Archiv der Kategorie: SDGs

PA: Eskalation im Iran und Libanon

AG Globale Verantwortung appelliert an Regierung, Humanitäre Hilfe deutlich aufzustocken. Internationales Hilfssystem hält mit Krisen nicht Schritt: NGO-Dachverband fordert Aufstockung des Auslandskatastrophenfonds für Menschen in Not und umfassende Erhöhungen im nächsten Budget.

„Die Geschwindigkeit, das Ausmaß und die Gleichzeitigkeit der Eskalation im Iran und im Libanon sind in der jüngeren Vergangenheit der Region beispiellos. Ihre Bewohner*innen leben seit vielen Jahren in Unsicherheit und Gewalt. Die Frage nach dem Warum scheint zunehmend in den Hintergrund zu treten“, warnt Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung. In der Region droht ein Flächenbrand, die humanitäre Lage verschärft sich dramatisch. Millionen Menschen erleben Gewalt, ihre Versorgung ist durch die zerstörte Infrastruktur erschwert. Zuletzt berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk von über 3,2 Millionen Vertriebenen im Iran und von knapp einer Million Vertriebenen im Libanon. Unter ihnen sind auch zahlreiche Geflüchtete aus Afghanistan, Syrien und aus den palästinensischen Gebieten, die nun erneut um ihr Überleben und das ihrer Familien kämpfen müssen.

Wank verweist auf das seit Jahren strukturell unterfinanzierte internationale Hilfssystem, das mit den weltweiten Krisenherden immer weniger Schritt halten könne und an seine Grenzen stoße. „Es häufen sich die Fälle, in denen humanitäre Hilfsorganisationen nicht mehr imstande sind, Menschen rechtzeitig zu erreichen, zu versorgen und zu schützen. In dieser zugespitzten Weltlage braucht es Staaten, die sich zu internationalen Regeln bekennen und für die der Schutz von Zivilist*innen unverhandelbar ist.“

Österreichs internationale Stärken gefragt, aber Kapazitäten, um auf zugespitzte Weltlage zu reagieren, reichen nicht mehr aus

Der Geschäftsführer des humanitären und entwicklungspolitischen Dachverbands in Österreich schildert, dass ein Land wie Österreich hierbei eine wichtige Rolle einnehmen könne: „Unsere Stärke liegt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit, Vertrauen und Dialogbereitschaft. Dazu gehört auch, in Krisenzeiten verlässlich an der Seite von benachteiligten und gefährdeten Menschen zu stehen. Mit dem Auslandskatastrophenfonds und den erfahrenen österreichischen Hilfsorganisationen kann unser Land diese Menschen wirksam unterstützen. Jedoch: Die derzeit vorgesehenen Mittel reichen bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen humanitären Bedarfen gerecht zu werden. Wir appellieren daher an Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Finanzminister Markus Marterbauer, den Auslandskatastrophenfonds rasch deutlich zu erhöhen.“

Abschließend betont Wank: „Das derzeitige Weltgeschehen ist ein schriller Weckruf! Wenn die Bundesregierung an einer friedlicheren, gerechten und stabileren Welt mitwirken und auch die Sicherheit und das Wohlergehen der österreichischen Bevölkerung gewährleisten will, dann muss sie die Humanitäre Hilfe und die langfristig wirkende internationale Entwicklung in ihrem nächsten Budget substanziell stärken.“

Rückfragen:
Hannah Hauptmann
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
hannah.hauptmann@globaleverantwortung.at
presse@globaleverantwortung.at
Tel.: +43 1/522 44 22 – 15

PA: Schwere Dürre in Kenia: 3,3 Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger

Die akute Ernährungsunsicherheit im Norden Kenias ist um mehr als 50 Prozent gestiegen / Geflüchtete sind besonders betroffen, während die Nahrungsmittelhilfe stark gekürzt wurde.

In Kenia sind laut einer aktuellen IPC-Analyse (Integrated Food Security Phase Classification) 3,3 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – das ist ein Anstieg um 52 Prozent innerhalb eines Jahres. Rund 400.000 Menschen sind in einer Notlage: Sie benötigen dringend lebensrettende Hilfe. Aufgrund einer schweren Dürre im Norden des Landes gab es zuletzt kaum Niederschlag. Familien, deren Einkommen und Überleben von ihren Herden abhängen, müssen zusehen, wie ihr Vieh verendet und Wasserlöcher austrocknen. Die Bevölkerung in den Bezirken Mandera, Marsabit und Turkana ist akut vom Verhungern bedroht – jedes dritte Kind in der Region ist betroffen. Wird die Hilfe nicht schnell ausgeweitet, steigt das Sterberisiko durch Hunger und Krankheiten, warnt die Hilfsorganisation CARE.

Dadaab: Historisch niedriges Hilfsniveau

Die Situation in Dadaab, einem der größten Flüchtlingscamps der Welt mit über 400.000 Menschen, ist besorgniserregend. Eine CARE-Erhebung vom Dezember 2025 zeigt: 54 Prozent der Geflüchteten leiden unter schwerem Hunger, 86 Prozent müssen die Anzahl täglicher Mahlzeiten reduzieren. Die Dürre trifft Menschen, die durch Hilfskürzungen im letzten Jahr bereits massiv geschwächt sind. Die Nahrungsmittelhilfe wurde um 68 Prozent gekürzt, die tägliche Wasserzuteilung halbierte sich auf 10 Liter pro Person. Die humanitäre Hilfe liegt auf dem niedrigsten Niveau in Dadaabs 35-jähriger Geschichte.

Finanzierungslücken verschärfen die Hungerkrise

Die Hungerkrise in Kenia geschieht vor dem Hintergrund sinkender Finanzierung für humanitäre Hilfe. Hilfsorganisationen in der gesamten Region waren gezwungen, Nahrungsmittelhilfe, Ernährungsprogramme und medizinische Notversorgung zu kürzen – und damit genau jenen Schutzschirm abzubauen, der eine Eskalation von Hungerkrisen verhindern soll. Aktuell sind mehr als 1,7 Millionen in Kenia auf humanitäre Hilfe angewiesen, bis Mitte 2026 wird diese Zahl voraussichtlich auf über 2,1 Millionen steigen.

CARE warnt, dass jede Verzögerung von Hilfsmaßnahmen und die Kürzungen sowohl menschliches Leid als auch die Kosten der Hilfe erhöhen. „Darauf zu warten, dass die Hungersituation katastrophale Ausmaße annimmt, bevor gehandelt wird, ist unvorstellbar“, sagt Getrude Misango, CARE-Länderdirektorin in Kenia.

So hilft CARE in Kenia: CARE ist seit Jahrzehnten in der Region aktiv und hat gemeinsam mit lokalen Behörden und Partnern bereits mit der Nothilfe begonnen – noch bevor die Dürre ihren Höhepunkt erreicht. CARE setzt Bohrlöcher, Leitungen und solarbetriebene Wassersysteme instand. Kinder unter fünf Jahren sowie schwangere und stillende Frauen werden auf Mangelernährung untersucht und gezielt versorgt. Frauen und Mädchen werden durch sichere Räume und Schutzmaßnahmen vor Ausbeutung und Gewalt geschützt.

Rückfragen
Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at

PA: ‌30 Jahre FAIRTRADE-Kakao: Wie fairer Handel Einkommen stärkt und Märkte stabilisiert

62.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao wurden in Österreich seit dem Start vor 30 Jahren konsumiert, der Marktanteil liegt mittlerweile bei über 14 Prozent. Gerade in Zeiten stark schwankender Kakaopreise zeigt sich wie wichtig Stabilität für Kakaobäuer:innen ist.

1,2 Milliarden Tafeln FAIRTRADE-Schokolade wurden in Österreich in den vergangenen 30 Jahren konsumiert. Insgesamt entspricht das rund 62.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao. Heute werden knapp 12.000 Tonnen FAIRTRADE-Kakao pro Jahr verarbeitet. Damit isst jede:r Österreicher:in durchschnittlich bereits rund 25 Tafeln FAIRTRADE-Schokolade jährlich.

Auch im Handel gewinnt FAIRTRADE-Schokolade weiter an Bedeutung: Der Marktanteil von FAIRTRADE-zertifizierten Tafelschokoladen liegt mittlerweile bei über 14 Prozent (Quelle: Nielsen IQ). Vor wenigen Jahren lag er noch bei rund zehn Prozent. Damit hat sich FAIRTRADE-Kakao von einer Nischeninitiative zu einem festen Bestandteil des österreichischen Schokolademarkts entwickelt.

Wirkung im Ursprung: Einkommen steigen messbar
Dass faire Handelsbedingungen in der Kakaoindustrie konkrete Verbesserungen im Ursprung bewirken können, zeigt eine aktuelle Einkommensstudie aus Côte d’Ivoire. Demnach erzielen 74 Prozent der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen mittlerweile ein Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle. Gleichzeitig ist der Anteil der Haushalte in extremer Armut deutlich gesunken – von 36 Prozent im Jahr 2020 auf 17 Prozent. FAIRTRADE trägt dazu mit stabilen Mindestpreisen, einer zusätzlichen FAIRTRADE-Prämie für Gemeinschaftsprojekte sowie Schulungen und Programmen zur Einkommenssteigerung bei.

Preisschwankungen am Kakaomarkt
Der Kakaomarkt ist derzeit von starken Preisschwankungen geprägt. Nach historischen Höchstständen sind die Weltmarktpreise zuletzt wieder deutlich gefallen. Für viele Kakao-Kooperativen und ihre Mitgliederfamilien bedeutet das mittelfristig wieder sinkende Einnahmen, während gleichzeitig Klimawandel, Schädlinge und steigende Produktionskosten die Landwirtschaft erschweren.

„Es ist heute wichtiger als je zuvor, beim Einkauf bewusst zu FAIRTRADE-Schokolade zu greifen. Gerade in Zeiten sinkender Rohstoffpreise brauchen Kakao-Bauernfamilien verlässliche Einkommen, um ihre Farmen zu sichern, zu investieren und sich gegen immer häufiger werdende Wetterextreme zu wappnen – und damit langfristig auch unsere Versorgung mit Kakao zu sichern.“ sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich.

Genau hier setzt FAIRTRADE an: Der vertraglich fixierte Mindestpreis und die zusätzliche FAIRTRADE-Prämie schaffen ein Sicherheitsnetz nach unten, das Produzentenorganisationen auch in Zeiten fallender Weltmarktpreise Stabilität bietet. 

Rückfragehinweis: presse@fairtrade.at

Hintergrund:

FAIRTRADE ist weltweit das führende Zertifizierungssystem, bei dem die Produzentinnen und Produzenten von einem Mindestpreis und einer Prämie, deren Höhe genau festgelegt ist, profitieren.

Der FAIRTRADE-Mindestpreis ist als Sicherheitsnetz zu verstehen und soll die durchschnittlichen Produktionskosten für eine nachhaltige Produktion decken. Liegt der jeweilige (Welt)Marktpreis darüber, muss der höhere Marktpreis bezahlt werden. Die Produzentenorganisationen vereinbaren auch jederzeit einen höheren Preis mit den Abnehmern.

Zusätzlich zum Verkaufspreis erhalten Produzentenorganisationen die FAIRTRADE-Prämie. Die Bauernfamilien bzw. Beschäftigten auf Plantagen entscheiden in einem demokratischen Prozess, in welche sozialen, ökologischen oder ökonomischen Projekte investiert wird.

PA: Afghanistan: Rückkehr von Geflüchteten aus dem Iran verschärfen humanitäre Lage für Kinder

Dies ist eine Zusammenfassung dessen, was der UNICEF-Vertreter in Afghanistan, Dr. Tajudeen Oyewale, bei der heutigen Pressekonferenz im Palais des Nations in Genf gesagt hat.

Islam Qala/Genf/Wien – „Die Auswirkungen der eskalierenden Konflikte im Nahen Osten schaffen unmittelbare Risiken für Kinder über Grenzen hinweg. Derzeit kommen in Afghanistan Familien über den Grenzübergang Islam Qala und andere Übergänge aus dem Iran an. Viele von ihnen sind nach einer unerwarteten Reise erschöpft und verunsichert und wissen nicht, was sie erwartet, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren. Für UNICEF steht eine zentrale Frage im Mittelpunkt: was dies für Kinder bedeutet.

Wir sehen bereits jetzt zu viele Mütter, die mit ihren Kindern in den Aufnahmezentren ankommen – erschöpft, überfordert und dringend auf sofortige Unterstützung angewiesen. Wenn die Ankünfte wie erwartet zunehmen, werden auch die Risiken für Kinder steigen.

Das Muster ist nicht neu, und die Ursache ist oft dieselbe: Gewalt und Angst. Allein im Jahr 2025 kehrten fast drei Millionen Afghaninnen und Afghanen aus Nachbarländern nach Afghanistan zurück, vor allem aus dem Iran und aus Pakistan, und rund 60 Prozent davon waren Familien mit Kindern.

Heute habe ich direkt mit Menschen gesprochen, die über die Grenze gekommen sind. Sie berichteten von nahezu unmöglichen Reisen, geprägt von Unsicherheit darüber, was vor ihnen liegt. Viele benötigen dringend medizinische Hilfe und wirken sichtlich orientierungslos, während sie nach grundlegenden Informationen darüber suchen, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll.

Ich kann das nicht genug betonen: Kinder benötigen besondere Aufmerksamkeit, insbesondere jene, die ohne Begleitung sind. Ihr Wohl muss oberste Priorität haben, und es muss angemessene Unterstützung bereitgestellt werden – einschließlich Maßnahmen zur Suche nach Angehörigen und zur Familienzusammenführung, wo dies erforderlich ist. Andernfalls sind sie ernsthaften Schutzrisiken ausgesetzt, darunter Entführung und Gewalt.

Auf dem Höhepunkt der Rückkehrbewegungen im vergangenen Jahr unterstützte UNICEF mehr als 8.000 unbegleitete und von ihren Familien getrennte Kinder aus dem Iran und aus Pakistan.

Gemeinsam mit UNHCR und humanitären Partnern arbeiten wir daran sicherzustellen, dass grundlegende Dienstleistungen für Kinder und Familien aufrechterhalten werden können und bei Bedarf rasch ausgeweitet werden. Dazu gehören Vorbereitungen für Ernährungsuntersuchungen, sicheres Wasser, Impfungen, medizinische Grundversorgung sowie Kinderschutzdienste an Grenzübergängen, in Aufnahmezentren und in den Rückkehrgebieten.

Doch die Herausforderung endet nicht an der Grenze. Familien, die über Islam Qala zurückkehren, ziehen weiter in Gemeinden, in denen grundlegende Dienstleistungen bereits stark belastet sind. Jede deutliche Zunahme der Rückkehrbewegungen würde zusätzlichen Druck auf Gesundheits-, Ernährungs-, Wasser- und Kinderschutzdienste ausüben, auf die Kinder und Familien angewiesen sind.

Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem Afghanistan bereits mit mehreren, sich überlagernden Krisen konfrontiert ist, 11 Millionen Kinder benötigen humanitäre Unterstützung. Für Familien, die mit sehr begrenzten Mitteln zurückkehren, können Vertreibung und Unsicherheit das Risiko von Mangelernährung und Krankheiten rasch erhöhen, insbesondere für kleine Kinder sowie für schwangere und stillende Frauen.

Gleichzeitig führt die geopolitische Lage zu erheblichen Störungen der Lieferketten. Das bedeutet, dass die Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen durch Verzögerungen beeinträchtigt wird, zum Beispiel erhalten mangelernährte Kinder lebensrettende therapeutische Nahrung nicht rechtzeitig.

Parallel dazu verschärft die Situation entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze den bereits bestehenden humanitären Druck. In den betroffenen Provinzen sind fast 164.000 Menschen innerhalb des Landes vertrieben, darunter 30.000 Überlebende der Erdbeben des vergangenen Jahres, die nun zum zweiten Mal vertrieben wurden. Störungen in den Grenzregionen belasten ohnehin fragile Systeme zusätzlich und erschweren das operative Umfeld zu einem Zeitpunkt steigender Bedürfnisse.

Frühzeitiges Handeln wird entscheidend sein, um sicherzustellen, dass Kinder und Familien – sollte die Zahl der Rückkehrenden steigen, rechtzeitig Unterstützung und grundlegende Dienstleistungen erhalten können.

Der Humanitäre Reaktionsplan für Afghanistan ist unterfinanziert (der HRP ist derzeit nur zu 10 % finanziert und der HAC zu 42 %). Für die unmittelbare Reaktion rufen wir alle Partner – den privaten Sektor, Geber und Freundinnen und Freunde der Kinder – dazu auf, uns beim dringenden Lufttransport kritischer Hilfsgüter für Ernährung, Gesundheit sowie Wasser-, Sanitär- und Hygienebedarf für Kinder und ihre Familien zu unterstützen.

Unsere Botschaft ist einfach: Kinder müssen in jeder Phase geschützt und unterstützt werden – besonders dann, wenn sie uns am dringendsten brauchen. Gemeinsam mit unseren Partnern steht UNICEF bereit, Kinder und Familien zu unterstützen und die Hilfe bei Bedarf auszuweiten. Vielen Dank.“

Weitere Informationen zur Lage der Kinder in den vom Konflikt betroffenen Länder finden Sie immer unter https://unicef.at

Rückfragen:
UNICEF Österreich
Michael Blauensteiner
Telefon: +43 660 38 48 821
E-Mail: blauensteiner@unicef.at
Website: https://unicef.at

PA: Gaza: Katastrophale Auswirkungen des Völkermords auf Frauen

In den letzten 29 Monaten haben die verheerenden, vielschichtigen Auswirkungen des anhaltenden Genozids Israels palästinensische Frauen und Mädchen im besetzten Gazastreifen an den Rand des Zusammenbruchs getrieben, erklärt Amnesty International heute.

  • Frauen und Mädchen am stärksten von dem Zusammenbruch des Gesundheitswesens und Massenvertreibung betroffen 
  • Medizinisches Personal berichtet von exponentiellem Anstieg von Erkrankungen bei Müttern und Neugeborenen 
  • Frauen mit Krebs und lebensbedrohlichen Krankheiten mit unterbrochener oder mangelnder Versorgung konfrontiert 
  • Wiederholte Schließung des Grenzübergangs Rafah führt zu weiterer Einschränkung der begrenzten Hilfslieferungen und medizinischen Evakuierungen 

Angesichts der von Israel bewusst auferlegten Lebensbedingungen, die auf die physische Vernichtung der Palästinenser*innen im Gazastreifen abzielen, sind palästinensische Frauen mit verschärften und lebensbedrohlichen Folgen konfrontiert. Diese äußern sich durch anhaltende Massenvertreibungen sowie den Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung für Schwangere, Mütter und Neugeborene. Die Folge sind Behandlungsunterbrechungen bei chronischen Krankheiten, eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten, unsichere und unwürdige Lebensbedingungen sowie schwere körperliche und psychische Schäden.  

Diese Schäden werden durch die anhaltenden Beschränkungen Israels für die Einfuhr von Gütern in den Gazastreifen verschärft, die für das Überleben der Zivilbevölkerung unverzichtbar sind. Zu den Gütern zählen Nahrungsmittel, Medikamente, medizinische Geräte und Hilfsmittel, Materialien für Unterkünfte und Ausrüstung für die Wasseraufbereitung, sowie Geräte für die Beseitigung von Trümmern, Blindgängern und Abfall. Israel hält an diesen Beschränkungen fest, während es bei medizinischen Evakuierungen zu lebensbedrohlichen Verzögerungen kommt und die Hilfe internationaler humanitärer Organisationen ausgesetzt ist. 

Frauen wurden gezwungen, ohne angemessene medizinische Versorgung zu gebären, Schwangerschaft und Wochenbett in überfüllten und unhygienischen Unterkünften zu ertragen und Hunger, Krankheiten und Traumata zu bewältigen. Und das ohne Privatsphäre, Schutz oder Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, während sie oft noch andere versorgen mussten. 

„Angesichts der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten nach den israelisch-amerikanischen Angriffen auf den Iran dürfen wir nicht vergessen, dass Israel weiterhin Völkermord an den Palästinenser*innen im Gazastreifen begeht und dass Frauen und Mädchen dafür einen brutalen Preis zahlen. Dazu zählen schwangere und stillende Frauen, Mütter von Babys und Kleinkindern, Frauen, die mit chronischen Krankheiten und Behinderungen leben oder sich von lebensverändernden Verletzungen erholen. Außerdem Witwen und die vielen Frauen, die ihre Angehörigen verloren haben, Frauen, die mehrfach vertrieben wurden, Frauen, die ihre Periode haben und Frauen, die ihren Arbeitsplatz und den Zugang zu Bildung verloren haben. Für alle jene ist das Leben zu einem täglichen Kampf ums Überleben inmitten einer unerbittlichen Kaskade von Katastrophen geworden“, sagt Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International. 

„Frauen in Gaza werden die Voraussetzungen verwehrt, die sie benötigen, um zu leben und sicher Leben zu schenken. Diese systematische Aushöhlung ihrer Rechte auf Gesundheit, Sicherheit, Würde und eine Zukunft ist kein bedauerliches Nebenprodukt des Krieges, sondern eine bewusste Kriegshandlung gegen Frauen und Mädchen. Sie ist auch die vorhersehbare Folge der kalkulierten Politik und Praxis Israels, die auf massive Vertreibungen, bewusste Beschränkungen der Versorgung mit grundlegenden und lebensnotwendigen Gütern sowie humanitärer Hilfe und zwei Jahren unerbittlicher Bombardierungen abzielt, die das Gesundheitssystem in Gaza zerstört und ganze Familien dezimiert haben.“  

In ihrem Bericht vom März 2025 kam die Unabhängige Untersuchungskommission für die besetzten palästinensischen Gebiete, einschließlich Ostjerusalem, und Israel zu dem Schluss, dass die israelischen Behörden das System der sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung in Gaza systematisch und vorsätzlich zerstört haben, was zwei nach der Völkermordkonvention verbotenen Handlungen gleichkommt: der vorsätzlichen Schaffung von Lebensbedingungen, die auf die physische Vernichtung der Palästinenser*innen abzielen, und der Verhängung von Maßnahmen, die Geburten verhindern sollen. 

Zwischen dem 5. und 24. Februar 2026 befragte Amnesty International 41 Frauen (alle Binnenvertriebene), darunter acht Krebspatientinnen, vier Schwangere und 14 Frauen, die nach dem sogenannten „Waffenstillstand“ entbunden hatten. Die Organisation befragte außerdem 26 Mitarbeiter*innen aus sechs Gesundheitseinrichtungen in Gaza-Stadt und Deir al-Balah sowie vier Mitarbeiter*innen internationaler Organisationen.  

Das Gesundheitsministerium in Gaza verzeichnete zwischen der Unterzeichnung des sogenannten 

„Waffenstillstands” im Oktober 2025 und Ende Februar die Tötung von 630 Palästinenser*innen, darunter 202 Kinder, 89 Frauen und 339 Männer, zusätzlich zu den über 72.000 Toten seit dem 7. Oktober 2023.  Fast 60 % der Gesamtfläche des Gazastreifens liegen östlich der sogenannten „gelben Linie”, die physisch von den israelischen Behörden und von Israel unterstützten lokalen Milizen kontrolliert wird. Angesichts dessen und der massiven Zerstörung oder schweren Beschädigung von Wohnhäusern in Gaza, leben die meisten Palästinenser*innen in Gaza weiterhin als Vertriebene.  

Am 28. Februar schloss Israel alle drei operativen Grenzübergänge in den Gazastreifen, nachdem es gemeinsam mit den Vereinigten Staaten einen Angriff auf den Iran gestartet hatte. Die Schließung stoppte den ohnehin schon begrenzten Fluss humanitärer Hilfe und kommerzieller Lieferungen sowie medizinischer Evakuierungen aus dem Gazastreifen. Am 3. März öffnete Israel den Grenzübergang Kerem Shalom/Karm Abu Salem wieder für die „schrittweise Einfuhr humanitärer Hilfe”. Der Grenzübergang Rafah zu Ägypten bleibt weiterhin geschlossen. Gleichzeitig dauern die israelischen Militäroperationen wie Beschuss, militärische Zerstörungen und Luftangriffe im gesamten Gazastreifen seit dem Waffenstillstandsabkommen an und verursachen weiteres menschliches Leid und Schäden an der zivilen Infrastruktur.

Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung für Mütter und Neugeborene 

Laut WHO und dem Health Cluster sind fast 60 % aller Gesundheitseinrichtungen nicht funktionsfähig, was einen immensen Druck auf die wenigen noch funktionierenden Einrichtungen und die noch geringere Anzahl von Einrichtungen ausübt, die geburtshilfliche Notfallversorgung anbieten. 

Selbst nach dem „Waffenstillstand“ und den verbesserten Hilfslieferungen sind laut dem jüngsten Bericht des Gesundheitsministeriums rund 46 % der lebenswichtigen Medikamente weiterhin nicht vorrätig, darunter Medikamente zur Einleitung/Behandlung von Wehen, geburtlichen und postpartalen Blutungen, Anästhesie und Schmerzbehandlung, Infektionen und Atemwegserkrankungen. Nach den jüngsten Prognosen der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) werden bis Mitte Oktober 2026 auch 37.000 schwangere und stillende Frauen von akuter Unterernährung betroffen sein und eine Behandlung benötigen.  

Von Amnesty International befragtes medizinisches Personal berichtete, dass Frauen, die ein Kind zur Welt brachten, selbst seit dem „Waffenstillstand“ während eines Großteils ihrer Schwangerschaft und nach der Geburt unter extremer Knappheit an Nahrungsmitteln, Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln litten. Die meisten Frauen, die zur Entbindung in Krankenhäuser kommen, leiden aufgrund von Unterernährung an Anämie und aufgrund von verschmutztem Wasser und unhygienischen Bedingungen an durch Wasser übertragenen Krankheiten und anderen Infektionserkrankungen. Oftmals fehlt die notwendige Ausrüstung für Untersuchungen, und manchmal müssen sie auf abgelaufene Anästhetika zurückgreifen. 

Laut den befragten medizinischen Mitarbeiter*innen hat der anhaltende Völkermord Israels in den letzten 29 Monaten zu einer exponentiellen Verschlechterung der Gesundheitsbedingungen von Müttern und Neugeborenen geführt. Zu diesen Erkrankungen gehören Frühgeburten, untergewichtige Babys, Gewichtsverlust und Unterernährung von schwangeren und stillenden Frauen, Angstzustände vor der Geburt und postpartale Depressionen, Atemwegserkrankungen während der Schwangerschaft aufgrund von Kälteeinwirkung und erhöhter Umweltverschmutzung, Atemwegserkrankungen bei Neugeborenen, unter anderem aufgrund von Frühgeburten und unzureichender Lungenentwicklung. 

In der Geburtenstation von Al-Helou sagte der Neonatologe Dr. Nasser Bulbol, dass die Zahl der Risikoschwangerschaften, die sie behandeln, deutlich gestiegen sei, da das Immunsystem der Mütter aufgrund von Unterernährung geschwächt ist: „Die Vertreibung hat zu Infektionskrankheiten geführt, und die meisten Frauen kommen unter Stress, Traumata und Unsicherheit hierher, nachdem sie mehrfach vertrieben wurden, Angehörige verloren haben und nicht in der Lage sind, sich ausreichend zu ernähren.“

Laut UNFPA sind die Neugeborenenstationen im gesamten Gazastreifen zu 150–170 % ausgelastet, wobei sich bis zu drei Neugeborene einen Inkubator teilen. Die Oberschwester der Neugeborenen-Intensivstation im Shuhada Al-Aqsa-Krankenhaus berichtete, dass medizinische Einwegartikel, darunter Wellschläuche für Beatmungsgeräte, wiederverwendet werden mussten. 

Die Behinderung und mögliche Aussetzung der Arbeit internationaler Hilfsorganisationen wird verheerende Auswirkungen auf die reproduktive und neonatale Gesundheitsversorgung haben. Ärzte ohne Grenzen, eine der betroffenen humanitären Organisationen, hat seit Beginn des Völkermords beispielsweise Zehntausenden von Frauen und Säuglingen wichtige ambulante Leistungen vor und nach der Geburt sowie Unterstützung für die Geburtshilfe und Neonatologie in Krankenhäusern bereitgestellt, viele unterernährte Frauen ernährungsmedizinisch versorgt und Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt behandelt und unterstützt. 

Gravierende Belastungen für Schwangere  

Alle von Amnesty International befragten schwangeren Frauen gaben an, dass sie nur sporadisch Schwangerschaftsvorsorge erhalten hätten. Viele waren nicht in der Lage, sich und ihre Neugeborenen vor dem außergewöhnlich strengen Winterwetter und den Regenstürmen der letzten Monate angemessen zu schützen. Die meisten Frauen gaben außerdem an, dass sie während der Schwangerschaft einer hohen Umweltverschmutzung ausgesetzt waren, insbesondere dem stark umweltbelastenden Rauch von verbranntem Plastik und anderen Materialien, da sie keine anderen Brennstoffe zum Kochen oder zum Erhitzen von Wasser zum Waschen hatten. In den späteren Stadien ihrer Schwangerschaft und nach der Geburt hatten sie Schwierigkeiten, mit den überfüllten, unhygienischen Nottoiletten in den Flüchtlingslagern, in denen sie untergebracht sind, zurechtzukommen.

Eine 24-jährige Krankenpflegerin, die im achten Monat schwanger ist, berichtete Amnesty International, dass sie trotz ihrer Anämie während ihrer Schwangerschaft weder die benötigte Eiseninfusion noch eisenreiche Nahrung oder andere Vitamine erhalten habe. Sie erzählte, dass ihr kleiner Sohn Mitte 2024 an einer Infektion gestorben sei, weil er keine angemessene medizinische Behandlung erhalten habe, und dass ihr Mann bei einem Angriff in der Nähe ihres Hauses getötet worden sei, kurz bevor sie von ihrer aktuellen Schwangerschaft erfahren habe. Sie beschrieb das Elend, während der Schwangerschaft in einem Zelt zu leben, ständig unter der Kälte zu leiden und Schwierigkeiten beim Zugang zu Toiletten zu haben. Sie macht sich Sorgen, wie sie ihr Baby in ihrem mit Sand und Insekten übersäten Zelt vor Viren schützen und sich nach der Geburt Windeln, Babykleidung und Damenbinden leisten kann. 

Unterbrochene Krebsbehandlungen und medizinische Evakuierungen 

Die israelischen Behörden kontrollieren und behindern weiterhin medizinische Evakuierungen, obwohl mehr als 18.500 Palästinenser*innen in Gaza dringend eine Behandlung benötigen, die dort nicht verfügbar ist. Das ist vor allem auf die Zerstörung des Gesundheitssystems durch Israel zurückzuführen. Medizinische Evakuierungen in das Westjordanland einschließlich Ostjerusalem sind seit dem 7. Oktober 2023 fast vollständig verboten. 

Alle acht von Amnesty International befragten Krebspatientinnen gaben an, dass ihre Behandlung durch den Mangel an medizinischen Hilfsgütern, darunter Chemotherapeutika, beeinträchtigt worden sei.

Ein Mitarbeiter einer humanitären Hilfsorganisation berichtete Amnesty International Ende Februar 2026, dass sie bereits mehr als 1.000 Patient*innen mit nicht übertragbaren Krankheiten wie Krebs abweisen mussten, da sie seit Jahresbeginn keine medizinischen Hilfsgüter mehr nach Gaza einführen durften. 

Forderungen von Amnesty International 

Die israelischen Behörden müssen ihre unrechtmäßigen und willkürlichen Beschränkungen für humanitäre Hilfe aufheben und eine effektive Evakuierungsroute sicherstellen. Sie müssen außerdem die sofortige Einfuhr von diagnostischen Bildgebungs- und Laborgeräten ermöglichen, insbesondere solchen, die für die Früherkennung von Krebs erforderlich sind. 

„Diese von Menschen verursachte Katastrophe, die wir alle auf unseren Bildschirmen mitverfolgt haben, hat unermessliches Leid verursacht. Unser Handeln und unsere Unterstützung sind längst überfällig! Wir müssen den palästinensischen Frauen und Mädchen in Gaza entschlossen zur Seite stehen und die Staaten erneut auffordern, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um Israels Völkermord und unrechtmäßige Besatzung zu beenden, unter anderem indem sie sicherstellen, dass Frauen und Mädchen ihre Grundrechte wahrnehmen können und allen Palästinenser*innen eine Zukunft in Würde garantiert wird”, sagt Agnès Callamard. 

Die Staaten müssen Maßnahmen ergreifen, um diplomatischen und wirtschaftlichen Druck auf Israel auszuüben, damit es seine anhaltenden Angriffe beendet, seine rechtswidrige Blockade vollständig aufhebt und humanitären Organisationen erlaubt, frei und sicher zu arbeiten. Sie müssen den Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung für Mütter und im Bereich der Reproduktionsmedizin sicherstellen und die Unterstützung und Finanzierung für Dienste, die die Rechte von Frauen schützen, sowie für von Frauen geführte Organisationen in Gaza erhöhen.  

Rückfragen
Presseteam Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
+43 676 37 13 334
presse@amnesty.at

PA KFBÖ: Veranstaltung zum Familienfasttag 2026: Partizipation als Schlüssel globaler Gerechtigkeit

Wie kann gesellschaftliche Teilhabe unter Bedingungen von Armut, Gewalt und struktureller Ausgrenzung gelingen? Dieser Frage widmete sich die Veranstaltung zum Familienfasttagim Parlament Österreich. Im Zentrum stand die Rolle feministischer Organisationen in Indien, die Frauen darin stärken, ihre Rechte wahrzunehmen, wirtschaftlich selbstbestimmt zu handeln und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Gastgeber der Veranstaltung war Markus Stotter, Präsident des Bundesrates, der in seinem Eröffnungsstatement die Bedeutung von politischer Teilhabe und internationaler Verantwortung als Grundlagen einer lebendigen Demokratie hervorhob. In ihren Grußworten betonten Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö), sowie Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, die gesellschafts- und gleichstellungspolitische Relevanz von Partizipation. Der Familienfasttag der kfbö zeige seit Jahrzehnten, dass globale Solidarität dann wirksam sei, wenn sie auf langfristige Partnerschaften und feministische Perspektiven setze.

Einen fachlichen Impuls lieferte Linda Kreuzer, die die strukturellen Zusammenhänge von sozialer Ungleichheit, Geschlechtergerechtigkeit und Entwicklungszusammenarbeit beleuchtete. Eine Videoeinspielung stellte anschließend die Arbeit der indischen Partnerorganisation SEEDS vor, die Frauen durch rechtliche Bildung, wirtschaftliche Stärkung und kollektive Organisation neue Handlungsspielräume eröffnet. Im anschließenden Expertinnentalk diskutierten Anna Raab, Verantwortliche für den Familienfasttag, gemeinsam mit Doris Schmidauer, Eva Wallensteiner und Sara Soltani über feministische Entwicklungszusammenarbeit, globale Verantwortung und die Bedeutung von Partizipation für nachhaltige gesellschaftliche Transformation. Moderiert wurde die Veranstaltung von Clivia Blümel. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Rina Killmeyer, die mit ihren musikalischen Interventionen Übergänge gestaltete und dem Abend eine dichte, ruhige Atmosphäre verlieh. Das Kurzinterview mit Bischof Wilhelm Krautwaschl machte deutlich, dass der Einsatz für globale Gerechtigkeit und die Stärkung von Frauen auch als kirchlicher Auftrag verstanden wird.

Im Anschluss an das Programm wurden die Gäste zu einem Suppenempfang eingeladen. Die beiden Suppen, eine Alt Wiener Erdäpfelsuppe sowie ein indisches Linsen-Kokos-Gericht, wurden von Schülerinnen der Fachhochschule MODUL University Vienna zubereitet und serviert. Die Veranstaltung zum Familienfasttag zeigte eindrücklich: Christlich-feministische Organisationen sind Motoren gesellschaftlicher Veränderung. Partizipation von Frauen ist kein Randthema, sondern ein zentraler Schlüssel für globale Gerechtigkeit, in Indien wie in Österreich.
 

Stimmen zur Veranstaltung, zum Modellprojekt SEEDS, zu Partizipation und Gerechtigkeit:

Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, Eva-Maria Holzleitner:
„Partizipation ist ein demokratisches Grundrecht, das weltweit zunehmend unter Druck gerät. Veranstaltungen wie der Familienfasttag zeigen eindrucksvoll, wie dieses Recht sichergestellt werden kann: durch internationale Solidarität, Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe und konkrete Projektarbeit. Mit ihrer konsequent feministischen Ausrichtung zeigt die katholische Frauenbewegung mutig und konsequent Diskriminierung von Frauen auf, bietet klare Lösungen an und schaut mit ihren Impulsen weit über den Suppenteller hinaus, immer im Sinne der gesamten Gesellschaft.“
 
Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreich, Angelika Ritter-Grepl:
Gerechtigkeit ist keine starre, fixe Größe, sondern Gerechtigkeit verändert sich und muss immer wieder neu ausgehandelt und angestrebt werden. Darum ist es wichtig, dass alle Betroffenen im Aushandlungsprozess beteiligt sind. Nach Gerechtigkeit zu streben ist eine Lebenspraxis, darum braucht es die Partizipation aller und zwar auf allen Ebenen. Auf der Ebene der Person im täglichen Leben und der gesellschaftlichen und rechtlichen Strukturen, wo die Aushandlungsprozesse stattfinden. Darum braucht es das Recht auf Partizipation, es braucht demokratische Prozesse, die allen Betroffenen das Mitwirken, die Teilhabe ermöglichen insbesondere im Bereich der Mitbestimmung.
 
Stv.-Vorsitzende und Leiterin der Aktion Familienfasttag, Anna Raab:
Wir arbeiten auf verschiedenen Ebenen: in unseren Gremien auf Ö-Ebene in Zusammenarbeit mit den dafür zuständigen Frauen der einzelnen Diözesen. Wenn ein Bildungsthema erarbeitet wird oder wenn Projekte in den Ländern des globalen Südens ausgewählt werden, ist eine gute Kommunikation wichtig – fragen, zuhören, miteinander reden diskutieren – so können wir zu einer guten Entscheidung kommen, die alle mittragen können. Jede von uns ist mitverantwortlich, dass wir ausgehandelte Verträge mit unseren Projektpartnerinnen auch einhalten. Wenn wir Bildungsveranstaltungen mit den Frauen aus den Regionen und Pfarren machen, ermutigen wir die Teilnehmerinnen, dass sie ihre Erfahrungen und Ansichten einbringen und so eine Grundlage bekommen, die Aktion gut durchführen zu können, zB bei Frauentreffen, bei der Gestaltung von Gottesdiensten oder auch beim Suppe ausschenken.
 
Stv. Vorsitzende, Lydia Lieskonig:
Die Teilnahme aber auch Teilhabe der Verantwortung an der Ausführung der geschäftlichen Abwicklungen innerhalb des kfb Ö Vorstandes. Mein sehr persönlicher Part ist für eine zuversichtliche, erfüllende und ausgleichende Atmosphäre zu sorgen. Zugleich ist es mir wichtig, eine ausgewogene Verbindung von Klarheit und Pragmatismus sicherzustellen. Der verbindende Kontakt zu den ehrenamtlichen Diözesanleiterinnen ist ebenfalls ein wichtiger Part. Wir sind als Frauen gemeinsam durch ein Ziel verbunden. Das ist Partizipation in reinster Form.
 
Sonja Schromm, Generalsekretärin:
Wir haben Ressourcen, Kontakte und Öffentlichkeit; das ist eine große Verantwortung. Für mich heißt das: gut zuhören, Entscheidungen nicht allein treffen und Partnerschaften Ernst nehmen. Denn: Solidarität funktioniert nur auf Augenhöhe. Eine christlich-feministische Perspektive verändert den Blick, wie wir Entwicklungszusammenarbeit sehen. Wir sehen Frauen nicht als Empfängerinnen, sondern als diejenigen, die selbst Veränderung gestalten. Wenn Frauen mitentscheiden können, verändert sich mehr als ein Projekt; es verändert sich eine Gesellschaft.
 
Stellvertretende Generalsekretärin, Irene Rojnik:
Partizipation bedeutet Teilhabe – aktive Teilhabe am eigenen Leben, in der Familie, aber auch in der Gesellschaft. Wir fördern rund 70 Projekte in Lateinamerika, Afrika und Asien. In diesen Projekten unterstützen wir Organisationen, die Frauen ermächtigen aktiv ihr Leben zu gestalten. In unserem Projekt „Seeds“ in Ostindien lernen indigene Frauen in Workshop Ihr Rechte kennen und sie fordern gemeinsam ihre aktive Teilhabe in den lokalen Gemeinderäten. Besonders ist auch, dass Männer in diese Prozesse miteinbezogen werden. 
 
Eva Wallensteiner, Expertin für Projektarbeit und feministische Entwicklungszusammenarbeit:
Seit nunmehr 20 Jahren unterstützt die Katholische Frauenbewegung (kfb) die Organisation Social Education and Environment Development Society (SEEDS) in ihrer kontinuierlichen Aufbauarbeit in Jharkhand, Indien. Im Mittelpunkt dieses langjährigen Engagements steht jedoch nicht eine klassische Projektarbeit „von außen“, sondern ein konsequent partizipativer Ansatz: Ausgebildete und ermächtigte Dorffrauen erkennen und analysieren die Probleme in ihren Gemeinden und erarbeiten gemeinsam mit den Dorfbewohner*innen nachhaltige Lösungen.
 
Bischof Krautwaschl, Bischof der Diözese Graz-Seckau, zuständig für das Laienapostolat:
Kirche lebt von der Gemeinschaft. Wenn wir an die Urkirche der Apostelgeschichte denken, dann waren schon in diesen Gemeinschaften alle beteiligt entsprechend ihren „Charismen“, also ihren Begabungen und Fähigkeiten. Alle Gemeinschaften und unsere gesamte Gesellschaft funktionieren nur, wenn wir alle dazu beitragen, uns also beteiligen. Beteiligung geht freilich weit über das Wesen der Kirche hinaus.
 
Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings:
Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im politischen und wirtschaftlichen Bereich ist deshalb notwendig, um für die eigenen Interessen eintreten zu können. Sozial- aber auch frauenpolitische Forderungen, die sowohl Frauen als auch Männern zugutekommen, wurden immer von Frauen formuliert, am Beispiel des sogenannten Papamonates oder der Väterkarenz. Ein gutes Beispiel ist auch der Kampf um das Frauenwahlrecht, dass Frauen mitbestimmen konnten. Frauen sind aber auch in sehr hohem Ausmaß für die Friedensarbeit wichtig. Wenn wir uns gerade anschauen, wer in der Welt Kriege führt, dann sind das sicher keine Frauen, aber sie sind die Leidtragenden der Auswirkungen von Gewalt, die von Männern ausgeht. Demokratie stärken braucht den gleichberechtigten Zugang von Frauen, Frauen stärken heißt aber auch Frieden stärken. Das Prinzip halbe-halbe muss also im gesamten politischen, zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben dringend gesetzlich verankert werden.
 
Christiane Feigl, Herausgeberin der „Welt der Frauen“:
Medien entscheiden maßgeblich, wer gesehen und gehört wird. Sie prägen Bilder, schaffen Vorbilder und beeinflussen gesellschaftliche Entwicklungen. Wenn Frauen vielfältig, kompetent und selbstbestimmt dargestellt werden, erweitert das Perspektiven und bringt gesellschaftlich Festgefahrenes in Bewegung. „Welt der Frauen“ setzt hier bewusst an und engagiert sich konsequent für Gleichstellung sowie für ein gutes und erfülltes Leben von Frauen.

Weitere Informationen auf kfbö und Teilen spendet Zukunft; sowie Videos zum Modellprojekt SEEDS und Fotos zur Veranstaltung.


Rückfragehinweis:

Mag.a Sonja Schromm
Generalsekretärin
Katholische Frauenbewegung Österreichs
Spiegelgasse 3/2/7, 1010 Wien
Tel.Nr.: +43 1 51611-1631
E-Mail: sonja.schromm@kfb.at
www.kfb.atwww.teilen.at

PA: Rat der EU beschließt Omnibus-I-Paket auf Kosten von Menschenrechten und Lebensgrundlagen

Die AG Globale Verantwortung appelliert an Außenministerin Meinl-Reisinger, Stimme einer EU-Politik zu sein, für die Wettbewerbsfähigkeit und der Schutz von Menschenrechten, Klima und Umwelt keine Gegensätze sind, sondern Voraussetzung.

Minister*innen aus den EU-Mitgliedsstaaten haben heute im Rat der Europäischen Union das Omnibus-I-Paket adoptiert. Damit scheint die Abkehr vom zukunftsweisenden Pfad, den die EU mit einer ambitionierten Lieferkettenrichtlinie und anderen zentralen Bestandteilen des European Green Deal hätte beschreiten können, vorerst besiegelt. Anstatt die Sorgfaltspflicht europäischer Unternehmen im weltweiten Schutz von Menschenrechten, Klima und Umwelt höherzuschrauben, folgten die EU-Organe den Argumentationsweisen von Wirtschaftsvertreter*innen – auch aus der US-amerikanischen Erdölindustrie –, die den Green Deal zur Bürde umgemünzt hatten.

Omnibus-I-Paket verzögert unvermeidlichen Umstieg auf nachhaltige Strategien
Die Lieferkettenrichtlinie wird nur für Konzerne mit mehr als 5.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mindestens 1,5 Milliarden Euro gelten, darunter rund 30 österreichische Unternehmen. Ihre Aushöhlung ist auch ein Rückschlag für jene Wirtschaftstreibende, die sich längst für gerechte Wettbewerbsbedingungen aussprechen und sich an einem sozialen, ökologischen und ökonomischen Kurswechsel beteiligen. Diejenigen, die die ausgehöhlten Sorgfaltspflichten begrüßen, verzögern den unvermeidlichen Umstieg auf nachhaltige Strategien, den sie letztlich dennoch vollziehen müssen. Denn Gesellschaften, in denen die Menschen selbst den hohen Preis für die weltweite Ausbeutung, für soziale Ungleichheiten, Dürren und Überschwemmungen – wozu Teuerungen, Hunger, Konflikte und ein steigendes Unsicherheitsgefühl zählen – tragen, haben keine Zukunft.

Appell an Außenministerin, sich für ambitionierte Implementierung der Lieferkettenrichtlinie in nationales Gesetz einzusetzen
Wir appellieren an die österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, die sich beim heutigen Beschluss enthielt, sich nun für eine ambitionierte Implementierung der Lieferkettenrichtlinie in nationales Gesetz einzusetzen. Die Ministerin kann eine Stimme für eine effektive und widerspruchsfreie EU-Politik sein, die sich globalen Herausforderungen stellt und erkennt, dass Wettbewerbsfähigkeit und der Schutz von Menschenrechten, Klima und Umwelt keine Gegensätze sind, sondern Voraussetzung für die menschliche wie auch wirtschaftliche Sicherheit. Die Stimme einer EU, deren Stärke und Glaubwürdigkeit auf wertebasiertem Agieren und partnerschaftlicher Zusammenarbeit beruhen.

Lukas Wank
Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung

Mehr erfahren

PA zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit: Start der CONCORDIA Petition gegen Kinderarmut in Europa

Anläßlich des Welttages der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar 2026 startet Petition an die EU-Kommission und fordert verbindliche Investitionen zur Prävention von Kinderarmut.

Anlässlich des Welttags der sozialen Gerechtigkeit startet die Kinderhilfsorganisation CONCORDIA Sozialprojekte heute eine Petition mit dem Titel „Stoppt generationenübergreifende Kinderarmut – jetzt, europaweit“. Die Petition richtet sich an die Europäische Kommission und fordert verbindliche, zweckgebundene Investitionen in die Prävention von Kinderarmut im nächsten EU-Finanzrahmen.

Der Hintergrund ist alarmierend: Fast jedes vierte Kind in Europa wächst in Armut oder sozialer Ausgrenzung auf. Wer in Armut geboren wird, hat ein deutlich höheres Risiko, sein Leben lang in Armut zu bleiben. Mangelnde Bildungschancen, unzureichende Gesundheitsversorgung und soziale Ausgrenzung setzen einen Kreislauf in Gang, der sich über Generationen fortsetzt.

Kein Kind entscheidet sich für Armut. Sie wird ihnen aufgezwungen – durch mangelnde Chancen und unzureichende politische Priorisierung“, sagt Dr. Bernhard Drumel, Geschäftsführer von CONCORDIA Sozialprojekte. „Wenn wir soziale Gerechtigkeit ernst nehmen, müssen wir jetzt in Prävention investieren – strukturell, verbindlich und europaweit.“

EU-Parlament fordert 20 Milliarden Euro für Kinder – jetzt sind die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten am Zug

Das Europäische Parlament hat ein starkes Signal gesetzt, indem es einen Bericht über die künftige EU-Strategie zur Armutsbekämpfung verabschiedet und einen separaten Finanzrahmen von mindestens 20 Milliarden Euro für die Europäische Kindergarantie im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (2028–2034) gefordert hat. Darüber hinaus hat das Europäische Parlament eine zweckgebundene Mittelzuweisung aus dem Europäischen Sozialfonds+ und anderen ähnlichen Instrumenten gefordert.

Konkret sieht der Standpunkt des Parlaments Folgendes vor:

  • Mindestens 25 % der ESF+-Mittel für soziale Eingliederung
  • Mindestens 5 % für Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarmut in allen Mitgliedstaaten
  • Mindestens 10 % in Ländern, in denen die Kinderarmut über dem EU-Durchschnitt liegt
  • Ein Sonderbudget von 20 Milliarden Euro für die Europäische Kindergarantie

Diese Forderungen spiegeln das Ausmaß der Krise wider: Rund jedes vierte Kind in der EU ist davon betroffen.

In ihrer Petition fordert CONCORDIA die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten auf, diesen Standpunkt im kommenden Finanzrahmen verbindlich umzusetzen – und die Prävention in den Mittelpunkt der europäischen Sozialpolitik zu stellen. Darüber hinaus fordert CONCORDIA das Europäische Parlament auf, den Prozess der Verabschiedung und Umsetzung seiner Zustimmung zu überwachen – und die Prävention in den Mittelpunkt der europäischen Sozialpolitik zu stellen.

Prävention statt Reparatur: Drei konkrete Forderungen

Die Petition formuliert drei zentrale Handlungsfelder:

  • Verbindliche und zweckgebundene EU-Mittel für Prävention

Prävention darf nicht projektabhängig oder optional sein. Es bedarf mehrjähriger, stabiler Finanzierungsmechanismen und einer klaren Zweckbindung im ESF+ und in anderen Instrumenten wie IPA III für Kandidatenländer.

Priorisierung der Prävention von Kinderarmut und gemeindenahen Diensten im Rahmen von IPA III (Instrument für Heranführungshilfe – EU-Finanzmittel zur Unterstützung von Ländern, die sich auf den EU-Beitritt vorbereiten).

Die Kindergarantie muss mit mindestens 5 % der Mittel pro Mitgliedstaat gesichert werden – mit höheren Anteilen in Ländern mit besonders hohen Kinderarmutsquoten.

  • Prävention als strukturelle Säule der Europäischen Kindergarantie

Gemeindenahe Dienste – wie Tageszentren, Familienunterstützung und Sozialarbeit – müssen zu einem integralen Bestandteil nationaler Aktionspläne werden, mit messbaren Zielen und eigenen Haushaltslinien.

Anerkennung bewährter Modelle wie des CONCORDIA-Tageszentrumsmodells, das Bildung, psychosoziale Unterstützung, Familienarbeit und Gemeindeorientierung integriert, als bewährte Praxis, Sicherung der Finanzierung für diese Modelle und Ausweitung auf ganz Europa.

  • Investitionen in Sozialarbeiter

Über 13 Millionen Menschen arbeiten in der EU im sozialen Bereich, doch 85 % der Anbieter berichten von Personalmangel. Ohne ausreichend ausgebildete Fachkräfte bleiben finanzielle Verpflichtungen wirkungslos. Eine starke Prävention erfordert starke Strukturen und ausreichend qualifizierte Fachkräfte.

Das CONCORDIA-Wirkungsmodell: Bewährte Prävention in Ost- und Südosteuropa

CONCORDIA Sozialprojekte arbeitet seit über 30 Jahren in Bulgarien, Rumänien, Moldawien, Kosovo und Österreich mit von Armut betroffenen Kindern und Familien.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht das CONCORDIA-Tageszentrumsmodell – ein gemeindebasierter, integrierter Präventionsansatz. Tageszentren bieten pädagogische Unterstützung, psychosoziale Betreuung, Elternberatung und eine enge Zusammenarbeit mit Schulen und Gemeinden. Ziel ist es, Kinder schon in jungen Jahren zu stärken, Familien zu stabilisieren und sozialer Ausgrenzung vorzubeugen.

Generationenübergreifende Armut wird nicht nur durch mangelndes Einkommen verursacht, sondern auch durch strukturelle Hindernisse beim Zugang zu Bildung, Gesundheit und sozialer Teilhabe. Deshalb konzentriert sich CONCORDIA auf frühzeitige, ganzheitliche Unterstützung im Lebensumfeld der Kinder.

Wir sehen jeden Tag, wie es funktioniert: Kinder kehren in die Schule zurück, Eltern gewinnen Selbstvertrauen, Gemeinden entwickeln Perspektiven“, sagt Drumel. „Diese Modelle sind skalierbar – wenn die EU die richtigen Prioritäten setzt.“

Ein Appell zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit

Der 20. Februar erinnert uns daran, dass soziale Gerechtigkeit kein abstraktes Ideal, sondern eine politische Verpflichtung ist. Kinderrechte sind Menschenrechte. Jedes Kind in Europa hat das Recht auf Bildung, Schutz und ein Leben in Würde. Mit dieser Petition ruft CONCORDIA die Bürgerinnen und Bürger in Österreich dazu auf, ein klares Signal an die Europäische Kommission zu senden:

Generationenübergreifende Kinderarmut kann nicht länger toleriert werden. Europa kann und muss es besser machen.

Die Petition ist jetzt online unter: https://www.concordia.or.at/petition/breaking-the-cycle/

Weitere Informationen zur Arbeit und zum Wirkungsmodell von CONCORDIA können hier im Policy Report heruntergeladen werden: https://www.concordia.or.at/report/day-centre-model/

CONCORDIA Sozialprojekte ist eine 1991 gegründete internationale und unabhängige Hilfsorganisation, die Kinder, Jugendliche und Familien in Not in den Projektländern Rumänien, Bulgarien, Moldawien, Kosovo und Österreich auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben unterstützt und begleitet. Im Mittelpunkt der Programme steht die Stärkung und Wahrung der Kinderrechte. Das übergeordnete Ziel der Arbeit von CONCORDIA ist es, Kinder und Familien dabei zu unterstützen, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen und ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Die Organisation hat Standorte in Österreich (Wien), Deutschland (Stuttgart) und der Schweiz (Zug) und finanziert ihre Arbeit durch Spenden. https://concordia.or.at

Pressekontakt:
Sonja Sagan
PR/Kommunikation DACH
M: +43 6763029859
E-Mail: sonja.sagan@concordia.or.at

PA: Start der Gewerkschaftskampagne „Wir gegen Kinderarbeit!“

ÖGB, solidar Austria und Netzwerk International fordern strukturelle Maßnahmen gegen Kinderausbeutung.

Wien, 11. Februar 2026 – Während heute in Marrakesch die 6. Globale Konferenz zur Beseitigung der Kinderarbeit beginnt, starten der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB), solidar Austria und das Netzwerk International die ganzjährige Kampagne „Wir gegen Kinderarbeit!“. Der Handlungsbedarf ist dramatisch: Weltweit werden nach aktuellen Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) rund 140 Millionen Kinder zur Arbeit gezwungen – über 50 Millionen davon unter gefährlichen Bedingungen. Das UN-Ziel, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden, wurde krachend verfehlt. Um das Sustainable Development Goal (SDG) 8.7 wenigstens bis 2030 zu erreichen, müssten die Fortschritte elfmal schneller sein als bisher.

Geht’s den Eltern gut, geht’s den Kindern gut

„Der Kampf gegen Kinderarbeit ist ein urgewerkschaftliches Anliegen“, betont Marcus Strohmeier, Internationaler Sekretär des ÖGB. „Bereits im 19. Jahrhundert kämpften Gewerkschaften gegen Kinderarbeit in europäischen Fabriken – heute setzen wir diesen Kampf auf globaler Ebene fort. Aber wir haben aus der Geschichte gelernt: Kinderarbeit verschwindet nicht durch Verbote allein, sondern durch existenzsichernde Löhne für die Eltern. Wer Kinderarbeit wirklich beenden will, muss Gewerkschaften stärken und für faire Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern sorgen. Geht’s den Eltern gut, geht’s den Kindern gut – das ist unsere zentrale Botschaft.“

Die Realität ist erschütternd: Über 1,5 Millionen Kinder schuften im Kakaosektor in der Elfenbeinküste und Ghana, hantieren mit Macheten und tragen schwere Lasten.

Rund 40.000 Kinder arbeiten in den Kobalt- und Coltan-Minen der Demokratischen Republik Kongo unter lebensgefährlichen Bedingungen. In den Textilfabriken Südasiens werden Kinderrechte systematisch mit Füßen getreten.

Österreich muss Verantwortung übernehmen

„Wenn wir in Österreich Schokolade essen, Smartphones nutzen oder Kleidung kaufen, profitieren wir von globalen Lieferketten, in denen Kinder ausgebeutet werden“, erklärt Peter Schissler, Vorsitzender von solidar Austria, dem entwicklungspolitischen Verein der österreichischen Gewerkschaftsbewegung. „Freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen sind gescheitert. Österreich muss jetzt handeln: Wir brauchen ein produktbezogenes Gesetz, das den Verkauf von Waren aus Kinderarbeit verbietet. Und Österreich muss offiziell der internationalen SDG 8.7 Allianz beitreten. Das sind keine unrealistischen Forderungen, sondern bittere Notwendigkeit, um unserer Verantwortung gerecht zu werden.“

„Wir appellieren an die österreichische Bundesregierung, die Konferenz in Marrakesch als Weckruf zu verstehen“, so Strohmeier und Schissler abschließend. „Es braucht keine weiteren unverbindlichen Absichtserklärungen, sondern einen bindenden Aktionsplan mit strengen Sanktionsmechanismen. Die 137,6 Millionen arbeitenden Kinder weltweit können nicht länger warten.“

Weitere Informationen zur Kampagne: https://www.netzwerkinternational.at/wir-gegen-kinderarbeit (geht am 11.02. online)

Rückfragehinweis:
Michael Wögerer (Projektleiter solidar Austria, Wien)
+43 (0)664 7810 3189

Fotos/Bildmaterial auf Anfrage verfügbar

PA: Weltkonferenz zur Beseitigung von Kinderarbeit startet: Österreich fehlt

Die Beseitigung der weltweiten Kinderarbeit bis 2025 – dieses große Ziel des SDG 8.7 hat die Weltgemeinschaft klar verfehlt. Weltweit arbeiten noch immer rund 138 Millionen Kinder. Umso dringlicher ist nun das Engagement der internationalen Gemeinschaft, auch Österreichs. Dennoch nimmt keine offizielle österreichische Delegation an der am 11.2. beginnenden 6. Weltkonferenz zur Beseitigung von Kinderarbeit teil.  

Vom 11.-13. Februar findet die sechste Weltkonferenz zur Beendigung von Kinderarbeit im nordafrikanischen Marrakesch (Marokko) statt. Sie soll das gemeinsame Vorgehen aller Staaten im Kampf gegen Kinderarbeit wirksam koordinieren und voranbringen. Um den weltweit 138 Millionen arbeitenden Kindern echte Zukunftschancen zu eröffnen, braucht es angesichts globaler Lieferketten und internationaler Zusammenhänge das aktive Mitwirken aller Staaten. Auch Österreich ist hier gefordert. Die österreichische Bundesregierung wird jedoch bedauerlicherweise keine Delegation entsenden, um sich an den Debatten zur Lösung dieser globalen Herausforderung zu beteiligen. 

“Dass Österreich ausgerechnet bei der zentralen internationalen Konferenz zur Beseitigung von Kinderarbeit nicht vertreten ist, sendet ein schlechtes Signal – an die internationale Gemeinschaft ebenso wie an die 138 Millionen betroffenen Kinder weltweit”, erklärt Sigrid Kickingereder, Geschäftsführerin der Katholischen Jungschar und ihrer Dreikönigsaktion. “Österreichische Politiker*innen haben immer wieder betont, wie wichtig gezielte Maßnahmen gegen Kinderarbeit sind. Mit der Verwässerung der EU-Lieferkettenrichtlinie hat Europa in den letzten Monaten jedoch massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Umso wichtiger wäre nun ein entschlossener Einsatz Österreichs”, fordert Kickingereder und ergänzt: „Ein konkreter Schritt wäre etwa der Beitritt zur globalen Plattform gegen Kinderarbeit, der sogenannten Alliance 8.7.  Als Mitglied der Alliance 8.7 – wie etwa die Niederlande, Deutschland oder Frankreich – könnte Österreich eine wichtige Rolle im weltweiten Kampf gegen Kinderarbeit einnehmen und Maßnahmen deutlich effizienter und international abgestimmt setzen.” 

Aufbauend auf der letzten Konferenz gegen Kinderarbeit in Südafrika im Jahr 2022 und dem sogenannten “Durban Call to Action”, der die internationale Staatengemeinschaft zu dringenden Maßnahmen auffordert, sollen auf der Konferenz in Marrakesch konkrete Ziele und Maßnahmen gegen Kinderarbeit diskutiert werden. Dazu zählen Schutzkonzepte für besonders gefährdete Kinder – auch in gefährlicher Arbeit – oder die Stärkung von Bildung, sozialer Sicherung und sozialer Dienste.  

Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar arbeitet seit vielen Jahren mit Partner*innenorganisationen und zivilgesellschaftlichen Netzwerken zusammen, um die Perspektiven arbeitender Kinder sichtbar zu machen.  Umso enttäuschender ist es, dass bei der diesjährigen Konferenz – im Gegensatz zur vorherigen – keine Beteiligungsmechanismen für betroffene Kinder vorgesehen sind: „Wir blicken mit Besorgnis darauf, dass arbeitende Kinder in Marrakesch keinen Platz am Verhandlungstisch haben. Nachhaltige Lösungen müssen auch die Erfahrungen und Perspektiven der betroffenen Kinder berücksichtigen. Kinder haben das Recht, in allen sie betreffenden Angelegenheiten gehört zu werden – denn sie kennen ihre eigene Lebensrealität am besten”, so Kickingereder abschließend.  

Die Initiative “Kinderarbeit stoppen” – bestehend aus der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, Jugend Eine Welt, Kindernothilfe Österreich, solidar Austria und FAIRTRADE Österreich – setzt sich seit Jahren für wirksame politische Maßnahmen gegen Kinderarbeit ein. www.kinderarbeitstoppen.at 

Die Studie “Ending Child Labour – Implementation of SDG 8.7” empfiehlt zahlreiche Maßnahmen gegen Kinderarbeit, u. a. einen Beitritt zur Allianz 8.7:
https://www.kinderarbeitstoppen.at/fileadmin/kinderarbeit/2025/RR24_Ending-Child-Labour.pdf

Rückfragen:
Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar
Elisabeth Holzner
Telefon: 0676 88011 1000
E-Mail: elisabeth.holzner@dka.at