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PA: Neuer Südwind-Bericht: Gesundheitsrisiken und prekäre Arbeit prägen den Secondhand-Sektor in Uganda

Wien/Kampala, am 2. Juli 2026. Jedes Jahr landen bis zu 100.000 Tonnen Altkleidung aus dem Globalen Norden in Uganda, 40 Prozent davon sind unbrauchbarer Müll – das entspricht 2.000 vollbeladenen LKWs. Zur Bewältigung dieser Altkleider-Flut entstand ein ganzer Arbeitssektor. Schätzungen zufolge arbeiten in Uganda zwischen 700.000 bis zu indirekt 5 Millionen Menschen im informellem Secondhand-Sektor – sei es als Straßenverkäufer:innen, Schneider:innen, Sortierer:innen oder Müllsammler:innen. Ihr Alltag ist geprägt von finanziellem Druck, Gesundheitsrisiken und existenzieller Unsicherheit. Das zeigt ein neuer Bericht der ugandischen Gewerkschafterin und Forscherin Faith Irene Lanyero, im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Südwind. Der Bericht “Die Menschen hinter den Altkleiderbergen. Arbeitsbedingungen in Ugandas Secondhand-Bekleidungssektor” legt einen Fokus auf die menschlichen Schicksale hinter dem Secondhand-Handel und diskutiert Alternativen für einen gerechten Wandel.

„Unter den Bergen an Altkleidern, die nach Uganda kommen, verbirgt sich eine tiefe soziale und ökologische Krise”, sagt Autorin Faith Irene Lanyero. „Hunderttausende Arbeiter:innen schuften oft ohne freien Tag unter gefährlichen Bedingungen, ohne soziale Absicherung, ohne Gewerkschaftsvertretung und meist ohne Chance auf ein existenzsicherndes Einkommen. Die wachsenden Müllberge werden sogar zu einer Bedrohung für angrenzende Siedlungen, wie der Einsturz der Kiteezi-Deponie 2024 mit 35 Todesopfern zeigte.”

„Der globale Secondhand-Markt ist bei weitem kein nachhaltiger Kreislauf. Die Arbeiter:innen in Ugandas Secondhand-Sektor zahlen den Preis für unseren Fast-Fashion-Konsum. Gemäß dem Prinzip ‘Aus den Augen aus dem Sinn’ werden Europas Müllprobleme auf den Globalen Süden abgewälzt, ebenso wie die Verantwortung über den Umgang mit schädlichen Stoffen, Gesundheitsrisiken und prekären Arbeitsbedingungen”, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für Mode-Lieferketten. „Das Fast-Fashion-System hat den Secondhand-Handel zu einer Müllfalle für den Globalen Süden gemacht.”

70 Stunden-Woche, hohe Belastung, keine Absicherung

Obwohl die Secondhand-Branche oft als nachhaltige Lösung dargestellt wird, ist sie von enormen sozialen und ökologischen Problemen geprägt. In Uganda schafft die Branche zwar viele Arbeitsplätze, die Bedingungen dieser Arbeit sind jedoch höchst prekär. Die meisten Arbeiter:innen haben keine Verträge, keine Schutzkleidung, keine soziale Absicherung und keine Gewerkschaftsvertretung. Befragte berichten von 70-Stunden-Wochen, chronischen Schmerzen, Bluthochdruck oder Atemwegsproblemen, verursacht durch schwere Lasten, Hitze und Staub. Das Einkommen reicht oft nicht zum Leben.

Märkte wie Owino in Kampala sind überfüllt, schlecht belüftet und ohne Schutz vor Regen oder Hitze. Überschwemmungen und Brände sind häufige Gefahrenquellen. Vor allem Frauen arbeiten unter besonders prekären Bedingungen: Zugang zu Toiletten, Mutterschutz oder Kinderbetreuung fehlt. Viele Frauen nehmen daher ihre Babys mit in die gefährliche Arbeitsumgebung. Gleichzeitig verrichten sie oft die am schlechtesten bezahlten Jobs, wie das Tragen von Altkleider-Ballen, Bügeln mit Holzkohle, oder das Ausbessern oder Waschen von Kleidung.

Straßenhändlerin Patricia Nyaketcho berichtet: „Ich arbeite von Montag bis Montag, ohne freien Tag, jeweils zehn Stunden, um meine fünfköpfige Familie zu ernähren. Mein Einkommen reicht nicht aus, um unsere Lebenshaltungskosten zu decken. Die große Menge an minderwertiger Second-Hand-Ware verursacht für mich große Verluste.”

Fehlende Kontrollen und mangelhafte Sortierung

Auch Österreich trägt zu diesen Problemen bei. Mit rund 30 Prozent wird zwar überdurchschnittlich viel der aussortierten Altkleidung gesammelt. Aufgrund fehlender Sortierungs-Infrastruktur wird jedoch mehr als die Hälfte exportiert. Das entspricht rund 22.000 Tonnen, die jedes Jahr in einem intransparenten System des Weiterhandels landen, ohne Überprüfung oder Mitsprache von Zielländern wie Uganda.

„Mit unserer alten Kleidung exportieren wir nicht zuletzt massive Umwelt- und Sozialprobleme. Es kann nicht sein, dass wir unsere Müllprobleme auf andere abwälzen, aufgrund von fehlender Infrastruktur, unzureichenden Kontrollen und Mangel an politischem Willen in Österreich”, sagt Südwind-Expertin Lena Gruber. „Die Menschen am Ende der Lieferketten, die unsere Kleidung aussortieren, weiterverarbeiten und entsorgen, haben ein Recht auf Mitsprache und Selbstbestimmung über den für sie so wichtigen Wirtschaftssektor.”

Denn trotz aller Probleme bietet der Secondhand-Sektor in Uganda vielen Menschen eine wichtige Chance: Für viele Familien ist der Handel mit gebrauchter Kleidung die einzige Einkommensquelle. „Secondhand kann Teil einer nachhaltigen Modewirtschaft sein und hochwertige Secondhand-Ware den Bedarf an Neuproduktion reduzieren. Das zeigen einige ugandische Designer:innen, die aus Altkleidern neue Produkte entstehen lassen“, sagt Lena Gruber von Südwind. „Nachhaltig und respektvoll kann das nur gelingen, wenn die Müllflut aus Europa gestoppt und politische Lösungen für das Fast Fashion-Problem umgesetzt werden.“

Forderungen: Vom linearen Müll- zum gerechten Kreislaufsystem

Südwind fordert auf Basis der Studie einen dringenden Kurswechsel: Das Ziel müsse sein, dass nur wiederverwendbare Kleidung exportiert werden darf. Um Müllexporte in Länder des Globalen Südens zu vermeiden, fordert Südwind den Aufbau von ausreichenden Sortierkapazitäten in den Verbraucher-Ländern, strenge Exportkontrollen und Sanktionen bei Falschdeklaration.

Gleichzeitig braucht es Maßnahmen, um die Überproduktion zu bremsen: Dazu zählen eine ökosoziale Steuerung mit Abgaben auf Billigmode zur Finanzierung von nachhaltigen und sozial gerechten Lösungen. In dem Sinne müssen Modemarken basierend auf der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte verantwortlich gemacht werden.

Rückfragen:
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at

PA: Neuer Amnesty-Bericht: RSF beging im Sudan Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberung

Die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) haben bei der Einnahme der Stadt Al-Faschir in Nord-Darfur Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und ethnische Säuberungen durchgeführt. Dies stellt Amnesty International in einem umfangreichen neuen Bericht fest. Die Menschenrechtsorganisation fordert einen sofortigen Waffenstillstand im Sudan sowie die dringende Entsendung internationaler Streitkräfte zum Schutz der Zivilbevölkerung. 

Der Amnesty-Bericht mit dem Titel City Under Siege, Children Under Fire: Rapid Support Forces‘ Crimes Against Humanity in North Darfur beschreibt, wie Zivilist*innen in und um Al-Faschir von Anfang 2024 bis Oktober 2025 verletzt, geschlagen, gefoltert, inhaftiert oder getötet wurden. Dies ist der Zeitraum, in dem die RSF in Nord-Darfur gegen die sudanesische Armee und deren Verbündete kämpfte. Der Konflikt hatte verheerende Auswirkungen auf die Region. Zu den Verbrechen der RSF zählen Mord, Zwangsumsiedlung, Inhaftierung, Folter, Vergewaltigung, Versklavung, sexualisierte Versklavung, andere Formen sexualisierter Gewalt, „Ausrottung“ und Verfolgung.

Hunderttausende Kinder wurden vertrieben; viele von ihnen waren bei Angriffen oder auf der Flucht immer wieder der Gefahr von Tod oder Verletzungen ausgesetzt. Unzählige Kinder wurden zu Waisen. Auch Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen sind akuten Gefahren ausgesetzt. Neben der Gefahr gezielter Angriffe besteht für sie das Risiko, sich selbst überlassen und von wichtigen Hilfsleistungen ausgeschlossen zu werden.

 „Der Krieg im Sudan ist ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung. Die Welt wurde vor den Schrecken gewarnt, die der Zivilbevölkerung in Al-Faschir drohten, als die RSF die Stadt einnahm. Es ist ein Schandfleck auf dem Gewissen der Menschheit“, so Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International.

 „Kinder waren mitnichten Kollateralschäden dieser Gewalt – sie wurden oft gezielt ins Visier genommen und haben unermessliches Leid erfahren. Sie wurden im großen Stil verletzt, vergewaltigt, entführt, zwangsrekrutiert oder getötet. Es muss umgehend ein landesweiter Waffenstillstand geschlossen werden. Eine unabhängige und angemessen ausgestattete internationale Truppe muss im Sudan stationiert werden, um die Zivilbevölkerung vor Verbrechen aller Konfliktparteien zu schützen. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht sofort aktiv wird, werden die Angriffe gegen die Zivilbevölkerung – und das enorme Leid und Trauma, das den Kindern zugefügt wird – unvermindert weitergehen“, sagt Agnès Callamard weiter.  

Amnesty International sprach für diesen Bericht mit 247 Personen. Die Belege, die im Rahmen des geografischen und zeitlichen Umfangs des Berichts ausgewertet wurden, lassen den uneingeschränkten Schluss zu, dass Menschen aufgrund ihrer ethnischen Identität verfolgt wurden. Amnesty International ist der Ansicht, dass einige der in diesem Bericht dokumentierten Taten sowie weitere mutmaßliche Verbrechen, die im Rahmen paralleler Ermittlungen untersucht werden, möglicherweise für den Tatbestand des Völkermords relevant sind. Die Untersuchungen von Amnesty International dauern zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch an. 

Systematische Angriffe der RSF 
Bis November 2023 hatte die RSF die Hauptstädte in vier von fünf Bundesstaaten der Region Darfur unter ihre Kontrolle gebracht. Al-Faschir, die Hauptstadt von Nord-Darfur, war die einzige Stadt, die noch Widerstand leistete. Ab 2024 griff die RSF systematisch die Dörfer, Städte und Flüchtlingslager um Al-Faschir herum an, ging mit Gewalt und Plünderungen gegen die Bewohner*innen vor und brannte zivile Infrastruktur nieder.

Vielerorts gehörten die Betroffenen überwiegend der ethnischen Gruppe der Zaghawa an. RSF-Kämpfer steckten zivile Unterkünfte in Brand, lange nachdem die Bewohner*innen bereits geflohen waren, was darauf schließen lässt, dass sie die Gebiete unbewohnbar machen wollten. Die RSF übt zudem weiterhin die Kontrolle über die Gebiete um Al-Faschir herum aus und verhindert, dass Vertriebene zurückkehren können. Zusammengefasst kommen diese Maßnahmen der ethnischen Säuberung der Gemeinschaft der Zaghawa gleich. 

Am 26. Oktober 2025 startete die RSF ihre letzte Offensive auf Al-Faschir. Bei der Flucht stieß die Zivilbevölkerung auf ein 57 km langes Netz aus Erdwällen. Es kam zu einem Massaker: Hunderte wurden getötet, und viele weitere Menschen wurden gefoltert oder inhaftiert. 

Mehrere RSF-Befehlshaber identifiziert 

Amnesty International machte RSF-Befehlshaber ausfindig, die für schwere Verstöße gegen das Völkerrecht verantwortlich sind. RSF-Mitglieder hatten Massenhinrichtungen per Video festgehalten und die Aufnahmen veröffentlicht. 

Diese Menschenrechtsverstöße wurden wiederholt und in großem Stil begangen, was darauf hindeutet, dass Befehlshabende von ihnen wussten oder hätten wissen müssen und nichts unternahmen, um ihnen einen Riegel vorzuschieben oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. 

Empfehlungen von Amnesty International 

„Der Sudan leidet unter den Folgen der Kürzungen der humanitären Hilfe, die eine ohnehin schon katastrophale Menschenrechtskrise für jene, die alles verloren haben, noch weiter verschärften. Alle internationalen Partner des Sudan müssen dafür sorgen, dass die Geflüchteten und Vertriebenen angemessene Hilfsleistungen zur Krisenbewältigung erhalten, darunter auch gezielte Leistungen für Kinder“, so Agnès Callamard. 

“Zudem muss die Rechenschaftspflicht gestärkt werden, indem sichergestellt wird, dass die bestehenden Rechenschaftsmechanismen für den Sudan in ausreichendem Maße unterstützt werden; so zB. der Internationale Strafgerichtshof sowie Ermittlungsmissionen der Vereinten Nationen und Afrikanischen Union. Gegen die in diesem Bericht genannten Befehlshaber müssen Ermittlungen und – bei ausreichender Beweislage – Strafverfahren eingeleitet werden”, sagt Agnès Callamard weiter. 

Alle Länder müssen unverzüglich die Lieferung von Waffen und Munition an alle Konfliktparteien im Sudan einstellen. Insbesondere müssen alle Länder die Lieferung von Waffen an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – den wichtigsten Geldgeber der RSF – stoppen, bis die VAE das UN-Embargo einhalten. Der UN-Sicherheitsrat muss zudem das gegen Darfur verhängte Waffenembargo auf das gesamte Land ausweiten.

Rückfragen:
Presseteam Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
+43 676 37 13 334
presse@amnesty.at

PA: Jugend Eine Welt vergisst nicht auf die notleidenden Menschen in Tigray

Lage in Krisenregion im Norden Äthiopiens durch mögliches Aufflammen des Bürgerkriegs zusätzlich verschärft | Heiserer: „Keiner in Österreich kann sich Leid in Tigray vorstellen.“

Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni macht die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt auf die weiterhin dramatische Lage in der nordäthiopischen Region Tigray aufmerksam. Dreieinhalb Jahre nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs leben noch immer Hunderttausende Binnenvertriebene in Flüchtlingslagern und Notunterkünften. Die angespannte Sicherheitslage verschärft die Situation zusätzlich. Aus Sorge vor einem Wiederaufflammen der Kämpfe hat die äthiopische Zentralregierung zuletzt die Schulen für vier Monate geschlossen. „Wir erleben in Tigray eine Krise, die international kaum noch Aufmerksamkeit erhält, obwohl die Not vieler Menschen immer größer wird. Deshalb verbinden wir seit Jahren akute Nothilfe mit langfristigen Maßnahmen, die den Menschen wieder Hoffnung und Zukunftsperspektiven geben sollen“ , erklärt Wolfgang Wedan, Globaler Nothilfekoordinator von Jugend Eine Welt.

    Erschütternde Eindrücke Gemeinsam mit Philippa Belcredi, Leiterin der Programmabteilung von Jugend Eine Welt , besuchte Wedan vor wenigen Wochen Projektstandorte und Flüchtlingslager in Tigray. Die Eindrücke seien erschütternd gewesen. „Rund 90 Prozent der öffentlichen Schulen, die wir besucht haben, sind nach wie vor von Binnenvertriebenen belegt. Man weiß schlicht nicht, wo die Menschen sonst untergebracht werden sollen. Gleichzeitig fehlen dadurch Lernorte für Kinder und Jugendliche, die ohnehin schon Jahre ihrer Schulbildung verloren haben“ , berichtet Wedan.

    Katastrophale Verhältnisse in Flüchtlingscamps Besonders prekär sind die Bedingungen in den Flüchtlingscamps. In der Stadt Adwa leben 40.000 Menschen auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik, die während des Krieges geplündert wurde. „Jede Familie verfügt dort nur über wenige Quadratmeter, die durch aufgehängte Decken oder Planen voneinander getrennt sind. Der Anblick ist bedrückend“ , schildert Belcredi. Hinzu kommen massive Versorgungsprobleme. „Es gibt viel zu wenig Nahrung. Erste Todesfälle aufgrund von Unterernährung wurden in den letzten Wochen gemeldet. Dazu kommt die extreme Wasserknappheit. Wasser muss mit einem Tankwagen zum Camp gebracht werden. Aufgrund des Treibstoffmangels in der Region – wenn überhaupt vorhanden, dann kostet ein Liter auf dem lokalen Markt mittlerweile EUR 4,50 – steht die Wasserversorgung praktisch still. Das betrifft nicht nur Trinkwasser, sondern auch das Wasser zum Kochen und Duschen. Demensprechend katastrophal sind die hygienischen Zustände. Die vorhandenen acht (!) Toiletten für 40.000 Geflüchtete funktionieren meist nicht. Für die Duschen gibt es kein Wasser. Mangels Alternativen versuchen sich die verzweifelten Menschen im Camp mit Asche zu reinigen“ , berichtet Belcredi. Fehlende Abfallentsorgung und mangelnde Beleuchtung führen zudem dazu, dass nachts immer wieder Hyänen in die Lager eindringen. In der Vergangenheit wurden dabei sogar Kinder angegriffen.

    Belasteter Bildungsalltag Neben den Folgen von Krieg und Vertreibung belastet vor allem der Mangel an Lernmaterialien den Bildungsalltag der Mädchen und Buben. Schulbücher, Hefte und Stifte sind vielerorts kaum vorhanden, da Familien ihr knappes Geld für Wasser und Lebensmittel benötigen. „Für viele Kinder sind ein Bleistift oder ein Schulheft keine Selbstverständlichkeit. Oft wird Wissen mündlich vermittelt, weil Bücher fehlen. Die Kinder können sich nichts aufschreiben und müssen darauf hoffen, sich alles zu merken“ , so Wedan.

    Bitte helfen Sie! Gemeinsam mit den Salesianern Don Boscos, langjährige Projektpartner in der Region, unterstützt Jugend Eine Welt deshalb neben der Nothilfe auch Bildungs- und Ausbildungsprogramme. In sogenannten „Child Friendly Spaces“ finden Kinder Schutz, psychosoziale Betreuung und die Möglichkeit zu lernen und zu spielen. Wenn ausreichend Lebensmittel vorhanden sind, erhalten sie dort auch Mahlzeiten, wie zum Beispiel frisch gebackenes Brot, um den Hunger zu stillen. „Die Situation bleibt äußerst herausfordernd und wird durch das mögliche Aufflammen des Bürgerkriegs noch verschärft. Die Menschen in Tigray brauchen nicht nur Hilfe zum Überleben, sondern auch Chancen für die Zukunft. Beides gehört untrennbar zusammen“ , appelliert Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt . „Bitte vergessen Sie nicht auf die notleidenden Menschen und helfen Sie mir Ihrer Spende. Keiner von uns hier in Österreich kann sich nur im Geringsten vorstellen, was für ein Leid in Tigray seit Jahren passiert.“

Rückfragehinweis:
Jugend Eine Welt | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Thomas Zach, MA
Telefon: +4366488632574
E-Mail: thomas.zach@jugendeinewelt.at
Website: https://www.jugendeinewelt.at

PA: Somalia: 500 Gesundheitszentren mussten wegen Mittelkürzungen schließen – CARE warnt vor Hungersnot

Mittelkürzungen, Dürre und steigende Kosten treiben Somalia in eine humanitäre Katastrophe. 500 Gesundheitszentren mussten schließen, knapp 500.000 Kinder leiden unter lebensbedrohlichem Hunger. CARE fordert sofortiges Handeln.

Fast zwei Millionen Kinder sind in Somalia akut mangelernährt, knapp 500.000 davon in lebensbedrohlichem Zustand. Seit Jänner mussten landesweit 500 Gesundheitseinrichtungen wegen gravierender Finanzierungslücken schließen – darunter 50 von CARE unterstützte Gesundheits- und Ernährungszentren in Puntland, Somaliland, Galmudug und Lower Juba. Dort wurden monatlich tausende schwangere Frauen und Kinder behandelt. Die Schließungen unterbrechen die lebensrettende Versorgung von Millionen Menschen. Eine anhaltende Dürre verschärft die Lage zusätzlich. Die Hilfsorganisation CARE warnt vor einer drohenden Hungersnot.

„Das ist ein Zusammenbruch“

„In Galmudug ist die Lage katastrophal. Mittelkürzungen haben zur Schließung von elf Gesundheitszentren geführt, Bargeldhilfen und Projekte zur Verbesserung der Wasserversorgung wurden eingestellt. Familien haben keinen Zugang mehr zu Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser oder Nahrung. Mütter sehen zu, wie ihre Kinder immer schwächer werden, schwangere Frauen haben keine Anlaufstelle. Krankheiten wie Cholera, Masern und Diphtherie breiten sich aus. Das ist keine langsam wachsende Krise. Das ist ein Zusammenbruch“, warnt Abdikadir Ore, CARE-Nothilfekoordinator in Somalia.

In Kismayo berichten Pflegekräfte von CARE und Partnerorganisationen von einem starken Zustrom erschöpfter und dehydrierter Schwangerer in den verbliebenen Gesundheitseinrichtungen. Viele von ihnen sind tagelang ohne Nahrung und Wasser zu Fuß unterwegs, auf der Suche nach Versorgung, die längst nicht mehr gewährleistet ist. 

Steigende Kosten durch Konflikt im Nahen Osten

Die Krise wird durch Konflikte, Klimaschocks, Vertreibung, wirtschaftliche Instabilität und massive Mittelkürzungen angetrieben. Rund sechs Millionen Menschen in Somalia sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Ein erwartetes El-Niño-Ereignis zwischen Juni und Juli sowie damit verbundene Ernteausfälle durch Wetterextreme könnten die Lage weiter verschärfen.

Gleichzeitig treiben globale Lieferkettenstörungen infolge der Schließung der Straße von Hormuz die Kosten für Lebensmittel, Treibstoff und Hilfsgüter weiter in die Höhe. Die Wasserpreise sind in manchen Regionen um bis zu 300 Prozent gestiegen. Auch lebensrettende Hilfsmittel werden teurer: Ein Karton therapeutischer Milch zur Behandlung schwerer Mangelernährung bei Kindern kostete 2024 noch 139 US-Dollar – 2026 sind es bereits 200 US-Dollar, ein Anstieg von rund 44 Prozent in nur zwei Jahren.

CARE fordert mehr Mittel für humanitäre Hilfe

„Die Hungerkrise in Somalia zwingt Familien zu unmöglichen Entscheidungen: Mütter müssen wählen, welches Kind heute etwas zu essen bekommt. Wer jetzt nicht handelt, riskiert Menschenleben“, warnt Ummy Dubow, CARE‑Länderdirektorin in Somalia. „Bis eine Hungersnot offiziell ausgerufen wird, ist es für die Kinder, die jetzt sterben, bereits zu spät.“

CARE stellt gemeinsam mit lokalen Partnern Bargeld zur Deckung der dringendsten Bedürfnisse, Gesundheitsversorgung, Ernährungshilfe und Schutzleistungen für Familien in Somalia bereit. Doch ohne rasche Zusatzfinanzierung drohen auch diese Programme gekürzt zu werden. CARE fordert daher eine sofortige Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe – flexibel, gerecht und mit besonderem Fokus auf der Unterstützung lokaler und von Frauen geführter Organisationen, die in Krisengebieten an vorderster Front arbeiten. Alle Konfliktparteien müssen humanitäre Hilfe ungehindert zulassen und das humanitäre Völkerrecht einhalten, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

Rückfragen:
Stephanie Weber
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CARE Österreich
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PA: Ebola in DR Kongo und Uganda: UNICEF verstärkt Schutz für Kinder und Familien

UNICEF ist zutiefst besorgt über bestätigte Ebola-Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und in Uganda sowie über das wachsende Risiko für Kinder und gefährdete Gemeinschaften in der gesamten Region – eine Situation, die von der Weltgesundheitsorganisation inzwischen als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite eingestuft wurde.

Bislang wurden insgesamt 246 Verdachtsfälle gemeldet, mit 80 vermuteten Todesfällen in der Provinz Ituri im Osten der DRK; auch Uganda hat zwei Fälle gemeldet, darunter ein Todesfall. Diese Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit, die Regierungen bei der Umsetzung schneller Maßnahmen zur Eindämmung des Ausbruchs zu unterstützen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern – unter Einbeziehung der Gemeinschaften und relevanter Akteure sowie durch Sicherstellung grenzüberschreitender Koordination.

Diese Variante des Ebola-Virus, der Bundibugyo-Stamm, ist weniger verbreitet als der Zaire-Stamm. Derzeit gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Behandlung. Es wird angenommen, dass die Verbreitung dieses speziellen Ebola-Virus Ende April begonnen haben könnte.

Das instabile Sicherheitsumfeld, anhaltende Zugangsbeschränkungen und eine hohe Mobilität der Bevölkerung erhöhen das Risiko einer raschen Übertragung in betroffenen und angrenzenden Gebieten. Kinder sind den Auswirkungen von Ebola-Ausbrüchen besonders ausgesetzt, darunter Unterbrechungen grundlegender Dienstleistungen, der Verlust von Eltern und Betreuungspersonen, Stigmatisierung, psychosoziale Belastungen und erhöhte Schutzrisiken.

UNICEF hat bereits nahezu 50 Tonnen an Materialien zur Infektionsprävention und -kontrolle mobilisiert, darunter Desinfektionsmittel und Seife, persönliche Schutzausrüstung sowie Wasseraufbereitungstabletten und Wassertanks, die nach Bunia geliefert wurden. Ein multidisziplinäres Notfall-Schnellreaktionsteam trifft ebenfalls in Kürze ein, um technische Unterstützung in vorrangigen Bereichen zu leisten, einschließlich der Unterstützung von Risikokommunikation und Maßnahmen zur Einbindung der Gemeinschaft. Ziel ist es, die Kommunikation zu verstärken, damit Familien verstehen, wie Ebola übertragen wird und wie sich das Infektionsrisiko verringern lässt. Mehr als 2.000 Gemeindegesundheitshelfer sind bereits im Einsatz, doch werden dringend zusätzliche Kapazitäten und Ressourcen benötigt, um eine wirksame Abdeckung sicherzustellen, insbesondere in schwer zugänglichen Gebieten.

Als Reaktion auf den Ausbruch hat UNICEF seine höchste Notfallklassifizierung aktiviert (eine unternehmensweite Notlage der Stufe 3), um eine organisationsweite Ausweitung der Vorbereitungs- und Reaktionsmaßnahmen in betroffenen und gefährdeten Gebieten zu unterstützen. Die Aktivierung ermöglicht die sofortige Bereitstellung flexibler Mittel, die beschleunigte Entsendung von Notfallpersonal, vereinfachte operative Verfahren für Länderbüros sowie eine verstärkte Koordination auf regionaler Ebene und in den Hauptquartieren, um betroffene Kinder und Familien zu unterstützen. UNICEF arbeitet dabei eng mit Partnern zusammen, darunter die WHO und Africa CDC, zur Unterstützung von durch Regierungen geleiteten Maßnahmen.

Jeder Ebola-Ausbruch bringt Kinder in Gefahr – nicht nur durch das Virus selbst, sondern auch durch die umfassenden Störungen von Gesundheits-, Ernährungs-, Bildungs- und Schutzsystemen. UNICEF fordert einen sofortigen, sicheren und dauerhaften humanitären Zugang zu den betroffenen Gemeinschaften, insbesondere im Osten der DRK, um gefährdete Kinder und Familien erreichen zu können.

Schnelles Handeln, vertrauensvolle Einbindung der Gemeinschaften sowie anhaltende Unterstützung für Einsatzkräfte an vorderster Front und Gemeindegesundheitshelfer – die ebenfalls erheblichen Risiken ausgesetzt sind – werden entscheidend sein, um Kinder zu schützen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.“

Hinweis
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UNICEF Österreich
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PA: Straße von Hormus: Folgen der Schließung treffen mangelernährte Kinder in Somalia und Malawi am härtesten

CARE warnt vor den dramatischen Folgen der Schließung der Straße von Hormus, da die Kosten für lebensrettende Hilfe explodieren / „Wenn lebensrettende Behandlung ausbleibt, wird Hunger zum Todesurteil“

 Die Schließung der Straße von Hormus infolge des Konflikts im Nahen Osten hat dramatische Auswirkungen auf die humanitäre Versorgung im östlichen und südlichen Afrika. Besonders betroffen sind Kinder in Somalia und Malawi, warnt die Hilfsorganisation CARE. Innerhalb von nur zwei Monaten haben sich die Transportkosten für lebensrettende therapeutische Spezialnahrung mehr als verdreifacht – von 55 auf 200 US-Dollar pro Karton. Ein Behandlungsprogramm, das ursprünglich 300 schwer mangelernährte Kinder unter fünf Jahren versorgen sollte, erreicht damit nur noch 83 Kinder.

Eine Analyse von IPC (Integrated Food Security Phase Classification) hat ergeben, dass derzeit jede dritte Person in Somalia unter akuter Ernährungsunsicherheit leidet. Fast zwei Millionen Menschen befinden sich bereits in einer schweren Notlage – rund eine halbe Million mehr als ursprünglich prognostiziert. Für 2026 wird erwartet, dass rund 1,9 Millionen Kinder wegen akuter Mangelernährung behandelt werden müssen.

„Jede Verzögerung, jedes leere Lager bedeutet, dass wir ein Kind nicht rechtzeitig erreichen. Wenn lebensrettende Behandlung ausbleibt, wird Hunger zum Todesurteil. Das darf niemals die Realität für ein Kind sein“, sagt Ummy Dubow, CARE-Länderdirektorin in Somalia.

Malawi: Versorgungsengpässe verschärfen Ernährungskrise

In Malawi leiden derzeit mehr als vier Millionen Menschen – fast ein Viertel der Bevölkerung – unter akuter Ernährungsunsicherheit. Mehr als ein Drittel der Harnstoffimporte und knapp ein Viertel aller Düngemittelimporte des Landes sind von Transportwegen durch die Straße von Hormus abhängig. Die Treibstoffpreise sind bereits um rund 35 Prozent gestiegen.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) warnt: Ein Rückgang der Düngemittelverfügbarkeit in Subsahara-Afrika um zehn Prozent könnte die regionalen Lebensmittelpreise um bis zu acht Prozent erhöhen – mit direkten Folgen für die Ernährungssicherheit von Kindern und Familien. Für Mädchen steigt zudem das Risiko von Schulabbrüchen und Frühverheiratung.

Weltweit bis zu 45 Millionen Menschen zusätzlich von Hunger bedroht

Das Welternährungsprogramm (WFP) prognostiziert, dass bis Juni weitere 45 Millionen Menschen weltweit von akuter Hungersnot betroffen sein könnten, wenn der Konflikt im Nahen Osten andauert und der Ölpreis dauerhaft über 100 US-Dollar pro Barrel bleibt.

„Die explodierenden Kosten für Lebensmittel, Treibstoff und Transport werden erhebliche Folgen für internationale Hilfseinsätze haben. Und das nach dem Jahr mit den größten Kürzungen humanitärer Hilfsgelder in der Geschichte. Am härtesten trifft es jene, die bereits jetzt unter Hunger, der Klimakrise und Konflikten leiden – darunter vor allem Frauen und Mädchen. Wenn Nahrung knapp wird, verzichten sie oft als Erste auf Mahlzeiten“, warnt Robyn Savage, CARE-Direktorin für weltweite Nothilfeeinsätze.

CARE fordert sofortiges Handeln

Die Wiederöffnung der Straße von Hormus ist entscheidend, damit humanitäre Hilfe Kinder, Frauen und Familien in Krisengebieten erreichen kann. Selbst bei einer sofortigen Wiedereröffnung werden die Lieferketten noch monatelang gestört bleiben.

CARE fordert die internationale Gemeinschaft auf, humanitären Zugang sicherzustellen und die Finanzierung humanitärer Hilfe deutlich auszuweiten. Dazu gehört insbesondere die Unterstützung lokaler und von Frauen geführter Organisationen, die in Krisengebieten an vorderster Front arbeiten. Robyn Savage ergänzt: „Ein anhaltender, inklusiver und umfassender Waffenstillstand ist der einzige Weg, um die Zivilbevölkerung zu schützen und eine globale Hungerkrise zu verhindern. Humanitäre Hilfe muss sicher, vollständig und ungehindert alle Menschen in akuter Not erreichen können.“

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PA: CARE warnt zum Muttertag: Globale Hilfskürzungen bringen Mütter weltweit in Lebensgefahr

CARE Österreich warnt vor Rückschritten im Kampf gegen Müttersterblichkeit / 70 Prozent der mütterlichen Todesfälle geschehen in Subsahara-Afrika / Im Sudan haben 1,1 Millionen schwangere Frauen keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung

Anlässlich des Muttertags macht CARE Österreich auf die wachsende Gefährdung von Müttern weltweit aufmerksam: Alle zwei Minuten stirbt eine Frau an Komplikationen rund um Schwangerschaft oder Geburt – das sind rund 260.000 Todesfälle pro Jahr. Fast zwei Drittel aller mütterlichen Todesfälle ereignen sich heute in Ländern, die von Krisen oder Konflikten betroffen sind. 70 Prozent entfallen auf Subsahara-Afrika. Gleichzeitig kürzen Geberländer zunehmend Mittel für humanitäre Hilfe, darunter lebensrettende Gesundheitsprogramme, weltweit.

„Schwangerschaft und Geburt zählen zu den verletzlichsten Momenten im Leben einer Frau. In fragilen Kontexten ist die Wahrscheinlichkeit für Frauen, dabei zu sterben, fünfmal höher als in stabilen Gesundheitssystemen“, sagt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Vor diesem Hintergrund warnen wir davor, dass Hilfsgelder weiter gekürzt werden. Wenn es keine Mittel für Gesundheitseinrichtungen gibt, Hebammen nicht ausgebildet werden können und Medikamente knapp sind, kann eine Geburt für Frauen ein Todesurteil sein.“

Der Abbau zentraler Hilfsprojekte, insbesondere von USAID geförderter Programme, hat bereits jetzt zur Folge, dass Gesundheitszentren schließen, mobile Kliniken eingestellt werden und es vielerorts keine medizinische Versorgung für Schwangere und Neugeborene gibt. Eine aktuelle Analyse¹ zeigt, dass der Wegfall der USAID-Mittel die Zahl der Todesfälle rund um Schwangerschaft und Geburt in Ländern wie Burkina Faso, der Zentralafrikanischen Republik, dem Tschad, Mali, Niger und Nigeria um durchschnittlich bis zu 45 Prozent steigen lassen könnte. Nigeria wies laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO)2 bereits 2023 – im zuletzt erfassten Zeitraum – mit 993 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten die höchste Muttersterblichkeitsrate weltweit auf, dicht gefolgt vom Tschad mit 748 und der Zentralafrikanischen Republik mit 692 Todesfällen.

Konflikt im Sudan: Geburt auf der Flucht

Im Sudan haben rund 1,1 Millionen schwangere Frauen – von insgesamt 17,1 Millionen auf Hilfe angewiesenen Frauen und Mädchen – keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung. Der seit April 2023 andauernde Krieg im Sudan hat eine der schwersten humanitären Krisen weltweit ausgelöst. Das Gesundheitssystem ist weitgehend kollabiert. Mehr als 4,3 Millionen Frauen und Mädchen sind innerhalb des Landes vertrieben, Millionen weitere in Nachbarländer wie den Südsudan geflohen.

Dort ist die Lage selbst kritisch: Laut eines kürzlich veröffentlichten IPC-Berichtssind rund 7,8 Millionen Menschen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung – von einer Ernährungskrise betroffen. Akute Mangelernährung, vor allem bei Kindern, Schwangeren und stillenden Müttern, steigt in alarmierendem Tempo. Schwangere Frauen haben oft keinen sicheren Ort zur Entbindung und keine medizinische Unterstützung bei Komplikationen. Die Müttersterblichkeit im Südsudan ist hoch: 692 Frauen sterben dort pro 100.000 Lebendgeburten.

CARE-Nothilfereporterin Sarah Easter besuchte kürzlich ein CARE-Gesundheitszentrum an der südsudanesisch-sudanesischen Grenze. Sie berichtet: „Galatia, eine 40-jährige Sudanesin, erzählte mir, wie sie hochschwanger durch den Busch floh und ihre Tochter auf dem Boden einer fremden Hütte zur Welt brachte – ohne Hebamme, ohne sauberes Wasser. Was sie erlebte, ist kein Einzelschicksal. Über eine Million schwangere Frauen fliehen im Sudan vor Bomben und Gewalt, viele bringen ihre Kinder unterwegs zur Welt. Ohne medizinische Versorgung sterben Mütter an Blutungen und Infektionen, die längst behandelbar wären. Einrichtungen wie die von CARE retten täglich Leben. Doch die Finanzierung läuft aus. Und damit steigt die Gefahr, dass Frauen sterben, die eigentlich überleben könnten.“

So hilft CARE: CARE ist in über 120 Ländern im Einsatz und setzt einen besonderen Fokus auf die Unterstützung von Frauen und Mädchen. In Krisenregionen stellt CARE mobile Gesundheitsdienste bereit, unterstützt Geburten medizinisch, bildet Gesundheitspersonal, darunter Hebammen, aus und sorgt für Zugang zu sauberem Wasser und Hygieneartikeln. In akuten Notlagen schafft CARE sichere Räume für Frauen und bietet psychosoziale Unterstützung für Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt.

Quellen:
1 Cummins, M. (2026): Aid cut, lives lost: Estimating the impact of USAID’s withdrawal on maternal mortality in six African countries. Health Policy and Planning, czag034. https://doi.org/10.1093/heapol/czag034
2 WHO et al. (2025): Trends in Maternal Mortality: 2000 to 2023. Genf: WHO. https://www.who.int/publications/i/item/9789240108462  
3 IPC (Integrated Food Security Phase Classification) (2026): South Sudan: Acute Food Insecurity Projection Update for April – July 2026https://www.ipcinfo.org/ipc-country-analysis/details-map/en/c/1163302/?iso3=SSD

Rückfragen:
Stephanie Weber
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PA: DR Kongo: Bewaffnete Gruppe ADF begeht Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit 

 Zivilist*innen werden getötet, entführt und gefoltert, Handlungen der mit dem Islamischen Staat in Verbindung stehenden Gruppe stellen Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.
„Die Gewalt der ADF trägt zu einer weiteren Verschärfung der humanitären Krise bei“ – Agnès Callamard.

Zivilist*innen im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) leiden unter einer Zunahme von Menschenrechtsverstößen durch Mitglieder der bewaffneten Gruppe Allied Democratic Forces (ADF). Diese begehen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, so Amnesty International in einem neuen Bericht. Der Bericht “I’d Never Seen So Many Bodies”: War Crimes by the Allied Democratic Forces in the eastern Democratic Republic of Congo dokumentiert gewalttätige Angriffe der ADF auf Zivilist*innen, Entführungen und Zwangsarbeit, die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern sowie weitere Misshandlungen und Verbrechen gegen Frauen und Mädchen, darunter Zwangsverheiratung, das erzwungene Austragen von Schwangerschaften und verschiedene andere Formen sexualisierter Gewalt.

Die Taten, die von der mit der bewaffneten Gruppe Islamischer Staat (IS) in Verbindung stehenden ADF begangen werden, stellen zahlreiche Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und in vielen Fällen auch Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Die Angriffe erfolgen in weiten Teilen des Ostens der DR Kongo.

„Die Zivilbevölkerung im Osten der DR Kongo hat unter der brutalen Gewalt der ADF-Kämpfer sehr gelitten. Zivilist*innen wurden im Rahmen einer gezielten Entmenschlichung getötet, entführt und gefoltert“, sagt Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International. „Kämpfer der ADF haben Dörfer und Bauernhöfe überfallen, medizinische Einrichtungen angegriffen sowie Häuser geplündert und niedergebrannt. Die Gewalt der ADF trägt zu einer weiteren Verschärfung der humanitären Krise bei. Die Angriffe der Gruppe haben zu einer verstärkten Vertreibung sowie zur Unterbrechung von Versorgungsleistungen wie dem Zugang zu Nahrungsmitteln, zu Gesundheitsversorgung und Bildung geführt.

Diese Menschenrechtsverstöße stellen Kriegsverbrechen dar, die von der Welt nicht länger ignoriert werden dürfen. Als Teil eines umfassenden und systematischen Angriffs gegen die Zivilbevölkerung stellen sie außerdem Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.

Amnesty International hat im November 2025 Recherchen in der Provinz Nord-Kivu durchgeführt. Insgesamt wurden 71 Personen befragt. In 61 Fällen handelte es sich um persönliche Gespräche mit Augenzeug*innen und Überlebenden von Angriffen, Angehörigen der Zivilgesellschaft, Militär- und Polizeikräften sowie Angehörigen humanitärer Hilfsorganisationen, unter anderem von den Vereinten Nationen.

Die Streitkräfte der Demokratischen Republik Kongo (Forces Armées de la République Démocratique du Congo – FARDC) kämpfen seit Jahren gegen die ADF, wobei sie von der UN-Mission MONUSCO unterstützt werden. Die FARDC und die ugandischen Streitkräfte (Uganda People’s Defence Forces – UPDF) haben im November 2021 eine gemeinsame Militäroperation zur Bekämpfung der ADF gestartet.

Die ADF ist in den 1990er Jahren in Uganda aus einem Zusammenschluss oppositioneller Gruppen entstanden und hat später in Zaire (heute DR Kongo) Zuflucht gesucht. Im Jahr 2019 erkannte die bewaffnete Gruppe Islamischer Staat (IS) offiziell einen Treueeid der ADF an, und die ADF wurde schließlich zum Islamischen Staat Provinz Zentralafrika.

„Sie haben auf alles geschossen, was sich bewegte“

Amnesty International hat acht Angriffe der ADF in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu dokumentiert. Sieben der Angriffe erfolgten 2025, einer fand 2024 statt. Zeug*innen berichteten, dass Sicherheitskräfte, darunter auch Angehörige der FARDC von nahegelegenen Stützpunkten, nicht immer reagierten oder zu spät am Ort der Angriffe eintrafen. Die ADF greift zwar auch Sicherheitskräfte an, doch hat sie in den letzten Jahren vor allem die Zivilbevölkerung ins Visier genommen. 

Am 8. September 2025 mischten sich ADF-Kämpfer im Dorf Ntoyo in Zivil unter die Trauergäste einer Totenwache, um die Menschen dann plötzlich anzugreifen. Bei dem Massaker, bei dem Hämmer, Äxte, Macheten und Schusswaffen zum Einsatz kamen, starben mehr als 60 Menschen. Sicherheitskräfte waren nicht zugegen.

Am 12. Juli 2025 tötete die ADF bei einem Überfall in Otmaber im Gebiet Irumu in Ituri acht Menschen. Eine Frau berichtete Amnesty International, dass Kämpfer auf sie, ihren Mann und ihren siebenjährigen Sohn geschossen hätten. Sie sagt: „Nachdem sie auf uns geschossen hatten, fingen sie an, Häuser anzuzünden … Mein Sohn und ich krochen langsam in ein Haus, das nicht brannte, und verbrachten die Nacht dort … Selbst am nächsten Morgen ist das Militär nicht gekommen. Alle waren auf sich allein gestellt.“

Die Gruppe hat zudem wiederholt Gesundheitseinrichtungen angegriffen und Vorräte geplündert. Im November 2025 wurde ein Gesundheitszentrum im Dorf Byambwe angegriffen. Mindestens 17 Zivilist*innen wurden getötet, und vier der Stationen wurden in Brand gesetzt. Eine ältere Person, die auf den Knien aus der Einrichtung entkommen konnte, sagte: „Man konnte nicht stehen bleiben. Sie haben auf alles geschossen, was sich bewegte.“ 

Entführungen und Geiselnahmen

Amnesty International hat 46 Entführungsfälle dokumentiert, darunter sieben Fälle, in denen Geiseln zur Erpressung von Lösegeld festgehalten wurden. Die Entführten waren weiteren Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen wie Zwangsarbeit, Folter, sexualisierter Versklavung und rechtswidrigen Tötungen ausgesetzt.

Geiseln und andere Entführte wurden häufig gezwungen, als Lastenträger*innen und Guides für die ADF zu fungieren. Die Kämpfer gaben ihnen nur sehr wenig zu essen und zwangen sie unter Beleidigungen und Schlägen, tagelang zu marschieren und schwere Lasten zu tragen. Wer Anzeichen von Erschöpfung zeigte, wurde oft getötet.

Anwerbung und Einsatz von Kindern

Die ADF wird von den Vereinten Nationen als eine der Gruppen geführt, die in der DR Kongo am häufigsten für die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern verantwortlich sind. Die Gruppe setzt Kinder in verschiedenen Funktionen ein, unter anderem als Kämpfer, Träger*innen, Köch*innen und Wachposten. Viele ehemalige Entführte und Augenzeug*innen gaben an, Kinder gesehen zu haben, die vermutlich nicht älter als zehn Jahre alt waren und bereits an Angriffen der Gruppe teilnahmen.

Amnesty International befragte zwei ehemals entführte Kinder sowie drei Jugendliche, die als Kinder entführt worden waren und alle von der ADF für verschiedene Zwecke eingesetzt wurden. Die Befragten waren zum Zeitpunkt ihrer Entführung zwischen 13 und 17 Jahre alt.

Ein Jugendlicher, der im Alter von unter 15 Jahren entführt worden war und etwa zwei Jahre in Gefangenschaft verbracht hatte, sagte: „Sie steckten mich in eine Gruppe, die für die Nahrungssuche zuständig war … Sie predigten uns den Islam … Wenn es Zeit zum Beten war, betete ich mit ihnen. Wenn man sich weigerte, konnten sie einen töten.“

Angesichts der zahlreichen Menschenrechtsverletzungen in Form von Folter und anderen Misshandlungen, denen diese Kinder ausgesetzt waren, sind sie in erster Linie als Opfer zu betrachten. Ihnen muss zudem zusätzlicher Schutz als Überlebende von Menschenhandel gewährt werden.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Amnesty International befragte fünf Frauen und zwei Mädchen, die von der ADF entführt und zur „Heirat“ gezwungen worden waren. Nach Angabe von Zeug*innen waren „außereheliche“ Beziehungen nicht erlaubt; mehrere Befragte berichteten jedoch von Fällen sexualisierter Gewalt durch ADF-Kämpfer gegenüber Frauen und Mädchen außerhalb der „Ehe“.

Aus den Interviews geht hervor, dass die ADF ihren Kämpfern eine „Ehefrau“ – manchmal sogar mehrere – als Rekrutierungsanreiz zur Verfügung stellte. Diese Praxis wird in den Lagern der Gruppe systematisch angewendet. Die Frauen und Mädchen waren über längere Zeiträume sexualisierter und körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Frauen und Mädchen berichteten zudem, dass sie gezwungen wurden, zum Islam zu konvertieren und mit der religiösen Auslegung der Gruppe indoktriniert wurden. Die Frauen und Mädchen gaben an, von Ausbilderinnen und Lagerleitung ausdrücklich darauf hingewiesen worden zu sein, dass sie die Zuweisung von „Ehemännern“ akzeptieren oder andernfalls mit dem Tod rechnen müssten. Mehrere von ihnen wurden gezwungen, die Tötung anderer mitanzusehen, die sich den Befehlen widersetzt hatten.

Sechs der sieben Frauen und Mädchen, die als „Ehefrauen“ verschleppt worden waren, gaben an, infolge der Zwangsverheiratung schwanger geworden zu sein. Auch wenn es diesen entführten Frauen und Mädchen gelang, der sexualisierten Versklavung und der häuslichen Knechtschaft zu entkommen, sahen sie sich mit Misstrauen und Stigmatisierung konfrontiert. 

Forderungen von Amnesty International

Die Behörden in der DR Kongo müssen mehr tun, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Dies muss unter anderem durch die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und lokalen Gemeinschaften passieren, um Frühwarnmechanismen zu verbessern und eine schnelle Reaktion noch vor einem Angriff zu ermöglichen. Erforderlich sind ein umfassender Ansatz in den Bereichen Sicherheit, Justiz und Rechenschaftspflicht sowie sinnvolle Reintegrationsprogramme, um den Bedürfnissen der lokalen Communities und der Überlebenden gerecht zu werden.

„Die kongolesische Regierung muss weitaus entschlossener handeln, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. Die internationale Gemeinschaft muss den kongolesischen Staat entschlossen dabei unterstützen, die Bemühungen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu verbessern, Gerechtigkeit zu gewährleisten und den Betroffenen und Überlebenden langfristige, nachhaltige Hilfe zu leisten. Dass die internationale Politik angesichts der zunehmenden Bedrohung und der Verbrechen der ADF wegschaut, führt nur zu einer weiteren Aushöhlung der Sicherheit und der Menschenrechte im Osten der DR Kongo“, so Agnès Callamard.

Presseteam Amnesty International Österreich

Valerie Schmid

+43 676 37 13 334

presse@amnesty.at

PA: Neuer Report: Globaler Hunger bleibt 2026 auf kritischem Niveau – Konflikte, Dürre und gekürzte Hilfen verschärfen Krise

Der weltweite Hunger wird auch im Jahr 2026 auf einem alarmierend hohen Niveau bleiben. Laut dem heute veröffentlichten Global Report on Food Crises 2026 verschärfen bewaffnete Konflikte, Dürren und massiv sinkende Hilfsfinanzierung die Ernährungsunsicherheit – insbesondere in fragilen Staaten. 

„Umso unverständlicher ist der gleichzeitige Rückgang der Finanzierung humanitärer Maßnahmen. Angesichts der Dimension des Hungers braucht es sofort mehr internationale Solidarität, verlässliche finanzielle Zusagen und entschlossenes politisches Handeln, um weitere Hungerkatastrophen zu verhindern und Millionen Menschen den Zugang zu Nahrung und lebenswichtiger Hilfe zu sichern”, ordnet Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger, die Ergebnisse des Reports ein.   

Dem Bericht zufolge waren im Jahr 2025 insgesamt 266 Millionen Menschen in 47 Ländern und Territorien von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. 1,4 Millionen Menschen lebten dabei unter katastrophalen Bedingungen, der schwersten Stufe akuten Hungers: in Teilen von Haiti, Mali, Gaza, Südsudan, Sudan und Jemen. Erstmals in der Geschichte des Berichts wurden im vergangenen Jahr zwei Hungersnöte offiziell festgestellt, in Gaza und im Sudan. 

„Zusätzliche Verschärfung erfährt die Lage durch aktuelle geopolitische Eskalationen, insbesondere im Nahen Osten. Anhaltende Störungen der Energie‑ und Düngemittelmärkte treiben die Lebensmittelpreise weltweit weiter in die Höhe – mit gravierenden Folgen für ohnehin fragile Länder”, ergänzt Friedrich-Rust.  

Der Bericht zeigt zudem eine dramatische Entwicklung über die vergangenen zehn Jahre: Die Zahl der Menschen mit akuter Ernährungsunsicherheit hat sich in diesem Zeitraum verdoppelt. Besonders gravierend ist die Lage von Kindern: Im Jahr 2025 waren schätzungsweise 35,5 Millionen Kinder im Alter von 6 bis 59 Monaten in 23 Ländern und Territorien, die als Ernährungskrisen eingestuft sind, akut unterernährt. Darunter befanden sich 9,7 Millionen Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung, einer unmittelbar lebensbedrohlichen Form der Unterernährung. 

Akute Ernährungsunsicherheit: Zehn Länder im Fokus 

Die weltweite akute Ernährungsunsicherheit konzentriert sich zunehmend auf wenige Länder: Zehn Staaten vereinten 2025 rund zwei Drittel aller Betroffenen, wobei Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und der Sudan fast ein Drittel der weltweiten Gesamtzahl ausmachten. Der Bericht verzeichnet in einzelnen Ländern – darunter Bangladesch, Niger sowie in begrenzten Regionen Nigerias und des Sudan – punktuelle Verbesserungen, die die insgesamt weiterhin dramatische Lage jedoch nicht grundlegend verändert haben. Deutliche Verschlechterungen gab es in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo und Myanmar.  

Akute Mangelernährung ist lebensbedrohlich 

Neben dem Hunger bleibt auch die akute Mangelernährung auf extrem hohem Niveau. 2025 wurden in 23 Ländern und Territorien offizielle Ernährungskrisen festgestellt, mit besonders schwerer Lage in Gaza, im Sudan, in Myanmar und im Südsudan. Dort führten Hungersnot oder kritische Bedingungen zu lebensbedrohlicher Unterernährung, vor allem bei Kindern.  

In den meisten betroffenen Ländern ist akute Mangelernährung das Ergebnis mehrerer gleichzeitiger Krisen – fehlender Zugang zu Nahrung, Krankheiten sowie mangelhafte Gesundheits‑, Wasser‑ und Versorgungsstrukturen. Der Bericht unterstreicht damit, wie eng Hunger, Gesundheit und grundlegende Dienstleistungen miteinander verknüpft sind. 

Massiver Rückgang internationaler Hilfsfinanzierung verschärft Hungerkrise 

Gleichzeitig warnt der Bericht eindringlich vor einem massiven Rückgang der internationalen Unterstützung. Die Finanzierung humanitärer Maßnahmen im Ernährungssektor ging 2025 um rund 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, während die entwicklungsbezogene Unterstützung um mindestens 15 Prozent schrumpfte und weiter zurückzugehen droht. 

Der Global Report on Food Crises 2026 kommt zu dem Schluss, dass ohne eine deutliche Kehrtwende bei Konfliktprävention, Klimaanpassung und internationaler Finanzierung weitere Hungersnöte nicht ausgeschlossen werden können. 

Der jährlich veröffentlichte Global Report on Food Crises wird von einem internationalen Netzwerk unter der Koordination des Food Security Information Network (FSIN) erarbeitet. Er gilt als eine der fundiertesten globalen Analysen zur akuten Ernährungsunsicherheit weltweit. 

Als internationale humanitäre Organisation arbeitet Aktion gegen den Hunger in zahlreichen besonders betroffenen Ländern, darunter Sudan, Jemen, Gaza, Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria und Afghanistan. Dort unterstützt die Organisation unter anderem unterernährte Kinder, schwangere Frauen und Binnenvertriebene mit lebenswichtiger Hilfe wie Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. 

Hinweis an die Redaktionen

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
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PA: Drei Jahre Krieg im Sudan: Die internationale Gemeinschaft muss handeln

Im Sudan wütet die schlimmste humanitäre Krise der Welt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung – 33,7 Millionen Menschen – benötigt humanitäre Hilfe, um zu überleben. Seit Beginn des Krieges vor drei Jahren hat Aktion gegen den Hunger rund 2 Millionen Menschen unterstützt. Vor der von der deutschen Bundesregierung am 15. April ausgerichteten Sudan-Konferenz fordert die Organisation verbindliche finanzielle und politische Zusagen der internationalen Gemeinschaft.

„Wir begrüßen es, dass die Bundesregierung die Sudan-Konferenz ausrichtet. Das allein aber reicht nicht. Die Konferenz muss konkrete Ergebnisse liefern, um das Leid der Menschen zu beenden. Eine Abschlusserklärung mit messbaren Zusagen zum Schutz der Zivilbevölkerung, einem sicheren humanitären Zugang und einer ausreichenden Finanzierung muss im Rahmen der Konferenz vereinbart werden“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust. Der Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger wird an der Sudan-Konferenz teilnehmen. 

Zwei von weltweit drei Hungersnöten im Sudan 

Eine offizielle Hungersnot wird nur in den extremen Nahrungsmittelkrisen erklärt, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind: Mindestens 20 Prozent der Haushalte leiden unter extremer Nahrungsmittelknappheit, über 30 Prozent der Kinder sind akut mangelernährt und täglich sterben mindestens 2 von 10.000 Menschen. Zwei von weltweit drei Hungersnöten ereignen sich im Sudan: in Al Faschir und Kadugli. Andere Regionen sind bereits an der Grenze zur Hungersnot.  

„Mehr als 21 Millionen Menschen leiden im Land unter akutem Hunger. Das ist eine direkte Folge des Konflikts, der Märkte zerstört, Ernten beeinträchtigt sowie Handelswege und die humanitäre Hilfe blockiert“, sagt Samy Guessabi, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger, der für die Sudan-Konferenz in Berlin ist. Guessabi vertritt zudem als Co-Vorsitzender das Sudan-INGO-Forum, das die Aktivitäten der internationalen Hilfsorganisationen im Sudan koordiniert.   

Lokale sudanesische Akteure zentral  

„Dem Sudan mangelt es nicht an Resilienz. Was uns Sudanesinnen und Sudanesen fehlt, ist nachhaltiges internationales Handeln. Wir stehen gemeinsam mit den internationalen Helferinnen und Helfern an der Seite der Bevölkerung. Aber lokaler Einsatz allein kann in diesem Konflikt eine globale Verantwortung nicht ersetzen“, sagt Mohialdeen Ismail von der sudanesischen Hilfsorganisation AWAFY, mit der Aktion gegen den Hunger eng zusammenarbeitet.  

Lokale sudanesische Organisationen spielen bei der Versorgung der Menschen mit humanitärer Hilfe eine zentrale Rolle: Sie sind tief verwurzelt in den Gemeinden und erreichen Regionen, in denen internationale Organisationen oftmals keinen Zugang haben. „Was die Menschen im Sudan brauchen, ist einfach: Sicherheit. Essen. Wasser. Gesundheitsversorgung. Würde. Und das Gefühl, dass die Welt sie nicht vergessen hat“, so Mohialdeen Ismail.  

Neuer Bericht über die dramatische Ernährungssituation 

Der Bericht „What it takes to eat“, der heute von Aktion gegen den Hunger gemeinsam mit anderen NGOs veröffentlicht wurde, macht deutlich, wie der Krieg den Zugang zu Lebensmitteln abschneidet und ganze Gemeinden in eine Hungersnot treibt. Familien überleben nur, weil Menschen trotz großer Gefahr weiterhin Lebensmittel anbauen, transportieren und verteilen. 

Der Bericht zeigt, wie Menschen auf dramatische Weise Lebensmittel rationieren oder ganz auslassen müssen. „Wir fragen nicht mehr, was wir essen werden. Wir fragen, wer essen wird“, erzählt eine Frau, die für den Bericht befragt wurde. Trotz dieser extremen Bedingungen erhalten sudanesische Gemeinschaften durch außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit und großen persönlichen Einsatz weiterhin ein fragiles Ernährungssystem aufrecht. 

Der Sudan erlebt die weltweit größte Vertreibungskrise  

Fast 14 Millionen Menschen sind geflohen – mehr als 9 Millionen innerhalb des Landes und 4 Millionen in Nachbarländer wie den Tschad und den Südsudan. Diese Zahlen sind doppelt so hoch wie bei anderen großen aktuellen Vertreibungskrisen, wie beispielsweise in Syrien (7 Millionen Vertriebene), der Demokratischen Republik Kongo (6 Millionen) und im Jemen (5 Millionen). „Es geht dabei aber nicht nur um die Zahlen. Familien sind gezwungen, immer wieder zu fliehen. Das unterbricht die medizinische Versorgung und den Zugang zu Nahrungsmitteln, schränkt die Gesundheitsversorgung ein und erhöht das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt“, erklärt Guessabi. 

Aktion gegen den Hunger im Sudan  

Seit Beginn des Konflikts am 15. April 2023 haben die Teams von Aktion gegen den Hunger fast zwei Millionen Menschen in Darfur, Kordofan, am Blauen Nil, am Weißen Nil und am Roten Meer unterstützt. Wir führen weiterhin unsere Programme in den Bereichen Gesundheit, Behandlung von Unterernährung, Bargeldhilfe, Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitäre Versorgung und Sensibilisierung für sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt durch.  

Hinweis an die Redaktionen 

  • Folgende Sprecher*innen sind für Interviews und Hintergrundgespräche verfügbar:
    • Samy Guessabi, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger im Sudan und Co-Vorsitzender des Sudan-INGO-Forums (ENG, SPA, FRA) 
    • Mohialdeen Ismail, Geschäftsführer der sudanesischen Hilfsorganisation AWAFY (ENG) 
    • Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger (DE, ENG) 
  • Jan Sebastian Friedrich-Rust und Samy Guessabi werden am 15. April an der Sudan-Konferenz teilnehmen und stehen gerne für Statements nach den Ergebnissen zur Verfügung 
  • Den Bericht „What it takes to eat“ sowie Fotos und weitere Pressematerialien finden Sie hier als Download
  • Eine Aufzeichnung der heutigen Pressekonferenz ist auf Anfrage bei presse@aktiongegendenhunger.de verfügbar.  

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

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