicklungshilfeleistungen zu sparen, wird zurückschlagen wie ein Bumerang“

„Derzeit erleben wir eine regelrechte Krisenspirale, wegen der rund 250 Millionen Menschen Humanitäre Hilfe benötigen und bis zu 720 Millionen an Hunger leiden. Dennoch ziehen sich immer mehr wohlhabende Länder aus der internationalen Entwicklung, Humanitären Hilfe, entwicklungspolitischen Inlandsarbeit und Friedensförderung zurück. Der OECD-Ausschuss für Entwicklungshilfe (DAC) warnt heute, dass 26 seiner 34 Mitgliedsstaaten ihre öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen (Official Development Assistance, ODA) im Jahr 2025 kürzten und die ODA das stärkste Minus ihrer Geschichte verzeichnet. Die sogenannte ODA-Quote aller DAC-Mitglieder sank voraussichtlich auf durchschnittlich 0,26% des Bruttonationaleinkommens (BNE), die der europäischen Mitglieder auf 0,40%. Dieser Rückschritt auf das ODA-Niveau von 2015 raubt Menschen, deren Alltag von Ungleichheiten und Not geprägt ist, die Zukunftschancen„, bedauert Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung.

Auch öst. Regierung ist Rückzug aus internationalem Engagement angetreten

Die endgültigen Entwicklungshilfeleistungen seiner Mitgliedsstaaten präsentiert der DAC im Dezember. Die DAC-Mitglieder bekennen sich zum international vereinbarten Ziel, jährlich 0,7% des BNE bereitzustellen. Dennoch hat Österreich dieses Ziel noch nie erreicht. Wank fährt fort: „Mit dem Doppelbudget für 2025 und 2026 ist auch die österreichische Bundesregierung den Rückzug aus dem internationalen Engagement angetreten. Im Jahr 2025 schwand Österreichs ODA-Quote zum dritten Mal infolge auf klägliche 0,33% des BNE.“

Regierung schwächt außenpolitische Instrumente – Warnung vor Bumerang-Effekt

Ausgerechnet in den Budgets der Austrian Development Agency und des Auslandskatastrophenfonds (AKF) habe die Regierung überproportional gespart, kritisiert Wank. „Diese bilateralen Instrumente sind die Grundlage für eine wirkkräftige Außenpolitik, die Vertrauen und Partnerschaften aufbaut. Das gelingt besonders in Kooperation mit erfahrenen und gut vernetzten österreichischen NGOs und ihren lokalen Partner*innen. Sind diese Instrumente schwach, verliert Österreich an internationaler Handlungsfähigkeit und signalisiert, keine Verantwortung übernehmen zu wollen“. In Anbetracht der angestrebten UN-Sicherheitsrat-Kandidatur, insbesondere aber der zugespitzten Weltlage, nennt Wank die Kürzungen einen strategischen Fehler. „Bei den Entwicklungshilfeleistungen zu sparen, wird auf Österreich zurückschlagen wie ein Bumerang. Die Teuerung und steigende Gesundheitsrisiken könnten hierzulande bald nicht mehr die drängendsten Auswirkungen weltweiter Konflikte, Ungleichheiten und der Erderhitzung sein.“

Appell: Budget zumindest auf 2024er-Niveau heben

Abschließend appelliert Wank: „Österreich braucht jetzt starke außenpolitische Instrumente, um eine friedlichere, gerechtere und stabilere Welt mitgestalten zu können. Daher appellieren wir an die Regierung, den Bumerang zu stoppen, stattdessen eine echte Trendwende einzuläuten und im kommenden Doppelbudget die Gelder für die Austrian Development Agency, für den AKF wie auch für internationale Klimaprojekte zumindest auf das Niveau von 2024 zu heben.“

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Die AG Globale Verantwortung ist der Dachverband von 39 österreichischen NGOs für internationale Entwicklung, Humanitäre Hilfe und entwicklungspolitische Inlandsarbeit. Unsere Mitgliedsorganisationen führen jährlich 1.000 Projekte in über 120 Ländern der Welt durch und tragen zu einem menschenwürdigen Leben für alle auf einem gesunden Planeten bei.

Rückfragen & Kontakt

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Aviso: Pressetermin 14.04.2026: Hilfe kürzen? Kommt zurück wie ein Bumerang

Pressetermin mit Foto-Option am 14. April am Wr. Heldenplatz: NGOs appellieren an Regierung, das nächste Budget für Entwicklung und Humanitäre Hilfe zumindest auf dem Niveau von 2024 abzusichern

Inmitten einer weltweiten Krisenspirale verliert Österreich an Handlungsfähigkeit, denn ausgerechnet beim internationalen Engagement hatte die Bundesregierung im Doppelbudget für 2025 und 2026 den Sparstift angesetzt. Bis Ende 2026 wird das Budget für internationale Entwicklung, Humanitäre Hilfe, entwicklungspolitische Inlandsarbeit und Friedensförderung um rund ein Drittel gesunken sein.

Bei einem Pressetermin mit Foto-Option am Wiener Heldenplatz werden der entwicklungspolitische und humanitäre Dachverband AG Globale Verantwortung und Mitgliedsorganisationen – darunter CARE Österreich, Caritas Österreich, Diakonie Österreich, Österreichisches Rotes Kreuz – davor warnen, dass ein kaputtgespartes internationales Engagement

  • viele Regionen weiter destabilisiert,
  • die Krisenspirale zusätzlich befeuert und
  • Millionen Menschen die Zukunftschancen raubt.

Kurzsichtige Sparmaßnahmen werden auf Österreich zurückschlagen wie ein Bumerang.

Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung, wird vor Pressevertreter*innen sprechen und an die Bundesregierung appellieren, den Bumerang zu stoppen. Im Zuge des Budgets für 2027 und 2028 kann die Regierung noch eine echte Trendwende einläuten, um eine friedlichere, gerechtere und stabilere Welt mitzugestalten. Dafür ist es notwendig, die Kürzungen zurückzunehmen und das Budget für Entwicklung und Humanitäre Hilfe zumindest auf dem Niveau von 2024 abzusichern.

Details Pressetermin

  • 14. April 2026, 09:30 Uhr
  • Treffpunkt vor dem Erzherzog-Karl-Denkmal am Heldenplatz, 1010 Wien

Lukas Wank und Geschäftsführer*innen von Mitgliedsorganisationen stehen anschließend für Interviews zur Verfügung.

Rückfragen:
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Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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