PA: Neuer Südwind-Bericht: Gesundheitsrisiken und prekäre Arbeit prägen den Secondhand-Sektor in Uganda

Wien/Kampala, am 2. Juli 2026. Jedes Jahr landen bis zu 100.000 Tonnen Altkleidung aus dem Globalen Norden in Uganda, 40 Prozent davon sind unbrauchbarer Müll – das entspricht 2.000 vollbeladenen LKWs. Zur Bewältigung dieser Altkleider-Flut entstand ein ganzer Arbeitssektor. Schätzungen zufolge arbeiten in Uganda zwischen 700.000 bis zu indirekt 5 Millionen Menschen im informellem Secondhand-Sektor – sei es als Straßenverkäufer:innen, Schneider:innen, Sortierer:innen oder Müllsammler:innen. Ihr Alltag ist geprägt von finanziellem Druck, Gesundheitsrisiken und existenzieller Unsicherheit. Das zeigt ein neuer Bericht der ugandischen Gewerkschafterin und Forscherin Faith Irene Lanyero, im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Südwind. Der Bericht “Die Menschen hinter den Altkleiderbergen. Arbeitsbedingungen in Ugandas Secondhand-Bekleidungssektor” legt einen Fokus auf die menschlichen Schicksale hinter dem Secondhand-Handel und diskutiert Alternativen für einen gerechten Wandel.

„Unter den Bergen an Altkleidern, die nach Uganda kommen, verbirgt sich eine tiefe soziale und ökologische Krise”, sagt Autorin Faith Irene Lanyero. „Hunderttausende Arbeiter:innen schuften oft ohne freien Tag unter gefährlichen Bedingungen, ohne soziale Absicherung, ohne Gewerkschaftsvertretung und meist ohne Chance auf ein existenzsicherndes Einkommen. Die wachsenden Müllberge werden sogar zu einer Bedrohung für angrenzende Siedlungen, wie der Einsturz der Kiteezi-Deponie 2024 mit 35 Todesopfern zeigte.”

„Der globale Secondhand-Markt ist bei weitem kein nachhaltiger Kreislauf. Die Arbeiter:innen in Ugandas Secondhand-Sektor zahlen den Preis für unseren Fast-Fashion-Konsum. Gemäß dem Prinzip ‘Aus den Augen aus dem Sinn’ werden Europas Müllprobleme auf den Globalen Süden abgewälzt, ebenso wie die Verantwortung über den Umgang mit schädlichen Stoffen, Gesundheitsrisiken und prekären Arbeitsbedingungen”, sagt Lena Gruber, Südwind-Sprecherin für Mode-Lieferketten. „Das Fast-Fashion-System hat den Secondhand-Handel zu einer Müllfalle für den Globalen Süden gemacht.”

70 Stunden-Woche, hohe Belastung, keine Absicherung

Obwohl die Secondhand-Branche oft als nachhaltige Lösung dargestellt wird, ist sie von enormen sozialen und ökologischen Problemen geprägt. In Uganda schafft die Branche zwar viele Arbeitsplätze, die Bedingungen dieser Arbeit sind jedoch höchst prekär. Die meisten Arbeiter:innen haben keine Verträge, keine Schutzkleidung, keine soziale Absicherung und keine Gewerkschaftsvertretung. Befragte berichten von 70-Stunden-Wochen, chronischen Schmerzen, Bluthochdruck oder Atemwegsproblemen, verursacht durch schwere Lasten, Hitze und Staub. Das Einkommen reicht oft nicht zum Leben.

Märkte wie Owino in Kampala sind überfüllt, schlecht belüftet und ohne Schutz vor Regen oder Hitze. Überschwemmungen und Brände sind häufige Gefahrenquellen. Vor allem Frauen arbeiten unter besonders prekären Bedingungen: Zugang zu Toiletten, Mutterschutz oder Kinderbetreuung fehlt. Viele Frauen nehmen daher ihre Babys mit in die gefährliche Arbeitsumgebung. Gleichzeitig verrichten sie oft die am schlechtesten bezahlten Jobs, wie das Tragen von Altkleider-Ballen, Bügeln mit Holzkohle, oder das Ausbessern oder Waschen von Kleidung.

Straßenhändlerin Patricia Nyaketcho berichtet: „Ich arbeite von Montag bis Montag, ohne freien Tag, jeweils zehn Stunden, um meine fünfköpfige Familie zu ernähren. Mein Einkommen reicht nicht aus, um unsere Lebenshaltungskosten zu decken. Die große Menge an minderwertiger Second-Hand-Ware verursacht für mich große Verluste.”

Fehlende Kontrollen und mangelhafte Sortierung

Auch Österreich trägt zu diesen Problemen bei. Mit rund 30 Prozent wird zwar überdurchschnittlich viel der aussortierten Altkleidung gesammelt. Aufgrund fehlender Sortierungs-Infrastruktur wird jedoch mehr als die Hälfte exportiert. Das entspricht rund 22.000 Tonnen, die jedes Jahr in einem intransparenten System des Weiterhandels landen, ohne Überprüfung oder Mitsprache von Zielländern wie Uganda.

„Mit unserer alten Kleidung exportieren wir nicht zuletzt massive Umwelt- und Sozialprobleme. Es kann nicht sein, dass wir unsere Müllprobleme auf andere abwälzen, aufgrund von fehlender Infrastruktur, unzureichenden Kontrollen und Mangel an politischem Willen in Österreich”, sagt Südwind-Expertin Lena Gruber. „Die Menschen am Ende der Lieferketten, die unsere Kleidung aussortieren, weiterverarbeiten und entsorgen, haben ein Recht auf Mitsprache und Selbstbestimmung über den für sie so wichtigen Wirtschaftssektor.”

Denn trotz aller Probleme bietet der Secondhand-Sektor in Uganda vielen Menschen eine wichtige Chance: Für viele Familien ist der Handel mit gebrauchter Kleidung die einzige Einkommensquelle. „Secondhand kann Teil einer nachhaltigen Modewirtschaft sein und hochwertige Secondhand-Ware den Bedarf an Neuproduktion reduzieren. Das zeigen einige ugandische Designer:innen, die aus Altkleidern neue Produkte entstehen lassen“, sagt Lena Gruber von Südwind. „Nachhaltig und respektvoll kann das nur gelingen, wenn die Müllflut aus Europa gestoppt und politische Lösungen für das Fast Fashion-Problem umgesetzt werden.“

Forderungen: Vom linearen Müll- zum gerechten Kreislaufsystem

Südwind fordert auf Basis der Studie einen dringenden Kurswechsel: Das Ziel müsse sein, dass nur wiederverwendbare Kleidung exportiert werden darf. Um Müllexporte in Länder des Globalen Südens zu vermeiden, fordert Südwind den Aufbau von ausreichenden Sortierkapazitäten in den Verbraucher-Ländern, strenge Exportkontrollen und Sanktionen bei Falschdeklaration.

Gleichzeitig braucht es Maßnahmen, um die Überproduktion zu bremsen: Dazu zählen eine ökosoziale Steuerung mit Abgaben auf Billigmode zur Finanzierung von nachhaltigen und sozial gerechten Lösungen. In dem Sinne müssen Modemarken basierend auf der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte verantwortlich gemacht werden.

Rückfragen:
Vincent Sufiyan
Kommunikationsleiter Südwind
Telefon: +43 650 96 77577
E-Mail: vincent.sufiyan@suedwind.at

PA: Neuer Amnesty-Bericht: RSF beging im Sudan Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberung

Die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) haben bei der Einnahme der Stadt Al-Faschir in Nord-Darfur Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und ethnische Säuberungen durchgeführt. Dies stellt Amnesty International in einem umfangreichen neuen Bericht fest. Die Menschenrechtsorganisation fordert einen sofortigen Waffenstillstand im Sudan sowie die dringende Entsendung internationaler Streitkräfte zum Schutz der Zivilbevölkerung. 

Der Amnesty-Bericht mit dem Titel City Under Siege, Children Under Fire: Rapid Support Forces‘ Crimes Against Humanity in North Darfur beschreibt, wie Zivilist*innen in und um Al-Faschir von Anfang 2024 bis Oktober 2025 verletzt, geschlagen, gefoltert, inhaftiert oder getötet wurden. Dies ist der Zeitraum, in dem die RSF in Nord-Darfur gegen die sudanesische Armee und deren Verbündete kämpfte. Der Konflikt hatte verheerende Auswirkungen auf die Region. Zu den Verbrechen der RSF zählen Mord, Zwangsumsiedlung, Inhaftierung, Folter, Vergewaltigung, Versklavung, sexualisierte Versklavung, andere Formen sexualisierter Gewalt, „Ausrottung“ und Verfolgung.

Hunderttausende Kinder wurden vertrieben; viele von ihnen waren bei Angriffen oder auf der Flucht immer wieder der Gefahr von Tod oder Verletzungen ausgesetzt. Unzählige Kinder wurden zu Waisen. Auch Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen sind akuten Gefahren ausgesetzt. Neben der Gefahr gezielter Angriffe besteht für sie das Risiko, sich selbst überlassen und von wichtigen Hilfsleistungen ausgeschlossen zu werden.

 „Der Krieg im Sudan ist ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung. Die Welt wurde vor den Schrecken gewarnt, die der Zivilbevölkerung in Al-Faschir drohten, als die RSF die Stadt einnahm. Es ist ein Schandfleck auf dem Gewissen der Menschheit“, so Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International.

 „Kinder waren mitnichten Kollateralschäden dieser Gewalt – sie wurden oft gezielt ins Visier genommen und haben unermessliches Leid erfahren. Sie wurden im großen Stil verletzt, vergewaltigt, entführt, zwangsrekrutiert oder getötet. Es muss umgehend ein landesweiter Waffenstillstand geschlossen werden. Eine unabhängige und angemessen ausgestattete internationale Truppe muss im Sudan stationiert werden, um die Zivilbevölkerung vor Verbrechen aller Konfliktparteien zu schützen. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht sofort aktiv wird, werden die Angriffe gegen die Zivilbevölkerung – und das enorme Leid und Trauma, das den Kindern zugefügt wird – unvermindert weitergehen“, sagt Agnès Callamard weiter.  

Amnesty International sprach für diesen Bericht mit 247 Personen. Die Belege, die im Rahmen des geografischen und zeitlichen Umfangs des Berichts ausgewertet wurden, lassen den uneingeschränkten Schluss zu, dass Menschen aufgrund ihrer ethnischen Identität verfolgt wurden. Amnesty International ist der Ansicht, dass einige der in diesem Bericht dokumentierten Taten sowie weitere mutmaßliche Verbrechen, die im Rahmen paralleler Ermittlungen untersucht werden, möglicherweise für den Tatbestand des Völkermords relevant sind. Die Untersuchungen von Amnesty International dauern zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch an. 

Systematische Angriffe der RSF 
Bis November 2023 hatte die RSF die Hauptstädte in vier von fünf Bundesstaaten der Region Darfur unter ihre Kontrolle gebracht. Al-Faschir, die Hauptstadt von Nord-Darfur, war die einzige Stadt, die noch Widerstand leistete. Ab 2024 griff die RSF systematisch die Dörfer, Städte und Flüchtlingslager um Al-Faschir herum an, ging mit Gewalt und Plünderungen gegen die Bewohner*innen vor und brannte zivile Infrastruktur nieder.

Vielerorts gehörten die Betroffenen überwiegend der ethnischen Gruppe der Zaghawa an. RSF-Kämpfer steckten zivile Unterkünfte in Brand, lange nachdem die Bewohner*innen bereits geflohen waren, was darauf schließen lässt, dass sie die Gebiete unbewohnbar machen wollten. Die RSF übt zudem weiterhin die Kontrolle über die Gebiete um Al-Faschir herum aus und verhindert, dass Vertriebene zurückkehren können. Zusammengefasst kommen diese Maßnahmen der ethnischen Säuberung der Gemeinschaft der Zaghawa gleich. 

Am 26. Oktober 2025 startete die RSF ihre letzte Offensive auf Al-Faschir. Bei der Flucht stieß die Zivilbevölkerung auf ein 57 km langes Netz aus Erdwällen. Es kam zu einem Massaker: Hunderte wurden getötet, und viele weitere Menschen wurden gefoltert oder inhaftiert. 

Mehrere RSF-Befehlshaber identifiziert 

Amnesty International machte RSF-Befehlshaber ausfindig, die für schwere Verstöße gegen das Völkerrecht verantwortlich sind. RSF-Mitglieder hatten Massenhinrichtungen per Video festgehalten und die Aufnahmen veröffentlicht. 

Diese Menschenrechtsverstöße wurden wiederholt und in großem Stil begangen, was darauf hindeutet, dass Befehlshabende von ihnen wussten oder hätten wissen müssen und nichts unternahmen, um ihnen einen Riegel vorzuschieben oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. 

Empfehlungen von Amnesty International 

„Der Sudan leidet unter den Folgen der Kürzungen der humanitären Hilfe, die eine ohnehin schon katastrophale Menschenrechtskrise für jene, die alles verloren haben, noch weiter verschärften. Alle internationalen Partner des Sudan müssen dafür sorgen, dass die Geflüchteten und Vertriebenen angemessene Hilfsleistungen zur Krisenbewältigung erhalten, darunter auch gezielte Leistungen für Kinder“, so Agnès Callamard. 

“Zudem muss die Rechenschaftspflicht gestärkt werden, indem sichergestellt wird, dass die bestehenden Rechenschaftsmechanismen für den Sudan in ausreichendem Maße unterstützt werden; so zB. der Internationale Strafgerichtshof sowie Ermittlungsmissionen der Vereinten Nationen und Afrikanischen Union. Gegen die in diesem Bericht genannten Befehlshaber müssen Ermittlungen und – bei ausreichender Beweislage – Strafverfahren eingeleitet werden”, sagt Agnès Callamard weiter. 

Alle Länder müssen unverzüglich die Lieferung von Waffen und Munition an alle Konfliktparteien im Sudan einstellen. Insbesondere müssen alle Länder die Lieferung von Waffen an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – den wichtigsten Geldgeber der RSF – stoppen, bis die VAE das UN-Embargo einhalten. Der UN-Sicherheitsrat muss zudem das gegen Darfur verhängte Waffenembargo auf das gesamte Land ausweiten.

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Presseteam Amnesty International Österreich
Valerie Schmid
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PA: EU muss Abschiebepläne nach Afghanistan einstellen und Verhandlungen mit Taliban beenden  

Die EU-Kommission hat die Taliban-Behörden nach Brüssel eingeladen, um über die Abschiebung afghanischer Staatsangehöriger zu sprechen. Amnesty International fordert die EU und ihre Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, ihre Abschiebepläne für Afghanistan aufzugeben und jegliche Zusammenarbeit mit den De-facto-Behörden der Taliban zu beenden. Afghanistan kann in keiner Weise als sicheres Rückkehrland angesehen werden. Eine Abschiebung in dieses Land gefährdet das Leben der der dorthin abgeschobenen Menschen, wie bereits mehrfach von verschiedenen UN-Gremien festgestellt wurde.

Das Treffen mit den Taliban, das Medienberichten zufolge in Kürze stattfinden soll, folgt auf das Drängen mehrerer Mitgliedstaaten, die Abschiebungen nach Afghanistan zu beschleunigen – trotz der katastrophalen Menschenrechtslage und während sich die humanitäre Lage im Land weiter verschlechtert. Diese ist von schwerer Ernährungsunsicherheit geprägt. Fast 22 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen.  

Die EU selbst hat die schrecklichen Menschenrechtsverletzungen der Taliban wiederholt angeprangert – sie ist sich also der verheerenden menschenrechtlichen Lage im Land bewusst. Zudem hat sie eine Schlüsselrolle bei den Bemühungen um Rechenschaftspflicht gespielt, etwa was die Einrichtung eines unabhängigen Untersuchungsmechanismus zu Afghanistan im UN-Menschenrechtsrat im vergangenen Oktober anbelangt.  

Die Bemühungen, afghanische Staatsbürger*innen abzuschieben, stehen im deutlichen Widerspruch zu den eigenen menschenrechtlichen Maßstäben der EU, was den Umgang mit den Taliban betrifft. Dabei werden die sehr realen und gut dokumentierten Risiken für abgeschobene Menschen sowie die Gründe für die Flucht – darunter die Gefahr von Verfolgung, gewaltsamem Verschwindenlassen, willkürlicher Inhaftierung, Folter und anderer Misshandlung sowie Repressalien unter der Herrschaft der Taliban – völlig außer Acht gelassen.   

„Die verzweifelten Szenen von Menschen – darunter auch EU-Mitarbeiter*innen –, die aus Afghanistan fliehen, sind noch in guter Erinnerung. Es ist unfassbar, dass die EU nun versuchen würde, Menschen nach Afghanistan abzuschieben, wo die Lage inzwischen nur noch gefährlicher geworden ist“, sagt Eve Geddie, Direktorin von Amnesty International EU.  

„Das institutionalisierte Unterdrückungssystem der Taliban betrifft jeden Aspekt des täglichen Lebens und umfasst schwere Einschränkungen der Rechte von Frauen und Mädchen, den Einsatz von Folter und anderer Misshandlung, das Verschwindenlassen von Personen, willkürliche Verhaftungen und außergerichtliche Hinrichtungen. Jegliche Bemühungen der EU nach Afghanistan abzuschieben sind leichtsinnig, gefährlich und missachten die eigenen rechtlichen Verpflichtungen der EU – insbesondere die Verpflichtung, niemanden in eine Situation zurückzuschicken, in der sein Leben in Gefahr sein könnte“, so Eve Geddie weiter.

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PA: Jugend Eine Welt vergisst nicht auf die notleidenden Menschen in Tigray

Lage in Krisenregion im Norden Äthiopiens durch mögliches Aufflammen des Bürgerkriegs zusätzlich verschärft | Heiserer: „Keiner in Österreich kann sich Leid in Tigray vorstellen.“

Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni macht die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt auf die weiterhin dramatische Lage in der nordäthiopischen Region Tigray aufmerksam. Dreieinhalb Jahre nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs leben noch immer Hunderttausende Binnenvertriebene in Flüchtlingslagern und Notunterkünften. Die angespannte Sicherheitslage verschärft die Situation zusätzlich. Aus Sorge vor einem Wiederaufflammen der Kämpfe hat die äthiopische Zentralregierung zuletzt die Schulen für vier Monate geschlossen. „Wir erleben in Tigray eine Krise, die international kaum noch Aufmerksamkeit erhält, obwohl die Not vieler Menschen immer größer wird. Deshalb verbinden wir seit Jahren akute Nothilfe mit langfristigen Maßnahmen, die den Menschen wieder Hoffnung und Zukunftsperspektiven geben sollen“ , erklärt Wolfgang Wedan, Globaler Nothilfekoordinator von Jugend Eine Welt.

    Erschütternde Eindrücke Gemeinsam mit Philippa Belcredi, Leiterin der Programmabteilung von Jugend Eine Welt , besuchte Wedan vor wenigen Wochen Projektstandorte und Flüchtlingslager in Tigray. Die Eindrücke seien erschütternd gewesen. „Rund 90 Prozent der öffentlichen Schulen, die wir besucht haben, sind nach wie vor von Binnenvertriebenen belegt. Man weiß schlicht nicht, wo die Menschen sonst untergebracht werden sollen. Gleichzeitig fehlen dadurch Lernorte für Kinder und Jugendliche, die ohnehin schon Jahre ihrer Schulbildung verloren haben“ , berichtet Wedan.

    Katastrophale Verhältnisse in Flüchtlingscamps Besonders prekär sind die Bedingungen in den Flüchtlingscamps. In der Stadt Adwa leben 40.000 Menschen auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik, die während des Krieges geplündert wurde. „Jede Familie verfügt dort nur über wenige Quadratmeter, die durch aufgehängte Decken oder Planen voneinander getrennt sind. Der Anblick ist bedrückend“ , schildert Belcredi. Hinzu kommen massive Versorgungsprobleme. „Es gibt viel zu wenig Nahrung. Erste Todesfälle aufgrund von Unterernährung wurden in den letzten Wochen gemeldet. Dazu kommt die extreme Wasserknappheit. Wasser muss mit einem Tankwagen zum Camp gebracht werden. Aufgrund des Treibstoffmangels in der Region – wenn überhaupt vorhanden, dann kostet ein Liter auf dem lokalen Markt mittlerweile EUR 4,50 – steht die Wasserversorgung praktisch still. Das betrifft nicht nur Trinkwasser, sondern auch das Wasser zum Kochen und Duschen. Demensprechend katastrophal sind die hygienischen Zustände. Die vorhandenen acht (!) Toiletten für 40.000 Geflüchtete funktionieren meist nicht. Für die Duschen gibt es kein Wasser. Mangels Alternativen versuchen sich die verzweifelten Menschen im Camp mit Asche zu reinigen“ , berichtet Belcredi. Fehlende Abfallentsorgung und mangelnde Beleuchtung führen zudem dazu, dass nachts immer wieder Hyänen in die Lager eindringen. In der Vergangenheit wurden dabei sogar Kinder angegriffen.

    Belasteter Bildungsalltag Neben den Folgen von Krieg und Vertreibung belastet vor allem der Mangel an Lernmaterialien den Bildungsalltag der Mädchen und Buben. Schulbücher, Hefte und Stifte sind vielerorts kaum vorhanden, da Familien ihr knappes Geld für Wasser und Lebensmittel benötigen. „Für viele Kinder sind ein Bleistift oder ein Schulheft keine Selbstverständlichkeit. Oft wird Wissen mündlich vermittelt, weil Bücher fehlen. Die Kinder können sich nichts aufschreiben und müssen darauf hoffen, sich alles zu merken“ , so Wedan.

    Bitte helfen Sie! Gemeinsam mit den Salesianern Don Boscos, langjährige Projektpartner in der Region, unterstützt Jugend Eine Welt deshalb neben der Nothilfe auch Bildungs- und Ausbildungsprogramme. In sogenannten „Child Friendly Spaces“ finden Kinder Schutz, psychosoziale Betreuung und die Möglichkeit zu lernen und zu spielen. Wenn ausreichend Lebensmittel vorhanden sind, erhalten sie dort auch Mahlzeiten, wie zum Beispiel frisch gebackenes Brot, um den Hunger zu stillen. „Die Situation bleibt äußerst herausfordernd und wird durch das mögliche Aufflammen des Bürgerkriegs noch verschärft. Die Menschen in Tigray brauchen nicht nur Hilfe zum Überleben, sondern auch Chancen für die Zukunft. Beides gehört untrennbar zusammen“ , appelliert Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt . „Bitte vergessen Sie nicht auf die notleidenden Menschen und helfen Sie mir Ihrer Spende. Keiner von uns hier in Österreich kann sich nur im Geringsten vorstellen, was für ein Leid in Tigray seit Jahren passiert.“

Rückfragehinweis:
Jugend Eine Welt | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Thomas Zach, MA
Telefon: +4366488632574
E-Mail: thomas.zach@jugendeinewelt.at
Website: https://www.jugendeinewelt.at

PA und Interviewmöglichkeit: Weltflüchtlingstag: Fehlende Hilfsgelder für Flüchtlingskrisen lassen Millionen Menschen ohne Nahrung, Wasser und Schutz zurück

CARE warnt: Flüchtlingshilfe in Krisenländern wie Sudan, Südsudan, Tschad, Niger, Äthiopien und der Zentralafrikanischen Republik nur bis zu 15 Prozent finanziert / CARE appelliert an die internationale Gemeinschaft, Mittel aufzustocken und Ursachen für Flucht stärker zu bekämpfen.

Anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni warnt CARE Österreich vor einer folgenschweren Unterfinanzierung der internationalen Flüchtlingshilfe. Laut Daten der Vereinten Nationen wurden seit Jahresbeginn für die Unterstützung von Geflüchteten in Krisenländern wie Sudan, Südsudan, Tschad, Niger, Äthiopien und der Zentralafrikanischen Republik nur bis zu rund 15 Prozent der benötigten Mittel bereitgestellt (Stand: 16. Juni 2026). Millionen Menschen drohen dadurch gravierende Einschränkungen beim Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung und Schutz.

Ähnlich prekär ist die Finanzierung der regionalen Hilfspläne, die die Unterstützung von Geflüchteten über Ländergrenzen hinweg sicherstellen sollen. Für Menschen, die vor dem Krieg im Sudan in Nachbarländer geflohen sind, stehen derzeit nur rund 13 Prozent der benötigten Mittel zur Verfügung. Der regionale Hilfsplan für Geflüchtete aus Venezuela ist sogar nur zu etwa 10 Prozent finanziert.

„Flucht ist keine Wahl – für Millionen Menschen ist sie die letzte Möglichkeit zu überleben. Während Konflikte, Hunger und die Klimakrise immer mehr Menschen zur Flucht zwingen, geht die Hilfe für sie zurück. Diese Entwicklung ist alarmierend“, mahnt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Wenn die Finanzierung für Geflüchtete ausbleibt, bedeutet das weniger Nahrung, weniger medizinische Versorgung und weniger Schutz, insbesondere für Frauen und Kinder. Die internationale Gemeinschaft darf Menschen auf der Flucht nicht im Stich lassen. Humanitäre Hilfe muss ausreichend finanziert werden, unabhängig davon, woher Menschen kommen oder wohin sie fliehen. Gleichzeitig müssen die Ursachen von Flucht stärker bekämpft werden, etwa durch Konfliktprävention und Investitionen in Klimagerechtigkeit und Ernährungssicherheit.“

Vertreibungskrise Sudan: Ein Drittel der Bevölkerung auf der Flucht

Der seit 2023 andauernde Krieg im Sudan hat die derzeit größte Vertreibungskrise weltweit ausgelöst. Rund 11,5 Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes oder über die Grenzen hinweg vertrieben. Mehr als 4,5 Millionen Menschen sind in Nachbarländer wie den Tschad, Südsudan, Ägypten oder Libyen geflohen. Viele leben dort in überfüllten Aufnahmezentren, Flüchtlingscamps oder informellen Unterkünften, ohne ausreichende Versorgung mit Nahrung, Wasser und Medikamenten. Frauen und Kinder sind auf der Flucht einem hohen Risiko von Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt.

Welche Folgen die Finanzierungslücken vor Ort haben, schildert Sarah Easter, Nothilfereporterin von CARE Österreich. Sie war im März an der südsudanesischen Grenze zum Sudan: „Täglich fliehen Zehntausende Menschen über Sudans Grenzen. Ich habe überfüllte Transitzentren gesehen, Familien, die im Freien schlafen, Kinder, die wegen Hunger und Erschöpfung kaum noch gehen können, und Mütter, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder versorgen sollen. Gleichzeitig müssen Hilfsorganisationen Programme kürzen und schwierige Entscheidungen treffen, weil die Finanzierung fehlt. Die Folgen: geschlossene Gesundheitsstationen, fehlende Mahlzeiten, Geburten im Freien ohne medizinisches Personal. Humanitäre Hilfe rettet Leben. Dies ist nur möglich, wenn die internationale Gemeinschaft diese Hilfe auch finanziert.“

So hilft CARE: Mit Programmen in über 120 Ländern erreichte CARE im Jahr 2025 mehr als 58 Millionen Menschen – über die Hälfte davon Frauen und Mädchen. Im Sudan und den Nachbarregionen leistet CARE lebensrettende Soforthilfe mit Nahrung, Trinkwasser, Notunterkünften und medizinischer Versorgung. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen leistet CARE psychosoziale Unterstützung, sichert Lebensgrundlagen und stärkt die Resilienz der Gemeinschaften.

Quellen: UN OCHA Financial Tracking Service (Stand 16. Juni 2026) und UNHCR Refugee Funding Tracker (Stand 16. Juni 2026)

Interviewmöglichkeit:
Sarah Easter, Nothilfereporterin CARE Österreich, war kürzlich in der Grenzregion Südsudan/Sudan, um sich ein Bild von der Lage sudanesischer Geflüchteter zu machen. 
Sie steht für Interviews auf Deutsch und Englisch zur Verfügung. Bei Interesse, bitte melden:

Stephanie Weber
Media Officer
CARE Österreich
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Internet: www.care.at

Veranstaltungshinweis: FairStyria-Tag des Landes Steiermark am 24. Juni 2026

„Glokale“ Zusammenarbeit – die Steiermark als starker Partner zur SDG-Umsetzung

Was auf internationaler Ebene im Großen mit „Global Gateway“ – einem EU-Instrument für globale Infrastrukturpartnerschaften – geschaffen wurde, besteht auf „glokaler“ Ebene bereits seit langem.

Die Steiermark setzt seit Beginn des Engagements für Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 1981 auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Akteurinnen und Akteuren in Ländern des globalen Südens und solchen in der Steiermark, die durch ihre Kompetenz und Expertise auf Ebene der lokalen Zusammenarbeit über Kontinente hinweg wesentliche Beiträge zur Umsetzung der SDGs leisten.

Am diesjährigen FairStyria-Tag am 24. Juni 2026 werden rund 30 steirische Organisationen und Vereine im Grazer Joanneumsviertel über ihre Erfahrungen und Erfolge der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zur Verringerung der Armut und zur Schaffung positiver Lebensperspektiven für Menschen in Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas informieren. Die präsentierten Projekte tragen unmittelbar zur Umsetzung von SDG 2 (Hunger beseitigen), SDG 3 (Gesundheit), SDG 4 (Bildung) und SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit) bei.

Für Schulklassen werden interaktive Führungen sowie SDG-Escape Rooms und ein Theaterstück der VS Eisteich angeboten.  Anmeldung erforderlich!

=> Das Programm zum FairStyria-Tag  hier zum Download.

=> Das Programmheft zum FairStyria-Tag  hier zum Download

Kontakt und Information
Land Steiermark, A9 Kultur, Europa, Sport
Referat Europa und Internationales/FairStyria – Entwicklungszusammenarbeit
Maria Elßer | Rebecca Loder-Neuhold 
Tel. 0316/877-5518 oder 3877
E-Mail: fairstyria@stmk.gv.at

PA: 20 Jahre nach dem Massaker von Muttur: Tötung von 17 humanitären Helfern bleibt ungesühnt – Aktion gegen den Hunger fordert neue Untersuchung

Rund 20 Jahre nach der Ermordung von 17 Mitarbeitenden von Aktion gegen den Hunger im sri-lankischen Muttur fordert die internationale Hilfsorganisation eine neue Untersuchung.

Am 4. August 2006 wurden die humanitären Helferinnen und Helfer in ihrem Büro getötet. Sie waren durch T-Shirts und Westen deutlich als humanitäre Helfer gekennzeichnet. Obwohl zahlreiche Hinweise auf eine mutmaßliche Verantwortung der sri-lankischen Sicherheitskräfte hindeuten, bleibt eine juristische Aufarbeitung aus. Bis heute ist das Verbrechen ungesühnt. 

„Auch 20 Jahre nach dem Tod unserer 17 Kolleginnen und Kollegen kämpfen wir weiter für Gerechtigkeit. Sie wurden getötet, während sie Menschen in Not unterstützten – viele von ihnen standen noch am Anfang ihres beruflichen Lebens. Für ihre Familien ist dieser Verlust bis heute nicht überwunden. Auch für uns als Mitarbeitende von Aktion gegen den Hunger bleibt die Erinnerung lebendig und der Schmerz spürbar. Dass die Verantwortlichen bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, ist inakzeptabel. Humanitäre Helferinnen und Helfer dürfen niemals Ziel von Gewalt werden“, fordert Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.

In einem offiziellen Brief fordert Aktion gegen den Hunger die Regierung von Sri Lanka auf, die jahrzehntelange Straflosigkeit zu beenden und eine neue Untersuchung einzuleiten. Diese müsse internationalen Standards entsprechen, insbesondere in Bezug auf Transparenz und den Schutz von Zeuginnen und Zeugen. Zugleich appelliert die Organisation an die internationale Gemeinschaft, dieses Anliegen zu unterstützen und alles daranzusetzen, die Wahrheit über dieses Verbrechen aufzuklären. Auch Bundesaußenminister Johann Wadephul haben wir aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die Verantwortlichen für die Angriffe zur Rechenschaft gezogen werden.

Familien warten seit 20 Jahren auf Gerechtigkeit

Das Massaker von Muttur gehört zu den tödlichsten Angriffen auf humanitäre Helfer weltweit. Aktion gegen den Hunger sowie mehrere internationale Institutionen – darunter das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte, die Sri Lanka Monitoring Mission und weitere Nichtregierungsorganisationen – kommen seit Jahren übereinstimmend zu dem Schluss, dass der Angriff höchstwahrscheinlich von sri-lankischen Sicherheitskräften verübt wurde und dass es zahlreiche Versuche gab, die Tat zu vertuschen.

Seit zwei Jahrzehnten leben die Angehörigen der Opfer mit dem Verlust, dem Schmerz und der fehlenden Gerechtigkeit. „Selbst nach 20 Jahren ist der Schmerz über das Geschehene noch immer in meinem Herzen. Ich vermisse meinen Bruder. Die Verantwortlichen sollten endlich bestraft werden“, berichtet ein Familienmitglied. „Dieser Verlust wird mich mein Leben lang begleiten.“

Zunehmende Angriffe auf humanitäre Helfer

Das humanitäre Völkerrecht schützt Helferinnen und Helfer ausdrücklich vor Angriffen, dennoch nimmt die Gewalt gegen sie weltweit zu. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden mehr als 1.000 humanitäre Helferinnen und Helfer getötet. In Krisenzeiten stehen sie an vorderster Front, leisten lebenswichtige Hilfe und retten Menschenleben. Ihr Schutz ist unverzichtbar, um die Versorgung notleidender Menschen sicherzustellen.

„Die ausbleibende Aufarbeitung dieses Verbrechens in Muttur sendet seit Jahren ein fatales Signal: dass Angriffe auf humanitäre Helferinnen und Helfer ungestraft bleiben. Gleichzeitig erleben wir einen alarmierenden Anstieg solcher Gewalt. Es ist dringend notwendig, dass die sri-lankischen Behörden Verantwortung übernehmen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und endlich Gerechtigkeit herzustellen“, so Friedrich-Rust.

Weitere Informationen zum Massaker von Muttur: www.aktiongegendenhunger.de/hunger/ursachen/konflikte/massaker-muttur

Hinweis an die Redaktionen

Sprecher*innen verfügbar: Gerne vermitteln wir Interviews, Gastbeiträge oder Hintergrundgespräche.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 57 Ländern und Regionen aktiv ist und rund 26,5 Millionen Menschen unterstützt. Seit mehr als 45 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.769 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen.

Pressekontakt

Vassilios Saroglou / Markus Winkler
Tel. 030 – 279 099 776
E-Mail presse@aktiongegendenhunger.de
Website www.aktiongegendenhunger.de

PA: Somalia: 500 Gesundheitszentren mussten wegen Mittelkürzungen schließen – CARE warnt vor Hungersnot

Mittelkürzungen, Dürre und steigende Kosten treiben Somalia in eine humanitäre Katastrophe. 500 Gesundheitszentren mussten schließen, knapp 500.000 Kinder leiden unter lebensbedrohlichem Hunger. CARE fordert sofortiges Handeln.

Fast zwei Millionen Kinder sind in Somalia akut mangelernährt, knapp 500.000 davon in lebensbedrohlichem Zustand. Seit Jänner mussten landesweit 500 Gesundheitseinrichtungen wegen gravierender Finanzierungslücken schließen – darunter 50 von CARE unterstützte Gesundheits- und Ernährungszentren in Puntland, Somaliland, Galmudug und Lower Juba. Dort wurden monatlich tausende schwangere Frauen und Kinder behandelt. Die Schließungen unterbrechen die lebensrettende Versorgung von Millionen Menschen. Eine anhaltende Dürre verschärft die Lage zusätzlich. Die Hilfsorganisation CARE warnt vor einer drohenden Hungersnot.

„Das ist ein Zusammenbruch“

„In Galmudug ist die Lage katastrophal. Mittelkürzungen haben zur Schließung von elf Gesundheitszentren geführt, Bargeldhilfen und Projekte zur Verbesserung der Wasserversorgung wurden eingestellt. Familien haben keinen Zugang mehr zu Gesundheitsversorgung, sauberem Wasser oder Nahrung. Mütter sehen zu, wie ihre Kinder immer schwächer werden, schwangere Frauen haben keine Anlaufstelle. Krankheiten wie Cholera, Masern und Diphtherie breiten sich aus. Das ist keine langsam wachsende Krise. Das ist ein Zusammenbruch“, warnt Abdikadir Ore, CARE-Nothilfekoordinator in Somalia.

In Kismayo berichten Pflegekräfte von CARE und Partnerorganisationen von einem starken Zustrom erschöpfter und dehydrierter Schwangerer in den verbliebenen Gesundheitseinrichtungen. Viele von ihnen sind tagelang ohne Nahrung und Wasser zu Fuß unterwegs, auf der Suche nach Versorgung, die längst nicht mehr gewährleistet ist. 

Steigende Kosten durch Konflikt im Nahen Osten

Die Krise wird durch Konflikte, Klimaschocks, Vertreibung, wirtschaftliche Instabilität und massive Mittelkürzungen angetrieben. Rund sechs Millionen Menschen in Somalia sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Ein erwartetes El-Niño-Ereignis zwischen Juni und Juli sowie damit verbundene Ernteausfälle durch Wetterextreme könnten die Lage weiter verschärfen.

Gleichzeitig treiben globale Lieferkettenstörungen infolge der Schließung der Straße von Hormuz die Kosten für Lebensmittel, Treibstoff und Hilfsgüter weiter in die Höhe. Die Wasserpreise sind in manchen Regionen um bis zu 300 Prozent gestiegen. Auch lebensrettende Hilfsmittel werden teurer: Ein Karton therapeutischer Milch zur Behandlung schwerer Mangelernährung bei Kindern kostete 2024 noch 139 US-Dollar – 2026 sind es bereits 200 US-Dollar, ein Anstieg von rund 44 Prozent in nur zwei Jahren.

CARE fordert mehr Mittel für humanitäre Hilfe

„Die Hungerkrise in Somalia zwingt Familien zu unmöglichen Entscheidungen: Mütter müssen wählen, welches Kind heute etwas zu essen bekommt. Wer jetzt nicht handelt, riskiert Menschenleben“, warnt Ummy Dubow, CARE‑Länderdirektorin in Somalia. „Bis eine Hungersnot offiziell ausgerufen wird, ist es für die Kinder, die jetzt sterben, bereits zu spät.“

CARE stellt gemeinsam mit lokalen Partnern Bargeld zur Deckung der dringendsten Bedürfnisse, Gesundheitsversorgung, Ernährungshilfe und Schutzleistungen für Familien in Somalia bereit. Doch ohne rasche Zusatzfinanzierung drohen auch diese Programme gekürzt zu werden. CARE fordert daher eine sofortige Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe – flexibel, gerecht und mit besonderem Fokus auf der Unterstützung lokaler und von Frauen geführter Organisationen, die in Krisengebieten an vorderster Front arbeiten. Alle Konfliktparteien müssen humanitäre Hilfe ungehindert zulassen und das humanitäre Völkerrecht einhalten, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

Rückfragen:
Stephanie Weber
Media Officer
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PA: Jugend Eine Welt zum „Internationalen Tag gegen Kinderarbeit“: Kinderarbeit stoppen, Zukunft ermöglichen!

138 Mio. Kinder müssen weltweit arbeiten. Heiserer: „Unser Wohlstand in Österreich darf nicht auf der Ausbeutung von Kindern beruhen.“

„Kinderarbeit ist ein weltweites Problem. Während Kinder im Globalen Süden schuften müssen, profitieren wir in Österreich von ihrer Ausbeutung durch den Kauf billiger Produkte. Denn Kinderarbeit findet vor allem dort statt, wo viele unserer alltäglichen Produkte ihren Ursprung haben. Also wo Rohstoffe abgebaut oder weiterverarbeitet werden“ , betont Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt , anlässlich des „Internationalen Tag gegen Kinderarbeit“ am 12. Juni. Als Bündnispartner der Initiative „Kinderarbeit stoppen“ appelliert Jugend Eine Welt daher: Helfen Sie mit, Kinderarbeit zu stoppen und ermöglichen Sie den Kindern eine Zukunft!

    In der Armutsspirale gefangen „Ich habe Buben und Mädchen gesehen, die stundenlang Steine zerschlagen, Staub einatmen und ihre Kräfte verlieren. Oder Kinder, die kilometerlange Märsche zurücklegen müssen, um Wasser zu holen“ , gibt Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Heiserer Einblicke in seine letzten Projektreisen nach Sierra Leone und Äthiopien. „Fast alle haben denselben Traum: In die Schule gehen zu können und zu lernen, damit sie der Armutsspirale, in der sie gefangen sind, entkommen können. Genau dafür setzen wir uns bei Jugend Eine Welt ein. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern vor Ort holen wir Kinder aus gefährlicher Arbeit, geben ihnen Schutz und unterstützen sie auf ihrem Bildungsweg. Etwa durch die Finanzierung von Schul- und Berufsausbildungsprojekten.“

    138 Mio. Kinder von Kinderarbeit betroffen Rund 138 Millionen Mädchen und Buben im Alter zwischen 5 und 17 Jahren sind laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO von Kinderarbeit betroffen. Davon arbeiten an die 54 Millionen in besonders gefährlichen Bereichen. 57 Prozent der betroffenen Kinder sind unter 12 Jahre alt. „Kinderarbeit ist Symptom und zugleich Ursache eines Teufelskreises: Viele Kinder, die in Armut leben, müssen arbeiten und können daher nicht in die Schule gehen bzw. brechen sie frühzeitig ab. Andere schaffen nur einen Grundschulabschluss. Eine gute und zukunftsträchtige Berufsausbildung bleibt für sie meist nur ein verträumtes Gedankenspiel“ , erzählt Heiserer. Entsprechend schlecht sind die Chancen von Kinderarbeiterinnen und Kinderarbeitern auf eine existenzsichernde Beschäftigung, wenn sie einmal erwachsen sind. „Um ihre Familie ernähren zu können, sind sie später oftmals selbst auf die Mitarbeit der eigenen Kinder angewiesen – so schließt sich der Teufelskreis“ , so der Jugend Eine Welt-Geschäftsführer.

    Kinderarbeit auch in Österreich präsent Die Arten der Kinderarbeit weltweit sind vielfältig. Vor allem Buben schuften in Minen, Steinbrüchen oder Fabriken. Meist geht es um Produkte, die rund um den Globus gehandelt werden, etwa um Kakao, Kaffee, Baumwolle, Naturstein, Gold, Zuckerrohr, Textilien und viele mehr. Mädchen werden hingegen meist versteckt und rund um die Uhr als schlecht bezahlte Hilfen im Haushalt ausgebeutet. Darüber hinaus haben sie keinen Schutz vor tätlichen Übergriffen.

    Alle vier Jahre veröffentlicht „The Bureau of International Labor Affairs (ILAB)“ eine Liste mit Produkten, bei denen die Annahme besteht, dass sie auch mit Kinderhänden hergestellt werden. Zuletzt beinhaltete die „List of goods“ 204 verdächtige Produkte aus 82 Ländern, wie zum Beispiel Schokolade, Gold, Kaffee, Zucker, Tee, Baumwolle, Tabak, aber auch Kleidung sowie elektronische Teile und Materialien, die in Smartphones eingebaut sind. „Länder wie Nigeria, Elfenbeinküste, Indien, Pakistan, Venezuela oder Ecuador sind für uns in Österreich so weit weg und nicht greifbar. Dennoch sind die dort arbeitenden Kinder uns näher als wir denken. Und fast sicher haben viele Österreicherinnen und Österreicher unbewusst schon Produkte in den heimischen Regalen gekauft, bei denen Kinderarbeit im Spiel war.“

    Unser Wohlstand darf nicht auf der Ausbeutung von Kindern beruhen Aus diesem Grund appelliert Heiserer erneut, beim Kauf auf etablierte, unabhängige Labels wie das Fairtrade-Siegel zu achten. „Unser Wohlstand in Österreich darf nicht auf der Ausbeutung von Kindern im Globalen Süden beruhen. Aktionstage wie der ‚Internationale Tag gegen Kinderarbeit‘ sollen darauf hinweisen, dass Kinderarbeit – wie sie Anfang des 20. Jahrhundert auch in Österreich in Form der Schwabenkinder stattgefunden hat – in armen Ländern noch heute präsent ist. Daher bin ich auch der Überzeugung, dass Entwicklungszusammenarbeit bei uns in Österreich beginnt. Wir müssen unser Verhalten ändern: weniger ausbeuten, weniger zerstören, weniger wegnehmen. Der Soziologe Jean Ziegler sagte einmal: Wir müssen den Menschen in Afrika nicht mehr spenden, es reicht, wenn wir ihnen weniger stehlen. Ich denke, diese Aussage fasst das Thema sehr gut zusammen“ , so Heiserer. „Unser Ziel muss das ‚gute Leben für alle‘ sein. Nicht ein auf reinster Ausbeutung basierendes Leben für wenige und dafür im Überfluss.“

    Über die Initiative „Kinderarbeit stoppen“ Gemeinsam mit Partnerorganisationen im Globalen Süden setzt sich die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt seit Jahren – als Mitglied der Initiative „Kinderarbeit stoppen“, der auch die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, FAIRTRADE Österreich, solidar Austria und Kindernothilfe Österreich angehören – dafür ein, Kinder aus ausbeuterischer Arbeit zu befreien, den Schulbesuch zu ermöglichen und die Rechte von Kindern zu stärken. Weiterführende Informationen zur Kampagne „Kinderarbeit stoppen“ finden Sie unter www.kinderarbeitstoppen.at .

    Detaillierte Informationen zum Thema Kinderarbeit sowie die aktuelle „List of goods“ finden Sie unter www.jugendeinewelt.at/kinderarbeit .

    Jugend Eine Welt-Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000 | Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden | Spenden sind steuerlich absetzbar!

Rückfragehinweis:
Jugend Eine Welt | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Thomas Zach, MA
Telefon: +4366488632574
E-Mail: thomas.zach@jugendeinewelt.at
Website: https://www.jugendeinewelt.at

Aktion: WM-Start: Rote Karte gegen Kinderarbeit

Weltweit müssen noch immer 138 Millionen Kinder arbeiten, obwohl sich die internationale Staatengemeinschaft vorgenommen hatte, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden. Zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit am 12. Juni setzt die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar als Teil der Initiative „Kinderarbeit stoppen“ mit der Aktion „Rote Karte gegen Kinderarbeit“ ein wichtiges Zeichen für die Rechte von Kindern und fordert die Bundesregierung auf, der internationalen Allianz 8.7 gegen Kinderarbeit beizutreten.

138 Millionen Kinder schuften unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen – etwa auf Plantagen, in Fabriken, Minen oder privaten Haushalten. Statt die Schule zu besuchen, werden sie ihrer Chancen auf Bildung und ein selbstbestimmtes Leben beraubt. Dabei hatte sich die internationale Staatengemeinschaft mit dem Nachhaltigkeitsziel SDG 8.7 vorgenommen, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden. Dieses Ziel wurde klar verfehlt. Kinderarbeit zählt weiterhin zu den größten Verletzungen von Kinderrechten weltweit.

Die Initiative „Kinderarbeit stoppen“ fordert daher von der österreichischen Bundesregierung, als konkreten Schritt der Allianz 8.7 beizutreten. In diesem internationalen Zusammenschluss arbeiten Staaten gemeinsam an konkreten Maßnahmen gegen Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Menschenhandel. Deutschland, die Niederlande und Frankreich übernehmen bereits als sogenannte „Pathfinder Countries“ eine Vorreiterrolle.

Kinder zeigen der Kinderarbeit die Rote Karte

Kinder, Jugendliche und Erwachsene setzen selbst ein starkes Zeichen. Sie zeigen die Rote Karte gegen Kinderarbeit, machen ein Foto und teilen es in den sozialen Medien. „Kinderarbeit ist ein Foul an den Rechten von Kindern. Deshalb zeigen wir ihr die Rote Karte. Jedes Kind hat das Recht auf Bildung, Freizeit und Schutz vor Ausbeutung. Österreich soll Verantwortung übernehmen und der Allianz 8.7 beitreten“, sagt Sigrid Kickingereder, Geschäftsführerin der Katholischen Jungschar und ihrer Dreikönigsaktion.

Kinderstimmen gegen Kinderarbeit

Besonders eindrucksvoll kommen Kinder selbst zu Wort. Für die Videoserie „Kinderstimmen gegen Kinderarbeit“ wurden rund 50 Kinder und Jugendliche aus Österreich, Kenia, Kolumbien, Nicaragua, Indien, den Philippinen und Südafrika gefragt, was sie von Kinderarbeit halten. Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Kinder selbst – und zugleich erstaunlich einig. Sie wollen lernen, spielen, Freund*innen treffen und ihre Zukunft gestalten, statt arbeiten zu müssen.

„Wenn ich eine Superkraft hätte, dann wäre es die Kraft der Verbindung, denn gemeinsam können wir sagen: Kinderarbeit stoppen“, sagt die 16-jährige Leyda Lisseth (Nicaragua). Lalita (Indien) fordert: „Sagt ‚Nein‘ zu Kinderarbeit. Jedes Kind hat das Recht, frei zu sein, zur Schule zu gehen und eine glückliche Kindheit zu genießen.“ Und Joseph (Kenia) bringt die Botschaft vieler Kinder auf den Punkt: „Lasst die Kinder Kinder sein!“

Gemeinsam gegen Kinderarbeit aktiv werden

Zudem können Bürger*innen mit einer österreichweiten E-Mailaktion Bundeskanzler Christian Stocker, Sozialministerin Korinna Schumann und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger direkt zum Handeln auffordern und den Beitritt Österreichs zur Allianz 8.7 unterstützen.

Fotos zur Aktion /Rote Karte gegen Kinderarbeit“: https://www.flickr.com/photos/kjsoe/albums/72177720334002360/

Infos zu „Rote Karte gegen Kinderarbeit“: www.kinderarbeitstoppen.at/rote-karte-gegen-kinderarbeit

Link zur Mailaktion: https://www.kinderarbeitstoppen.at/gerechtigkeit-fordern

Videoserie: Kinderstimmen gegen Kinderarbeit: www.kinderarbeitstoppen.at/kinderstimmen-gegen-kinderarbeit

Die Initiative „Kinderarbeit stoppen“ ist ein Bündnis aus der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, Jugend Eine Welt, FAIRTRADE Österreich, Kindernothilfe Österreich und solidar Austria. Gemeinsam mit Partnerorganisationen im Globalen Süden setzt sich das Bündnis dafür ein, Kinder aus ausbeuterischer Arbeit zu befreien, den Schulbesuch zu ermöglichen und die Rechte von Kindern zu stärken.

Kontakt:
Dreikönigsaktion
Telefon: +43 676 88011 1073
E-Mail: georg.bauer@dka.at