PA: Amnesty International: Zahl der Hinrichtungen auf dem höchsten Stand seit 44 Jahren – Iran für Großteil des Anstiegs verantwortlich   

Negativ-Rekord bei Hinrichtungen: 2025 wurden weltweit 2.707 Menschen in 17 Ländern hingerichtet – so viele wie seit 1981 nicht mehr. Der Iran ist für einen Großteil dieses Anstiegs verantwortlich. Auch in den USA hat sich die Anzahl der Hinrichtungen nahezu verdoppelt. Das zeigt der aktuelle Bericht von Amnesty International zur Anwendung der Todesstrafe.  

Der starke Anstieg, dokumentiert im Amnesty-Bericht Death Sentences and Executions 2025, geht auf eine kleine Gruppe von Staaten zurück. Diese kleine Gruppe setzt die Todesstrafe gezielt ein, um die Bevölkerung einzuschüchtern und ein Klima der Angst zu schaffen. Die Behörden der Islamischen Republik Iran sind für den größten Teil des Anstiegs verantwortlich. Sie haben im Jahr 2025 mindestens 2.159 Menschen hingerichtet – mehr als doppelt so viele wie 2024.  

In Saudi-Arabien wurden mindestens 356 Menschen hingerichtet, häufig im Zusammenhang mit Drogendelikten. Die Zahl der Hinrichtungen in Kuwait hat sich fast verdreifacht (von 6 auf 17), während sie sich in Ägypten (von 13 auf 23), Singapur (von 9 auf 17) und den USA (von 25 auf 47) nahezu verdoppelte.

Insgesamt stiegen die Hinrichtungen um 78 % gegenüber 2024, als mindestens 1.518 Todesurteile vollstreckt wurden. Nicht erfasst sind dabei die Hinrichtungen in China, die Schätzungen von Amnesty International zufolge in die Tausende gehen. Das tatsächliche Ausmaß bleibt jedoch unklar, da entsprechende Daten als Staatsgeheimnis gelten. Damit bleibt China das Land mit den meisten Hinrichtungen weltweit.  

„Wir sind zutiefst besorgt über diesen Negativ-Rekord. 2.707 Menschen wurden 2025 hingerichtet. Das sind keine abstrakten Zahlen, sondern hinter jeder dieser Hinrichtungen steht ein Menschenleben. Wir appellieren an Österreich und die internationale Gemeinschaft, jetzt den Druck auf die hinrichtenden Staaten zu erhöhen. Dieser besorgniserregende Rückschritt darf nicht unbeantwortet bleiben“, sagt Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich.  

„Dieser alarmierende Anstieg bei der Anwendung der Todesstrafe geht auf eine kleine, isolierte Gruppe von Staaten zurück, die trotz des anhaltenden globalen Trends zur Abschaffung der Todesstrafe weiterhin daran festhält. Von China, Iran, Nordkorea und Saudi-Arabien bis hin zu Jemen, Kuwait, Singapur und den USA setzt diese Gruppe von Staaten die Todesstrafe gezielt dazu ein, um Angst einzuflößen, abweichende Meinungen zu unterdrücken und ihre Macht über benachteiligte und marginalisierte Gruppen zu demonstrieren“, sagt Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International. 

Todesstrafe als Instrument im „Krieg gegen Drogen“ 
In einigen Ländern kam es im Zuge eines vermeintlichen „Kriegs gegen Drogen“ zur Ausweitung der Todesstrafe. Dies spiegelt sich in der Zahl der Hinrichtungen wider, wobei fast die Hälfte (1.257 bzw. 46 %) aller bekannten Hinrichtungen im Zusammenhang mit Drogendelikten vollstreckt wurden: China (Anzahl unbekannt), Iran (998), Kuwait (2), Saudi-Arabien (240) und Singapur (15). Algerien, Kuwait und die Malediven legten Gesetzentwürfe vor, um den Anwendungsbereich der Todesstrafe auf Drogendelikte auszudehnen.  

Die Regierung von Burkina Faso nahm eine Gesetzesvorlage an, die die Wiedereinführung der Todesstrafe für Straftaten wie „Hochverrat“, „Terrorismus“ und „Spionage“ vorsah. Die Behörden des Tschad haben eine Kommission eingesetzt, die eine mögliche Wiedereinführung der Todesstrafe prüfen soll. 

Wo finden nach wie vor Hinrichtungen statt?  

Die Zahl der Hinrichtungen stieg 2025 rapide an, aber nur eine begrenzte Anzahl von Ländern war dafür verantwortlich. China, Ägypten, Iran, Irak, Nordkorea, Saudi-Arabien, Somalia, USA, Vietnam und Jemen sind dieselben zehn Länder, von denen bekannt ist, dass sie auch in den vergangenen fünf Jahren jedes Jahr Hinrichtungen vollstreckt haben. Sie zeigten damit durchgängig, dass sie grundlegende menschenrechtliche Standards und Garantien missachten. Zusätzlich haben vier Länder (Japan, Südsudan, Taiwan und die Vereinigten Arabischen Emirate) im vergangenen Jahr nach einer Pause erneut Hinrichtungen vollstreckt.

In anderen Weltregionen sind jedoch auch gegenläufige Entwicklungen zu beobachten. In Europa und Zentralasien wurden 2025 weder Todesurteile verhängt noch Hinrichtungen vollstreckt. Im 17. Jahr in Folge waren die USA das einzige Land auf dem amerikanischen Kontinent, in dem Menschen hingerichtet wurden – fast die Hälfte davon in Florida. Die Hinrichtungen in Subsahara-Afrika beschränkten sich auf Somalia und Südsudan. In Südasien war Afghanistan das einzige Land mit vollstreckten Todesurteilen, in Südostasien betraf dies nur Singapur und Vietnam.  

„Es ist an der Zeit, dass die Länder, in denen nach wie vor Hinrichtungen vollstreckt werden, mit dem Rest der Welt gleichziehen und diese Praxis endgültig aufgeben. Die Todesstrafe macht unsere Welt nicht sicherer – sie ist ein unumkehrbarer Angriff auf die Menschlichkeit, der von Angst getrieben ist und die internationalen Menschenrechte völlig außer Acht lässt“, so Agnès Callamard. 

„Die weltweite Abschaffung der Todesstrafe ist möglich” 
Als Amnesty International 1977 ihre Arbeit gegen die Todesstrafe aufnahm, hatten nur 16 Staaten weltweit die Todesstrafe abgeschafft. Heute sind es 113 – mehr als die Hälfte aller Länder der Welt. Insgesamt haben sogar mehr als zwei Drittel aller Staaten die Todesstrafe gesetzlich oder in der Praxis abgeschafft.

Während Angst, Hass und repressive Praktiken vielerorts zunehmen, machten einzelne Länder deutlich, dass die globale Abschaffung der Todesstrafe mit Ausdauer und entschlossenem Einsatz möglich ist. So haben die Behörden in Vietnam die Todesstrafe für acht Straftaten abgeschafft, darunter Drogentransport, Bestechung und Veruntreuung. Gambia schaffte die Todesstrafe für Mord, Hochverrat und andere Straftaten gegen den Staat ab. In einem historischen Schritt hat die Gouverneurin von Alabama, Kay Ivey, Rocky Myers begnadigt – die erste Begnadigung eines Schwarzen Menschen im Todestrakt in diesem US-Bundesstaat.  

Im Libanon und in Nigeria wurden Gesetzesentwürfe zur Abschaffung der Todesstrafe eingebracht. In Kirgisistan erklärte das Verfassungsgericht Versuche zur Wiedereinführung der Todesstrafe für verfassungswidrig.  

„Trotz der weltweiten Bedrohung der Menschenrechte setzen Millionen von Menschen ihren Kampf gegen die Todesstrafe jedes Jahr fort und zeigen damit eindrucksvoll unsere gemeinsame Menschlichkeit“, sagt Agnès Callamard. „Die weltweite Abschaffung der Todesstrafe ist möglich, wenn wir gemeinsam Druck auf die wenigen Staaten ausüben, die immer noch Menschen hinrichten. Unser Einsatz darf nicht nachlassen, bis die Todesstrafe überall der Vergangenheit angehört.” 

Rückfragen:
Presseteam Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
+43 676 37 13 334
presse@amnesty.at

PA: World Fair Trade Day. Südwind Niederösterreich feiert Fortschritte beim fairen Handel

25 Jahre Faire Wochen in Niederösterreich – Weltläden und Südwind Niederösterreich feiern Jubiläum mit zahlreichen Events in ganz Niederösterreich

Zum diesjährigen World Fair Trade Day am 9. Mai steht in Niederösterreich ein besonderes Jubiläum im Mittelpunkt: Die Fairen Wochen feiern ihr 25-jähriges Bestehen. In Zusammenarbeit mit den Weltläden setzt Südwind Niederösterreich mit zahlreichen Veranstaltungen in ganz Niederösterreich ein starkes Zeichen für fairen Handel, nachhaltigen Konsum und globale Gerechtigkeit. 

„Das 25-jährige Jubiläum der Fairen Wochen zeigt, wie sich der faire Handel von einer engagierten Nischenbewegung hin zu einem wichtigen Bestandteil nachhaltigen Konsums entwickelt hat. Während anfangs vor allem einzelne Produkte, wie etwa Kaffee und Schokolade, im Fokus standen, geht es heute vor allem um Gerechtigkeit entlang globaler Lieferketten und strukturelle Veränderungen im Wirtschaftssystem“, sagt Ingrid Schwarz von Südwind Niederösterreich. „Gemeinsam mit den Weltläden als Fachgeschäfte für den fairen Handel wollen den diesjährigen World Fair Trade Day nutzen, um diese Fortschritte sichtbar zu machen und gleichzeitig auf bestehende Herausforderungen im globalen Handel hinzuweisen.“

Event-Highlights zum World Fair Trade Day

Die Veranstaltungen von Südwind Niederösterreich und den Weltläden laden dazu, fairen Handel hautnah zu erleben – von Produktverkostungen über Workshops bis hin zu Informationskampagnen. 

  • „Weltladentag 2026 – Fair handeln – Vielfalt stärken“, Weltladen Perchtoldsdorf am Samstag, 9. Mai, 10:00 – 13:00 Uhr, Verkostungen, Austausch und Kinderprogramm
  • „Fest der Begegnung“, Weltladen Krems am Samstag, 9. Mai, 10:00 – 13:00 Uhr, Kennenlernen mit Verkostungen
  • Filmabend: „Mit Biss und Tritt zur Vielfalt“, Weltladen Lanzenkirchen, am Samstag, 9. Mai, 19:30 Uhr, Filmvorführung mit anschließendem Gespräch mit Projektkoordinatorin Maria Schindler vom Verein Hirtenkultur.  

Im Rahmen der Fairen Wochen lädt Südwind Niederösterreich noch den ganzen Mai über zu unterschiedlichen Veranstaltungsformaten dazu ein, globale Zusammenhängen näher kennenzulernen und sich mit Gerechtigkeit entlang unserer Lieferketten kritisch auseinanderzusetzen. 

Alle Eventdetails sind zu finden auf: Suedwind.at/Projekt/Faire-Wochen-2026

PA: Verlässlichkeit zahlt sich aus – FAIRTRADE wächst und zeigt globale Wirkung

Der Umsatz mit FAIRTRADE-Produkten in Österreich erreicht 2025 ein neues Rekordniveau. In einem Umfeld aus Klimakrise, steigenden Kosten und Preisschwankungen gewinnt fairer Handel weiter an Bedeutung und erweist sich als stabiler Anker.

  • Umsatz von FAIRTRADE-Produkten wächst 2025 um 12,7 Prozent.
  • Mehr Wirkung für Produzentenorganisationen: 89,3 Millionen US-Dollar an Direkteinnahmen.
  • In Côte d’Ivoire steigt Anteil der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen mit Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle auf 74 Prozent, extreme Armut geht massiv zurück von 58 Prozent auf 17 Prozent.

FAIRTRADE Österreich verzeichnet 2025 ein deutliches Wachstum: Der Gesamtumsatz steigt auf 796 Millionen Euro, ein Plus von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bauernfamilien und Beschäftigte profitieren von den höheren Direkteinnahmen aus FAIRTRADE-Verkäufen in Österreich – diese erreichen mittlerweile 89,3 Millionen US-Dollar.

Mit einem Pro-Kopf-Konsum von 88 Euro zählt Österreich zu den Top-3 FAIRTRADE-Märkten weltweit. „Dieses Wachstum ist kein Zufall. Es zeigt, dass faire Handelsbedingungen für Konsument:innen und Unternehmen zunehmend relevant sind, gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten“, sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich. Vertrauen bleibt ein entscheidender Faktor: 98 % der Österreicher:innen kennen das FAIRTRADE-Siegel, 87 % vertrauen ihm. „Wenn Märkte unsicher werden, zählt Orientierung, und die bieten glaubwürdige Siegel“, so Kirner. Das bestätigt auch die unabhängige Stiftung Warentest in Deutschland mit dem aktuellen Siegel-Check (05/2026).

Wachstum trotz steigender Herausforderungen
Die positive Marktentwicklung ist breit getragen: Zuwächse bei Bananen (+6,9 %), Rosen (+11,3 %) und Kakao (+3,7 %) bestätigen die stabile Nachfrage. Kaffee ist hingegen leicht rückläufig (-6,3 %), vor allem wegen Sortimentsveränderungen und hoher Rohstoffpreise. Für Produzentenorganisationen in den Anbauländern verschärft sich die Lage dennoch insgesamt: Klimabedingte Ernteausfälle, unsichere Weltmarktpreise und steigende Kosten setzen viele Betriebe zunehmend unter Druck. Gleichzeitig wirken aktuelle politische Krisen negativ auf die globalen Lieferketten ein. Der Finanzierungsbedarf steigt, während Unsicherheiten bei Erträgen und Preisen zunehmen. 

Unabhängiger Test bestätigt hohe Aussagekraft
Zusätzliche Bestätigung erhält FAIRTRADE durch einen aktuellen Test der Stiftung Warentest (05/2026): Das FAIRTRADE-Siegel zählt zu den drei Systemen mit der höchsten Aussagekraft. Besonders hervorgehoben werden Mindestpreise, Prämien sowie klare Vorgaben für existenzsichernde Einkommen und Arbeitsbedingungen. Damit wird FAIRTRADE als eines der verlässlichsten Nachhaltigkeitssiegel im Lebensmittelbereich eingeordnet – ein wichtiger Orientierungsfaktor für Konsument:innen.

Messbare Wirkung im Ursprung
Das Wachstum in Österreich zeigt direkte Wirkung in den Anbauregionen. Zusätzliche Einnahmen und Prämien ermöglichen Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Klimaanpassung, und stärken damit die Resilienz von Bauernkooperativen und Farmen mit Beschäftigten im FAIRTRADE-System. Besonders deutlich wird das im Kakaosektor: In Côte d’Ivoire erreichen mittlerweile 74 Prozent der FAIRTRADE-Kakaobäuer:innen ein Einkommen nahe der existenzsichernden Schwelle. 2017 lag dieser Anteil noch bei 23 Prozent. Gleichzeitig ist extreme Armut massiv zurückgegangen – von 58 Prozent auf nur noch 17 Prozent der Haushalte. Diese Entwicklung zeigt auch unter schwierigen globalen Bedingungen: „Die großen globalen Herausforderungen treffen jene am stärksten, die den wenigsten finanziellen Spielraum haben. FAIRTRADE setzt genau hier an und schafft konkrete Verbesserungen“, betont Kirner.

Transparenz schafft Orientierung
Mit neuen EU-Vorgaben und wachsender Nachfrage nach nachhaltigen Produkten steigen die Anforderungen an glaubwürdige Systeme weiter. Klare Kriterien, unabhängige Kontrollen und nachvollziehbare Lieferketten werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen. FAIRTRADE bietet diese Transparenz seit Jahrzehnten. „Unser Ziel bleibt, wirtschaftlichen Erfolg und soziale Verantwortung langfristig zu verbinden“, so Kirner abschließend.

Rückfragehinweis: presse@fairtrade.at

PA: CARE warnt zum Muttertag: Globale Hilfskürzungen bringen Mütter weltweit in Lebensgefahr

CARE Österreich warnt vor Rückschritten im Kampf gegen Müttersterblichkeit / 70 Prozent der mütterlichen Todesfälle geschehen in Subsahara-Afrika / Im Sudan haben 1,1 Millionen schwangere Frauen keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung

Anlässlich des Muttertags macht CARE Österreich auf die wachsende Gefährdung von Müttern weltweit aufmerksam: Alle zwei Minuten stirbt eine Frau an Komplikationen rund um Schwangerschaft oder Geburt – das sind rund 260.000 Todesfälle pro Jahr. Fast zwei Drittel aller mütterlichen Todesfälle ereignen sich heute in Ländern, die von Krisen oder Konflikten betroffen sind. 70 Prozent entfallen auf Subsahara-Afrika. Gleichzeitig kürzen Geberländer zunehmend Mittel für humanitäre Hilfe, darunter lebensrettende Gesundheitsprogramme, weltweit.

„Schwangerschaft und Geburt zählen zu den verletzlichsten Momenten im Leben einer Frau. In fragilen Kontexten ist die Wahrscheinlichkeit für Frauen, dabei zu sterben, fünfmal höher als in stabilen Gesundheitssystemen“, sagt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Vor diesem Hintergrund warnen wir davor, dass Hilfsgelder weiter gekürzt werden. Wenn es keine Mittel für Gesundheitseinrichtungen gibt, Hebammen nicht ausgebildet werden können und Medikamente knapp sind, kann eine Geburt für Frauen ein Todesurteil sein.“

Der Abbau zentraler Hilfsprojekte, insbesondere von USAID geförderter Programme, hat bereits jetzt zur Folge, dass Gesundheitszentren schließen, mobile Kliniken eingestellt werden und es vielerorts keine medizinische Versorgung für Schwangere und Neugeborene gibt. Eine aktuelle Analyse¹ zeigt, dass der Wegfall der USAID-Mittel die Zahl der Todesfälle rund um Schwangerschaft und Geburt in Ländern wie Burkina Faso, der Zentralafrikanischen Republik, dem Tschad, Mali, Niger und Nigeria um durchschnittlich bis zu 45 Prozent steigen lassen könnte. Nigeria wies laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO)2 bereits 2023 – im zuletzt erfassten Zeitraum – mit 993 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten die höchste Muttersterblichkeitsrate weltweit auf, dicht gefolgt vom Tschad mit 748 und der Zentralafrikanischen Republik mit 692 Todesfällen.

Konflikt im Sudan: Geburt auf der Flucht

Im Sudan haben rund 1,1 Millionen schwangere Frauen – von insgesamt 17,1 Millionen auf Hilfe angewiesenen Frauen und Mädchen – keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung. Der seit April 2023 andauernde Krieg im Sudan hat eine der schwersten humanitären Krisen weltweit ausgelöst. Das Gesundheitssystem ist weitgehend kollabiert. Mehr als 4,3 Millionen Frauen und Mädchen sind innerhalb des Landes vertrieben, Millionen weitere in Nachbarländer wie den Südsudan geflohen.

Dort ist die Lage selbst kritisch: Laut eines kürzlich veröffentlichten IPC-Berichtssind rund 7,8 Millionen Menschen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung – von einer Ernährungskrise betroffen. Akute Mangelernährung, vor allem bei Kindern, Schwangeren und stillenden Müttern, steigt in alarmierendem Tempo. Schwangere Frauen haben oft keinen sicheren Ort zur Entbindung und keine medizinische Unterstützung bei Komplikationen. Die Müttersterblichkeit im Südsudan ist hoch: 692 Frauen sterben dort pro 100.000 Lebendgeburten.

CARE-Nothilfereporterin Sarah Easter besuchte kürzlich ein CARE-Gesundheitszentrum an der südsudanesisch-sudanesischen Grenze. Sie berichtet: „Galatia, eine 40-jährige Sudanesin, erzählte mir, wie sie hochschwanger durch den Busch floh und ihre Tochter auf dem Boden einer fremden Hütte zur Welt brachte – ohne Hebamme, ohne sauberes Wasser. Was sie erlebte, ist kein Einzelschicksal. Über eine Million schwangere Frauen fliehen im Sudan vor Bomben und Gewalt, viele bringen ihre Kinder unterwegs zur Welt. Ohne medizinische Versorgung sterben Mütter an Blutungen und Infektionen, die längst behandelbar wären. Einrichtungen wie die von CARE retten täglich Leben. Doch die Finanzierung läuft aus. Und damit steigt die Gefahr, dass Frauen sterben, die eigentlich überleben könnten.“

So hilft CARE: CARE ist in über 120 Ländern im Einsatz und setzt einen besonderen Fokus auf die Unterstützung von Frauen und Mädchen. In Krisenregionen stellt CARE mobile Gesundheitsdienste bereit, unterstützt Geburten medizinisch, bildet Gesundheitspersonal, darunter Hebammen, aus und sorgt für Zugang zu sauberem Wasser und Hygieneartikeln. In akuten Notlagen schafft CARE sichere Räume für Frauen und bietet psychosoziale Unterstützung für Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt.

Quellen:
1 Cummins, M. (2026): Aid cut, lives lost: Estimating the impact of USAID’s withdrawal on maternal mortality in six African countries. Health Policy and Planning, czag034. https://doi.org/10.1093/heapol/czag034
2 WHO et al. (2025): Trends in Maternal Mortality: 2000 to 2023. Genf: WHO. https://www.who.int/publications/i/item/9789240108462  
3 IPC (Integrated Food Security Phase Classification) (2026): South Sudan: Acute Food Insecurity Projection Update for April – July 2026https://www.ipcinfo.org/ipc-country-analysis/details-map/en/c/1163302/?iso3=SSD

Rückfragen:
Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
A-1080 Wien, Lange Gasse 30/4
Tel.: +43 (1) 715 0 715-42
E-mail: stephanie.weber@care.at
Internet: www.care.at

Interviewmöglichkeit: Stimmen des Widerstands aus Bolivien – indigene Frauen kämpfen für Umwelt und Gerechtigkeit

Derzeit sind engagierte Vertreterinnen mehrerer Partnerorganisationen aus Bolivien zu Besuch in Österreich. Sie berichten aus erster Hand über die Auswirkungen von Bergbau, Klimakrise und sozialer Ausgrenzung, sowie über konkrete Lösungsansätze und ihren täglichen Einsatz für Veränderung. 

Indigene Gemeinschaften in Bolivien sind massiv von Umweltzerstörung, Klimakrise und sozialer Ungleichheit betroffen. Besonders Frauen übernehmen eine zentrale Rolle im Einsatz für ihre Rechte, den Schutz ihrer Lebensgrundlagen und mehr Gerechtigkeit.

Interviewmöglichkeiten
Montag, 11. Mai 2026, 10-12 Uhr
Bundesbüro Katholische Jungschar/Dreikönigsaktion, Wilhelminenstraße 91IIf, 1160 Wien
Terminvereinbarung:
Elisabeth Holzner, 0676 88011 1000, elisabeth.holzner@dka.at
Die Gespräche finden auf Spanisch statt, eine Übersetzung ist bei Bedarf gerne möglich.
Interviews sind auf Wunsch auch online oder telefonisch/per Whatsapp möglich.

Hintergrund
Am Río Pilcomayo und in anderen Regionen Boliviens bedrohen Bergbau, großflächige Landwirtschaft und die Klimakrise die Lebensgrundlagen indigener Gemeinschaften. Das Wasser wird verschmutzt, Böden verlieren ihre Fruchtbarkeit, Gesundheitsschäden nehmen zu und traditionelle Lebensweisen geraten unter Druck. Die Ursachen reichen weit über Bolivien hinaus – sie sind eng mit globalen Produktions- und Konsummustern verbunden.

Indigene Aktivist*innen machen auch auf globale Zusammenhänge aufmerksam. Der Abbau von Rohstoffen für Elektronikgeräte oder andere Konsumgüter im Globalen Norden führt häufig zu Umweltzerstörung und sozialen Konflikten im Globalen Süden. 

Mitten in diesen Herausforderungen organisieren sich indigene Frauen. Sie gründen Kollektive, entwickeln nachhaltige Einkommensmöglichkeiten und setzen sich für den Zugang zu sauberem Wasser. Sie kämpfen für ihre Rechte, für kulturelle Anerkennung und für eine lebenswerte Zukunft ihrer Gemeinschaften.

Im April und Mai 2026 sind vier bolivianische Aktivistinnen aus unseren Partnerorganisationen CERDETISALPCEPA und CIPCA in Österreich und berichten im Rahmen der „Begegnung mit Gästen“ von Welthaus Österreich von ihrer Arbeit.
In Vorträgen, Workshops und persönlichen Begegnungen geben sie Einblick in ihr Engagement und zeigen, wie Empowerment, Bildung und gemeinschaftliches Handeln zu wirksamen Antworten auf ökologische und soziale Krisen werden.

Über die Gesprächspartnerinnen
Alicia Cuiza Churqui (CEPA, Centro de Ecología y Pueblos Andinos, Zentrum für Ökologie und andine Völker) ist Anthropologin und Psychologin mit langjähriger Erfahrung in Bildung, Forschung und Gemeinwesenarbeit. Sie arbeitet seit vielen Jahren mit Frauen und indigenen Gemeinschaften zu Themen wie Umweltmanagement, gesunde Ernährung, traditionelle Medizin, Handwerk und Führungskompetenzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung von Frauen, die von Umweltbelastungen betroffen sind, sowie auf der Begleitung nachhaltiger wirtschaftlicher Alternativen.

Erika Rojas (CIPCA, Centro de Investigación y Promoción del Campesinado, Zentrum für Forschung und Förderung von Kleinbauern- und -bäuerinnen) ist Agraringenieurin bei CIPCA Regional Altiplano. Sie arbeitet in den Gemeinden San Andrés de Machaca und Charazani im Departement La Paz an Projekten zur ländlichen Entwicklung mit Schwerpunkt auf Agrarökologie, Umweltpolitik und der Stärkung indigener Gemeinschaften – insbesondere von Frauen und Jugendlichen.

Águeda Colque Ordóñez (ISALP, Investigación Social y Asesoramiento Legal Potosí, Sozialforschung und Rechtsbe­ratung Potosí) ist Koordinatorin des Projekts K’acha Kausakunapaq bei ISALP. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit indigenen Gemeinschaften, insbesondere zu Gendergerechtigkeit, Dialogprozessen, nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährungssouveränität und ist national wie international in Beratungs- und Austauschprogrammen tätig.

Lenny Espinoza (CERDET, Centro de Estudios Regionales para el Desarrollo de Tarija, Zentrum für regionale Studien für die Entwicklung in Tarija) ist Anthropologin mit Schwerpunkt angewandte Anthropologie und Kulturmanagerin und verfügt über langjährige Erfahrung in der Gemeindearbeit mit indigenen Völkern. Derzeit arbeitet sie mit Frauen, Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Weenhayek-Volkes zu Menschenrechten, Zugang zur Justiz und Klimawandel. Ein besonderer Fokus liegt auf der Stärkung von Frauen, der Sicherung von Lebensgrundlagen wie Fischerei und Kunsthandwerk sowie der Förderung weiblicher Führung aus einer interkulturellen Perspektive.

PA: DR Kongo: Bewaffnete Gruppe ADF begeht Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit 

 Zivilist*innen werden getötet, entführt und gefoltert, Handlungen der mit dem Islamischen Staat in Verbindung stehenden Gruppe stellen Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.
„Die Gewalt der ADF trägt zu einer weiteren Verschärfung der humanitären Krise bei“ – Agnès Callamard.

Zivilist*innen im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) leiden unter einer Zunahme von Menschenrechtsverstößen durch Mitglieder der bewaffneten Gruppe Allied Democratic Forces (ADF). Diese begehen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, so Amnesty International in einem neuen Bericht. Der Bericht “I’d Never Seen So Many Bodies”: War Crimes by the Allied Democratic Forces in the eastern Democratic Republic of Congo dokumentiert gewalttätige Angriffe der ADF auf Zivilist*innen, Entführungen und Zwangsarbeit, die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern sowie weitere Misshandlungen und Verbrechen gegen Frauen und Mädchen, darunter Zwangsverheiratung, das erzwungene Austragen von Schwangerschaften und verschiedene andere Formen sexualisierter Gewalt.

Die Taten, die von der mit der bewaffneten Gruppe Islamischer Staat (IS) in Verbindung stehenden ADF begangen werden, stellen zahlreiche Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und in vielen Fällen auch Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Die Angriffe erfolgen in weiten Teilen des Ostens der DR Kongo.

„Die Zivilbevölkerung im Osten der DR Kongo hat unter der brutalen Gewalt der ADF-Kämpfer sehr gelitten. Zivilist*innen wurden im Rahmen einer gezielten Entmenschlichung getötet, entführt und gefoltert“, sagt Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International. „Kämpfer der ADF haben Dörfer und Bauernhöfe überfallen, medizinische Einrichtungen angegriffen sowie Häuser geplündert und niedergebrannt. Die Gewalt der ADF trägt zu einer weiteren Verschärfung der humanitären Krise bei. Die Angriffe der Gruppe haben zu einer verstärkten Vertreibung sowie zur Unterbrechung von Versorgungsleistungen wie dem Zugang zu Nahrungsmitteln, zu Gesundheitsversorgung und Bildung geführt.

Diese Menschenrechtsverstöße stellen Kriegsverbrechen dar, die von der Welt nicht länger ignoriert werden dürfen. Als Teil eines umfassenden und systematischen Angriffs gegen die Zivilbevölkerung stellen sie außerdem Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.

Amnesty International hat im November 2025 Recherchen in der Provinz Nord-Kivu durchgeführt. Insgesamt wurden 71 Personen befragt. In 61 Fällen handelte es sich um persönliche Gespräche mit Augenzeug*innen und Überlebenden von Angriffen, Angehörigen der Zivilgesellschaft, Militär- und Polizeikräften sowie Angehörigen humanitärer Hilfsorganisationen, unter anderem von den Vereinten Nationen.

Die Streitkräfte der Demokratischen Republik Kongo (Forces Armées de la République Démocratique du Congo – FARDC) kämpfen seit Jahren gegen die ADF, wobei sie von der UN-Mission MONUSCO unterstützt werden. Die FARDC und die ugandischen Streitkräfte (Uganda People’s Defence Forces – UPDF) haben im November 2021 eine gemeinsame Militäroperation zur Bekämpfung der ADF gestartet.

Die ADF ist in den 1990er Jahren in Uganda aus einem Zusammenschluss oppositioneller Gruppen entstanden und hat später in Zaire (heute DR Kongo) Zuflucht gesucht. Im Jahr 2019 erkannte die bewaffnete Gruppe Islamischer Staat (IS) offiziell einen Treueeid der ADF an, und die ADF wurde schließlich zum Islamischen Staat Provinz Zentralafrika.

„Sie haben auf alles geschossen, was sich bewegte“

Amnesty International hat acht Angriffe der ADF in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu dokumentiert. Sieben der Angriffe erfolgten 2025, einer fand 2024 statt. Zeug*innen berichteten, dass Sicherheitskräfte, darunter auch Angehörige der FARDC von nahegelegenen Stützpunkten, nicht immer reagierten oder zu spät am Ort der Angriffe eintrafen. Die ADF greift zwar auch Sicherheitskräfte an, doch hat sie in den letzten Jahren vor allem die Zivilbevölkerung ins Visier genommen. 

Am 8. September 2025 mischten sich ADF-Kämpfer im Dorf Ntoyo in Zivil unter die Trauergäste einer Totenwache, um die Menschen dann plötzlich anzugreifen. Bei dem Massaker, bei dem Hämmer, Äxte, Macheten und Schusswaffen zum Einsatz kamen, starben mehr als 60 Menschen. Sicherheitskräfte waren nicht zugegen.

Am 12. Juli 2025 tötete die ADF bei einem Überfall in Otmaber im Gebiet Irumu in Ituri acht Menschen. Eine Frau berichtete Amnesty International, dass Kämpfer auf sie, ihren Mann und ihren siebenjährigen Sohn geschossen hätten. Sie sagt: „Nachdem sie auf uns geschossen hatten, fingen sie an, Häuser anzuzünden … Mein Sohn und ich krochen langsam in ein Haus, das nicht brannte, und verbrachten die Nacht dort … Selbst am nächsten Morgen ist das Militär nicht gekommen. Alle waren auf sich allein gestellt.“

Die Gruppe hat zudem wiederholt Gesundheitseinrichtungen angegriffen und Vorräte geplündert. Im November 2025 wurde ein Gesundheitszentrum im Dorf Byambwe angegriffen. Mindestens 17 Zivilist*innen wurden getötet, und vier der Stationen wurden in Brand gesetzt. Eine ältere Person, die auf den Knien aus der Einrichtung entkommen konnte, sagte: „Man konnte nicht stehen bleiben. Sie haben auf alles geschossen, was sich bewegte.“ 

Entführungen und Geiselnahmen

Amnesty International hat 46 Entführungsfälle dokumentiert, darunter sieben Fälle, in denen Geiseln zur Erpressung von Lösegeld festgehalten wurden. Die Entführten waren weiteren Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen wie Zwangsarbeit, Folter, sexualisierter Versklavung und rechtswidrigen Tötungen ausgesetzt.

Geiseln und andere Entführte wurden häufig gezwungen, als Lastenträger*innen und Guides für die ADF zu fungieren. Die Kämpfer gaben ihnen nur sehr wenig zu essen und zwangen sie unter Beleidigungen und Schlägen, tagelang zu marschieren und schwere Lasten zu tragen. Wer Anzeichen von Erschöpfung zeigte, wurde oft getötet.

Anwerbung und Einsatz von Kindern

Die ADF wird von den Vereinten Nationen als eine der Gruppen geführt, die in der DR Kongo am häufigsten für die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern verantwortlich sind. Die Gruppe setzt Kinder in verschiedenen Funktionen ein, unter anderem als Kämpfer, Träger*innen, Köch*innen und Wachposten. Viele ehemalige Entführte und Augenzeug*innen gaben an, Kinder gesehen zu haben, die vermutlich nicht älter als zehn Jahre alt waren und bereits an Angriffen der Gruppe teilnahmen.

Amnesty International befragte zwei ehemals entführte Kinder sowie drei Jugendliche, die als Kinder entführt worden waren und alle von der ADF für verschiedene Zwecke eingesetzt wurden. Die Befragten waren zum Zeitpunkt ihrer Entführung zwischen 13 und 17 Jahre alt.

Ein Jugendlicher, der im Alter von unter 15 Jahren entführt worden war und etwa zwei Jahre in Gefangenschaft verbracht hatte, sagte: „Sie steckten mich in eine Gruppe, die für die Nahrungssuche zuständig war … Sie predigten uns den Islam … Wenn es Zeit zum Beten war, betete ich mit ihnen. Wenn man sich weigerte, konnten sie einen töten.“

Angesichts der zahlreichen Menschenrechtsverletzungen in Form von Folter und anderen Misshandlungen, denen diese Kinder ausgesetzt waren, sind sie in erster Linie als Opfer zu betrachten. Ihnen muss zudem zusätzlicher Schutz als Überlebende von Menschenhandel gewährt werden.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Amnesty International befragte fünf Frauen und zwei Mädchen, die von der ADF entführt und zur „Heirat“ gezwungen worden waren. Nach Angabe von Zeug*innen waren „außereheliche“ Beziehungen nicht erlaubt; mehrere Befragte berichteten jedoch von Fällen sexualisierter Gewalt durch ADF-Kämpfer gegenüber Frauen und Mädchen außerhalb der „Ehe“.

Aus den Interviews geht hervor, dass die ADF ihren Kämpfern eine „Ehefrau“ – manchmal sogar mehrere – als Rekrutierungsanreiz zur Verfügung stellte. Diese Praxis wird in den Lagern der Gruppe systematisch angewendet. Die Frauen und Mädchen waren über längere Zeiträume sexualisierter und körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Frauen und Mädchen berichteten zudem, dass sie gezwungen wurden, zum Islam zu konvertieren und mit der religiösen Auslegung der Gruppe indoktriniert wurden. Die Frauen und Mädchen gaben an, von Ausbilderinnen und Lagerleitung ausdrücklich darauf hingewiesen worden zu sein, dass sie die Zuweisung von „Ehemännern“ akzeptieren oder andernfalls mit dem Tod rechnen müssten. Mehrere von ihnen wurden gezwungen, die Tötung anderer mitanzusehen, die sich den Befehlen widersetzt hatten.

Sechs der sieben Frauen und Mädchen, die als „Ehefrauen“ verschleppt worden waren, gaben an, infolge der Zwangsverheiratung schwanger geworden zu sein. Auch wenn es diesen entführten Frauen und Mädchen gelang, der sexualisierten Versklavung und der häuslichen Knechtschaft zu entkommen, sahen sie sich mit Misstrauen und Stigmatisierung konfrontiert. 

Forderungen von Amnesty International

Die Behörden in der DR Kongo müssen mehr tun, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Dies muss unter anderem durch die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und lokalen Gemeinschaften passieren, um Frühwarnmechanismen zu verbessern und eine schnelle Reaktion noch vor einem Angriff zu ermöglichen. Erforderlich sind ein umfassender Ansatz in den Bereichen Sicherheit, Justiz und Rechenschaftspflicht sowie sinnvolle Reintegrationsprogramme, um den Bedürfnissen der lokalen Communities und der Überlebenden gerecht zu werden.

„Die kongolesische Regierung muss weitaus entschlossener handeln, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. Die internationale Gemeinschaft muss den kongolesischen Staat entschlossen dabei unterstützen, die Bemühungen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu verbessern, Gerechtigkeit zu gewährleisten und den Betroffenen und Überlebenden langfristige, nachhaltige Hilfe zu leisten. Dass die internationale Politik angesichts der zunehmenden Bedrohung und der Verbrechen der ADF wegschaut, führt nur zu einer weiteren Aushöhlung der Sicherheit und der Menschenrechte im Osten der DR Kongo“, so Agnès Callamard.

Presseteam Amnesty International Österreich

Valerie Schmid

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PA: „Just Fashion Manifest“. Südwind präsentiert Vision für eine gerechte Modeindustrie

Breites internationales Bündnis präsentiert Prinzipien für einen nachhaltigen Wandel in der Modeindustrie – 22 österreichische Organisationen unterstützen das Just Fashion Manifest – International mehr als 230 Unterzeichner:innen zum Start.

Die Modeindustrie ist einer der größten Verursacher von Umweltzerstörung, Klimaschäden und sozialer Ungerechtigkeit. Fast Fashion wird häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert und mit schwerwiegenden Folgen für Umwelt und Klima. Südwind hat nun gemeinsam mit der Clean Clothes Kampagne – einem breiten Bündnis aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gewerkschaften, Arbeitsrechtsexpert:innen aus dem Globalen Norden und Süden – sowie engagierten Einzelpersonen und Aktivist:innen eine Vision für eine gerechte Modeindustrie formuliert: dasJust Fashion Manifest. Es verbindet einmalig die Interessen junger Konsument:innen für nachhaltige Mode mit den Interessen der Arbeiter:innen am anderen Ende der Lieferkette für menschenwürdige Arbeit.

„Es ist längst offensichtlich, dass wir die weitreichenden Probleme der Modeindustrie nicht mit nachhaltigem Konsum alleine lösen können. Für soziale, ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit braucht es politischen Willen und ineinandergreifende Maßnahmen auf allen Ebenen“, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für Textillieferketten. Südwind fordert daher von der österreichischen Bundesregierung einen konkreten Maßnahmenplan, um gegen Ausbeutung, Klima- und Umweltschäden vorzugehen.

Khalid Mahmood, Sprecher der Labour Education Foundation, Pakistan sagt dazu: „Für Arbeiter:innen in Pakistan kann der ökologische Wandel nur dann gerecht sein, wenn er gleichzeitig faire Löhne, Arbeitsschutz, Gesundheits- und Sicherheit am Arbeitsplatz, Vereinigungsfreiheit, sozialen Schutz und die echte Mitbestimmung der Arbeiter:innen bei Entscheidungen garantiert. Das Manifest bietet einen wichtigen Rahmen, um sicherzustellen, dass die Kosten des Wandels nicht den Arbeiter:innen und Communities im Globalen Süden aufgebürdet werden, sondern von jenen getragen werden, die am meisten von der Industrie profitieren.“

Vision für eine gerechte Modeindustrie

Das Just Fashion Manifest beschreibt eine Vision für die Zukunft der Mode mit menschenwürdigen, klimaresilienten Arbeitsplätzen auf einem gesunden Planeten und enthält konkrete Verbesserungsschritte bis 2030. Das Dokument soll gleichermaßen Inspirationsquelle für eine interessierte Öffentlichkeit sowie Aufforderung an Politik und Unternehmen sein. Es definiert Prinzipien, die allen Maßnahmen für die Zukunft der Mode zugrunde liegen müssen. Ein gerechtes Modesystem:

  • …bietet allen Arbeiter:innen in der Wertschöpfungskette faire Arbeitsbedingungen, hohe Lebensqualität und gleiche Rechte.
  • …sichert Gerechtigkeit in all ihren Formen – sozial, wirtschaftlich, geschlechtsspezifisch und klimabedingt – heute und in Zukunft.
  • …verteilt Reichtum um, mit dem Ziel,  existenzsichernde Löhne und universellen sozialen Schutz für alle zu gewährleisten.
  • …stellt sicher, dass die Kosten für Klimaanpassung und -schutz fair geteilt werden.
  • …ermöglicht Arbeiter:innen Mitsprache – ohne Angst vor Repressionen.
  • …trägt zur Regeneration der Natur bei und bleibt innerhalb der planetaren Grenzen.
  • …reduziert übermäßige Produktionsmengen und erhöht gleichzeitig die Arbeitsplatzsicherheit.
  • …macht Unternehmen und ihre Führungskräfte für verursachte Schäden verantwortlich.
  • …fördert neue, faire Methoden für Anbau, Verarbeitung, Herstellung, Transport, Einzelhandel, Wiederverwendung, Recycling und Wertschätzung von Kleidung.

Forderungen an die Bundesregierung: Just Fashion Task Force

In Bezug auf Österreich sieht Südwind ein Kernproblem in der fragmentierten Gesetzeslage, die Schlupflöcher, Intransparenz und fehlende Haftung zur Folge hat. Die österreichische Menschenrechtsorganisation fordert daher von der Bundesregierung eine Just Fashion Task Force. Diese sollte Ministerien, Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen vernetzen, um die Wirksamkeit bestehender Gesetze sicherzustellen, Kontrollen zu stärken, bestehende Lücken zu schließen und Transparenz und öffentlichen Informationszugang sicherzustellen. Zusätzlich müssen EU-Richtlinien, die für die Regulierung von Fast Fashion-Anbietern relevant sind – wie etwa Empowering Consumers for the Green Transition oder der Digital Service Act – in Österreich konsequent umgesetzt werden, ebenso wie die EU-Zwangsarbeitsverordnung.

Die Südwind-Petition für eine gerechte Modeindustrie findet sich online unter:suedwind.at/justfashion

PA: Textil-Containerverbot in Wien. Südwind sieht Schritt in die richtige Richtung und fordert Begleitmaßnahmen

Fast Fashion-Auswirkungen brauchen umfassende Gegenmaßnahmen – Südwind sieht in Direktkooperationen mit Zielländern eine Möglichkeit für einen gerechten Umgang mit Altkleidung

Die Initiative der Stadt Wien, Altkleider stärker zu regulieren, ist aus Sicht von Südwind ein begrüßenswerter erster Schritt. Gleichzeitig braucht es für die Menschenrechtsorganisation zusätzliche politische Maßnahmen, um die Kleidungsflut zu bewältigen und eine nachhaltige, praktikable Wiederverwertung zu ermöglichen. „Die Müllhaufen rund um die Altkleider-Container in Wien sind nur ein kleines Symptom eines viel größeren globalen Problems. Das beginnt nicht erst bei der Entsorgung, sondern schon bei der Überproduktion und dem verschwenderischen Konsum von Kleidung“, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für Textillieferketten. „Angesichts der enormen Probleme für Umwelt und Menschen, die das Fast Fashion-System erzeugt, braucht es einen umfassenden Maßnahmenplan sowie den Blick auf die gesamte Lieferkette unserer Kleidung.“

Weiter Weg für Altkleidung zum Müllberg

Rund 46 Prozent der Altkleider aus Europa werden nach Afrika exportiert, überwiegend zur Wiederverwendung. Dabei sind allerdings rund 40 Prozent der exportierten Kleidung nicht mehr verwendbar. 41 Prozent gehen nach Asien – oft minderwertige Ware, die zu Putzlappen downgecycelt oder weiter exportiert wird, 63 Prozent landen davon wiederum in Afrika. Das zeigen Daten der Europäischen Umweltagentur. Hinzu kommt, dass nur etwa 1 Prozent der Kleidung weltweit tatsächlich von Faser zu Faser recycelt werden kann. Recherchen in Recyclinganlagen, etwa in Pakistan, zeigen zudem alarmierende Arbeitsbedingungen, die jenen in der Textilproduktion ähneln.

Untersuchungen von Südwind und der Clean Clothes Kampagne zeigen, dass die Arbeitsbedingungen im Altkleider-Sektor in vielen Ländern des Globalen Südens prekär, unsicher und unwürdig sind. Gewerkschaften in Uganda berichten, dass große Teile der importierten Kleidung aus Müll bestehen, der wiederum auf riesigen Deponien vor Ort entsorgt wird. Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen im Secondhand-Sektor Ugandas prekär und unsicher.

Kooperation zwischen Wien und Kampala als Begleitmaßnahme

Südwind fordert eine Kooperation auf Augenhöhe mit den Zielländern von Altkleider-Exporten. So könnte eine vertiefte Partnerschaft zwischen Wien und Kampala zum Knowhow-Austausch beitragen und Mitbestimmung im Globalen Süden stärken. Ein solches Projekt könnte Akteur:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einbinden: Sammler:innen, Re-Use-Betriebe, Exporteur:innen, Gewerkschaften sowie Menschenrechts- und Umweltorganisationen in beiden Ländern. Durch Dialogformate, gemeinsame Richtlinien und Austauschprogramme könnte ein fairer Secondhand-Handel aufgebaut werden. Gleichzeitig sollte die Kooperation den Aufbau lokaler, nachhaltiger Textilproduktion sowie sicherer Infrastruktur und Ausbildung fördern.

„Das System der Altkleiderverwertung steht weltweit vor dem Kollaps. Es darf nicht akzeptiert werden, dass nicht mehr benötigte Kleidung aus Europa auf immer größeren Müllbergen in anderen Weltregionen landet oder unter unsicheren Bedingungen recycelt wird“, sagt Südwind-Expertin Lena Gruber. „Ziel muss es sein, sicherzustellen, dass nur jene Kleidung exportiert wird, die vor Ort tatsächlich gebraucht und gewollt ist. Schließlich will niemand, dass aus der gutgemeinten Spende eine Belastung für Mensch und Umwelt wird.“

Europäische Regulierung entscheidend

So wichtig Initiativen auf Gemeindeebene sind, so sehr braucht es für Südwind die konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung zentraler EU-Regulierungen auf Bundesebene. Dazu zählen die Erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility), die EmpCo-Richtlinie gegen Greenwashing und geplante Obsoleszenz sowie Regelungen zur Eindämmung manipulativer Werbung großer Plattformen. Darüber hinaus sind strengere Kontrollen beim Export von Altkleidern, mehr Kapazitäten für hochwertige Sammlung und Wiederverwendung sowie stärkere Anreize für nachhaltige Mode notwendig.

Südwind hat dazu einen umfassenden Maßnahmenplan für faire Mode entwickelt: suedwind.at/justfashion

Rückfragen
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at

www.suedwind.at/presse

PA: Krieg im Iran und der Region: Regierungen müssen dauerhaften und nachhaltigen Waffenstillstand vereinbaren

Die brüchigen, zeitlich begrenzten Waffenstillstände zwischen den USA und dem Iran sowie zwischen Israel und dem Libanon müssen durch einen dauerhaften, nachhaltigen und umfassenden regionalen Waffenstillstand ersetzt werden, der alle von diesem Konflikt betroffenen Länder umfasst. Nur so kann weiteres katastrophales Leid der Zivilbevölkerung verhindert und der Weg für Gerechtigkeit, die Achtung des Völkerrechts und einen langfristigen Schutz der Menschenrechte für alle geebnet werden, erklärt Amnesty International am 29. April.

In einem neuen Bericht beschreibt Amnesty International die doppelte Gefährdung der iranischen Bevölkerung, die zwischen bewaffnetem Konflikt und tödlicher Unterdrückung durch die eigene Regierung gefangen ist. Es benötigt einen kombinierten, auf die Menschen ausgerichteten diplomatischen Ansatz, der die Bemühungen um einen dauerhaften Waffenstillstand mit konkreten Schritten zur Verhinderung von Gräueltaten durch die iranischen Behörden verbindet. 

Im Libanon hat der jüngste Waffenstillstand, wie schon seit 2024, zu einer Verringerung, aber nicht zu einem Ende der Kampfhandlungen geführt. Zudem ist das israelische Militär auf libanesischem Gebiet geblieben und hat den Bewohner*innen zahlreicher Dörfer in den Grenzgebieten verboten, zurückzukehren.  

Für die Zivilbevölkerung im Iran besteht gleichzeitig die Gefahr von Gräueltaten durch zwei Akteure – auf der einen Seite durch die Wiederaufnahme rechtswidriger US-amerikanischer und israelischer Angriffe, auf der anderen Seite durch weitere tödliche Repressionen der iranischen Behörden.  

Die US-amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran ab dem 28. Februar waren rechtswidrig, da sie gegen das Gewaltverbot der UN-Charta verstießen, und sie lösten rechtswidrige Vergeltungsmaßnahmen des iranischen Staats aus. Seitdem sind mehr als 5.000 Menschen getötet worden, und das Leben von Millionen von Zivilist*innen wurde durch die Eskalation der miteinander verknüpften Konflikte in der Region und die Angriffe auf die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur erschüttert. Alle Konfliktparteien, einschließlich USA, Israel, Iran und Hisbollah, haben rechtswidrige Angriffe verübt, die eine erschreckende Missachtung von Menschenleben darstellen. Währenddessen drohte der US-Präsident mit Kriegsverbrechen und sogar Völkermord und kündigte an, „eine ganze Zivilisation“ im Iran auszulöschen.  

Waffenstillstandsvereinbarungen im Gazastreifen und im Libanon unwirksam  

Die sogenannten Waffenstillstandsvereinbarungen, die 2025 im Gazastreifen und 2024 im Libanon getroffen wurden, haben nachweislich nicht dazu geführt, dass die israelischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung gestoppt wurden. Seitdem wurden 765 Palästinenser*innen getötet, und im Südlibanon werden fast täglich Luftangriffe verübt und zivile Infrastruktur zerstört.

Die Angriffe breiteten sich ab Februar rasch auf zwölf Länder aus und gefährdeten das Leben und die Gesundheit von Millionen von Zivilist*innen, wobei Häuser und wichtige zivile Infrastruktur zerstört, die Umwelt geschädigt und wirtschaftliche Schockwellen ausgelöst wurden, die in der gesamten Region und weltweit zu spüren sind.  

Im Iran hatten die Angriffe der USA und Israels bis zum 7. April nach offiziellen Angaben mindestens 3.375 Tote und 25.000 Verletzte, darunter Hunderte von Kindern, zur Folge. Die US-amerikanisch-israelischen Angriffe im Iran fanden statt, während die Bevölkerung noch am Trauern für die im Zuge der Niederschlagung der Proteste im Jänner 2026 Ermordeten war.

Im Libanon waren zum Zeitpunkt der Ankündigung der Waffenruhe 2.294 Menschen getötet worden, darunter 177 Kinder. Mehr als 7.500 Personen wurden verwundet. Seit dem Waffenstillstand haben Israel und die Hisbollah ihre Angriffe fortgesetzt, wobei es immer wieder Berichte über Opfer unter der Zivilbevölkerung gibt.  

Mindestens 21 Zivilist*innen wurden in Israel getötet, wo die Bevölkerung Angriffen sowohl Irans als auch der Hisbollah ausgesetzt ist. Im besetzten Westjordanland sind vier Menschen getötet worden. Zwischen dem 28. Februar und dem 15. April 2026 wurden in der Golfregion mindestens 29 Menschen getötet, darunter 13 in den Vereinigten Arabischen Emiraten, sieben in Kuwait, drei in Bahrain, drei im Oman und drei in Saudi-Arabien. In den Zahlen sind die getöteten Angehörigen des US-Militärs nicht enthalten. 

Iranische Bevölkerung ist doppelt gefährdet  

In dem veröffentlichten Bericht beschreibt Amnesty International die doppelte Gefährdung der iranischen Bevölkerung. Es benötigt daher einen kombinierten, auf die Menschen ausgerichteten diplomatischen Ansatz, der die Bemühungen um einen dauerhaften Waffenstillstand mit konkreten Schritten zur Verhinderung von Gräueltaten durch die iranischen Behörden verbindet.  

„Ein Waffenstillstand, der nicht von langfristigen Lösungen begleitet wird, die die Menschenrechte schützen und die Ursachen angehen, ist kaum mehr als ein Pflaster auf einer tiefen Wunde. Dies gilt insbesondere für den Iran, wo die Bevölkerung nach wie vor der Gefahr weiterer Gräueltaten durch die Behörden der Islamischen Republik ausgesetzt ist, und für den Libanon, wo die Zivilbevölkerung einen erneuten Konflikt, die Vertreibung auf unbestimmte Zeit und die Zerstörung ihrer Häuser fürchten muss“, so Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International. 

Wir beobachten gerade eine anhaltende gefährliche Erosion der globalen internationalen Rechtsordnung und des humanitären Völkerrechts. Die internationale Gemeinschaft muss die rechtswidrigen Angriffe der USA und Israels auf den Iran, die gegen die UN-Charta verstoßen, und alle Verbrechen nach dem Völkerrecht umfassend untersuchen und dafür sorgen, dass Staaten und Einzelpersonen zur Rechenschaft gezogen werden. 

Iran verschärfte Vorgehen gegen Menschen im Land 

Doch auch ein dauerhafter Waffenstillstand allein kann den Schutz der Zivilbevölkerung und die Wahrung der Menschenrechte in Iran nicht garantieren. Demonstrierende, Dissident*innen und andere Personen, die sich für einen grundlegenden politischen Wandel einsetzen, sind nach wie vor in großer Gefahr, von den iranischen Behörden angegriffen zu werden. Seit den US-amerikanisch-israelischen Angriffen haben die Behörden ihr Vorgehen gegen jede tatsächliche oder vermeintliche Opposition verschärft, und das während der längsten staatlich verordneten Internetsperre, die es je im Iran gab.  

Hochrangige Behördenvertreter*innen haben in den vergangenen Wochen bedrohliche Erklärungen abgegeben, in denen sie jede Form von Dissens mit einer Parteinahme für den „Feind“ gleichsetzten. Sie haben offen mit weiteren Massentötungen von Personen gedroht, die Widerspruch äußern oder friedlich für den Sturz des Systems der Islamischen Republik eintreten. Außerdem haben sie öffentlich damit geprahlt, im Jänner 2026 Tausende von Demonstrant*innen getötet zu haben. Die Behörden haben außerdem mindestens 19 Personen willkürlich hingerichtet: Acht Protestierende, neun Dissident*innen und zwei Personen, die der Spionage für die USA und/oder Israel beschuldigt wurden. Die Behörden setzen auch weiterhin auf willkürliche Massenfestnahmen, Verschwindenlassen und Folter, um abweichende Meinungen zu bestrafen.  

Die fortgesetzten Gräueltaten im Iran haben ihre Wurzeln in einer Verfassungsstruktur, die Straflosigkeit und systematische Diskriminierung begünstigt und den Menschen den Zugang zur Justiz und zu wirksamen Rechtsmitteln verwehrt. 

Um sicherzustellen, dass die Menschen im Iran nicht der Gefahr weiterer Massaker ausgesetzt sind, muss ein Waffenstillstand mit dringenden diplomatischen Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft einhergehen. Nur so können Gräueltaten der iranischen Behörden verhindert und die von der iranischen Zivilgesellschaft erhobenen Forderungen nach grundlegenden Änderungen, darunter der Verfassung, unterstützt werden, damit die Achtung der Menschenrechte, einschließlich des Rechts auf Leben, gewährleistet sind.  

„Die Menschenrechts- und Straffreiheitskrise im Iran wird durch die rechtswidrigen Angriffe der USA und Israels und das große Leid der Zivilbevölkerung noch verschärft. Die internationale Gemeinschaft muss erkennen, dass diese Krise eine kombinierte, auf die Menschen ausgerichtete diplomatische Antwort erfordert. Dies bedeutet, dass die Bemühungen um die Untersuchung der Verstöße gegen die UN-Charta, den Schutz der Zivilbevölkerung und die Einhaltung des humanitären Völkerrechts mit Maßnahmen zur Verhinderung von Gräueltaten durch die iranischen Behörden einhergehen müssen. Zudem müssen die Forderungen der iranischen Zivilgesellschaft nach einer rechtebasierten Verfassung unterstützt werden. Es bedeutet auch, dass Wege für eine internationale Justiz geschaffen werden müssen, einschließlich der Befassung des Internationalen Strafgerichtshofs durch den UN-Sicherheitsrat mit der Situation im Iran“, so Agnès Callamard. 

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