Archiv der Kategorie: Humanitäre Hilfe

PA: ­Kaum Essen, Medikamente und Schutz: Studie von HelpAge International und Amnesty International deckt Leid älterer Menschen im Gazastreifen auf 

  • Umfrage von HelpAge International zeigt, wie sehr die körperliche und mentale Gesundheit älterer Menschen leidet
  • Schwerer Mangel an nahrhaften Lebensmitteln, Medikamenten und Unterkünften trägt zu unmenschlichen Bedingungen bei
  • „Die Rechte und Bedürfnisse älterer Menschen in Gaza dürfen nicht ignoriert werden“, sagt Amnesty-Expertin Erika Guevara-Rosas

Ältere Menschen im Gazastreifen leiden unter einer nicht beachteten physischen und psychischen Gesundheitskrise angesichts der anhaltenden israelischen Blockade von Hilfsgütern und lebenswichtigen Medikamenten sowie des jüngsten Arbeitsverbots für humanitäre Organisationen im Gazastreifen. Neue Untersuchungen von HelpAge International und Amnesty International kommen zu diesem Ergebnis.

„Ältere Menschen hungern und sind medizinisch unterversorgt. Die meisten von ihnen verbringen ihre letzten Lebensjahre qualvoll und ohne ausreichend Schutz in überfüllten Zelten. Nicht zufällig, sondern weil Israel das bewusst so entscheidet. Das Leiden muss beendet und vollumfängliche Hilfe geleistet werden. Das ist Israels Pflicht – daran zu erinnern, die Pflicht von uns allen“, betont Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich.

In einer von HelpAge International durchgeführten Gesundheitsumfrage gaben ältere Menschen an, dass sie aufgrund der Lebensmittelknappheit Mahlzeiten auslassen müssen, auch um sicherzustellen, dass andere Familienmitglieder etwas zu essen haben, während andere sagten, dass sie Medikamente für schwere Krankheiten rationieren müssen, weil sie nicht zugänglich sind.

Binnenvertriebene ältere Menschen schilderten Amnesty International auch, dass sie aufgrund der anhaltenden Blockade durch die israelischen Behörden keinen Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln, angemessenen Unterkünften und medizinischer Versorgung haben und es ihnen deshalb sehr schlecht geht. Die befragten Personen wurden seit Oktober 2023 mehrfach vertrieben.

Die Ergebnisse der Umfrage von HelpAge International
HelpAge International hat 416 ältere Menschen im Gazastreifen befragt und die Ergebnisse in einem neuen Bericht Pushed Beyond Their Limits: The survival of older people in Gaza today  veröffentlicht. Inmitten von schwerem Nahrungsmittelmangel und dem Zusammenbruch lebenswichtiger Sozialleistungen sind ältere Menschen besonderen und oft nicht beachteten Gefahren ausgesetzt. Ihre Bedürfnisse bleiben weitgehend unsichtbar. Zu den wichtigsten Ergebnissen der Umfrage von HelpAge International gehören:

  • Ältere Menschen leben unter schutzlosen Bedingungen: 76 % der Befragten leben in Zelten, die oft stark überbelegt sind. 84 % gaben an, dass ihre derzeitigen Lebensbedingungen ihre Gesundheit und Privatsphäre beeinträchtigen.
  • Vertreibung ist eine sich wiederholende und destabilisierende Erfahrung: 79 % der befragten Personen wurden seit Oktober 2023 mehr als dreimal vertrieben, was die familiäre Unterstützung unterbricht und die Isolation verstärkt.
  • Gesundheitliche Probleme sind weit verbreitet und weitgehend unbehandelt: Trotz der hohen Prävalenz von chronischen Schmerzen und Krankheiten ist der Zugang zu Medikamenten extrem eingeschränkt: 42 % der Befragten können sie nur „manchmal“ und 18 % „selten“ erhalten. 68 % der Befragten reduzierten oder beendeten die Behandlung aufgrund mangelnder Verfügbarkeit. Insgesamt ist der Zugang zur Gesundheitsversorgung nach wie vor extrem eingeschränkt: Nur 17 % der Befragten gaben an, dass die Gesundheitsversorgung in vollem Umfang zur Verfügung steht, und die nicht erfolgte Behandlung chronischer Erkrankungen ist mit 31 % die am häufigsten genannte gesundheitliche Problematik.
  • Die Ernährungsunsicherheit ist akut und kann lebensbedrohlich sein: Während die Hälfte der Befragten angab, dass der Zugang zu Hilfeleistungen seit dem Waffenstillstand einfacher geworden sei, hatten 11 % in den letzten 24 Stunden keine Mahlzeit zu sich genommen; und 48 % haben ihre eigene Nahrungsaufnahme reduziert, um sicherzustellen, dass andere etwas zu essen haben.
  • Die psychische Belastung ist groß und wirkt sich direkt auf die Ernährung aus: 77 % der befragten Personen gaben an, dass Traurigkeit, Angst, Einsamkeit oder Schlaflosigkeit ihren Appetit verringern und ihr Wohlbefinden beeinträchtigen.

„In bewaffneten Konflikten werden die Bedürfnisse älterer Menschen oft übersehen. Als direkte Folge der von Israel bewusst herbeigeführten Lebensbedingungen, die auf die physische Zerstörung der Palästinenser*innen im Gazastreifen abzielen, ist die körperliche und geistige Gesundheit älterer Menschen auf einem absoluten Tiefpunkt“, sagt Erika Guevara-Rosas, leitende Direktorin für Recherchen, Advocacy, Politik und Kampagnen bei Amnesty International.

Die Umfrage von HelpAge International zeigt, wie Israels anhaltende rechtswidrige, grausame und unmenschliche Beschränkungen der Lieferung lebensrettender Hilfsgüter sowohl den Zugang älterer Menschen zu lebenswichtiger medizinischer Versorgung und zu Medikamenten als auch zu nahrhaften Lebensmitteln und angemessenen Unterkünften erheblich beeinträchtigt.

„Die Rechte und Bedürfnisse der älteren Menschen in Gaza dürfen nicht ignoriert werden. Viele Menschen leiden nach wie vor unter unwürdigen Lebensbedingungen und einer verzweifelten humanitären Lage nach der Zerstörung ihrer Häuser und wiederholten Vertreibungen. Die israelischen Behörden müssen ihre Blockade sofort und bedingungslos aufheben und den ungehinderten Zugang zu lebenswichtigen Gütern, einschließlich Medikamenten und Materialien für Unterkünfte, ermöglichen“, führt Erika Guevara-Rosas weiter aus.

In den Wintermonaten müssen die Palästinenser*innen in Gaza – die meisten von ihnen leben in baufälligen Zelten oder Behelfsunterkünften – auch überlaufende Abwässer und Überschwemmungen ertragen und sind Stürmen ausgesetzt. Israel hat außerdem die Registrierung von 37 Nichtregierungsorganisationen, die im Gazastreifen und im Westjordanland tätig sind, mit Wirkung vom 1. Januar ausgesetzt und sie wurden aufgefordert, ihre Tätigkeit innerhalb von 60 Tagen einzustellen.

„Das Leben ist noch elender geworden“
Diese Ergebnisse wurden durch die Recherchen von Amnesty International bestätigt, die Interviews mit 12 älteren Menschen aus allen Regionen des besetzten Gazastreifens umfassten, die in Zelten in den Lagern für Binnenvertriebene in der Region Zawayda leben, wo die Lebensbedingungen extrem schwierig sind. In den meisten Fällen erleichterte ein Angehöriger für die Interviews die Kommunikation mit der älteren Person, von denen viele eine Behinderung hatten oder Hilfe bei der Bedienung eines Smartphones benötigten.

Die Befragten gaben an, dass sie gezwungen waren, Medikamente für bestehende chronische Krankheiten abzusetzen oder zu rationieren, da diese entweder nicht mehr verfügbar waren oder sich um das Drei- bis Vierfache verteuert hatten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation waren im Oktober 2025 weniger als 14 der 36 Krankenhäuser des Gazastreifens teilweise funktionsfähig, während weniger als ein Drittel der Rehabilitationseinrichtungen einsatzbereit waren, was den Zugang älterer Menschen zur Pflege stark einschränkte.

Einige ältere Menschen haben erheblich an Gewicht verloren, und die meisten sind auf Gemeinschaftsküchen angewiesen, die nicht immer ausreichend nahrhaftes Essen anbieten. Das Gelände in den Lagern für Binnenvertriebene, das oft uneben und sandig ist, hindert diejenigen, die Rollstühle oder Gehhilfen benutzen, daran, sich frei zu bewegen, so dass sie vollständig von Verwandten abhängig sind.

Der 61-jährige Mohammed Bili ist seit Oktober 2023 sieben Mal vertrieben worden. Er benötigt dreimal pro Woche eine Dialyse. Die Einrichtung, in der er diese Behandlung zuvor erhalten hatte, wurde jedoch zerstört, so dass jetzt nur noch zweimal pro Woche eine kürzere Dialysebehandlung möglich ist. Er kann seinen Rollstuhl auf dem Gelände des Lagers kaum benutzen und hat fast 20 kg abgenommen.
Er sagte den Mitarbeiter*innen von Amnesty International: „Ich leide unter extremer Steifheit in meinen Armen und Muskelschwäche, weil ich nicht so häufig zur Dialyse gehen kann, wie es nötig wäre.“

Die 88-jährige Samira Al-Shawa hatte eine Gehhilfe benutzt, um sich unabhängig bewegen zu können. Jetzt lebt sie in einem Lager für Binnenvertriebene, wo sie wegen des sandigen Bodens überhaupt nicht mehr laufen kann. Die meiste Zeit verbringt sie auf einem behelfsmäßigen Bett in ihrem Zelt. Gemeinschaftsküchen von Hilfsorganisation versorgen ihre Familie mit Nahrungsmitteln, die jedoch nicht ausreichend oder nahrhaft genug sind. Auch sie hat seit Oktober 2023 etwa 20 kg abgenommen.

Sadiqa Al-Barrawi, die etwa 90 Jahre alt ist, wurde seit Oktober 2023 dreimal vertrieben. Sie lebt derzeit mit ihrem Sohn, dessen Frau und ihren vier Kindern in einem Zelt im Binnenflüchtlingslager Salam. Als sie eines Abends im Januar 2025 auf die Toilette ging, stürzte sie und verletzte sich, so dass sie jetzt weder stehen noch gehen kann. Sie sagte Amnesty International: „Seitdem ist das Leben noch elender geworden.“

Sadiqa Al-Barrawi leidet an Diabetes und Bluthochdruck. Sie hat etwa 25 kg abgenommen und ist auf von Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellte Nahrung angewiesen. Sie fügte hinzu: „Wir leben eigentlich von der Landwirtschaft. Zu Hause im Dorf haben wir Land und die besten frischen Lebensmittel – und jetzt haben wir nichts mehr.“

Hintergrund
Die über 60-Jährigen machen etwa 5 % der Bevölkerung des Gazastreifens aus. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden seit Oktober 2023 bis Anfang Dezember 2025 insgesamt 4.813 ältere Menschen im Gazastreifen getötet, wobei in dieser Zahl die indirekten Todesfälle, z. B. durch zerstörte Gesundheitsinfrastruktur, nicht enthalten sind. Laut einem Bericht der UNWRA verlieren viele ältere Menschen aufgrund der Kampfhandlungen oder im Zuge der Vertreibung die Verbindung zu den Personen, die sie betreut hatten. Amnesty International hat dokumentiert, wie ältere Menschen in bewaffneten Konflikten einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind und ihre humanitären Bedürfnisse systematisch ignoriert werden.

Im Dezember 2024 kam Amnesty International zu dem Schluss, dass Israel im Gazastreifen einen Genozid begeht, da es Handlungen, die nach der Völkermordkonvention verboten sind, in der Absicht begangen hat, die Palästinenser*innen im Gazastreifen zu zerstören. Zu den verübten Taten gehören Tötungen, schwere körperliche oder seelische Verletzungen und die vorsätzliche Verursachung von Lebensbedingungen, die auf die physische Zerstörung der Palästinenser*innen im Gazastreifen abzielen.

Trotz eines Rückgangs der Angriffe seit dem Waffenstillstandsabkommen vom Oktober 2025 hat sich  an den Bedingungen, die Israel für die Palästinenser*innen in Gaza schafft, nichts Wesentliches geändert, und es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass sich Israels Absicht, einen Genozid zu begehen, geändert hat.

Presseteam Amnesty International Österreich
Antonio Prokscha
+43-664-621 10 31
presse@amnesty.at

PA und Interviewmöglichkeit: CARE: Drei Jahre nach den Jahrhundertbeben in der Türkei und Syrien leiden Millionen Menschen weiterhin unter den Folgen

„Viele Familien leben in Ruinen, da sie nicht die Mittel haben zu fliehen oder ihre Häuser wieder aufzubauen.“ / 16,5 Millionen Menschen in Syrien benötigen humanitäre Hilfe / Jüngste Auseinandersetzungen verschärfen die Lage

Am 6. Februar 2023 erschütterten verheerende Erdbeben den Süden der Türkei und den Nordwesten Syriens. Die Katastrophe forderte rund 60.000 Todesopfer und führte zu etwa 100.000 Verletzten. Weite Teile der Infrastruktur in den betroffenen Gebieten wurden zerstört oder beschädigt. In Nordwestsyrien traf das Beben eine Region, in der bereits rund vier Millionen Menschen, die vor der Gewalt des Bürgerkriegs geflohen waren, auf humanitäre Hilfe angewiesen waren.

Die Kombination aus Katastrophe und Konflikt bedeutet in Syrien auch drei Jahre später, dass rund 16,5 Millionen Menschen – etwa zwei Drittel der Bevölkerung – humanitäre Hilfe benötigen. In den Städten sind die Folgen der Erdbeben sowie des 14-jährigen Kriegs allgegenwärtig. Sarah Easter, CARE-Nothilfereporterin, war Ende des letzten Jahres in Nordwestsyrien und beschreibt die Lage:

„Noch immer liegen ganze Straßenzüge in Trümmern. Viele Familien leben in Ruinen, da sie nicht die Mittel haben zu fliehen oder ihre Häuser wieder aufzubauen. Hinzu kommen die seelischen Folgen: Kinder sprechen bis heute über Tod und Verlust, als gehöre es zu ihrem Alltag. Mein syrischer Kollege Khalil sagte, dass er beim Anblick eingestürzter Häuser immer daran denkt, dass auch er oder seine Kinder darunter hätten liegen können – eine Angst, die viele Menschen bis heute begleitet.“

Die jüngsten Auseinandersetzungen im Norden Syriens verschärfen die ohnehin dramatische Lage zusätzlich: Viele Familien wurden mehrfach vertrieben und sind mittellos. Gleichzeitig treffen Rückkehrende im ganzen Land auf zerstörte Infrastruktur, mangelhafte Gesundheitsversorgung und große wirtschaftliche Not. In ihren Gesprächen mit Menschen in einem Camp für Vertriebene hörte Sarah Easter immer wieder denselben eindringlichen Appell: „Gebt uns nicht auf!“

Jetzt ist es wichtig, dass humanitäre Hilfe für die Menschen verlässlich weitergeführt wird.

CARE arbeitet seit 2013 in Syrien und unterstützt Vertriebene sowie aufnehmende Gemeinden mit Nothilfe, medizinischer Versorgung und Schutzprogrammen, insbesondere für Frauen und Kinder.

Sarah Easter, CARE-Nothilfereporterin, war kurz nach den Erdbeben in der Türkei und Ende letzten Jahres im Norden Syriens. Sie steht für Interviews auf Deutsch und Englisch zur Verfügung. Falls Sie Interesse an einem Gespräch haben, können Sie sich jederzeit gerne bei mir melden.

Rückfragen und Interviewvereinbarung:
Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
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PA: CARE-Krisenreport: Zehn humanitäre Krisen, die 2025 keine Schlagzeilen machten

CARE veröffentlicht zehnte Ausgabe des Krisenreports: Vergessene Krisen kämpfen um Aufmerksamkeit und Ressourcen / Über die humanitäre Krise in der Zentralafrikanischen Republik wurde 2025 am wenigsten berichtet

Der zehnte CARE-Krisenreport, der jährlich die globale Online-Berichterstattung humanitärer Krisen untersucht, zeigt: Die Zentralafrikanische Republik ist mit nur 1.532 Online-Artikeln die am meisten vergessene humanitäre Krise des Jahres 2025. Ein langanhaltender Konflikt führt dazu, dass mehr als 2,4 Millionen Menschen in Not sind. Etwa jeder fünfte Mensch ist auf der Flucht. Zugleich verzeichnet das Land mit der heurigen Platzierung einen traurigen Rekord: Die Zentralafrikanische Republik ist in jeder der zehn Ausgaben des CARE-Krisenreports seit 2016 vertreten.

„Da Katastrophen und bewaffnete Auseinandersetzungen zunehmen, konkurrieren humanitäre Krisen immer stärker um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit – und damit auch um dringend benötigte finanzielle Mittel“, sagt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Seit zehn Jahren machen wir mit dem CARE-Krisenreport sichtbar, welche humanitären Krisen besonders Gefahr laufen, in Vergessenheit zu geraten. Denn Sichtbarkeit ist nicht zuletzt eine Frage der Menschenwürde und des Überlebens: Ohne öffentliche Wahrnehmung werden komplexe Krisen weniger verstanden und geraten zu selten in den politischen Fokus, selbst wenn die Not der betroffenen Menschen unvermindert groß bleibt.“

Afrika trägt Hauptlast vergessener Krisen

Den zweiten Platz auf der Liste belegt Namibia, wo 1,3 Millionen Menschen zu wenig zu essen haben. Sambia nimmt Platz drei ein: Dort sind 5,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Während im diesjährigen CARE-Krisenreport zwar auch Honduras und Nordkorea gelistet sind, liegen weiterhin acht der zehn am stärksten vernachlässigten Krisen in Afrika. Ein zentraler gemeinsamer Nenner: Der Klimawandel wirkt als massiver Krisenverstärker – durch häufigere und intensivere Wetterextreme, Ernteausfälle sowie steigenden Druck auf die Versorgung mit Wasser und Nahrung.

So auch in Simbabwe, wo Dürre die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen, insbesondere in ländlichen Gebieten, gefährdet. „Es war erschütternd zu sehen, wie das Ausmaß der durch El Niño 2023/24 verursachten Dürre in Simbabwe medial weitgehend übersehen wurde. Millionen Menschen waren noch im letzten Jahr von den Folgen betroffen, Gemeinden kämpften um Zugang zu sauberem Wasser und Nahrung. Die geringe internationale Aufmerksamkeit ist nicht gerade hilfreich, wenn notleidende Familien dringend auf Unterstützung hoffen“, sagt Charlene Pellsah Ambali, stellvertretende CARE-Länderdirektorin in Simbabwe. „Die Welt muss solche Katastrophen wahrnehmen – erst dann entsteht der Druck, schnell und ausreichend zu handeln.“

EU: „Keine Krise darf in Vergessenheit geraten“

Auch die Europäische Union betont die Bedeutung, vergessene Krisen sichtbar zu machen und humanitäre Hilfe dort zu stärken, wo Aufmerksamkeit fehlt. „Vergessene Krisen sind oft komplex und langwierig. Sie lassen sich weder mit schnellen Lösungen noch mit einfachen Erklärungen bewältigen. Sie eignen sich nicht für die Abendnachrichten oder einen kurzen Social-Media-Post. Von den Medien – und häufig auch von Geldgebern – werden sie übersehen, bleiben aber dennoch harte Realität. Für die notleidenden Menschen sind diese Krisen keineswegs ‚vergessen‘“, sagt Hans Das, stellvertretender Generaldirektor und Chief Operations Officer für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission (DG ECHO).„Die EU bemüht sich als verlässlicher und prinzipientreuer Geldgeber sicherzustellen, dass keine Krise und keine vulnerable Bevölkerungsgruppe vergessen werden. Mindestens 15 Prozent unseres jährlichen Budgets für humanitäre Hilfe reservieren wir gezielt für solche Krisen. Und zwar nach einem strengen Bewertungsverfahren, das gewährleistet, dass die Hilfe genau dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird. Angesichts beispielloser Kürzungen bei humanitärer Hilfe ist das wichtiger denn je. CAREs jährlicher Bericht über vergessene Krisen ist eine eindringliche Erinnerung an diese Realität und ein wertvolles Instrument, damit zumindest etwas Licht ins Dunkel gebracht wird.“

Zehn humanitäre Krisen, die 2025 keine Schlagzeilen machten:

  1. Zentralafrikanische Republik – Jede fünfte Person ist auf der Flucht.
  2. Namibia – 1,3 Millionen Menschen haben zu wenig zu essen.
  3. Sambia – 5,5 Millionen Menschen müssen mit Hilfsgütern versorgt werden.
  4. Malawi – Vier Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen.
  5. Honduras – Über 50 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.
  6. Nordkorea – 10,7 Millionen Menschen sind von Unterernährung betroffen.
  7. Angola – 2,6 Millionen Menschen – die Hälfte davon Kinder – sind in Not.
  8. Burundi – 1,2 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen.
  9. Simbabwe – Ein Viertel der Kinder unter fünf Jahren ist mangelernährt.
  10. Madagaskar – Rund jede siebte Person ist auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Factsheet und Fotomaterial zu den zehn vergessenen Krisen (Fotocredit: CARE)
Lesen Sie hier den CARE-Krisenreport.

Methodik: Für den zehnten CARE-Krisenreport hat der internationale Medienbeobachtungsdienst Meltwater fünf Millionen Online-Artikel aus etwa 345.000 Online-Medien in den Sprachen Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch ausgewertet. Untersucht wurde der Zeitraum vom 1. Jänner bis 30. September 2025. Auf Basis einer Liste von 43 humanitären Krisen, die jeweils mindestens eine Million Menschen betreffen, wurden jene zehn Krisen ermittelt, die die geringste mediale Aufmerksamkeit erhielten.

Über CARE: CARE wurde 1945 gegründet und ist heute eine der weltweit größten Hilfsorganisationen, die in über 120 Ländern tätig ist. Die Hilfe von CARE hat 2025 mehr als 58 Millionen Menschen – über die Hälfte davon Frauen und Mädchen – erreicht. Weitere Informationen unter www.care.at.

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PA: Syrien: Eskalierende Gewalt im Nordosten verschärft humanitäre Krise mitten im Winter

Die Lage im Nordosten Syriens verschärft sich weiter. Aktion gegen den Hunger warnt vor der sich zunehmend verschlechternden humanitären Situation, insbesondere in der Provinz Al-Hasakeh. Die Organisation hat Nothilfemaßnahmen vorbereitet und kann die Menschen umgehend mit Nahrung, Wasser und lebenswichtigen Gütern versorgen, sobald die Sicherheitslage es zulässt.

„Familien kommen mitten im Winter oft nur mit dem, was sie am Leib tragen. Sie haben kaum Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Wir sind sehr besorgt um Menschen, die aufgrund der Gewalt eingekesselt sind oder ohne Schutz und Sicherheit fliehen mussten“, sagt Suzanne Takkenberg, Regionaldirektorin von Aktion gegen den Hunger für Syrien und den Libanon.

In den vergangenen Tagen wurden an den Stadträndern bewaffnete Auseinandersetzungen und Bombenanschläge mit zivilen Opfern gemeldet. Aktion gegen den Hunger ist seit 2008 in Al-Hasakeh aktiv und führt dort Hilfsprogramme in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) sowie Ernährungssicherung, Gesundheit und Existenzsicherung durch. Angesichts der aktuellen Lage hat die Organisation ihre Notfall- und Vorsorgemaßnahmen verstärkt.

Geschlossene Märkte, eingeschränkte Bewegungsfreiheit und wachsende Unsicherheit

Durch den Konflikt ist die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt, zahlreiche Gebiete unterliegen Zugangsbeschränkungen oder sind vollständig abgeriegelt. Märkte und Geschäfte bleiben geschlossen, wodurch der Zugang zu Lebensmitteln, Trinkwasser und lebensnotwendigen Gütern erheblich erschwert ist. Die anhaltende Unsicherheit und eine mögliche Eskalation verunsichern die Zivilbevölkerung.

Nach Angaben humanitärer Partner sind bereits Tausende Menschen aus Ar-Raqqa, Tabqa und ländlichen Gebieten nach Al-Hasakeh und Qamishli geflohen. Viele von ihnen sind den eisigen Wintertemperaturen ausgesetzt und in Sammelunterkünften, Schulen und öffentlichen Gebäuden untergebracht. Die Aufnahmekapazitäten sind erschöpft, der Bedarf an Wasser, Lebensmitteln, Decken, Hygienesets und anderen Hilfsgütern ist hoch.

Stromausfälle und Sicherheitslage beeinträchtigen Trinkwasserversorgung

Stromausfälle und die angespannte Sicherheitslage beeinträchtigen den Betrieb von Wasserpumpen und Aufbereitungsanlagen. Dadurch ist der Zugang zu sauberem Wasser für mehr als eine Million Menschen in verschiedenen Teilen des Nordostens Syriens eingeschränkt.

Zugleich nimmt der Druck auf die Gesundheitseinrichtungen zu. Krankenhäuser wie das in Al-Hasakeh haben Dutzende Verletzte aufgenommen und kämpfen mit Engpässen bei medizinischer Ausrüstung, Krankentransporten und lebenswichtigen Versorgungsgütern.

Aktion gegen den Hunger bereitet Nothilfe vor

Aktion gegen den Hunger hat mehrere Hilfsszenarien ausgearbeitet und kann sobald die Sicherheitslage es zulässt, sofort Nothilfe leisten:

  • die Notverteilung von Wasser in Sammelunterkünften über lokale Anbieter,
  • verzehrfertige Lebensmittel für Familien ohne Kochmöglichkeiten,
  • lebenswichtige Artikel wie Decken, Winterkleidung und Hygienesets,
  • sowie die Stärkung bestehender Kapazitäten in den Bereichen WASH, Gesundheit, Ernährung und Ernährungssicherung in enger Abstimmung mit anderen humanitären Akteuren.

„Unsere Priorität ist es, schnell und wirksam Hilfe zu leisten, sobald die Umstände dies erlauben, und gleichzeitig die Sicherheit unserer Mitarbeitenden zu gewährleisten“, erklärt Takkenberg.

Zudem betont Aktion gegen den Hunger die Notwendigkeit,

  • die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur zu schützen, insbesondere Märkte, Sammelunterkünfte, Gesundheitseinrichtungen und Wassersysteme,
  • einen sicheren, schnellen und ungehinderten humanitären Zugang zu gewährleisten, um Bedarfe zu erheben und lebenswichtige Hilfe zu leisten,
  • flexible Finanzmittel bereitzustellen, um die Hilfe an einen volatilen Kontext anpassen zu können,
  • sowie die humanitäre Koordinierung und Unterstützung für Vertriebene, insbesondere während der Wintermonate, zu stärken.

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche. Möglich sind z.B.

  • eine aktuelle Einschätzung aus dem Einsatzgebiet,
  • Hintergrund zur humanitären Lage in Al‑Hasakeh,
  • sowie Interviewmöglichkeiten mit Suzanne Takkenberg (englischsprachig), Regionaldirektorin von Aktion gegen den Hunger für Syrien und den Libanon.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

PA: UN-Menschenrechtsprüfung Österreichs: Staaten betonen außenpolitische Verantwortung für Menschenrecht

Österreich ist heute vor den UN-Menschenrechtsrat in Genf getreten, um sich zum vierten Mal einer Universellen Menschenrechtsprüfung (Universal Periodic Review, UPR) zu stellen. Armenien, Libanon und weitere prüfende Staaten begrüßten den menschenrechtsbasierten Ansatz in der internationalen Entwicklung und Humanitären Hilfe Österreichs. „Jedoch hat die Bundesregierung die Mittel für diese wesentlichen außenpolitischen Instrumente um ein Drittel gekürzt. Dabei verdeutlicht die aktuelle Weltlage, dass auch die Handlungsfähigkeit des kleinen, neutralen Österreichs von einer regelbasierten Ordnung und von partnerschaftlichen Beziehungen abhängt, für die Abkommen wie die UN-Menschenrechtskonventionen sorgen“, betont Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung.
 
„Für Handlungsfähigkeit ist Glaubwürdigkeit zentral. Grund zur Kritik gab im letzten Jahr die ausgehöhlte EU-Lieferkettenrichtlinie, von der wir jetzt zumindest eine ambitionierte Umsetzung in Österreich einfordern. Und wir schließen uns Ecuadors Empfehlung, sich aktiv in die Verhandlungen für das UN-Abkommen für Wirtschaft und Menschenrechte einzubringen, an“, ergänzt Wank.
 
Kinderrechte systematisch verankern
Bei der Prüfung fanden auch das Dreijahresprogramm der österreichischen Entwicklungspolitik 2025 bis 2027 und die Strategie der Humanitären Hilfe Österreichs Erwähnung. Veronika Schippani-Stockinger, Bundesvorsitzende der Katholischen Jungschar Österreichs, erklärt: „Diese Strategien berücksichtigen die Rechte und den Schutz von Kindern und Jugendlichen nur oberflächlich, weshalb wir eine konsequente und systematische Verankerung in den internationalen Angelegenheiten fordern. Zudem unterstützen wir ausdrücklich die Empfehlung Chiles, Gabuns, Portugals und anderer, das dritte Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zu ratifizieren. Dieses sieht einen Beschwerdemechanismus für Kinder vor.“
 
Namaraj Silwal, Projektpartner vom Social Work Institute, einer nepalesischen Partnerorganisation der Katholischen Jungschar Österreichs, ergänzt, dass die Verantwortung gegenüber Kindern untrennbar mit der Entwicklungs- und Ernährungspolitik verknüpft sei. Im Sinne der ökologischen Kinderrechte und in Zeiten der Klimakrise empfiehlt er: „Österreich sollte die öffentlichen Entwicklungsgelder insbesondere zur Unterstützung der Agrarökologie und lokaler Ernährungssysteme sichern und erhöhen. Österreich sollte davon absehen, Entwicklungsgelder zu kürzen, die das Recht auf Nahrung untergraben, und stattdessen die Unterstützung für Akteur*innen der Zivilgesellschaft verstärken, damit diese eine langfristige, klimaresiliente Ernährungssouveränität für die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen fördern können, auch in Partnerländern wie Nepal.“
 
Inklusion macht „Politik gerechter und Gemeinschaften stärker“
Mehrere Prüferstaaten begrüßten den Nationalen Aktionsplan Behinderung 2022 bis 2030 und betonten die Bedeutung seiner Umsetzung. Mosambik empfahl, die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der internationalen Entwicklung und Humanitären Hilfe als Querschnittsmaterie zu stärken, berichtet Alex Buchinger, Geschäftsführer von Licht für die Welt Österreich. „Menschen mit Behinderungen machen 16 Prozent der Weltbevölkerung aus, wovon 80 Prozent im Globalen Süden leben. Die Mehrheit lebt in Armut und ihre Rechte – etwa auf Bildung, Gesundheitsversorgung oder Teilhabe – werden besonders oft verletzt. Trotzdem ist der Anteil der öffentlichen Mittel, die Menschen mit Behinderungen erreichen, zu gering.“
 
Abschließend fügt Sophia Mohammed, Länderdirektorin von Licht für die Welt im Südsudan, hinzu: „Unsere Arbeit zeigt klar: Gestalten lokale Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderungen aktiv Projekte mit, werden Gemeinschaften stärker und auch die Politik gerechter. Niemand wird im Kampf gegen Ungleichheiten, Armut und Hunger zurückgelassen. Gleiches gilt für andere benachteiligte Menschen wie Frauen, Kinder und indigene Menschen.“
 
Die österreichische Delegation betonte beim UPR, wie wichtig die Zivilgesellschaft für die Erfüllung der Menschenrechte ist. Diese wird in Österreich und in den Partnerländern verfolgen, wie die Regierung die Empfehlungen umsetzt, wovon ihre internationale Glaubwürdigkeit abhängt.
 
Vor der Prüfung übermittelten der Dachverband AG Globale Verantwortung und seine Mitgliedsorganisationen Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar Österreichs und Licht für die Welt entwicklungspolitische und humanitäre Empfehlungen an den UN-Menschenrechtsrat. Für Journalist*innen erstellte die AG Globale Verantwortung Hintergrundinformationen über den Prozess.

Rückfragen:
Hannah Hauptmann
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeithannah.hauptmann@globaleverantwortung.at
presse@globaleverantwortung.at
Tel.: +43 1/522 44 22 – 15
Mobil: +43 699/17 20 42 07

Online-Pressekonferenz: CARE-Krisenreport 2025 am 27. Januar 2026

Die humanitäre Lage spitzt sich weltweit und vielfältig zu: Konflikte werden langwieriger, die Klimakrise verschärft Notlagen, Kürzungen treffen die Ärmsten. Zahlreiche humanitäre Notlagen konkurrieren um Aufmerksamkeit vor dem Hintergrund zunehmend knapper Ressourcen.

Das zeigte sich 2025 auch in der Berichterstattung: Während die Kriege in Gaza, im Sudan und in der Ukraine die globalen Schlagzeilen dominierten, waren andere humanitäre Brennpunkte wenig sichtbar. Die Analyse von fünf Millionen Online-Artikeln im CARE-Krisenreport 2025 zeigt, welche zehn Krisen im Vorjahr weltweit am wenigsten mediale Beachtung fanden.

Im Rahmen eines Online-Pressegesprächs präsentiert CARE die zentralen Ergebnisse des Reports und diskutiert folgende Fragen: Warum geraten bestimmte humanitäre Krisen aus dem Blick? Welchen Preis zahlen die Betroffenen? Was können Medien, Politik und Zivilgesellschaft tun, damit die Not von Millionen Menschen mehr Beachtung findet?

Im Gespräch mit:
•    Karl-Otto Zentel, Generalsekretär CARE Deutschland (zugeschaltet aus Bonn) 
•    Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin CARE Österreich (zugeschaltet aus Wien) 
•    Charlene Pellsah Ambali, stv. Länderdirektorin CARE Simbabwe (zugeschaltet aus Harare) 
•    Hans Das, stv. Generaldirektor und Chief Operations Officer für Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission (DG ECHO) (zugeschaltet aus Brüssel)

Moderation:
•    Kelly Muthusi, CARE Regional Communications Associate für Ost- und Zentralafrika

Online-Mediengespräch: Zehn humanitäre Krisen, die 2025 keine Schlagzeilen machten 
•    Datum: 27.01.2026, 10:00 – 10:45 Uhr 
•    Ort: Online via Zoom

Hinweis für Redaktionen: Der Bericht und die damit zusammenhängenden Informationen unterliegen einer Sperrfrist bis zum 28. Januar 2026, 06:00 Uhr CET.

Das Mediengespräch findet auf Englisch statt. Um Anmeldung bei Katharina Kohl unter kohl@care.de wird gebeten.

Recherchematerial: SDG 2 – Kein Hunger

„Zunächst braucht der Körper des Opfers seinen Vorrat an Zucker und Fett auf. Er verfällt in einen apathischen Zustand, der ihm alle Energie, Willenskraft und Widerstandsfähigkeit nimmt. Rasch verlieren die Opfer, ihrer Energiereserven beraubt, an Gewicht. Das Immunsystem bricht zusammen.“ Jean Ziegler, 2025

Hunger ist ein Massaker. Jeden Tag sterben ungefähr 24.000 Menschen an den Folgen von Hunger – alle 13 Sekunden ein Kind unter fünf Jahren. Es ist der Skandal unserer Zeit, schreibt Jean Ziegler, der ehemalige UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, in seinem neuesten Buch „Trotz alledem: Warum ich die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht aufgebe“. Denn trotz ausreichender globaler Nahrungsmittelproduktion und Überfluss leiden Millionen von Menschen an Hunger und den Folgen von Mangelernährung, weil für sie sichere und nahrhafte Lebensmittel nicht zugänglich oder nicht bezahlbar sind. Weltweit hungert etwa jeder zehnte Mensch. Diese Realität bedroht die Erreichung des Ziels für nachhaltige Entwicklung 2 (SDG 2) und darüber hinaus auch die gesamte Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, da Hunger Menschen ihrer Gesundheit und Lebensgrundlagen beraubt sowie die Stabilität von Gesellschaften und Staaten untergräbt. Die diesjährige Ausgabe des Berichts der Welternährungsorganisation (FAO) untersucht diese Dynamik und zeigt, wie wichtig koordinierte, evidenzbasierte Strategien sind, um Hunger und alle Formen von Unterernährung (SDG-Ziel 2.2) zu beenden – insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und Frauen.

Eine Initiative im Sudan, die bei diesen besonders vulnerablen Gruppen ansetzt, sind Gemeinschaftsküchen. Durch den Krieg wurden über zehn Millionen Menschen vertrieben, und über acht Millionen Menschen im Sudan leiden laut Welthungerhilfe an Hunger. Die Gemeinschaftsküchen sind meist von Frauen geführte Organisationen (WLOs). Sie verteilen Mahlzeiten und unterstützen vertriebene Familien – und das ohne ausreichende Finanzierung. UN Women Austria berichtete im August 2025, dass eine WLO, die in acht sudanesischen Bundesstaaten tätig ist, mehr als die Hälfte ihrer Küchen schließen musste, da die Mittel fehlten.

Vollständiger Text der Agenda 2030: A/RES/70/1

Ziel 2 mit seinen Unterzielen:  https://www.sdgwatch.at/de/ueber-sdgs/2-kein-hunger/

Good to know – Infografiken und Infos auf einen Blick

Der Welthunger-Index (WHI) der Welthungerhilfe liefert eine umfassende Berechnung und Bewertung der globalen Hungersituation. Derzeit klassifizieren die nationalen WHI-Werte die Ernährungslage in 7 Ländern als „sehr ernst“: Haiti, Jemen, Madagaskar, Somalia und Südsudan, Burundi und Demokratische Republik Kongo. In weiteren 35 Ländern ist das Hungerniveau als ernst eingestuft.

Die Integrated Food Security Phase Classification (IPC) ist ein Instrument zur Einstufung der Ernährungssicherheit, des Ausmaßes von Unterernährung und Hunger, sowie zur Ableitung notwendiger Hilfsmaßnahmen. Sie wurde von der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) entwickelt. Derzeit befinden sich weltweit 108.73 Millionen Menschen in einem Zustand der Krise oder schlimmer. Die Website bietet Länderanalysen an.

Auf der Website Our World in Data sind Daten und Visualisierungen zu Hunger und Unterernährung verfügbar.

Aspekte & Fragestellungen rund um SDG 2 – Kein Hunger

Hunger als Waffe

Alex de Waal, Direktor der World Peace Foundation an der Fletcher School of Law and Diplomacy, spricht deutlich von Hunger als Waffe. Diese wird bewusst als Kriegsstrategie eingesetzt, etwa in Äthiopien, wo in der Region Tigray systematisch Farmen und Ernten zerstört wurden und Nahrungsmittellieferungen blockiert wurden. Auch beim israelischen Gaza-Feldzug wurde Hunger bewusst als Waffe eingesetzt, so de Waal. Weitere Infos dazu auf der Website der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen und in der Edition N° 36 Im Kriegszustand von Le Monde diplomatique.

Mediales Verhungern

Warum macht Hunger keine Schlagzeilen?

Lediglich etwa 10 Prozent der Beiträge entfallen auf den Globalen Süden, obwohl dort etwa 85 Prozent der Weltbevölkerung leben, so Literatur- und Medienwissenschaftler Ladislaus Ludescher. Hunger ist geographisch gesehen mit dem Globalen Süden verbunden und macht, obwohl es Millionen betrifft, keine Schlagzeilen und wirkt sich kaum auf politisch Agenden aus. Im Südwind-Magazin thematisiert Ludescher das mediale Schweigen und die Auswirkungen.

Ernährung, Klima und Landwirtschaft

Wie wirkt sich die Klimakrise auf Ernährungssicherheit und Ernährungssouveränität aus?

  • Die Zunahme an Extremwetterereignissen wirkt sich direkt auf Ernteerträge aus. Eine aktuelle Studie der ETH Zürich kommt etwa zu dem Schluss, dass frühe Hitze Pflanzen auch in Mitteleuropa anfälliger für spätere Hitzewellen macht. Das führt zu 5–55 % höheren Verlusten bei Mais, Soja, Weizen und Gerste in den USA und Europa. Einen Infoartikel zu dieser Thematik bietet auch Our World in Data.
  • Klimawandel begünstigt die Ausbreitung eingeschleppter Schädlinge, durch mildere Winter und höhere Temperaturen.
  • Wasserknappheit: 72 Prozent des weltweit genutzten Süßwassers wird für die Produktion von Lebensmitteln verwendet. Zu den wasserärmsten Gegenden der Welt zählen insbesondere Länder in Nordafrika und Nahost. Mehr Infos dazu im Wasseratlas 2025 der Heinrich-Böll-Stiftung.

Weiterführende Infos

Die FAO zeigt in ihrem aktuellen Bericht zur Ernährungssicherheit The State of Food Security and Nutrition in the World 2025 auf wie die hohe Inflation in vielen Ländern die Kaufkraft und den Zugang zu gesunder Ernährung beeinträchtigt. Besonders gefährdete Gruppen sind Frauen und ländliche Gemeinden. Der Bericht betont die Bedeutung von Maßnahmen zur Stabilisierung der Märkte und fordert Investitionen in widerstandsfähige Agrar- und Lebensmittelsysteme, um langfristige Ernährungssicherheit zu gewährleisten.

Der aktuelle UNICEF Bericht zur Kinderernährung Feeding Profit. How food environments are failing children. (2025) hat festgestellt, dass starkes Übergewicht weltweit erstmals Untergewicht als die häufigste Form der Fehlernährung bei Kindern und Jugendlichen abgelöst hat. Diese Entwicklung ist trotzdem besorgniserregend, denn der Bericht stellt fest, dass Kinder und Jugendliche mit billigen und aggressiv vermarkteten hochverarbeiteten Lebensmitteln und zuckerhaltigen Getränken konfrontiert werden.

Wege aus der Krise: Die Organisationen Südwind und Dreikönigsaktion haben ein Factsheet zu Agrarökologie zusammengestellt.  Das Konzept der Agrarökologie beinhaltet mehr als biologische Landwirtschaft, auch wenn es auf deren Prinzipien aufbaut: Es geht um einen Kreislauf, in dem Boden, Pflanzenwachstum, Ernährung und Gesellschaft in wechselseitiger Beziehung stehen. Besonders Lebensmittelverschwendung und Fleischkonsum sind entscheidende Hebel für eine nachhaltige Ernährung, mehr dazu in der Presseaussendung.

Expert:innen zu Hunger, nachhaltiger Ernährung und globaler Gesundheit

Hager Ali ist Politologin und forscht am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) zur Rolle von Streitkräften in den arabischen und nordafrikanischen Ländern und befasst sich dabei auch mit Hunger als Kriegstaktik. Regelmäßig berät sie Ministerien und andere Organisationen zu Demokratieförderung, Sicherheit und innerstaatlichen Konflikte in der MENA-Region und der Sahelzone.

Christian Haddad ist Politikwissenschafter. Seine Forschungsinteressen umfassen unter anderem globale Gesundheitspolitik, Politische Ökonomien der Gesundheitsforschung & Entwicklung.

Michael Hauser forscht am Institut für Entwicklungsforschung der BOKU zu Agrarökologie, Krisen und Resilienz. Er untersucht wie Menschen und ihre Organisationen komplexe Risiken in Agrar- und Ernährungssystemen bewältigen.

Janina Kehrist Professorin für Medizinanthropologie und Global Health am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien sowie Co-Leiterin des neuen Forschungsverbundes „Gesundheit in Gesellschaft“ an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem politische Anthropologie von Gesundheit und Krankheit, Biopolitik und planetarische Gesundheit.

Stefanie Lemke ist Universitätsprofessorin an der Universität für Bodenkultur (BOKU) und befasst sich mit Ernährungssicherheit. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Menschenrecht auf angemessene Nahrung und Ernährung, Ernährungssicherung, Gender, Intersektionalität, Ernährungssouveränität und nachhaltige Ernährungssysteme. Im Fokus ihrer Forschung ist Subsahara-Afrika.

Ladislaus Ludescher ist Postdoktorand am Germanistischen Seminar Heidelberg und Habilitand an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. In einer Langzeitstudie hat er Sendungen deutschsprachiger Leitmedien ausgewertet. Die Studie gelangt zu dem Schluss, dass die Länder des Globalen Südens in der Berichterstattung massiv und konstant vernachlässigt werden.

Naomi Reinschmidt ist Sozial- und Kulturanthropologin mit dem Schwerpunkt soziale Bewegungen und Umweltthemen. Sie ist im Koordinationsteam der Hunger.Macht.Profite Filmtage und arbeitet als  Bildungsreferentin  bei ÖBV- Via Campesina Austria zu Ernährungssouveränität.

Petra Rust ist Ernährungswissenschafterin. Sie befasst sich mit nachhaltiger Ernährung und Ernährung von vulnerablen Gruppen (insbesondere Kinder, Jugendliche).

Organisationen

Organisationen, die sich für menschwürdiges Leben und gegen Hunger einsetzen:

Brot für die Welt ist eine Nichtregierungsorganisation und entwicklungspolitische Aktion der evangelischen Kirchen in Österreich, die für globale Gerechtigkeit und gegen Hunger und Armut eintritt.

Caritas Österreich betreut derzeit rund 81 Projekte für eine Zukunft ohne Hunger. Maßnahmen zu verbesserten Anbaumethoden, Schulungen über Kompostierung, Düngung, Lagerung und Vermarktung der Ernte ebenso wie die Verteilung von Saatgut, landwirtschaftlichen Geräten und Nutztieren unterstützen Familien in den am stärksten betroffenen Ländern der Welt.

Die Dreikönigsaktion – Hilfswerk der Katholischen Jungschar Österreichs setzt sich für das Menschenrecht auf Nahrung ein. Die DKA tritt für einen Wandel der Agrar- und Ernährungspolitik weltweit ein, informiert über Agrarökologie und unterstützt Kleinbäuer:innen.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist die mit ca. 3.400 Mitarbeitenden weltweit größte und älteste Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sie zählt World Food Programme (WFP) und dem Internationale Fund for Agricultural Development (IFAD) zu den drei in Rom ansässigen Ernährungsinstitutionen des UN-Systems.

FAIRTRADE verbindet Konsument:innen, Unternehmen und Produzent:innen. Faire Handelsbedingungen unterstützt Kleinbäuer:innen sowie Arbeiter:innen in den Ländern des Globalen Südens.

FIAN Österreich setzt sich als Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung ein. Als Teil von FIAN International kämpft FIAN Österreich seit 1986 für ein hungerfreies Leben für alle Menschen ein. FIAN hat Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.

ÖBV – Via Campesina Austria ist die Vereinigung der Berg- und Kleinbäuer:innen in Österreich. Die bäuerliche Basisbewegung betreibt Agrarpolitik und Bildungsarbeit. Der Verein ist Teil der weltweiten Kleinbäuer:innen-Bewegung „La Via Campesina“ mit Organisationen in 73 Ländern und 200 Millionen Mitgliedern.

Slow Food ist eine weltweite Bewegung lokaler Gruppen und Aktivisten, die das gemeinsame Ziel verfolgen, allen Menschen den Zugang zu guten, sauberen und fairen Lebensmitteln zu ermöglichen. Edward Mukiibi ist Lebensmittel- und Landwirtschaftspädagoge, Agrarwissenschaftler und Präsident von Slow Food.

Die Tafel Österreich rettet Lebensmittel und versorgt damit kostenfrei armutsbetroffene Menschen in Sozialeinrichtungen. Jährlich landen in Österreich über eine Million Tonnen genießbarer Lebensmittel im Müll.

UNICEF unterstützt Kinder und Mütter weltweit mit Ernährungsprogrammen. Für 2025 benötigt die UN-Organisation 9,9 Mrd. US-Dollar, um Kinder in Konflikt- und Krisengebieten in einer zunehmend instabilen Welt zu unterstützen. Die Organisation warnt, dass 4,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren aufgrund der Kürzungen lebenswichtiger Leistungen ihr Leben verlieren könnten. Weitere sechs Millionen werden bis Ende 2026 voraussichtlich nicht mehr zur Schule gehen können.

Bücher zum Thema Hunger, Menschenrecht auf Nahrung, Ernährung und Gesellschaft

„Das größte lösbare Problem der Welt“ Die mediale Vernachlässigung des Globalen Hungers (2025)

Ladislaus Ludescher ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. In seiner Medienuntersuchung hat er 39 Medien ausgewertet, darunter über 8.000 Ausgaben von Nachrichtensendungen. Das Buch und einzelne Kapitel können hier heruntergeladen werden.

Trotz alledem: Warum ich die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht aufgebe (2025)

In seinem neuen Buch erinnert der Soziologe Jean Ziegler daran, dass im globalen Süden seit Jahrzehnten ein Vernichtungskrieg gegen die Schwächsten der Menschheit wütet, mit allein 2023 über sechzig Millionen Todesopfern.

Wie kommt der Hunger in die Welt? Antworten auf die Fragen meines Sohnes (2024)

Jean Ziegler, langjähriger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, nimmt die Fragen seines Sohnes als Ausgangspunkt für seinen Klassiker der Globalisierungskritik. Die Erde könnte 12 Milliarden Menschen ernähren, tatsächlich aber werden sehr viele niemals satt. Ziegler hat die Fakten zum Welthunger zusammengetragen. Sein Befund ist deutlich: Hunger ist nicht Schicksal, sondern gemacht.

Rettet die Böden. Ein Plädoyer für eine nachhaltige Raumentwicklung (2024)

Zu viel fruchtbarer Boden wird täglich unwiederbringlich zerstört. Gernot Stöglehner, Universitätsprofessor für Raumplanung an der Universität für Bodenkultur Wien, befasst sich in seinem Buch mit Klimakrise, Ernährungssicherheit und autoorientierter Mobilität.

Regenerativ. Aufbruch in ein neues ökologisches Zeitalter (2024)

Mediziner und Biologe Martin Grassberger ist auch landwirtschaftlicher Facharbeiter und schreibt darüber, warum nachhaltig nicht mehr ausreicht. Regeneration statt Degeneration, sowohl von Landwirtschaft, Wasserkreislauf als auch Gesellschaft und Gesundheitssystemen.

Farming for Future. Leben und Arbeiten in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft (2024)

Lisa Bolyos ist Künstlerin und Redakteurin. In ihrem Buch kommen Bäuer:innen von sieben kleinbäuerlichen Betrieben zu Wort. Sie erzählen von der EU-Agrarpolitik, Schulden, Klimakrise, Ungleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit, aber auch Solidarität.

Termine zu Veranstaltungen mit Fokus auf Hunger

Oktober bis November 2025: FIAN Österreich und ÖBV – Via Campesina Austria organisieren die Hunger.Macht.Profite Filmtage zum Recht auf Nahrung.

14. Oktober 2025: f.eh-Symposium | Natur – Mensch – Gesundheit: Das unterschätzte Potenzial der Vielfalt

16. Oktober 2025: Welternährungstag

10.  bis 14. November 2025: Malnutrition Awareness Week 2025 der österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Ernährung (AKE)

27. November 2025: Österreichische Gesellschaft für Ernährung – Jahrestagung 2025 | Digitalisierung im Ernährungssektor: Ernährung 4.0 – Potenziale und Herausforderung

17. Dezember 2025: Die Hungerkrise | Vortrag an der Wirtschaftsuniversität Wien, Library & Learning Center Festsaal 1

Aviso: Radkonvoi der Menschlichkeit am Welttag der Humanitären Hilfe

Am diesjährigen Welttag der Humanitären Hilfe (19.08.2025) treten Caritas Österreich, Diakonie Katastrophenhilfe, Globale Verantwortung, Licht für die Welt, Österreichisches Rotes Kreuz und Volkshilfe in die Pedale und fordern einen Aufbruch zu mehr Menschlichkeit, um auf die tiefgreifende Wirkkraft der zivilgesellschaftlichen Arbeit für Mensch und Gesellschaft aufmerksam zu machen. 

An drei Stationen appellieren sie an die Bundesregierung, sich klar für die Einhaltung des Humanitären Völkerrechts, die Stärkung der Zivilgesellschaft und für mehr Menschlichkeit einzusetzen. Österreichs internationalen Verpflichtungen entsprechend ist die Regierung gefragt, dazu beizutragen, den weltweit gestiegenen humanitären Bedarf zu stillen und multiplen Krisen vorzubeugen, sie einzudämmen und zu bewältigen. Christoph Pinter, Leiter des UNHCR-Büros in Österreich, wird ebenfalls einen Redebeitrag halten.

Route und Redebeiträge

Dienstag, 19. August 2025

Platz der Vereinten Nationen, 1220 Wien
Treffpunkt: 09:00 Uhr, Start: 09:30 Uhr
Mit Redebeiträgen von

  • Lukas Wank, Geschäftsführer der AG Globale Verantwortung
  • Christoph Pinter, Büroleiter von UNHCR Österreich

über die neue Realität in der internationalen Zusammenarbeit in einer Zeit, in der weltweit der humanitäre Bedarf und die Anzahl schutzsuchender Menschen drastisch steigen.Forum der Zivilgesellschaft, Albert-Schweitzer-Haus
ca. 10:15 Uhr | Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien
Mit Redebeiträgen von

  • Andrea Reisinger, Abteilungsleiterin Internationale Katastrophen und Krisen beim Österreichischen Roten Kreuz
  • Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe
  • Katharina Lehner, Leiterin der Diakonie Katastrophenhilfe

über die Aushöhlung des Humanitären Völkerrechts, die Notwendigkeit, die zivilgesellschaftliche Arbeit in Österreich, Europa und weltweit auch zukünftig abzusichern und die Klimakrise als Krisentreiberin.

Platz der Menschenrechte, 1070 Wien
ca. 10:45 Uhr
Mit Redebeiträgen von

  • Jacqueline Bungart, Expertin für Humanitäre Hilfe bei Licht für die Welt
  • Andreas Knapp, Generalsekretär Internationale Programme der Caritas Österreich

über die Situation von besonders gefährdeten Menschen in Krisen und welche entwicklungspolitischen und humanitären Prioritäten die österreichische Bundesregierung jetzt setzen sollte, um diese zu unterstützen.

Übersicht herunterladen (PDF)

Bei Interesse an einem Interview mit einer Sprecherin oder einem Sprecher wenden Sie sich gerne an presse@globaleverantwortung.at.

Hintergrund

Ob in Ost- und Westafrika, im Nahen Osten, in der Ukraine oder in anderen Krisengebieten: Die Anzahl der Menschen, die weltweit auf Humanitäre Hilfe angewiesen sind und Schutz suchen, ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Dennoch wenden sich immer mehr Regierungen, unter Verweis auf wirtschafts-, verteidigungs- oder migrationspolitische Eigeninteressen, von ihrem Bekenntnis zu internationaler Zusammenarbeit ab. Die weitreichenden Folgen der Budgetkürzungen im Bereich der Entwicklungspolitik und Humanitären Hilfe, die sich letztlich auch auf die eigenen Länder auswirken, scheinen sie dabei zu ignorieren. So wird etwa die Klimakrise auch zehn Jahre nach der Flüchtlingskrise 2015 als Krisentreiberin unterschätzt, obwohl der Krieg in Syrien seinen Anfang in einer langanhaltenden Dürre nahm. Wissenschafter*innen rechnen infolge des USAID-Stopps mit bis zu 14 Millionen Toten bis 2030. Der sinkende Zusammenhalt mit benachteiligten und gefährdeten Menschen und das nachlassende Engagement für eine lebenswerte Umwelt droht zunehmend auch die Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Menschenrechte in Europa zu gefährden.

Rückfragen:
Hannah Hauptmann
Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Globale Verantwortung – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe
Apollogasse 4/9, 1070 Wien
Tel: 01/522 44 22-15
Mobil: +43 699/17 20 42 07
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UNICEF zur Mangelernährung im Sudan: Kinder sind „nur noch Haut und Knochen“

Zusammenfassung der Aussagen von Sheldon Yett, UNICEF-Vertreter im Sudan, bei der heutigen Pressekonferenz im Palais des Nations in Genf.

„In der vergangenen Woche reiste ich von Port Sudan in die Bundesstaaten Aj Jazeera und Khartum und konnte mit eigenen Augen sehen, welche Auswirkungen diese Krise – die größte humanitäre Krise der Welt – auf Kinder und Familien hat.

Während meiner Reise sah ich zerstörte Häuser, Wohnungen und Gebäude. Ich sah unser Lagerhaus in Khartum, geplündert und in Trümmer gelegt. Ich sah, wie unsere humanitären Hilfsgüter dort vernichtet worden waren. Ich sah entwurzelte Gemeinden und Kinder, die zur Flucht gezwungen wurden und nun in überfüllten Stadtvierteln leben.

Ich traf Mütter, die sehr weite Strecken zu Fuß zurückgelegt hatten, um Sicherheit zu finden, und Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfer, die trotz aller Risiken Kranke und unterernährte Menschen versorgten. Ich sah auch unsere Teams und Partner, die unermüdlich arbeiteten, oft unter gefährlichen und ungewissen Bedingungen, um weiterhin lebensrettende Hilfe zu leisten.

Ich besuchte Jebel Aulia, eine von zwei Ortschaften im Bundesstaat Khartum, die als extrem hungergefährdet gelten.

Die Ortschaften Jebel Aulia und Khartum tragen 37 % der Unterernährungsbelastung des Bundesstaates. Diese Gegenden sind zudem am stärksten von der anhaltenden Gewalt und eingeschränktem Zugang betroffen. Ich konnte mit eigenen Augen sehen, dass Kinder nur begrenzten, aber zunehmenden Zugang zu sauberem Wasser, Nahrung, Gesundheitsversorgung und Bildung haben. Mangelernährung ist weit verbreitet, viele Kinder sind nur noch Haut und Knochen. Familien und Kinder leben oft in kleinen, beschädigten oder unfertigen Gebäuden. Die Straßen sind eng, schlammig und häufig unpassierbar – und werden es mit den anhaltenden Regenfällen täglich mehr.

Cholera hat sich in diesem Viertel rasch ausgebreitet. Die wenigen funktionierenden Gesundheits- und Ernährungszentren sind völlig überfüllt.

Gemeinsam mit unseren Partnern tun wir alles, was wir können. Die Sicherheitslage ist nach wie vor prekär, verbessert sich aber. Nach monatelangen Anstrengungen haben wir endlich Zugang zu dieser Gemeinde. Wir unterstützen weiterhin Gesundheits- und Ernährungsdienste, Wasser- und Sanitärversorgung und verlegen dringend benötigte Hilfsgüter dorthin, wo sie am nötigsten gebraucht werden. Wir schaffen auch sichere Räume, in denen Kinder lernen, spielen und heilen können. Doch das Ausmaß der Not ist erschütternd, und gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten wir am Rande unserer Kapazitäten.

Leider gilt all das für das gesamte Land, die Lage verschlechtert sich rapide. Kinder sterben an Hunger, Krankheit und direkter Gewalt. Sie sind von genau den Diensten abgeschnitten, die ihr Leben retten könnten.

Das ist kein hypothetisches Szenario. Es ist eine bevorstehende Katastrophe. Wir stehen kurz davor, eine ganze Generation von Kindern unwiederbringlich zu verlieren – nicht, weil wir nicht das Wissen oder die Mittel hätten, um sie zu retten, sondern weil wir kollektiv daran scheitern, mit der Dringlichkeit und dem Ausmaß zu handeln, die diese Krise erfordert. Wir brauchen Zugang zu diesen Kindern.

Durch die jüngsten Kürzungen bei den Finanzmitteln mussten viele unserer Partner im Bundesstaat Khartum und anderen Regionen im Sudan ihre Aktivitäten zurückfahren. Wir stocken unsere Einsätze auf, aber wir können das nicht allein bewältigen.

Wir benötigen Ressourcen und dauerhaft gesicherten Zugang, um in den Gebieten, die wir nun erreichen können, schnell und umfassend zu handeln. Die rekordhohen Aufnahmezahlen von Kindern in Behandlungszentren für akute schwere Unterernährung in Orten wie Jebel Aulia und weiten Teilen von Aj Jazeera zeigen eindeutig, wie gewaltig der Bedarf in den neu zugänglichen Regionen ist.

Wir müssen lebensrettende Dienste für Kinder rasch ausweiten – dafür brauchen wir sicheren und dauerhaften Zugang, überall dort, wo sich Kinder befinden.

Besonders kritisch ist dies in Gebieten an der Frontlinie, die derzeit völlig von Hilfe abgeschnitten sind: Al Fasher, Dilling und Kadugli. Jeder Tag ohne Zugang zu diesen Orten erhöht das Risiko für das Leben von Kindern.

Eine der geflüchteten Mütter sagte uns: ´Seit Beginn des Krieges ist meine Tochter verstummt. Ich spüre, wie ihr Herz vor Angst rast. ´

Ihre Worte sind eine erschütternde Erinnerung an die unsichtbaren Wunden, die dieser Krieg den Kindern im Sudan zufügt.

Während dieser Reise, ein Jahr nach Ausbruch des Konflikts, habe ich das Schlimmste gesehen, was ein Krieg anrichten kann – und das Beste, wozu die Menschlichkeit imstande ist. Die Kinder im Sudan sind widerstandsfähig. Sie haben nun über zwei Jahre Krieg überstanden. Aber sie können ohne Hilfe nicht überleben.

Wir rufen weiterhin zu anhaltenden diplomatischen Bemühungen für den Frieden auf. Und solange der Konflikt andauert, müssen wir alle gemeinsam alles in unserer Macht Stehende tun, um Kinder zu unterstützen – wir dürfen nicht zulassen, dass sie den höchsten Preis für diesen Krieg zahlen.

Die Welt darf jetzt nicht wegsehen. Nicht jetzt.“

Foto- und Videomaterial zur redaktionellen Nutzung.

UNICEF Österreich
Michael Blauensteiner
Telefon: +43 660 38 48 821
E-Mail: blauensteiner@unicef.at
Website: https://unicef.at

PA: UN Women statement on the escalating humanitarian catastrophe in Gaza

One million women and girls in Gaza are facing mass starvation, violence and abuse. Malnutrition is soaring and essential services have long collapsed, forcing women and girls to adopt increasingly dangerous survival strategies.

“Women and girls in Gaza are facing the impossible choice of starving to death at their shelters, or venturing out in search of food and water at the extreme risk of being killed. Their children are starving to death before their eyes. This is horrific, unconscionable and unacceptable. It is inhumane,” said UN Women Executive Director Sima Bahous. “This suffering must end immediately. We need unhindered humanitarian access at scale and a permanent ceasefire leading to sustainable peace.”s at scale and a permanent ceasefire leading to sustainable peace.” 

Women-led organizations inside Gaza describe how women are boiling discarded food scraps to feed their children, and risking being killed when searching for food and water. Women and girls have run out of basic supplies, which are critical to preserving their health, safety and basic dignity. 

Women and children have borne the brunt of this war for far too long. More than 28,000 women and girls have been killed, most of them mothers leaving children and elderly behind with no protection or caretakers. Women are enduring pregnancies without food, and high-risk deliveries without water or medical care.

UN Women joins the call of the United Nations and humanitarian organizations to put an end to this horror. We reiterate our demand for unrestricted access to humanitarian assistance at scale for women and girls, the release of all hostages, and an immediate ceasefire leading to sustainable peace.

We echo the hopes that this week’s High-Level International Conference for the Peaceful Settlement of the Question of Palestine is a turning point, leading to a viable two-state solution with Israel and Palestine living side by side in peace and security.

For more information, contact the media team at: media.team@unwomen.org.